Kontakt
Facebook
Twitter
RSS
Gästebuch
Wöchentlicher Newsletter

Wie wir uns selbst mit Killerargumenten ausbremsen

Von Ralf Senftleben9 Kommentare

Sie wissen bestimmt, was ein Killerargument ist, oder?

Killerargumente sind Bemerkungen, die nur einen Zweck haben: Den anderen mundtot zu machen und eine Diskussion abzuwürgen.

Mit solchen inhaltsleeren Phrasen kann man rhetorisch ungeschulte Menschen schnell zum Schweigen bringen.

Erstaunlich ist, dass wir solche Killerphrasen auch gegen uns selbst verwenden, damit wir uns nicht aus unserer Bequemlichkeits-Zone hinaus bewegen müssen.

Manchmal spüre ich, das ich etwas in meinem Leben ändern müsste. Und zwar, weil mich da irgendetwas unzufrieden oder unglücklich macht. Zum Beispiel, wenn mich mein Beruf in den Wahnsinn treibt. Oder zu Tode langweilt. Wenn eine einst gute Freundin nur noch Energie zieht. Oder wenn ich mich ungesund ernähre und die Waage jeden Monat mehr anzeigt.

Ich weiß, es stimmt etwas nicht. Ich weiß aber auch, dass das unbequem wird, wenn ich daran rühre. Also erzähle ich mir selbst solche Dinge wie:

“Da kann ich im Augenblick nichts machen.”

oder

“Es ist einfach noch nicht die richtige Zeit etwas zu ändern.”

Und damit ist die interne Diskussion beendet und ich bleibe weiter in der Situation, die mir nicht gut tut.

“Da kann man nichts machen.“

Entschuldigen Sie die klaren Worte, aber in den meisten Fällen machen wir uns da schlicht und einfach etwas vor. Denn wir haben ja noch nicht einmal überlegt, was man tun könnte.

Wir Menschen haben einen Verstand und wir beleidigen genau diesen, indem wir uns selbst mit billigen Ausreden abspeisen und uns das auch noch durchgehen lassen.

“Ich kann nichts machen.”

Nehmen wir mal an, ich würde das nicht gelten lassen, sondern anfangen, mir Fragen zu stellen:

Unser Verstand ist ziemlich gut darin, Probleme zu lösen, wenn wir ihm die Chance dazu geben. Aber das setzt voraus, dass wir ihn nicht mit Killerargumenten mundtod machen.

Zeigen Sie sich selbst, dass Sie sich ernst nehmen und lassen Sie sich selbst keine Ausreden mehr durchgehen.

“Ich kann nichts machen.” – damit feiern Sie nur Ihre Ohnmacht und Hilflosigkeit.

Nutzen Sie lieber Ihren Verstand und suchen Sie gezielt nach Lösungen. Und ändern Sie dann, was Sie unzufrieden macht.

  1. Margit schreibt am 28. Juni 2009 um 08:40

    Hallo Ralf,

    warum soll ich die klaren Worte ent"schuld"igen? Ihr Artikel gefällt mir ausgezeichnet und trifft es (mich) auf den Punkt.

  2. Sunshine1 schreibt am 28. Juni 2009 um 08:50

    Hallo Ralf,

    ich stimme dir voll und ganz zu. Dies habe ich nicht nur bei Kollegen, Freunden und Bekannten in der Vergangenheit und der Gegenwart kennen gelernt, sondern auch viel bei mir. Hier bedarf es einfach der eigenen Nachhaltigkeit, die Dinge immer wieder mal neu zur Sprach zu bringen mit neuen und praktischen Beispielen. Auch bei mir selber. ;-)
    Im Nachhinein habe ich aber auch festgestellt, dass z. B. ein Kollege, nach Jahren, selber bereit war umzudenken und nach Lösungen statt nach Schuldigen suchte. Manchmal braucht es eben etwas Zeit. ;-) Auch ich habe früher eher nach Schuldigen gesucht und seit ich es nicht mehr mache, geht es mir besser und mir fallen andere Wege ein oder auf, um das Ziel zu erreichen.

    Liebe Grüße
    Sunshine1

  3. Stefan schreibt am 28. Juni 2009 um 11:01

    Leider sehe ich mich selbst und bekomme fast nicht die Kurve.
    Ein Trost für mich es gibt viel die Probleme haben.
    Leider habt ihr damit recht!

  4. Muna schreibt am 28. Juni 2009 um 11:39

    Ist mir kürzlich begegnet.
    Und alle sprachen das geht nicht, bis einer kam und es einfach tat....

  5. Blarg schreibt am 28. Juni 2009 um 11:52

    Das Problem ist aber eher, dass wir ja ganz genau wissen, dass wir was tun können. Und uns konkrete kleine Schritte nicht unbedingt helfen, weil wir wissen, dass wir diese gehen könnten. Was viel entscheidender ist: Warum erzählen wir uns, dass wir nichts tun können?
    Nicht, weil wir faul sind, sondern weil wir Angst haben.
    Oft ein Paket aus vielen verschiedenen Ängsten. Angst vor Erfolg, vor Versagen, vor Unbequemlichkeit usw...

    Am größten sind ZWEI Ängste, die ich immer wieder bei mir und anderen ausmachen konnte, wenn es um Veränderungen ging.

    1. Die Angst vor unangenehmen Gefühlen und einer diffusen Leere und unbegründeten schlechten Laune.

    Sie ist immer wieder mal aufgetaucht und taucht auch immer wieder auf - die Leere. Das ist dieses Gefühl, wo mir eine Aufgabe grade zuviel wird (meist kurz vor dem Ende) und ich auf einmal glaube, das es sinnlos ist, wo ich am Sonntagmorgen dasitze und mich frage, was ich mit dem Tag anfangen könnte, das kleine unangenehme Gefühl, das plötzlich die gute Laune kaputtmacht, scheinbar grundlos. Das ist der Moment, wo ich beschließe, mir erstmal eine Zigarette anzuzünden, zur Tanke zu fahren, um ein Eis zu kaufen, mich ins Bett lege und den Fernseher einschalte, wo ich maulig werde, nichts mit mir anfangen kann, genervt bin, unzufrieden, mir nichts recht ist, ich auf nichts rechte Lust habe, nur irgendein niederes Bedürfnis zu befriedigen und den Kopf dabei abzuschalten, um das Gefühl nicht aushalten zu müssen.

    Es hilft da ungemein, aufzudröseln, woher dieses Gefühl kommt. Meist sind es alte Überzeugungen, die uns plötzlich in den Sinn kommen, kleine Störgedanken, mitten in einem Vorhaben oder davor, dass es sinnlos sei, die Mühe zu groß ist, es ist einfach beängstigend, sich der Situation auszuliefern. Aber oft gibt es gar keine konkreten Gründe, manchmal ist es nur eine Art plötzlich einsetzender Melancholie und dazu oft auch der Glaube, dass es einfach nicht so leicht gehen kann, dass einem der Erfolg bald wieder verhagelt wird, dass es nicht sein kann, dass es so gut läuft, und wir halten inne und greifen zur Zigarette.

    Damit sind wir bei Angst Nr. 2:

    Die Angst der meisten Menschen vor der Einsicht, dass der Erfolg in ihrem Leben maßgeblich von ihnen selbst abhängt und dass es allein in ihrer Verantwortung liegt, ihr Leben zu verändern, UND: dass dann, wenn sie ihr Leben in die Hand nehmen, es POSITIV enden könnte, dass sie eben keinen reingewürgt kriegen vom Schicksal, sondern dass sie erkennen müssen, dass auf einmal alles wunderbar läuft, sich von der Opferhaltung verabschieden müssen, das jammern sein lassen und auf einmal aktiv werden sollen. "Man kann doch eh nichts ändern" usw., hinter solchen Killerphrasen steckt die Angst, dass es ja doch etwas bringen könnte, sich anzustrengen, aber man dafür aus dem warmen, gemütlichen Jammerloch herausmuss, gar kein Opfer mehr ist, plötzlich geradestehen soll für sein Leben...

    Ich bemerke die Angst sehr oft, wenn es um Optimismus geht, es gibt Leute, die Glück, glückliche Zufälle, Chancen usw. geradezu panisch oder wütend aburteilen, weil das in ihrer Weltauffassung einfach nicht sein darf, und wenn jemand mit Leichtigkeit und mit viel Glück etwas besteht, was eigentlich schwierig sein sollte, werden die Hetzreden laut. Das sind die Leute, die davon überzeugt sind, das Leben müsse eine Qual sein, dass es nicht einfach laufen kann, dass man nicht einfach viel Geld verdienen kann, dass es einen Haken gibt, dass sie bestraft werden, wenn sie zuviel Glück erleben, der große Gott persönlich sie in den Dreck drückt, wenn ihnen auch mal etwas Positives passiert...sie haben Angst, dass alles doch so einfach wäre, wenn sie es nur einfach angehen würden.

    Dabei wäre es ja schön, wenn es so einfach alles wäre und man alles nur angehen müsste, aber die meisten bleiben lieber in der Negativhaltung, da fühlen sie sich sicher, da meinen sie zu wissen, was sie erwartet. Harte Arbeit, die zu nichts führt z.B.....denn sie kennen es nicht, angemessen für etwas zu arbeiten, das zu großem Erfolg führt, das läuft ihren Grundsätzen zuwider.

    Ich hab aber die Erfahrung gemacht, dass es funktioniert, wenn man sich darauf einlässt und sich für etwas entscheidet und reinhängt, dann häufen sich plötzlich die Zufälle und Chancen. Und die Leute, die einem erzählen, so einfach könne es doch nicht sein, da würde doch bestimmt noch das dicke Ende nachkommen.

  6. Blarg schreibt am 28. Juni 2009 um 11:58

    Nachtrag: Vielleicht greift bei Angst 2 wieder Angst 1....es war alles zu leicht, man hatte Erfolg, nun sitzt man auf der großen Kohle, muss nicht mehr arbeiten, ist gesund, viele Jahre liegen vor einem, und man empfindet es als unbeschreiblich langweilig und sich selber als nutzlos und versucht, diese Leere in sich zu ersticken.
    Mal übertrieben gesagt.
    Da ist es einfacher, jeden Tag das Masochistenspielchen zu spielen, zu glauben, nichts erreichen zu können, sich abzukämpfen, im bösen, bösen Leben mit dem bösen Gott, der einem ständig eine reinwürgt, dem Schicksal, das gegen einem steht, und allen zu erzählen, es würde ja klappen, wenn nicht dies und jenes....schon mal aufgefallen, dass Leute oft sehr amüsiert und ein bisschen stolz Geschichten erzählen, wo sie wieder vermeintlich vom Schicksal eins auf den Deckel bekamen?
    Da kann man sich wichtig fühlen, wie ein Märtyrer, der gegen böse Mächte kämpft, die vom Erfolg abhalten und jedem diesen Kampf unter die Nase reiben (was alles in Wirklichkeit gar nicht vorhanden ist, böse Mächte und Kämpfe sind nur für Leute, die sonst keinen Lebensinhalt haben und Boshaftigkeiten gegen andere und das Leben verbreiten, um gehört zu werden und alles aufzumischen).

  7. Vicky schreibt am 28. Juni 2009 um 20:32

    Ich versteh dich Blarg!
    Schade das es Menschen gibt die Masken tragen,die das zeigen was sie garnicht sind z.b verletzt

  8. Iris Schaman schreibt am 30. Juni 2009 um 06:13

    "Man braucht den Mut, Dinge zu ändern, die man ändern kann,
    die Einsicht, Dinge zu akzeptieren, die man nicht ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden." (???)

    Hallo!

    Spätestens bei den Killerargumenten:

    "Das muss sich rechnen (im Sinne der Ökonomie)."
    "Das rechnet sich nicht (im Sinne der Ökonomie)."

    Bei offener/direkter und/oder verdeckter/indirekter und/oder struktureller Gewalt und/oder dem Entzug von materieller/geistiger/seelischer Sicherheit, "muss" man sich weitestgehend weise entschieden!
    *
    LichtGruß
    Iris

  9. renate schreibt am 1. Juli 2009 um 16:57

    hallo zusammen,

    fällt ja immer schwer etwas zu ändern, ich hab`s noch nie geschafft etwas zu verändern.Die Sprüche aus der Pscychologie kenne ich auch.Man darf noch nicht einmal denken ich schaffe es nicht.Also auf ein letztes.
    schöne grüße