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Einfach mal die Klappe halten!

Von Ralf Senftleben9 Kommentare

Neulich habe ich mich dabei erwischt, wie ich Freunden einen Rat in Sachen Kindeserziehung gegeben habe.

So ein Blödsinn. Als ich es gemerkt habe, habe ich mir sofort selbst den Mund zugehalten, um Schlimmeres zu verhindern.

Warum war das Blödsinn?

Ganz einfach: Ich habe ja gar keine Kinder. Und dementsprechend habe ich auch Null Erfahrung. Zu meiner Entschuldigung kann ich allerdings vorbringen, dass ich immerhin schon mal ein Buch über Erziehung gelesen habe :-)

Es ist schon erstaunlich. Wir Menschen neigen dazu, anderen Rat zu geben, der komplett auf unserer eigenen Lebenssituation und unseren Erfahrungen beruht. Selbst wenn wir gar keine Ahnung haben. Und oftmals raten wir anderen sogar Dinge, die komplett kontraproduktiv sind.

Wenn ich schlechte Erfahrung mit dem anderen Geschlecht gemacht habe, warne ich meine Freunde:

“Pass bloß auf! Männern / Frauen kann man nicht trauen!”

Und ich bin mir sicher, dass ich meinen Freunden damit einen Gefallen tue.

Wenn ich z. B. ängstlich bin und mir meine Sicherheit das Wichtigste ist, dann warne ich meine Freunde davor, sich selbstständig zu machen. “Zu riskant! Lass bloß die Finger davon!”. Besser ist der sichere Beamtenjob. Selbst wenn mein Beamten-Leben seit 20 Jahren dröge und komplett unlebendig ist.

Es ist nicht nur so, dass wir anderen Menschen Ratschläge geben, die gar nicht zu ihnen passen. Oft raten wir ihnen auch Dinge, die bei uns selbst schon nicht funktioniert haben.

“Du musst dein Geld unbedingt in Aktien anlegen, weil Aktien schlagen Bundesschatzbriefe IMMER!”

Hast du denn schon viel Geld mit Aktien verdient?

Ähhmmm… naja… noch nicht so richtig :-(

Mmmmmhhh….

Deswegen möchte ich Ihnen Folgendes empfehlen. Bevor Sie jemandem einen Rat geben, fragen Sie sich bitte:

“Kenne ich mich in dem Bereich wirklich aus?”

Und noch wichtiger:

“Kenne ich mich in diesem Bereich nicht nur aus, sondern erreiche ich in diesem Bereich die Ergebnisse, die ich mir wünsche?”

Die zweite Frage zielt darauf ab, dass die Ergebnisse, die ich durch mein Handeln erziele, letztlich die Wahrheit über mein Wissen und meine Weisheit erzählen.

Wenn ich viel Geld auf dem Konto habe, dann liegt es nahe, dass ich einigermaßen gut mit Geld umgehen kann.

Wenn meine Kinder selbstständig, selbstbewusst und ausgeglichen sind, dann liegt es nahe, dass ich mit der Erziehung nicht alles falsch gemacht habe.

Wenn ich mich dauerhaft glücklich, zufrieden und erfüllt fühle, dann mache ich wohl in meinem Leben etwas richtig.

Das führt mich zu einer weiteren, wichtigen Idee.

Wenn Sie in einem Bereich Hilfe suchen, dann suchen Sie sich am besten nicht jemanden, der nur toll erzählen kann, was man alles machen sollte.

Suchen Sie Sie sich lieber jemanden, der schon genau das erreicht hat, was Sie auch erreichen wollen. Oder jemand, der zumindest jeden Tag mit Menschen zu tun hat, die bereits erreicht haben, was Sie anstreben.

Suchen Sie sich einen Finanzberater, der selbst vermögend ist.

Suchen Sie sich einen Therapeuten oder Coach, der einen glücklichen Eindruck macht und viel lächelt (und nicht jemanden, der mehr Probleme als Sie selbst zu haben scheint).

Wenn Sie Probleme in Ihrer Ehe haben, fragen Sie jemanden, der schon 20 Jahre glücklich verheiratet ist (und nicht die Freundin, die schon 4 mal geschieden ist).

Suchen Sie sich einen Zeitmanagement-Trainer, der pünktlich ist, organisiert wirkt und sein Leben im Griff hat.

Wenn Sie etwas lernen wollen, suchen Sie sich jemanden, der schon bewiesen hat, dass er genau das kann, was Sie lernen wollen.

Es zählt nicht, was jemand sagt. Denn Worte sind geduldig. Es zählt das, was jemand schon erreicht hat.

Diese Regel hilft mir persönlich ziemlich gut weiter. Sei es beim Rat geben oder beim Rat bekommen.

  1. Horst schreibt am 30. Oktober 2009 um 16:10

    Und wenn Sie abnehmen wollen, fragen Sie jemand, der das schon geschafft hat. 8-)
    Guter Tipp. Wie ich das hasse, wenn spindeldürre Ernährungsberater einem etwas von gesunder Ernährung erzählen wollen.

  2. Hubert schreibt am 30. Oktober 2009 um 23:09

    Nun ja, wie heißt es so schön....
    Man muß kein Schwein sein, um über Kottelets reden zu können.
    Und nicht jeder prkatizierende Onkologe muß selber Krebs gehabt haben um Behandlungserfolge vorweisen zu können.
    Und ich glaube schon, dass es hervorragende Erziehungwissenschaftler geben kann, auch wenn sie kinderlos geblieben sind, so wie es sicherlich auch gute Ehetherapeuten geben kann, die nie verheiratet waren.

    Meines Erachtens kommt es weniger auf den Status an, als auf die erworbene Kompetenz in einem Fachgebiet. Die können durchaus mit einander korrelieren, aber müssen es nicht zwangsläufig.
    Karl May hat bekanntlich nie den Wilden Westen gesehen, aber es gibt eine Menge Menschen, die ihn auf diesem Gebiet diesbezüglicher Literatur für erfolgreich halten oder hielten.
    Und es gibt eine Menge Menschen mit einer Menge Geld auf dem Konto, die dieses nie selber verdient haben und vielleicht auch nicht sehr kenntnisreich damit umgehen.

    Wenn ich mir persönlich einen Rat hole in Geldfragen, gehe ich allerdings auch nicht zu einem Bankrotteur.
    Aber auch nicht zu einem vermögenden Finanzberater denn der lebt in der Regel von seinen Kunden. Das ist so ähnlich, wie wenn man Versicherungen bei Unternehmen hat, die in Palästen residieren. Da habe ich immer ein ganz ungutes Gefühl, weil ich immer den Verdacht habe, ich habe da was mitfinanziert.

    Nun ja, dem Grundgedanken stimme ich allerdings zu.
    Man sollte sich zu den Dingen äußern, wo eine gewisse Kompetenz vorhanden ist. Niemand weiß auf einem Gebiet alles und deswegen braucht auch keiner ständig Zurückhaltung zu üben. Wenn allerdings Blinde über die Farbe sprechen.....

  3. Ursula Kruck-Hantschel schreibt am 1. November 2009 um 09:36

    Hallo,

    zum rechten Zeitpunkt am rechten Ort zu sein ist ein Erfolgsrezept.

    Zum rechten Zeitpunkt zu schweigen ein weiteren ... ;-)

    Leider fehlt es vielen Mensch an Sensibiliät das zu erspüren und die Grenzen Anderer zu respektieren.
    Ich nehme gerne "Gute gemeinte Tipps" entgegen, schließlich sind diese ja vom Geber gut gemeint. Dann schaue ich, was ich davon für mich verwenden kann und den Rest lasse ich einfach los...............

    Aus Erfahrung habe ich mitgenommen, dass Tipps nur dann beim Empfänger angekommen, wenn diese auch gewollt sind und darum gebeten wurde.

    Schöne Grüße
    Ursula Kruck-Hantschel

  4. Eva schreibt am 1. November 2009 um 09:53

    Nur weil jemand viel lächelt, hat er keine probleme? Ups, ich denke, es gibt da bei vielen ein Gesicht nach außer und ein (anderes) Innenleben. zwei Anmerkungen möchte ich geren machn:

    1) "Mal die Klappe hakten" finde ich angemessen bei Leuten, die glauben alles besser zu wissen und mir ihre Meinung als die einzig wahre aufdrängen wollen. Auch Menschen ohne Kinder können einen Hinweis geben, als weitere Option in der Menge der Möglichkeiten. Vielleicht merke ich im Gespräch mit der viermal Geschiedenen auch ähnliche Verhaltensmuster wie bei mir.

    2) Dankbar bin ich für den Satz "Wenn Sie in einem Bereich Hilfe suchen, dann suchen Sie sich am besten nicht jemanden, der nur toll erzählen kann, was man alles machen sollte."
    Da möchte ich aber noch einen Schritt weiter gehen. Ich habe das Gefühl, gut Schnacken wiegt heute mehr als Wissen. Auch in Personalabteilungen und bei Vorgesetzten haben oft Leute, die sich und heiße Luft verbal gut verkaufen bessere Karten als Kollegen, die es drauf haben, aber nicht die Rampenlichtsteher sind. Das gibt es auch bei Dienstleistern, die zur Akquise den Strahlemann schicken, der gleich mit Allen gut kann und geschickt alten Wein in neuen Tüten verkauft.

    3) Wie komme ich denn an einen Finanzberater, der vermögend ist, soll ich den danach fragen?? Vielleicht hat der nur reich geheiratet oder dubiose Finanzgeschöfte abgewickelt. Ich nehme lieber den, der auf meine Bedürfnisse eingeht. So wie ich auch lieber den Italienichlehrer nehme, der mir die Sprache vermitteln kann und nicht den, der gar kein Lehrer ist, aber Italiener.

  5. blarg schreibt am 1. November 2009 um 10:32

    Daran ist grad eine Freundschaft bei mir zerbrochen.

    Ich konnte das ewige Blabla ALLES betreffend nicht mehr hören. EGAL was ich machte, IMMER gute Ratschläge, aber: völlig ohne Hintergrund und sich informiert zu haben. Mit unfassbarer Dreistigkeit, Arroganz und Aggression rausgerotzte (Entschuldigung), ja, beinahe Befehle, wie ich etwas zu machen hätte.

    Der Witz war, ICH hatte mich informiert und meine Entscheidung getroffen. Unfassbar, wenn man sich dann ne halbe Stunde Genörgel und Reden eines "Freundes" anhören muss, wg Dingen, die ihn nicht betreffen und von denen er KEINE Ahnung hat. Seine Infos waren schlicht und einfach oft falsch.

    Er scheute sich auch nicht, zu allem anderen Ratschläge zu geben, und zwar banalster Art und Weise. Z.B.: Hey, bist du zu dick - nimm ab! Tataaa. Am besten nimmt man ab mit Sport und gesunder Ernährung.

    Aaaaaach, echt?? Überraschung!

    Das madige dran ist, dass diese Leute einem absprechen, selber einen Kopf zu haben, eine Meinung, die Fähigkeit, selber Entscheidungen zu treffen usw.

    Und wenn man sich dann beschwert, heißt es: Hallo, ich kann meine Meinung ja wohl äußern und hab es nur gut gemeint.

    Dann ist man selber der böse Mundverbieter.

    Wenigstens lern ich draus, andere nie derartig belehren zu wollen, gibt NICHTS nervigeres!

  6. Hanswurst schreibt am 1. November 2009 um 10:33

    Daran ist grad eine Freundschaft bei mir zerbrochen.

    Ich konnte das ewige Blabla ALLES betreffend nicht mehr hören. EGAL was ich machte, IMMER gute Ratschläge, aber: völlig ohne Hintergrund und sich informiert zu haben. Mit unfassbarer Dreistigkeit, Arroganz und Aggression rausgerotzte (Entschuldigung), ja, beinahe Befehle, wie ich etwas zu machen hätte.

    Der Witz war, ICH hatte mich informiert und meine Entscheidung getroffen. Unfassbar, wenn man sich dann ne halbe Stunde Genörgel und Reden eines "Freundes" anhören muss, wg Dingen, die ihn nicht betreffen und von denen er KEINE Ahnung hat. Seine Infos waren schlicht und einfach oft falsch.

    Er scheute sich auch nicht, zu allem anderen Ratschläge zu geben, und zwar banalster Art und Weise. Z.B.: Hey, bist du zu dick - nimm ab! Tataaa. Am besten nimmt man ab mit Sport und gesunder Ernährung.

    Aaaaaach, echt?? Überraschung!

    Das madige dran ist, dass diese Leute einem absprechen, selber einen Kopf zu haben, eine Meinung, die Fähigkeit, selber Entscheidungen zu treffen usw.

    Und wenn man sich dann beschwert, heißt es: Hallo, ich kann meine Meinung ja wohl äußern und hab es nur gut gemeint.

    Dann ist man selber der böse Mundverbieter.

    Wenigstens lern ich draus, andere nie derartig belehren zu wollen, gibt NICHTS nervigeres!

  7. Kasperle schreibt am 2. November 2009 um 10:30

    Werden die Kommentare eigentlich immer noch moderiert? Ist das eigentlich viel Arbeit? Das liegt doch wohl nicht etwa an mir oder ?

  8. Sunnie schreibt am 2. November 2009 um 12:28

    Oh ja, und dann gibt es noch die, die es nicht dulden, wenn man die "gut gemeinten" aber unerprobten Ratschläge nicht auf der Stelle in die Tat umsetzt. Diese Menschen werden dann noch persönlich, aggressiv und beleidigend. Leider kostet es derartig viel Kraft und Energie im Umgang mit solchen Typen seine Lebensfreude nicht zu verlieren, dass eigentlich nur die Flucht bleibt.
    Oder kennt jemand andere Wege? Für Tipps wäre ich dankbar.

    Wünsche allen viel Sonne im Herzen,
    sunnie.

  9. Lena schreibt am 5. November 2009 um 08:12

    Apropos "gut gemeint"

    das Gegenteil von GUT ist nicht BÖSE , sondern GUT GEMEINT !