Mit roter Nase ins Büro?
Von Ralf Senftleben • 11 Kommentare
Vor einigen Jahren bin ich in einem Buch (leider habe ich vergessen, in welchem) über eine sehr schöne Übung gestolpert. Die Übung geht so:
Man nimmt sich ein Problem, das einen im Augenblick beschäftigt.
Dann stellt man sich im Geiste vor, man würde einem guten Freund von genau diesem Problem erzählen. Dieser Freund ist aber nicht irgendein Freund, sondern der weiseste, gütigste, mitfühlendste und freundlichste Mensch, den Sie sich vorstellen können.
Während man seinem weisen und gütigem Freund von diesem Problem erzählt, entsteht auf dessen Gesicht ein liebevolles Lächeln. Sie erzählen weiter über Ihre Schwierigkeit, Ihr Freund hört Ihnen aufmerksam zu und sein Lächeln wird dabei immer breiter und breiter.
Nach ein oder zwei Minuten fängt er richtig an zu lachen. Er klopft sich auf die Schenkel, prustet und bekommt sich gar nicht mehr ein, während ihm die Tränen herunterlaufen. Zuerst erzählen Sie ein bisschen irritiert weiter von Ihrem Problem. Aber dann können Sie auch nicht mehr ernst bleiben, sie lassen sich anstecken, sie müssen zuerst lächeln, dann lachen Sie richtig mit. Am Ende lachen Sie beide um die Wette, bis Sie ganz aus der Puste sind.
Nachdem Sie sich beide beruhigt haben und Sie langsam wieder zu Atem kommen, merken Sie, dass Ihr Problem an Schwere verloren hat. Sie können es plötzlich aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Sie sehen es auf eine Art, wie Sie es vorher nicht sehen konnten. Plötzlich sind neue Wege möglich.
Probleme lassen sich durch Humor und Leichtigkeit einfacher bewältigen. Ja, viele Probleme entstehen überhaupt erst, wenn Menschen sich selbst und ihre Umgebung zu ernst und zu wichtig nehmen.
Angst, Stress und Druck verengen die Sinne und das Denken. Wir bekommen einen Tunnelblick. Und in diesem Zustand fallen einem selten gute Lösungsmöglichkeiten für unsere Probleme ein. Oft lähmen uns diese Gefühle sogar. Humor und Lachen dagegen machen unsere Sinne und unser Denken weiter. Und der Raum der Möglichkeiten wird dadurch größer. Es ist plötzlich mehr möglich und zwar nur, weil wir selbst lockerer, entspannter und gelassener geworden sind.
Versuchen Sie doch vielleicht auch einmal die Übung von oben. Nehmen Sie sich ein Problem, das Ihnen gerade im Kopf herumgeistert. Und dann stellen Sie sich vor, wie Sie gemeinsam mit einer weisen Freundin darüber lachen, bis Ihnen die Tränen kommen.
Oder stellen Sie sich einmal vor, Ihr Handy hätte eine neue Sonderfunktion. Immer wenn Sie sich selbst oder das Leben zu ernst nehmen, spielt es einen lustigen Klingelton ab, ein verrücktes Lachen, ein Kichern oder ein Quietschen. Soweit ich weiß, gibt es so ein Zu-Ernst-O-Meter leider noch nicht. Aber wie könnten Sie sich sonst daran erinnern, das Leben nicht so ernst zu nehmen?
Die hohe Kunst wäre es, sich selbst zu veralbern. Stecken Sie sich eine rote Nase an. Kommen Sie in Clowns-Schuhen ins Büro. Tragen Sie T-Shirts mit lustigen Aufschriften, die niemand versteht. Jeder Tag, an dem Sie jemanden zum Lachen bringen, ist ein guter Tag.
Wann haben Sie sich das letzte mal zu ernst genommen? Und wann haben Sie das letzte Mal herzhaft über sich selbst gelacht?
Humor und Lachen sind eine wunderbare Möglichkeit, um mit Problemen umzugehen. Natürlich nicht immer. Aber doch erstaunlich oft.





Der Artikel gefällt mir!
Es ist wirklich so, dass die Dinge nicht so wahnsinnig ernst sind! Klar nerve ich mich manchmal über etwas, aber auch das ist doch im Grunde witzig!
"humor ist, wenn man trotzdem lacht!" ohne lachen ist die welt ein großes stück ärmer und die probleme ernster, als sie sind. lachen ist die beste medizin, sagt der aufgeklärte mediziner doch, oder?! hier unter der rubrik "geschichten" gibt es eine sehr schöne geshcichte zum thema problem. auch da ändert sich die sichtweise!
schönes wochenende und viel spaß wünscht
tina
Dass, viele Dinge, die ich tu und die mir passieren, eigentlich auch komisch sind, merke ich daran, dass ich oft lachen muss, wenn ich sie später jemandem erzähle. Manchmal sogar schon am Tag danach. Ich erzähle meiner Freundin von einem Streit mit meinem Freund, der mich sehr zornig und traurig gemacht hat, und muss lachen über das, was er gemotzt hat und was ich ihm an den Kopf geworfen habe!
Im Kino gehts mir auch oft so: Ich sehe Szenen, die mir sehr bekannt vorkommen aus meinem eigenen Leben und könnte mich wegwerfen vor Lachen.
Köstlich, wie wir Menschen(kinder) uns abstrampeln mit unserem Bedürfnis, lieb gehabt zu werden, und wie zornig und selbstgerecht wir werden können, wenn das nicht unseren Erwartungen entsprechend geschieht. Es ist komisch und rührend zugleich. Aber wir brauchen wohl erst einen gewissen Abstand, um die Sinnlosigkeit und von daher Komik, die darin steckt, zu sehen.
Bei kleinen Problemchen ist dieser Tipp nicht schlecht, da man im Nachhinein ja immer selbst feststellt, dass man sich über dieses Problem zu viele Gedanken gemacht hat.
Bei schwerwiegenden Problemen aber hätte ich gerne einen Weisen, der sich dieses Problem ernsthaft annimmt und meiner Person genauso. Wenn man in einem tiefen Loch steckt und dann noch ausgelacht wird, wird das Problem eigentlich noch schlimmer statt besser. Und in so einer Situation kann ich selbst leider auch nicht lachen.
Es war ein wunderbares Gefühl diese Zeilen zu lesen und ich habe es auch gleich ausprobiert. Stehe vor einem für mich sehr schwierigen Seminar und meine Angst ist riesengroß. Ab heute habe ich auf diese Furcht immer eine Antwort. Übrigens, meine Lachtränen kullern mir jetzt noch über die Wangen.
@Sigrid:
da kann ich nur zustimmen.
Natürlich hilft dieser Ansatz dann, wenn ich mich selbst zu wichtig nehme.
Aber bei richtig großen Problemen, bei schweren Erkrankungen, drohender Arbeitslosigkeit usw. ist dies wenig hilfreich.
Jeder Mensch möchte doch auch ernst genommen werden.
ich kann nur sagen LACHEN hilft immer und ob ihr es glaubt oder nicht, aber das auch bei schweren Krankheiten oder schlechten Diagnosen. Ich hatte das mal gelesen und als ich voriges Jahr eine unangenehme Diagnose zu meinem Unterleib bekam, erinnerte mich. So wenig wie möglich über die "Krankheit" reden und dann nach meinem kleinen Eingriff dachte ich mir immer wieder DANKE FÜR MEINE GESUNDHEIT und SCHNELLE HEILUNG und ich besorgte mir lustige Filme, die ich mit meiner Tochter guckte. Aber wir machten auch Sachen, die uns zwangsläufig zum lachen brachten. Ihr werdet es nicht glauben und auch meine Ärztin schaute nicht schlecht, als die Diagnose hiess "es ist nur gesundes Gewebe vorhanden" - ganz ehrlich? das kann kein Zufall gewesen sein. Ich glaube seit dem viel mehr an das LACHEN MACHT GESUND und so sollten wir alle versuchen, das Leben zu geniessen.
In diesem Sinne an alle ein LÄCHELN
Könnten Sie bitte bei meinem Kommentar den Nachnamen wegnehmen.Es ist mir doch nicht so angenehm mit meinem vollen Namen dort zu erscheinen.Danke Brigitte
Diese Übung kenne ich aus dem kleinen Büchlein "NLP-Eine Einführung: Fähigkeiten entdecken..." von Susanne Haag.
Ich schreibe das, weil ich das Buch sehr gelungen und nützlich für die Selbstanwendung finde.
Beste Grüße
Nick
Genau das ist mir schon so passiert :-)
Ich litt unter Angstzuständen und Panikattacken. Irgendwann bin ich mit einem guten Freund ne große Runde spazieren gegangen, er hatte was auf dem Herzen.
Nach und nach kam raus, dass er genau die gleichen Symptome hatte wie ich.
Wir standen nen Moment da, und auf einmal schreckte er hoch weil ihm was eingefallen ist und ich bin sooooo erschrocken und wir haben uns nicht mehr eingekriegt weil wir so schreckhaft sind ;-)
Ging dann weiter, dass wir uns über alle möglichen (eigentlich eher unmöglichen) Ticks, die uns umtrieben, bepisst haben vor lachen - für Außenstehende muss das mehr als befremdlich klingen! Jedenfalls haben wir uns selber ausgelacht - aber liebevoll und mit Verständnis, und auch gesprochen über die Probleme. Heute geht's uns mit unterschiedlichen Wegen beiden besser.
Bei mir kann ich sagen, dass das einer der Knackpunkte war. Wie oben schon steht, es wurde einfach ein bißchen leichter, jedes Mal wenn ich Angst hatte und mir Vorwürfe machte wegen der Angst hatte ich auch das Lachen im Herzen ;-)
Solche Freunde, mit denen das geht, sind aber auch Gold wert!
klasse Artikel!
LG
Rolf