Wie viele Herzen schlagen in Ihrer Brust?
Von Ralf Senftleben • 10 Kommentare
In den letzten Jahren gehen Psychologen immer mehr davon aus, dass sich unsere Psyche aus verschiedenen, ziemlich eigenständigen Teilpersönlichkeiten zusammensetzt. Und jede dieser Teilpersönlichkeiten
- hat eigene Bedürfnisse,
- hat eigene Sorgen und Ängste und
- verfolgt eigene Ziele.
Alle unsere Teilpersönlichkeiten zusammen nennt der Hamburger Psychologieprofessor Schulz von Thun unser inneres Team.
Wenn wir uns das überlegen, dann ist es ja eigentlich gar nicht verwunderlich,
- wenn wir uns oft innerlich zwiegespalten oder zerrissen fühlen,
- wenn wir Dinge tun, die wir eigentlich gar nicht tun wollen (Der eine in uns will der andere nicht) oder
- wenn wir manchmal vollkommen gelähmt sind (wenn sich z.B. verschiedene Teile in uns ineinander "verkantet" haben und sich in einem Patt befinden).
Und wenn wir von diesem Modell unserer Psyche mit den verschiedenen Teilpersönlichkeiten ausgehen, dann verstehen wir auch, warum es uns oft so schwer fällt, uns zu ändern: Der eine in uns will sich ändern und der andere will eben nicht. Oder wir versuchen die ganze Zeit, die falsche Teilpersönlichkeit in uns zu ändern. Oder wir bekommen erst gar keinen Kontakt zu der Teilpersönlichkeit in uns, die für ein bestimmtes Problem zuständig ist.
Was ist nun die Lösung?
Der erste Schritt könnte sein,
- sich der eigenen Teilpersönlichkeiten in uns bewusster zu werden,
- ihnen jeweils einen Namen zu geben und
- sich zu überlegen, welche Bedürfnisse sie haben und welche Ziele sie verfolgen.
| Teilpersönlichkeit | Ziele & Bedürfnisse |
| 1. | |
| 2. | |
| 3. | |
| 4. | |
| 5. | |
| 6. | |
| 7. |
Welche Teilpersönlichkeiten gibt es in Ihnen? Mögliche Teilpersönlichkeiten wären z.B.: Der Perfektionist, der Antreiber, der Optimistische, der Clown, der schweigsame Cowboy, der Helfer, das artige Kind, das trotzige Kind, die Mutter, der Vater usw. usw. Jeder hat andere.
Nehmen Sie sich doch jetzt einmal 2 oder 3 Minuten Zeit und überlegen Sie sich, welche Teilpersönlichkeiten es in Ihnen gibt und welche Ziele diese verfolgen. Vielleicht wird Ihnen dann auf Anhieb einiges klar.
Buchempfehlung Friedemann Schulz von Thun: Miteinander reden 3. Das ‘innere Team’ und situationsgerechte Kommunikation (amazon.de)





Oh ja, Psychosynthese ist total spannend. Vor vielen Jahren las ich “Werde was du bist“ von Piero Ferrucci, dabei ist mir einiges klar geworden. Inzwischen kann mein inneres Team ganz gut kommunizieren. Bei mir hab ich festgestellt, dass in verschieden Lebensabschnitten, jeweils auch
verschiedene Teilpersönlichkeiten dominieren.
Der Clown jedoch, war in jeder Phase sehr präsent und hat auch meinen Kritiker überzeugt, dass bei etwas Albernheit, der Ernsthaftigkeit keine Zacken aus der Krone fällt. ;-)
Also jetzt verwundert mich überhaupt nichts mehr. Otto würde sagen "da fiel es ihm wie Schuppen aus den Haaren".
Nicht umsonst, habe ich immer Fernweh und will doch nicht fort von hier; bin ich zufrieden mit meinem Auto und träume doch vom S-Benz; will ich Rock hören und lasse doch Klassik laufen. Da sind wohl tatsächlich mindestens zwei Personen in mir und ich weiss gar nicht, dass ich schizo bin.
Tja, so gesehen kommt man der Endlösung vielleicht doch endlich einen Schritt näher. Oder?
Hallo Sen Se, wegen “schizo“, der Begriff Teilpersönlichkeit, kann durchaus auch irritieren... Da kann jemand auch an “Multiple Persönlichkeit“ denken. Werde für mich künftig “Persönlichkeits- oder Wesensanteil“ verwenden. ;-)
Schulz von Thun's Bücher sind eine wahre Fundgrube von Erkenntnissen, ich liebe seine Art auch komplizierte Sachverhalte verständlich und anschaulich zu vermittelen und tja . . . wer kennt sie nicht, die vielen inneren "Stimmen" in uns, die alle ihre Existenzberechtigung einfordern. Sich diese zum Teil widerstreitenden Interessen, Wünsche, Bedürfnisse, Ängste, Sorgen und Verhaltensmuster als eigene Persönlichkeiten vorzustellen, ist ein tolles Werkzeug und Konzept um diese "Energien" auf ein gemeinsames Ziel auszurichten. Die Frage ist nur: wer ist der Boss von diesem inneren Team und sollte man ihn gefunden haben, was kann er wirklich tun? Oder gibt es keinen Boss?
Die Frage nach dem Boss ist gut, da könnte gleich der
Führungsstil diskutiert werden ;-) Bei mir gibt es eine
horizontale Hierarchie ...
. . . und bei mir sind sie alle streng vertikal angeordnet mit gleichen Rechten und Pflichten . . . ;-)
Das ist auch bekannt unter dem Namen "Voice Dialogue" - Der Dialog mit den inneren Stimmen.
Sehr empfehlenswert sind die Bücher von Hal und Sidra Stone:
"Embracing your selves" und "Embracing Each Other"
(Die Deutschen titel sind etwas komisch: "Du bist viele", den anderen weiss ich nicht.)
Hat mir sehr gut auf meinem Weg geholfen.
Ich steh da vor ein Problem was ist wenn man nicht genau weiss was man für Teilpersönlichkeiten hat, also nicht einschätzen kann? ich überleg aber finde für manche net mal einen Namen...
würde mich über einen kleinen Tipp freuen wie ihr das so gemacht gemacht habt mit der findung der Teilpersönlichkeiten.
@Wildsnow: Da würde ich dir wirklich die Lektüre von dem oben empfohlenen Buch von Schulz von Thun nahelegen. Da stehen auch Anregungen drin, wie man seine Teammitglieder identifizieren kann oder - in schwierigen Fällen - wie man sich ihnen behutsam annähern kann.
Wenn du noch keinen Namen hast, dann kannst du meist zumindest typische Aussagen oder Weltanschauungen des Teammitgliedes erkennen: "Das wird doch sowieso nichts!", "Hey, da kann ich gleich etwas zu sagen...", "Das bleibt bestimmt an mir hängen!", "Wetten, dass ich das doch schaffe", etc.. Ggf. kannst du dir das Teammitglied auch erstmal nur bildlich vorstellen. Wie sieht er/sie aus? Vielleicht gelingt dir sogar eine kleine Skizze. Oder du erforscht erstmal das typische Grundgefühl des Teammitgliedes.
Hinzu kommt auch, dass es nach Schulz von Thun durchaus so etwas wie "verdeckte" oder "verstossene" Teammitglieder gibt, denen man nicht so leicht "begegnet".
Ich persönlich finde den in eine ähnliche Richtung gehenden Ansatz von Micheal Mary noch etwas besser als den (durchaus sehr guten) von Schulz von Thun.
Hey, das ist ja eine richtig tolle und auch humourvolle Diskussion hier; ich schon zweimal gelacht (die Hierarchie,Wildsnow mit "net mal einen Namen" und die Nils Gespräche der Teammitglieder.
Also die Tatsache ansich mit den mehreren Persönlichkeiten kannte ich bereits, doch so klar wurde es mir erst mit diesem Artikel, warum so manche Zeitmanagement Themen nicht funktionieren. Da habe z.B. wahrscheinlich meinem Musiker zu wenig Zeit gegeben und dann schlägt er genau bei der geplanten Steuererklärung mit einem begeisterten Gitarrenabend zu ...
Ich werde mir eines der erwähnten Bücher hoffentlich einverleiben; leider bin ich ein miserabler Buchleser!
Gruß
Klaus