Warum wollen Sie Ihr Ziel eigentlich nicht erreichen?
Von Ralf Senftleben • 17 Kommentare
Im Prinzip ist das mit dem persönlichen Erfolg ja ganz einfach:
- Wir überlegen uns, was wir wollen und setzen uns ein Ziel.
- Wir planen den Weg zu unserem Ziel.
- Wir tun, was wir uns vorgenommen haben und erreichen unser Ziel irgendwann.
Klingt eigentlich ziemlich unkompliziert, oder?
Tja…. das wäre es wahrscheinlich auch, wenn wir unser Ziel voll und ganz und zu 100% erreichen wollten. Aber meistens gibt es auch einen Preis den wir dafür bezahlen müssen, wenn wir unser Ziel erreichen wollen. Und abhängig davon, wie unangenehm der Preis ist, schrumpfen die 100% zu 80%, 70%, 60%, 50% oder noch weniger zusammen. Und so wird manchmal aus unserem Ziel nur ein Lippenbekenntnis. Und wenn der Preis in unserem Empfinden sogar größer ist, als das, was wir uns von unserem Ziel versprechen, dann werden wir ein Ziel mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit nie erreichen.
Wenn wir uns etwas vornehmen und den Preis für unser Ziel nicht ganz bewusst mit einkalkulieren, dann werden eine Reihe von unbewussten Kräfte in uns frei (innere Widerstände, Aufschieberitis, Müdigkeit oder Kopfschmerzen) und wir legen uns selbst damit Steine in den Weg. Irgendwo in uns wissen wir nämlich meist schon ziemlich gut über den Preis Bescheid und wenn ein Teil von uns diesen Preis nicht bezahlen will, dann wird dieser Teil wahrscheinlich versuchen, uns daran zu hindern, unser Ziel weiter zu verfolgen.
Wenn Sie sich aber den Preis von Anfang an bewusst machen, dann können Sie mit sich selbst verhandeln und manchmal sehen Sie vielleicht auch, dass ein Ziel den Preis eigentlich gar nicht wert ist.
Was meinen Sie? Macht das Sinn?





Ja, so kann man das sehen.
Oft ist es so, dass wenn jemand sagt: "das geht bei mir nicht...". oder "das kann ich nicht machen", es in Wirklichkeit bedeutet, ich bin nicht bereit den Preis hierfür zu zahlen. Z.B. ..mehr Freizeit haben und dafür Einkommenseinbußen hinzunehmen, oder ...einen Menschen zu verlassen, und dafür eine Familie zu zerstören, wenn sie nicht schon zerstört ist, und dergl.
Im Grunde ist es ein Abwägen der Dinge, oder auch ein mit sich Verhandeln.
Wichtig schein mir dabei zu sein, eine Bereitschaft zu entwickeln, das zunächst Undenkbare versuchen zu denken, um den Prozeß des Abwägens und Verhandelns erst einmal zu beginnen.
Hallo liebes Zeit-zu-Leben Team und liebe Mitleser,
Sie schreiben:
««Wenn Sie sich aber den Preis von Anfang an bewusst machen, dann können Sie mit sich selbst verhandeln und manchmal sehen Sie vielleicht auch, dass ein Ziel den Preis eigentlich gar nicht wert ist.
Was meinen Sie? Macht das Sinn?»»
Auf jeden Fall!
Jedes Ziel, das wir uns in den Kopf setzen oder eben doch nicht, ist mit einem Entscheidungsprozess verbunden. Für eine bewußte Entscheidung ist es erforderlich, dass ich so viele Optionen und Konsequenzen meiner Entscheidung kenne, wie möglich. Und es ist nützlich, wenn ich anhand meines Gefühles gegenüber den Konsequenzen prüfen kann, ob mir die Erfüllung des Zieles auch wirklich gut tut.
Zu den Konsequenzen gehört der Preis jedes Zieles in Form von Zeit, Geld, Energie, Lernaufwand etc., der mit der Zielerreichung verbunden ist.
Wenn ich ein gebrauchtes Auto kaufen will, dann möchte ich den Kaufpreis, den Zustand des Autos sowie die laufenden Kosten, die auf mich zukommen werden möglichst genau kennen.
Manche Ziele bringen Preise mit sich, deren Bezahlung in mir unbändige Freude auslöst:-). Das sind mir die allerliebsten:-).
herzliche Grüße
Tobias Abend
Mein Wunschtraum besteht seit Jahren darin, nach Australien auszuwandern. Diesem Ziel bin ich zurzeit näher als je zuvor - und bemerke plötzlich innere Blockaden, die mir vorher nicht bewusst waren.
Plötzlich stelle ich fest, wie hoch der Preis tatsächlich ist - und schrecke davor zurück, die letzten Schritte meines bisher recht beharrlich verfolgten Plans in die Tat umzusetzen. Aufschieberitis, die wildesten Ausreden - kenne ich!
Ich muss noch einmal mit mir "zu Gericht sitzen" und überlegen, was ich wirklich will.
Insofern: Ja, es macht Sinn! :-)
...und bei mir wäre es wirklich fällig mich von ein paar überflüssigen Pfunden zu trennen.
Aber der Preis!
Wie kann ich mich nachhaltig davon überzeugen, dass der Bikini wirklich besser ist als die Pizza, laufen besser als telefonieren...?
Ich glaube auch, das Schwerste ist es, sich selbst zu überzeugen, dass man diesen Preis zahlen will - oder wie man es auch nennen kann, den inneren Schweinehund zu überwinden.
@Brigitte: Vielleicht Mitstreiter finden, denn gemeinsam macht es mehr Spaß. Zum Beispiel eine sportliche Aktivität mit Freunden planen, sich gegenseitig anstoßen, wenn es mal klemmt. Und dann kommt auch der Spaß und man beweist sich, das es klappt und man kann es durchhalten.
Hola,
ich habe anfang Sept. 2006 meinen Job & Wohnung hingeschmissen und bin zufuss quer durch Spanien gewandert. Dann mit dem Zug einmal längs durch Spanien gefahren und dann mit dem Flieger auf die Kanarischen Inseln. Da bin ich seitdem und habe den Preis der Sicherheit bezahlt (die es meiner Meinung eh nicht wirklich gibt). Ich habe nix bereut weil mir vollkommen klar war, auf was ich mich da ungefähr einlasse. Bis jetzt bin ich positiv überrascht wie meine Aktion verlaufen ist.
Hört sich an als bin ich 20, bin aber 38 und profitiere sehr von meiner Lebenserfahrung auf Reisen.
Mich überraschen im Leben nur noch positive Dinge.
Hasta luego
Isla
"Ziele" sind eine beliebte Strategie zur Selbstvermeidung. Und ziemlich weit verbreitet. Erfüllung wird DORT gesucht (wo das Gras vermeintlich grüner ist). Das wirkliche Ziel ist jedoch nicht dort, sondern HIER.
Solange es mir hier und jetzt an Erfüllung fehlt, wird es DORT (über kurz oder lang) ebenso sein. Anders ausgedrückt: solange ich nicht in der Lage bin, mein bisheriges Jetzt loszulassen, wird es mich immer wieder einholen. Egal wo ich mich aufhalte.
Ziele können natürlich auch sehr gut zur Selbstentwicklung verwendet werden. Ich bin deswegen nicht am (neuen) Ziel, weil das bisherige mich "festhält". Mein Jetzt ist ja nichts anderes als der physische Ausdruck meines derzeit aktuellen Energiefeldes (gebildet durch meine Gedanken und Emotionen).
Wenn ich ein neues Jetzt (Ziel) erschaffen will, dann braucht es, daß ich mein Energiefeld diesem neuen "anpasse". Indem ich es in dieser Form (in mir) erzeuge (annehme).
Ein neues Energiefeld kann ich nur dann erzeugen, wenn mich das "alte" nicht zurückhält. Frei von der Vergangenheit bin ich erst dann, wenn ich sie ge- und erlöst habe.
Die Hauptaufgabe ist in erster Linie nicht das Hingehen zu etwas Neuem, sondern vor allem das Auflösen der Bindung an das Alte, Bisherige. Darin liegt - meiner Erfahrung nach - die hauptsächliche (und effektivste) Arbeit.
Das Neue zieht mich dann wie automatisch zu sich, wenn ich es bin und keine Verhaftungen mehr an die Vergangenheit bestehen. Es ist ein natürlich Fluß. So wie Isla (im vorstehenden Kommentar) das beschrieben hat.
Sobald ich mir ein Ziel vornehme, ist das eine Aufforderung (an das Leben) zum Erscheinen all der Anteile (von mir selbst), die diesem Ziel entgegenstehen. Und damit eine hervorragende Gelegenheit, diese aufzulösen. Entwicklungsarbeit: Komplettieren und Loslassen.
Bei Zielen geht es weitgehend darum, inwieweit ich bereit bin, mich selbst in Besitz zu nehmen. Gedanklich und vor allem emotional. In der Praxis gehen Annehmen des Neuen und Auflösen von Altem Hand in Hand.
Dank für das tolle Thema.
Viele liebe Grüße
Ingo@CoreCoach.org
Dieser Beitrag ist heute ein Voll-Treffer für mich - bei kleinen Zielen und Veränderungen ist auch der "Preis" nicht so hoch - hab mir letztes Jahr ein für mich ziemlich großes Ziel gesetzt.
Zitat von Ingo: »»Sobald ich mir ein Ziel vornehme, ist das eine Aufforderung (an das Leben) zum Erscheinen all der Anteile (von mir selbst), die diesem Ziel entgegenstehen. Und damit eine hervorragende Gelegenheit, diese aufzulösen. Entwicklungsarbeit: Komplettieren und Loslassen.
Bei Zielen geht es weitgehend darum, inwieweit ich bereit bin, mich selbst in Besitz zu nehmen. Gedanklich und vor allem emotional. In der Praxis gehen Annehmen des Neuen und Auflösen von Altem Hand in Hand.»»
Dem kann ich mich nur voll und ganz anschließen. Hab mir in der letzten Zeit "Steine und Felsen" angeschleppt (erschaffen)um mein Ziel nicht zu erreichen. Die vermeintliche Sicherheit in der alten Situation bröckelt immer mehr ab und mein "Selbst" zeigt sich mehr und mehr.
Also weiter anschauen, auflösen, loslassen und annehmen!!
Liebe Grüße an alle hier
Gabi
Guten Morgen,
ich kann nur sagen, danke für all Eure hilfreichen Gedanken zu diesem Volltreffer-Thema. Es hilft mir, einige meiner Fragezeichen in Ausrufezeichen umzuwandeln :-).
Meine Reaktion auf innere Widerstände: Du bist einfach zu faul, scheint also doch noch hinterfragbar zu sein ;-).
@Isla, das Verlassen der vermeintlichen Sicherheiten gibt uns endlich eine Chance, mit dem wirklichen Leben wieder in Kontakt zu kommen (zumindest empfinde ich das so, habe auch alle "Sicherheiten" verlassen).
Ich würde sehr gerne wissen, ob und wie Du alleine zu Fuß unterwegs warst. Das ist ein Traum von mir aber da konnte ich das anerzogene/akzeptierte/verinnerlichte Sicherheitsdenken noch nicht überwinden :-(.
Daraus ergibt sich für mich der neue Aspekt: bin ich bereit, die Verwirklichung meines Traumes gegebenenfalls mit dem Leben zu bezahlen? Denn so sieht ja eine meiner "Zielerreichungs-Blockaden" aus.
Ein schöner Anstoß zum Nachdenken. Ich hänge auch schon etwas länger im/am alten Leben fest und muss feststellen, dass es mit dem "zielen" allein nicht gelöst wird.
Wichtiger erscheint mir in der Tat in einer solchen Situation wieder mit sich selbst in Kontakt zu kommen. Und dass ist gerade nicht vom Denken geleitet. Es braucht Ruhe und Gelassenheit, dem eigenen Selbst in die Augen zu schauen. In der Tat nicht gerade einfach in unserer selbstgeschaffenen "Aktivwelt". Ich habe vor kurzem einen Roman gelesen, der die Aussagen von Ingo wurderbar unterschreibt: Die Kernbotschaft war: Ich kann nur neues für mich zulassen, wenn ich bereit bin, mein altes Leben loszulassen, mich mit Ihm zu versöhnen und zu vergessen. Dann ensteht ein neuer Raum, der mit neuen Eindrücken gefüllt werden kann und die Leere wird einen Sog entstehen lassen.
Eines bewegt mich in dieser Zeit noch sehr. Da ist ein starkes Gefühl, dass uns immer wieder wegführen möchte von der Auseinandersetzung mit uns selbst: Die Angst. Ich glaube, viele haben verlernt, mit der Angst zu arbeiten, Sie zu akzeptieren und als Möglichkeit der Selbstbestimmung/Selbstreflexion zu nutzen. Die Angst gehört zu unserem Leben wie die Liebe, beides kann wehtun oder eine große Entwicklungschance sein. In diesem Sinne: Stellen Sie sich Ihren Ängsten, Sie wollen Ihnen etwas über Sie erzählen!
Zu der Angst möchte ich hier ein Zitat von Peter Schellenbaum hinterlassen... Es trifft meiner Meinung nach genau den Punkt der Blockaden, sich nicht in die Zukunft bewegen zu können:
"...Angst ist oft Flucht vor dem, wonach wir uns eigentlich sehnen. Sie löst sich auf, wenn wir das Beängsigende und Ersehnte als das anerkennen, was es ist, mämlich das in die Tat drängende Leben...
...So wird ein bestimmter Anfall von Angst zum Hinweis auf den Bereich, in dem unser Leben jetzt am kräftigsten pulsieren will... wenn wir jetzt im stärksten Energiepunkt bleiben, also das Spührbewußtsein gleichsam auf der vordersten Welle unserer Lebendigkeit ungestört reiten lassen, wird aus dem Ansturm ein lustvolles Anschwellen der Lebensenergie..."
Zitat von Peter Schellenbaum aus "Aggression zwischen Liebenden"
Mit liebem Gruß Barbara
Ja, ja, das loslassen von alten Gewohnheiten und Sicherheiten ist ziemlich schwierig! Nur; wer freie Hände hat, kann Neues nehmen! Theoretisch ist es in mir, nur mit dem loslassen habe ich immer wieder Mühe....
Mit Träumen ist der erste Schritt für die Verwirklichung schon mal getan?!
Ja, es macht schon Sinn aber manchmal scheint der Preis hoch aber noch bezahlbar.. trotzdem weiss man ja einfach nicht immer ob man mit dem Ziel auch die richtige Entscheidung trifft.
Zieie,Ziele setzen, das klingt alles so nach einem Coaching -Seminar...welche mir immer suspekt vorkamen.. es urden immer auch konkrete ziele verlangt: so 10 Millioen cash auf dem Flokati (so, dass man die wirklch fassbar sehen kann!) ..und möglichst konkret sollten die Ziele sein, etc.
Nur meine Ziele konnte ixh nie so unterodnen ...ich will keine 10Millonen sichtbar vor mir hinstapeln. Ich will keinen Buisnes-Plan für irgend ein weltliches Ziel, die Hände ineinander klatschen ...das kann man sicher auch alles erreichen - aber will man daß?
Ich möchte reich sein irgendwann ..aber nicht unbedingt reich an Geld oder Macht und teuren Hütten auf Mauritius oder Ibiza. Ich möchte reich sein an Weisheit, an Freude, an Ehrlichkeit... Reich an allen Tugenden ...und arm an Lastern!
Bei durchgeplanten und verplanten Tagen fehlt das sicher - und das loslassen, von altem ...produziert schon mal diie richtige Richtung!
Tja, wenn das mit dem Planen so einfach wäre ...
Wieviel kann man überhaupt planen?
In meinem Leben ist soviel verplant, zum grossen Teil zu recht, dass ein zusätzlicher Plan zur Erreichung eines persönlichen Zieles von vorneherein zum Scheitern verurteilt ist.
Ich brauche auch das Gegenteil von Planung/Struktur im Leben: Unordnung, Chaos, Spontanität.
Ein Plan kann für mich nur dann Aussicht auf Erfolg haben, wenn die Balance zwischen Planung und Chaos erhalten bleibt.
Ist mir gerade gestern in einer "Familien"aufstellung bewusst geworden ...
Hola Bettian,
ich bin den Jakobsweg gegangen.
Mehr kann ich Dir dazu auch nicht sagen.
Es gibt viele Buecher und Internetseiten darueber.
Was willst Du also von mir wissen?
Ich hatte einen Traum, habe mich darauf vorbereitet, innerlich wie auesserlich und irgendwann kam der Tag X und ich war weg.
Du musst Deinen eigenen Weg finden.
Beste Gruesse
Isla
hi,
nicht nur das Verfolgen eines Ziels hat seinen Preis
- auch etwas nicht zu tun hat seinen Preis!
In der Wirtschaft nennt man das Opportunitätskosten...
inka