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Wer ist schon wirklich erwachsen?

Von Ralf Senftleben35 Kommentare

Sie haben es vielleicht auch schon erlebt: Es gibt Kinder, die benehmen sich schon mit 8 Jahren erwachsen. Und es gibt Erwachsene, die benehmen sich auch noch mit 40 wie Kinder.

Wissen Sie, was für mich wirkliches Erwachsensein ausmacht? Es ist sicher nicht das Alter. Nein, es ist viel mehr die Fähigkeit, Verantwortung für sich selbst und andere zu übernehmen. Und es ist auch die Fähigkeit, sich nicht so oft von den eigenen Gefühle und Impulsen beherrschen zu lassen, sondern stattdessen möglichst häufig bewusst, bedacht und vernünftig zu handeln.

Nur ist es mit dem vernünftigen und erwachsenen Handeln ja gar nicht so einfach. Die Gehirnforschung der letzten Jahre liefert immer mehr Hinweise darauf, dass wir unsere ach so rationalen Entscheidungen tatsächlich in erster Linie aus dem Gefühl heraus treffen und diese dann im Nachhinein mit dem Verstand begründen. Aber dabei glauben wir tatsächlich, wir hätten logisch entschieden. Das heißt, dass das, was wir Vernunft nennen, oftmals nur eine Rechtfertigung oder ein Schönreden von Entscheidungen ist, die wir aus dem Bauch getroffen haben, und zwar, ohne dass wir es merken.

Wenn wir also wirklich vernünftig entscheiden wollen, müssen wir unsere Gefühle in die Gleichung mit einbeziehen, weil diese ja offensichtlich die Basis jeder Entscheidungsfindung sind. Deswegen ist der Weg zur Vernunft und zum Erwachsensein in meinen Augen der, sich selbst und die eigene Gefühlswelt immer besser kennen zu lernen und zu verstehen. Nur wenn man die eigenen Gefühle und deren typische Auslöser versteht, erkennt man, wo man sich Dinge schönredet oder wo die eigenen logischen Argumente nur eine Fassade sind, hinter denen z. B. unsere Ängste, unser Harmoniestreben, unser mangelndes Selbstwertgefühl oder andere Gefühlsmuster verstecken.

Wenn Sie sich selbst immer besser kennen lernen und verstehen möchten, gibt es dazu einen guten Weg: Sie können das trainieren, was man in vielen Bereichen der Psychologie oder auch im Buddhismus das "bewusste Selbst" nennt. Das bedeutet, Sie etablieren in Ihrem Bewusstsein eine Art inneren Beobachter, der Ihre Gedanken und Ihre Gefühle möglichst oft im Augenblick des Denkens und Fühlens aus einer übergeordneten Warte neugierig beobachtet, aber ohne zu werten und zu urteilen.

Beobachten Sie sich doch mal bitte kurz selbst: Sehen Sie sich selbst dabei zu, wie Sie gerade diesen Text lesen. Was denken Sie dabei? Was fühlen Sie gerade? Wenn Sie Ihre Aufmerksamkeit in dieser Weise von außen auf sich selbst, Ihre augenblicklichen Gefühle und Gedanken richten, dann haben Sie just in diesem Augenblick gerade einen inneren Beobachter etabliert. So einfach ist das :-)

Und diesen inneren Beobachter können Sie trainieren und ausbauen. Z. B. indem Sie sich selbst im Laufe des Tages möglichst oft selbst daran erinnern (Handyalarm, Gummiband ums Handgelenk, etc.), Ihre Aufmerksamkeit auf Ihre Gedanken und Gefühle zu richten. Auch regelmäßige Meditation hilft dabei, den inneren Beobachter zu etablieren und zu stärken.

Und je besser Sie sich selbst und Ihre Gefühle verstehen, desto vernünftigere, bewusstere und letztlich erwachsenere Entscheidungen können Sie treffen. Sie lassen sich dann immer weniger von Ihren Gefühlen beherrschen, sondern folgen Ihrem Bauchgefühl nur, wenn Sie sich dazu entschieden haben und nicht zwanghaft.

Das ist für mich Erwachsensein. Und für Sie?

  1. Matthias schreibt am 26. September 2008 um 14:26

    Das gefällt mir gut. Selbstreflektion als Zeichen des Erwachsenseins bzw. –werdens.

    Herbert Grönemeyer: "Kinder an die Macht"

    Gebt den Kindern das Kommando
    sie berechnen nicht
    was sie tun
    Die Welt gehört in Kinderhände
    ...

    Gefühle für die reifende Vernunft wertbar machen und ihnen gegebenenfalls zu folgen, das bedeutet für mich Erwachsensein.

    P.S.: Ohne Gefühl, nur mit einer Rationalität ausgestattet, wären wir nicht wirklich erwachsen, wären nicht in der Lage menschliche Entscheidungen zu treffen.
    Speziell moralische Werte sind direkt an die Fähigkeit eines Menschen gekoppelt, Emotionen zu empfinden. Das haben übrigens Wissenschaftler in Tests mit Freiwilligen herausgefunden, bei denen eine für Gefühle zuständige Hirnregion geschädigt war. Eine Situation, die Probanden einer gesunden Vergleichsgruppe vor ein schwerwiegendes moralisches Dilemma stellte, brachte die hirngeschädigten Patienten kaum in Schwierigkeiten.

  2. Matthias schreibt am 26. September 2008 um 14:34

    ... habe in der heutigen, modernen (Arbeits-)Welt die Erfahrung gemacht, daß Emotionen bzw. Emotionalität, selbst in kleineren "Mengen", als persönlicher Makel eingestuft werden. Damit ist in der keine Karriere zu machen. Doch was haben wir jetzt: Eine Heuschrecken- und Ellenbogengesellschaft?

  3. Selma7 schreibt am 26. September 2008 um 15:58

    Zur Zeit erlebe ich eine tolle Zusammenarbeit im Beruf und gutes Miteinander. Man versteht sich, hilft, wartet, lacht, zieht sich auch wieder zurück. Es sind wunderbare Tage, Kostbarkeiten für die ich sehr dankbar bin.
    Aber es herrscht oft eisiges, verletzendes bis zur Gemeinheit reichendes skrupelloses Ellenbogenklima, das sehe ich auch so. Dabei bringt es keine guten Arbeitsergebnisse wenn jeder nur bemüht ist besser zu sein als der Nachbar. Oft geht es aber einfach um den Erhalt der Arbeit, Arbeitsplätze sind Mangelware.
    Leider überträgt sich so manches Machtspielchen auch in den privaten Bereich.
    Eine Spirale, die sich immer schneller dreht, es ist schwer sich mal rauszuziehen.

  4. winnipuh schreibt am 26. September 2008 um 21:38

    Das ist auf jeden Fall eine Sache der Fähigkeit zur Selbstreflexion. Wie geht es dir in bestimmen Situation? Was wünschst du dir? Welche Motivation steckt dahinter?
    Erwachsen sein heißt Verantwortung für sich selbst und andere zu übernehmen, sich den Aufgaben des täglichen Lebens zu stellen, das eigene Glück zu finden, den eigenen Sinn im Leben.
    Dabei schadet es nicht, deinem inneren Kind mehr Freiraum zu lassen.Im Gegenteil!

  5. free my mind schreibt am 26. September 2008 um 21:41

    Schöner Artikel!

    Das ist auf jeden Fall eine Sache der Fähigkeit zur Selbstreflexion. Wie geht es dir in bestimmen Situation? Was wünschst du dir? Welche Motivation steckt dahinter?
    Erwachsen sein heißt Verantwortung für sich selbst und andere zu übernehmen, sich den Aufgaben des täglichen Lebens zu stellen, das eigene Glück zu finden, den eigenen Sinn im Leben zu finden.
    Dabei schadet es nicht, deinem inneren Kind mehr Freiraum zu lassen.Im Gegenteil!

  6. Beate schreibt am 27. September 2008 um 04:53

    ... ich glaube nicht, dass wir "auf einmal" erwachsen sind..., ich glaube, dass es ein langer, langer, langer Prozess ist, an dessen Ende aus meiner Sicht das Akzeptieren des eigenen Ichs mit all seinen Stärken, aber auch mit all seinen Schwächen steht... und dazu ist natürlich immer wieder eines erforderlich: Selbstreflexion! Aber diese "braucht ihre Zeit", d.h. nicht sofort reagieren oder weglaufen, wenn es anfängt, weh zu tun, sondern innezuhalten, sich aus dem Alltag zurückzuziehen und sich ganz, ganz lange anzusehen...

  7. Ursula Kruck-Hantschel schreibt am 27. September 2008 um 06:11

    Hallo & Guten Tag,

    Wolfgang Joop sagt von sich, dass er es jetzt erst geworden ist – „Erwachsen“ Eine interessante Retrospektive.

    Wir Menschen definieren den Begriff altersabhängig – und legen die Entwicklungsstufen in Standards fest.

    Leider wird dadurch zum einen die Individualität aus den Augen verloren und zum anderen eine Messlatte angelegt, die zu einem sog. Altersabhängigen Verhalten führen soll. Ist dieses nicht erreicht – dann hagelt es Kritik.
    Nun ja, es gibt zum Glück verschiedene Perspektiven.

    Er-„wachsen“ hat auch etwas mit wachsen und reifen zu tun.
    So sage ich von mir gerne, dass ich jetzt auch langsam Erwachsen, reifer und innerlich ruhiger geworden bin, jedoch das Kind in mit nicht missen will, hält es mich doch jung und frisch, lässt die Ideen immer noch sprudeln und die Welt aus anderen Augen betrachten!

    Herzlichst
    Ursula

  8. lilifee schreibt am 28. September 2008 um 07:49

    Beate, das was du schreibst,fasse ich unter den ausdruck
    "sich selber aushalten"lernen zusammen.
    und ja,genau dann, wenn man das gelernt hat,ist man erwachsen.

    gruß lilifee

  9. Matthi ;-) schreibt am 28. September 2008 um 08:42

    Hallo Herr Senftleben,

    natürlich bedeutet "erwachsen-sein" auch Verantwortung für sich und Andere übernehmen zu können, dh. auch "vernünftig-rational" handeln zu können.

    Aber:
    Wieviele "Erwachsene" sind Ihnen in diesem Sinne wirklich bekannt? Mir fast keiner! (das meine ich NICHT ironisch) -
    die meisten tun so sehr "erwachsen", sind aber nicht selten nur "Kindsköpfe in Führungspositionen" (siehe zB. Manager, Politiker) -

    Noch etwas:
    Wenn "erwachsen-sein" bedeutet, nur noch auf seinen tollen "Verstand" zu hören und nicht mehr auf "Bauch" und "Herz" (die ja soooo "unvernünftig" "unlogisch" sind !!!), dann möchte ich selber NIE "erwachsen" werden...! ;-)

    Die schönste Definition dazu kommt von ERICH KÄSTNER:

    "Nur wer erwachsen wird und ein KIND bleibt,
    ist ein Mensch..."

    HERMANN HESSE drückte es auch schön aus:

    "Kinder sind weitherzig und vermögen durch den Zauber der Phantasie Dinge in ihrer Seele nebeneinanderher zu beherbergen, denen Widerstreit in älteren Köpfen zum heftigen Krieg und Entweder-Oder wird."

    Viele Grüße
    Matthi;-)

  10. snoppy schreibt am 28. September 2008 um 08:43

    Für mich heißt Erwachsen sein sich seiner Handlungen bewusst zu sein und diese auch zu verantworten! Das wir aus Gefühlen heraus entscheiden, klingt für mich irgendwie logisch auch das der Kopf dann (manchmal verzweifelt) die Erklärung dazu sucht!

  11. Doro schreibt am 28. September 2008 um 08:52

    Hallo zusammen,

    Matthi, Deiner Meinung kann ich mich nur anschließen!! Ich reflektiere mich und meine Entscheidungen natürlich selbst, aber ich habe den Eindruck, je älter ich werde, umso mehr lerne ich (und traue ich mich!!!) auf mein "Bauchgefühl" zu hören und nicht auf das, was die Vernunft und die lange Überlegung mit raten - und je mehr ich auf mein Bauchgefühl achte (vielleicht auch mit einem inneren Beobachter?), umso bessere Entscheidungen treffe ich.

    Ich möchte Deinen Zitaten noch zwei hinzufügen:

    "Growing old is inevitable. Growin up is optional." (Anonymus)

    und

    "Age is mind over matter. If you don't mind, it doesn't matter." (Mark Twain"

    Wünsche allen Lesern ein schönes Restwochenende und einen guten Start in die Woche!! :-)

  12. Sanne schreibt am 28. September 2008 um 08:59

    Es hört sich immer alles irgendwie richtig an: den inneren Beobachter im Bewusstsein etablieren, die Gedanken und Einstellungen verändern.... Meist wird uns das von Menschen gesagt, die das geschafft und oft noch ein Buch darüber geschrieben haben. Dort ist dann ganz viel davon die Rede, wie positiv man sich selbst und das Leben verändert, wenn man das erst mal hingekriegt hat. Ich habe eine ganze "Lebenshilfebibliothek" mit diesen Inhalten zu Hause.

    Leider kommt der Weg dorthin meist zu kurz. Wie etabliert man einen Beobachter? Wie kann man seine Einstellungen den Dingen und Situationen gegenüber verändern? Meditieren (still) ist nett - für Menschen, deren Gedanken sich immer wieder selbstständig machen, ist das so ziemlich das Schlimmste, was ihnen passieren kann. Es gibt keinen Schalter im Kopf, der sich "umlegen" lässt. Zu Wissen, was hilfreich ist, reicht nicht, wenn ich mit der Suche nach dem Weg dorthin alleine gelassen werde.

    Ich kenne viele Menschen, die sich seit Jahren intensiv darum bemühen, "erwachsener" zu werden und zu mehr Gelassenheit und Zufriedenheit zu kommen. Die verzweifelt versuchen, ihre Einstellung zu ändern und in Kontakt mit ihren Gefühlen zu kommen. Wenn einem keine neuen Wege zur Verfügung stehen, wird man letzten Endes immer das tun, was man kann - und das hat schon in der Vergangenheit nur bis zu dem Punkt geführt, an dem man schon ist. Also muss man etwas Neues Lernen. Das "Was" findet sich in vielen Ratgebern, nur das "Wie" fehlt oft.

    Ich möchte hier zwei Bücher empfehlen (vielleicht finden sie ja auch den Weg in den Buchblog), in denen Wege aufgezeigt werden, um dahin zu kommen, was uns viele Ratgeber als hilfreiches Endergebnis präsentieren:
    "Fühl dich und sei frei" von Maria Bachmann (Integral-Verlag) und "Focusing - Der Stimme des Körpers folgen" von Ann Weiser-Cornell (rororo Sachbuch).

    Wer in Kontakt mit seinen Gefühlen kommen will, wer den Beobachter etablieren will, wer "erwachsener" und gelassener werden will - hier steht, wie es gehen kann.

    Viel Spaß beim Lesen und Ausprobieren

    Susanne

  13. Ralf Grabowski schreibt am 28. September 2008 um 09:12

    Ich möchte noch ein Zitat beisteuern: Pablo Picasso hat gesagt: "Man braucht sehr lange, um jung zu werden."

    Ich finde, er hat recht! Denn häufig heißt erwachsen sein auch, langweilig zu sein, sein Schema F zu haben, nachdem alles gehen muss, seine Kategorien zu haben, in die Menschen und Handlungen eingepasst werden.

    So erwachsen will ich nie sein. Denn das Gegenteil ist doch viel reizvoller. Kindlich sein heißt dann: spielerisch sein, spontan, sich wundern und freuen können, Spaß haben und vor allem nicht alles immer zu bewerten. Sondern die Dinge sein lassen können, wie sie sind.

    Andererseits die Selbstreflexion als Zeichen des Erwachsenseins zu definieren hat auch was. Vielleicht braucht es beides: Da Spielerische und das nicht seinen Emotionen ausgeliefert sein.

    Ein schönes Wochenende noch,
    Ralf

  14. Claudia schreibt am 28. September 2008 um 10:13

    Hallo H. Senftleben,

    ich glaube, nachdem ich diesen sehr interessanten Bericht von Ihnen gelesen habe, daß ich meistens von meinen inneren Impulsen und Gefühlen "gesteuert" werde und selten meine Entscheidungen - erwachsen - treffen kann.

    In meinem Inneren gibt es nur die Großen Gefühle Angst und Befürchtung und Verzweiflung, die auch nach Jahren der Therapie, nicht Ruhe geben.

    Meine Sehnsucht geht natürlich in Richtung Ihrer Worte, und ich bin sehr traurig darüber, daß ich es nicht schaffe, meine Gefühlswelt farbig und bunt zu gestalten.

    Somit, heißt es für mich z.Zt., daß ich auch mit 41 Jahren noch nicht erwachsen bin.

    Trotzdem freue ich mich jedes Woe auch Ihre Worte oder die von Tanja Konnerth.

    Liebe Grüße Claudia

  15. Karin schreibt am 28. September 2008 um 11:19

    Erwachsen sein durch Verantwortung übernehmen, auf alle Fälle! Bei jedem solchen Schritt spürt man beinahe, wie man wächst.

    Was ich aber recht kritisch sehe, ist diese leichte Verurteilung von Gefühlen. Sind nicht die Gefühle dieses Kindliche an uns, das immer so bedauert wird, dass es im Erwachsenenalter verloren geht? Ich arbeite sehr viel mit dem bewussten Selbst, aber ich sehe es nicht als eine Instanz, die meine Gefühle von der Vernunft aussortiert und dann der Vernunft Recht gibt, sondern ich beobachte mich objektiv: was ich denke, was ich fühle. Und ich werte darüber nicht, gebe nicht einer Haltung Priorität über die andere. Ich möchte mich selbst nicht verfälschen, sondern einfach mich nur besser verstehen. Und da kann es schonmal sein, dass die Vernunft mehr Erfolg erzielen würde, dafür aber sehe ich dann ein anderes Mal wieder, dass Gefühle ihre volle Berechtigung haben. Es geht nicht darum, zu sagen, was falsch oder richtig wäre, sondern einfach um zu sehen, wie es mir persönlich in bestimmten Situationen geht, damit ich besser lernen kann, mir selbst zu helfen.

    Seit ich Mutter bin, kann ich sowieso nichts mehr ohne Gefühle tun. Und ich schaffe es genauso, Verwantwortung zu übernehmen. Weil ich auch fühle, dass es das Richtige ist.

    Jede Art von Gefühlskontrolle finde ich persönlich eher gruselig. Den Verstand kann man kontrollieren, Gefühle nicht - und darum haben wir alle solche Angst vor ihnen? Ich möchte auch nicht rein aus meinem Verstand handeln, denn das würde mich auch von außen kontrollierbar machen. Ein Werkzeug anderer sozusagen, denn den Verstand kann man sehr gut lenken, wenn man die Gefühle ausschaltet.

    Man hat beides, um beides in ausgeglichenem Maße zu benutzen, und beides hat seine Berechtigung. Die Kunst ist nicht, nach einem "richtigen" Ideal zu streben, sondern die für sich persönlich richtige Waage zu finden, ohne in Extreme abzurutschen.

    Liebe Grüße,

    Karin :)

  16. Eva-Maria schreibt am 28. September 2008 um 13:17

    ERWACHSEN sein,was heißt das schon(Peter Maffay)habe mit freude diesen Bericht gelesen,sehr Interressant.Ich habe fast 50Jahre gebraucht,um das zu verstehen,ich teile die Meinung von Ralf,jeder sollte sich immer sein Kind bewahren,denn seit dem ich in der Realität lebe(Erwachsen denken und handeln)fühle ich mich nicht mehr wirklich wohl,und bin auch leichter Unzufrieden,wie ich mir die Welt noch schön gemalt habe,ging es mir besser....werde mal den Bericht gut überdenken...

  17. Thomas schreibt am 28. September 2008 um 15:04

    Was bedeutet Erwachsensein? Rational und kontrolliert handeln, alles zwei oder dreimal überdenken bevor man eine Entscheidung trifft, sich selbst und seine Emotionen/Gefühle kontrollieren? Schön ist diese Vorstellung nicht. Ich stand vor der Frage, ob mein Handeln und Fühlen erwachsen ist oder nicht. Und auf diese Frage habe ich keine zufriedenstellende Antwort gefunden. Aber durch die Beschäftigung mit der Frage habe ich viel über mich selbst gelernt und ich versuche mich so zu akzeptieren wie ich bin, natürlich auch mit einem gesunden Maß an Selbstkritik und -reflexion. Ich denke, das bedeutet noch nicht erwachsen zu sein, aber es langsam zu werden. Sich dabei das Kind im Herzen zu bewahren ist eine große aber lohnenswerte Herausforderung.

    Einen schönen Sonntag wünscht euch allen
    Thomas

  18. Karin schreibt am 28. September 2008 um 16:17

    Hallo zusammen,
    Erwachsensein bedeutet für mich inzwischen in einem ständigen Prozess zwischen Loslassen und festhalten zu leben.
    Die Freiheit der eigenen Entscheidung anzustreben
    Was wäre ich ohne die Weisheit meiner Gefühle, die mich, ob es mir bewusst ist oder nicht, dahin gebracht haben, wo ich jetzt bin.
    Erwachsensein heisst für mich in erster Linie. die gesellschaftliche Moral, die oft mehr als doppelbödig ist, für mich zu überprüfen. MEINEN Weg zu gehen.
    Erwachsensein heisst für mich unsere Kinder zu respektieren und ihnen ihre Würde zu lassen! Und da klemmt es mächtig, das ist sehr traurig. Verantwortung für eigenes Fühlen und Handeln übernehmen, alles, was ich erfahren habe, auch das Sogenannte Schlechte und Böse, ist doch ein wichtiger Teil von mir.
    Meditation finde ich auch ganz nett, nur es bringt die Sache nicht auf den Punkt. Das habe ich begriffen, seit dem ich mich traue, mir meine Lebens-Geschichte ehrlich anzuschauen.
    Hallo Sanne, ich kann deine Worte sehr gut nachvollziehen. Es kann überhaupt keine "Gebrauchsanweisung fürs Erwachsensein" geben, darum finde ich die Kindheit-
    Geschichte so wichtig. Wenn ich mich erinnern darf, hebe ich einen Schatz und das bist du Selbst. Bevor man an die Diamanten rankommt ist da oft große Wut, Traurigkeit o. ä., das ist doch ok!
    Wie wärs mal mit www.alice-miller.com.

    Wir haben alle ein Leben - nur jeder hat seinen
    eigenen Zugang

    Einen guten Start morgen in die neue Woche!!
    Karin

  19. Selma7 schreibt am 28. September 2008 um 18:28

    @Matthias, du schreibst:

    "Das haben übrigens Wissenschaftler in Tests mit Freiwilligen herausgefunden, bei denen eine für Gefühle zuständige Hirnregion geschädigt war. Eine Situation, die Probanden einer gesunden Vergleichsgruppe vor ein schwerwiegendes moralisches Dilemma stellte, brachte die hirngeschädigten Patienten kaum in Schwierigkeiten."

    Das interessiert mich. Ich habe eine Fernsehsendung über eine Studie im Gefängnis gesehen. Es wurden "normale, also durchschnittlich einfühlsame" Menschen ins Gefängnis gesteckt. Einige waren Insassen, einige Aufseher.
    Im Laufe der Zeit wurden die Aufseher unter Druck gesetzt - sowohl Erfolgsdruck als auch Isolation, sie wurden alle den Gefangenen gegenüber übergriffig. Man wollte daraus Schlüsse ziehen, wie man verhindern kann, dass es Einteilungen gibt in Gruppen, die foltern dürfen und Gruppen, die gefoltert werden dürfen.

    Worum ging es in den Tests die Du beschreibst?

  20. Matthias schreibt am 28. September 2008 um 19:59

    @Selma

    Quelle: "Damage to the prefrontal cortex increases utilitarian moral judgements" Michael Koenigs von der Universität in Iowa City und Liane Young von der Harvard-Universität in Cambridge im Fachmagazin "Nature". Online-Vorabveröffentlichung: Nature 446, 908 - 911 (21 Mar 2007), doi: 10.1038/nature05631, Letter

    Man konfrontierte die Probanden mit moralisch kritischen Fragestellungen. Beispielsweise ob sie ein Kind töten würden, wenn sie dadurch vielen Menschen das Leben retten könnten. Die Versuchsteilnehmer ohne Hirnschäden brachte die Aufgabe in moralische Bedrängnis: Auf der einen Seite hielten sie es vernunftgemäß für korrekt, durch das Töten eines Menschen andere zu retten. Andererseits konnten sie aber auch das Mitgefühl für das Kind nicht ablegen. Bei den hirngeschädigten Probanden lösten viele dieser Situationen hingegen keine derartig starken inneren moralischen Konflikte aus. Die Teilnehmer betrachteten eher rational den Gesamtnutzen jeder der möglichen Entscheidungen.

    Link: http://www.nature.com/nature/journal/v446/n7138/full/nature05631.html

  21. angelika schreibt am 28. September 2008 um 22:23

    nun ...
    ich dachte immer, ich sei erwachsen und vernünftig!
    ich weiß: ich bin vernünftig und erwachsen.

    Ich habe neuerdings 'meine anderefrau' kennengelernt:
    sie lehrt mich auf manche unkoventionelle weise, genau SO sein zu dürfen, wie ich nun einmal bin:
    anpassungsfähig, aber nicht angepasst
    leidensfähig, aber nicht leidend
    lächelnd, aber nicht lächerlich
    leise, aber nicht still
    laut, aber nicht übertönend
    mitfühlend, aber nicht mitleidig
    begrenzt, aber nicht grenzenlos
    bestimmt, aber nicht bestimmend
    selbstlos, aber nicht los ohne mein SELBST

    und SO manch zeitzuleben-TIPP hat mir dabei geholfen,
    DIE sein zu dürfen, die ich bleibenkönnenwill

    einmal ein herzliches DANKSCHÖN
    an dieser stelle

  22. Hubert schreibt am 29. September 2008 um 01:16

    Zitat R. Senftleben:
    "Und je besser Sie sich selbst und Ihre Gefühle verstehen, desto vernünftigere, bewusstere und letztlich erwachsenere Entscheidungen können Sie treffen. Sie lassen sich dann immer weniger von Ihren Gefühlen beherrschen, sondern folgen Ihrem Bauchgefühl nur, wenn Sie sich dazu entschieden haben und nicht zwanghaft"

    Ja sicher, wenn wir uns entschieden haben. Und wenn nicht?
    Was ist, wenn auch dieser Wille nicht von uns ausgeht, nicht Aktion ist sondern Reaktion ist, auf das was unsere Schaltkreise im Gehirn schon kurz vorher entschieden haben, und wir wieder glauben, wir seien es gewesen.
    Ich weiss, der freie Wille als Illusion ist schon schwer zu akzeptieren, aber immer mehr deutet darauf hin, dass es so ist.

  23. Norbert :-) schreibt am 29. September 2008 um 08:21

    ...wenn ich die Kommentare zu diesem Beitrag lese, ruft es in mir: "Düsternis und Verdammnis sind in unserer Welt!"

    Brrr... Ja, klar, jeder gegen jeder und viele gegen einen, der anders gestreift ist. Verstehe. Ist wohl so. Oder doch nicht?

    Er-wach-sen-wer-den.

    Er oder sie wird wach, wächst in sich weiter, befindet sich auf dem Weg täglichen Werdens.

    Ich bin jetzt ganz knapp fünf Lebensjahrzehnte auf dieser Erde. Bin ich erwachsen? Ich denke nicht. Vielleicht verhalte ich mich nach außen hin so, weil es mir das Leben in der Gemeinschaft erleichtert. Aber bin ich deswegen erwachsen? Nicht wirklich. Nur weil ich es verstehe, über mich und mein Verhalten zu reflektieren, daraus Schlüsse zu ziehen und nach Möglichkeit künftig besser zu agieren oder zu reagieren, bin ich noch lange nicht erwachsen.

    Jeden Tag erwachse ich aus neuen Situation, um das Leben aktiv angehen zu können. So gesehen werde ich jeden Tag ein Stück mehr erwachsen.

    Wenn jemand zu mir sagt: "Benimm dich nicht so kindisch!", dann spricht sein Eltern-Ich (gemäß Transaktionsanalyse) mein Kind-Ich an. Was bezweckt also dieser Jemand, der so etwas zu mir sagt? Koppelt mich seine Sicht der Dinge und von mir von meinem Prozess des Erwachsenwerdens ab? Nein! Er hat dieser Jemand Recht, wenn er mich des Kindischen bezichtigt? Vielleicht. Für diesen Moment. Aus seiner Sicht. Aber hat seine Sicht auf mich etwas mit mir zu tun? Nicht wirklich. Ausgenommen, wenn ich mich dann "erwachsen" verhalten. Ganz so wie ich glaube, daß er es gemeint haben könnte, als er mich des Kindischen bezichtete.

    Sei und werde du selbst!

    Wer sich danach richtet hat schon genug mit sich und seinem Leben zu tun. "Sei erwachsen!" kommt einer gesellschaftlichen Regel gleich, die andere aufgestellt haben.

    Hauen und Stechen im Berufsalltag. Ja, klar, das ist so. Wo das Angebot kleiner als die Nachfrage ist, werden die Ellenbogen benutzt. Es gefällt mir nicht und es ist nicht gerade produktions- und umsatzfördernd, wenn einer den anderen belauert, aber es ist bundesdeutsche Berufsrealität. Oder doch nicht? Ich denke ja, daß viele nur nachplappern, was andere nachplappern. Es gibt genügend Büro- und Ladengemeinschaften, die es anders und besser machen. Dort herrscht tagein tagaus gute Laune. Leute, werdet erwachsen, bildet Euch Eure eigene Meinung. Und ZACK! habe ich jetzt auch das Eltern-Ich eingenommen.

    Mir gefällt übrigens die Idee mit dem "Inneren Beobacher" sehr gut.

    Euch allen einen wundervollen Tag.

    Norbert :-)

  24. Anne schreibt am 29. September 2008 um 09:13

    Sei und werde du selbst!
    Wer sich danach richtet hat schon genug mit sich und seinem Leben zu tun. "Sei erwachsen!" kommt einer gesellschaftlichen Regel gleich, die andere aufgestellt haben.

    Danke Norbert..für Deinen gelungen Beitrag.
    Es gibt nichts hinzuzufügen.

    Beste Grüße

    Anne

  25. Dagmar Collinet schreibt am 29. September 2008 um 11:49

    Sehr geehrter Herr Senftleben,
    der Satz mit dem Bauchgefühl gefiel mir äußerst gut. Im Berufsleben tut es mir sehr gut, mein Sachohr auszufahren und sachlich und ruhig zu bleiben. Damit habe ich bereits angenehme Erfolge erzielt.

    Ich freue mich über weitere Impulse
    Dagmar

  26. Selma7 schreibt am 29. September 2008 um 16:58

    @Matthias, danke. Ich dachte mir schon fast, dass es ein amerikanischer Test war.
    Auch in dem Fernsehbericht, den ich gesehen hatte, wurde eine amerikanische Studie dokumentiert.
    Unter welchen Bedingungen beginnen Menschen zu foltern, werden alle Gefangenen gefoltert oder werden Unterschiede gemacht. Das Experiment musste abgebrochen werden.
    Ausschließlich rational kann man nicht ethisch, moralisch verantwortlich handeln. Mitgefühl ist eben ein Gefühl, eine Emotion.

    Ich finde die Beiträge hier zu diesem Thema einfach super (verzeiht mir den pubertären Ausdruck obwohl ich auch schon die vierzig überschritten habe ;-) )

    Angelika möchte ich mich gern anschließen und auch ZZL Dank sagen.

    Herzliche Grüße
    Selma7

  27. Gabriele Fleer schreibt am 30. September 2008 um 11:49

    Erwachsen sein ist ein weiter Begriff und sich erwachsen verhalten noch einmal etwas anderes. Wirkliches Erwachsensein ist für mich Verantwortung für mich tragen, mich tragen und auch er-tragen. Erwachsensein hat für mich mit Liebe und mit Freude am Leben zu tun. Gerade im Alltag. Auch, zu erkennen, dass Verantwortung etwas ganz anderes ist als soganannte "Pflicht". In meiner Arbeit mit Menschen, an der Entwicklung vo Lebenskonzepten, zeigt sich immer wieder, dass Menschen, wenn sie sich ihrer Selbste und ihres inneren Drehbuches bewußter werden, gerne Verantwortung tragen, weil sie aus dem Hamsterrad von Pflicht und Schuld aussteigen und somit beginnen, sich selbst in ihrer wahren Kraft und Größe anzunehmen. Wirkliches Erwachsensein hat für mich mit Selbstachtung und Liebe zu tun.
    Herzliche Grüße vom Bodensee
    Gabriele Fleer

  28. Wolfgang Caspari schreibt am 1. Oktober 2008 um 06:07

    Hallo Herr Senftleben,

    es gibt ein- von den Krankenkassen unterstütztes - Training der Achtsamkeit, bei dem eingeübt wird, die eigenen Gedanken im Augenblick ihres Auftretens mit einer annehmenden, nicht wertenden inneren Haltung eines neutralen Beobachters wahrzunehmen: Die "Stressbewältigung durch die Übung der Achtsamkeit" (MBSR).

  29. Hermann schreibt am 1. Oktober 2008 um 08:05

    Lieber Ralf,
    der Artikel klingt nett, stimmt für mich allerdings so nicht. Hier wird - für mich - beschrieben, WIE ich möglichst vernünftig durchs Leben komme - also eine Methode. Was ist Erwachsen-Sein? Wann ist ein Baum "erwachsen"? Er wird immer weiter wachsen, so wie auch wir. Das Erwachsen-Sein liegt für mich in der Bereitschaft, mich meinem Wachsen-Wollen hinzugeben.
    Im letzten Abschnitt wird es für mich überhaupt heikel. Da ist die Rede von "vernünftigeren, bewussteren und letztlich erwachseneren Entscheidungen". Das sind Wertungen, die den Anschein erwecken, als gebe es gute und schlechte Entscheidungen. Es gibt Entscheidungen, ich treffe sie, und sie führen mich wohin. Und ich kann an ihnen wachsen.
    Dann schreibst du noch, dass ich mich dann weniger von meine Gefühlen beherrschen lasse. Ich halte das für eine Illusion. Abgesehen davon, geben mir meine Gefühle sehr gut die Richtung an, auch wenn sie aus einer Angst heraus kommen, die mich wiederum wachsen lässt.
    Das klingt jetzt sehr theoretisch, ist aber meine Erfahrung mit dem Erwachsensein.
    LG, Hermann

  30. Walburga schreibt am 1. Oktober 2008 um 13:18

    Lieber Ralf,

    ich mag "Vernunft" und "Gefühl" nicht voneinander trennen. Wer kann denn entscheiden, was "vernünftig" ist? Bin ich das nicht selbst? Schließlich muss eine Entscheidung für MICH stimmig sein, ich muss damit leben und somit auch mit den Gefühlen, die damit zusammenhängen.

    Ich persönlich habe mich schon vor sehr langer Zeit entschieden, bei meinen Entscheidungen auf meine Intuition zu vertrauen? Nicht zwanghaft, es war meine Entscheidung, weil ich beobachtet habe, dass diese Entscheidungen meist die richtigen waren. Ich habe es einfach getan ... ist das jetzt zwanghaft gewesen? ;-)

    Erst als ich dieser grundsätzlichen Entscheidung nicht mehr vertraute, stellte mein "innerer Beobachter" fest, dass es mir nicht mehr gut ging. Erst dann kam das, was Du vielleicht mit "von den Gefühlen beherrschen" meinst. Aber im Grunde genommen ist es doch einfach nur die Spiegelung der eigenen Selbstzweifel. Deshalb würde ich sagen:

    "Je besser ich mich selbst und meine Gefühle verstehe, desto BEWUSSTERE Entscheidungen kann ich treffen."

    Aber mit "Vernunft" oder "Erwachsen sein" hat das für mich überhaupt nichts zu tun!

    Liebe Grüße

    Walburga

  31. renate schreibt am 2. Oktober 2008 um 13:18

    Hallo zusammen,
    ich habe ein Buch gefunden,was ich ganz interessant fand.
    Birgit Theresa Koch, Hinter jedem Konflikt steckt ein Traum, der sich entfalten will.192 Seiten. Vielleicht könnt ihr ja etwas damit anfangen.
    Herzliche Grüße Renate

  32. Mirko G. schreibt am 2. Oktober 2008 um 19:27

    Dieser Artikel gefällt mir ( ausnahmsweisse ) nicht so sehr.

    Mir persönlich sind Menschen, die mit 40 noch wie Kinder sind lieber, als Menschen die alles gnadenlos berechnen.
    Menschen, die sich jede Antwort 3 mal überlegen und sich somit nur um ihre Vorteile kümmern.

    Kind sein, heisst emotionen zeigen.
    Auch wenn man die falsche Entscheidung trifft.

    Ja ich bin ein Mensch,der froh ist, nach langer Zeit, das Kind in sich wieder belebt zu haben.

    Ich selbst bin 25 Jahre alt und zu mir kommen regelmässig Jüngere im Alter von 14 Jahren ( Der Jüngste eines Bekannten ist 11 ) und wenn wir Lust haben, dann machen wir halt auch mal einen Telefonstreich oder wir raufen und MEIN GOTT ich liebe es !

  33. Birgit Flenreiss schreibt am 3. Oktober 2008 um 14:38

    Bin auch ambivalent, was den Artikel betrifft. Ja, erwachsen werden ist eine Entwicklung; Ja, ein kritischer innerer Beobachter hilft uns dabei, aber was ich nicht möchte, ist Ratio gegen Emotionen ausspielen; Ich will Gefühlsimpulse, die mich zum Nachdenken bringen, die mich aufmerksam machen, die mich sensibel machen und kritisch mir und anderen gegenüber, ich denke die Spontanität darf auch beim Erwachsensein nicht zu kurz kommen - sie ist oft die Leidenschaft unserer Handlungen- das heißt ja auch nichts anderes als mit Herz bei der Sache zu sein;Ich will mir auch meine kindliche Naivität in manchen Situationen behalten, will nicht immer aus abgeklärter (emotionaler) Distanz handeln; Emotionen sollen uns genauso wach halten wie richtige Gedankenschlüsse. Hätte ich immer alles aus logischen Gründen heraus getan, oder nicht getan, ich hätte meinen Weg nicht gefunden und auch nicht die Nähe zu mir und die Leichtigkeit des Seins wäre auch auf der Strecke geblieben !

  34. Löwe Herz schreibt am 16. Oktober 2008 um 22:52

    Na nu, ein Kind oder eine Erwachsene? Wer soll ich sein? Wer kann ich sein? Habe ich eine Wahl? Wahrscheinlich nicht!

    Ich bin also eine Asiatin. Wir, Asiaten, neigen dazu, ganzheitlich zu denken, und zu verhalten (Tja, bitte um Verständnis für mein Verallgemeinen, es gibt keinen Asiaten, nur Chinesen, Inder, Persien, Türker...). Ich bin also ein Fan von der alten chinesischen Denkweise. Die sagt (u.a.): Das ganze Universium ist in uns, alle (sichtbare und unsichtbare) Dinge sind in uns selbst zu finden; komm zurück zu Dir selbst, dann findest Du die Lösung.

    Wer und wo man ist, muss jeder für sich wissen. Meiner Ansicht nach, sind Kinder oft lebenfreudiger als Erwachsenen, weil sie oft sie selbst sein können, was die Erwachsenen meist langsam durch Erziehen, Anpassen, Selbsvorurteilen usw. verlieren. Das heißt auch nicht, dass ich jetzt mit 37, so bunt und auffällig wie ein 10jahriges Mädchen anziehen, huffen in einem Restaurant wie ein 4j Junger soll, um froh oder glücklich zu sein.

    Nein, so wäre ich auch nicht ich selbst. Also ich bin nicht nur ein Kind und auch nicht nur eine Erwachsene, sondern was von beiden. Und wie viel von diesem, wie viel von jedem hängt wieder von meinem Alter, meiner Erfahrungen, meiner Verstehen, meiner Erkenntnisse usw.

    Wichtig ist, ich muss authentisch sein, also ich soll kein Show machen, ich nehme Verantwortung vor allem für mich selbst, in allem was an mich geht und was ich tue zurück zu meiner Umwelt.

    So für mich ist ein ERWACHSENER, also ein, der wach im tiefen Sinn ist. Und für mich kann nur ein Ziel sein. Mann erarbeitet ganzes Leben daran, wenn man bewußt ist, erreicht aber kaum bereits im Leben. Es lohnt sich aber, daran immer weiter zu erarbeiten.

    Danke schön für die Seite und das Forum!

  35. ma.magdalena schreibt am 26. Oktober 2008 um 14:48

    vielleicht sollten wir mal zurueck zu den Wurzeln des Wortes gehen. Die Rechtschreibreform hat ja wieder mal so einiges nicht nur orthographisch, sondern sinngemaess verandert(es gab/gibt eine interessante Sammlung von einer sibenbuergerinitiative, die meine Mutter leider nach dem Tod meines Vaters weggeworfen hat:()
    ich kann mich im Moment an kein exaktes Beispiel Erinnern, weiss aber, dass die "alten, klassischen" Dichter oft vom erwachsen und erbluehen sprachen, Metaphern fuer unser menschliches erwachsen und erbluehen. Was kein langweiliges hirngesteuertes dasein bedeutet, sondern eher etwas mit dem Zyklus der Natur su tun hat - bluehen - wachsen - reifen - frucht tragen und werden "vergehen und so weiter und so fort. da wir aber z.Zt. in einem stereotyp leben, in dem es (uebertrieben ausgedrueckt - aber schaut Euch die Mode an!) keine Kinder und auch keine Alten mehr gibt... nur noch Junge... kostet es ein bisschen kraft die Hypnose der Konditionierung der Gesellschaft zu durchschauen ...