Boreout – gelangweilt vom Leben?
Von Tania Konnerth • 23 Kommentare
Stress und Überforderung sind Phänomene, unter denen viele Menschen leiden. Dass man aber auch unter genau dem Gegenteil leiden kann, ist nicht ganz so bekannt.
Tatsächlich gibt es nämlich als Gegenbegriff zum “Burnout” (womit das Ausgebranntsein an Kräften und Energien gemeint ist) den so genannten “Boreout”. Damit wird ein Gefühl der Leere und Antriebslosigkeit beschrieben, ein Ausgehöltsein.
Die Ursache des Boreouts liegt nicht in der Verausgabung von Kräften, sondern ganz im Gegenteil: die Ursache liegt in der Unterforderung. In der Langeweile. In der Sinnlosigkeit.
Das Vertrackte an der Sache ist, dass sich so ein Boreout recht gut tarnen kann und zwar so gut, dass wir uns selbst damit lange Zeit etwas vormachen können. Wer z.B. auf der Arbeit nicht viel zu tun hat, kann damit auf verschiedene Weise umgehen: Man kann die Arbeitszeit für allerlei private Aktivitäten nutzen (Internet, Mails, Spiele etc.) oder man bläst die wenigen Aufgaben, die man zu leisten hat, gewaltig auf. In der Summe sieht man dann gut beschäftigt aus und hat auch selbst den Eindruck, höchst aktiv zu sein. In Wahrheit aber ist einem endlos langweilig. Und nach der Arbeit ist man im wahrsten Sinne des Wortes müde von nichts.
Das was den Boreout letztlich auslöst, ist wohl vor allem das Gefühl der Sinn- und Nutzlosigkeit. Das Wissen über die enorme Zeitverschwendung, ohne aber tatsächlich etwas daran ändern zu können. Denn eigentlich weiß man, dass man sich einen anderen Job suchen sollte bzw. dafür sorgen sollte, andere Aufgaben gestellt zu bekommen, aber wer reißt sich nun schon gerade um Arbeit? Und es ist doch irgendwo auch sooo bequem.
Wenn Sie sich bei diesen Zeilen angesprochen fühlen, dann gehen Sie einmal in sich und spüren Sie nach:
- Wie stark fühlen Sie von Ihren Aufgaben gefordert?
- Wann hatten Sie das letzte Mal eine wirkliche Herausforderung zu meistern?
- Fühlen Sie sich mit dem, was Sie tun, wichtig und wird Ihre Tätigkeit gewürdigt?
- Sind Sie stolz auf das, was Sie tun?
Und:
- Wie oft am Tag haben Sie das Gefühl, Ihre Zeit totzuschlagen?
- Wie oft am Tag wünschten Sie, wo anders zu sein, als Sie es gerade sind?
- Wie oft am Tag fehlt Ihnen ein Gefühl von Sinn bei dem, was Sie tun?
- Wie oft sind Sie müde und zerschlagen, ohne wirklich Stress gehabt zu haben?
Eine dauerhafte Unterforderung ist genauso schädlich wie eine dauerhafte Überforderung. Nehmen Sie sich hier mit Ihren Bedürfnissen ebenso ernst!





Hallo,
an anderer Stelle habe ich schon einmal geschildert, dass ich seit 2005 im so genannten Vorruhestand lebe und mich seit dem freiberuflich betätige.
Bei meiner Verabschiedung berichtete mir der Personalchef der Bank, bei der ich gearbeitet habe, dass andere Kollegen, die das gleiche "Schicksal" heimgesucht hat, weinend vor ihm gesessen haben und um Weiterbeschäftigung gebettelt haben.
Ich kann es sehr gut nachempfinden, dass wenn jemandem der Lebensinhalt entzogen wird, nur noch Leere zurückbleibt.
Aber das betrifft nicht nur den Verlust der Arbeit, sondern gilt auch für viele andere Lebensbereiche.
So fallen Hausfrauen "in ein Loch", wenn die Kinder aus dem Haus gehen.
Oder es werden Ehen geschieden, wenn die Verantwortung für die Kinder wegfällt.
So empfehle ich auch allen meinen Kunden eine ganzheitliche Lebensgestaltung, in der auch u. a. die persönlichen Interessen nicht zu kurz kommen.
Ich muss so oft an eine Aussage der Sterbeforscherin Kübler-Ross denken, die davon berichtete, dass sie von Sterbenden sehr oft gehört hat, dass diese bedauerten, dass sie zuviel gearbeitet und zu wenig bei den sie liebenden Menschen verbracht haben.
Wenn einem das erst auf dem Sterbebett bewusst wird, dann wäre mir das zu spät.
Jürgen Gräbel
Eine Arbeitssituation, die für mich keinen Sinn mehr gestiftet und mich einfach nicht genug gefordert hat, führte dazu, dass ich meinen relativ gut bezahlten und unbefristeten Job gekündigt habe. Es gibt Situationen, da kann man leider wenig ändern, weil man durch offene Worte oder Änderungsbemühungen, seinen Arbeitsplatz sowieso wegrationalisieren oder als „unfähig“ bezeichnet werden würde. „Love it, change it or leave it.“ – Nach diesem Motto versuchte ich, die Lage wieder und wieder zu analysieren, obwohl mein Bauch die Entscheidung längst gefallen hatte. Ich muss gehen. Auch wenn ich noch nicht da bin, wo ich hin will (Was ich zu dem Zeitpunkt leider auch nicht mehr wusste.), habe ich diese Entscheidung nie bereut. Ich habe meine innere Freiheit wieder gefunden und diese wiegt den materiellen Verzicht deutlich auf! Mit einem ständigen inneren Konflikt zu leben – Es macht doch alles keinen Sinn. Ich muss mich hier verbiegen. – kostet einfach zu viel Kraft. Ich hatte das Gefühl, dass Leben findet woanders statt. Es geht an mir vorbei. Dazu kam, dass das Gefühl der inneren Leere wächst und wächst. Irgendwann weiß man gar nicht mehr, was man selbst vom Leben will. Ich drücke allen die Daumen, die sich in einer ähnlichen Lage befinden, dass sie den richtigen Weg finden. Nicht immer muss der Schritt so radikal sein, wie meiner es war.
Die Tätigkeiten in einer arbeitsteiligen Industriegesellschaft eignen sich nicht dazu Befriedigung hervorzurufen.
Das war früher sicherlich anders. Ich denke da an die Arbeiten in der Landwirtschaft, jahreszeitlich bedingt immer anders und man konnte ernten, das was man sähte.
Heute wissen viele Menschen nicht einmal mehr warum sie diese oder jehne Arbeit verrichten, außer das es ihr Lebensunterhalt ist. Ein Tribut an die Moderne, der gezollt worden ist.
Ob Menschen dabei überfordert oder unterfordert sind, ist heute fast schon egal.
Ich hätte mich über einen Lösungsansatz gefreut. Wie kann man Menschen helfen, die in dieser Zwickmühle stecken? Wie kann man ihnen helfen, Licht ins Dunkel zu bringen?
Hallo Isa,
vorausgesetzt es handelt sich nicht um einen krankhaften Boreout kann ein Weg aus dieser Situation das Lernen sein.
Ich kenne einige Menschen, für die das der erste Schritt war. Manche qualifizierten sich für ihre Tätigkeit weiter, was zur Folge hatte, dass sie mehr Kompetenz besaßen und damit dann auch glücklicher werden konnten. Andere versuchten über das Lernen eine berufliche Weiterentwicklung anzustreben und wieder Andere konzentrierten sich auf ganz neue Wissensgebiete, die sie sich erschließen wollten. Allen gemeinsam ist, dass sie ihre Situation verändert haben.
Sonnige Grüße
Sunnie
@ Sunnie und auch Jürgen: Das entspricht genau meiner Erfahrung.
Mit dem Zusatz, dass so manche(r) der/die das nicht gepackt hat, psychisch so am Boden ist, dass das zu gesundheitlichen Folgen und/oder Alkohol- u. ä. Süchten führte.
@ Hubert: Aber nur in einzelnen Idealfällen ...
"Früher" lebte das sog. einfache Volk in Armut, wurde vom Adel für Kriege benutzt, musste für die Landesherren für einen Hungerlohn arbeiten, und nach Beginn der Industriellen Revolution wurden die Fabrikarbeiter ohne Ende ausgebeutet ...
Da lebe und arbeite ich doch lieber in der heutigen Zeit mit einem Arbeitslohn, von dem ich leben kann, und mit allen Chancen, die ich auch für Veränderungen habe.
LG
Maxxie
Liebe Tanja !
Ein ganz großes Lob für das Thema ! Denn... ich hab es noch nie irgendwo lesen dürfen ! Es ist nämlich ein großes Thema, wenn Menschen arbeitslos sind und überlegen, was sie den ganzen Tag anfangen sollen... Klar, einen Job suchen ! Nun ist aber nicht jeder gleich unverwüstlich und ist nach vielen Absagen entmutigt und hat Angst nie wieder eine Arbeit zu bekommen oder ist zumindest zeitweilig geknickt. Eine gewisse Lethargie ist ja verständlich, es darf halt bloß nicht zum "Boreout" werden. Manchmal weiß man gar nicht, was mit einem los ist, man schiebt es auf den spürbaren Mangel an Geld, aber es ist etwas, dem du Tanja, einen Namen gegeben hat, nämlich "Burnout". Und das ist gut so, denn wenn man es benennen kann, kann man es auch am Schopfe packen und ändern... zum Beispiel mit dem tollen Selbstcoaching-Programm von euch, was es jetzt sogar als Hörversion gibt ! Danke, dass es euch gibt !!!!!!!!!!!!!
Liebe Grüße
Nina
Viele können mit ihrer Freiheit nicht umgehen. Bei den oben erwähnten Jahreszeiten-Bauern gab es diese Freiheit nicht.
Heutzutage sind wir wirtschaftlich unabhängig und können uns fast alles leisten. Wenn ich aber 100 leckere Essen vor mir habe, welches esse ich dann? Wer die Wahl hat, hat die Qual.
Mit Freiheit umzugehen muss erst gelernt werden. Häufig sieht man klarer, wenn man dem Leben etwas hinzufügt: Leere! Einfach mal bewusst nichts machen, nichts erledigen, nichts kaufen. Ich will das Wort "Meditation" hier nicht überstrapazieren, aber darauf läuft es hinaus.
Wer sich eine Woche lang, jeden Tag eine halbe Stunde lang sich selbst "bewusst" wird, spürt eine Veränderung. Ich will nicht behaupten, dass es leicht ist. Manche können überhaupt nicht mehr still sitzen, ohne Radio- und Fernsehablenkung. Doch es lohnt sich. Leider kann man das nur sehr schwer in Worte fassen, man muss es einfach erleben.
Viele Menschen freuen sich, sich am Wochenende zulaufen lassen zu können, um "mal abschalten" zu können oder sich "besser zu fühlen", aber das wird am nächsten Tag und in Zukunft teuer bezahlt. Sie wollen das Gleiche und es funktioniert ja auch, zweifellos - aber wie lange?
Es geht mir hier nicht um irgendwelche religiöse Ausrichtungen. Intensives, langes beten in einer stillen Kirche hat bestimmt ähnliche Auswirkungen.
Vielleicht konnte ich ja jemanden dazu animieren, seine Freiheit dazu zu nutzen, sich mal wieder in die Mitte zu begeben (Meditation = in die Mitte begeben).
Meiner Meinung nach schließen sich Über- und Unterforderung nicht aus. Es bedeutet letzten Endes nur, dass ich nicht so lebe, wie es mir entspricht. Das mit der wirtschaftlichen Unabhängigkeit höre ich sehr oft, aber für viele Menschen, mich eingeschlossen, geht es um das wirtschftliche Überleben und nicht um das Auswählen von Möglichkeiten. Das Gefühl, gescheitert zu sein und damit ausgeschlossen aus der Gesellschaft, nicht gebraucht zu werden, ist eine seelische Überforderung, die jeder Langzeitarbeitslose kennt. Da helfen keine klugen Ratschläge, sondern nur ein Ziel, auf das man hin leben kann. Und das kann nur jeder für sich finden.
Liebes Team, liebe LeserInnen!
Ich leide auch unter Boreout. Massiv sogar. Daran verändern kann (will) ich Nichts. Jedenfalls nicht, solange ich noch Zahlungsverpflichtungen habe: Meine Tochter studiert und hängt damit an meinem Tropf, ich zahle eine Eigentumswohnung ab. Benenne ich das Problem konkret, laufe ich Gefahr, ausgemustert zu werden, da ja sowieso "überflüssig". In diesen Zeiten geht das ratzfatz. Ja, bin ich denn blöd?! Oder aber, die andere Variante, ich kriege den "Müll" der Anderen auf'n Tisch. Das hatte ich beides schon einmal, incl. Arbeitslosigkeit, das brauche ich nicht nochmals!
In dem Betrieb, in dem ich jetzt bin, habe ich verschiedene Bereiche angesprochen, wo ich Arbeiten übernehmen könnte. Das brauchen wir nicht, wurde ich abgeschmettert.
Solcherart motiviert, ziehe ich mein Ding durch, erledige meinen privaten Kram im Büro. Ich habe noch 4 Jahre an der Wohnung abzuzahlen, und genauso lange versuche ich meine Zeit hier abzusitzen. Wie im Gefängnis.
Irgendwann is umme, dann schaff' ich nur noch halbtags.
Ich muss nicht die Probleme anderer Leute lösen!
Meine Meinung.
Ich habe noch 4 Jahre Schulden abzuzahlen an meiner ETW. Das versuche ich abzusitzen.
Hallo Jutta,
mir geht es ähnlich (Eigentumswohnung, zwei Kinder im Alter von 12 und 14 J.). Da sage ich mir, halte durch. Die Zeit absitzen. Bei mir wären es allerdings eher 8-10 Jahre.
Aber als ich meine Gedanken in deinem Kommentar wiedergefunden habe, habe ich mich sehr unwohl gefühlt. So schwarz auf weiß vor Augen geführt zu bekommen, wie ich die Entscheidung über mein Leben von äußeren Faktoren bzw. von der Verantwortung gegenüber anderen Personen abhängig mache. Letztendlich ist es doch mein Leben, und einst auf meinem Sterbelager möchte ich nicht das Gefühl haben, mein Leben verpasst zu haben.
Ich bin also hin und her gerissen und oft wünsche ich mir, meinen Job zu verlieren, damit ich zum Handeln gezwungen würde. Vor drei Jahren hatte ich eine ähnliche Situtation, die sich zum Positiven gewendet hat.
Ich habe auch schon überlegt etwas zu lernen und mich weiterzubilden oder ein Buch zu schreiben, aber irgendwie fehlt die Motivation und Disziplin für eine größere Sache.
So versuche ich, die Zeit mit privaten Aktivitäten zu füllen bzw. die Wochenenden zu intensiv nutzen.
Ich bin auch in so einer dummen Situation. Schlimm ist es die Zeit auf der Arbeit absitzen zu müssen. Wie oft ich auf die Uhr schaue weiß ich nicht. Die Zeit will einfach nicht vergehen. Was kann man ändern, wenn man nicht das große Geld hat um 3 Monate zu überbrücken. Ich weiß nicht, wie ich meine Situation verändern kann.Wenn ich nur auch die kleinste Idee hätte wie ich es ändern könnte ohne auf der Strasse zu landen und keine Wohnung mehr zu haben.
Hallo Jutta und poppy, Hallo liebe Boreout-Interessenten,
ich beschäftige mich schon einige Zeit intensiv mit dem Thema Boreout und möchte es ein wenig mehr aus wissenschaftlicher Sicht betrachten. Es ist mein Ziel, einen Fragebogen zu entwickeln, mit dessen Hilfe Boreout "diagnostiziert" werden kann.
Dazu benötige ich im Vorfel die Hilfe vom Boreout betroffener Personen. Ich möchte Sie gern zu ihrem Erleben des Boreouts befragen, um diese Informationen als Grundlage für meinen Fragebogen zu nutzen.
Selbstverständlich werden alle Angaben vertraulich und anonym behandelt.
Nun möchte ich Euch fragen, ob Ihr bereit seid, Euch (telefonisch) von mir zu Euren Erlebnissen interviewen zu lassen.
Gern stelle ich Euch im Anschluss das Ergebnis meiner Arbeit zur Verfügung.
Auch kann ich Euch evtl. noch den ein oder aneren Tipp geben, wo ihr Informationen zum Thema Boreout bekommen könnten.
Viele Grüße,
Line
Wenn man abends der Sonne beim Untergehen zusieht, bekommt man am besten mit, wie schnell die Zeit (und somit das Leben) vergeht. Wir haben in dieser Form nur dieses eine Leben, Sekunde für Sekunde verrinnt es. Ja, das klingt schrecklich, kann aber eine Anregung sein, es nicht zu vertun. Z.B. mit dem Gefühl des Ausgeliefert-Seins an Verpflichtungen. Es gibt Lösungen.
Man überlege (oder erarbeite mit einem BerufUNGsberater) zuerst, was man wirklich gut kann und womit man sich selbständig machen könnte, suche dann einen Arzt auf, der einem bestätigt, daß einen die Arbeitssituation psychisch erkranken ließ, und kündige. Beim Arbeitsamt wird eine psychische Erkrankung aufgrund Mobbings o.ä. anerkannt, man muß keine Sperrfrist hinnehmen.
Während der Arbeitslosigkeit (während der man SELBSTVERSTÄNDLICH Arbeit sucht) bereite man sich innerlich wie äußerlich auf die Selbständigkeit vor. Man kann den "Gründungszuschuß" beantragen, wenn man noch 90 Tage Anspruch auf ALG I hat (also nach 9 Monaten ALG I-Empfang). Dazu muß man aber wirklich gut vorbereitet sein (Wichtig: alle Angebote von GründerInnen-Agenturen etc. annehmen!).
Ich hab das gemacht und bin endlich gesund, frei und zufrieden und finde das Leben wieder lebenswert!
Kinder können das übrigens recht gut mittragen und auch freiwillig zurückstecken in ihren materiellen Ansprüchen, wenn man sie von Anfang an in die Planungen einbezieht...
Allen alles Gute
@Line:
Ja, bin bereit, Infos zu geben. goldschatz (at) trash-mail.com
Für manch eine(n) ist es wirklich nicht leicht, aus so einer langweiligen, sicheren Situation herauszufinden. Freunde und Bekannte verstehen das auch oft nicht, weil sie sich nichts sehnlicher wünschen als einen SICHEREN Arbeitsplatz. Z. B. mein Mann, der als Zahntechniker seit 10 Jahren keine Gehaltserhöhung mehr bekommen hat, 20 Tage Urlaub, nie Weihnachts- oder Urlaubsgeld. Ich habe eigentlich Glück, als Schwerbehinderte mit einem Hirntumor seit 2005 eine Teilzeitstelle zu haben, bei der niemand sich daran stört, dass ich öfters krank bin. Meine Aufgaben wurden einfach geändert bzw. angepasst: Anstatt den vielfältigen, oft anstrengenden Sekretariatsalltag, in dem ich meine fremdsprachlichen Kenntnissen nach Herzenslust ausleben konnte, sitze ich jetzt einsam vor dem Bildschirm und fülle Internetseiten. Alles ganz streng nach Vorgaben ohne kreative Freiheiten. Dabei wird mir jetzt auch immer mehr die Sinnlosigkeit "unserer" Tätigkeit bzw. der Existenz unseres Unternehmens bewusst, d. h. die Leere des Betriebs wird zur Leere der Mitarbeiter, die es aber größtenteils gar nicht spüren. Finanziell ist die Reduzierung meiner Arbeitszeit auch mit Einbußen verbunden, die mir nicht mehr die Ausübung meiner geliebten Hobbies erlauben. Ich arbeite eigentlich nur noch für die Eigentumswohnung, den Unterhalt für meinen Sohn und die allgemeinen Lebensführungskosten einschl. von der Krankenkasse nicht bezahlte experimentelle Therapien. Würde ich mich aber frühverrenten lassen, bliebe mir noch weniger. Für die Selbstständigkeit fehlt mir das Startkapital und bei einem anderen Job wäre mir nicht nur meine Krankheit sondern auch mein Alter (ü40) im Wege. Also fülle ich die täglichen 5-6 Stunden, freue mich über die netten Kollegen/innen und genieße die freie Zeit mit wenig Geld.
Hallo zusammen,
bevor ich diesen Beitrag von Tanja gelesen habe, hätte ich nicht gewusst, wie ich meine Situation benennen soll. Vieles daran kommt mir sehr bekannt vor.
Ich arbeite bei einem Energieversorger und leite im Bereich der Datenverarbeitung eine Arbeitsgruppe von sieben Mitarbeitern. Ich mache das jetzt seit zwei Jahren und bin im Laufe der Zeit immer demotivierter geworden. Lange habe ich die Gründe bei mir gesucht: ich müsste erst die Strukturen genauer kennen lernen, ich müsste meine Position erst festigen, ich müsste lernen, prozessorientierter zu denken, ich müsste nur die richtige Einstellung zu meinem Umfeld finden. Bis heute ist es mir nicht gelungen. Energieversorger sind heutzutage in einer großen Umbruchsituation. Es gibt Bereiche, in denen hektisches Treiben herrscht und viele externe Arbeitskräfte hinzugezogen werden müssen. Andere Bereiche – zu denen meiner gehört – sollen ruhig (und klein) gehalten werden. Unsere Gruppenleiter-Runden bestehen in meinen Augen aus leeren Ritualen, produktive Arbeit wird dort nicht verrichtet, man beklagt sich lieber über andere Abteilungen, lästert über Externe und zeigt Schadenfreude, wenn woanders Projekte scheitern ("die Lust am Scheitern"). Verantwortung wird ungern übernommen. Bevor ich mir selbst die Finger verbrenne, kaufe ich lieber noch ein paar mehr Externe ein.
Hinzu kommt speziell in meiner Abteilung ein Menschenbild, das geprägt ist vom "unmündigen Mitarbeiter, der gar nicht weiß, wie gut es ihm eigentlich geht". Gerade mein direkter Chef zeigt wenig Respekt im persönlichen Umgang, wer nicht zu den "Leistungsträgern" gehört, wird nicht ernst genommen.
Und so ist es eigentlich nicht verwunderlich, dass die Mitarbeiter in einer Umfrage "Great Place to Work" dem Unternehmen und den Führungskräften ein schlechtes Zeugnis ausgestellt haben. Aber was für Schlüsse werden aus dem Umfrageergebnis gezogen? Der Vorstand beginnt, einen "Chorpsgeist" zu beschwören, und die untere Führungsebene soll es in Mitarbeiter-Workshops richten.
Ich selbst habe das Gefühl, wenig zu einer positiven Änderung beitragen zu können. Außer im Verhältnis zu meinen Mitarbeitern, wo es mir wichtig ist, Wertschätzung zu vermitteln. Aber ich kann nicht sämtliche Unbilden aus dem System abfedern. Fachliche Aufgaben habe ich leider auch zu wenig. Ich habe immer mehr das Gefühl bekommen, auf einem Abstellgleis gelandet zu sein. Ich mache viele private Dinge im Büro, lese lange und ausgiebig bei "Zeit zu leben", und der Tag will und will kein Ende nehmen. Und das Verrückte daran ist: genau das scheint mir "vom System" so gewünscht. Nur dass es mich persönlich innerhalb kurzer Zeit total unzufrieden gemacht hat.
Und so habe ich mich zu dem Entschluss durchgerungen, mich mit 45 Jahren beruflich noch einmal zu verändern. Das ist mir wirklich sehr schwer gefallen, zumal die sozialen Leistungen und finanziellen Absicherungen wirklich sehr gut sind.
@Isabel: dein Beitrag hat mich besonders interessiert. Was du schilderst, kommt mir sehr bekannt vor. Ich fürchte auch, dass meine Lösung nur in materiellen Abstrichen zu finden ist.
Hallo Line,
ich würde sehr gerne an deiner Studie teilnehmen-
ich finde mich zu 100% als Boreoutkandidatin wieder!
Meldest du dich bei mir
unter andacover@gmx.de ?
Vielen Dank.
Andrea
Hallo Birgit,
ich kann dich gut verstehen. Die Lage scheint verzwackt.
Genauso ging es mir auch lange. Ich bin 36 und war froh den Übergang von der Uni ins Berufsleben gemeistert zu haben.
Will man mit seinem alten Leben/Job brechen, muss man sich öffnen für neue Ideen und Wege sowie fest an Veränderung glauben. Die Zukunft ist nicht berechenbar. Nie.
Genau darum kann man aber auch mit Überraschungen im Leben rechnen! Das ist doch spannend!
Neue Wege einzuschlagen, kostet vermutlich Kraft. In einer unbefriedigenden Situation zu verharren aber auch!
Ist der Stein erstmal ins Rollen gekommen, können sich viele neue Türen öffnen, an die man vorher gar nicht gedacht hat.
Es gibt doch diesen alten Spruch: Not macht erfinderisch!
Da ist wohl etwas dran, denn wir sind "Gewohnheitstiere", die gerne und lange an Bewährtem festhalten (und sei es eben das Einkommen, die Kollegen oder der Wohnort etc.).
Ich merke bei mir selbst, dass ich mich zwinge nach vorn zu schauen. Das hilft! All die Möglichkeiten die da sind, das ist doch wunderbar.
Beim Zurückschauen sollte man aufpassen, ich denke, wir neigen dazu, die Vergangenheit zu verklären.
Also mir hilft der Blick nach vorn und das bewußte Wahrnehmen der Vorteile und Möglichkeiten, die ich jetzt habe.
Hallo,
ich gehöre noch zu den Verzweifelten. Seit eineinhalb Jahren bin ich im Ruhestand - ich wollte aber noch gar nicht -. Vor 65 in den Ruhestand gehen war für mich undenkbar. So dachte bis dahin auch mein Chef. Bis er dann gefragt wurde...... und er ging. Daraufhin wurde auch ich gefragt..... wie sieht es denn aus? Wollen Sie nicht auch etc. .....? Ich musste mich schnell entscheiden - und ich tat es - es war ja zu meinem Besten :-((. War es vielleicht auch, denn ein neuer Chef für die (noch) 2 Jahre?????
Nun sitze ich zu Hause. Da ich in meinem Beruf aufging, habe ich es versäumt mir über die Zeit danach Gedanken zu machen. Und die viel gefragten Interessen.....??? ja, dafür hatte ich gar kein Zeit. Plötzlich bin ich für mich verantwortlich, es geht um mich und nicht um andere. Damit komme ich nicht zurecht.
Für mich etwas zu tun, fällt mir sooo schwer. Ich bin doch gar nicht so wichtig - ist meine Einstellung.
Wer kann dazu etwas schreiben. Wem geht es ähnlich und wie hat er es geschafft seinem Leben einen Sinn zu geben?
Seit Kurzem weiß, ich wie endlos lang 3 Stunden sein können.
Es ist nur ein kleiner "Job" ab und an.Unregelmässig.
Aber es nervt.Ewig viel Blicke auf die Uhr.
Und dabei kann ich mir nichtmal eine ander "Beschäftigung" suchen,da ich trotz der Langeweile mit meiner Aufmerksamkeit präsent sein muß (Betreuung)
Andererseits hilft mir das kleine Taschengeld,die finanzielle Situation etwas zu entlassten.
Leider ist auch der Rest meiner Tage nicht sonderlich ausgefüllt.
Ich hasse die Haushaltsarbeit.Aber aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen bin ich nun Diejenige die sie größten Teils übernehmen "muss".
Und sie zieht sich hin,weil ich einfach nicht mehr in der Lage bin sie schnell und am Stück durchzuziehen.
Natürlich versuche ich auch Sachen zu machen,die mir gut tun,Spaß bringen.
Aber oftmals fehlt dazu dann die Kraft,die Energie und auch die körperliche Leistungsfähigkeit.
Momentan sieht meine Lösung so aus,das ich versuche durchzuhalten.Und mir ab und an "Auszeiten" gönne.
Richtig zufrieden bin ich damit nicht,mir fehlt die Perpektive ob und wann es anders bzw besser werden könnte.
Ich kann dem Artikel voll und ganz zustimmen.. Mein Job langweiligt mich dermassen, dass ich ab und dann sogar einpenne vor dem Bildschirm.. und der Chef macht die interessaten Dinge und regt sich danach auf, wenn er zuviel Arbeit hat, während ich die Stunden zählen darf, bis dann endlich mal Feierabend ist.. und wenn rund 8 Stunden nichts tun hat, dann sind diese endlos lang..
Dummerweise bin ich (momentan)auf den Job angewiesen, da ich noch Schulden abzahlen muss.. aber in ein paar Monaten (wenn es mir nicht schon vorher ablöscht) werde ich dann definitiv den Schnitt machen und mich voll und ganz meinem neuen Hobby, nämlich der Kunstmalerei widmen
Ich denke, unsere äußere Langeweile kommt von einer inneren Leere. Ich hab vor kurzem ein Training bei "Spirituelle-wellness.de" gemacht und das hat mir geholfen. Wir haben uns zu weit von unserem Körper und unserer wahren Bestimmung entfernt. Und deswegen macht unser Leben auch wirklich keinen Sinn mehr.