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Schluss mit Positiv!

Von Ralf Senftleben63 Kommentare

Wenn man sich ein Weilchen mit dem persönlichen Wachstum beschäftigt, dann merkt man, dass hier eine ganz schöne Diskriminierung im Gange ist. Und erstaunlicherweise schert das offensichtlich niemanden. Deswegen will ich heute mal in diese Bresche springen und mich ein bisschen aufregen.

Ok, was genau wird hier diskriminiert?

Ganz einfach: Das Negative. Das Weghaben wollen. Das "weg-von".

Und insbesondere das Wörtchen „Nein“.

Das ist ein Skandal!

Schauen Sie sich doch mal um auf dem Lebenshilfe-Markt:

Ich halte mich ja für einen recht ja-orientierten und positiven Menschen. Aber ganz ehrlich: Manchmal muss selbst ich mit den Augen rollen, wenn mir zu viel positives Denken entgegenschlägt.

Natürlich ist da schon etwas dran. Grundsätzlich glaube ich auch, dass uns Menschen eine positive Einstellung zum Leben besser tut. Aber darüber wird eines vergessen: „Nein“ ist eben auch ein wundervolles und enorm kraftvolles Wort. Denn, nicht wenige tolle Wachstumsgeschichten haben mit einem entschlossenen „Nein“ begonnen:

Zur eigenen Vergangenheit “Nein” zu sagen, das bringt natürlich wirklich nichts. Daran kann man eben nichts mehr ändern. Über vergossene Milch zu weinen, ist nicht nützlich.

Aber man kann „Nein“ dazu sagen, weiter Dinge zu tun, die einen nicht glücklich machen.

Sie können „Nein“ dazu sagen, sich von Ihren Gedanken und Gefühlen terrorisieren zu lassen.

Sie können „Nein“ dazu sagen, immer die gleichen Fehler zu wiederholen.

Sie können „Nein“ zu etwas sagen, das Sie bisher aus Bequemlichkeit oder Angst geschluckt haben.

„Nein“ ist ein wunderbares Wort, wenn man auf Dinge anwendet, die man ändern kann. Es ist sogar oft der erste Schritt auf dem Weg.

Ich möchte Sie gleich zu einem kleinen Experiment einladen. Aber vorher muss ich noch schnell etwas einschieben, weil es wichtig ist.

Vielleicht haben Sie ja schon mal gehört, dass man eine Sache erst akzeptieren muss, bevor man sie ändern kann. Das stimmt nach meiner Erfahrung tatsächlich. Aber zu etwas Nein zu sagen, heißt nicht, dass man etwas nicht akzeptieren kann, wie es ist.

Akzeptieren bedeutet, die Wirklichkeit so zu sehen, wie sie ist, ohne sie zu verdrängen oder sich deswegen schuldig zu fühlen. Das heißt aber nicht, dass ich die Wirklichkeit mögen muss.

Akzeptieren heißt soviel, wie zu sagen: „Hallo. Ich sehe dich. Ich weiß, dass du da bist.“

Etwas zu akzeptieren und es anders haben zu wollen, ist also kein Gegensatz.

So und nun zu dem Experiment. Haben Sie Lust, eine interessante Erfahrung zu machen, die Sie vielleicht weiterbringt? Ja? Dann los!

Schritt 1:

Überlegen Sie sich bitte irgendetwas, das Sie in Ihrem Leben nicht mehr haben wollen. Nehmen Sie aber bitte etwas, das zu ändern im Rahmen Ihrer tatsächlichen Möglichkeiten liegt. D.h. Sie wissen, dass Sie es ändern könnten, mit ein wenig mehr Mut und Tatkraft und mit weniger Angst und Bequemlichkeit.

Zum Beispiel:

Haben Sie etwas?

Der Einfachheit nennen wir das, was Sie sich ausgesucht haben, jetzt “Problem X”.

Schritt 2:

Ok, nächster Schritt.

Stellen Sie sich jetzt hin. Ja, wirklich. Machen Sie das. Stellen Sie sich hin.

Stehen Sie?

Nun beide Füße fest auf dem Boden, das Gewicht gleich auf beide Beine verteilt.

Atmen Sie jetzt einmal tief ein und wieder aus.

Die Knie ein ganz klein wenig beugen, so dass Sie wirklich stabil stehen.

Jetzt die Brust rausdrücken.

Die Schultern leicht zurückziehen.

Den Kopf erheben.

Das Kinn ein kleines bisschen nach vorne schieben.

Die Fäuste ballen.

Den Kiefer ein bisschen anspannen.

Grimmig gucken.

Noch einmal tief ein und wieder ausatmen.

Und jetzt sagen Sie möglichst laut und entschlossen:

„Ich bin nicht mehr bereit, Problem X zu tolerieren! Ich sage ganz klar Nein. Es ist genug. Bis hierhin und nicht weiter. Ich lasse mir davon nicht mein Leben versauen. Genug ist genug! Ich unternehme etwas! Ich ändere etwas!“

Haben Sie es gespürt?

Genau das ist die Kraft eines richtig guten und entschlossenen Neins.

  1. Marcy schreibt am 3. Juni 2010 um 06:28

    Schön beschrieben. :-)

    Dazu passend empfehle ich noch das Buch von Manuel Smith: "Sag Nein ohne Skrupel"

  2. Zebra schreibt am 3. Juni 2010 um 17:01

    Ich gebe dir ja vollkommen Recht, Ralf, aber etwas erstaunt bin ich schon. Zeitzuleben ist doch Teil genau dieses Lebenshilfemarkts und ihr stosst all zu oft ja auch in genau dieses Horn.

  3. Ralf Senftleben schreibt am 3. Juni 2010 um 17:15

    Zebra, absolut richtig. Manchmal muss man auch mit sich selbst schimpfen :-)

  4. Ulrich Pranskat schreibt am 4. Juni 2010 um 08:20

    Hallo zusammen,

    hallo Ralf,möchte mal vermuten, das der Film Avatar Dir sehr gut gefallen hat!Oder irre ich mich da? Falls ja, nicht schlimm,würde sich bestimmt lohnen ihn anzuschauen.

    NEIN....ist wie schon bemerkt, ein sehr gutes Wort.Es drückt ja auch die eigene Persönlichkeit aus ohne negativ zu sein.
    Im gegenteil, in sehr vielen Dingen des Lebens, ist es ein verdammt gutes POSETIVES Wort..NEIN...oh ja.

    Öfter mal NEIN zu sagen hat für mich etwas sehr indivuelles,andere würden ja dazu sagen, wo ich auch nein denken würde.
    Viele trauen sich nicht NEIN zusagen, weshalb auch immer, jeder hat seine Gründe wehalb er NEIN oder JA zu den Dingen sagt.
    Es regen sich bei mir sehr große Wiederständen wenn ich es merke das jemand JA sagt aber im grunde ein defenitives NEIN meint.
    Das war dann wohl nichts mit der Veränderung.
    Habe es öfter erlebt das wichtige Ansichten verloren gegangen sind....wegen einem nicht wirklichen JA.

    Bin immer sehr gespannt und froh wenn mir Menschen begegnen...die offen zu sich und anderen sind.
    Oft ist es mir auch passiert ich ich mal ja gesagt hatte obwohl ich es nicht so richtig meinte, halt so unschlüssig, manchmal unwissend, aus Angst vor Fragen die nicht zu beantworten wären...im nach hinein, schade um meine Ansicht die in mir blieb und der andere nicht wusste was ich überhaupt möchte.
    Nun habe daraus gelernt.Falls es wieder mal vorkommen sollte, nehme ich mir eine Gedankenpause,2-3-4-5 sek.oder ich sage das ich zu diesem Thema kein wirkliches Ja oder Nein sagen kann...vielleicht etwas später.
    Man glaubt es nicht ...nur es klappt..nicht immer aber.....Ihr wisst schon.

    Auch kommt es mal vor wenn jemand etwas von mir möchte...ich da ein klares NEIN sagen will,merke aber es würde den jenigen verletzen oder enttäuschen...dann kommt auch schon mal ein JA...aus Respekt und Achtung vor diesem Menschen.
    Später kläre ich das ganze auf und erkläre mich weshalb ich JA sagte obwohl ich NEIN meinte,weil es dann sehr viel entspannter ist und es werden keine unnötigen Diskusionen geführt.
    Jeder hat oder kennt Menschen denen ist es völlig egal was man selbst möchte und diese Menschen, setzen vieles daran, ihre Dinge durchsetzen zu wollen, die mich dann nur nötigen würden.So ist es dann wesentlich entspannter und vielleicht respektiert der jenige doch auch mal mein NEIN.

    Wünsche Euch allen ein wunderschönen Wochenende und eine Gute Zeit...mit besten Grüßen aus Köln......Ulli

  5. vincent schreibt am 6. Juni 2010 um 06:12

    oh mann, dieser beitrag hat mich unheimlich froh gemacht.
    wobei- über vergossene milch weinen-ich bin der verdammte ironman, ich bin der kleine junge,der nie weinen durfte über die unterdrückung, die er erfahren musste. schlag zurück- aber bilde dir nicht ein, dass du damit gewinnen kannst.und die kleinen mädchen sollen nicht so rumheulen- bitte, lass mich nicht im stich, schau nicht weg.
    die trauer kommt nach der wut, sie ist der letzte vorhang vor der wirklichkeit.

  6. Wolfgang Spitzer schreibt am 6. Juni 2010 um 06:21

    Hallo Zusammen,

    bisher habe ich den Newsletter mit großem Interesse gelesen. Auch dieser Beitrag ist insofern für mich ok, wo er eine Hilfestellung zum "Nein-Sagen" gibt. Was ich aber leider überhaupt nicht verstehe ist die Verbindung zwischen einem "Nein" und positivem Denken. Das hat für mich (ganz subjektiv) überhaupt nichts miteinander zu tun. Deshalb : Die Hilfestellung ok, der Aufhänger "positives Denken" völlig daneben.....
    Ein positiver Gruss mit einem "Nein" dazu aus dem Norden
    Wolfgang Spitzer

  7. MONIKA R. schreibt am 6. Juni 2010 um 06:24

    HURRRRRRRRRRRRAAAAAAAAAAAAA,ENDLICH!!!DANKE!!!
    Ich habe in den letzten Jahren, bei den Esoterikern, soviel Geld ausgegeben um meine persönliche Situation zu verbesser:
    Immer und überall hat es geheissen ich bin schuld, ich hätte die falsche Geisteshaltung. Nun hat es mir gelangt und ich stehe nun auf und wehre mich!!!
    Nicht mit Gewalt, sondern mit gesundem Menschenverstand und verweigere mich!!!
    Nicht dem Leben, nein, meinen Wiedersachern, welche mir einreden ich müsse nur loslassen...ja ich lasse los, aber nicht mehr mich, sondern die Schmarozer.
    "Das ist halt so, das kann man nicht ändern" kennt Ihr diesen Satz!Ihr könnt davon ausgehen das der der das sagt viel zuverlieren hat, also wird nichts geändert!!!
    Dann ändert Ihr was, sagt NEIN, das ist schon mal ein guter Anfang!!!
    Ihr JA Sager und Duckmäuser da draussen...hört mal auf euer Bauchgefühl, richtet euch auf und sagt klar und deutlich
    NEIN...ihr werdet überrascht sein...
    Liebe Grüsse Monika R.

  8. Katty schreibt am 6. Juni 2010 um 06:30

    Hallo an Alle, Hallo Ralf.

    Ich habe eben den Newsletter gelesen, Thema 'NEIN'. Und bin begeistert!Mir fallen so viele Dinge zu den vorangegangenen Kommentaren ein, förmlich eine Flut... Ulli hat das alles schon sehr treffend ausgedrückt.
    Auch ich finde, daß es etwas ganz eigenes, individuelles ist, was mich mit ausmacht als Charakter, als Mensch. Und was gerne raus möchte aus mir: ich habe mein bisheriges Leben lang (weil so erzogen...bin nun 36Jahre alt)stets und ständig 'Ja und Amen' gesagt, zu allem und jedem. Jedem wollte, mußte, sollte ich es recht machen, bloß nicht aufmucken, das macht man ja nicht, wenn jemand was will oder etwas anliegt hat man sich zusammen zunehmen. Punkt. An meinen Eltern merke ich jetzt nun mittlerweile manchmal (jetzt, wo sie älter werden), wie sehr diese Einstellung ihnen im Weg steht oft.
    Dieser 'Lebenshilfemakt' wie Zebra ihn so schön ausdrückte, bezieht sich wirklich fast ganz auf pos.Denken und läßt wenig Raum manchmal für ein entschiedenes 'Nee,will ich aber nicht','sehe ich anders'. Viele Menschen rennen dieser Einstellung vehement hinterher, und es ist ja auch nicht schlecht sich grundsätzlich dem Positiven zu widmen! Ich tue das auch, und angefangen mit der Arbeit an mir habe ich auf Grund einer schweren Erkrankung die ich so NICHT hinnehmen will! Mein Problem folgte auf dem Fuße: ich mußte (und bin immer noch nach Jaaaahren....)hart dabei NEIN sagen lernen zu müssen! Wie sagte Ulli so nett: klappt nicht immer, aber schon immer öfter!
    Und ich möchte das NEIN in mein Leben integrieren, es gehört dazu und ist durchaus positiv! Für mich.
    Lernt man doch, Wichiges von Unwichtigem zu unterscheiden, zu sich zu stehen (auch wenn die Umgebung bisweilen Anfangs dumm aus der Wäsche guckte - spannend wie so die Reaktionen waren!!! Augen rund wie Teetassen blicken einen dann an. Schönes Gefühl, muß ich mal so sagen),und auf diese Weise ja auch Platz macht für Neues in seinem Leben.
    Und es tut so gut NEIN zu sagen.
    Mir persönlich hilft es sehr, mich und mein Leben besser zu verstehen und zu managen. Und oft passiert auch gar nichts schlimmes wenn man NEIN sagt, hihi.
    Dieses Thema ist sicherlich unerschöpflich, aber schön! und so langsam kommen auch anderen Meinungen aus den Mäuselöchern gekrabbelt, die sich nicht immer nur mit 'Think pink' beschäftigen, mir lief ein Buch über den Weg (welches selbigen mit Sicherheit noch zu mir nach Hause einschlagen wird!)mit dem Titel: "Ich sagte Ja und meinte Nein" von Ute Hanisch. (den obigen Buchtipp habe ich mir schon notiert...)
    "Sag JA zum NEIN", ein liebevoll gemeinter Kommentar meinerseits.

    Danke für diesen schönen Newsletter, allzeit ein positives Leben mit Freude, Spaß und Licht,

    Grüße aus der Lüneburger Heide,
    Katty.

  9. Daniel schreibt am 6. Juni 2010 um 07:09

    Stimmt, man kann das mit dem Positiven Denken und dem "Ja" auch übertreiben!

    Das sind dann die Leute, die ihre Hand in einen 4 °C kalten See halten und sich ständig einreden..."das Wasser ist warm..., das Wasser ist warm..., das Wasser ist warm...

    oft genügt es schon den Tatsachen ins Auge zu sehen und ehrlich zu sich selbst zu sein:
    "Nein, das Wasser ist nun mal nicht warm..."

  10. kirsti schreibt am 6. Juni 2010 um 07:11

    "Nein"...oft ganz leicht zu sagen,aber wenn man sein Leben ändern möchte und Altes und Vertrautes verabschieden sollte ,weil es einem im Moment gut tut,aber auf lange Sicht vielleicht dann doch nicht ....das ist vielleicht schwer...Kirsten

  11. Kristin schreibt am 6. Juni 2010 um 07:13

    Akzeptieren was ist und Nein-Sagen ...

    Klingt auf den ersten Blick widersprüchlich.

    Aber es schließt sich nicht aus, wenn wir, wie in dem Artikel geschehen, betrachten, dass es sich um verschiedene Ebenen handelt.

    Ich kann erst Nein sagen, nachdem ich Ja gesagt habe. Also kein Widerspruch, sondern eine Abfolge.

    Erst wenn ich anerkannt habe, dass diese Situation mich nicht zufrieden macht - erst dann kann ich Nein sagen. Solange ich nicht genau hinschauen will, solange ich meine Gefühle nicht genau wahrnehmen will - solange kann ich auch keine klare Position dazu beziehen.

    Also kommt immer erst das "Ja" - und dann habe ich die Entscheidung, was ich damit machen will. Und eine der Optionene ist: Nein-Sagen.

    Danke für die Anregung!

    Kristin

  12. Stella schreibt am 6. Juni 2010 um 07:25

    Stimmt absolut. So betrachtet ist das "Nein" nichts Negatives, sondern ist das Erkennen von etwas persönlich als negativ Empfundenem, das ab sofort in etwas Positives umgewandelt werden soll. Also ist dieses Nein eigentlich ein kraftvolles Ja zur Veränderung zum Guten.
    ABER eben nur ein allererster Schritt. Von diesem Punkt an halte ich den Blick auf das Positive, das man erreichen will, trotzdem für die bessere Sichtweise, als wenn man immer noch auf das schielt, was man HINTER SICH lassen will. Was genau das Ziel ist, muss man nämlich erst mal definieren, das ergibt sich nicht immer so einfach aus dem, was man nicht mehr will: z.B. diesen Job nicht mehr – aber welchen dann? Oder ich will nicht mehr träge sein – aber was will ich tun?

  13. Heidi schreibt am 6. Juni 2010 um 07:33

    Hallo Ralf!

    Eine super Idee uns mal vor Augen zu führen wie wichtig und nützlich ein "Nein" sein kann.
    Klar zum "Nein" brauche ich Kraft. Denn nicht allen wird es gefallen.
    Aber mit der Kraft des "Nein", kann ich auch wieder positiv an mein Leben denken.
    Danke für den Beitrag!
    Sommerliche Grüße Heidi

  14. Jörg schreibt am 6. Juni 2010 um 07:41

    ein schönes Thema
    das NEIN -Sagen ist für mich ebenfalls Lebensbejahung und positives Denken. denn wenn ich weiß was ich nicht will,weiß ich schon mehr als manch anderer um mich herum.

    es ist im beruflichen Leben immer ein Aha-Effekt für mich, wenn ich Kollegen mit dem Wörtchen NEIN konfrontiere. Die Akzeptanz ein NEIN anzunehmen ist gering, auch wenn ich gleichzeitig eine Alternative anbiete.("Nein , jetzt habe ich keine Zeit für dich - doch in 10 Minuten bin ich frei")
    Meist passiert folgendes : der andere diskutiert 10 Minuten mit mir und am Ende sind beide unzufrieden

    positives Denken ist wichtig - und das funktioniert mit JA und Nein -

    der Newsletter - wie immer Spitze :-)

  15. Josef schreibt am 6. Juni 2010 um 07:46

    Euer JA sei ein JA und euer Nein sei ein NEIN.
    Klarheit und Wahrheit.
    Arbeite seit über 20 Jahren mit Pferden und die können Gedanken LESEN. Da gibt es nur die eine Möglichkeit ehrlich ZU SEIN. Sei Du selbst, du fühlst dich wohl dabei, die anderen erkennen dich.
    Der Pferdeschamane
    Josef

  16. Rosalie schreibt am 6. Juni 2010 um 07:50

    Guten Morgen ihr Lieben

    Klasse Klasse Klasse...
    endlich spricht das auch mal jemand aus.. lächel...
    Ich arbeite als selbst Betroffene mit Brustkrebspatientinnen und versuche schon eine geraume Weile klar zu machen das dieses ständige positive Denken an die Substanz gehen kann. Alles wird gut..toll.. auch mal sagen Nein es ist nicht gut, Nein ich bin nicht gut drauf und ja mir geht es beschissen..lächel...
    es gibt eine tolle CD von einem Therapeuten in einer Krebs Rehaklinik, Dr. Jürgen Stepien "Sinn und Unsinn des Positiven Denkens" wenn man die gehört hat versteht man einiges mehr. Dieser ganze Markt mit Lebenshilfe ist gut und schön aber das Gefährliche daran ist doch,dass sie letztendlich versuchen uns einzureden das alles nur mit Denken verändert werden kann. Das ist mit Sicherheit eine gute Sache wenn man auf dem Boden bleibt und da mit einem gesunden Maß an Skepsis rangeht. Und wisst ihr..ich selbst hab viele solcher Sprüche im Laufe meiner Erkrankung zu hören bekommen, dabei finde ich immer noch am heftigsten die Aussagen mit positiven Denken hat eine ihre Krebserkrankung besiegt. Möchte keine Namen nennen aber wie fundiert das ist sieht, man das in diesem Buch weder die Art der Erkrankung noch die Schwere beschrieben ist.Leider gibt es immer noch Menschen die sich auf sowas stützen und unter Umständen alle andere nicht beachten. Das kann man auch auf andere Bereiche ausweiten. Ich freue mich und danke ihnen jedenfalls, das auch dieses Thema hier einmal angeschnitten wird, mit dem ich in meinem Freundeskreis schon etliche Diskussionen angeregt habe..smile

  17. Anne schreibt am 6. Juni 2010 um 08:00

    Nein - heißt zu sich zu sthen, sich nicht klein zu machen.
    Nein- heißt zu sagen ich bin hier, ich bin bei mir selbst.
    Nein- setzt Grenzen, stellt Deine Füße auf weiten Raum.
    Nein- macht Dich groß und Dich offen für ein Neues Ja.
    Das neue Ja schenkt Dir eine neue andere Pespektive auf die Wirklichkeit, die die selbe bleibt, nur Du bist groß und nicht mehr klein und hälst die Zügel selbst in der Hand.

    einen schönen Sonntag an Alle Anne.

  18. Carmen schreibt am 6. Juni 2010 um 08:32

    Ein "Nein"(an unsere Mitmenschen) ist oft ein "Ja" uns selbst gegenüber.

  19. Ingrid schreibt am 6. Juni 2010 um 08:45

    Ich denke, wir müssen unterscheiden, zu was wir NEIN sagen. Bei anderen Menschen oder deren Forderungen steht ja häufig die Angst oder die Sorge vor Liebesverlust im Vordergrund. Es ist dann sicher nicht leicht ein NEIN zu formulieren, so zu formulieren, dass es auch verstanden und nicht als Ablehnung empfunden wird. Gleichwohl gehört es zur Selbstbestimmtheit eines Menschen dazu.
    Aber: Wer NEIN sagen kann, muss auch NEIN ertragen können.

  20. Katrin schreibt am 6. Juni 2010 um 08:58

    Hallo lieber Ralf und alle,

    ich kann dir leider nicht mit so viel Begeisterung folgen. Aus meiner Sicht vermischst du hier etwas:

    Positives Denken bedeutet doch nicht, alles zu akzeptieren und zu allem JA zu sagen!
    Und NEIN zu sagen, ändert auch erst mal noch nicht viel. Klar es ist ein erster wichtiger Schritt. Aufbegehren, Wut und Jammern muss auch mal sein und tut gut, sind aber letzten Endes kindliche ohnmächtige Reaktionen.

    Aber dann? Wie gehts weiter??
    Deine letzten Sätze sind mir einfach zu schwach: "Ich unternehme etwas! Ich ändere etwas!"

    Ja, was denn genau?

    HIER setzt m. E. das positive Denken und Tun erst an. Es geht eben nicht darum zu sagen, was man NICHT mehr will und zu erkennen, dass man etwas ändern muss. Positives Denken und Handeln bedeutet, sich neue positive Alternativen auszudenken und umzusetzen.

    Z.B.: "Ich werde mich nicht mehr von meinem Nachbarn / meinem Chef ärgern lassen - Nein!!" - das wäre das "Nein" sagen.

    Aber wie weit bringt mich das wirklich?
    WIE genau will ich das denn machen? Und wie genau werde ich mich zukünftig verhalten?

    Jetzt setzt das positive Denken ein: Ich suche nach neuen positven Handlungsmöglichkeiten. Das ist nämlich viel schwieriger, als mit dem Fuß aufzustampfen und sich zu verweigern. Aber erst das ist der Schritt nach vorn.

    Ich mache gerade eine Ausbildung in lösungsorientierter Psychologie. Da geht es immer wieder darum, positive Ziele zu definieren und nach Lösungsstrategien zu suchen, indem man in der Vergangenheit schaut, wo einem das vielleicht schon einmal gut oder ähnlich gut gelungen ist. Mit der Analyse der Problemsituation beschäftigt man sich nicht mehr lange, auch nicht damit, welches Verhalten die Problemsituation aufrecht hält, wie es z.B. die Verhaltenstherapie macht. Das ist alles sicher gut und wichtig, aber letzten Endes führt es zu keiner Lösung, keinen Schritt weiter nach vorn. Dies tut allein die positive Variante: Das Alte hinter sich lassen und schauen, was man stattdessen tun kann. Über das NEIN muss man so nicht mehr lange nachdenken und zu reden!

    Das NEIN funktioniert ohnehin in Beziehungen, egal welcher Art die Beziehung ist, nur dann, wenn man positve Alternativen anzubieten hat. Man muss seinem Partner / Chef / Nachbarn wem auch immer nicht sagen, was man nicht mehr will. Man sagt ihm lieber gleich, was man sich stattdessen wünscht und wie man zukünftig handeln wird - auf positve Art und Weise.

    Positives Denken bedeutet letzten Endes, darauf zu vertrauen, dass wir alle Fähigkeiten besitzen, unsere Konflikte und Probleme zu lösen und etwas dafür zu tun, dass wir neue Wünsche und Ziele finden, die kein "nicht" oder "Nein" enthalten, sondern ein "Ja - das will ich".

    Liebe sonnige Grüße
    von Katrin

  21. Marianne schreibt am 6. Juni 2010 um 09:00

    Hallo zusammen!
    Erinnert mich an Yin und Yang Prinzip. Oder die 2 Seiten der Medaille.
    Sag NEIN zur einen Seite, und du hast immer automatisch ein JA zur anderen Seite.
    ZB: "Nein, ich will nicht mit dir ins Kino", heißt automatisch "Ja, ich habe dann Zeit, um etwas zu machen, wozu ich gerade mehr Lust habe".
    Es gibt kein Ja ohne Nein oder umgekehrt.
    Falls das Nein-sagen noch schwer fällt, überlegt doch mal, wozu ihr dann Ja sagen würdet ;0)(ich vermute jetzt einfach mal, in den meisten Fällen Ja zu Euch selbst, und das ist doch eine gute Sache, oder?! )
    (Anne hat das schon gut formuliert, ich habe mir jetzt wohl nicht alle Kommentare durchgelesen...)
    Lichtreichen Sonntag noch!
    Marianne

  22. Axel schreibt am 6. Juni 2010 um 09:21

    Unglaublich, wie viele sich auf diesen Beitrag zum "Nein" hier zu Worte melden und ganz erleichtert sind, dass es auch legitim ist, "Nein" zu denken und eventuell auch anderen "Nein" zu sagen. Toll.
    Es gibt so etwas wie eine Ideologie, die uns zum Ja-Sagen und zur immer stärkeren Selbstoptimierung treiben will/soll. Es geht bis ins therapeutische Detail, z.B. die Anweisung, dass man bei Konfimrmationen niemals "nicht" sagen dürfe, weil das Gehirn angeblich "nicht" und "nein" nicht denken könne bzw. dementsprechend nicht handeln kann.
    Zweifel und Skepsis, aber auch kritische Distanz zum Common Sense waren immer wichtige, wenn auch unbequeme Faktoren in der Menschheitsgeschichte und in der Wissenschaft.
    Als grundlegende Basis dürfte Optimismus einer pessimistischen Einstellung immer überlegen sein; eine Zwangsbeglückung a la positives Denken führt zur Schuldsuche und Defizit-Verortung immer beim Individuum und macht unglücklich.
    Danke für den Beitrag, Ralf. Ein Grund mehr, Eure Seite weiter zu empfehlen.
    ;-)

  23. movie schreibt am 6. Juni 2010 um 09:31

    Guten Morgen an die Jein-Verneiner!

    Danke an Ralf Senftleben, Ihre Aufregung und dadurch die Power für diesen befreienenden und für Gleichgesinnte bestätigenden Artikel ist wunderbar!
    Ja zu sagen und nein zu meinen ist nicht nur an sich selbst Verrat, sondern auch eine Respektlosigkeit gegenüber meinen Mitmenschen, die diese Halbherzigkeit zumeist spüren und sich wegen meinem fehleneden Mut hinsichtlich einer eindeutigen Aussage u. U. verunsichert fühlen. Ein "positives Nein" hat aus meiner Sicht sehr wohl letztlich mit positivem Denken zu tun im Hinblick auf Ehrlichkeit zu sich selbst und den eigenen Gefühlen, der eigenen Stärke, den eigenen Grenzen. Indem ich vor jeder Entscheidung genau hinterfrage, was hinter einem Ja oder Nein möglicherweise steckt, konnte und kann ich mehr und mehr mein ehrliches Wollen herausfinden und diese Willenbildung zunehmends trainieren. Ständige Akzeptanz hat irgendwann auch den Beigeschmack von permantem Nachgeben, was auf Kosten der Selbstachtung gehen und damit höchst unzufrieden machen kann.
    Apropos "krankhaftes Positiv-Sehen": Wenn mir jemand auf den Teppich scheißt, kann und will ich daran nichts Akzeptables, geschweige denn Positives finden, sondern dann stinkt (mir) das und dann sage ich dazu in aller Klarheit "Nein"! Wer bin ich denn?..

    Ein kraftvollen Sonntag!
    movie

  24. nenabohni schreibt am 6. Juni 2010 um 09:49

    Hallo an alle,
    „Ich bin nicht mehr bereit, Problem X zu tolerieren! Ich sage ganz klar Nein. Es ist genug. Bis hierhin und nicht weiter. Ich lasse mir davon nicht mein Leben versauen. Genug ist genug! Ich unternehme etwas! Ich ändere etwas!“ könnte man auch so formulieren:
    "Ich bin bereit Problem X anzugehen. Ich sage ganz klar Nein zu meinem bisherigen Verhalten. Bis hierhin habe ich mein Fehlverhalten toleriert, damit ist ab sofort Schluss. Ich unternehme etwas, ich ändere etwas..."
    Fühlt sich für mich weit mächtiger an als die für mein Gefühl sehr negativ belasteten Worte von Ralf.
    Auch ich bin für ein klares Nein. Wenn ich spüre was mir nicht gut tut, bin ich auf einem guten Weg, etwas in meinem Leben zu ändern, auf die positiven Gedanken und Formulierungen lege ich trotzdem großen Wert.
    Ina

  25. Diana schreibt am 6. Juni 2010 um 09:59

    In zu viel "positivem Denken" steckt die Gefahr, dass man nicht mehr wagt, wahrzunehmen was gerade ist. Zu vermeiden statt zu spüren und Bewusstheit zu entwickeln. Und letztenendes festzustecken in genau dem Gefühl, das man nicht haben will.

  26. Angie schreibt am 6. Juni 2010 um 10:06

    Sehr schön, ich habe die Übung immerhin gemacht und habe mich lachend gefreut! Ob es meinem Problem x hilft-keine Ahnung, aber ich habe einen lustigen Moment erlebt und das gefällt mir, danke Ralf Senftleben! Lachender Gruß :-)

  27. Katharina Hospenthal schreibt am 6. Juni 2010 um 10:11

    Wie wahr! Sonals ich keinen Wiederstandmehr mache und nicht mehr oberflächlich "positiv" denken und mich so verhalten muss, geht viel selbstproduzierter Stress und Druck weg.
    Mir hat gerade in dieser Beziehung Eckhart Tolle geholfen-
    Ich finde diese wöchentlichen Denkanstösse wirklich super. Herzliches Danke. KaHo

  28. Astrid schreibt am 6. Juni 2010 um 10:21

    Hallo an alle !

    Ein kraftvolles, entschlossenes NEIN an andere Menschen, Dinge oder Situationen ist ein JA an sich selbst und kann mitfühlend und liebevoll ausgedrückt werden. Das nennt man Selbstliebe und sie ist die Voraussetzung für die bedingungslose Liebe, die jeder ganz tief in seinem Herzen hat. Sie ist es, was alles heilt. Ich mache da gerade ganz persönlich Erfahrungen mit meinem 16-jährigen Sohn.

    Von Herzen Dank für diesen tollen Text an Ralf und für die Impulse der anderen Leser.

    Sonnige Grüße, Astrid

  29. Birgit schreibt am 6. Juni 2010 um 10:44

    Hallo Zusammen!

    Erste Reaktion direkt nach der 'Nein-Übung': Ich musste Lachen! Ein gutes Gefühl, es geht doch! Super Anregung für mich, denn allein die Annahme und dann Änderung war für mich oft sehr schwierig, jetzt dazwischen ein resolutes NEIN - klasse.

    Danke & weiter so!

    Sonnige Grüße,
    Birgit

  30. Sandra schreibt am 6. Juni 2010 um 12:04

    Hallo zusammen,
    unglaublich was da alles an schönen Beiträgen zusammen kommt. Mich hat das Experiment sehr betroffen gemacht. Dieses "Nein" auszusprechen, in diesem Fall zu mir selbst zu stehen, ohne Rücksicht auf andere, gegen den Strom zu schwimmen (Familie), ich weiß noch nicht woher ich die Kraft nehmen soll das auch umzusetzen. Sonnige Grüße Sandra

  31. Anita schreibt am 6. Juni 2010 um 13:34

    Ich danke Ihnen von Herzen. Ihr Brief unterstützt meine Gedanken. Heute beginnt der Rest meines Lebens...

  32. Katty schreibt am 6. Juni 2010 um 14:14

    Hallo,

    ich nochmal:)
    Der Beitrag von Sandra um 14.04Uhr veranlaßt mich, mich nochmal zu melden.
    Liebe Sandra, durch den Newsletter heute morgen bekam ich die Power mein NEIN genau da anzuwenden, wo es Dir, wie ich es rauslese, offenbar doll wehtut und schwerfällt, in der Familie. Ich hab's vorhin getan! Yeah. Meine Meinung geäußert, sachlich, nett und freundlich, 'unböse' eben. Es kommt natürlich auf die jeweilige Lebenslage an, klar. Aber ich habe nie gedacht, daß ich das machen würde, weil mir immer der Mumm fehlte. Jahrelang! Die Reaktion kam zwar praktisch postwendend, aber recht verwirrt und 'unsortiert' wie ich fand. Da kam wohl mal jemand ins Schleudern.

    Wenn es soweit sein soll, dann klappt's auch und ist befreiend. Und wie sagte mir vor einiger Zeit eine Ärztin (eine mir sehr geschätzte, menschliche!): manches braucht nunmal seine Zeit und muß reifen!

    Ich wünsche dir Kraft, Mut und Stärke und ein sonniges, liebsvolles JA zu dir selbst um alles zu tun, was du magst und dir gut tut dbzgl. Danke für Deinen Mut, auch Deinen Kommentar zu veröffentlichen!

    Alles Liebe, und Danke an all die schönen Beiträge! Wahnsinn was hier so zusammenkam heute. Ein jeder eine Bereicherung! Es gibt so viele Meinungen wie es Menschen gibt, und das ist gut so.

    Liebe Grüße, Katty.

  33. dieter schreibt am 6. Juni 2010 um 14:37

    hallo ralf,

    du hast wieder recht, das ganze ist kein widerspruch.

    pos. denken beinhaltet ausdrücklich das "nein", denn der pos. denkende mensch ist ein selbstbewusster mensch, und traut sich immer wieder in entscheidenden momenten "nein" zu sagen, weil er eben pos. denkt, und deshalb selbstbewusst ist, und sich traut.

    er sagt "nein" , wenn der chef zuviel von ihm verlangt, er sagt "nein" , wenn ein preis überhöht ist usw., usw. .....

    übrigens pos denken und selbstvertrauen kann man schnell und effektiv durch das führen eines persönlichen erfolgstagebuchs, trainieren.

    dank eures forums neulich, lieber ralf, hat sich ein kreis gefunden, wo wir gemeinsam erfolgstagebuchnotizen austauschen, uns gegenseitig anregen und motivieren,alle sind begeistert und es klappt hervorragend.

    wir suchen weitere mitstreiter, die sich gemeinsam mit uns schnell weiterentwickeln wollen.

    ralf, du bist ja gegenüber dem erfolgstagebuch auch immer aufgeschlossen gewesen. bitte in deiner strategie diese gedanken des erfolgstagebuchs als praktische und erfolgreiche übungsvariante zusätzlich stärker berücksichtigen.
    ich bitte dazu eine kurze rückmeldung von dir, weil die erfolgstagebuchstrategie banal und sehr erfolgreich ist.

    gruß an alle aus müchen, freistaat bayern,
    dieter.

  34. Bella schreibt am 6. Juni 2010 um 17:09

    Vielen Dank, Herr Senftleben. Ihren Text werde ich mir gleich ausdrucken und immer wieder lesen, wenn ich es nicht schaffe "NEIN" zu sagen. Mich quält eine Beziehung und ich will sie beenden. Er akzeptiert kein NEIN und lässt mich einfach nicht gehen. Aber ist das wirklich so einfach? Ich lasse mich immer wieder auf seine Spielchen ein und bin nur noch genervt und wütend. Wütend auf mich, weil ich nicht mein Ding durchziehen kann. Was bin ich doch für eine Flasche. Ja, ich liebe ihn. Aber unsere Beziehung hat keine Aussicht auf Fortentwicklung (beide in festen Beziehungen). Manchmal habe ich den Eindruck, dass es sich mit mir nur einen kleinen Teil seiner Jugend zurückerobern will. Mir wird das alles zu viel. Morgen werde ich ihm ein klares und deutliches NEIN sagen, mich umdrehen und gehen. Schon bei dem Gedanken fühle ich mich frei!
    Viele Grüße Bella
    PS: Meinen Mann kenne ich schon seit vielen Jahren und ihn liebe ich auch. Auf eine besonders intensive und ruhige Art. Diese Liebe will ich nicht gefährden.

  35. Mikesch schreibt am 6. Juni 2010 um 20:13

    Hallo Ralf,
    vielen Dank für den Rundbrief.
    "Nein" zu sagen heißt natürlich bei Weitem nicht das positve Denken zu velassen. Ich bin teilweise erschüttert ob der Kommentare, die dies scheinbar so sehen. Das Gegenteil ist vielmehr richtig. Ohne eine Positive Einstellung zu mir kann ich auch nicht überzeugt und überzeugend "Nein" sagen. "Ja-Sager" sind Menschen, die sich selbst in einem negativen Bild sehen und deswegen hoffen, sie könnten ihr Image verbessern, indem sie allen "schön-tun" und zu allem einfach "Ja" sagen.
    Wer tatsächlich glaubt, positives Denken habe mit "Ja-Sagen" zu tun, der möge sich doch bitte sein Lehrgeld von all den Gurus zurückerstatten lassen, bei denen er bislang war. Und ja: völlig richtig: Akzeptieren heißt: "Ich sehe Dich!" (und zwar ohne Bedeutungsschwangeren Kontext zum Film Avatar). In der schamanischen Lehre "der Pfad des Kriegers" heißt es zu Recht: "Wer seinen Feind besiegen will, der muss ihn kennen." Übertragen bedeutet das: Weggucken bringt nix. Akzeptieren heißt aber noch lange nicht "Ja-sagen" in dem Sinne, der hier als Positivum dargestellt wird. Es heißt einfach: O.K., ich habe Dich wargenommen, ich werde Dich in meine Prioritätenliste aufnehmen und kümmere mich bei Gelegenheit um Dich.
    Thema ist ausbaufähig. Aber bitte nicht die Dinge miteinander verwechseln.

    Gruß aus dem Allgäu

    Mikesch

  36. Dhyan Marga Mckenzie schreibt am 6. Juni 2010 um 22:38

    Mir wiedermal aus dem Herzen gesprochen! Vielen Dank!
    Die Artikel von Ihren und Ihrer Frau (hier in Australien wär das natürlich ein Dir und Deiner Frau, find das immer noch komisch, selbst nach 30 Jahren!) lese ich immer! Selbst wenn ich keine Zeit habe hebe ich sie mir auf. Kommt ja täglich soviel Ramsch, aber intelligente und sypatische Artikel in deutsch sind immer wieder herrlich! Vielen Dank!

  37. Marlis schreibt am 7. Juni 2010 um 05:36

    Hallo Ralf,
    Ich habe schon oft nein gesagt zu meinem Problem X, aber es holt mich immer wieder ein. Es ist eine Gewohnheit, die ich absolut nicht ablegen kann, es vergiftet meine Beziehung und mein Verhältnis zu mir selbst. Im Moment wo ich nein sage, bin ich überzeugt, dass ich das ändern kann. Aber nach Jahren, wo ich in Stresssituationen immer wieder automatisch reagiere, bin ich langsam am Verzweifeln!!
    Wie weiter??

    Gruss aus der Schweiz

  38. Inge schreibt am 7. Juni 2010 um 05:54

    Danke Ralf für den wichtigen Artikel und den anderen für die interessanten Kommentare!

    Was ich gerne noch hätte: ein paar Beispiele aus dem täglichen Leben zu "Erst muss man etwas akzeptieren, bevor man es ändern kann".
    "Akzeptieren" war für mich bisher immer "einverstanden sein", nicht nur es zu sehen, wahrzunehmen.
    Konkret soll ich also mit meinem überdimensionalen Rettungsring einverstanden sein, ihn annehmen, auch wenn er mich verunstaltet und keine Kleider mehr passen.
    Das Nein dazu, nachdem ich zuvor einverstanden bin, wirkt auf mich unglaubwürdig. Das Akzeptieren ist für mich die Einladung, alles beim Alten zu lassen mit der Hoffnung, wenn ich es erst einmal akzeptiere, fällt schon 'ne Menge Stress weg: die eigene Verurteilung, Scham, Verzweiflung über nicht fruchtende Versuche, Resignation...
    Eventuell kann sich durch diesen Stresswegfall dann etwas zum Guten wenden, aus sich selbst heraus, wenn ich nicht mehr blockiert bin durch mein dagegen Ankämpfen.

    Und natürlich hat Deine Inszenierung des kraftvollen "Neins" was!!!

    Viele Grüße und wie immer Danke für die guten Gedanken, Inge

  39. elke schreibt am 7. Juni 2010 um 06:56

    Hallo,

    Nein-Sagen hat für mich etwas mit Grenzen-Setzen zu tun, ich setze mir selbst eine Grenze oder anderen und das meine ich im positiven Sinn für mich.Damit schaffe ich einen geschützten Bereich für mich.

    Das ist für mich kein Widerspruch zum positiven Denken.

    Es ist wie immer eine Frage der Dosierung- unerschütterliche Nein-Sager werden genauso Schiffbruch erleiden wie unerschütterliche Ja-Sager,das Leben bietet nun mal verschiedene Gelegenheiten; einseitiges Verhalten ist nie gesund.

    Die Positiv-Denken-Welle hatte schon seine Berechtigung in Deutschland, um die Menschen aus diesem viel zu häufigen Leben nach Klischees und "das tut man nicht" zu rütteln.

    Aber die Balance muss wie immer stimmen.

    Es ist wie in der Erziehung:
    Laissez-faire klappt genauso wenig wie total Autoritär

    Viele Grüße mal aus dem Norden ;-)

    Elke

  40. massiti schreibt am 7. Juni 2010 um 07:25

    so viele Kommentare, soviele unterschiedliche Auffassungen dazu - für mich bleibt als Tenor: Erkenne dich selbst.
    und wie alt ist dieser Spruch schon....
    immer noch, immer wieder, sucht der Mensch danach, wer er ist.
    manchmal ist es eine Suche , manchmal ein Kampf.
    @Elke: Nein sagen hilft auch anderen, mich einzuschätzen und adäquat mit mir umzugehen!
    schönen Tag noch:)

  41. Paula Alena schreibt am 7. Juni 2010 um 07:39

    Lieber Ralf, "Ja" zum Leben beinhaltet gleichzeitig ein kräftiges "Nein" zu XY.
    Herzliche Grüße
    Paula Alena

  42. Katrin schreibt am 7. Juni 2010 um 07:41

    Spannende Diskussion! Ich möchte mich gern noch mal zu Wort melden.

    "Positiv" kommt von (lat.) "positivum" und heißt "gesetzt, platziert". Hat also doch irgendwie etwas mit "Annehmen" zu tun, wenn ich das richtig verstehe.

    Ich nehme etwas an, was eben (gerade jetzt) so ist. Es gibt Dinge, die ich nicht ändern kann oder in die ich keine Energie hinein stecken möchte. Die versuche ich zu akzeptieren.

    Ich habe eine unheilbare Krankheit und muss diese Woche deswegen Hartz IV beangtragen. Es bringt mir wirklich nichts, die Fäuste zu ballen und "Nein" zu rufen. Es würde mich unnötig verschwendete Kraft kosten. Ich bin es eben nun mal. Ich kann aber auch nicht aus ganzem Herzen "Ja" zu meiner Situation sagen. Ich kann nur lernen, sie anzunehmen. Und sage dann doch irgendwie: Ja, ich werde lernen, mit dir zu leben.

    Und hier setzt für mich wieder das positive Denken ein. Schon das Annehmen ist der erste positve Schritt. Die Voraussetzung für die Suche nach Möglichkeiten, wie ich mir mein Leben trotzdem lebenswert gestalten kann. Wie ich mir meine Lebensfreude und Lebensqualität erhalten, meinem Leben trotzdem einen Sinn geben kann. Und vielleicht sehe ich dann im Nachhinein sogar in der Krankheit einen Sinn - ich mache neue Dinge, die ich so nie getan hätte, die mir aber sehr gut tun.

    Vielleicht kannst du es auch so sehen, liebe Inge?

    Ich sehe es nach wie vor so: "Nein" zu sagen zu einer Sache ist für sich allein erst einmal nur negativ. Es kommt immer darauf an, was ich dann daraus mache. Was ich an die Stelle dessen setze, zu dem ich "nein" gesagt habe. Ich kann "Nein" sagen zu einer unglücklichen Beziehung, "Nein" zu meinem Übergewicht. Wenn ich mir nicht überlege und mir bis ins Detail vorstelle, was ich stattdessen will, wird es oft nicht dabei bleiben, ich werde rückfällig. Ich muss mir ganz konkret vorstellen, was ich anstelle der unglücklichen Beziehung haben möchte, wie mein Leben ohne sie glücklich sein wird - erst das ist positives Denken und Handeln.

    Ich wünsche euch einen guten Start in die neue Woche! :-)

  43. Ileartis schreibt am 7. Juni 2010 um 08:26

    Meine Güte, es geht doch nicht darum, nicht NEIN zu sagen! Es geht ganz einfach darum, dass das Gehirn keine Negation erkennt! Ich kann nicht willentlich NICHT an ein kleines grünes Nilpferd denken! Was hilft es meinem Gehirn, wenn ich ihm den Befehl gebe: vergiss den Regenschirm nacher NICHT. Mein Gehirn erkennt kein Nicht vergessen! Es erkennt vergessen oder daran denken. Und das ist alles. Auch mit dem nicht negieren. Ich will nicht mehr Nicht dick sein - ich will dünn sein. Und das ist das genze Geheimnis.
    Und insofern positive Grüsse von Ileartis

  44. Barbara Steldinger schreibt am 7. Juni 2010 um 08:30

    Was mir auffällt ist, dass oft akzeptieren und einverstanden sein verwechselt wird. Wenn ich etwas akzeptiere, heißt das noch lange nicht, dass ich auch damit einverstanden bin.

    Es heißt nur, dass ich annehme was ist. Es ist wie es ist. Die Situation, der Umstand, was auch immer ist erst mal so. Dann erst kann ich weitergehen.

    Das ist wie mit dem Vergeben. Vergeben heißt auch nicht, ich finde es toll, was du mir angetan hast. Es heißt nur ich akzeptiere die Realität und vergebe dir und bin damit frei.

    Ich habe auch noch einen tollen Buchtipp. Ulrike Dahm "Die Kraft des Nein". Ist zwar schon älter aber noch hochaktuell.

  45. Ralf Senftleben schreibt am 7. Juni 2010 um 08:55

    Ileartis, dass das Unterbewusstsein kein "Nein" versteht sehe ich anders. Siehe auch:

    http://www.zeitzuleben.de/p/4484/Das-Unterbewusstsein-versteht-keine-Verneinung.html

  46. Danny-Mo schreibt am 7. Juni 2010 um 09:30

    Ich finde es ebenso klasse, daß hier nicht mehr von "positiv denken" geredet wird. Wie oft habe ich das jetzt schon hören müssen.... "Denk immer positiv, es gibt schlimmeres." Ich will aber nicht mehr positiv denken, weil es mich eben nicht weiter gebracht hat.
    Ich habe MS und habe anfangs nach jedem Schub positiv gedacht. Und jetzt? Bin ich erheblich gehbehindert und erwerbsunfähig... SUPER! Positiv denken ist jetzt vorbei. Ich denke nur noch realistisch (nicht unbedingt negativ).

    Die Krankheit hat mir gelernt "NEIN!" zu sagen.

  47. Elke schreibt am 7. Juni 2010 um 09:53

    ha, genau das hat mir heute gefehlt!
    Jetzt fühle ich mich viel frischer und freier.

    Ein "Nein" ist eine Tür zu einer anderen Welt. So oder so ähnlich hat es ein Bekannter mir mal beschrieben. Stimmt.

    Manches muß ich mir nicht mehr antun.

  48. Christian von Kessel schreibt am 7. Juni 2010 um 10:16

    NEIN sagen zu allem, was man nicht will finde ich sehr positiv!
    "Minus mal Minus gibt Plus" haben wir in der Schule gelernt.
    Wer geradeaus fahren will muss NEIN zum Strassengraben und zum nächsten Baum sagen.
    Wer sich auf eine wichtige Sache konzentrieren will, muss NEIN zu den zehn anderen Anforderungen sagen, die sich daneben dauernd aufdrängen.
    Ich schlage vor, den Begriff "Positives Denken" im persönlichen Wortschatz
    durch KONSTRUKTIVES DENKEN zu ersetzen. Das schließt das NEIN zum Ungewollten ganz selbstverständlich mit ein.

    Vielen Dank für den Artikel mit der längst fälligen Klarstellung!

  49. Eva-Maria schreibt am 7. Juni 2010 um 12:15

    Danke für das "NEIN"

    ich auch gelernt habe Nein zu sagen,bin richtig glücklich darüber.
    Habe auch immer nur Ja gesagt,bis ich Krebs hatte,nun geheilt,und nie mehr nur Ja sage.
    Es tut so gut dieses Wort Nein.
    Habe natürlich auch Menschen aufgeben müssen,aber gerne,ich bleibe bei NEIN.
    Eine schöne Woche an alle Eva-Maria

  50. Margit schreibt am 7. Juni 2010 um 13:16

    "Nein" bedeutet ein "weg von ..." - und das impliziert für mich unbedingt auch ein "... hin zu ..."
    Also "weg von ... - hin zu ..."
    Unsere Sehnsucht, unsere Hoffnung, unsere Zielsestzung ist es, die uns wachsen lässt und uns voranbringt.

    Liebe Grüße
    Margit

  51. Katty schreibt am 7. Juni 2010 um 13:38

    Melde mich nochmal zu Wort...

    Hallo an Alle!

    Mir brennt was auf der Seele,möchte es gerne loswerden wenn erlaubt.
    Ich bin (wie oben schon geschrieben) 36Jahre alt und auch MS Patientin, seit elf Jahren( bzw.vielleicht sogar schon 17Jahre lang) - auch erheblich gehbehindert, Besitzerin 2er Rollis und kann derzeit kaum krauchen... Seit nunmehr neun Jahren bin ich berentet.
    Von jeher bin ich ein positiv eingestellter Mensch,lache gerne und viel,mag Menschen und ich liebe mein Leben. Es ist nicht immer ein Zuckerschlecken mit einer Krankheit (oder besser gesagt Erkrankung; ich finde daß klingt und schwingt positiver im Ausdruck!),
    und es macht mich betroffen wenn ich lese 'Positiv denken ist jetzt vorbei'.
    Ich kann es verstehen, ganz ehrlich!

    Ich denke, nicht eine Erkrankung (meine Meinung und Erfahrung,das müssen andere noch lange nicht so sehen)lernt mich NEIN zu sagen, sondern meine Erfahrungen die ich im Laufe der Jahre gemacht habe (u.a.damit).
    Es ist sehr wichtig und hilfreich, irgendwann zu lernen Grenzen zu setzen: bei Ärzten, Ämtern, Freunden (und solchen die sich als solche bezeichnen...),Familie, Bekannten usw. usw.
    Zu lernen NEIN zu sagen (und zu meinen) wenn andere einem ins Leben latschen wie ein Elefant im Porzellanladen. Sich nicht mehr von anderen leben zu lassen und zu verinnerlichen, wann und wo man sich selbst ausbeutet und ausbeuten läßt.
    Mit einem klaren NEIN zu einer Situation oder Eigenschaft (oder wie auch immer) treffe ich, und vor allem lebe ich, meine/eine Entscheidung die ich getroffen habe!
    Nur weil ich positiv ins Leben blicke, bin ich noch lange kein notorischer JA-sager (mehr).
    Meine Erkrankung macht mich immer mal wieder wütend, mittlerweile. ZUM GLÜCK! Das ist mit ein Bausteinchen für mich beim NEIN-lernen.

    Dem Leben und seinen Facetten positiv gegenüber zu stehen ist wichtig, heilsam und beinhaltet Fortschritt.
    Eine positive, bejahende Einstellung zum Leben ist gerade bei Krankheit (egal welche) enorm wichtig!
    Ich habe mit dem NEIN-sagen-lernen gelernt zu mir zu stehen, mich zu hören und mich abzugrenzen und somit auch mal andere Menschen in ihre Schranken zu weisen (die mir mehr als dreist in meinen mentalen Dunstkreis gelatscht sind so manches Mal).

    Trotz allem bin und bleibe ich ein lebensfroher Mensch und lasse mir mein Leben nicht verhageln ~ und es fällt manchmal mehr als schwer. Aber aufzuhören positiv zu sein und zu sehen??? NIEMALS! Auch bei mir landen Bücher im Regal wie z.Bsp. THE SECRET, rausnehmen tue ich was mir liegt, und was mir nicht so liegt an Meinungen muß ich ja nicht aufnehmen.
    Meine Einstellung kommt von innen. Da ist es wurscht wieviele Autoren sich in Think-pink ergiessen...

    Wunden lecken ist o.k und muß auch sein, das sind Schritte vorwärts in die nötige Heilung (egal auf welcher Ebene), aber ein "NEIN, jetzt ist Schluß, es geht weiter" ist mindestens ebenso nötig! Es kann ein Motor sein.

    Ich kann hier nur aus meiner Sicht sprechen. Jeder hat sein eigenes Päckchen, jedes sieht anders aus und hat eine andere Zeitqualität.

    Ich wünsche allen eine gute, positive Zeit! Danke. Katty.

    ~ Legt dir jemand Steine in den Weg,
    so baue dir was Schönes daraus ~

  52. Silvia schreibt am 7. Juni 2010 um 14:04

    Ja und bei allem positiven Denken dürfen wir eines nicht vergessen: Wir leben in der Dualität, das heißt ein JA bedingt ein NEIN und anders herum. Es gehört sowohl das Positive wie auch das Negative zu unserem Leben. Das Eine geht nicht ohne das Andere. Wollen wir also glücklich sein, müssen wir das Ganze sehen.
    Herzliche Grüße
    Silvia

  53. Thomas Dereser schreibt am 7. Juni 2010 um 17:33

    Hallo zusammen,

    auch ich habe so meine gewissen Zweifel im "Nein-Sagen" eine Quelle neuer Energien zu erkennen, um den mich (und uns) oft quälenden Sorgen, Nöte, Ängste, "inneren Schweinehunde", usw. usf. zu begegnen oder ihnen entgegen zu treten.

    Aus meiner Erfahrung (Leiter einer ADHS-Selbsthilfegruppe, sowie Psychologischer Berater und Coach), ist es für die meisten Menschen hilfreicher, klar und energisch "Ja" zu sagen.

    Ja - ich will / muss mich diesem oder jenem Problem stellen.
    Ja - ich habe Angst davor !
    Ja - ich will und ich kann mich ändern.

    Aber auch "Ja" zu einem "Nein" zu sagen, sich in positiver Weise zu einem Negativum zu äussern, ist in meinen Augen "kraftfördernder" :

    Ja - ich will keine Angst mehr haben.
    Ja - ich muss nicht mehr alles mit mir machen lassen.
    Ja - ich habe Schwächen und Fehler.

    Mein persönliches "Zauberwort" heißt jedoch weder "Ja" noch "Nein" - mein Zauberwort heißt "Schade" :

    Schade - das habe ich vergessen.
    Schade - im Moment geht es mir nicht gut.
    Schade - dass ich keine Zeit für Dich / fur uns habe.
    Schade - dass ich meinen Chef nicht leiden kann.

    "Schade" mindert den Druck und nimmt mögliche, wenig hilfreiche Schuldzuweisungen weg.
    Es ist ein Wort, mit dem sich viele Gespräche und Gedankengänge - auch im Konfliktfall - gut einleiten lassen.
    "Schade" weckt Verständnis, Einsicht, ja manchmal sogar Akzeptanz und / oder Hilfsbereitsschaft beim Gegenüber.

    So mag es vielleich auch schade sein, dass manche Menschen nur im Positiven oder nur im Negativen leben, denken und handeln. Ja oder Nein. Null oder Eins. Schwarz oder Weiß.
    Doch die Welt ist bunt und das Leben darin ist nicht digital.
    Man kann und darf sich nicht immer und überall für das Eine und gegen das Andere entscheiden müssen. Manchmal ist es eben auch nötig, "irgendwo dazwschen" zu sein um vielleicht auch das Eine zu tun, ohne das Andere zu lassen...

  54. MONIKA R. schreibt am 7. Juni 2010 um 21:08

    wau, da gibt es aber viel zu lesen zu diesem Thema!

    melde mich noch mal zurück.
    Ich habe vor 13 Jahren angefangen mit dem Zitat:

    ...gebe mir die Gelassenheit,Dinge hinzunehmen die ich nicht ändern kann,
    den Mut Dinge zu ändern die ich ändern kann und die Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden!!

    Kurz Fassung für den Alltag:Ist es meine Schuld oder nicht?
    Wenn nicht lass und vergiss es, wenn ja, ändere es.
    Ich kann nur mich selber ändern, also ein nein zu dir ist ein ja zu mir!

    Es geht mir soviel besser seit ich nicht mehr das Gefühl habe die einzige Instanz und Anlaufstelle für alle und jeden zu sein!
    Ich musste zuerst lernen NEIN zu mir zu sagen und nicht schon durch zu starten wenn der Hauch eines Problems bei andern am Horizont erschien!!!

    Ich habe heute soviel Zeit für mich rausgeholt, das es schon fast wieder langweilig ist. lach

    Was auch ganz wichtig ist, es macht nichts wenn ich zu schnell ja sage und ins alte Muster zurück falle.
    Heute traue ich mich das ja zurück zu nehmen und in ein nein umzuwandeln!!!Aber und das ist mir ganz wichtig, ich Lüge nie und sage immer den wahren Grund für meine Absage.
    Denn wenn ich das nicht tut, gebe ich meiner Seele zu verstehen, das sie nicht das Recht hat und es nicht Wert ist, nein zu sagen und dazu zu stehen¨!!!

    Ein ehrliches Nein ist mir auch von andern sehr wichtig, als ein gequältes Ja, ich merke doch das es dem andern nicht zusagt und schon ist wieder eine verstimmung da, welche nicht sein muss!
    Wir machen uns allen das Leben so ünnötig schwer.
    Bleibt ehrlich!

    Liebe Grüsse

    Monika R.

  55. Katrin schreibt am 8. Juni 2010 um 06:32

    Hallo Ralf,

    zu deinem Artikel: "Das Unterbewusstsein versteht kein Nein":

    Ich habe ihn mir jetzt mal durchgelesen und immer noch keine Ahnung, ob das Unterbewusstsein ein "Nein" versteht oder nicht, und ich verstehe auch nicht, was das mit dem rosa Elefanten zu tun hat.

    Die Sache mit dem Rosa Elefanten dagegen ist mir absolut plausibel: Es geht darum, dass es zwar schon wichtig ist, Nein zu sagen, wenn man etwas nicht (mehr) will. Das ist ein wichtiger Schritt, aber eben nur ein erster. Wirklich weiterbringen tut mich nur, wenn ich für mich kläre, was ich stattdessen will.

    Wenn ich mich vor meine Familie stelle, die Fäuste balle und sage: "Nein, ich will nicht mehr jeden Tag für die ganze Familie waschen und kochen!" ist das vielleicht für mich selbst schon mal ein gutes Zeichen und tut mir im ersten Moment gut. Aber wenn es dabei bleibt, werde ich mich gedanklich immer wieder mit meinem Frust, der vielen Arbeit - dem täglichen Waschen und Kochen beschäftigen. Eine wirkliche positive Lösung, eine Veränderung ist das noch nicht! Meine Familie wird vielleicht große Augen machen, vielleicht auch heftigen Widerstand leisten oder sich zurückziehen. Wer übernimmt freiwillig meine Arbeiten?

    Wenn ich aber statt "Nein, ich werde NICHT mehr..." sage: "Ich werde mich morgen mit meiner Familie zusammensetzen, ihnen meine Belastung erklären, sie um Mitarbeit bitten, und wir werden gemeinsam besprechen, wie die Arbeiten zukünftig verteilt werden." habe ich gleich die positive Lösung und kann mir das Füßestampfen und Fäusteballen sparen.

    So ist das gemeint mit dem rose Elefanten und dem positiven Denken. Und wahrscheinlich auch die Sache mit dem Unterbewusstsein: Ich kann mir nicht vorstellen, nicht mit täglicher Hausarbeit belastet zu sein. Ich kann mir keine Negation vorstellen. Ich kann mir nur eine positive Alternative vorstellen: Mein Mann kocht, mein Sohn hängt die Wäsche auf, und ich gehe in den Töpferkurs. ;-)

  56. Uli Fetz schreibt am 8. Juni 2010 um 13:31

    Es geht beim positiven Denken nicht darum, das Wort Nein auszuschließen und sich die Welt schön zu reden. Das Wort „Nein“ und damit das Negative wird nicht diskriminiert, Schwarz wird nicht durch Weiß ersetzt. Es bedeutet, neben dem Guten gerade auch die Schattenseiten zu sehen und in sein Leben zu integrieren, sie zuzulassen und anzuerkennen. „Aber zu etwas Nein zu sagen, heißt nicht, dass man etwas nicht akzeptieren kann, wie es ist.“ Genau umgekehrt ist es richtig: Zu etwas Nein zu sagen heißt, etwas zu akzeptieren, weil man es integrieren kann. Nein sagen heißt, sich bewusst werden. Es macht keinen Sinn, sich die Welt und das Leben schlecht zu reden – im Gegenteil.

  57. Thomas Dereser schreibt am 11. Juni 2010 um 21:51

    Hallo zusammen,

    ich weiß nicht genau, ob es hier erwünscht ist, auch Kommentare zu Kommentaren abzugeben, doch es wäre mir Bedürfnis einen solchen zu dem Beitrag von Monika R. vom 07.06.2010 23.08 zu schreiben.

    Liebe Monika,

    Sie schrieben unter Anderem:
    "...gebe mir die Gelassenheit,Dinge hinzunehmen die ich nicht ändern kann,
    den Mut Dinge zu ändern die ich ändern kann und die Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden!!

    Kurz Fassung für den Alltag:Ist es meine Schuld oder nicht?
    Wenn nicht lass und vergiss es, wenn ja, ändere es.
    Ich kann nur mich selber ändern, also ein nein zu dir ist ein ja zu mir!"

    Damit machen Sie es sich meiner Meinung nach ein wenig zu einfach oder Sie haben das Gebet von Reinhold Niebuhr nicht richtig verstanden.

    Es geht darin doch nicht um die Frage von Schuld oder Verantwortlichkeit. Es geht - zumindest meiner Meinung nach - eher um die Frage, ob es einen Sinn macht, gegen "Windmühlen zu kämpfen" oder ob man sich nicht doch besser mit den "Unabänderlichkeiten" des Lebens "arrangiert".

    Das Gebet ist mir seit meiner Jugend sehr vertraut und ich mag es sehr gerne, da es mir in vielen Situationen geholfen hat, eine für mich "richtige" bzw. überhaupt eine Entscheidung zu treffen.

    Ich verstehe das Gebet als eine klar definierte Anleitung für den Umgang mit sich selbst und mit seinen Mitmenschen.

    So verstanden, bittet man in dem Gebet darum, nur für jene Dinge eine Veränderung herbeizuführen, zu denen man selbst auch die Kraft ( = Energie, Einfluss, Willen), die Gelassenheit ( = Umsicht, Besonnenheit, Geduld, innere Ruhe), und die Weisheit ( = Wissen, Erkenntnis, Einsicht) mitbringt.

    Diese Ressourcen, gilt es für sich und seine Mitmenschen zu fordern und zu fördern, doch obliegt es dabei jeweils eigenen Verantwortung, keinen unerfüllbaren Versprechungen oder unbegründeten Hoffnungen nachzujagen.
    Man sollte sich daher darüber im Klaren sein, das es bestimmte, unabänderliche Dinge und Ereignisse im Leben eines Menschen gegeben hat oder auch künftig noch geben wird, auf welche man keinen Einfluss hat. Solche Dinge und Ereignisse, muss man also akzeptieren.

    Diese Akzeptanz ist jedoch nicht immer möglich, weil eben die dazu erforderliche Kraft, Gelassenheit und Weisheit fehlen. Darin liegt aber häufig die Ursache vieler Probleme, bei denen man sich Hilfe oder Veränderungen erhofft. Der Mensch muss also lernen, das Unabänderliche zu akzeptieren, um selbst Hilfe bei seinen Problemen zu erfahren.
    Dazu benötigt er aber nun einmal Kraft, Gelassenheit und Weisheit...

    In diesem Sinne bedeutet "akzeptieren" für mich jedoch nicht, die Unabänderlichkeit einfach hinzunehmen, sich dem Schicksal zu ergeben, seine Gedanken daran auszublenden und die daraus resultierenden Probleme zu verdrängen.
    So wird denn auch im Gebet um "Gelassenheit" ersucht.
    Es wäre jedoch – nach meiner Auffassung - falsch, hier den Begriff "Gelassenheit" mit negativen Inhalten wie Gleichgültigkeit, Gleichmut, Gottergebenheit, Fatalismus oder ähnlichem zu füllen.
    "Gelassenheit" möchte ich lieber als Synonym für positive Inhalte wie z.B. Bedachtsamkeit, Umsicht, Besonnenheit, Selbstbeherrschung, Geduld und innerer Ruhe verstanden wissen.
    Denn diese Eigenschaften, diese Inhalte sind es, nach denen ein nach Hilfe, Begleitung und Unterstützung suchender Mensch strebt. Im Moment der Krise, im akuten Zustand der Hilfsbedürftigkeit, stehen ihm diese Inhalte selbst nicht oder nur unzureichend zur Verfügung, oder er ist sich dieser Ressourcen nicht bewusst. Somit vertraut man vielleicht darauf, diese seinen Mitmenschen zu finden und für sich nutzen zu können.

    Das Gebet verstehe ich daher auch als "auffordernde Mahnung" an Menschen die anderen Menschen helfen wollen.
    Sie sollen daran erinnert werden, ihre Inhalte der "Gelassenheit" regelmäßig aufzufüllen, um somit auch die Kraft und die Weisheit zu erlangen, die sie bei Bedarf mit dem um Hilfe bittenden teilen können....

    Liebe Grüße,

    Thomas Dereser

  58. Ulrich Pranskat schreibt am 12. Juni 2010 um 14:47

    Hallo zusammen,

    viele von Euch schreiben darüber das man nur sich selbst ändern kann oder sollte, finde das persönlich ein wenig WELTFREMD.
    Warum?
    Eine sehr gute alternative, find ich , man kann mit den Menschen die nach der eigenen Auffassung etwas verquer scheint....REDEN.

    Im grunde halte ich mich selbst so daran, solange mich keiner vom GEGENTEIL überzeugt hat...bleibe ich bei meiner Meinung.

    Und man kann,oder sollte in einigen Ausnahmen,wenn man persönlich das eine oder andere für falsch hält, einfach mal mit den Menschen reden und sie für die eigenen Meinung begeistern.
    Denke mal so funktioniert....MENSCHSEIN...

    Allen noch eine schöne Zeit....mit besten Grüßen aus Köln..
    Ulli

  59. MONIKA R. schreibt am 13. Juni 2010 um 22:06

    Sehr geehrter Herr Dereser,
    vielen dank für Ihre Antwort, auf meinen Beitrag!
    Ich bin in weiten Teilen Ihrer Meinung.
    Mein Gelassenheitsspruch, bezieht sich auf Menschen, welche die Eigenverantwortung abgeben und andere dadurch übermässig beanstpruchen.
    Wenn sie mein Nachbar wären und sie hätten eine schlimme Grippe, wären alleine und niemand schaut zu Ihnen, dann ist es für mich ein Akt der Nächstenliebe (ich nehme Ihre Grippe gelassen hin)und selbstverständlich das ich für sie Einkaufe, putze, koche.. (das mit dem kochen hinkt etwas, mein Sohn kam letzthin sehr Krank zu mir, ich fragte was ich für ihn zun könne, einreiben etwas kochen? Er darauf ganz entrüsstet, Mutter, mein Körper ist schon so geschwächt, deine kocherei mag er nun nicht noch verkraften, lach)
    ... wenn es ihnen wieder besser geht, ist die Meinung das sie Ihr Leben mit all seinen Plichten wieder selber in die Hand nehmen und nicht sagen, wau die kann alles besser als ich und es ist so bequem an nichts mehr zu denken, lassen wir das so weiter laufen!!!Wenn es Ihnen nicht selber in den Sinn kommt mich zu entlassen,muss ich den Mut haben, die Dinge zu ändern und mich selber aus diesem Amt zu entlassen, auch auf die Gefahr hin, dass sie mich nicht mehr mögen und unser nachbarschaftliche Verhältnis leidet.
    Die Weisheit in dieser Geschichte ist, den passenden Augenblick zu erwischen zwischen Not und Ausnützen.
    Und zu erkennen das Ihre Wut auf mich, weniger gewichtet, als mein Leben, meine Kraft, meine Energie,mein Geld, Zeit und vieles mehr.
    Den Mut haben meinem Gegeüber die Eigenverantwortung für sein Leben zurück zu geben.
    Denn ich brauche meine Energie für all die Schicksalsschläge
    welche mir vom Leben selber zugeteilt werden.
    Das Nein richtet sich auf Schmarotzter, welche alles aussaugen und nichts zurück geben!!! Nicht auf Notfälle!!!
    Würde mich freuen weiter mit Ihnen zu schreiben.
    shenay1957@hotmail.com
    Liebe Grüsse
    Monika R.

  60. neidhard schreibt am 18. Juni 2010 um 07:15

    Akzeptieren was nicht zu ändern ist, ... was zu ändern ist ... auch mal knallhart nein sagen. Das ist der Artikel in einen Satz zusammengefasst ;)

    lg

    Neidhard

  61. katermikesch schreibt am 23. Juni 2010 um 12:55

    Spannende Diskussion.
    Fazit für mich daraus: Nein = STOP! Also Schluss mit einem Sachverhalt den ich nicht mehr möchte. D.h. "Stop" kann ich mir gut vorstellen!

    Und nach dem "Stop" muss eine innere Handlungsanweisung kommen. Mein Satz an einer Kreuzung heißt in so einem Fall doch nicht: Ich biege nicht links ab, ich fahre nicht gerade aus - sondern: Ich setze den Blinker und fahre nach rechts.

    Anderfalls, wenn ich nur über die NICHT-/NEIN-Alternativen nachdenke, komme ich nicht vom Fleck.
    Danke für die Anregung zum Nachdenken.Man könnte sich dauernd hier im Internet in schlauen Foren die Zeit vertreiben.
    Stop! Jetzt werde ich wieder weiterarbeiten.
    lg

  62. Christine schreibt am 26. Juni 2010 um 12:58

    Prima, mal wieder was genau für mich und die, die um mich herum sind.
    Vielen Dank!

  63. Heiner Grabowsky schreibt am 16. Juli 2010 um 13:46

    Kommentar zu diesem Herrn Dereser: Mich würd emal interessieren, ob Sie überhaupt eine Ahnung von Gebten haben? gebete sind keine Ratgeber, sonde rhingabe an den Herrn.

    Ciao
    Grabowsky