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Haben Sie Frustrationstoleranz?

Von Ralf Senftleben8 Kommentare

Es gibt eine Fähigkeit, die uns langfristig dabei hilft, ein erfolgreiches und selbstbestimmtes Leben zu führen. Es geht um die Frustrationstoleranz, also die Fähigkeit Frust, Probleme und Rückschläge aushalten zu können und konstruktiv damit umzugehen.

Wenn wir etwas im Leben erreichen wollen, das einen bestimmten Einsatz erfordert (z.B. eine Diplom- oder Doktorarbeit schreiben, einen Lehrgang oder Fernstudium abschließen oder sich eine erfolgreiche Selbständigkeit aufbauen) dann werden wir früher oder später auf Schwierigkeiten stoßen, die uns frustrieren und die Stress verursachen.

Jemand mit einer hohen Frustrationstoleranz ist in der Lage, diese Schwierigkeiten auszuhalten und trotzdem weiterzumachen. Auch wenn es auf dem Weg manchmal schwierig wird und Einsatz und Disziplin erfordert, wird er durchhalten.

Jemand mit einer niedrigen Frustrationstoleranz wird angesichts von Problemen normalerweise

Wie sieht das bei Ihnen aus? Wie gehen Sie normalerweise mit den Steinen um, die sich Ihnen in den Weg legen?

Ich beiße mich durch und erreiche letztlich, was ich will.
Ich verabschiede mich bewusst von meinem Ziel.
Ich schiebe die notwendigen Handlungen auf und verliere mein Vorhaben dann aus den Augen.

Um Ihre Frustrationstoleranz zu erhöhen, können Sie sich einmal nach dem Grund dafür fragen, warum Sie überhaupt frustriert sind. Oft haben wir nämlich die irrationale Erwartung, dass die Arbeit an unseren Zielen in jedem Fall leicht sein und Spaß machen muss. Und wenn wir dann eine gegenteilige Erfahrung machen, bringt uns das so aus dem Gleichgewicht, dass wir unser Ziel aufgeben oder aufschieben.

Leute mit einer hohen Frustrationstoleranz wissen: Die Arbeit an meinen Zielen wird manchmal schwierig und manchmal auch unangenehm sein. Aber damit kann ich umgehen. Ich schaffe es trotzdem und beiße mich durch, weil mir mein Ziel wichtig ist.

Der Unterschied liegt also auch in der Erwartung. Versuchen Sie mit möglichst realistischen Augen auf Ihr Vorhaben zu schauen. Wenn Sie ein Ziel erreichen wollen, dann sagen Sie sich selbst im Vorfeld:

Wenn Sie sich diese Einsichten regelmäßig klarmachen, dann lernen Sie mit der Zeit, auch mit Frustrationen und Schwierigkeiten umzugehen. Und wenn Sie lernen, Frustration auszuhalten, dann werden Sie leichter erreichen, was Sie erreichen wollen.

  1. Anja schreibt am 20. Februar 2007 um 19:24

    Guten Abend.
    Meine Frusttoleranz ist hoch, wenn ich eine Aufgabe erfülle, deren Sinn ich einsehe!

    Leider ist es (insbesondere in meinem Berufsleben) häufig erfoderlich, Aufgaben zu erledigen, die mir von einer vorgesetzten Stelle (Ministerium) aufgegeben werden. So etwas nennt sich dann "Erlass" und dem habe ich als Beamtin Folge zu leisten. Egal wie schwachsinnig das manchmal ist. In diesen Fällen lag meine Frusttoleranz immer sehr niedrig und ich habe mich über jede Kleinigkeit aufregen können. Inzwischen kann ich meine Emotionalität in diesen Fällen abstellen. Die Aufgabe wird erledigt, berührt mich aber nicht mehr.
    Gruß
    Anja

  2. callmobile schreibt am 20. Februar 2007 um 21:05

    Ich denke das hängt auch stark vom Selbstwertgefühl eines Menschen ab. Jemand der viel von sich selbst hält, lässt sich nicht so schnell entmutigen, wie jemand der innerlich unsicher ist. Unsichere Menschen lassen sich leichter manipulieren und beeindrucken.

  3. Hubert schreibt am 21. Februar 2007 um 00:18

    Das die Arbeit an einer Zielerreichung Spaß machen muss und soll, ist für mich keine irrationale Erwartungshaltung, sondern notwendige Voraussetzung. Von Dingen, die nachhaltig keinen Spaß machen sollte man sich getrost verabschieden.

    Natürlich macht nichts zu 100% Spaß, aber um einmal eine Größenordnung zu nennen: 80 % sollten es schon sein. Ein Studium beispielsweise, das diesen "Spaßfaktor" nicht aufweist sollte ernsthaft überdacht werden. Meiner Ansicht nach gilt das gleiche auch für andere Tätigkeiten.

    Leicht zu erreichen müssen dagegen die gesetzten Ziele nicht sein, erreichbar jedoch schon. Dabei ist in der Tat, ein ausgeprägtes Durchhaltevermögen und auch eine gewisse Frustrationstoleranz unumgänglich.

    Das soll und darf aber keinesfalls zur Quälerei ausarten. Ausgesuchte Projekte oder auch Ziele würde ich eher als eine Art Marathonlauf sehen. Man erreicht das Ziel keinesfalls beim ersten Anlauf, läuft auch nicht jeden Tag die gleiche Zeit, aber man kommt bei andauerndem Training dem Ziel immer näher, nicht ohne Anstrengung und Disziplin, aber bitte nur mit Spaß und Motivation.

  4. Brigitte schreibt am 21. Februar 2007 um 22:58

    Also ich glaube, dass ich eine recht große Frustrationstoleranz habe. Wichtig ist dabei, dass - wie oben bereits schon einmal erwähnt - das Ziel sinnvoll ist. Dabei habe ich in meiner Arbeit als Sonderschullehrerin besonders im Umgang mit autistischen Schülern schon neben Begeisterung auch viel Geduld aufgebracht.
    Allerdings habe ich mittlerweile auch Frustrationstoleranz in der Hinsicht, dass ich Frustrationen tolerieren kann und auch akzeptieren kann, dass ich unter den jeweiligen Umständen nicht jedes Ziel erreichen kann. Insbesondere in Beziehungen kann ich ja nur Angebote machen. Ob meine Mitmenschen diese annehmen oder nicht unterliegt nicht meinem Einfluss.

  5. Tobias schreibt am 23. Februar 2007 um 22:18

    Für mich ist Frustration ein natürliches Zeichen, möglichst rasch etwas an einem Verhalten, das mit dem Frust einher geht oder an meiner Einstellung zu dem Verhalten zu verändern. Das ist für mich vergleichbar mit dem Griff in eine Kerzenflamme, der mich postwendend dazu auffordert, das so nicht mehr zu tun.

    Frustation zeigt mir, dass ich von der Idealspur im Leben abgewichen bin. Das kann z. B. eine Aufforderung sein, eine bestimmte Arbeit nicht mehr zu tun. Oder sie so wie bisher nicht mehr zu tun, mir helfen zu lassen oder eine andere Einstellung dazu zu finden. Es muss also nicht bedeuten, etwas unabgeschlossenes oder ein Ziel vorzeitig hinzuwerfen.

    Ich kann entweder das Frustrierende durch etwas Neues ersetzen oder es lieben lernen.

    Je früher ich auf die ersten Zeichen von Frust und schlechten Gefühlen reagiere und nach guten Lösungen und besseren Möglichkeiten frage und forsche, desto schadloser komme ich in ein gutes Fahrwasser.

    Ich neige also eher dazu zu sagen: runter mit der Frusttoleranz, dafür erhöhte Achtsamkeit auf die Gefühle und flexible Bereitschaft, die Zeichen richtig zu deuten und alle Verbesserungsmöglichkeiten zu nutzen.

    herzliche Grüße

    Tobias

  6. Norbert Hinke schreibt am 26. Februar 2007 um 11:59

    Lieber Ralf,
    jeder Tag ist für mich eine besonderes Geschenk, den ich persönlich ausfüllen und anreichern kann - ich muß es aber nicht, ich kann und darf! Die Entscheidung liegt nur bei mir - andere vorgeschobene subjektive Beweggründe, etwas so oder so tun zu müssen, führen immer in eine Sackgasse!Um aus einer solchen herauszukommen, benötigt man die doppelte Energie, die viel sinnvoller im Vorfeld hätte investiert werden können; so motiviere ich mich seit einigen Jahren - und hier ist tägliches (!) Training angesagt - stets im worst case, indem ich bei jedem Projekt ( ich rede vom Projekt = nicht vom Problem, da dieser Begriff schon negative Energien wie paralysiert sein, Panik .... beinhalten ! )die schlimmsten Auswirkungen im Vorfeld simuliere, um daraus ableitend ruhig und besonnen Maßnahmen oder Argumentationen zu rekrutieren, damit so etwas erst gar nicht passiert. Jeder Mensch kann dadurch viel entspannter ohne jede Angst oder Phobie jedes Projekt angehen, ob im Privat-/Familien- oder beruflichen Leben! Dafür ist nur eine modifizierte Blickrichtung erforderlich! Es liegt an jedem Menschen selbst .......
    Norbert

  7. Tombo schreibt am 28. Februar 2007 um 18:48

    Frustrationstoleranz, die habe ich schon, ich möchte ja mal Dipl. Ingenieur werden. Wie heisst das Sprichtwort so schön, einem Ingenieur ist nichts zu schwör...

    Deshalb möchte ich mein Ziel auch durchziehen.
    Heute ist es mir allerdings mal wieder misslungen. Den ganzen Tag im Internet einen Schrott gemacht....

    Scheissdreck, muss die Tage echt wieder besser werden....

  8. Jo schreibt am 4. März 2007 um 17:20

    Frust zeigt doch an, dass wir im Leben in eine
    Situation geraten sind , die wir am liebsten umgehen
    würden. Mit anderen Worten: der Verstand sträubt
    sich die Situation anzunehmen, obwohl diese in diesem
    Augenblick unausweichlich ist.

    In bestimmten Lebensbereichen haben wir Alle
    unsere Schwierigkeiten, denen wir uns nicht
    entziehen können, auch wenn wir z.B. einen Arbeitsplatzwechsel
    vornehmen, dass uralte Problem wird sich auf irgendeiner weise wieder zeigen, weglaufen ist nicht... die Situation
    anzunehmen und zu lernen uns bewußt zu werden dass
    wir nicht weglaufen können.
    ( ein bsp. ich spiele Tischtennis im Verein und
    werde frustig wenn ich im Spiel etwas von mir
    fordere, für das mein Vertrauen nicht ausreicht.
    Hätte ich genug Vertrauen in meine Fähigkeiten,
    würde mein Verstand nicht ständig im Wege stehen.
    Ich habe Erwartungen an mich, die ich nicht erfüllen
    kann, weil mir das Vertrauen fehlt. Im Zustand
    des Vertrauen des Fließen lassen, gelingt eigentlich
    so gut wie Alles. Um diesen Zustand zu erreichen, muss
    ich mich in meiner Haut super wohl fühlen.
    Nach dem Motto : wenn ich mir erlaube schlecht zu sein,
    bin ich gut.