Die Sache mit der Teamarbeit
Von Tania Konnerth • 14 Kommentare
Die Sache mit der Teamarbeit klingt in der Theorie ja eigentlich prima: In einem Team können verschiedenste Fähigkeiten effektiv zusammengeführt werden, die dann auch größere Vorhaben ermöglichen und im Idealfall auch noch zu besseren Ergebnisse führen. Die einzelnen Teammitglieder können sich gegenseitig befruchten und bereichern sowie die Arbeitslast auf allen Schultern verteilen.
Aber in der Praxis hakt es nicht selten genau da: Wenn es um die Arbeitslast geht, wird die Realität dem Anspruch nach Gleichheit im Allgemeinen nämlich nicht mehr gerecht.
"Ich habe keine Zeit – mach du das doch bitte…" "Ich habe so viel mit der Recherche zu tun, da kann ich unmöglich noch eine weitere Aufgabe übernehmen…" "Also das schaffe ich wirklich nicht mehr…"
Das und ähnliche Aussagen kann jeder hören, der in einem Team neue Aufgaben zu verteilen versucht.
Auf diese Weise bleiben dann sehr viele Aufgaben bei ein, zwei Leuten hängen, denen klar ist, dass die Arbeit gemacht werden muss – auch dann, wenn es bis nach Mitternacht dauert…
Es scheint oft so, als würde die Bereitschaft, Verantwortung für das Gesamtergebnis zu übernehmen, proportional zur Anzahl der Beteiligten sinken. Und so hängen die Arbeitsergebnisse eines Teams nicht selten von einem Bruchteil der Gruppe ab – sei es von besonders ehrgeizigen, besonders verantwortungsbewussten oder auch besonders weichen Seelen, die nicht "nein" sagen können.
Die Erfolge möchten sich dann aber natürlich alle auf die Brust schreiben. Dieses Ungleichgewicht ist auf Dauer unbefriedigend und wird das Team spalten.
Eine etwas zynische Stimme sagte einmal zu mir: "TEAM steht als Abkürzung für "T oll – E in A nderer M acht’s". Und leider ist da wohl oft etwas Wahres dran.
Wenn aber alle im Team damit beginnen, Verantwortung für das Gesamtergebnis zu übernehmen, dann könnte "TEAM" auch für "T oll – E ndlich A lle M iteinander!" stehen.
Vielleicht ist es an der Zeit, auch in Ihrem Team genau dafür zu sorgen?





Teamfähigkeit ist eine Eigenschaft, die von Bewerbern zunehmend gefordert wird. Angesichts der betrieblichen Wirklichkeit, insbesondere im Hinblick auf die gängige Beförderungspraxis, drängt sich allerdings der Eindruck auf, das es sich weitgehend um eine Eigenschaft handelt, die gerade angesagt, beziehungsweise „in Mode " ist.
Für den Aufstieg in der Organisationshirachie mag diese Eigenschaft vielleicht nicht schädlich sein, zwingend notwendig ist sie meiner Meinung nach auch heute noch nicht. Da wo die Luft dünner wird, sind Ellenbogen, Durchsetzungsvermögen bis hin zu intrigantem Verhalten bei Aufstiegskandidaten anzutreffen und auch mit Erfolg gekrönt.
Trotz allem ist die Installation von Teams eine beliebte betriebliche Praxis, oft nach dem Motto: Wenn Du nicht mehr weiter weißt, gründe einen Arbeitskreis. Dabei wird den Teams - die oft neben der formellen Organisationsstruktur existieren- Verantwortung übertragen jedoch selten die notwendigen Kompetenzen (z. B. Weisungsbefugnis gegenüber anderen Stellen). So fungieren sie oft als zahnlose Tiger, denen man aber bei misslungenen Projekten Vorhaltungen machen kann.
Teams sind vom Grundgedanken her eine gute Sache, aber das Umfeld muss von gleichen Geist geprägt sein, sonst werden nur Verlierer produziert.
Falls ich nochmals gezwungen sein sollte, den Trottel für andere zu spielen, gehe ich ab dem nächsten Arbeitstag in den Krankenstand. Das machten die anderen auch und haben alle unliebsamen Arbeiten auf mich abgewälzt und sind zu "Sitzungen" gegangen, habe Rauchpausen gemacht, ihre Privatsachen erledigt, und und ... Also auf diese Teamarbeit kann ich .....
Team = together eliminate all Mistakes
Das ist ja alles ganz schön und gut und auch hinlänglich bekannt. Mir wären ein paar sinnvolle Tipps ganz nützlich, wie ich Teammitglieder "in Bewegung" setzen kann.
Es kann nicht jeder alles gleich gut, und manche Aufgaben sind so umfassend, dass sie innerhalb der geforderten Zeit nicht von einem Menschen allein bewältigt werden können. In solchen Situationen ist es toll, in einem Team zu arbeiten. Ein Team funktioniert aber nur dann, wenn jeder seine Stärken einbringen kann und seinen Beitrag mit Begeisterung einbringt. Wenn Team nur bedeutet Teile Gesamtmenge Arbeitslast durch Anzahl "Team"-Mitglieder, dann wird ein Team nicht als Team funktionieren.
Und manche Leute sind nun mal eher "Einzelkämpfer". Auch für solche Leute gibt es (Teil)Aufgaben in einem Team.
@Carol: wenn ich die Formulierung lese "Teammitglieder in Bewegung setzten", dann hört sich das für mich alles andere als motivierend an. Wenn mich jemand in Bewegung setzen wollte, dann würde ich vermutlich erst mal den Rückwärtsgang einlegen.
Der sinnvolle Tipp wäre eine Anlehnung an das Zitat von Antoine de Saint-Exupéry: Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.
Welche Sehnsucht könnte die Teammitglieder motivieren?
@Jaqueline
mit dem durchaus bekannten Text von Saint-Exepéry sprechen Sie im Grunde eine Binsenweisheit aus, die im vielen Bereichen des Lebens jedoch keine Beachtung findet.
Motivation ist die wirkliche Triebfeder unseres Handels, wobei sie nicht extrinsisch sondern intrinsisch sein sollte.
Die Sehnsucht nach dem endlos weiten Meer ist leicht nachzuvollziehen. Die Sehnsucht nach einer sinnvollen und erfüllenden beruflichen Tätigkeit sicherlich auch. Große Teile der zu beobachtenden tatsächlich ausgeübten Berufe vermitteln jedoch ein völlig anderes Bild. Arbeit ist in vielen Fällen zum reinen Broterwerb verkommen. Vielleicht ein Tribut an eine kapitalistisch ausgerichtete arbeitsteilige Wirtschaft. Eigentlich durchaus verständlich, das hier die Motivation fehlt, oder?
Aber wie motiviere ich mein Team nun ? Ich versuche das seit einigen Wochen mit Kleinigkeiten, habe aber deutlich gemacht, dass das mit uns so nicht weitergeht ( 5 Personen ). Das ist aber wie mit dem neuen Sandwitchtoaster: erst finden die Veränderungen alle super und machen mit und nach 3 Wochen sind es alle leid und der Toaster kommt in den Schrank ... in den Keller ........ ! Muss ich jetzt ein Waffeleisen kaufen ? Und warum muss ich immer toasten und backen ? Bin ich der Hampelmann für alle ?! Alle sagen, wie gut ich unsere Besprechungen verändert habe etc. , aber niemand steuert etwas dazu bei: sie funktionen einfach nur ! Wer kann mir helfen ?!
Hallo Silke,
ohne weitere Informationen ist es für jeden außerordentlich schwer konkrete Ratschläge zu geben, die nicht wegen zu großer Pauschalität untauglich sind.
Trotzdem einige Überlegungen von mir:
So, wie Du die Sache schilderst gibst Du Dir allem Anschein nach große Mühe Dinge voranzutreiben. Kann es vielleicht sein, das in Deinem Team Mitarbeiter sitzen, die aufgrund ihrer Arbeitsmentalität oder auch ihrer Qualifikation da gar nicht hingehören? Oder ist es vielleicht so, dass Deine Autorität innerhalb des Teams bereits unterschwellig ausgehebelt wurde. So nach dem Motto: "...lass die da mal den Hermann machen, wir denken uns unsern Teil schon."
Wenn ich davon ausgehe, das deine Mitarbeiter dort nicht ehrenamtlich tätig sind, sondern bezahlt werden ist es vielleicht an der Zeit einigen von ihnen zu erklären, das nicht die Anwesenheit entlohnt wird, sondern die Ergebnisse ihrer Arbeit und es keine Toleranz gegenüber Faulheit gibt! Wer nicht gewillt ist, das auch so zu sehen, sollte konsequenter Weise das Unternehmen verlassen. Das würde ich ihnen dann auch nahe legen.
Es ist spannend für mich, dieses Thema zu verfolgen.
Ein Team ist ja bekanntlich ein Zusammenschluss von mehreren Personen zur Erreichung einer Lösung oder einer Aufgabe oder auch zur Erreichung eines Zieles.
Hier ein paar Hinweise aus meinen Erfahrungen von Teambildungen.
Das Team war immer dann erfolgreich wenn folgende Punkte stimmig waren.
1. Jedes Mitglied weiß was das oberste Ziel der Unternehmung ist, und welche Teilaufgabe aus dem Team zu erbringen ist.
2. Jeder stimmt selber mit dem Teamleiter ab, bis wann er was zu erbringen hat.
3. Jeder trägt für die Nichteinhaltung seiner Aufgabe die Konsequenz, die ebenfalls vorher abgestimmt war. (Eine Zusage ohne Konsequenz ist halbherzig)
4. Jeder kennt seine Stärke und ist entsprechend eingesetzt.
5. Jeder im Team hat seinen Freiraum, seine Tätigkeit wirkungsvoll zu erbringen.
(Bringt Kreativität)
6. Vertrauen ist das oberste Gebot.
7. Das wohl zurzeit noch schwierigste in den Unternehmen: Der Teamleiter wird vom Team gewählt. Er weist, dass er jederzeit von den Teammitgliedern abgewählt werden kann.
So lässt sich Erfolg nicht verhindern! :-)
Herzliche Grüsse
Norbert
Beim Punkt 7 sehe ich neben der Herausforderung auch eine nicht zu unterschätzende Gefahr. Was mit Menschen geschieht die von anderen gewählt werden, sieht man z. B. in der Politik. Die Arbeit rückt leicht in den Hintergrund - und Anweisungen werden zu "Ansprachen".
Viele Grüße
Gerhard E. Kranz
Hallo Herr Kranz,
Sie haben völlig recht mit Ihrem Kommentar.
Es geht nur in einer gelebten Firmenkultur.
Kommunikation spielt hier eine wesentliche Rolle.
Denn die meisten Probleme – ca 70% - sind persönliche und keine betrieblichen Probleme.(Studie des Forsa-Institutes)
Ein weiterer Punkt ist hier das Vertrauensverhältnis. Mit der Zunahme von Vertrauen steigt die Verletzlichkeit.
Davor haben viele Menschen Angst. (aus Sicherheitsbedürfnissen)
Die Politik sehe ich in diesem Zusammenhang nicht. Kein erfolgreiches
Unternehmen kann so arbeiten wie es in der Politik geschieht.
Mein Vorschlag: Politik halten wir hier fern.
Meine Aufmerksamkeit gilt den Klein- und Mittelständler und Unternehmensgründern.
LG
Norbert Glaab
Lieber Herr Glaab,
es wäre schön, wenn dieser Zustand (mit allen von Ihnen beschriebenen sieben Punkten) bald in deutschen Unternehmen ganz normal wäre!
Vielleicht habe ich mich mit der "Politik" nicht deutlich ausgedrückt. Ich versuchte eine Analogie zum Wahlkampf herzustellen. "Wer gewählt werden will - muss einfach beliebt sein" ... und dafür muss man Menschen auf seine Seite ziehen. Ich habe so etwas einmal in einem Unternehmen erlebt und muss sagen: Es war fast noch schlimmer als in der Politik.
Viele Grüße und frohe Ostern aus Mittelfranken
Gerhard E. Kranz
Lieber Herr Kranz,
da treffen Sie den Nagel auf dem Kopf.
Mit dem Wort beliebt sein, ist bereits alles gesagt.
Als Führungsperson geht es mir nicht darum beliebt zu sein, sondern die Fähigkeit und das Vertauen zu bekommen.
Nicht jeder fähige will eine Führungsposition.
Doch wenn jedem im Unternehmen der unternehmerische Leitwert bekannt ist, finden sich die richtigen Menschen zu Teams zusammen.
Wenn ich nach der Beliebstheitsskale gehe, erziehe ich schon wieder Stiefellecker.
Ein Team übernimmt Verantwortung und trägt die Konsequenzen.
Da gehört der Teamleiter dazu.
Auch Ihnen ein frohes Osterfest aus dem Neckartal
Norbert Glaab ;-)
PS: Zu Ihrer Wunschvorstellung: Es ist auch meine, Unternehmen in diese Situatuion zu bringen. Doch Ohnen Ziele und Visionen entsteht nichts.
Der Wertewndel hilft uns hier gealtig. Wir kommen langsam von der Massenfertigung ind die Maßfertigung. Außerdem werden wir nicht mehr die Leistung bewerten sondern die Wirkung, wie ich es auf meiner Homepage bereits beschrieben habe.
Hallo Silke,
ein Team leiten, nur weil man vielleicht als Teamleiter von den anderen gewählt wurde, halte ich persönlich für sehr schwierig. Wer weiß denn, ob ich kompetent dafür bin? Ein Dr. Sowieso muss nicht unbedingt ein guter Teamleiter sein nur weil er sein Fachgebiet beherrscht. Ich arbeite u.a. in einer Non-Profit-Organisation und selbst bei uns (oder gerade deshalb) werden Seminare angeboten, die heißen "Teams leiten und motivieren". Übrigens für jedermann buchbar und von erfahrenen Dozenten geleitet. Leute zur Arbeit zu motivieren, die dafür kein Geld bekommen, ist schon sehr spannend. Es klappt aber, wenn das gemeinsame Ziel und die Werteebene stimmt. In der Arbeitswelt ist es m.M. nach auch die Aufgabe von Vorgesetzten, ihrer Meinung nach geeignete oder sich freiwillig meldende Mitarbeiter zu solchen Seminaren anzumelden, damit in Zukunft im Team eine schnellere, bessere bzw. überhaupt eine Lösung erarbeitet werden kann.
Herzliche Grüße
Susanne