Das könnte ich auch!
Von Tania Konnerth • 8 Kommentare
Einen Satz, den man recht häufig hören kann, wenn sich Leute über den Erfolg eines anderen unterhalten: "Das ist doch nichts Besonderes, das hätte ich auch geschafft."
So hat z.B. Person A eine Kunstausstellung in einer Galerie und Person B steht davor und sagt: "Die Bilder sind doch keine Kunst, das könnte ich auch." Oder Person A hat ein Buch verfasst und Person B sagt: "Darüber hätte ich auch schreiben könnten." Oder Person A hat eine gemeinnützige Aktion für ihren Stadtteil auf die Beine gestellt, für die sie viel Lob bekommt und Person B sagt: "Na, das ist doch nichts Besonderes, das hätte ich auch gekonnt."
Die Bemerkungen von Person B werden meiner Einschätzung nach aus zwei Gefühlen geboren: einmal aus Neid und einmal aus Frust. Neid auf den Erfolg des anderen, den man auch gerne hätte und Frust darüber, dass eben der andere und nicht man selbst die Sache in die Hand genommen hat.
Das Lustige an diesen Bemerkungen ist nun aber, dass sie in vielen Fällen tatsächlich wahr sein dürften. Ich glaube fest daran, dass die meisten Menschen sehr viel mehr können, als sie denken. Und ich würde nicht ausschließen, dass Person B tatsächlich selbst tolle Bilder malen, ein Buch schreiben oder solch eine Aktion auf die Beine stellen könnte.
Der entscheidende Unterschied ist der, dass Person A es getan hat und Person B nicht. Entscheidend ist das Tun und nicht das Reden. In Gedanken können viele Menschen ganz viel. Sie stolpern aber immer wieder über den Konjunktiv in ihren Sätzen, denn das "hätte" oder "könnte" ist nicht nur eine grammatikalische Form, sondern für viele auch eine Lebenseinstellung.
Viele Menschen leben in einem ständigen "Ich könnte…" und treten damit auf der Stelle. Sie nähren damit ihren Neid und ihren Frust, erreichen aber weder das, was sie zu können glauben noch das, was sie wirklich können.
Wirklich können können nur die, die tun.





Die Bemerkungen von Person B werden meiner Einschätzung nach aus zwei Gefühlen geboren: einmal aus Neid und einmal aus Frust.
Kann druchaus sein, aber ich denke es wird auch Menschen geben, die gar nicht hinter die Dinge schauen konnen, die nicht wissen, wie etwas zustande kommt.
Bei einem Bild von Kandinsky kann ich mir gut vorstellen, dass jemand so etwas sagt, insbesondere bei seinen abstrakten Arbeiten, aber niemand, der sich wirklich mit Kandinsy beschäftigt hat, vertritt diese Auffassung. Es ist dann die Unkenntnis, die zu solchen Sprüchen verleitet.
Sicherlich steckt in Menschen viel mehr Potential als allgemein geglaubt wird. Und das sollte genutzt werden, bzw. man sollte sich ausprobieren und seine Grenzen erkennen und erfahren können. Und auch akzeptieren, dass man manche Dinge eben nicht kann, oder nur ganz schlecht, auch wenn man noch so viel übt. Und andere eben sehr gut, ohne sich groß anstrengen zu müssen.
Ja genau, nicht nur beklagen sondern selber was tun - das gibt Energie und Lebensfreude!
mir wird beim lesen der situation klar ,dass ich während des tuns erst bemerke ,welche unzulänglichkeiten und stolpersteine mir zu neuem verhelfen-ich entwickel mich dadurch .und es ist nicht immer so ,dass ich von lebensfreude sprechen kann-ein weg -mein weg bekommt durch mein tun eine form ,an der ich mich erkennen kann. was ich dann sehe ist mit sicherheit erst einmal weniger ,als ich erhofft habe ,weil der perfektionismus mir im weg steht. aber alles geht weiter und wird besser ,wenn man weiter macht und besser wird...
meine erfahrung ist ,dass die anerkennung der leistungen anderer wächst, meine kommunikation konstruktiver wird ,je mehr ich durch mein tun selbst erfahre, wo meine grenzen und möglichkeiten sind .unter dem motto:
es gibt nichts gutes ,es sei denn man tut es! einen guten wochenstart...danke
"Das könnte ich auch" oder "Das ist doch nichts besonderes" bedeutet eigentlich: "Ich habe zu wenig Anerkennung im Leben bekommen und ich bin in diesem Moment traurig darüber. Mir fehlt ganz viel Lob und Selbstwertgefühl!". Neid und Frust, wie der Autor schreibt, sind menschliche Gefühle, die aus einem Defizit an Liebe und Anerkennung herrühren. Sie sind verständlich und haben ihre Berechtigung. Diese Menschen, die so empfinden (und da wird sicher keiner von uns sich ausnehmen können), verdienen unsere Ermutigung und Unterstützung, unsere Freundschaft und unser geheimes Verständnis für sie. Selbstwert kann man sich erwerben, aber das geht nicht von ganz alleine...
Würde das denn um Umkehrschluß bedeuten, dass, wenn jemand sagt, das kann ich nicht, und das ist was ganz Besonderes, dass der dann zu viel Annerkennung und Lob im leben bekommen hat und ein zu großes Selbstwertgefühl hat?
Ich denke, es kommt wohl auf die jeweilige Situation und auf die Begleitumstände an, um diese Aussagen werten bzw. interpretieren zu können.
Wenn man sieht, mit welchen "Produkten" manche Menschen in den Medien in meinen Augenen "sogenannte Erfolge" haben, dann werden das vermutlich mehr Leute können, als man vermutet. Manche wollten es vielleicht auch gar nicht können, sondern würden sich dafür vielleicht eher schämen.
Aber einen guten Roman zu schreiben kann eben nicht jeder,
und ich weiß nicht, ob dann jemand der sagt "dass kann ich auch" nur zu wenig Annerkennung bekommen hat, oder einfach nur zu wenig Ahnung hat.
«Würde das denn um Umkehrschluß bedeuten, dass, wenn jemand «sagt, das kann ich nicht, und das ist was ganz Besonderes, «dass der dann zu viel Annerkennung und Lob im leben «bekommen hat und ein zu großes Selbstwertgefühl hat?
Ich verstehe den Punkt nicht, auf den Sie hier hinaus wollen.
Ich spreche aus meiner Erfahrung und die ist, dass die meisten Menschen wenig Selbstwertgefühl haben und deshalb andere erfolgreiche Menschen, egal in welcher Form sie Erfolg haben, abwerten müssen, um ihrem inneren Druck einen Ausgleich zu schaffen.
Dabei kommt es auch nicht darauf an, womit andere Erfolg haben, sondern DASS sie ihn haben.
Es sind im Grunde alles nachvollziehbare Gefühle und Reaktionen, wenn man sie versteht.
"Ich verstehe den Punkt nicht, auf den Sie hier hinaus wollen."
Wenn es sich bei dem Zusammenhang nicht nur um eine Vermutung, sondern um einen zwingenden kausalen Zusammenhang handeln würde, müsste meiner Ansicht nach der Umkehrschluß auch gelten.
Aber es mag durchaus sein, dass Menschen mit wenig Selbstwertgefühl sich so "schützen".
Nachvollziehbar ist es auch, wenn auch ein bisschen armselig. - (o.k. wenig Selbswertgefühl)
Aber trotzdem: ich laube schon, dass es Menschen gibt, die eine bestimmte Leistung nicht richtig einschätzen können und wirklich meinen, sie könnten das. Ich habe schon mehrfach jemanden gesehen, der meinte er könne vom 5 Meter-Turm springen, und als er oben war ist er ganz schnell wieder runtergekommen. Unten ist nicht immer die richtige Perspektive.
Ich kann das nicht entschuldigen. Ich habe eine Schwester, die genau das immer sagt: "Das könnte ich auch..." Kann sie aber und hat sie auch noch nie gemacht.
Das bedeutet immer und immer wieder: "Ich bin neidisch bis zum Geht nicht mehr...---" Ewig nur Neid. Wie soll man damit umgehen? Mich nervt das.
ruth