3 Tipps, wie man stilvoll scheitern kann
Von Ralf Senftleben • 42 Kommentare
Wir reden hier auf unserer Seite ja viel darüber, was man tun kann, um erfolgreicher zu werden und mehr von dem zu bekommen, was man sich wünscht. Worüber wir dagegen selten schreiben, ist das Scheitern und das Versagen. Dabei gehört das Scheitern auch zum Leben dazu.
Man könnte sogar sagen:
Wer erfolgreich sein will, muss die Kunst beherrschen, das Beste aus dem eigenen Versagen zu machen und mit Stil und Würde zu scheitern.
Dazu hier einige Tipps:
Tipp 1: Weigern Sie sich, ein Versager zu sein
Wissen Sie, was meine persönliche Definition eines Versagers ist? Ein Versager ist nicht jemand, der gescheitert ist. Nein, ein Versager ist jemand, der scheitert und dann den anderen oder der Welt da draußen die alleinige Schuld für das eigene Versagen gibt.
Vor jemandem der scheitert, habe ich persönlich Respekt. Denn um zu scheitern muss man zuerst handeln und es versuchen. Und das ist in meinen Augen etwas, das Anerkennung verdient.
Unattraktiv wird es nur, wenn jemand nach dem Scheitern in Selbstmitleid versinkt und sich zum alleinigen Opfer erklärt.
Wenn Sie einmal gescheitert sind, sagen Sie sich deswegen bitte:
Ja, ich habe es nicht so hinbekommen, wie ich es wollte.
Ja, ich bin jetzt enttäuscht und frustriert.
Ja, ich habe durch mein Handeln und vielleicht noch mehr durch meine Unterlassungssünden dazu beigetragen, dass es soweit gekommen ist,
Und ich bin zum Glück erwachsen. Ich kann damit umgehen. Und das ist nicht das Ende.
Und dann machen Sie den Rücken gerade. Drücken Sie die Brust raus. Heben Sie das Kinn an. Und bewahren Sie Haltung und weigern Sie sich, trotz Ihres Scheiterns ein Versager zu sein. Denn ob Sie ein Versager sind oder nicht, das entscheiden Sie alleine dadurch, wie Sie mit Ihrem Scheitern umgehen.
Tipp 2: Wechseln Sie die Perspektive
Man sagt Astronauten nach, dass Sie nach Ihrer Rückkehr auf die Erde eine andere Einstellung zum Leben haben. Sie haben die Welt aus großer Höhe als Ganzes gesehen. Und das verändert die Sichtweise auf die Dinge. Das setzt die Kleinigkeiten des Alltags in eine andere Perspektive.
Dieses Ändern der Perspektive hilft Ihnen auch, wenn Sie gescheitert sind:
- Wenn Ihre Traumfrau oder Ihr Traummann Sie nicht will.
- Wenn der Verlag Ihr Buch abgelehnt hat.
- Oder wenn Sie den Job nicht bekommen haben.
Alles nicht schön. Natürlich nicht. Und es ist hier vollkommen angemessen dann enttäuscht, traurig und frustriert zu sein.
Aber Sie können in dieser Situation auch die Perspektive wechseln und sich fragen:
- Was ist das Schlimmste, das aus diesem Scheitern entstehen kann? Und wie realistisch ist es, dass dieses Schlimmste passiert? Was wird wahrscheinlich passieren?
- Was wird diese Sache wahrscheinlich für Sie in 10 Jahren bedeuten?
- Werden Sie trotzdem jemals wieder Glück und Zufriedenheit erleben?
- Was könnte der gute Kern in dieser enttäuschenden Sache sein? Was könnte daraus Gutes entstehen? (Und die meisten vordergründig schlechten Dinge haben tatsächlich auch positive Aspekte, man muss sie nur finden.)
Wenn Sie etwas vergeigt haben, dann dürfen Sie unzufrieden und frustriert sein. Das ist menschlich und ok. Und gleichzeitig hilft es, die Sache schneller zu überwinden, wenn Sie von einer höheren Perspektive auf Ihren Misserfolg schauen.
Tipp 3: Unterscheiden Sie Scheitern und Feedback
Manchmal denken wir, wir wären gescheitert. Dabei haben wir nur eine kleine Niederlage erlitten. Wir sind nicht gescheitert. In Wirklichkeit hat eine Sache auf unserem Weg einfach noch nicht so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben.
Wer sich 100 mal bewirbt und nur Absagen bekommt, der denkt vielleicht bei der 100. Absage, er wäre gescheitert. Aber gescheitert ist er natürlich erst, wenn er aufgibt und das Projekt „Neuer Job“ nicht weiter verfolgt. Gescheitert sind Sie erst, wenn Sie aufgegeben haben. Wenn Sie hingefallen sind und liegen bleiben.
So ist das nun mal im Leben. Es geht nicht immer alles glatt. Und selbst die ganz Erfolgreichen unter uns schaffen selten alles beim ersten Mal. Es wird eben nur selten über die Schwierigkeiten auf dem Weg zum Erfolg gesprochen. Deswegen haben wir manchmal das Gefühl, dass es den Erfolgreichen ganz leicht gefallen ist, dahin zu kommen, wo sie sind. Ist es aber meistens nicht.
Lesen Sie mal die Biografien einflussreicher Menschen. Da wimmelt es von schlechten Entscheidungen und Fehlversuchen. Die einzige Sache, die erfolgreiche Persönlichkeiten von uns Normalbürgern unterscheidet ist diese: Sie sind immer einmal mehr aufgestanden, als sie hingefallen sind.
Wenn Sie ein Ziel haben (neuer Job, Traumfrau erobern, etc.) und wenn dann etwas nicht klappt, dann kann man das natürlich als Scheitern deuten. Man könnte aber auch sagen, dass Ihnen das Leben an der Stelle eine Rückmeldung gegeben hat.
Diese Rückmeldung des Lebens könnte lauten:
- Ich habe es noch nicht lange genug versucht.
- Oder es fehlt noch eine Zutat in meinem Erfolgsrezept, um dahin zu kommen, wo ich hin will.
- Oder vielleicht ist mein Ziel gar nicht realistisch. Wenn das so wäre, wie könnte ich es kleiner angehen?
- Oder ich boykottiere mich selbst. Will ich vielleicht unbewusst mein Ziel gar nicht erreichen?
- Oder mein grundsätzliches Vorgehen ist falsch. Vielleicht habe ich irgendwo einen Denkfehler gemacht. Oder ich tue in meiner Situation einfach das, was alle anderen auch machen, was nicht immer die beste Wahl ist. Vielleicht muss ich anders an die Sache herangehen.
In so einer Situation können Sie sich dann die folgenden Fragen stellen:
- Was wollte ich mit meinem Vorhaben denn eigentlich erreichen? Was genau habe ich mir davon versprochen? Und kann ich das, was ich mir davon versprochen habe, vielleicht noch anders und sogar einfacher erreichen?
- Was genau ist hier der größte Engpass? Was steht zwischen mir und meinem Ziel?
- Wie könnte ich meine Vorgehensweise ändern? Wie machen es andere, die hier erfolgreich waren? Von wem kann ich lernen? Wer könnte mir vielleicht helfen?
Das sind 3 Tipps, wie Sie besser und schöner Scheitern können. Naja, „schöner“ ist vielleicht übertrieben. Scheitern macht natürlich keinen Spaß.
Aber:
- Scheitern Sie mit Würde und weigern Sie sich, ein Versager zu sein.
- Wechseln Sie die Perspektive und schauen Sie von oben auf Ihre Situation.
- Und werten Sie Ihr Scheitern als Rückmeldung des Lebens und denken Sie darüber nach, was Sie aus Ihrem Scheitern lernen können.
Das Scheitern gehört eben zum Leben dazu. Für jeden von uns. Und deswegen ist es wichtig, das Scheitern als Teil des Weges einzukalkulieren und dann vernünftig mit den Stolpersteinen des Lebens umzugehen.





Ich lese schon seit über einem Jahr Ihren Newsletter und Blog und freue mich immer wieder, wie Sie die Dinge beschreiben. Sie schreiben mir sozusagen aus der Seele. Manchmal fehlen mir die Worte wenn ich jemandem helfen möchte und so leite ich Ihre Newsletter weiter.
Leider gibt es zu viele Menschen, die sich als Versager halten. Mir ist dabei immer noch nicht klar warum. Wenn ich mir überlege wie einzigartig wir sind und daß wir einfach so ohne Strom und Batterie herumlaufen, daß wir nicht von irgendetwas gelenkt werden sondern jeden Morgen aufstehen und selbst entscheiden können was wir tun oder nicht, dann verstehe ich nicht warum so viele nicht etwas ändern.
Wie oft muß ein erfolgreicher Mensch auf die Nase fallen um sein Ziel zu erreichen? Der Unterschied zu den Erfolglosen ist, daß er immer wieder aufsteht und das mit Freude.
Versager sind nur die, die sich bereits aufgegeben haben und das Leben der anderen auch noch vermiesen,
Franziska San Pedro
@FlavorDesigns
Liebe Franziska,
meine Erfahrung damit ist, daß Versagen meistens ein Gefühl ist und weniger eine Tatsache. Da es ein Gefühl ist, kommt es häufig aus der frühen Kindheit bzw. ist ein ein Familienmuster. Es ist spannend, die Zusammenhänge zu erkennen und sehr oft für den Betroffenen eine Erleichterung.
Liebe Grüße, Gabriele Fleer
ich glaube, im Loch hängen zu bleiben ist etwas was nicht bewusst getan wird und sicherlich auch nicht, um andere zu ärgern. Es entsteht aus einer energetischen Notlage heraus. Ja, Leid(Selbstmitleid)zu zeigen signalisiert eigentlich nur: hab keine Energie mehr....Hilfe! Es bedeutet aber auch: ich bin schon als Kind "klein" gehalten worden. Die Eltern, Schule, Beruf haben der Person immer alles ab-,weggenommen. "Du kannst das nicht!" "Lass mich das machen", "hast du das schon wieder kaputtgemacht etc"! Ja, wir sind groß, aber das meiste (Selbst)-(Mit)- Leid kommt aus einer Zeit (Kriegs-und Nachkriegszeit), wo nicht gefragt wurde. Man verlangte von anderen zu funktionieren und zu gehorchen! Da gehört schon sehr viel Eigenreflexion, Kreativität und Bereitschaft dazu, um zu erkennen und zu lernen, um so ein anerzogenes Verhalten ändern zu können. Zu sagen: "versteh ich einfach nicht!" bedeutet nur: ich hab so eine Erfahrung nicht gemacht! Ich bin besser als Du! Und Du bist klein! - also: es entsteht genau der gleiche Kreislauf wieder, den dieser Mensch schon sein ganzes Leben erlebt hat.
Ich glaube, Erwachsen zu sein, bedeutet nicht nur Verantwortung für sich selber übernehmen zu können, es ist auch wichtig: wie geh ich mit anderen um! Nur da zu stehen und zu sagen: Versteh ich gar nicht! Du musst doch...., warum tust du nicht! ist einfach nicht genug. das ist so wie einem Blinden zu sagen: mach doch die Augen auf und guck doch mal! - aber wenn man ihm beschreibt, wie die Umgebung aussieht, dann kann er sich vielleicht in seiner Vorstellung ein Bild machen. Es ist unglaublich schwer aus eigenen Mustern (ja, zu denen man auch irgendwie "Ja" sagt), herauszukommen.
... für mich bedeutet sogenanntes "Scheitern" eine Erfahrung, dass Gott/ das Universum etwas Anderes/ Größeres/ viell. Ausgereifteres mit mir/ uns vor hat ...
das also tut mir wirklich wirklich gut! endlich ein artikel zur kunst des scheiterns!
diese disziplin des selbst-entwickelns wird meiner meinung nach in diesen "weiter-besser-erfolgreicher"-zeiten sträflich vernachlässigt, mit fatalen folgen für selbstbewußtsein und selbst-entwicklung. ich erlebe das in meiner täglichen arbeit immer wieder: wenn hier ein innerer sichtwechsel gelingt, ist vieles gewonnen.
darum bin ich froh über diesen artikel von euch.
wie schreibt sam. beckett: "ever tried. ever failed. no matter. tried again. failed again. failed better."
in diesem sinne: "jedem fehler sein fest!"
lg, die windfrau
Danke, das war ein wunderbarer Artikel am Morgen. Er hilft mir gerade, nach dem Aufstehen erneut auf mein Ziel zuzumarschieren!
LG Elke
Lieber Herr Senftleben,
ein toller Impuls! Dankd.
Nur wer "angemessen", mit Stil und Würde, scheitern kann, kann auch wirklich erfolgreich sein. Für mich gehören Erfolg und Scheitern zusammen.
Herzliche Grüße sendet Ihnen
Gabriele Fleer
Coaching mit Fleer
Tja, gut daß ich diesen Beitrg gründlich durchgelesen habe. Hab ein Examen voll vergeigt - den Stoff habe ich einfach völlig unterschätzt und mir hinterher einige miese Ausreden zugelegt, warum dies nicht geklappt und jenes nicht gemacht werden konnte. Es ist aber so, daß ich das Fach einfach nicht mag. Wenn ich eine Seite gelesen hatte und unten angekommen war, wußte ich schon nicht mehr, was oben gestanden hatte. Und obwohl das kein Pflichtkurs ist, habe ich jetzt beschlossen, es nochmals zu versuchen und die Sache etwas anders anzugehen. Und das mit der Astronautensicht stimmt: in 10 Jahren kräht kein Hahn mehr danach, und man blickt grinsend auf den dann hoffentlich bestandenen Schein und die ganze Mühe zurück.
LG Meerschwein
Man könnte meine Situation im Moment nicht besser beschreiben. Grade stehe ich in dieser Phase "gescheitert" zu sein. Habe mit aller Kraft versucht mit einem Team ein Geschäft auf eine bessere Ebene zubringen. Habe alles gegeben,doch die Umstände waren nicht gegeben, ich sag nicht das es die Teammitglieder alleine waren die nicht mitgemacht haben, aber es brauchte eben genau auch den Biss des Teams,... und der war nicht vorhanden. Ich glaubt das Team mit meinem Entusiasmus anstecken zukönnen und mitzuziehn,...... nun sind wir/ich gescheitert, habe meinen Job gekündigt weil ich erkannt habe das ich mich im Hamsterrad drehe. Stehe jetzt noch im Moment ohne Job da, was mir aber keine Sorgen bereitet ich bin im Leben schon oft unten gewesen und dank meines Willens und Lebensfreude und Tatendrang immer wieder oben auf geschwommen.
Ich finde den heutigen Artikel so passend für mich wenn ich auch nicht das Gefühl habe versagt zuhaben so gibt mir der Artikel genau wieder die Pover dort weiter zumachen wo ich aufgehört habe, nämlich einfach wieder an einem nächsten Punkt.
Stilvoll scheitern...? Ja natürlich! Wie sollten wir sonst wachsen?
Um es mit den Worten meines Lieblingsbeduinenfürsten zu sagen: "Gibt es nichts in deinem Leben, wofür es sich lohnt, alles zu verlieren?"
Sean Connery (als Rai Suli, in "Der Löwe und der Wind")
Just my two cents
von der Tintenweberin
danke
Anmerkung
Zitat aus "3 Tipps, wie man stilvoll scheitern kann":
Was sind erfolgreiche Persönlichkeiten? Was sind Normalbürger? Warum der Unterschied?
Ist es nicht ein Ziel dieses Portals, gerade diesen Unterschied als Illusion zu entlarven? Warum soldarisiert sich der Autor mit den scheinbar nicht so erfolgreichen Normalbürgern?
Durch diese nicht stringente Darstellung leidet meines Erachtens die Authentizität des Artikels und des Autors?
Freundliche Grüße in den Sonntag
Jede Krise ist eine neue Chance - du mußt sie nur nutzen
Hallo, Herr Senftleben,
ja, Samuel Becketts genialer Spruch zum Scheitern hängt auch an meiner Pinnwand und muntert mich jedes Mal auf, wenn bei mir wieder einmal etwas gründlich daneben gegangen ist:
"Immer versucht. Immer gescheitert. Einerlei. Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern!"
Schöne Sonntagsgrüße von der Ostsee!
Gabriele Butzke
Guten morgen!
Wie immer einen tollen Beitrag, womit ich was anfangen kann.
Ja, scheitern, Versager sein – insbesondere wenn anderen dich diesen „Titel“ zurufen und nachtreten wenn man bereits am Boden liegt- ja, ist wirklich hart und tut weh, aber so ist das nun mal.
Als Kind bin ich auch oft hingefallen, die Knie taten weh, aber irgendwann heilten sie wieder, dann lief ich weiter ... usw... dadurch werde ich stärker!
Aufstehen und weiter …
Hallo, Herr Senftleben,
dieser Newsletter kam genau im richtigen Moment...)
auch ich glaube, daß "Versagen" eher ein Gefühl ist und oft garnichts mit den Tatsachen zu hat.
Vielleicht fühlt man sich als "Versager",
weil unsere moderne Gesellschaft auf "Gewinner" geeicht zu sein scheint, wie man es meiner Meinung beim Leistungssport sehr genau sieht.
Wenn es nicht ständig "Gewinner" geben müßte, bräuchte sich auch niemand als "Versager" fühlen.
Der Kontrast zum "vermeintlichen" Gewinner kann das Gefühl des Versagens meiner Meinung verstärken.
Mir hilft in so einer Situation immer ein kleiner Vers:
Wer wagt es,
sich den donnernden Zügen entgegenzustellen?
Die kleinen Blumen
zwischen den Eisenbahnschwellen.
Erich Kästner
Klein, zart, verletztlich (unscheinbar?)
und trotzdem tapfer WEITERMACHEN!
Ist das nicht ein schönes Bild?
Schöne Sonntagsgrüße aus Rechtenstein
Matthias Talmeier
Was für ein schönes Bild.
Vielen Dank
Interessanter Artikel, dem ich nicht in jeder Hinsicht zustimmen kann. Nicht bei jedem, der scheitert, ist das Scheitern durch internale Faktoren bedingt. Wenn beispielsweise jemand am Arbeitsplatz schikaniert, kontrolliert, gemobbt wird, so dass er aufgrund seines immer weiter sinkenden Selbstbewusstseins seine Aufgabe nicht mehr erfolgreich bewältigen kann und daraufhin die Kündigung einreicht, sollte man die externalen Faktoren für das "Scheitern" einbeziehen. Hier könnte es sogar gefährlich sein, die Ursachen in der Persönlichkeit oder dem Handeln desjenigen zu suchen, der kündigt. Ebenso spielen m.E. immer auch externe Faktoren eine Rolle, wenn man scheitert. Wenn man sich für einen Job bewirbt (z.B. im Bereich Ingenieurwesen) bei mittelmäßiger Qualifizierung wird man vermutlich eher zum Job kommen als in Bereichen, wo es weniger offene Stellen gibt und wo viel mehr gute Bewerber auf eine Stelle kommen. Und wenn ich mit einem Team, was eher demotiviert und wenige leistungsorientiert ist, ein Vorhaben umsetzen möchte, werde ich eher scheitern als mit einem leistungsmotivierten Team.
Was ich sagen möchte ist, dass es immer Sinn macht, seine eigenen Anteile am Scheitern zu prüfen, aber nicht vernachlässigen darf und sollte, dass es auch externe Faktoren gibt, die dazu beigetragen haben und es manchmal auch am System liegt, in dem man sich bewegt.
In diesem Sinne einen schöne Sonntag
Hallo Sunny,
natürlich gibt es externe Faktoren. Die Frage ist doch: warum befinde ich mich in diesem System? In welcher Komfortzone stecke ich? Was zeigt mir meine Umwelt, zeigen mir meine Mitmenschen? In welchem Punkt ist Veränderung jetzt angesagt? Ist es vielleicht genau der Schritt aus diesem System, der im anstehenden Wachstums- und Veränderungsprozess ansteht?
Wer einmal darüber nachgedacht hat, dass alles um sich herum sein Spiegel ist, damit also Gutes und Lästiges gespiegelt bekommt, der findet auch in den externen Faktoren seine Lernaufgabe.
Ich gebe zu, dass es manchmal ziemlich schwierig und unbequem ist, aber es lohnt sich!
Viele Grüße
Monika
Es ist toll, wenn in dieser "kranken" welt, die offensichtlich nur durch "erfolg dank schneller, höher, weiter" dominiert zu sein scheint - auch mal das "nicht-erfolgreiche" thematisiert wird.
man muss nicht erfolgreich sein, man darf auch scheitern. hauptsache ist doch, dass man sein leben bewußt lebt, oder?
danke für die anerkennung aller nicht-erfolgreichen!
"Erfolg ist: sein, der ich bin"
Mich zu weigern, der Versager zu sein, der ich im Augenblick tatsächlich bin, führt dazu, daß ich mein Versager-Sein zementiere - für alle Zeiten.
Versager-Sein auflösen funktioniert nur, indem ich hinein gehe in dieses (Scheiß) Gefühl. Solange, bis ich es sein lassen kann. Dann läßt auch es mich sein. Ich bin nicht länger in ihm gefangen.
Versager bin ich solange, wie ICH SELBST mich dafür halte. Selbstbetrug hilft da keinesfalls weiter. Ganz im Gegenteil, das führt mich nur tiefer hinein in's Dunkel.
Was ist das wirkliche Problem am Versager-Sein? Außer daß Du es nicht magst. SEI einfach der Versager, der Du (ohnehin bereits) bist. Laß es sein. Dann öffnen sich alle Tore. Du wirst es erleben.
Danke für das fundamentale Thema. Allen Segen *INGO* :-)
Lieber Ingo,
Ich gebe dir 100%ig recht. Sich dem "Versagertum" entgegenzustellen ist genauso wie vor der Angst wegzulaufen.-Solange ich weglaufe- wird sie mir nachlaufen!!
Liebe grüße und alles Gute
Dorli
Wichtig ist auch herauszufinden:
Ist es mein eigenes Ziel oder will ich das Ziel eines anderen für mich erreichen? - Wie gut der es auch immer meinen mag...
Mit "fremden Zielen" kann ich für mich selbst nur scheitern.
Wenn es in diesem Land eine ausgeprägtere und geachtetere "Fehlerkultur" gäbe, könnten wir uns gar als Wissenschaftler oder Forscher auf diesem interessanten Gebiet bezeichnen, alles ehrenwerte Professionen.
In den USA ist der Trend, auch und vermehrt Manager einzustellen, die schon einen Konkurs o.ä. hinter sich haben. Die wissen wie das geht, haben diese Erfahrung bereits gemacht. Das ist unschätzbar für ein Unternehmen.
zufällig habe ich diesen Artikel gelesen. Ein toller Beitrag
was bedeutet denn scheitern? die Chance nutzen es beim nächsten mal besser zu machen, noch einmal scheitern, eine Chance mehr, es wieder zu versuchen, vorbereiteter, überlegter, disziplinierter und plötzlich klappts! Jetzt bin ich in meinem Business sehr erfolgreich und vermögend geworden. Und manchesmal scheitere ich wieder an einer Aufgabe, aber ein Versager war ich nie, auch wenn dies von Anderen so gesehen wurde. Halt eben nur von Anderen....
Einen schönen Sonntag noch...
Win
In dem Beitrag vermisse ich einige entscheidende Tatsachen. Unsere Möglichkeiten sind aufgrund äußerer Umstände sehr stark eingeschränkt. Die Gesellschaft stellt einen Anforderungskatalog an uns, den wir nicht unbedingt erfüllen können. Diejenigen die nicht grenzenlos flexibel sind, oder bereit sind alles zu tun, haben da schlechte Karten. Da kann man so oft aufstehen wie man will.
Fleiß, Durchhaltevermögen und Kampfkraft sorgen dann dafür, dass man schneller in die Psychiatrie gerät als üblich. Und Durchhalteparolen haben schon viel Unglück über das deutsche Volk gebracht.
Wir scheitern deshalb so häufig weil wir die falschen Ziele haben. Deshalb sollten wir nach dem Hinfallen etwas länger liegen bleiben, und etwas genauer analysieren. Dann können wir wieder aufstehen.
Als fauler Mensch ( wenn es darum geht für andere zu arbeiten ), bin ich der Meinung, das etwas falsch ist, wenn man sich zu sehr für sein Ziel aufreibt.
Wenn man auf dem richtigen Weg ist, mag es zwar anstrengend sein, aber man spürt es nicht, weil Freude und innere Kraft, die Anstrengungen nicht spürbar machen.
Ulli G.
Scheitern ist wohl das Schlimmste in unserer abartigen Leistungskultur.
Hier in Brasilien, wo ich seit 2 Monaten im Dschungel des Atlantischen Regenwalds, und vorher in der Provinz in Goiàs gelebt habe, erlebe ich etwas völlig anderes, sehr Heilendes.Verabredungen werden oft nicht eingehalten, vergessen. Aber das, was wirklich notwendig, und richtig ist, passiert immer. Auch am internationalen Flughafen. Gedränge, viele kommen zu spät, die Gepäckbänder laufen nicht mehr, also legen die Jungs Hand an. Ich vibriere, die Check-In Zeit läuft aus, dränge mich aus einer Reihe frech nach vorne zum Schalter, will wissen, ob es noch reicht - denn ich habe massig ÜBERGEWICHT, und drei Gepäckstücke statt einem. Mein portugiesisch ist marginal, doch die Damen, die kein Englisch sprechen, wollen mir einfach helfen. Nein, ich muss das Übergewicht nicht zahlen, oder deklarieren, sonst erreiche ich ja das Flugzeug nicht. Alles klar, und ich sitze wieder ruhig und entspannt im Flugzeug von Brasilia nach Florianopolis, ahnend-es gibt eine Kraft, die mich begleitet, wenn es richtig ist.
Lieber Herr Senftleben,
ich kann Ihre Aussage zum "scheitern" voll und ganz teilen. Scheitern ist für mich ein Teil unserer eigenen persönlichen Entwicklung. Die Frage ist letztlich nur, wie wir damit umgehen? Sind wir hinterher "gescheiter"?
Wenn wir dies mit einem JA beantworten können, dann sind wir in meiner Wahrnehmung auch erfolgreich gescheitert.
Viele Grüße aus Freiburg
Mario Cristiano
Zunächst auch von mir ein herzliches Dankeschön für den Artikel und auch an alle Kommentatoren.Ihr bereichert diesen Artikel sehr und er kommt auch für mich wieder mal im richtigen Moment.
Drei Dinge:
wie schreibt sam. beckett: "ever tried. ever failed. no matter. tried again. failed again. failed better."
Vielen Dank für dieses Zitat. So wahr!
Keiner sieht die Misserfolge im Leben. Sie gehören aber dazu, damit wir aus ihnen lernen können. Was nützt es, wenn wir uns auf der Erfolgsleiter immer nur nach oben bewegen? Eines Tages wird (muss) es einen Misserfolg geben und dann wird derjenige damit besser umzugehen wissen, der aus vielen kleinen vorangegangenen Niederlagen die richtigen Schlüsse zu ziehen wusste.
Ingo schrieb:
"Erfolg ist: sein, der ich bin"
Leider ist das in unserer Gesellschaft keine besonders anerkannte Form des Erfolgs, obwohl dieser Erfolg zu Höchsten gehören sollte, was einen Menschen ausmacht.
In der Tat braucht es seine Zeit, bis wir aus dem Misserfolg wieder etwas konstruktives machen können. Wir brauchen Zeit, um die Ursachen für das Scheitern zu finden, neue Kraft zu sammeln und dann neu zu starten.
Ulli G. schrieb:
Wenn man auf dem richtigen Weg ist, mag es zwar anstrengend sein, aber man spürt es nicht, weil Freude und innere Kraft, die Anstrengungen nicht spürbar machen.
Das ist nicht nur bei "faulen" Menschen so;-)Wenn man spürt, dass man sich auf dem richtigen Weg befindet, dann ist kein Hindernis zu hoch oder zu schwer. Man findet einen Weg. Ist man aber bewusst oder unbewusst (letzteres spielt eine sehr bedeutende Rolle!) davon überzeugt, dass der Weg keine Perspektive hat, dann kann man noch soviel Kraft und Energie aufwenden. Man wird das Ziel nicht oder so entkräftet erreichen, dass der Preis mitunter viel zu hoch ist. Dann die Notbremse zu ziehen ist zwar schwer, aber mitunter lebensrettend. In diesem Fall kann man sich durchaus als Versager sehen und darunter leiden. Dennoch hat man aktiv gehandelt und eine wichtige Entscheidung getroffen. Wie so oft offenbart sich der Sinn dahinter erst viel später. Aber es gibt ihn, habt Vertrauen!
Alles Gute!
Thomas
Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass ein "Scheitern" dazu beitragen kann, die eigene Sichtweise ganz neu zu überdenken und plötzlich Wege zu sehen, die vorher nicht möglich waren, die wiederum dazu beitragen, das Leben ganz anders genießen zu können. Festegfahrene Wege werden plötzlich durch neue Zufahrten frei:)
Guten Abend allerseits,
prima und vielleicht kein Zufall, dass dieses Thema gerade diesen Sonntag auf den Bildschirm kommt.
Ich habe just das Thema, weil Freitag nachmittag in meiner Abwesenheit in unserem Projekt etwas schief gegangen ist, was ich hätte vermeiden können, wenn ich vorher den Punkt schon erkannt hätte. Hatte ich baer nicht. Jetzt bin ich morgen früh früh gleich beim obersten Auftraggeber deswegen ... und kann die Überlegungen gut gebrauchen.
Viele Grüße zum Wochenanfang von
Andreas
Scheitern gibt es nicht, wenn man Lernerfahrungen sammelt. Die Frage nach dem "was lerne ich aus der gerade gemachten Erfahrung" hätte ich mir im Artikel gewünscht...
Gruß an alle Leser- Kopf hoch und ein Hoch dem Lebenslangen Lernen.
Einer ihrer besten Texte, die nur das unterstreicht was ich von meinem letzten Versagen lernen durfte: Es gibt für mich keine psychische Krankheit mehr sondern psycho(soziale) Schwächen. zB konnte ich einer manisch-depressiven und sehr dicken und alleinstehenden Akademikerin mit Panikattacken dadurch helfen, dass wir im Coaching verstärkt an ihrem Selbstmarketing gearbeitet haben und nach einem anschließenden Konfliktmanagementseminar konnte sie sich sehr rasch stabilisieren. Ihre berufliche und private Situation verbesserte sich rapide. Zum beruflichen Aufstieg gesellte sich rasch der passende Partner.
Hallo Edith,
würde gerne mit Ihnen in Kontakt treten.
Waltraud Bauer
Vielen Dank für diesen Artikel!
Ich befindet mich gerade an einem Punkt, wo mich das Gefühl beschleicht, ich tue nicht das Richtige. Aber ich kann auch noch nicht akzeptieren, dass ich einen falschen Weg eingeschlagen habe und versuche nun krampfhaft, auf diesem vermutlich falschen Weg zu bleiben. Warum? Weil ich momentan keine Alternative sehe. Ich versuche immer wieder, in mich zu gehen, zu ergründen, was meine Lebensziele sind. Leider bin ich hinterher immer noch unsicherer als vorher.
Trotzdem: Ich werde weiterhin kämpfen, werde immer wieder aufstehen, und werde dadurch auch meinen Weg gehen - wenn auch sicherlich nicht den direkten. Was soll's! Wenigstens komme ich überhaupt voran! :-)
Hallo, Herr Senftleben
ich danke für diesen wunderbaren Start in die Woche. Diese Worte sagen so viel.
LG
Ilona
Danke für diesen Artikel!! Ich finde es auch schwierig, in dieser höher-weiter-besser-gesellschaft, zuzugeben, dass ich gescheitert bin.
gerade eben wieder, zusammen mit meiner - bis dato - besten Freundin : wir mussten uns vor zwei Monaten eingestehen, dass es besser ist uns zu trennen, denn es ging einfach nicht mehr. Das heisst, wir sind gescheitert, konnten unsere Freundschaft nicht retten.
Schwierig auszuhalten sind jetzt die Gefühle der Einsamkeit, der Leere auch der Wut...wir standen uns sehr nahe.Das zuzulassen, auch das Tempo aus meinem Leben zu nehmen und zulassen, dass hier erst einmal verarbeitet werden muss...gar nicht so leicht.
Aber der Artikel hat mir geholfen ; irgenetwas Gutes steckt in dieser Erfahrung und auch wenn es Zeit und Energie braucht - ich werde es schaffen!!
Liebe Grüße
Heike
Es gibt ja eine einfache Erkenntnis: Der Mensch lernt aus Fehlern. Leider trauen sich Menschen oft nicht, ein Risiko einzugehen und verzeihen sich "Fehler" nicht. Aber genau diese Vermeidungsstrategie ist ein Schuss, der nach hinten los geht. Abgesehen davon, dass "Fehler" genauso unterschiedlich definiert werden wie "Scheitern" oder "Versagen". Leider stammen die Definitionen häufig aus der Schule und dem Abwertung (schlechte Noten) der "Fehler" durch Lehrer.
Häufig wird auch " der Mensch lernt nur aus Fehlern" geschrieben, aber das stimmt so sicher nicht, denn wir lernen weitgehend aus Nachahmung - jedenfalls als Kinder.
Dummerweise lassen uns andere selten ihr erfolgreiches Scheitern oder Versagen nachahmen, dies wird ja lieber vor anderen verheimlicht.
Was wir aber zelebriert bekommen ist, das Scheitern "den Umständen" oder anderen Menschen oder gar bösen Mächten (der Stern stand nicht richtig zum Aszendenten oder so) zuzuschreiben und das Bejammern. Das aber sollte man nun eben nicht nachahmen.
An dieser Stelle der andere bekannte Satz: jeder ist seines eigenen Glückes Schmied. Statt Glück könnte man auch Erfolg sagen, dann würde es auch stimmen.
Lieber Ralf,
vielen Dank für diesen wunderbaren Artikel - er spricht mir heute so sehr aus der Seele.
Ich hatte heute morgen ein Vorstellungsgespräch, das so richtig "schön" schief gelaufen ist. Seither fühle ich mich ziemlich mies und klage mich selbst an, wie sehr ich doch versagt habe. Und ziehe mich dadurch in einer Endlosspirale immer weiter hinab.
Doch jetzt ist genug damit - ich schreibe mir jetzt auf, was ich daraus lernen kann und wie ich es beim nächsten Mal besser mache (lessons learned). Denn darum geht es ja letztendlich: Wieder aufstehen, Schmutz abklopfen und schauen, was ich beim nächsten Mal verändern kann und dann weiter maschieren.
Ein gaaanz dickes Dankeschön!
Danke.
Liebes Zzl-Team, liebe Leser und Schreiber,
seit ca 3 Jahren lese ich die Newsletter auf dieser Seite, jedesmal wieder mit Freude, denn vieles was auf diesen Seiten steht, spricht mir aus der Seele, hab ich bereits selbst ähnlich empfunden oder erlebt.
Immer wieder freue ich mich, wenn ich Dinge lese, die mir wirklich vertraut scheinen, denn manchmal bin ich mir nicht sicher, ob ich wirklich auf dem richtigen Dampfer bin, ob meine Sicht vom Leben wirklich real ist, oder ob es nicht vielmehr eine euphemistische Denkweise a la "Chacka, ich schaff das!" ist - eine Strategie, zu überleben.
Nach allem, was ich bisher lesen durfte - hierfür herzlichen Dank dem Zzl-Team und allen Kommentatoren - bin ich tatsächlich nicht "weltfremd", auch wenn ich mich manchmal so fühle, wenn um mich rum allzu viel Pessimismus herrscht und sich jeder nur über die Widrigkeiten im Leben und über Fehlschläge/Scheitern beschwert.
Versteht sich in diesem Zusammenhang fast von selbst, dass grundsätzlich andere die Schuld für das Scheitern bekommen.
Was mir in eurem Artikel gefehlt hat ist der feine Unterschied zwischen dem Scheitern an einer SACHE und dem eigenen Scheitern, denn es ist wesentlich, diesen Unterschied zu sehen. Damit kann man gut arbeiten.
Ähnlich wie in der gewaltfreien Kommunikation, macht es einen großen unterschied, zu sagen oder zu denken "es ist" oder "ich bin".
"Es ist", läßt einem den Raum, eine SITUATION von außen zu betrachten - damit etwas mehr Spielraum zur Reflexion.
"Ich bin" ist ein Stempel. Entweder von außen auferlegt oder sich selbst auferlegt.
Gut, ich denke, über sowas kann man Romane erzählen, alles in Details zerpflücken...ob es was bringt, ist die nächste Frage. *g*
Heute vormittag habe ich einen Eintrag in Facebook geschrieben über etwas, das ich heute in der Früh erlebt habe.
Den möchte ich euch mal zeigen:
ICH:
Leben ist das was passiert, während man fleißig dabei ist, andere Pläne zu schmieden...
Aber schön ists trotzdem!
Zumindest bleibts immer spannend. ;)
Ein Freund: Naja... :-/
ICH: Was ist das denn für ne Aussage? Naja...
PFH! :))
;)
Ein Freund: Naja heisst wennst meinst ;-)
ICH: Gerade im Moment meine ich das, sonst würd ichs ja nicht sagen. ;)
Weißt du, ich war heute früh in Wertheim (Main), da geht meine Tochter zur Schule. Dann hab ich mir dort das Hochwasser angesehen. Wahnsinn! Alle Läden sind leergeräumt, das ...Wasser steht mir bis zur Hüfte, es sind Gerüste aufgestellt, damit man trotzdem irgendwo laufen kann. Wie kommen die Menschen aus ihren Häusern und wieder rein? Wie kommen diese Menschen damit klar, dass so ziemlich alles futsch ist, was sie sich mühsam aufgebaut haben? Wie schaffen die sowas? Da geht so viel kaputt. Sie haben keinen Einfluss auf diese Naturgewalten, müssen es einfach hinnehmen. Und sie tun es auch. Sie werden alles wieder aufbauen, sobald das Wasser raus ist und weiter machen bis das nächste Hochwasser kommt. Im Schnitt ist das alle 3-4 Jahre so. Sie wissen das, haben jeden Tag das Risiko im Hinterkopf, aber sie bleiben und machen weiter - sie stehen immer einmal mehr auf, als sie fallen. ;)
Sowas zu sehen, setzt jede Menge Gedanken frei. Auf einmal wird mir bewußt, wie gut es eigentlich für mich läuft, was ich alles habe und dass andere mit ganz anderen Sorgen kämpfen und keinerlei Einfluß darauf haben.
Auch ich kämpfe um meine Existenz und manchmal ist das wirklich hart, aber wenn ich dann sowas sehe...dann muss ich über mich lächeln. Darüber, dass auch ich bereits zur Höher-Schneller-Weiter-Generation gehöre und darüber vergesse, wie wertvoll all das ist, was ich bereits aus eigener Kraft erreicht habe.
Viel öfter sollte man sich Zeit dafür nehmen, zu schauen, was man erreicht hat und nicht, was man vermißt. Dann lernt man das Leben zu schätzen. Das gibt Kraft für alles, was da noch kommen mag.
Denn: Das haben ja schon ganz andere geschafft, warum nicht auch ich? Schließlich habe ich alles, was ich dazu brauche: Mich, mein Lachen, meinen freien Willen, ein Ziel und die Lust, zu leben - alles vollkommen irrational begründet auf dem Glauben an das Gute im Leben. ;)
So, mal wieder aus dem Nähkästchen geplaudert, aber gut... ;)
Auf diese Worte folgte nichts mehr bis jetzt. Ich hab es nicht anders erwartet und bin auch nicht enttäuscht darüber.
Nicht jeder macht sich so viele Gedanken übers Leben, selbst das ist nicht verwerflich. ;)
Und dennoch denke ich, man sollte sich einfach öfter Zeit nehmen für die Dinge, die man bereits geschafft hat, lernen, diese wertzuschätzen, denn auch dafür hat man Kraft und Wille gebraucht - erfolgreich.
Wenn man sich dessen bewußt wird, dann kommt der Antrieb, es noch einmal zu versuchen - diesmal anders - zurück.
Schließlich haben das bereits ganz andere geschafft, warum nicht auch DU?
Einen schönen Tag euch allen,
Susanne
Ich möchte ein gutes ,für mich sehr inspirierendes Buch zu diesem Thema empfehlen.Sein Titel:
Mut zum Misserfolg
-wie wir durch Krisen und Verluste
zu uns selbst finden-
geschrieben von Sobonfu E.Some`
mit viel Weisheit und Liebe
Herzliche Grüße
Vera
Gescheitert zu sein, kann erst in der Nachsicht bewertet werden.
Auf dem Sterbebett, da können wir womöglich sagen, wo, wann und ob wir gescheitert sind.
Ob ich gescheitert bin oder nicht, bestimmt auch immer meine subjektive Einstellung und die Vorgaben der Gesellschaft.