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Das Weltbild-Experiment

Von Ralf Senftleben3 Kommentare

weltkugel

Darf ich Sie heute zu einem interessanten Experiment einladen?

Aber ich sage es ganz ehrlich: Dieses Experiment ist nicht für jeden von Ihnen eine gute Idee. Denn ich werde Sie gleich darum bitten, für einen ganz kleinen Augenblick Ihr Weltbild in Frage zu stellen. Und das ist für nicht wenige Menschen extrem unangenehm und schwierig.

Dabei lohnt es sich. Denn viele unserer Probleme entstehen durch ein zu enges oder ein schlichtweg selbstschädigendes Weltbild. Aber auch wenn es nicht einfach ist: Das eigene Weltbild zu hinterfragen gehört zu den nützlichsten Dingen, die wir tun können, wenn wir uns als Mensch entwickeln und als Persönlichkeit wachsen wollen.

Unser Weltbild ist das,

Und dieses Weltbild prägt uns mit enormer Kraft, dabei aber unterschwellig und nahezu unsichtbar. Oft sind wir uns unseres Weltbildes gar nicht bewusst, weil es so selbstverständlich für uns ist. Unser Weltbild bestimmt unsere täglichen Entscheidungen, unser Handeln und die Art, wie wir mit anderen Menschen umgehen.

Wenn mein Weltbild zum Beispiel lautet:

„Jeder gegen jeden. Und alle Menschen sind gegen mich.“

dann verhalte ich mich natürlich auch so, als wäre ich alleine auf der Welt. Und dann sind plötzlich wirklich die meisten gegen mich.

Wenn mein Weltbild lautet:

„Der Einzelne kann sowieso nichts ausrichten.“

dann versuche ich es erst gar nicht, irgendetwas zu ändern. Warum auch, wenn ich doch sowieso nichts erreichen kann.

Wenn mein Weltbild dagegen lautet:

„Menschen haben Macht, Menschen können etwas bewegen, wenn sie sich dazu entscheiden.“

dann werde ich meine Möglichkeiten wahrscheinlich nutzen und anfangen, etwas zu bewegen.

Oder wenn mein Weltbild lautet:

„In jedem Menschen steckt ein guter Kern.“

dann werde ich immer auf der Suche nach der Schönheit im Menschen sein und werde auf dem Weg bestimmt auch mal eine Enttäuschung erleben, aber ich werde auch viele tolle Menschen kennenlernen und tiefe Freundschaften schließen.

Unser Weltbild ist also nicht nur ein Produkt unserer Erfahrungen und Erziehung. Es erzeugt auch zu einem Teil unsere Zukunft, weil wir uns so verhalten, als ob unser Weltbild wahr wäre. Und damit wird es auch wahr. Nicht weil es zwingend wahr IST. Sondern weil wir es auch durch unsere Handlungen wahr machen. Man nennt das dann auch eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.

Das Gemeine ist, dass den meisten von uns gar nicht bewusst ist, dass ihr Weltbild nur eine von vielen möglichen Sichtweisen auf die Welt ist. Sie halten ihre Sicht für die Wahrheit. Sie denken, die Welt ist wirklich so, wie sie sie sehen.

Auch wenn das schwer zu begreifen ist: Die Welt ist nicht so, wie wir sie sehen. Wir alle haben machtvolle Filter in unserem Kopf. Diese Filter blenden ständig bestimmte Aspekte unserer Welt aus oder färben sie ein.

Wir sehen die Welt nicht so, wie sie ist. Wir sehen die Welt so, wie wir selbst sind. Und für mich persönlich ist es ein Zeichen für Reife, ja vielleicht sogar für ein bisschen Weisheit, wenn wir uns darüber bewusst sind, dass unsere Sichtweise nicht die Wirklichkeit widerspiegelt.

Denn wenn wir wissen, dass unser Weltbild nicht die Wirklichkeit ist, dann werden wir offener für Dinge, die wir noch nicht kennen und verstehen. Und genau diese Offenheit braucht man, wenn man sich als Mensch weiterentwickeln will.

So… genug philosophiert. Kommen wir nun zu dem Experiment, das ich am Anfang angekündigt habe.

Sind Sie bereit?

Schritt 1

Ok. Suchen Sie sich bitte aus der folgenden Liste einen Satz aus, bei dem Sie zu mindestens 90% zustimmen würden.

Schritt 2

Haben Sie sich einen Satz ausgesucht? Prima.

Und jetzt kommt die Herausforderung. Beantworten Sie bitte die folgenden Fragen und lassen Sie sich dabei wirklich Zeit. Antworten Sie nicht vorschnell. Sagen Sie bitte auch nicht: „Da brauche ich nicht lange zu überlegen“. Bewegen Sie die Fragen bitte wirklich im Kopf.

Und los geht es…

Wie sieht es jetzt mit Ihrer Überzeugung aus? Sind Sie sich immer noch genauso sicher?

Wenn Sie immer noch bombenfest Ihrer Meinung sind und wenn Sie wirklich glücklich und zufrieden in Ihrem Leben sind, dann lasse ich Sie hier in Ruhe. Weil dann funktioniert Ihr Weltbild für Sie ja gut. Warum dann etwas ändern? Hören Sie dann bitte hier auf zu lesen.

Wenn Sie immer noch bombenfest Ihrer Meinung sind, aber in Ihrem Leben einige Baustellen, Unzufriedenheiten und Probleme haben, dann könnte ein zu enges, inflexibles Weltbild dabei eine Rolle spielen. Und wenn Sie sich dann weigern Ihr Weltbild in Frage zu stellen, dann haben Sie ein Problem. In diesem Fall alles Gute für Sie und viel Glück. Sie werden es brauchen :-)

Wenn Sie dagegen ein kleines bisschen unsicherer in Ihrer Überzeugung geworden sind, dann hat mein Experiment seinen Zweck erfüllt.

Mir geht es hier nicht darum, dass Sie all Ihre Überzeugungen über den Haufen werfen sollten. Ich glaube eben nur daran, dass uns Menschen eine gewisse Beweglichkeit im Denken gut tut. Und die eigenen Überzeugungen und den eigenen Glauben zu bezweifeln, ist eine gute Sache.

Wenn wir unsere Überzeugungen und unser Weltbild anzweifeln, macht uns das zuerst ein wenig unsicherer, aber langfristig stärker, unabhängiger und beweglicher. Im Denken, aber auch im Handeln.

Denn wir können nur das tun, was wir uns auch vorstellen können. Der Gedanke geht der Handlung immer voraus. Und je mehr Sie denken können, desto mehr können Sie auch tun. Und damit macht Sie ein offeneres Weltbild flexibler, stärker und handlungsfähiger.

  1. Claudia J. schreibt am 18. Januar 2011 um 13:31

    Ich hatte keine so großen Schwierigkeiten mit dieser Übung(geübte hinterfragerin und welt auf den Kopfstellerin)*,denn ich weigere mich schon-ich glaub mein Leben lang von meinem Wesen her - alles von scheinbar wissenden einfach so unerforscht zu übernehmen,ich muss meine eigenen Erfahrungen machen meine eigene Sicht der Welt entwickeln und ich kann nur sagen leicht ist das sicher nicht immer wieder auch Zeiten einzubauen wo ich mich frage wie ich meine Weltsicht so verändern kann das ich wieder offener werde.Es gleicht schon fast einem Herzenauftrag das ich altes ins caos stürtze"oh man manche verfluchen mich dafür"damit neues entstehen kann.Feste Denk-Strukturen nehmen mir den geistigen Atem und das mag ich gar nicht.
    Ich habe in meinem Leben schon soviele Situationen gehabt die alles verworfen haben, was ich vorher noch als richtig gesehen habe,weil es mir so vorgelebt und als wahr verkauft wurde und ich habe mich auch sehr sehr oft mit Vorurteilen in Menschen getäuscht und bin froh das ich einige näher kennenlernen durfte sonst wären mir einige unglaubliche Menschen echt entgangen.Ich finde nichts spannender und interessanter als mich zu entwickeln.Natürlich gibt es einige Überzeugungen die bleiben solang starr stehen bis ich auch dafür den Mut aufbringe sie zu hinterfragen-also perfekt bin auch ich nicht;)
    Allerdings kann so ein kleines chaos im denken schon unglaublich vieles bewegen,es müssen also auch nicht immer die übergrossen Veränderungen sein.
    So habe ich das für mich erlebt und geniesse diese geistige Freiheit immer mehr:)
    Liebe Grüsse:)

    • Susanne schreibt am 26. Januar 2011 um 03:11

      Liebe Claudia,
      erstmal ganz herzlichen Dank für deine Worte, sie sprechen mir großenteils aus der Seele.
      Auch ich bin ein unruhiger Geist, der stetig nach Wandlung verlangt, die Welt um sich herum auf den Kopf stellt um wieder gerade sehen zu können.
      Ich persönlich glaube, dass daran nichts verkehrt ist. Stillstand empfinde ich als lähmend bis tödlich in manchen Dingen, nicht in allen, auch Kontinuität in bestimmten Bereichen brauche ich wie das Salz in der Suppe. Wahrscheinlich daher meine Liebe zu den Sternen, die sind immer da, auch wenn ich sie gerade nicht sehe. ;)

      Allerdings bin ich froh, sagen zu können, dass ich auch immer wieder den Punkt erreiche in einzelnen Dingen, wo ich glaube, dass es genau so gerade richtig und gut für mich ist - Stationen, wo ich mich wohl und zuhause angekommen fühle, wo ich glaube gefunden zu haben, wonach ich gesucht habe.
      In den letzten 4 Jahren habe ich eine vollkommene Wandlung meines eigenen Selbst erleben dürfen, weil ich endlich die Freiheit hatte, mal auf mich zu hören, meine innere Stimme nicht kastrieren musste um anderen zu gefallen.
      Ich hab mich gefühlt wie ein kleines Kind, das gerade die Welt entdeckt. Gespannt, erstaunt, glücklich, verwundert...und mir immer bewusst, dass da noch mehr ist, das nur darauf wartet, dass ich ankomme und entdecke, wer ich eigentlich bin und wozu ich fähig bin, wenn ICH MICH LASSE, egal ob andere mich lassen wollen...wo es nur um mich geht, weil das MEIN Weg ist, weil ich MEIN Ziel erreichen will, das absolut niemandem schadet. Einzig mir würde es schaden, nicht weiter zu gehen....

      In diesem Sinne...friedliches, liebevolles und begeistertes Weiterentwickeln und
      "Welt auf den Kopf stellen und doch wieder auf den Füßen landen"
      wünscht dir

      Susanne

  2. Ben schreibt am 17. Februar 2011 um 21:03

    Ein sehr schönes Experiment, wenn man sich nur darauf einlässt, da fällt mir direkt mein Lieblingszitat wieder ein "It´s all how you look at it."
    "Mein Satz" war recht schnell gefunden, aber bei Schritt 2 hat sich alles in mir gesträubt. Zuerst war ich ein wenig geschockt, von mir selber, bin ich wirklich so? Einer von denen die so sehr auf ihrem Standpunkt verharren das es weh tut? Aber nachdem sich das Ganze etwas gesetzt hat, macht es auf einmal "Klick" und ein anderer Blickwinkel öffnet sich, ein Blickwinkel der meine Ansicht entschärft und entkrampft - und vor allem Verständnis bringt. Danke ;)
    It`s all how you look at it =)