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Die Praxis der Selbstüberwindung

Von Ralf Senftleben5 Kommentare

Letzte Woche habe ich über das Thema Selbstüberwindung geschrieben und heute möchte ich das Thema weiterführen.

Selbstüberwindung bedeutet also, sich seinen Ängsten zu stellen und trotz der Ängste zu handeln. Selbstüberwindung bedeutet aber noch etwas anderes: Und zwar manchmal Dinge zu tun, die keinen Spaß machen, die unbequem oder anstrengend sind, die aber getan werden müssen, um ein größeres Ziel zu erreichen. Zum Beispiel wenn ich neben meinem Job studiere, um meine Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Oder wenn ich zwei mal pro Woche im Wald zum Laufen gehe, weil ich weiß, dass es gut für meine Gesundheit ist. Die ersten ein oder zwei Monate muss ich mich überwinden, bis daraus eine Gewohnheit geworden ist und ich es automatisch tue, ohne mich jedes mal wieder zwingen zu müssen. Aber dann profitiere ich von den positiven Folgen meiner neuen Gewohnheit.

Dazu muss ich es aber erst einmal schaffen, mich eine Zeit lang zu überwinden. Und das ist gar nicht so einfach.

Um sich selbst zu überwinden braucht es nach meiner Erfahrung zwei Dinge: Die Überzeugung, dass Selbstüberwindung eine gute Sache ist und ein gewisses Maß an Bewusstheit im Alltag.

Imvorherigen Beitrag habe ich ja schon versucht eine Lanze für die Selbstüberwindung zu brechen, und vielleicht sind Sie ja auch schon ein bisschen der Meinung, dass die Fähigkeit, sich selbst zu überwinden, nicht unbedingt schlecht ist.

Das alleine reicht aber nicht. Denn wir Menschen sind Gewohnheitstiere und neigen dazu, sofort wieder in unser gewohntes Verhalten zu fallen, wenn wir mit unserer Aufmerksamkeit nachlassen. Wir sind eben die meiste Zeit auf Autopilot.

Deswegen reicht es nicht, sich in einem wachen Moment vorzunehmen, dass wir uns überwinden und in Zukunft anders handeln werden. Unsere bestehenden Gewohnheiten grinsen einmal freundlich bei so einem Vorsatz, wohlwissend, dass die Sache in ein paar Tagen wieder vom Tisch ist.

Wenn wir es wirklich ernst meinen, müssen wir uns im Alltag wieder und wieder aus unserem Autopiloten herausholen, und wiederholt an das erinnern, was wir anders machen wollen.

Denn wenn ich mir zum Beispiel vorgenommen habe, eine Angst zu überwinden, dann erfordert das ein gewisses Mass an Arbeit. Ich müsste mich vielleicht in kleinen Schritten an die Angst herantasten, mir selbst immer wieder Mut zusprechen, meine Vorurteile und irrationalen Gedanken ergründen oder mir vielleicht einen Profi suchen, der mir hilft. Wenn ich aber auf Autopilot bin, werde ich diese notwendige Arbeit immer wieder wegschieben. Ach, mach ich morgen. Oh, schon wieder drei Monate ins Land gegangen und es nichts passiert. Eigentlich wollte ich ja …

Wenn wir auf Autopilot sind, lassen wir uns selbst so ein Verhalten durchgehen. Deswegen müssen wir uns ständig selbst aufwecken. Nur wenn wir wach, klar und bewusst sind, können wir zu uns selbst sagen:

“Ja, das ist nicht einfach. Aber ich kann es trotzdem tun. Deswegen handele ich jetzt. Und morgen. Und übermorgen. So lange, bis ich die Sache überwunden habe. Es ist wichtig für mich, meine Grenzen zu überwinden, es ist nicht einfach und ich tue es trotzdem.”

Ja… aber wie weckt man sich nun selbst auf? Ganz einfach.

Der Trick ist, sich selbst narrensicher an das zu erinnern, was wichtig für einen ist, so dass man sich nicht selbst austricksen kann. Und wenn Sie sich oft genug aufgeweckt und erinnert haben, dann wird diese “Wach sein” zur Normalität werden. Und es wird Ihnen immer einfacher fallen, sich selbst zu überwinden.

Und dann kommt bald das gute Gefühl, dass man nicht die Marionette der eigenen alten Muster und Prägungen ist, sondern dass man selbst mit wachem Geist bestimmt, wo es mit einem hingeht.

  1. Jürgen Gräbel schreibt am 24. April 2009 um 08:28

    Ich selbst arbeite mit 13 Leitsätzen, eine Methode, die ich einmal in einem Artikel über Benjamin Franklin, der das ebenso gemacht hat, gelesen habe.

    Früher habe ich mir dazu Karteikarten geschrieben, die ich gut sichtbar auf meinem Schreibtisch glaciert hatte.
    Heute erscheinen meine Leitsätze, eingebunden in ein stimulierendes Foto, automatisch als Hintergrundbildschirm auf meinem PC.

    Die Vorgehensweise geht so: Ich habe 13 Leitsätze, die wöchentlich wechseln. So kommt jeder Leitsatz 4-mal pro Jahr in Erinnerung.
    Mit hilft diese Vorgehensweise für mein erfolg-reiches-Leben.

  2. Michael schreibt am 24. April 2009 um 10:59

    Gemeine Sache von der Natur. Erst wachsen wir zu Gewohnheits"tieren" heran und dann müssen wir uns immer und immer wieder selbst überwinden um weiterzukommen. Echt schäbig. Warum geht das nicht einfacher?

  3. Uwe schreibt am 6. Mai 2009 um 11:56

    hallo michael (und alle anderen)

    ja wir wachsen zu gewohnheitstieren heran aber dafür können wir überhaupt nichts. die wenigsten haben das glück, entsprechend anders erzogen worden zu sein und entsprechendes umfeld als kind gehabt zu haben.

    mir persönlich ist es zu müssig, mich dauernd per zettel oder wie auch immer an etwas erinnern zu wollen. und ich sag auch meinen freunden nicht, dass sie mir helfen sollen.

    die einzige einsicht die ich zum leben, weiterkommen, erfolgreich sein, geld verdienen und für alle anderen lebenslagen brauche ist die, dass ich IMMER ängsten ausgesetzt sein werde solange ich lebe und mich deshalb WANN IMMER NÖTIG überwinden muss (und werde!).

    Das heisst, in JEDER situation JEDER art, in der ich weiss, das ich dies oder jenes TUN sollte (die schöne frau ansprechen, arbeiten, lernen mit geld umzugehen, eine gute (geschäfts-)idee umsetzen, sich bei unzufriedenheit jeder art mit dem betreffenden aussprechen, fitnesstraining betreiben, aktiv statt faul sein, usw...).

    ängste sind häufig und begleiten einen bis ins grab also gewöhnt man sich am besten daran, bis zum ende mit überwindung über die angst hinweg zu gehen!!!

    die 2. möglichkeit wäre, der angst nachzugeben und NICHT zu handeln, wo man handeln sollte. Das frisst aber mit der zeit die seele auf und ist KEINE OPTION! VERBOTEN! UNDENKBAR!

    Jeder kann sich überwinden! Viel Spass dabei... :-)

  4. glücklich wunschlos? schreibt am 12. Mai 2009 um 20:17

    Ich kann es nachvollziehen, aber ein bisschen seltsam finde ich die Sache schon. Wieso muss ich mich zu etwas überwinden, das mir guttut? Ich meine, warum freue ich mich nicht darauf, es zu tun und kann es garnicht abwarten? Warum muss ich mir etwas zur Gewohnheit machen, das ich eigentlich gerne tun würde? Wenn mir etwas guttut, dann müsste ich das doch wollen, Stichwort Lustprinzip. Was hindert mich denn daran, das zu tun? Ein innerer Widerstand gegen die Lebenslust? Wenn ich der obigen Anweisung folge, dann tue ich zwar etwas, was mir guttut, aber es ist eine Gewohnheit, die ich mir mühsam anerziehen muss oder zu der ich mich überwinden und zeitweise zwingen muss. Wenn ich Lust drauf hätte, dann wäre ich doch garnicht zu stoppen. Also, warum habe ich keine Lust auf Dinge, die mir guttun? Kann man nicht einfach einen Schalter umlegen, von "keine Lust mich zu bewegen" auf "Lust, mich zu bewegen" anstatt meine Unlust mit erzwungener Gewohnheit zu überlisten? Ich verstehe es echt nicht und es funktioniert auch nicht bei mir, das mit den Gewohnheiten, leider, ich habe das Gefühl, dass mein Vorrat an Unlust nur allgemein zunimmt, wenn ich mich zu etwas zwinge, selbst wenn es etwas ist, was mir guttut. Erst werden wir als Kinder gezwungen, still zu sitzen, obwohl wir lieber zappeln würden. Und dann zwingen wir uns als Erwachsene, rumzurennen, obwohl wir lieber still rumsitzen würden. Was bleibt, ist die Methode, wir machen nicht, wozu wir Lust haben, sondern was "guttut" oder wichtig ist.

  5. Michael schreibt am 18. Mai 2009 um 09:35

    Interessanter Beitrag glücklich wunschlos. Der bringt mich zu dem Gedanken, das wir einfach nur noch das tun, was uns spürbar gut tut. Fertig ! Und wenn wir irgendwo Angst haben weichen wir einfach aus.