Wenn andere am längeren Hebel sitzen
Von Ralf Senftleben • 9 Kommentare
Es gibt diese Situationen im Leben, da sitzen andere am längeren Hebel und was man selbst will, zählt relativ wenig:
- zum Beispiel wenn ich eine Eigentumswohnung kaufen will und von der Bank einen Hypotheken-Kredit haben möchte
- oder wenn ich mich auf eine Stelle in einem Unternehmen bewerbe und es viele Mitbewerber auf diesen Job gibt
- oder wenn mein Chef unzufrieden mit meiner Arbeitsleistung ist und er gerade darüber nachdenkt, ob es Sinn macht, mich noch länger zu beschäftigen
- oder wenn mein Sachbearbeiter bei der ARGE (Jobcenter) mir einfach nicht die Weiterbildungsmaßnahme genehmigen will, die ich gerne machen würde.
Das alles sind Situationen, in denen wir abhängig sind von der Meinung, der Einschätzung und auch dem Wohlwollen anderer Menschen. In diesen Fällen zählt nicht, was ich will, was ich glaube und was ich für fair und richtig halte.
Der andere entscheidet und nicht ich.
Und wenn ich in so einer Abhängigkeits-Situation bin, kann ich auf verschiedene Arten damit umgehen:
Möglichkeit 1: Ich tue gar nichts. Ich kann ja sowieso nichts machen. Also halte ich die Füße still und warte, was das Schicksal bringt. Ich sage es mal provokant: Das ist eine typische Verlierer-Strategie. Denn wer es nicht versucht und sofort bei jeder Herausforderung aufgibt, hat bereits verloren. Dieser Weg führt direkt in die Ohnmacht, Resignation und manchmal sogar in die Depression.
Möglichkeit 2: Ich werde sauer und rege mich über denjenigen auf, der am längeren Hebel sitzt. Die fiese Bank, der böse Chef, die korrupte Wirtschaft, der inkompetente Sachbearbeiter bei der ARGE (Jobcenter). Die haben Schuld an meiner Misere und überhaupt ist die Welt unfair. Auch wenn diese Reaktion menschlich verständlich ist, ist auch das eine Verlierer-Strategie. Denn die Schuld den anderen zuzuschieben entlastet mich zwar seelisch ein bisschen und sorgt dafür, dass mein Selbstwertgefühl nicht ganz in den Keller geht. Aber an meiner konkreten Situation ändert es nichts. Ich bekomme dadurch nicht eher meinen Kredit, verbessere dadurch nicht meine Chancen eingestellt zu werden und bekomme auch nicht eher meine Weiterbildungsmaßnahme genehmigt. Eher im Gegenteil: Wenn ich meinem Gegenüber eine solche Einstellung habe, dann zeigt sich das auch dann, wenn ich es versuche zu verstecken. Und damit sinken meine Chancen noch mehr, dass ich das bekomme, was ich will.
Möglichkeit 3: Die dritte Möglichkeit besteht darin, kurz in sich zu gehen und etwas in der folgenden Art zu sich selbst zu sagen:
„Ich will etwas und ob ich es bekomme, hängt von Wohlwollen meines Gegenübers ab. Betrachte ich es mal ganz nüchtern: Das Ganze ist ein Problem und meine Aufgabe ist es jetzt, dieses Problem zu lösen.
Mir ist klar, dass ich über diese Situation nur sehr wenig Kontrolle habe. Das ist die Realität und es bringt mir nichts, deswegen sauer zu sein oder jemandem die Schuld dafür zuzuweisen.
Ich habe zwar wenig Kontrolle, aber ich kann die Wahrscheinlichkeiten zu meinen Gunsten verschieben, wenn ich es schlau anstelle. Mein Gegenüber (der Banker, der Chef, etc.) ist auch nur ein Mensch, er hat auch seine Sachzwänge und er hat wie jeder andere auch seine Ziele, Bedürfnisse und Wünsche. Wie kann ich also mit ihm arbeiten, statt gegen ihn?
- Nach welchen Kriterien entscheidet mein Gegenüber überhaupt?
- Wie kann ich es meinem Gegenüber einfacher machen, in meinem Sinne zu entscheiden?
- Was braucht mein Gegenüber von mir, damit er für mich entscheidet?
- Was sind meine Möglichkeiten? Was kann ich hier tun?
- Wie kann ich ihm das geben, was er braucht?
- Hat mein Gegenüber vielleicht noch andere Ideen für die Lösung meines Problems?
- Was würde mein Gegenüber wohl machen, wenn er in meiner Situation wäre?
Ich könnte meinen Gegenüber ja auch einfach mal genau diese Fragen stellen. Denn die meisten Menschen wollen einem ja helfen, wenn man sie freundlich darum bittet und kooperativ ist.“
Diese Art an so eine Situation heranzugehen, in der andere am längeren Hebel sitzen, ist natürlich immer noch kein Garant dafür, dass man das bekommt, was man will. Aber egal was passiert, wenn Sie so denken, bleiben Sie handlungsfähig und vor allem lernen Sie etwas aus der Situation, was Sie beim nächsten Mal zu Ihren Gunsten verwenden können. Und so gewinnen Sie auf jeden Fall. Entweder Sie bekommen, was Sie wollen. Oder Sie haben dazugelernt.
Deswegen ist Möglichkeit 3 auch die Strategie, bei der Sie nicht verlieren können. Möglichkeit 3 ist die Gewinner-Strategie.






Die Strategie, jemanden, den man nicht "besiegen" kann, sich zum "Freund" zu machen ist nicht neu, und durchaus auch erfolgversprechend.
Man kann das ja in der Politik tagtäglich beobachten. Aber man muss gut aufpassen: Schnell kommt es bei derartigen Einstellungen zu Handlungen, die bereits die Grenze der Anbiederung etc. erreichen. Ich denke, dabei fühlt man sich selber nicht gut und das kann dann auch nicht über einen so erreichten Erfolg hinwegtrösten.
Aber es gibt neben den genannten Möglichkeiten mit sogenanten "ohmächtigen Situationen" umzugehehen noch weitere, nicht genannte.
Beispielsweise bestimmte Sachverhalte rechtlich überprüfen zu lassen, bzw. zur Anzeige zu bringen, wenn sie gegen geltendes Recht verstoßen. Das ist viel häufiger der Fall, als allgemein angenommen. Gerade das Hartz Beispiel zeigt das. Bundesweit haben mehr als 50 % aller Klagen Erfolg in manchen Städten sogar 70%.
Natürlich kann man bestimmte Verhaltensweisen nicht "einklagen" aber oft bewahrheitet sich der alte Spruch
"Wer sich nicht wehrt, der lebt verkehrt"
Meine Erfahrung ist es, wenn mir immer wieder diese Dinge begegenen: "Die fiese Bank, der böse Chef, die korrupte Wirtschaft...." u.s.w. hat das einen tieferen Sinn. Das "Aussen" ist der Spiegel unseres Inneren. Ändere ich also mein Denken so werden sich auch die Begegnungen ändern.
Herzliche Grüße
Silvia
Meine neueste Erfahrung ist, dass es zweitrangig ist, was ein anderer will, solange ich weiß, was ICH will. Es gibt also bei dieser geistigen Ausrichtung keine Abhängigkeit.....
Meine Erfahrung ist desweiteren, dass ich das in mein Leben hole, was ich will, dass sich also die Realität dahingehend verändert wie ich es mir denke, wenn ich es schaffe, bei mir zu bleiben und bei dem was ich will. Ich bin der Entscheider in meinem Leben..... die Realität folgt dem.
Wichtig ist, dem "anderen" NICHT zu folgen. Meine Gedanken nicht darauf auszurichten, was der andere denkt, welche Beweggründe er hat, denn dann befinde ich mich in einem Gedankenfeld der Fremdbestimmung und bin davon abhängig, ganz wie ihr das beschreibt.
LG
Sita
Die Gewinner-Strategie trägt auf jeden Fall Früchte, das sehe ich jeden Tag. Es dürfen nur nicht zu viele Ereignisse auf einmal sein, wo andere am längeren Hebel sitzen. Sonst kommt es z.B. zur seelischen Überlastung. Viele haben derzeit das Gefühl, dass ihr Leben immer mehr von außten bestimmt wird - also ist es umso wichtiger, sich selbst zu stärken. Noch ein Tipp: Wenn etwas nicht geklappt hat, hilft es, sich emotional bewusst davon zu verabschieden. z. B. mit einem Ritual oder kraftspendenden Gedanken. Dann ist der Kopf wieder frei, um neue Schritte zu gehen.
Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon von vorne herein verloren.
Deshalb ist es immer wichtig, mit den Menschen, von deren Entscheidungen man abhängig ist, intensiv zu kommunizieren.
Durch gründliches Hinterfragen, was der Andere für eine positive Entscheidung in meinem Sinne benötigt, erleichtert ihm die Arbeit und hilft (hoffentlich).
Ich habe schon sehr häufig erlebt, dass solche "Abhängigen" mit einer gewissen Aggressivität auf ihr Gegenüber zugehen und verkennen total, dass dabei sämtliche Sympathiewerte in den Keller gehen.
Ich meine nicht, dass man schleimen sollte, jedoch hat eine natürliche Freundlichkeit noch keinem geschadet.
LG
Jürgen Gräbel
Hallo und einen schönen Abend ( trotz Regen aber er bringt auch Segen :)) nun klinke ich mich wieder mal ein, was der Jürgen da mailt ist sehr wahr, auch ich stelle das immer wieder fest, ich hoffe das langsam aber sicher immer mehr Menschen dieses erkennen u. sehr zur Freude ihrer positive Resultate erzielen können u. dürfen, danke Jürgen u. danke Karen, Du sprichst mir aus der Seele, bis bald - smile- :)
Bama
Die Welt ist so böse und ihr so gut. Ich bin so froh, dass es euch gibt!
Hallo zusammen!!
Also ich erlebe es jeden Tag auf ein neues, das es Leute gibt, die ihrem Gegenüber so tief in den A.... kriechen, das sie danach ausschauen, als wären sie 100 Std aufm Solarium gewesen, nur um etwas zu erreichen!!
Hinterrücks, lassen die genannten Personen kein einzig gutes Haar an demjenigen den sie zuschleimen, da fallen dann solche Sachen wie " was bildet der sich denn ein"" der soll mal von seinem hohen Ross runter kommen" "ohne ihn gehts besser " ect ect ect!!! Und wenn beide aufeinander treffen, muss man wieder aufpassen, um nicht auf der Schleimspur aus zurutschen!!
Ich selber, bin ein "Typ", der auch freundlich ist, aber einen gewissen Abstand zu meinem gegnüber einhalte, und das hat mich quasi auf die Verliererstraße gebracht, so, das ich langsam an mir selber zweifele, nur ich lasse mich ungern verbiegen!!Freundlichkeit ja, aber es gibt einen himmelweiten Unterschied dazwischen, und wenn ich das mitbekomme, das jemand unnatürlich freundlich ist, kommt mir die Kotze hoch, aber, solche Leute haben eine bessere Chance etwas zu erreichen, als die, die ehrlich sind :-((
Zunächst finde ich es beeindruckend, dass ihr offensichtlich immer gerade das Thema bringt, das bei mir dran ist! Also hole ich durch die Teilnahme an dem Newsletter genau das in mein Leben, was ich brauche?!
Weiterhin ist für mich sehr wohl zu überlegen, ob ich den "Kampf" aufnehme. Allein, dass sich da eine Möglichkeit bietet, aus der Ohnmacht, die mich hilflos und todtraurig macht, wieder ins Handeln zu kommen, was mich regelmäßig aus der Depression holt oder auch nur vor ihr schützt, hilft schon. Und so überlege ich jetzt, da ich weinder eine Option habe: Stecke ich in dieses Thema nochmal Energie? Ist es das wert? Oder investiere ich mein Herzblut lieber doch in etwas anderes? In letzterem Falle hilft das bewußte Verabschieden, Verwerfen, sich Abwenden, den Kopf freizubekommen...
Dass ich diese Entscheidung treffen kann und im Falle, dass ich das Thema nochmal angehe, mich bewußt dazu entscheiden kann, befreit mich von der Ohnmacht und Hilflosigkeit und dem Gefühl, ein kleiner nutzloser Wurm zu sein, ein Opfer...
Ich danke euch allen, die ihr mir, jeder mit seiner Sicht der Dinge, geholfen habt, dieses Problem für mich zu lösen!