Sich einen Arbeitsplatz erobern, an dem Sie sich zuhause fühlen
Von Ralf Senftleben • 6 Kommentare
Zuhause ist es am schönsten, oder? Wie sagt man in England:
„My home is my castle.“
Mein Zuhause ist meine Burg, in der ich jeden Stein kenne. Hier bin ich sicher und kann es mir gemütlich machen. Hier muss ich mich nicht verstellen, sondern darf so sein, wie ich bin. Mein Zuhause ist ein Ort, wo ich geschützt bin vor Regen und Kälte, und auch ein bisschen vor der Unbill des Lebens.
Noch besser wird es, wenn ich in meiner Burg auch noch Verbündete habe. Verbündete sind Menschen, die mir wohlgesonnen sind und denen ich wohlgesonnen bin; Menschen, die mir helfen und denen ich helfe; Menschen, die mich kennen und mich so nehmen, wie ich bin.
Die meisten werden bei dieser Beschreibung von einem „Zuhause“ an ein Haus oder eine Wohnung denken. Ein Zuhause kann aber wesentlich mehr sein. Was zum Beispiel? Vielleicht folgen Sie mir einfach kurz bei einem kleinen Gedanken-Experiment.
Übertragen Sie die Vorstellung von einem geschützten Zuhause, inklusive der Verbündeten, doch einmal gedanklich auf Ihren Arbeitsplatz. Ihr Arbeitsplatz als ein Ort, wo Sie zuhause sind, Verbündete haben und sich rundum wohl fühlen! Hui, ja, das ist für viele bestimmt eine gedankliche Streckübung. Das Leben ist ja schließlich kein Ponyhof.
Aber das ist das Schöne an Gedankenexperimenten: man kann kurz die Wirklichkeit außer Acht lassen, oft mit ganz erstaunlichen Ergebnissen, weil man sich getraut hat, auch unkonventionelle Gedanken zu denken. Denken Sie bitte mir zuliebe kurz in diese Richtung.
„Wie müsste ein Arbeitsplatz aussehen, an dem Sie viele Verbündete haben und an dem Sie sich sicher, geschützt und zuhause fühlen? Wie sähe so ein Arbeitsplatz aus? Was würden Sie den lieben Tag lang tun? Welche Kollegen hätten Sie und wie wäre das Verhältnis zu ihnen? Und wie wäre Ihr Verhältnis zur Chefin oder zum Chef? Was müsste ein Arbeitsplatz alles beinhalten, damit Sie sich dort wirklich zuhause fühlen?“
Haben Sie sich das mal vorgestellt? Schon schön, oder?
Nun aber schnell zurück zur Realität!
Ich persönlich weiß zwar, dass es solche „Zuhause“-Arbeitsplätze gibt, aber ich gebe auch zu: Sie sind sehr, sehr rar gesät.
Die Regeln der Arbeitswelt sind rau, und Respekt und Anstand sind nicht immer die treibenden Kräfte in der Unternehmenswelt. Viele würden sicher am Montag nicht zur Arbeit gehen, wenn sie nicht das Geld bräuchten…
Dennoch gibt es sie, diese Biotope der Freude und Freiheit im Arbeitsleben. Will man so einen tollen Arbeitsplatz ergattern und ihn auch behalten, muss man natürlich etwas dafür tun. Freiheit hat immer ihren Preis. Selbstbestimmung ist etwas, für das man immer wieder kämpfen muss.
Ein Arbeitslatz, an dem man sich wirklich zuhause fühlt … Falls Sie jetzt ein bisschen Blut geleckt haben, fragen Sie sich vielleicht, wie Sie an so einen Traum-Arbeitsplatz kommen.
Der einfachste, aber nicht unbedingt leichteste Weg ist der, sich selbst den Arbeitsplatz zu schaffen, den man gerne hätte. Zum Beispiel, indem Sie sich selbstständig machen und Ihre eigenen Regeln aufstellen. Das ist natürlich kein Garant für den Erfolg, aber es ist ein Weg, den man versuchen kann.
Wenn Sie sich alleine nicht trauen, können Sie sich auch gemeinsam mit anderen Menschen (=Verbündeten) selbstständig machen. Wählen Sie hier Menschen, denen die gleichen Dinge wichtig sind wie Ihnen, und mit denen Sie sich gut ergänzen.
Wenn Sie lieber angestellt arbeiten möchten, können Sie Folgendes versuchen: Suchen Sie ein kleines oder mittleres Unternehmen, bei dem Ihnen das Betriebsklima gefällt. Finden Sie dann alles heraus, was Sie über das Unternehmen herausfinden können. Und dann rufen Sie beim Chef oder Personalleiter an und sagen etwas wie:
„Ich beobachte Ihr Unternehmen jetzt schon eine ganze Weile. Ich bin Spezialist für das Thema X. Und wenn ich Y für Sie tun würde, dann würden Sie im Monat Summe K an Kosten sparen oder Summe U zusätzlichen Umsatz machen. Geben Sie mir einen Job? Ich arbeite auch den ersten Monat für die Hälfte und dann entscheiden Sie, ob Sie die Sache fortsetzen möchten. Wichtig für mich wäre dann, dass … (hier zählen Sie Ihre Bedingungen auf)“.
Auf die Art und Weise positionieren Sie sich von Anfang an nicht als „einfacher Mitarbeiter“, sondern als Verbündeter, dem es darum geht, dem Unternehmen mehr Umsatz, Kostenersparnis, Prozessvereinfachung oder Wettbewerbsvorteile zu bringen. So steigern Sie die Wahrscheinlichkeit erheblich, ein neues, arbeitsames Zuhause zu finden, in dem Sie für das bezahlt werden, was Sie gerne tun und gut können.
Ja, ich weiß, diese Vorgehensweise erfordert natürlich Mut, Initiative, Nachdenken und vor allem Durchhaltevermögen. Wird dieser Weg beim ersten Mal klappen? Nein, wahrscheinlich nicht. Aber wahrscheinlich beim 4., 5. oder 10. Mal, besonders dann, wenn Sie jedes Mal aus Ihrer Erfahrung lernen und Ihren Ansatz verbessern, wie Sie auf den Chef oder Personalleiter zugehen.
Nein, es ist nicht einfach. Aber wie gesagt: Freiheit ist nicht umsonst zu haben.
Und natürlich hat auch nicht jeder Spezialwissen, mit dem er bei einem Unternehmen punkten kann. Aber die meisten Menschen können sich innerhalb eines halben Jahres durch ein intensives Selbststudium in viele unternehmensrelevante Themen einarbeiten, das Internet und die Bibliotheken machen es möglich. Das ist also keine Entschuldigung.
Je mehr Nutzen Sie einem Unternehmen bringen und je besser Sie relevante Probleme lösen können, desto eher können Sie die Regeln bestimmen und sich in einem Unternehmen ein Nest schaffen, in dem Sie sich wohl fühlen.
Wenn Sie mehr von einem Unternehmen bekommen wollen, als das Unternehmen normalerweise gibt, dann müssen Sie auch mehr bieten als die anderen. Und Sie müssen das bieten, was das Unternehmen wirklich will und braucht und nicht nur das, was Sie zu geben bereit sind.
Aber, dass das alles nicht leicht ist, gebe ich zu. Um die guten Sachen im Leben zu bekommen, muss man sich aber nunmal meistens anstrengen, und bereit sein, sich zu ändern, wenn es notwendig ist. Freiheit ist eben manchmal anstrengend.
Ein Arbeitsplatz, an dem man sich zuhause und rundum wohl fühlt … den bekommen Sie am ehesten, indem
- Sie sich selbstständig machen, alleine oder mit Verbündeten.
- Oder indem Sie in einem Unternehmen zu einer einzigartigen und unverzichtbaren Quelle von Vorteilen für das Unternehmen werden.
Beide Vorgehensweisen führen natürlich nicht garantiert zum Erfolg. So etwas gibt es nicht. Aber diese Vorgehensweisen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, sich einen der guten, erfüllenden und heimeligen Arbeitsplätze zu erobern.
Ich persönlich habe das Privileg, so einen Arbeitsplatz zu haben, an dem ich mich zuhause fühle. Und ich wünsche Ihnen auch einen Arbeitsplatz, der genau richtig für Sie ist. Und noch wichtiger: Ich wünsche Ihnen die Kraft, den Einfallsreichtum und das Durchhaltevermögen, um den Weg dahin zu gehen.
Denn es kann doch nicht sein, dass für so viele Menschen 8 Stunden 5x die Woche nur unerfreuliche Lebenszeit sein soll, oder was meinen Sie?





Ich kann nur sagen, dass für mich die Entscheidung eine ungekündigte Stelle selbst zu kündigen, um in die Selbständigkeit zu gehen, das größte Geschenk in meiner beruflichen Karriere war.
Eigene Ideen selbstbestimmt in die Tat umzusetzen und weitgehend selbst zu entscheiden, wie seine Arbeit bzw. sein Arbeitsplatz gestaltet werden kann auch unter Berücksichtigung, die Arbeitszeiten flexibler zu gestalten, um auch Zeit für meine 2 Kinder zu haben.
Ich bin seit 8 Jahren zusammen mit meinem Mann selbständig (Verbündete sind sehr hilfreich!) und bin so froh, einen selbstbestimmten Arbeitsplatz zu haben.
Ich möchte jedoch auf alle Fälle hinzufügen, dass diese Selbstbestimmtheit auch seinen Preis hat:
ich habe noch nie so viele Stunden gearbeitet, über Jahre hinweg kein Wochenende gehabt,keinen Urlaub genommen, musste erst lernen, mit der finanziellen Unsicherheit umzugehen, Kranksein als Selbständiger nicht möglich ist, erkennen, das Selbständige Frauen keinen "Muttscherschutz" genießen. Ich habe bei beiden Schwangerschaften noch am Tage der Entbindung gearbeitet und bin so schnell es ging wieder eingestiegen, mit dem Baby im Tragetuch bei der Arbeit. Ich bin dennoch so froh, diesen Weg gegangen zu sein,auch wenn es zu Beginn wirklich hart war.
Hallo Tania Konnerth & Ralf Senftleben,
schon viele Jahre bin ich Eure Begleiterin und habe unendlich viele gute Ideen bekommen und ausprobiert. Einige davon habe ich umgesetzt, zum Beispiel habe ich 2004 einen guten Arbeitsplatz gekündigt, bin in die Arbeitslosigkeit gegangen und habe mich daraus mit meinem Spezialgebiet, nämlich Menschen in Arbeitssituationen zu beraten, selbstständig gemacht. Ich hatte jahrelang davon geträumt und konnte mir nie vorstellen, wie das gehen soll. Es ging und ich war und bin auch noch ein bischen glücklich. Ganz glücklich bin ich nicht mehr, weil es unsagbar schwer ist, jeden morgen neu zu kämpfen und die Unsicherheit des Einkommens auszuhalten. Aber ich möchte auch nie wieder zurück, denn es gibt kein schöneres Gefühl, als selbst und ständig für mich selbst sorgen zu können. Und wenn ich gefragt werde von Menschen, die mich kennen (wenn man lange nichts von einander gehört hat), wie es mir denn geht, dann sage ich immer wieder voller Stolz und aus tiefstem Herzen "mich gibt es immer noch, darum geht es mir gut".
Zur Zeit suche ich neue Wege und probiere aus, ich muss mich auch dem Zeitgeist anpassen, das Internet machts möglich.
Mein eigener Arbeitsplatz ist Gold wert und meine eigene Chefin zu sein ist es ebenfalls. Darun geht es mir gut, auch wenn der tägliche Überlebensstress (Rente, Krankenkasse etc.) ein bischen vom unbeschwerten Glück wegnehmen.
Das größte Honorar, was ich - neben Geld - von meinen Kunden bekomme ist, wenn Sie mit meiner Unterstützung ihr Ziel erreichen und ihre berufliche Laufbahn sichern können. Das Danke am Ende vieler Beratungen macht mich glücklich.
Vielen Dank für Eure wertvolle motivierende Begleitung.
Das ist sicherlich ein Weg zum "Zuhause"-Arbeitsplatz, sich selbständig zu machen oder eine Arbeitsstelle zu suchen, wo ich unentbehrlich werde.
Aber für diejenigen, die einen unbefriedigenden Arbeitsplatz haben, wäre doch die erste Aufgabe sich darüber konkret Gedanken zu machen, was kann ich hier an diesem Arbeitsplatz oder auch in diesem Unternehmen tun, um vielleicht aus diesem Arbeitsplatz einen "Zuhause"-Arbeitsplatz zu machen. Es gibt sicher Arbeitsstellen, wo dies nicht möglich ist. Aber z.B. Verbündete kann ich fast überall finden. Und natürlich gilt auch hier euer Satz: "Um die guten Dinge im Leben zu bekommen, muss man sich nunmal meistens anstrengen". Nicht immer muss ich einen ganz neuen Weg einschlagen, um dass zu bekommen, was mir gut tut. Oft reicht es auch, sich das, was man hat, näher anzuschauen und dann zu ändern. Vielleicht kann ich somit meinen Arbeit ändern, vielleicht im selben Unternehmen einen Platz finden, der besser zu mir passt.
Hallo alle zusammen,
ich bin in einem kleinen beratungsbüro beschäftigt - angestellt ist außer mir nur ein weiterer kollege - und so sitzen mein chef, mein kollege und ich jeden (arbeits)tag in unserem 150m² büro und arbeiten vor uns hin. einerseits ist der rahmen sehr familiär, andererseits ist es trotzdem nach wie vor arbeit. es widerstrebt mir irgendwie, persönliche dinge von zu hause (fotos, etc.) an meinen arbeitsplatz mit zu nehmen, oder vielleicht sogar hausschuhe anzuziehen - wobei das eigentlich für mich das ideale arbeitsumfeld wäre, eine kleine küche, wo man mittags gemeinsam kochen kann, ein sofa zum nachdenken und kreativ sein mit fachbibliothek zum nachschlagen... aber das ist dann irgendwie nicht mehr professionell, hat man das gefühl, oder? in der arbeit soll man schließlich produktiv sein und sich nicht nur wohlfühlen...
ich bin auch schon am überlegen, mich selbstständig zu machen, um das alles realisieren zu können, hab aber irgendwie noch etwas zu viel angst davor (bin auch erst 25 und hab noch nicht wirklich viel startkapital...), in einigen jahren möchte ich das aber auf jeden fall in angriff nehmen... bis dahin werde ich versuchen, meinen jetzigen arbeitsplatz so heimelig wie möglich zu gestalten :)
herzliche grüße aus wien
bianca
"können Sie sich auch gemeinsam mit anderen Menschen (=Verbündeten) selbstständig machen. Wählen Sie hier Menschen, denen die gleichen Dinge wichtig sind wie Ihnen, und mit denen Sie sich gut ergänzen."
- Und wo bitte finde ich diese Leute???
Klar, wenn ich keine Freunde/Bekannte habe, mit denen ich soetwas realisieren kann, könnte ich Annoncen aufgeben um nach entsprechenden Menschen zu suchen...
Aber wie kann ich einigermaßen sicher sein, daß es mit denen auch klappt?
Ich bin mit "fremden" Leuten schon mal reingefallen... seitdem bin ich extrem mistrauisch bei sowas.
"Suchen Sie ein kleines oder mittleres Unternehmen, bei dem Ihnen das Betriebsklima gefällt. Finden Sie dann alles heraus, was Sie über das Unternehmen herausfinden können."
- Wie soll das in der Praxis funktionieren?
Ich kann ja schlecht in ein Unternehmen spazieren und mich da einfach mal nen Tag lang umschauen, oder?
Soll ich die Mitarbeiter nach Feierabend ansprechen und sie "ausfragen" wie es ihnen dort gefällt? Welcher unbekannte Mensch würde das machen?
Dodo, was man für diese Vorgehensweise braucht, ist ein gewisses Maß an Einfallsreichtum.
Diese Probleme (geeignete Menschen finden und herausfinden, welche Unternehmen zu mir passen) sind mit Sicherheit nicht vollkommen "easy".
Aber sie sind durch systematisches Nachdenken, gemeinsames Brainstormen mit Freunden und durch Interviewen von Experten durchaus lösbar.
Wie schon gesagt, es ist nicht einfach, man muss etwas dafür tun. Aber dafür bekommt man ja auch eine Menge zurück.