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Positives Denken heißt positive Ansätze zu suchen

Von Tania Konnerth4 Kommentare

In einem Video des bekannten amerikanischen Erfolgstrainers Anthony Robbins habe ich neulich einen sehr interessanten Gedanken gehört: Es ging um das Thema Fokus und die Frage, worauf wir unsere Aufmerksamkeit lenken. Viele Menschen sehen vor allem das, was schief läuft und das, was sie nicht ändern können, während es aber viel sinnvoller ist, sich auf das zu fokussieren, was gut läuft und was wir verändern können. In diesem Zusammenhang sagte er sinngemäß so etwas: Wenn wir uns auf das konzentrieren, was wir beeinflussen können, ist das kein "positives Denken", sondern das ist schlicht und einfach intelligent.

Mir gefällt diese Sichtweise im Vergleich zu dem, was oft unter "positivem Denken" läuft, sehr gut. Denn es geht eben genau nicht darum, sich etwas schön zu reden (was ja diesem Ansatz immer wieder vorgeworfen wird), sondern es geht darum, zu erkennen, wo für einen ganz persönlich positive Ansätze zu finden sind.

Lassen Sie diesen Gedanken einmal zu, wenn Sie gerade wieder das Gefühl haben, das eigentlich alles Mist ist in Ihrem Leben. Versuchen Sie weniger, etwas "Schönes" an Ihrer Situation zu finden, als viel mehr die Punkte, in denen Sie aktiv werden können. Punkte, an denen Sie ansetzen können, etwas zu verändern. Punkte, die Sie selbst positiv beeinflussen können.

Dieser Gedankengang ist aus meiner Sicht ein sehr mächtiger. Denn er bewirkt unmittelbar ein Wechseln von der passiven Opfersicht hin zu einer aktiven Position.

Keine Frage, es gibt Phasen und Situationen, die frustrierend, beängstigend, ja, manchmal auch wirklich furchtbar sind. Und ja, manchmal bleibt einem erstmal nicht viel, als diese Gefühle zuzulassen. Nur irgendwann muss dann etwas passieren. Denn die wenigsten Situationen ändern sich einfach so von allein – zumindest tun sie das meist nicht nach unseren Vorstellungen. Eines können wir immer verändern: unsere Sicht der Dinge.

Allein den Schritt zu tun, sich ein klitzekleines Element in der momentanen Situation zu suchen, an dem man ansetzen kann, um etwas zu verändern, einen Mini-Schritt an Aktion zu finden und den tatsächlich umzusetzen – das kann ganz wesentlich und fundamental etwas verändern. In Ihnen und in der Folge an der Situation.

  1. Marion Hahn schreibt am 24. Oktober 2010 um 06:55

    Wunderbar!! Wenn ich diese Zeilen lese, fallen mir sofort einige Leute ein, denen ich diesen Text gerne weiterleiten würde ... ABER: Ratschläge sind auch Schläge -leider!- insbesondere die ungebetenen. Und so bleibt zu hoffen, dass Menschen mit dem erwähnt destruktiven Fokus mal ein Schlüsselerlebnis haben, oder angeregt werden durch Kolumnen dieser Art. Schönen Sonntag wünscht Marion aus Mainz

  2. Dr. Irena Wilhelm schreibt am 24. Oktober 2010 um 13:43

    Danke für die vielen Inspirationen.
    Ich bin ein gnadenlos positiv denkender Mensch.
    Selbst wenn morgen die Welt unter gehen sollte, dann würde ich noch heute einen Baum pflanzen.
    Was mich doch allerdings ermüdet, ist: Auf Dauer den Motivations-Clown für die motorischen Pessimisten zu spielen.
    Ich trenne oder distanziere mich leicht von diesen Menschen.
    Die Frage stellt sich für mich, ob es wirklich erlernbar ist,positiv zu denken, wenn jemand zu erst die Gefahren und das Negative sieht oder ist es eine Grundeinstellung eines Menschen.

    Schönes Wochenende allen, die es lesen.
    Irena Wilhelm

  3. Anne schreibt am 24. Oktober 2010 um 20:18

    genau heute war dies mein Thema; mit meiner Mutter, der ich am Telefon mein Leid geklagt habe (ich bin so allein und frustriert, Sonntage sind am Schlimmsten, alles ist so schwierig, ich kann aus dieser Stimmung nicht raus etc.), sind wir zu genau dem Schluss gekommen: wenn man seine Sichtweise der Dinge ändert, ändert sich sehr viel. Komisch, dass ich das fast wörtlich hier wieder lese!

  4. Reni schreibt am 25. Oktober 2010 um 13:31

    “Smile or Die. Wie die Ideologie des positiven Denkens die Welt verdummt“. Die Autorin Barbara Ehrenreich nimmt auf 250 Seiten diese Haltung Stück für Stück auseinander, erforscht ihren Ursprung in der Geschichte und erläutert, wie kommerzialisiert die Ideologie ist und wie sich diese "Wohlfühlindustrie" nicht nur in USA, sondern auch bei uns immer weiter ausbreitet. Wie wahr! Positiv Denken und Realität und Hirn ausschalten funktioniert nicht. Nur positiv Denken, ohne nach-zu-denken, ohne zu hinter-fragen, ohne etwas tat-kräftig zu ändern, macht nicht zufriedener.