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Stress beginnt im Kopf

Von Tania Konnerth11 Kommentare

Heutzutage scheint einfach jede/r Stress zu haben:

Wir reden über den Stress als wäre er wie das Wetter: als käme er einfach so über uns, ohne dass wir daran etwas ändern können.

Aber im Gegenteil zum Wetter entsteht Stress immer in unserem Kopf und nirgendwo anders.

Überlegen Sie einmal: Stress ist nichts, was vom Himmel fällt, sondern Stress ist so gut wie immer selbst gemacht. Stress entsteht aus der Folge einer Reihe von Entscheidungen, die wir selbst treffen, wie z.B. einen bestimmten Job oder eine Projektleiterstelle oder die Organisation des Vereinsfestes zu übernehmen oder was auch immer es bei Ihnen ist.

Aber nun fragen Sie vielleicht wie es dazu kommt, dass wir selbst dann so oft unter Stress geraten, wenn wir bereits ganz viel über Zeitmanagementmethoden, Prioritätenlisten und Projektplanung und dergleichen wissen? Also doch eine Attacke aus dem Hinterhalt gegen die wir selbst mit noch so ausgefeilten Methoden machtlos sind?

Nein, es ist vielmehr sehr oft simple Unachtsamkeit: Zunächst nehmen Sie vielleicht nur eine Aufgabe an. Dann kommt noch eine dazu. Dann fragt noch Ihre Freundin, ob Sie am Wochenende auf die Kinder aufpassen können und Ihre Eltern kündigen sich an. Dann fällt Ihnen ein, dass Sie noch zum Friseur wollten – und schwuppdiwupp haben Sie einen ganzen Berg an Aufgaben und Verpflichtungen zu bewältigen und geraten in Stress.

Der Grund? Sie haben nicht genug Obacht gegeben.

Entscheidend ist, genau das nicht zuzulassen. Die äußeren Bedingungen bleiben immer dieselben: Sie haben jeden Tag nur  24 Stunden zur Verfügung und das an sieben Tagen in der Woche. Mehr bekommen Sie auch dann nicht, wenn Sie sich Arbeit für fünf aufhalsen.

Wenn Sie keinen Stress mehr wollen, gilt es sicherzustellen, dass Sie nicht vergessen, dass Ihre Zeit und Kraft begrenzte Ressourcen sind. Lernen Sie also, vor jedem "ja" – und sei es  ein noch so kleines – erst einmal gründlich darüber nachzudenken, ob dieses "ja" bereits der Tropfen ist, der das Stressfass zum Überlaufen bringt oder nicht. Treffen Sie erst dann Ihre Entscheidung.

Setzen Sie immer da an, wo der Stress beginnt: in Ihrem Kopf und zwar beim Fällen von Entscheidungen. Nur so bekommen Sie den Stress in den Griff.

…Ach ja – und warten Sie damit bitte nicht auf ruhigere Zeiten – denn die kommen leider nicht von allein!

  1. Brigitte schreibt am 1. Mai 2007 um 13:12

    Das sehe ich genauso.
    Doch zudem meine ich, dass viel Arbeit und Stress nicht zwangsläufig gleichbedeutend sind.
    Die innere Haltung spielt auch eine große Rolle.
    Was der eine als Druck empfindet, nimmt der andere gar nicht als solchen wahr.
    Es gibt Menschen in verantwortungsvollen Positionen, die wirklich viel arbeiten und trotzdem stets freundlich und gelassen sind. Es gibt auch andere, die scheinbar wenig zu tun haben und sich stets gestresst fühlen.
    Meine persönliche Entstressung fand dadurch statt, dass ich - leider erst durch schmerzliche Erfahrungen - eine innere Wertehierarchie entwickelt habe, in der die Stellenwerte sich neu sortiert haben. Dadurch habe ich eigentlich immer Zeit, obwohl ich mehr arbeite.
    Doch am wichtigsten ist mir, dass ich mich bei dem, was ich mache wohl fühle. Denn es geht ja nicht darum möglichst viel zu erledigen, sondern möglichst sinnvoll zu leben.

  2. Hubert schreibt am 2. Mai 2007 um 07:30

    Stress entsteht im Kopf und ist weitgehend selbst gemacht. Sicherlich, so ist das schon.
    Es hängt in der Tat damit zusammen, das wir dazu neigen, die Erwartungshaltungen anderer zu erfüllen.
    Mal abgesehen vom Berufsleben, in der für die meisten Berufstätigen sich diese Frage gar nicht stellt, neigen wir in der Freizeit dazu organisiert und normiert Rollenmuster auszufüllen die oft nicht zu uns, unseren Interessen und unserem Zeitbudget passen.
    Wir sollten mehr Mut haben über das was wir tun und was wir nicht tun selbst zu bestimmen. Das hat natürlich seinen Preis, aber alles andere ist dann vielleicht auch ein "billiges Leben"

  3. Ronald P. schreibt am 6. Mai 2007 um 16:57

    Ja, da ist ganz viel Wahres dran. Stress erlebe ich in vielerlei Lebensbereichen. Ich bin dabei, Grenzen zu erkennen und aktiv zu setzen. Ein Beispiel aus dem beruflichen Alltag: rechtzeitig erkennen, was wirklich wichtig ist. Ich habe die letzten Monate schmerzlich, aber letzlich erfolgreich, erfahren, dass Konflikte richtig und umfassend erkannt werden müssen und die "Kunst" darin besteht, mit viel Lebenserfahrung zum richtigen Zeitpunkt das richtige zu tun. Hört sich trivial an, ist aber für mich eine große Erfahrung gewesen. Gelassenheit gehört ebenso dazu, wie Achtung der Mitmenschen/Kollegen/Freunde. Und ganz wichtig ist das "bei sich sein, die Mitte fühlen", dann kann nichts wirklich schlimmes passieren. Liebe Grüße und stred´ssfreie Erfahrungen wünsche ich Allen.

  4. Rita schreibt am 6. Mai 2007 um 21:46

    Liebe Tanja,

    vielen Dank für diesen sehr guten Artikel.
    Obwohl ich Job, Einkauf, Kind(+er) die abgeliefert
    wurden, super gemanagt habe - fühle ich mich gestresst
    und bin regelrecht genervt. Auch gab es schon vorab einige
    andere Auslöser und ich bin dir sehr dankbar über
    das Zitat:

    Zeit und Kraft sind begrenzte Ressourcen.

    Danke und macht weiter so.

  5. Christine schreibt am 7. Mai 2007 um 08:22

    Leider gibt es auch Stress, den ich nicht beeinflussen kann, z. B. regelmäßig 50-60 Stunden in der Woche arbeiten zu müssen, weil das der Job eben so verlangt (und ohne Möglichkeit des "Abfeierns"...).
    Und wenn man dann noch alleinerziehend mit 2 Kindern ist, bleibt eigentlich nicht mehr viel stressfreie Zeit übrig.
    Hat da jemand "Überlebenstipps für mich?".

  6. Renald Hennig schreibt am 7. Mai 2007 um 09:05

    Stress entsteht nicht durch Arbeit, sondern durch die Wahrnehmung unerledigter Arbeit. Mir haben zwei (in der Theorie) sehr einfache Strategien geholfen:
    a) Verbindlich und höflich, klar und bestimmt NEIN sagen, und zwar OHNE irgendwelche Erklärungen
    b) Wochen- statt Tagesplanung, und nie mehr als 50% - 60% der Zeit verplanen.
    Und da man/frau schlecht NEIN zu bereits vorhandenen Kindern sagen kann: Sich selbst Oasen schaffen (z.B. wenn die Kinder schlafen oder jmd. einspringt) - auch hier wieder OHNE zu erklären warum und wieso.
    Liebe Grüße

    Renald

  7. Karin D. schreibt am 7. Mai 2007 um 09:56

    an Christine:
    "Überlebenstsipps"?

    Es klingt vielleicht arrogant in deinen Ohren, aber wenn du dir einmal klar machst, dass wir immer nur das wahrnehmen (=für wahr halten), das glauben, was wir glauben wollen, dann glaubst du doch offenbar: die Menge an Arbeit ist identisch mit Stress und die Zeit mit den Kindern ist es auch. So jedenfalls lesen sich deine Zeilen für mich.

    Wenn du also an die Arbeit gehst, dann mit dem "Vorurteil": jetzt habe ich wieder Stress. Und dann hast du auch Stress. Wenn du dann die Rest-Zeit (soll heissen nicht berufstätig sein) deinen Kindern "opfern" musst, statt genau diese Zeit als eine Zeit der Freude zu empfinden, machst du dir auch wieder Stress. Nicht die Kinder sind stressig, sondern deine Erwartungshaltung ist schon so: jetzt auch noch das! Ich will mich doch erholen!

    Erhole dich doch MIT deinen Kindern!

    Mein Tipp: freue dich auf deine Arbeit und sei froh, dass du sie hast. Es gibt Millionen, die keine haben, bei uns und weltweit.

    Sei froh, dass du Kinder hast. Tausende wünschen sich welche und bekommen keine.

    Schau deinen Kindern zu, wie sie ihr Leben erobern und genieße diese Zeit - sie kommt nie wieder und ist deshalb einmalig. Einmalig interessant, spannend und aufregend.

    Lerne von deinen Kindern, wie leben geht. Versuche, sie nicht daran zu hindern, indem du sie "erziehst". Kinder wissen am besten, was ihnen gut tut. Wir Erwachsenen haben oft diese Fähigkeit verloren, weil wir "erzogen" wurden.....

    Viel Arbeit haben und wenig so genannte "Freizeit" ist nicht an sich schon Stress. Es ist doch immer die Frage, was wir mit unserer Zeit anfangen. Manche Leute wissen nicht, wie sie die Zeit "totschlagen" sollen.

    Mir ging es jedenfalls dreckig, als ich ziemlich plötzlich meine Berustätigkeit beendete und nichts "Wichtiges" mehr zu tun hatte. Diese Leere hat sogar Depressionen ausgelöst und ich habe begreifen müssen, dass ich es bin, die darüber entscheidet, was ich als leer empfinde, was als sinnvoll oder wichtig. Ich hatte Stress ohne Ende, das hat also mit viel Arbeit oder viel Verantwortung nichts zu tun. Es ist etwas, was wir in uns selbst säen und hochzüchten.

    Vielleicht hilft dir das etwas!

  8. Marc schreibt am 8. Mai 2007 um 19:55

    Karin,

    danke für diesen Kommentar.
    Gerade die folgenden Zeilen haben mich aufmerksam gemacht:

    "Lerne von deinen Kindern, wie leben geht. Versuche, sie nicht daran zu hindern, indem du sie "erziehst". Kinder wissen am besten, was ihnen gut tut. Wir Erwachsenen haben oft diese Fähigkeit verloren, weil wir "erzogen" wurden....."

    Ich denke so ist es. Das Wort "Erziehung" hat für mich auch etwas mit Gewalt zu tun, und sei sie noch so subtil. Ich selbst kann mich davon (offenbar) nicht frei machen ("Das hab' ich Dir doch schon drei mal gesagt" oder so), versuche es aber. "Erst Wurzel, dann Flügel" halte ich für das lebensnähere Konzept.

    Mein Grund hier zu kommentieren ist die folgende Erfahrung mit meinem Sohn (den ich leider nur alle zwei Wochen "habe"): daß es niemals gleich ist, daß wir viele Dinge - unter einem bestimmten Blickwinkel betrachtet - zum letzten Mal machen, denn er ist nie derselbe, er hat sich immer irgendwie ein bisschen weiterentwickelt, nie klettert er den Berg zur Rutsche gleich hoch...

  9. Ursula schreibt am 15. Mai 2007 um 05:37

    Hallo,

    Viele verwenden das Wort "Stress" ohne darüber nachzudenken.

    'Stress beginnt im Kopf' - und ist hausgemacht!

    Stress ist die "Beurteilung" einer Situation - nicht die Situation selbst. Dies ist eine Variante das Wort zu verstehen.

    Eine weitere, sich alles mögliche aufzuhalsen, ohne nachzudenken! Und schließlich von Dritten Personen, die bereits den Stress in vollen Zügen leben - deren zu übernehmen.

    Und was kann man nun tun?

    Ganz einfach:
    » inne halten
    » die Stressoren entdecken
    » die Stressoren kappen!

    Alles Liebe

  10. Marco schreibt am 15. September 2007 um 06:32

    Hallo,

    Ihr wollt viel Geld in eurem Job verdienen, immer gut dastehn vor euren Mitarbeitern und Freunden und vor allem vor eurem Chef weil er euch ja vielleicht befördern könnte.

    Was ich mich frage ist, warum wollt Ihr dann noch Kinder?

    Meiner Meinung nach sollten solche Leute keine Kinder in die Welt setzen.
    Zum Kinder kriegen gehört halt nicht nur der Sex, nein, auch eine gute Erziehung gehört dazu. "Wenn ich schon höre das Eltern jammern, meine Kinder stressen mich so" Da geht mir das Messer in der Hose auf.

    Mensch überlegts euch halt vorher ob Ihr Kinder wollt oder nicht, "Wer mir echt leid tut sind die Kinder"

    Machts gut,

    LG Marco

  11. Tanja schreibt am 8. Februar 2009 um 21:13

    Stress bedeutet ein Ungleichgewicht von wahrgenommener Belastung und wahrgenommener Ressource. Die Wahrnehmung dessen, was ich tun kann, um die Belastung zu verringern oder aus der Welt zu räumen ist maßgeblich für die Wahrnehmung der Belastungsstärke. Je weniger Möglichkeiten ich im Leben sehe, um mich besser zu fühlen und den belastenden Umständen zu begegnen, desto schwerwiegender ist der Stress.

    Es ist besonders wichtig, uns in belastenden Lebenssituationen zu vergegenwärtigen, auf welche Hilfen und Ressourcen wir zurückgreifen können. Was können wir für unseren Körper und unsere Seele tun in Trennungs- und Trauerzeiten? Was tun bei Kündigung oder Mobbing?
    Um den Organismus nicht unnötig lange den stressbegleitenden Reaktionen auszusetzen, ist es sinnvoll, uns in Achtsamkeit uns selbst gegenüber zu schulen. Zu wissen, wo meine Grenzen sind und diese auch zu kommunizieren, ist ein ganz entscheidendes Glied in der Kette des stressreduzierenden Denkens und Verhaltens. Selbstfürsorge ist wichtig! Denn niemand kann für uns sagen, wann Schluss ist und wann wir mit unseren Kräften am Ende sind - nur wir selbst. Wir müssen selbstverantwortlich handeln.

    Achtsamkeitsübungen:

    http://www.blumenwiesen.org/achtsamkeit-stresstoleranz.html

    Bücher zu Achtsamkeit:

    http://www.amazon.de/s/ref=nb_ss_w?__mk_de_DE=%C5M%C5Z%D5%D1&url=search-alias%3Daps&field-keywords=achtsamkeit