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Nur nicht zu verbissen werden

Von Tania Konnerth11 Kommentare

Beim Nachdenken über das Thema „Zielorientierung“ treffe ich bei mir und anderen immer wieder auf folgendes Phänomen: die Verbissenheit.

Es gibt Menschen, die sich ein Ziel setzen und dann kaum noch nach rechts und links schauen, sondern nur noch auf das Erreichen genau dieses Ziels ausgerichtet sind. Nicht selten sind sie bereit, einen (zu?) hohen Preis zu zahlen und so manches Mal führt das unbedingte Wollen auch zur Wahl unschöner Methoden, um das Ziel zu erreichen. Diese Menschen gestalten ihr Leben nicht nur, sie versuchen, ihm ihren Willen aufzuzwingen. 

Und tatsächlich ist es ein schmaler und nicht immer leicht zu treffender Grad

Ein Ziel zu erreichen, erfordert in der Regel eine gute Portion Durchhaltevermögen. Frustrationstoleranz ist ebenfalls hilfreich. Verbissenheit hingegen erweist sich immer wieder als kontraproduktiv, denn wenn wir etwas zu sehr wollen, scheinen wir es damit häufig gleichsam von uns wegzuschieben.

Warum das wohl so ist? Weil auf einer höheren Ebene die Dinge mit einer gewissen Leichtigkeit passieren bzw. zu uns kommen wollen? Weil sich das Leben nicht vorschreiben lässt, was es uns schenkt und was nicht?

Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Ich habe nur immer wieder festgestellt, dass Verbissenheit eine schlechte Basis für das Erreichen von Zielen ist. Sie vielleicht auch?

Wie gehen Sie persönlich damit um? Wie verhindern Sie, zu verbissen zu werden, ohne aber den „Drive“ für Ihr Ziel zu verlieren?

  1. Andrea Jülichs schreibt am 13. Mai 2008 um 08:29

    Hallo!
    Ich glaube ein Grund für genanntes Phänomen ist, dass Menschen häufig ihre Ziele nicht im Einklang mit den eigenen Werten umsetzen bzw. sich gar nicht bewußt für Ziele entscheiden. Man macht nun mal Karriere als Beispiel.

    Wenn ich als Single 80 Std. in der Woche arbeite und mich dabei asozial verhalte ist das eine Sache - eine andere ist es, wenn ich das gleiche als Familienvater/mutter tue. Ich sollte mir bewußt klar werden, welche Konsequenzen meine Ziele für mich und meine Familie/Umwelt haben. Dann kann ich eine Entscheidung treffen und Ziele anpassen, also z.B. den Partner mit einbeziehen in ein zeitintensives Hobby oder die Karriereplanung etc.

    Gruß Andrea Jülichs

  2. Ursula schreibt am 13. Mai 2008 um 10:17

    Hallo

    verbissen sein bedeutet auch, dass man sich an etwas "fest-beißt"!

    Da wäre doch ein interessantes Rezept das "Los-Lassen", eines meiner kleinen Anti-Stress-Rezepte, um auch Gelassenheit zu üben ;-)

    Gelassenheit schließt aus meiner Sicht "Verbissenheit" und andere Frustrationsmittel aus, jedoch Durchhaltevermögen ein, das wird immer größer, jedenfalls bei mir, je gelassener ich werde, bleibt schließlich die Energie fürs Durchhalten!

    Je weniger verbissen und mehr gelassen ich an Ziele heranging, umso schneller und leichter kamen mir diese entgegen. Ein interessantes Phänomen? oder vielleicht doch nur die Zeit nicht mit Stress verplempert!

    Die hat ja wieder leicht reden, werdet ihr vielleicht denken? Nun ja, das ist halt die Erfahrung, die ich im Laufe meines Leben machen durfte. Ist eigentlich gar nicht so schwer!

    Den "Drive" habe ich nie verloren, warum auch? Ist doch pures Stress-Denken. Das Leben hat eh das Richtige im richtigen Moment bereit - was hab ich da zu verlieren ;-)

    Einen schönen Tag wünsche ich
    Ursula

  3. Simone schreibt am 15. Mai 2008 um 11:48

    Hallo,

    ich glaube um Verbissenheit zu verhindern wäre es gut sich zum Einen das Ziel klar vor Augen zu führen und sich vorzustellen wie es mir selbst geht wenn ich dieses Ziel erreicht habe. So spüre ich auch sofort ob dieses Ziel für mich überhaupt das "Richtige" ist.

    Zum Anderen denke ich wäre es wichtig sich den Weg dorthin einmal sichtbar aufzuschreiben, so kann ich viel bewußter arbeiten und meine Strategien auch für mich bewerten.

    Ich glaube je klaren und konkreter ich ein Ziel vor Augen habe, desto mehr bin ich auch durch mich selbst motiviert es zu erreichen und habe dann einen guten "Drive".

    Für mich ist Verbissenheit ein Verhalten das entsteht wenn ich ein "fremdbestimmtes" Ziel erreichen will. Zum Beispiel wenn ich mich von falschen Vorbildern oder einem "Das solltest du tun!" leiten lasse.

    Mit liebem Gruß

    Simone

  4. Vero schreibt am 18. Mai 2008 um 15:06

    Ich bin völlig einverstanden! Wer verbissen ist, kommt zwar oft sehr weit, und mit Sicherheit wesentlich weiter als z.B. faule Menschen, aber dennoch wird der Verbissene sein Ziel nie ganz erreichen. Das sieht man gerade sehr schön an der Casting-Show "Germany's Next Topmodel". Es gibt dort eine äußerst verbissene Teilnehmerin - Caro - und sie ist jetzt in den Top 5 angelangt, d.h. sie ist sehr weit gekommen, aber ich lege meine Hand dafür ins Feuer, dass sie die Show nicht gewinnen wird!
    Ich denke, dass dies auch etwas mit Talent zu tun hat. Wer mit den Grundmerkmalen ausgestattet ist, sein Ziel zu erreichen (z.B. ein angehender Dolmetscher, der sehr gute Sprachkenntnisse hat und seinen Abschluss mit 1 machen möchte), der erreicht sein Ziel auch ohne verbissen zu sein. Während der Dolmetscher, der nur mittelmäßige Fremdsprachenkenntnisse hat, sich aber irre reinkniet, zwar besser abschneiden wird als seine Sprachkenntnisse es ihm eigentlich bescheinigen, aber ein 1er-Kandidat wird er wahrscheinlich dennoch nicht.
    Ich persönlich glaube, dass Verbissenheit eine Eigenschaft ist, die man nur entwickelt, wenn man auf einem Gebiet, auf dem man nicht besonders gut ist, exzellent sein will. In diesem Fall hilft nur eins: die Einsicht, dass dieses Ziel nicht den eigenen Fähigkeiten entspricht und sich Ziele stecken, die man auch tatsächlich erreichen kann. Aber Selbstüberschätzung ist leider eine schlimme Volkskrankheit...

  5. Balancer schreibt am 18. Mai 2008 um 17:00

    Wer kreiert den Begriff "Verbissenheit" und wann wir festgestellt, daß der Preis zu hoch war ( wessen Preis ).
    Wem steht es zu, zu beurteilen ob und wie jemand sein Leben gestaltet und wo seine Grenze zu setzen ist.
    Diese Überlegung und Wertung führt doch weg von mir .
    In meiner Wahrnehmung ist es oftmals ein wertender Begriff anderer, negativ behaftet, wenn etwas in die Hose gegangen ist oder wenn es nicht ins kollektive Glaubenssystem paßt.
    Sind es nicht gerade die umgangssprachlich verbissenen Menschen, die uns weitergebracht haben. Sind es nicht oftmals die " verbissenen Menschen " mit denen wir uns schmücken, wenn es uns in unseren Kram paßt. Sind wir nicht dadurch " normal " , daß es die "Verbissenen" und die "Luschen" gibt.
    Kommentar Vero:»» Ich persönlich glaube, dass Verbissenheit eine Eigenschaft ist, die man nur entwickelt, wenn man auf einem Gebiet, auf dem man nicht besonders gut ist, exzellent sein will. In diesem Fall hilft nur eins: die Einsicht, dass dieses Ziel nicht den eigenen Fähigkeiten entspricht und sich Ziele stecken, die man auch tatsächlich erreichen kann. ««
    Ich persönlich glaube, daß wir froh sein können, daß es solche Menschen gibt. Wieviele Versuche hatte Edison bis uns ein Licht aufging. Wieviele Versuche hatten die Gebrüder Wright bis das komische Fluggerät nicht nach ein paar Metern wieder vom Himmel fiel.
    Was war mit unseren Sportlern Steffi Graf, Boris Becker, Oliver Kahn, Michael Schumacher, Lothar Matthäus, etc. etc., viele von denen waren nicht mit den besten Voraussetzungen gesegnet - was sie aber einzigartig und hoch erfolgreich machte, war ihre Verbissenheit und teilweise Rücksichtslosigkeit.
    WIR SOLLTEN NICHT ÜBER ANDERE RICHTEN.
    Und Menschen, die von ihrem Ziel überzeugt sind - es dann aber , aus welchen Gründen auch immer, nicht erreicht haben - manchmal mit dem " Makel " der Selbstüberschätzung zu belegen, bzw. diesen Begriff dann global als Volkskrankheit zu bezeichnen - halte ich nicht für besonders nett. ( oder als Wortspielerei " ...schätzung - Schatz - als Neid der Besitzlosen einfach in den Raum zu stellen )
    Ich persönlich hoffe, daß ich z.B. in einer Notsituation - an einen " verbissenen " Helfer gerate, der sich auch gern selbst überschätzen kann. Vielleicht hilfts - aber wie schon gesagt - Danach wissen wir es ja, ob er zielgereichtet oder " Volkskrank verbissen " war.
    Ob er ein Held oder Versager war.

  6. Marion schreibt am 18. Mai 2008 um 17:34

    Wenn ich mich mit Verbissenheit in etwas "hinein knie", fehlt mir gleichsam die Lockerheit und wenn mir diese fehlt, kann ich nur gerade aus schauen und übersehe leicht, was sich links und rechts von mir tut.
    Für mich hat Verbissenheit etwas mit Angst und mangelndem Selbstvertrauen zu tun.
    Wenn ich mich in etwas verbeiße, habe ich Angst los zu lassen, weil ich gebissen werden könnte.
    Erst, wenn ich von meiner Verbissenheit loslasse, kann ich Energien freisetzen und Ausdauer für mein Ziel behalten, eben weil ich an mich und meine Idee glaube.
    So wird meine Verbissenheit zu Eifer und ich gehe mit diesem Eifer durch meine Angst, weil ich mir selbst vertraue. Mit diesem inneren Vertrauen gehe ich nach außen und mein Ziel kommt mir entgegen.

    das war`n mal grad meine spontanen Gedanken...

    sonnige Grüße, Marion

  7. Markus schreibt am 18. Mai 2008 um 18:02

    Nur im Austausch mit anderen Menschen, ist es auch möglich zu erkennen, wann man ein Ziel- sofern es einem überhaupt klar ist; zu verbissen sieht.

  8. Angelika schreibt am 18. Mai 2008 um 20:06

    Ich möchte mein Ziel grundsätzlich nicht aus den Augen verlieren.

    Verbissenheit kenne ich nicht so sehr in Bezug auf die Zielerreichung als eher in der Wegführung. Gibt es nur einen Weg zu meinem Ziel? Wann kann oder muss ich umdisponieren?
    Mein GPS-System gab mir für mein letztes Reiseziel 6 mögliche Wegführungen an. So viele Möglichkeiten, so darf ich mich entscheiden, darf wählen. Für meine Entscheidungen muss ich wieder Kriterien finden usw. ganz schön anstrengend ;-)

    Abwarten können und gleichzeitig den richtigen Zeitpunkt treffen zu handeln, dann kommt mir das Ziel wie von selbst entgegen ;-) Das ist mein drive, das Ziel zu erreichen.

    Interessant fand ich auch einen ein Ausspruch von Nietsche:
    "Viele sind hartnäckig in Bezug auf den eingeschlagenen Weg, wenige in Bezug auf das Ziel."

    Liebe Grüße,
    Angelika

  9. Wälte Isabella schreibt am 19. Mai 2008 um 07:34

    Lösungsorientiert oder Problemorientiert

    Ich habe es schon einmal geschrieben, doch es scheint nicht angekommen zu sein.

    Wenn ich jemandem eine Lösung anbiete ist es eine Lösung aus meiner Landkarte, also ich würde mit meiner Struktur, mit meinen Lebenserfahrungen, mit meinen Werten und Bedürfnissen so handeln. Und nur ich!!!!!!!. Wie wäre es gewesen, wenn Sie ihr Fragen gestellt hätten. Für Sie als Coach sollte dies doch kein Problem sein. Denn jeder muss für sich den Platz bekommen, dass er sich in seiner eigenen Struktur reflektieren kann und nur dann wird die Lösung erschaffen, die für diese Person passt und die er dann auch umsetzen wird.
    Ihm meine Landkarte aufs Auge zudrücken kann nur Widerstand hervorrufen.
    Beobachten Sie sich doch mal selber.

    Isabella Wälte, Unterengstringen CH

  10. Christian schreibt am 20. Mai 2008 um 11:56

    Begeisterung ist der Motor,
    Verbissenheit die Bremse

  11. Sandra schreibt am 21. Mai 2008 um 10:01

    Die Frage ist wie definiert man persönlich "verbissen" an seinen Traum dran zu bleiben. Wenn man ihn beharrlich und hartnäckig verfolgt, wird sich der Erfolg sicherlich zeigen. Wir haben leider Gottes nicht immer die Geduld, um die Zeit abzuwarten, die es braucht.
    Ich kenne einige, die mir spontan keine Träume nennen können.
    Da halte ich doch lieber verbissen an meinen Traum fest und versuche Teiletappen zu erreichen und riskiere auch einen Rückschlag zu erleiden.
    Man darf natürlich nicht sein Ziel auf Kosten anderer erreichen, starr und stur den einen Weg mittig verfolgen.
    Es könnte nämlich sein, dass man den Seitenweg übersieht, der tausend bessere Chanchen zum Erreichen des Ziels bereithält.
    Ich bin froh, dass ich die Ausdauer habe verbissen an meinen Ziel zu arbeiten. Ich glaube nicht, dass es ein Zeichen von Unvermögen auf irgendein Gebiet ist.
    Ich arbeite an meinen Ziel irgendwann ein Haus zu besitzen verbissen weiter mit meinen unzählig kleinen Zwischenzielen.