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Was tun, wenn wir etwas tun müssen, aber nicht wollen?

Von Ralf Senftleben19 Kommentare

Heute habe ich ein spannendes, kleines Experiment für Sie. Schreiben Sie doch mal drei Dinge auf,

Zum Beispiel:

Müssen, müssen, müssen… das klingt ziemlich nach Zwang, Widerwillen, Pflicht und eben nach etwas, das wir nicht gerne tun. Aber was wäre, wenn Sie die Sätze umdrehen und die Begründung, warum Sie etwas müssen, mit einem "Ich will…" an den Anfang stellen würden?

Zu abstrakt? Dann hier ein wieder Beispiel:

Sie erkennen das Prinzip, oder?

Und nun formulieren Sie jetzt Ihre drei "Ich muss"-Sätze nach diesem Muster um.

Aus "Ich muss noch Blumen für meine Frau besorgen, um ihr eine Freude zum Hochzeitstag zu machen" wird "Ich will meiner Frau eine Freude zum Hochzeitstag machen und will deswegen noch Blumen besorgen".

Und wie fühlen sich die neuen Formulierungen für Sie an? Spüren Sie den Unterschied zwischen dem Zwang des Müssens und der Freiheit des Wollens?

Und Sie haben die Wahl, ob Sie etwas als Zwang oder als Ihre freie Wahl betrachten.

  1. Hubert schreibt am 28. November 2008 um 10:38

    na ja, ich denke eher aus Raider wird jetzt Twix, sonst ändert sich nix.

    Die Verpackung (Sichtweise der Dinge) ist vielleicht eine andere, aber der Inhalt ist schon der Gleiche.
    Aber wer so eine andere Realität wahrnehmen kann, warum nicht?

  2. JJ schreibt am 28. November 2008 um 12:00

    Ich finde den Tipp toll! So liegt der Fokus auf etwas Positivem. Danke.

  3. Doro schreibt am 28. November 2008 um 18:33

    Wenn ich merke, dass mir etwas schwer fällt, sage ich zu meiner inneren Stimme: " Ich will, das Wort ist mächtig, spricht´s einer ernst und still, die Sterne reißt´s vom Himmel, das eine Wort: Ich will! Es hilft, na ja.. meistens.

  4. Rina schreibt am 30. November 2008 um 09:46

    Eine wirklich klasse Idee! Ich muss heute noch einen Aufsatz schreiben, wozu ich überhaupt keine Lust hatte, doch dann habe ich den Satz mal umgedreht und auf einmal packt mich der Ehrgeiz! "Ich will eine gute Note im Zeugnis haben, deshalb will ich diesen Aufsatz schreiben!"

    Danke!

  5. Ingo schreibt am 30. November 2008 um 09:47

    "Muss" ist ein Ausdruck aus dem Vokabular von Fremd-, "Will" aus dem von SelbstBestimmung. Die Unterscheidung ist Opfer - Schöpfer Sein. Von daher ist "Will" schon sehr viel sanfter und freudvoller.

    Auf der anderen Seite öffnet sich hier das Tor zur Selbstmanipulation. Beispielsweise zu sagen: "Ich WILL arbeiten, um Geld zu verdienen" - obwohl ich eigentlich gar nicht will, ist die perfekte Selbsttäuschung. Da ist "Ich MUSS" schon sehr viel ehrlicher.

    Der Punkt liegt jedoch DAHINTER. Sobald ich erkenne, daß Arbeit EINE (von vielen) Möglichkeit ist, einen Finanzstrom zu mir zu lenken, beginnt meine Freiheit.

    Viele Menschen gehen lieber unwillig zu irgendeiner "Arbeit", um sich nicht selbst mit der Frage konfrontieren zu müssen, welche anderen (legalen) Wege es gibt, einen Finanzstrom zu sich zu lenken.

    Letztlich hat Geld absolut nichts mit Arbeit zu tun. Das ist leicht daran zu erkennen, daß Leute mit viel Geld nicht unbedingt viel und wertvolle Arbeit leisten, sondern manchmal lediglich ein paar Tasten am Telefon oder Computer drücken. Der "Kontext" macht's.

    Wenn Geld mit Arbeit zusammenhinge, dann müssten die Bergarbeiter die finanziell reichsten Menschen der Welt sein. Dass das nicht der Fall, sollte zu denken geben.

    Wenn ich mich für die Entwicklung meines Kindes interessiere, dann ist der Elternabend EINE Gelegenheit, darüber mehr zu erfahren.

    Der "Punkt" liegt also immer HINTER der vordergründigen Frage. In diesen Hintergrund einzusteigen bringt Lösung.

    Danke für das tolle Thema und danke für die wundervollen Beispiele. Alles Glück, allen Segen, schönen 1. Advent

    *INGO* :-)
    CoreCoach.org

  6. Susanna Haller schreibt am 30. November 2008 um 10:12

    Lieber Ralf,
    Müssen und wollen, ist schon ein Unterschied.
    Bei der einen Form "müssen" kommt der Druck von aussen, bei der zweiten "will/wollen" von innen, von einen selber.
    Bei den angesprochenen Themen geht es jedoch um elementare Bedürfnisse des gemeinsamen Lebens. Sie nur dem Müssen von aussen, oder dem Willen, dem Druck von innen auszusetzen, wird uns nicht durchhalten lassen. Gleichzeitig mache ich mit der Argumentation in der zweiten Satzhälfte die Aussage „kleiner“.
    Dort wo es um lebenswichtige Bedürfnisse geht, ist es wichtig ganz klar dazu zu stehen.

    Direkt und kurz formuliert, werden die Sätze viel mehr aussagen.
    Denn, es geht nicht nur um mich, es geht um alle um mich herum.

    Wenn ich mein Denken und das Denken meiner Umgebung verändern will, kann ich das viel einfacher, wenn ich mein Lebensumfeld mit einbeziehe. Es macht mich dankbarer, ich trete sicherer auf und ich fühle mich bereichert dadurch eben nicht allein an mich gedacht zu haben.

    Arbeit:
    Auf diese Weise kann ich besser abschätzen, ob ich den richtigen Arbeitsplatz habe.

    - Mit meiner Arbeit verdiene ich meinen/unseren Lebensunterhalt und bin Teil von einem sinnvollen Ganzen.

    - Meine Arbeit macht mir Spass und sie wird entsprechend honoriert.

    Mein/unser Kind:
    Es geht nicht rein um die schulische Entwicklung meines/unseres Kindes, es geht darum, dass es sich wohl fühlt dort wo es in die Schule geht.

    - Mich interessiert, wer mein Kind in der Schule begleitet und fördert und ich freue mich auf das Gespräch mit der Lehrkraft / beim Elternabend freue ich mich auf die anderen Eltern.

    Hochzeitstag:
    Er ist der grosse Feiertag in unserem gemeinsamen Leben. Wir haben gemeinsam ein Versprechen abgelegt, das nicht ganz so einfach ist zu halten.

    - Heute hole ich Blumen für unseren gemeinsamen Hochzeitstag.

    Ich wünsche Ihnen allen einen frohen 1. Adventsonntag -
    Susanna Haller

  7. Heide schreibt am 30. November 2008 um 10:51

    Ich finde den Vorschlag auch toll.

    Für mich ist in diesen Beispielen der ursprünglich zweite Satzteil, der dann zum ersten wird, der entscheidende.
    Und was Ingo dazu schreibt, ist durchaus bedenkenswert.

    DANKE!

  8. Peter Angerer schreibt am 30. November 2008 um 11:00

    ... recht haben Sie, alles ein Frage der Sichtweise!

    Viele Grüße
    Peter Angerer

  9. ute frenzel schreibt am 30. November 2008 um 14:08

    aus dieser sicht wird für mich die fülle der möglichkeiten,sich zu freuen,sichtbar,ich fühle mich stark durch die idee,das ich die wahl habe.

    möglicherweise kommt es auch schneller zu einer END-scheidung,mithilfe dieser denkform.entscheidend ist allerdings für mich ein ziel,meine absicht,die ich verfolge.dann kommt es automatisch nicht mehr zum :ich muss...

    danke-und eine gute zeit

  10. Claudia schreibt am 30. November 2008 um 14:21

    Hallo,

    Danke Ralf fuer Deine Idee. - Ich find sie super u. beim innerlichen aussprechen habe ich direkt gemerkt, dass sich

    "Ich will Geld verdienen, deswegen gehe ich zur Arbeit"

    viel leichter, kraftvoller u. positiver anfuehlt als

    "Ich muss zur Arbeit, damit ich Geld verdiene". Zu Ingos Gedankengang, dass "...auf der anderen Seite öffnet sich hier das Tor zur Selbstmanipulation. Beispielsweise zu sagen: "Ich WILL arbeiten, um Geld zu verdienen" – obwohl ich eigentlich gar nicht will, ist die perfekte Selbsttäuschung. Da ist "Ich MUSS" schon sehr viel ehrlicher..."
    ist mir folgende Kleinigkeit aufgefallen - es kommt darauf an (zumindest fuer mich), die entsprechenden Begriffe an die richtige Stelle zu setzen; denn Ralfs Vorschlags-Satz war ja "Ich will Geld verdienen,..." und nicht "Ich will arbeiten.." wie Ingo geschrieben. Ein kleiner aber womoeglich feiner u. bedeutender Unterschied fuer meine Gefuehlslage.

    Viele Gruesse,
    Claudia

  11. Denise Hengst schreibt am 30. November 2008 um 22:27

    Wollen - sollen - können - dürfen ...

    Wenn einer nur darf,
    wenn er soll
    aber nie kann,
    wenn er will,
    dann mag er auch nicht,
    wenn er muß.

    Wenn er aber darf,
    wenn er will
    dann mag er auch,
    wenn er soll,
    und dann kann er auch,
    wenn er muß.

    Daraus folgt:

    Diejenigen, die können sollen,
    müssen wollen dürfen!

    Frei entscheiden zu können ist eine der Voraussetzungen für freudvolles Handeln. Es macht Spaß, sich aussuchen zu können was man tun will und das ist gleichzeitig die Basis für kreatives Gestalten. Jeder von uns kennt aber auch die Situation, wenn man etwas tun muss. Man hat keine Wahl, fühlt sich bewusst oder unbewusst ausgeliefert. Angenehm ist dies meist nicht. Man absolviert die Aufgabe, damit sie vorbei ist, aber meist nicht mit dem positiven Focus, bald wieder dieselbe Angelegenheit durchführen zu wollen.Also, ehrlich gesagt, kann ich mich an keine Situation erinnern, wo ich mich darauf gefreut habe etwas wieder tun zu müssen. Im Gegenteil, innerlich wehrt man sich gegen diesen erzwungenen Auftrag und absolviert ihn meist mit möglichst geringem Aufwand. Erst wenn man sich über diesen Zwang bewusst wird, hat man überhaupt die Chance damit umzugehen. Kompliziert und undurchschaubar wird die Sachlage für einen Menschen dann, wenn er nicht weiß, dass er gar keine Möglichkeit zur Auswahl hat, die Situation zu lösen.

  12. Hubert schreibt am 1. Dezember 2008 um 00:19

    Zitat von Denise Hengst:
    Kompliziert und undurchschaubar wird die Sachlage für einen Menschen dann, wenn er nicht weiß, dass er gar keine Möglichkeit zur Auswahl hat, die Situation zu lösen.

    Wenn er nicht weiß dass er gar keine Möglicheit hat, geht er entweder davon aus, das er eine Möglichkeit hat, obwohl er objektiv keine hat und dann ist er wie Don Quijote, oder aber er weiß nicht mal dass er ein "Problem" hat.
    Und dann hat er wohl auch keines.
    Schon wahr. Kompliziert und wenig durchschaubar.

  13. Ulrich schreibt am 1. Dezember 2008 um 08:24

    oversimplify?

  14. Erdal Kurttas schreibt am 2. Dezember 2008 um 09:34

    Keine Frage, das MUSS ist eine "Zwangsjacke"; sprich eine einschlaegige festgezurrte Uniform. Quasi Autofahren mit angezogener Handbremse.

    Das WİLL ist jedoch stark von 1. Freiheit 2. Erfahrung, 3. Wissen, 4. Geeignetes Umfeld usw. abhaengig.

    Nur "Wollen" ist also eine tatenlose, undefinierte Traumvorstellung.

    Das MÜSSEN ist eine Befehls"KETTE",
    waehrend das WOLLEN eine Wissens- und Erfahrungsbegründete
    "FREİE" WAHL ist.

    Eins noch dazu: MÜSSEN oder WOLLEN; beide haben ihre Grenzen... Manchmal müssen wir, manchmal wollen wir...
    İmmer müssen, immer wollen; dann waeren wir Roboter, und keine Menschen mehr...

  15. Erdal Kurttas schreibt am 2. Dezember 2008 um 10:00

    Susanna Haller hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Auch ingo hat den Punkt erwischt.

    Ob wir müssen oder wollen...

    Zügeln sollten wir unsere Handlungen immer; natürlich für das Gute und Richtige...

  16. Peter schreibt am 4. Dezember 2008 um 15:47

    Warum besuchte die indische Trägerin des Friedensnobelpreises (Mutter Teresia)nie eine Anti- Kriegsdemo - sondern wenn dann immer eine Friedensdemo?

    Aufwiederlächeln
    Peter

  17. Susanne schreibt am 7. Dezember 2008 um 09:30

    Ich kann mich mit dieser Art Selbstbetrug nicht wirklich anfreunden, auch wenn es offensichtlich eine Modeerscheinung ist alles *unendlich positiv* zu sehen. Konstruktiver fände ich dann schon Überlegungen in der Art "wie mach ich es, damit ich möglichst wenig arbeiten muss" oder "gäbe es eine Arbeit, wo ich mit positiveren Gefühlen hingehen könnte" oder ähnliches.

  18. Stephan schreibt am 10. Januar 2009 um 18:46

    @ peter:Warum besuchte die indische Trägerin des Friedensnobelpreises (Mutter Teresia)nie eine Anti- Kriegsdemo – sondern wenn dann immer eine Friedensdemo?

    Weil sie von dem Kosmischen-Gesetz oder Gesetz des Universums oder auch Natur-Gesetzes wusste, aus dem folgt Saat-»Ernte bzw. Aktion-»Reaktion!

  19. Özgür Kurttas schreibt am 21. Februar 2009 um 10:46

    ey ich stimme dem ganzen zu !

    (Erdal woher bist du?)