Kontakt
Facebook
Twitter
RSS
Gästebuch
Wöchentlicher Newsletter

Vielleicht längst angekommen?

Von Tania Konnerth9 Kommentare

Hier bei Zeit zu leben geht es ja u.a. oft darum, sich Ziele zu setzen, um diese dann zu erreichen. Eine solche Zielorientierung ist sehr hilfreich für eine aktive Lebensgestaltung und doch gibt es auch hier Fallstricke.

Ein solcher besteht z.B. darin, dass Folgendes passieren kann: Man hat ein Ziel vor Augen und dieses wirkt gleichsam wie die berühmte Möhre für den Esel. Man läuft ihm ständig hinterher, ohne auch nur einmal inne zu halten und nach rechts oder links zu schauen.

Die Folge: man merkt unter Umständen gar nicht, dass man eigentlich schon längst angekommen ist!

Dazu ein konkretes Beispiel: Jemand beginnt bei der Schutzpolizei. Er ist richtig gut in dem, was er tut und wird befördert. „Weiterkommen“ war auch ein erklärtes Ziel, nur führen die Beförderungen dazu, dass diese Person schnell gar nicht mehr auf Streife fährt. Der neue Aufgabenbereich erfordert vor allem Schreibtischarbeit. Nun ist diese Person zwar „weitergekommen“, aber ist an dem, was sie eigentlich viel mehr erfüllt hat (die Arbeit auf der Straße) vorbei gerannt…

Ein anderes Beispiel: Jemand singt für sein Leben gern. Diese Person schreibt ihre eigenen Songs und genießt es, andere mit ihren Liedern begeistern zu können. Es formt sich das Ziel „Mit dem Singen berühmt werden“ und folgerichtig macht diese Person auch bei diversen Wettbewerben und Castings mit. Da sie wirklich gut ist, gewinnt sie einen Plattenvertrag. Was zuerst wie die Erfüllung aller Träume aussieht, stellt sich bald als Fehlweg heraus: sie kann nämlich nun nicht mehr ihre eigenen Lieder singen, sondern wird vom Manager der Plattenfirma in eine ganz bestimmte Musikrichtung gedrängt. Darüber droht sie sogar die Freude am Singen zu verlieren…

Ich habe fest gestellt, dass es sehr wichtig ist, auf dem Weg zu unseren Zielen immer mal wieder sehr genau zu überprüfen, ob das Ziel, so wie wir es ursprünglich einmal angedacht haben, tatsächlich das ist, was wir erreichen wollen.

Manchmal kann es nämlich gut sein, dass man „ganz nebenbei“ schon längst angekommen ist. Zu schade, wenn man das gar nicht bemerkt!

  1. Uwe Gläßner schreibt am 9. März 2007 um 12:29

    Hallo Frau Konnerth,

    ab und an mal inne zu halten möchte ich gern wörtlich aufgreifen. Denn für mich bedeutet das, seine Sinne nach innen zu richten und nicht nur die definierten äußeren Umstände wahrzunehmen. Ich stelle mir das immer als Kreislauf des Lebens vor. Dabei findet das "inne halten" bei der Standortortanalyse statt. Hier geht es natürlich zunächst um die Aufnahme der äußeren Umstände, im zweiten Schritt aber auch darum, wie ich mich damit fühle. Spüre ich Abweichungen zu meinen ursprünglichen Zielen kann ich mich "neu orientieren" und mir dann wieder überlegen, welche Schritte mich der neu definierten Situation näher bringen. In dem Moment, wo ich mein Leben also als Kreislauf betrachte, sollte ich zwischendurch automatisch immer mal wieder zum "inne halten" kommen.

    Bei Ihren Beispielen hat sich mir allerdings die Frage aufgedrängt, wie konkret die zugrundeliegende Zielplanung war. Hatte zum Beispiel der Schutzpolizist sein Ziel "Weiterkommen" einem Negativcheck unterzogen, d.h.also die Frage gestellt, was könnte sich zu einem Problem entwickeln, wenn ich mein Ziel erreicht habe.
    Hier soll nicht der Fokus auf der Problemorientierung liegen, sondern vielmehr die Chance noch mal zu nutzen, unterbewusste Widerstände im Vorfeld zu erkennen.

    Viele "Probleme" tauchen aber eben auch erst auf, wenn man in die Phase des Tuns kommt. Deshalb ist das "inne halten" wohl um so wichtiger.

    In diesem Sinne allen ein schönes Wochenende.
    Uwe Gläßner

  2. Lyselle schreibt am 11. März 2007 um 16:52

    Mir war immer wichtig zu meinen, der Weg sei das Ziel.
    Aber das muss nicht zwangläufig stimmen, wenn man auf dem
    Weg nie ankommt. Wo, und das ist hier wohl die Frage?
    Wer ein Studium absolviert habe, möchte sich nicht von Praktikum zu Praktikum oder von unterbezahlter Stelle zur nächsten hangeln müssen. (Auch wenn die Arbeit Spaß macht.)Mitunter scheint dann eine Kurskorrektur notwendig, die einmal getroffene Entscheidungen zu revidieren, um nicht auf der Stelle zu treten. Das erfordert natürlich Mut, scheinbar sichere Pfade zu verlassen in der Hoffnung dem Ziel näher zu kommen bzw. ein Gefühl wieder dafür zu entwickeln, dass der Weg das Ziel sein könnte?
    Liebe Grüße
    Lyselle

  3. Martin schreibt am 11. März 2007 um 21:59

    Das sprach mir aus der Seele und war genau auf den Punkt getroffen. Ich lese zwar nicht alles, was von Ihnen kommt, aber hin- und wieder, das muß ich zugeben, treffen Sie genau den Nagel auf den Kopf, wie dieses mal - vielen Dank dafür.

    Ein treuer Fast-immer-Leser

    Martin

    PS: Der Weg - das Ziel - wieder daneben, das Ziel liegt wieder einmal hinter mir und nicht vor mir.

  4. Dee schreibt am 12. März 2007 um 10:32

    Vielen Dank fuer Ihre Beispiele. Ich singe naemlich sehr gerne und schreibe noch viel lieber Lieder,die bei anderen sehr gut ankommen! Ich hoffe aber, dass meine Lieder sich trotzdem auf dem Internet gut verkaufen, denn mein Teilziel ist, nicht mehr Vollzeit im Callcenter rumzusitzen, anstatt Lieder zu schreiben!
    P.S. ich plane nicht bei einer Plattenfirma anzuklopfen.

  5. Heide schreibt am 12. März 2007 um 13:06

    Ich kenne jemand, der war Verkäufer und wurde dann von seinem Chef zum Filialleiter einer neuen Filiale ernannt.

    Bald merkte er, dass es nicht das war, was er wollte und vor allem auch konnte.

    Und er besaß die Größe, mit seinem Chef zu sprechen, wieder auf den alten Platz zurückzukehren und "nur" Verkäufer zu sein - das aber mit Leib und Seele und mit Erfolg.

    Sicher ist das nicht immer möglich, aber sicher ist es viel öfter möglich als es praktiziert wird; denn leider scheuen viele den "Abstieg".

  6. Lyselle schreibt am 13. März 2007 um 09:00

    Denen, den es so geht wie im Beispiel von Heide kann nur empfohlen werden, möglichst authentisch zu leben.
    Früher oder später, denke ich, fallen solche Entscheidungen, einen Job auszuüben, der nicht der richtige ist, dem betreffenden mächtig auf die Füße.
    Warum? Das Gewissen, das über die Länge der Zeit abstumpft,
    weil man so durchs Leben geht, ist dann kein verlässlicher Partner mehr.
    Martin, Sie haben dafür alle Chancen der Welt, Ihr Ziel, wenn auch mit Umwegen, zu erreichen.
    Allen, alles Gute!
    Liebe Grüße
    Lyselle

  7. Jürgen Zwingmann schreibt am 14. März 2007 um 13:09

    Nach dem Lesen Ihrer Zeilen fällt mir spontan Mark Twain ein, der einen sehr guten Satz zu Ihrem Thema geschrieben hat: "Als wir das Ziel aus den Augen verloren hatten verdoppelten wir unsere Anstrengungen".

  8. Bilder hochladen schreibt am 14. März 2007 um 13:16

    Ja man merkt häufig nicht, dass man zufrieden ist und man möchte immer mehr, ob das "mehr" auch noch zufrieden macht ist die andere Frage.

  9. Thomas Bender schreibt am 15. März 2007 um 19:30

    So manches mal bin ich geografisch ganz woanders gelandet, als an dem angepeilten Zielpunkt. Aber die Bedürfnisse, die ausschlaggebend für die Wahl meines Zieles gewesen waren, waren trotzdem erfüllt.
    Je freier ich mich bei der Festlegung meiner Strategie bewege, und weiterhin meine Bedürfnisse im Auge behalte, desto mehr gelingt es mir, die Erfüllung meiner Bedürfnisse zu erkennen und diesen Zustand auch zu geniessen. Gibt es etwas schöneres als die - manchmal unerwartete - Erfüllung unserer Bedürfnisse zu feiern?