Kontakt
Facebook
Twitter
RSS
Gästebuch
Wöchentlicher Newsletter

Welches Lied singen Sie?

Von Ralf Senftleben27 Kommentare

Letzte Woche habe ich darüber geschrieben, dass ich fest daran glaube, dass wir bei uns selbst anfangen müssen, wenn wir etwas ändern wollen.

Und ich kenne es schon… das Thema Eigenverantwortung erzeugt manchmal Kontroversen.

Ich glaube daran, dass wir für unser Leben selbst verantwortlich sind. Und viele Menschen interpretieren das als:

"Du meinst also, ich bin selbst Schuld an meiner Situation!"

Ich schüttele dann immer etwas benommen dem Kopf und verstehe erst gar nicht, wie derjenige darauf kommt.

Hallo? Mir geht es doch gar nicht um Schuld. Die Frage "Wer ist schuld?" bringt doch gar nichts. Bei der Suche nach dem Schuldigen schaut man doch meistens nur in die Vergangenheit und blickt auf Dinge, die man sowieso nicht ändern kann. Und wer will schon sagen, wer woran Schuld ist. Es gibt meistens so viele Einflussfaktoren und Ursächlichkeiten, dass ich persönlich nicht erkennen kann, wer woran "Schuld" ist.

Es geht mir nicht um Schuld. Es geht mir darum, dass ich meistens der Einzige bin, der das Interesse hat, etwas an meiner Situation zu ändern.

Es ist einfach unnütz, sich zu beklagen und anderen die Schuld zuzuweisen. Ok, manchmal ist es vielleicht gut, um Dampf abzulassen. Aber wenn es zur Gewohnheit wird, dann singen Sie bei jedem Beklagen der Umstände das leise Lied:

"Ich bin klein. Ich bedeute nichts. Ich kann nichts ändern. Ich bin nur ein Opfer meiner Umstände."

Daran mag ich nicht glauben. Ich bin davon überzeugt, dass jeder Mensch einen Unterschied machen kann. Aber dazu müssen wir erst einmal daran glauben, dass wir die Möglichkeit dazu haben.

Wenn Sie anfangen, Ihr Leben in die Hand zu nehmen und beginnen, eine Kleinigkeit nach der anderen in Ihrem Leben zu verbessern, dann singen Sie bald ein anderes Lied:

"Ich wachse. Ich vergrößere meinen Einfluss. Ich kann etwas bewirken. Ich zähle. Ich finde meinen Platz. Ich gestalte mein Leben und die Umstände."

Der erste Schritt dazu ist, bei sich selbst anzufangen.

  1. Irmgard Kravogel schreibt am 27. Mai 2007 um 14:43

    Lieber Ralph,

    Sie sprechen mir aus der Seele. Die Dinge passieren. Doch welche Bedeutung, welchen Sinn, wir ihnen beimessen, liegt an uns. Und: wir haben immer eine Wahl, es gibt immer zumindest einen Ausweg. Manchmal können wir ihn selbst nicht erkennen. Und dann ist es gut, sich mit anderen auszuauschen oder sich Hilfe zu holen. Ich weiss das aus meiner langjährigen privaten und beruflichen Erfahrung. Denn irgend wann ist es sehr hilfreich, nicht mehr 20 zu sein.... ;o) Ein gute Unterstützung dafür sind beispielsweise Erfolgsteams. Und viele andere Möglichkeiten.

    Ein Spruch der mir dazu gut gefällt: "Hinfallen ist keine Schande - liegenbleiben schon."

    Liebe Grüße aus Österreich
    Irmgard

  2. Harald Koch schreibt am 27. Mai 2007 um 14:51

    dazu ein wundervolles Statement des irischen Dramatikers
    George Bernard Shaw:

    "Man gibt immer den Verhältnissen die Schuld für das, was
    man ist.
    Ich glaube nicht an die Verhältnisse.
    Diejenigen, die in der Welt vorankommen, gehen hin und su- chen sich die Verhältnisse die sie wollen,und wenn sie diese nicht finden können, schaffen sie sie selbst.

    G.B.Shaw

  3. Gabriele Horst schreibt am 27. Mai 2007 um 15:02

    Ein Spruch der mir dazu einfällt ist mein Lieblingsspruch, denn ich mir auf mein Nachtkästchen gestellt habe und jeden Morgen vorm Aufstehen lese:
    glaube an Wunder, Liebe und Glück
    schaue nach vorne und nicht zurück
    tu das was Du willst und steh dazu
    denn dieses Leben lebst nur Du.

  4. Gerhard E. Kranz schreibt am 27. Mai 2007 um 15:11

    "Du meinst also, ich bin selbst schuld ..." ist eine sehr wirkungsvolle Killerphrase für Menschen, die die Opferrolle für sich akzeptiert haben - und ihre Ruhe haben wollen.
    Wenn ich die Worte "Du meinst also, ..." höre, fühle ich mich oft erst mal "schuldig" und frage mich, was ich den Menschen jetzt angetan habe.
    Auf den zweiten Blick wird aber klar, dass wenn ich jetzt den Mund halte, ich diese Person nur weiter in ihrer Opferrolle unterstütze!
    Aus der täglichen Praxis muss ich aber zugeben, dass es gar nicht so einfach ist, diese Menschen aus der Vergangenheitsorientierung zu holen und für die Zukunftsorientierung zu begeistern.

  5. Anita schreibt am 27. Mai 2007 um 15:22

    Erstaunlich - gerade heute schnitten wir dieses Thema mit meinen Töchtern beim Frühstücken an. Es ist und war mir immer wichtig meinen Kindern zu vermitteln, daß alles was geschieht nur von jedem einzelnen angenommen, geändert, ausgehalten, abgewehrt werden kann. Schuldzuweisung = Sackgasse. Es ist so einfach wie es sich anhört und trotzdem wollen es so viele Menschen nicht wahr haben.
    Liebe Grüße an 'alle' Mitwirkenden
    Anita

  6. Kai Schwochow schreibt am 27. Mai 2007 um 15:50

    Hallo Ralf,
    vielen Dank für Dein Beitrag, bzw. Deine Mail.
    Es ist wirklich schön, in diesen Tagen immer wieder darauf hingewiesen zu werden, sich wirklich nicht als Opfer zu fühlen.
    Es sind schon denkwürdige Umstände, die zu Schuldgefühlen führen. Meistens erlebe ich sie in Zusammenhang mit Konditionierungen aus der Kindheit. Das zu erkennen ist ein großer Schritt und gleichzeitig die Heilung.
    Danke Dir
    Kai ;o)

  7. Katrin Thalmann schreibt am 27. Mai 2007 um 15:50

    "Jeder ist seines eigenes Glückes Schmied" habe ich schon als Kind gehört ... und wenn man erwachsen ist, und vom Alltag gegängelt wird, vergißt man es leider nur viel zu oft .... drum gilt für mich:
    "Mache was Dich glücklich macht, denn die Anderen wissen nicht, was mich wirklich glücklich macht, und keiner kann mein Leben so für mich leben, wie ich es gerne hätte."
    Ich selber muß die Entscheidungen fällen und die nötigen Schritte tun und das ist nicht wirklich schwer - aber erfordert dann und wann ein wenig Mut!!!! Raus aus dem Trott .... raus in das Abenteuer: glücklich leben!!!
    Was habe ich zu verlieren, außer positive oder negative Erfahrungen zu machen??
    Jeder muß bei sich anfangen und unbeeinflußt handeln - jedoch auch im gleichen Atemzug den Anderen ihre Entscheidungsfreiheit mit allen Konsequenzen lassen .... nur dann lebe ich mein Leben glücklich und habe die Vorteile als auch die Nachteile selber zu verantworten ....
    Das Leben ist wunderschön, wenn ich mich dafür entscheide und entsprechend handle!! ;-)

    Ich wünsche allen wunderschöne und hoffentlich sonnigere Tage!!! ;-)

  8. Hubert schreibt am 27. Mai 2007 um 16:15

    Bei den Kontroversen über Themen wie z. B. Eigenverantwortung, das Leben selber gestalten, oder Veränderung der eigenen Situation sind meiner Meinung nach oft zu wenig differenzierte Sichtweisen ausschlaggebend dafür, das aneinander vorbei geredet bzw. Unverständnis geerntet wird.

    Bei einer Vielzahl derartiger Diskussionen kommt schnell der Verdacht auf, Glück sei planbar, oder das Leben generell beherrschbar. Das ist natürlich nicht der Fall. Diese Vorstellungen können aber dazu führen, das sich Menschen selbst den Druck auferlegen, das Leben möglichst perfekt meistern zu wollen und für alles was in ihrem Leben geschieht selber verantwortlich zu zeichnen.

    Das ist genauso falsch und undifferenziert, wie eine wie auch immer gelagerte Verantwortung nur bei den anderen zu sehen oder zu suchen. Es führt aber oft zu Selbstzweifel, Selbstverurteilung und Härte gegen sich und andere Menschen.

    Änderungen unseres Verhaltens sind, wenn sie unsere grundlegenden Haltungen und Einstellungen betreffen, weit mehr durch Emotionen, Hoffnungen, Sehnsüchte und unbewusste Motive geprägt als durch Erkenntnis und Willen. Das führt dazu, dass diese Veränderungen zwar geschehen können, dass wir jedoch viel weniger in der Hand haben, als wir es oft gerne hätten.Das mag ernüchternd klingen, sollte aber keinesfalls dazu führen, seine Lernbereitschaft, Neugierde und Offenheit gegenüber dem Leben und seiner Vielfältigkeit zu verlieren.

  9. Petra schreibt am 27. Mai 2007 um 16:49

    Hallo Ralf,
    als Zuckerl in meiner Diplomarbeits-Abendschicht hab ich mir es gegönnt, den Newletter zu lesen: und auf was stoße ich? Genau das Thema meiner Arbeit :-) ! Du sprichst mir damit aus dem Herzen. Je mehr ich über systemische Beratung, Zukunftsorientierung und Ressourcenorientierung lese - und das ist zur Zeit natürlich recht viel ;-) - desto deutlicher wird mir klar, wie fruchtbar dieser Denkansatz ist.
    Der systemische Ansatz rückt ab vom linearen Ursache-Wirkungsdenken "mir geht es schlecht, weil du diese oder jenes getan hast". Es spielen viele Bedingungen rein, viele Faktoren, die sich gegenseitig bedingen und zusammenwirken. Es ist also völlig unerheblich und müßig, eine "Ursache" dafür zu finden.... Statt dessen ist es nützlicher und hilfreicher, nach Lösungen zu suchen, zu überlegen: was kann mir jetzt helfen? Wo will ich hin? usw.
    Mein derzeitiger Lieblingsspruch dazu:
    "Stelle dir vor, du hättest die Wahl. Du kannst entweder die Ursache für deine Probleme finden, sie dann aber nicht lösen. Oder du kannst sie lösen, dann aber die Ursache nicht erfahren. Wie entscheidest du dich?"
    Herzliche ressourcenorientierte Grüsse
    Petra

  10. Ingo Schmidt schreibt am 27. Mai 2007 um 16:58

    "Schuld" ist eines der Themen, das Jeder für sich zu er/lösen hat. "Schuld" ist - wie alles andere im Leben auch - selbst erschaffen. Eine Art "Zwischenebene", in die (letztlich) ich mich selbst befördere.

    "Findige Geister" haben schon vor Urzeiten erkannt, daß "Schuld" ein ideales (moralisches) Mittel ist, einen Anderen mental und vor allem emotional gefangen zu halten. In der "Schuldfalle" besteht vor allem Handlungsunfähigkeit. Oder "besser" noch: der "Schuldige" ist praktisch zu allem bereit, seine "Schuld" loszuwerden.

    "Schuld" wird effektiv nur durch klassische Transformation aufgelöst: durch "Hineingehen" und sein (= gehen) lassen. Dies kann Jeder (nur) für sich selbst tun.

    Segen & Erfüllung, danke für das Thema

    *INGO*
    ingo@corecoach.org

  11. Eva Maria schreibt am 27. Mai 2007 um 17:15

    Da ich mich selbst in einer Phase des Neuorientierens be-
    finde, und durch Höhen und Tiefen wandere, habe ich ein schönes Zitat von Hermann Hesse aus meiner Sammlung ausgesucht, um zu verdeutlichen, daß ich am Ende für mein
    Leben selbst verantwortlich bin!!!
    Alles Liebe
    Eva Maria

  12. Eva Maria schreibt am 27. Mai 2007 um 17:20

    Sorry, Antworte zum ersten Mal auf diesem Portal.
    Hier natürlich das Zitat!!!
    Wir verlangen, das Leben müsse einen Sinn haben - aber es hat nur ganz genauso viel Sinn, als wir selber ihm zu geben
    imstande sind. (Hermann Hesse)

  13. Dieter Janas schreibt am 27. Mai 2007 um 19:26

    "Schuld" & Schuldige gibts vielleicht vor Gericht, im Leben nicht.In allem was mir begegnet erkenne ich etwas durch Aufmerksamkeit.Oft erst Jahre danach wird mir klar,- ich war immer zur richtigen Zeit am richtigen Platz."Dinge geschehen, wenn Du bereit dazu bist". Alles ist selbst erschaffen, auch die Situation, in der wir uns gerade befinden, hat einen bestimmten selbsterwählten Sinn & Zweck.Ich selbst bin die Situation; habe sie gemacht, um aus ihr zu lernen.Opfer gibt es nicht, es sei,-wir machen uns selbst dazu und damit "klein". Huhn oder Adler sein, dafür entscheiden wir uns ständig neu."Adler" sehen den Horizont, "Hühner" den Gartenzaun.Hintertüren, Rückversicherungen sind die größten Bremsen beim werden & wachsen.

  14. Matthias schreibt am 28. Mai 2007 um 10:12

    Auch dieses Mal gefiel mir das Thema ausserordendlich.
    Es erinnert mich zum Einen auch an den Umgang mit eigenen getanen Fehlern und die Unmöglichkeit der Umkehr, des Weidergutmachens. Der Fehler ist geschehen, wie damit umgehen?.. stellt sich mir die Frage.

    Dazu, zum Thema, gibt es auch ein feines Buch von Franz Kafka: "Der Prozess"

    Zitat: "Das Gericht will nichts von Dir. Es nimmt Dich auf, wenn du kommst und es entläßt Dich, wenn Du gehst."

    Matthias

  15. Heike schreibt am 28. Mai 2007 um 10:47

    Hallo Ralf!

    Dieses Thema begleitet mich schon seit einiger Zeit und spricht auch mir aus dem Herzen.Es ist immer am leichtesten, die Schuld für etwas bei anderen zu suchen. Nur bringt mich das weiter oder werde ich dadurch noch unzufriedener? Es gibt immer Dinge, die geschehen einfach und ich kann sie nicht ändern (z.B. Krankheit...). Ich kann mir ewig sagen:Warum hat es mich getroffen? Wichtig ist, wie ich darauf reagiere und was ich daraus lerne. Das macht am Ende mein persönliches Wachstum aus. Und dann gibt es Dinge, die ich ändern kann, wie z.B. eine Arbeit zu finden, die mich ausfüllt. Ich entscheide jeden Tag (wie auch Dieter Janas schreibt), ob ich ein Huhn oder ein Adler sein will.

    Heike

  16. Manfred Bieschke-Behm schreibt am 28. Mai 2007 um 13:20

    Hallo und Guten Tag lieber Ralf,
    ich bin auch der Meinung, dass nur ich etwas ändern kann wenn ich mich (womit auch immer) unwohl fühle. Ich entscheide ob ich vorwärtsorientiert oder 8ständig) zurückblieckend lebe. Für meine Gedanken bin ich veranstwortlich. Ich habe gelertn meine Vergangenheit nicht miehr zur Gegenwart zu machen. Das hatte mich jahrzehntelang blockiert mich am vorwärtskommen gehindert. Es gibt für vieles Personen, die meine Vergangenheit - leider - negativ geprägt haben, aber wie ich heute damit umgehe, entscheide ich ganz allein. Wer es kenn an seiner Vergangenheit fast zu zerbrechen weiß um die Folgen. Ich betrachte meine Vergangenheit nur noch wenn sie mir hilft die Gegenwart zu bestehen und lasse es nicht mehr zu, dass mich meine Vergangeheit beherrscht.Ich lebe Eigenveranstwortich und lasse mich nicht mehr frendsteueern. Und dazu gehört auch mehr im jetzt als im Gestern zu leben.
    Herzliche Grüße sendet
    Manfred

  17. Karin schreibt am 28. Mai 2007 um 17:31

    Guten Abend, lieber Ralf,
    mit großem Interesse lese ich die Beiträge des sehr interessanten Themas. Vieles kann ich nachvollziehen und auch die Meinungen unterstützen. Nur den Beitrag von Heike:
    "...es gibt Dinge, die kann ich nicht ändern(z.B.Krankheit)"
    muss ich entschieden widersprechen, denn dabei kann man doch sehr viel dazu beitragen, gesund zu bleiben.
    Allen eine schöne kurze Arbeitswoche
    wünscht Karin.

  18. Hubert schreibt am 28. Mai 2007 um 21:01

    Vermutlich hat Heike gar nicht die Krankheiten gemeint, zu denen man selber beiträgt durch Rauchen, übermäßigen Alkoholgenuss, Bewegungsmangel oder falscher Ernährung. Dagegen kann man wirklich etwas tun, wobei es auch Menschen mit Lungenkarzinom gibt, die nie eine Zigarette angefasst haben.

    Aber was ist mit Gendefekten wie bei MS, was bei Alzheimererkrankungen, was bei ärztlichen Kunstfehlern?

    Und es gibt noch mehr Dinge, gegen die man quasi nichts tun kann. Was ist, wenn man auf der Straße überfahren wird, einem der berühmte Dachziegel auf den Kopf fällt oder Opfer eines Verbrechens wird?
    Nein nein, so einfach ist die Welt nun auch wieder nicht gestrickt, als könne man gegen jeden Schicksalsschlag vorbeugen.
    Eine völlig andere und wichtige Frage ist allerdings:
    Wie gehe ich damit um?

  19. Uli Feichtinger schreibt am 29. Mai 2007 um 03:31

    Lieber Ralf, bei Deinem Newsletter-Beitrag musste ich sofort an folgenden Text von mir denken:

    *** Verantwortung statt Schuld ***

    Bei Diskussionen über die Verantwortung für das eigene Leben verfallen viele Menschen schnell in das Schuld-Denken:

    * "Heißt das, dass ich selbst schuld bin, wenn ich einen Autounfall habe?"
    * "Heißt das, dass ich selbst schuld bin, wenn ich bei der Prüfung durchfalle?"
    * "Heißt das, dass ich selbst schuld bin, wenn meine Frau mich verlässt?"

    Meine Antwort ist zweifach:

    * Nein, Verantwortung ist etwas anderes als Schuld! Du bist nicht schuld daran.

    * Und ja, Du hast einen Beitrag dazu geliefert und somit hast Du Verantwortung für das Ergebnis.

    Schuldgefühle sind "zerfleischend", zermürbend, zerstörend. Durch Schuldgefühle wertet sich ein Mensch selbst ab. Schuldgefühle sind selbst-zerstörerisch und greifen die Integrität eines Menschen an.

    Schuldgefühle helfen niemandem auf dieser Welt! Sie helfen nicht dem Menschen, der sie erlebt, und sie helfen auch nicht jenen Menschen, die unter Umständen zu Schaden gekommen sind. Schuld vermischt den Menschen und sein Verhalten.

    Hingegen heißt "Verantwortung übernehmen", dass Menschen sich bewusst sind, dass sie Verantwortung für ihr Verhalten, für ihr Tun haben. Dass vielleicht ein Handeln hinderlich, vielleicht sogar falsch war, bedeutet dann nicht gleichzeitig, dass der handelnde Mensch schlecht oder gar wertlos ist.

    Bei Schuld spielt die Moral mit (gut - böse) und meistens wird gleichgesetzt: böses Handeln = böser Mensch. Schuld schaut in die Vergangenheit: "Was hast Du da getan? Wie konntest Du nur?"

    Bei Verantwortung gesteht sich der Mensch ein, einen Beitrag zum Ergebnis geleistet zu haben. Das Ergebnis selbst mag für die einen positiv und für die anderen negativ sein. Eine allgemein gültige Bewertung wird hier nicht durchgeführt. Die Bewertung mag sich auch mit der Zeit verändern.

    Oft ist uns der Sinn eines Erlebnisses im Augenblick nicht klar. Doch das heißt nicht, dass es gar keinen Sinn darin gibt. Wer von uns weiß schon, was passiert wäre, wenn dieses bestimmte Erlebnis nicht oder nicht in dieser Weise stattgefunden hätte?

    Selbst-verantwortliche Menschen gestehen ihren Beitrag an einem Ergebnis ein. Sie überlegen sich bei nicht-förderlichen Ergebnissen, was sie beim nächsten Mal besser machen könnten und wie. Sie überlegen sich Lösungen für die derzeitige Situation. Sie schauen nach vorne: "Was kann ich nun damit tun? Was lerne ich daraus für die Zukunft?"

    Für viele ist das alles ein harter Brocken, da die meisten von uns in dem gut-böse-Denken aufgewachsen sind. Doch für mich ist es eine Überlegung wert.

    Das Konzept "Verantwortung statt Schuld" passt gut zu meinem Menschen- und Weltbild - viel besser als die sich-selbst-klein-machenden Menschen, die sich mit Schuldgefühlen plagen.

    Das Konzept "Verantwortung statt Schuld" macht uns zu mündigen Menschen, die nicht mehr in die Opferrolle passen, macht uns zu Menschen, die eben Verantwortung für sich und ihr Leben übernehmen.

    (Auszug aus weripower Brief Nr. 10)

    Herzliche Grüße und eine gute Woche in die Runde! :)
    ULI

  20. Heike schreibt am 29. Mai 2007 um 06:49

    Das mit den Krankheiten war sicher zu allgemein von mir ausgedrückt. Es war so, wie es Hubert schreibt, gemeint. Wir sind bestimmt nicht in der Lage alles von uns fern zuhalten, was z.B. zu Krankheiten o.ä. führt. Ich würde das Wort "Krankheiten" nicht zu sehr auf die Waagschale legen ;o).
    Allgemein gesagt gibt es im Leben immer wieder Herausforderungen, die wir nicht oder nur wenig beeinflussen können, womit wir aber umgehen müssen.
    Viele Grüße und schöne Woche!
    Heike

  21. Barbara schreibt am 29. Mai 2007 um 13:44

    Die Frage ist immer wieder dieselbe. Eigentlich ist es die Frage: mad or bad? Kann ich zur Verantwortung gezogen werden oder nicht, weil ich krank, verrückt oder sonstwie nicht schuldfähig bin. Oder habe ich entschieden so zu sein und bin dafür verantwortlich und dann aber auch schuld.

    Eigenverantwortung und Schuld liegen eng beieinander. Mich verwundert es nicht, wenn Menschen mit Ärger darauf reagieren, wenn man sie auf die Eigenverantwortung hinweist. Viel zu häufig wird das benutzt, um Schuld zuzuweisen.
    Hinter dieser Diskussion liegt die Frage nach dem freien Willen. Die Idee stammt von Wittgenstein. Die Frage ist, ob der Mensch völlig determiniert ist (wird sein Schicksal fremd gelenkt) oder kann er alles selbst entscheiden. Die Existenz des freien Willens kann man nicht beweisen. Und an beiden Annahmen ist falsch, dass etwas absolutes darin steckt.
    Der Mensch ist weder völlig determiniert noch hat er einen völlig freien Willen. Ich kann nicht alles im Leben selbst entscheiden, z.B. nicjht ob, wann und von wem ich geboren werde - und bereits das determiniert große teile meines Seins und meiner Möglichkeiten im Leben. Inzwischen kann man sicher annehmen, dass die Determiniertheit größer ist als man bisher glaubte. Und man kann genauso sicher sein, dass meist eine Vielzahl von Handlungsmöglichkeit besteht, auch wenn man nicht gleich drauf kommt.
    Einzelne Menschen schaffen es besser mit wiedrigen Umständen umzugehen als andere. Wir lügen uns aber auch in die Tasche, wenn wir glauben, alle hätten die gleichen Chancen, sie müßten nur handeln.

    Barbara

  22. Immo schreibt am 29. Mai 2007 um 15:16

    Lichtblick

    Hoffnung ist nicht Optimismus.
    Nicht die Überzeugung,
    dass etwas gut ausgeht,
    sondern die Gewissheit,
    dass etwas einen Sinn hat,
    ohne Rücksicht darauf, wie es ausgeht.

    VACLAV HAVEL

    Hallo erstmal,

    ein ganz wichtiges Thema, dass allerdings erst dann ganzheitlich erfaßt werden kann, wenn ich Reinkarnation und Karma dazu füge. Ich denke, dass man erst dann das Schicksal aushalten und verwandeln/weiter entwickeln kann.
    Es gibt heute ja zahlreiche Methoden, in seine eigene Vergangenheit (vorige Leben) tiefer einzutauchen und an einer zeitgemäßen Verarbeitung zu arbeiten um seine Zukunft aktiv & bewußt zu gestalten.
    Viel Glück dabei wünscht Immo

  23. Petra schreibt am 29. Mai 2007 um 16:45

    Hallo zusammen,
    ich finde die Diskussion hier äußerst interessant.
    Ich schließe mich Hubert an: Manche Schicksalsschläge muss man hinnehmen, man hat es nicht in der Hand sie abzuwenden; ich denke da an Krankheiten, den Tod lieber Menschen, die einem nahe stehen... Man ist im wahrsten Sinne des Wortes be-troffen!
    Die Frage die sich dann stellt ist, wie gehe ich damit um?
    Ein sehr schöner Spruch dazu lautet:
    "Der Sinn des Lebens besteht nicht darin, gute Karten zu haben, sondern mit denen, die du hast, gut zu spielen!"
    Einen schönen Abend,
    Petra

  24. lilli schreibt am 31. Mai 2007 um 13:56

    ...dazu fällt mir spontan einer meiner lieblingssprüche von Ghandi ein:

    „Sei die Veränderung, die du dir für diese Welt wünschst.“

  25. johannes schreibt am 3. Juni 2007 um 08:44

    Ich empfinde es als bemerkenswert, wie hier im Forum die "Schuld" doch thematisiert wird, obwohl es eingangs, in Ralfs Betrachtung, "nicht darum geht". Das zeigt, dass sich Eigenverantwortung und Schuld nicht so ohne weiteres voneinander trennen lassen. Und genau die Angst vor Schuld ist vermutlich auch der Grund, warum Menschen vor Eigenverantwortung zurückschrecken!
    Ja, Schuld spielt eine Rolle. Dieser Teil darf nicht beiseite geschoben werden. Denn wer sich ab heute "eigenverantwortliches Handeln in der Zukunft" vornimmt, muss sich halt irgendwann fragen, ob seine Situation - sofern sie ihm dann nicht gefällt! - nicht einfach die Folge eigener Dummheit ist.
    In Alaska, wo die Leute teils sehr naturnah und eigenständig leben, ist ein Sprichwort populär: "Was dir passiert, ist deine Schuld!" Beisst der Bär dich ins Bein, hat nicht der Bär Schuld. Und brichst du dir selbst ein Bein und musst 20 km durch den Wald nach Hause kriechen, so hat auch nicht der glitschige Felsen Schuld.
    Das ist die hohe Kunst der eigenverantwortlichen Lebensführung: die Frage nach persönlicher Schuld in die Eigenverantwortlichkeit zu integrieren! Ansonsten läuft diese Diskussion darauf hinaus, dass diejenigen, die sich -- möglicher Schuldgefühle wegen - in Vergangenheit nicht getraut haben, sie selbst zu sein, "wenigstens ab jetzt" machen wollen, was sie möchten. Aber hinterher, wenn's schief gegangen ist, waren es doch wieder die "Umstände": der glitschige Felsen, der "böse" Grizzly...

  26. M. A. Waldmann schreibt am 9. Juni 2007 um 21:51

    Hallo!
    Ich möchte zwei kleine Gedanken beisteuern:

    Die Betrachtung der dokumentierten Weltgeschichte der vergangenen Jahrhunderte/-tausende zeigt: Die Suche nach einem Schuldigen löste noch nie wirklich ein Problem. Erst das selbstverantwortliche bahendeln des Problems / der Aufgabe ermöglicht eine Lösung.

    Zum Thema Verantwortung hat mir ein wichtiger Lehrer einmal gesagt: "Verantwortung heißt: keine Rechtfertigung und keine Schuldzuweisung!"

  27. Gregor schreibt am 20. November 2009 um 17:13

    Die Verhältnisse können durchaus Schuld an den Umständen sein in denen man lebt, schließlich ist der Mensch ein Produkt seiner Umwelt. Oft reicht aber ein kleinwenig Hilfestellung aus um den richtigen Weg zu weisen.