Jenseits der Existenzangst!
Von Ralf Senftleben • 19 Kommentare
Ich habe ja das große Privileg, meinen Arbeitsalltag selbst zu bestimmen. Ich kann mir nicht nur aussuchen, wann und mit wem ich arbeite. Ich kann auch die Inhalte und Aufgaben meiner Arbeit selbst bestimmen. Das ist ein Teil meines Lebens, für den ich sehr dankbar bin.
Ich bin dafür dankbar, weil ich es ja auch anders kenne. Du gehst arbeiten, nicht weil es Spaß macht und weil du deine Arbeit als so sinnvoll empfindest. Nein, du gehst arbeiten, weil du am Monatsende deine Rechnungen bezahlen musst. Das ist wohl eher der Normalfall, auch wenn ich das für eine ziemliche Verschwendung von Lebenszeit halte.
Ich glaube ja fest daran , dass in den meisten von uns deutlich mehr steckt, als wir uns selbst zutrauen. Und ich glaube auch daran, dass jeder seinen Platz im Berufsleben finden könnte, an dem er sich wohlfühlt und der zu seinen Stärken und Vorlieben passt.
Das funktioniert in meinen Augen nicht unbedingt mit den herkömmlichen Vorgehensweisen, wie man sie in “normalen” Bewerbungstrainings lernt. Und unsere gesellschaftlichen Strukturen und die Strukturen des Arbeitsmarktes fördern es leider auch nicht unbedingt, dass wir eine berufliche Aufgabe finden, die auch wirklich zu uns passt.
Aber ich weiß, dass es auch anders geht. Ich habe es schon oft beobachtet, wie Menschen auf Wegen, die sie nicht in den gängigen Bewerbungsratgebern gefunden haben, einen Job bekommen (oder sich schaffen).
Aber dazu muss man den Mut haben, nach alternativen Wegen zu suchen und gegen den Strom zu schwimmen. Dazu muss man das Leben selbst in die Hand nehmen und sein eigenes Ding machen. Man muss die Verantwortung für das eigene Glück übernehmen, dazulernen und auch mal über seinen Schatten springen und ein paar der persönlichen Grenzen überwinden.
Vor einigen Tagen hat unser fleißiger Blog-Kommentator Hubert in einem seiner Kommentare geschrieben, dass viele Menschen was ihren Beruf angeht, einfach nicht frei sind, weil ihr Leben beruflich von Existenzangst bestimmt wird.
Und ich glaube, er hat damit nicht Unrecht. Wobei es im Grunde keine wirkliche Existenzangst ist, wenn man den Begriff wörtlich nimmt. Denn niemand, der seinen Job verliert, verliert bei uns auch seine Existenz. D.h. er hört nicht auf zu existieren. Es ist wohl eher die Angst vor sozialem Abstieg. Aber der Effekt ist derselbe. Auch diese Angst lässt die Menschen an ungeliebten Jobs festhalten.
Wenn Sie also in einem ungeliebten Job festhängen und Sie merken, dass die Existenzangst Sie davon abhält, Ihr Leben zu ändern, dann müssen Sie sich damit nicht abfinden.
Mein Rat wäre hier: Beginnen Sie, die Existenzangst zu demontieren.
Fragen Sie sich z.B.: “Was soll mein Leben bestimmen? Die Angst oder die Liebe zum Leben?”.
Machen Sie sich klar, dass Sie ein erwachsener und fähiger Mensch sind, mit jeder Menge Erfahrungen. Machen Sie sich klar, dass Sie in Ihrer Vergangenheit schon viele kniffelige Situationen überstanden haben. Suchen Sie sich Unterstützung von Menschen, die Sie stärken und die Ihnen Kraft und Mut geben.
Und machen Sie sich vor allem eines klar, dass es nur einen Weg gibt, wirklich zu verlieren: wenn Sie aufgeben.





Wow Ralph,
ich danke Dir für diese Zeilen, die mich gerade heute finden. Ich hatte heute ein Vorstellungsgespräch und auch Erfolg, d.h. ich habe das Gefühl die Stelle zu bekommen. Ich hatte auch gestern ein Vorstellungsgepräch - und rate mal, auch hier habe ich das Gefühl, daß ich da gut dabei bin.
Nur...... beide Stellen wären in die Kategorie "naja-mach-ich-das-halt-wieder-wenn-ich-sonst-nichts-anderes-hab" einzuordnen, wenn ich ganz ehrlich bin. Mit "Berufung" hat das nicht so viel zu tun. Will ich das wieder? NEIN!
Aber in mir ist eben auch dieser Anteil, der sich nach Sicherheit sehnt....("Deine Kohle reicht jetzt noch genau bis..., wenn Du bis dahin nichts gefunden hast, was machst Du denn dann?")
Was hast Du denn für Tipps für mich, wo soll ich beginnen?
Danke und liebe Grüße
Sabine
Es ist schön sich bewusst zu machen, das nicht die Angst vor dem sozialen Abstieg sondern die Liebe zum Leben unser Antreib sein soll.
Welche Zukunft Leben bietet mir denn ein Leben, wo ich meine Träume nihct finanzieren kann.
Das Märchen vom tellerwäscher zum Millionär funktionierft nihct immer.
Nicht viele, die auf der Strasse leben, sind wirklich glücklich.
Ein HarzIV Empänger hat nicht wirklich viel Selbstbewusstsien, oder Selbstachtung. Weil er nicht mehr GEBRAUCHT wird.
Wir können diese sozialen Kleinigkeiten leider nicht ganz ausser acht lassen.
Man kann nur für sich entscheiden "Lebe ich für meine Berufung" oder finanziert mir mein Beruf mein Leben.
Für viele dürfte es das letztere sein.
Ich weiß selbst wie schwer es ist, dann seinen Beruf noch ordentlich auszuüben.
Grüße, Moni
Hallo Ralf,
Vor 12 Jahren habe ich meinen "sicheren Job" aufgegeben und bin als Au-Pair für ein kl. Taschengeld in die USA gegangen. Viele haben mich schon damals für verrückt erklärt!
Der Aufenthalt in den Staaten hat mir sehr gut getan und mich ein ganzes Stück weiter gebracht. Damals wollte ich nicht zurückkommen, sondern in den Staaten studieren, aber ein Krankheitsfall in der Familie hielt mich davon ab.
Nach nur 1 Monat in Deutschland hatte ich wieder einen "sicheren Job".
Ich lernte meinen Mann kennen, der sich vor 5 Jahren selbständig machte. Man hielt uns auch hier für verrückt!Wir haben z.Zt. 6 Angestellte und sind eigentlich auf meinen "sicheren Job" angewiesen. Doch ich werde ihn in 2 Monaten aufgeben, da er mich und meinen Mann krank macht.
Die Probleme an meinem Arbeitsplatz nehmen Einfluss auf unser Leben und die Arbeit im eigenen Büro. Wir können unserem Büro nicht das geben, was es braucht um richtig zu funktionieren.
Wie wir die neue finanzielle Herausforderung bewerkstelligen, wissen wir noch nicht genau, aber es wird sich ein Weg finden. Wir freuen uns auf die neue Lebenssituation.
Gruß Cleo
@Sabine:
Mein Rat ist einfach, aber nicht leicht :-) Und er ist auch eher allgemein und muss je nach Mensch unterschiedlich ausgefüllt werden. Aber ich würde so etwas in der Art empfehlen:
* Sich der eigenen Stärken, Talente und Möglichkeiten bewusst zu werden. Jeder von uns kann bestimmte Dinge besser, als andere und nach meiner Erfahrung ist unser Platz meist da, wo wir diese Talente am besten einsetzen können.
* Sich selbst immer besser kennenlernen und verstehen, wie man selbst tickt. Herausfinden, was einen treibt, nach welchen Kriterien man Entscheidungen trifft, wovor ich Angst habe.
* Den eigenen Einfluss-Radius erweitern. Zum einen durch Dazulernen von neuen Fähigkeiten und durch Stärken der eigenen Stärken. Zum anderen durch Networking und knüpfen von Beziehungen.
* Die eigenen Ängste in den Griff bekommen, damit sie uns nicht so sehr einschränken.
* Anfangen, auszuprobieren, Experimente machen, nicht nur nach dem eigenen Platz suchen, sondern "dem Leben" auch die Möglichkeit geben, einem den eigenen Platz zu zeigen. Und das geht nur, wenn du rausgehst und dich dem Leben zeigst.
Viele Grüße,
Ralf
@Monica.
Was du schreibst, sehe ich ähnlich. Natürlich ist es für die meisten nicht leicht. Und es wird auch nicht immer klappen, die eigene Berufung zu leben. Ich weiß, dass es nicht jeder schafft, der sich auf den Weg macht. Wenn es jeder schaffen würde, würde es wahrscheinlich jeder tun.
Es gibt hier nur einige Fragen, die bei mir persönlich im Hinterkopf herumgeistern:
* Verzeihe ich mir, wenn ich es nicht versuche?
* Will ich die Angst oder oder die Liebe wählen?
* Was ist mir wichtiger: Meine Sicherheit/Bequemlichkeit oder meine Erfüllung?
Natürlich gibt es keine Garantien, dass ich es schaffen werde. Aber ich persönlich glaube, dass wir auf dieser Welt sind, um es zu versuchen :-) Das ist aber nur meine persönliche Idee vom "Sinn des Lebens".
Viele Grüße,
Ralf
Danke für die bestätigenden Zeilen, Ralf.
Ich habe mich in Deinem Essay sehr wiedergefunden und gefreut.
Ich bin Anfang 30 und habe einen vermeintlich "sicheren" Job aufgegeben, weil ich mich durch das System, in dem ich arbeitete, nicht mehr wie ich selbst fühlte. Da war auf der einen Seite die Angst, wie ich dann in ein paar Jahren "zustehe", aber auch das Gefühl, dass ich um meinet- und meiner Gesundheit Willen einfach eine Veränderung eingehen muss. - Vielleicht war das die Liebe zu mir selbst, die mir auf die Schulter tippte und einflüsterte: Du solltest etwas verändern...
Seit einiger Zeit habe ich nun eine befristete Stelle, die aber es ist mir bei all meinem Sicherheitsstreben, was ich aus meiner Sozialisation mitbringe, egal, ob sie verlängert wird.
Das geht sogar noch weiter: ich bereite mich auf eine selbstständige Tätigkeit vor, die mit meinem Beruf originär überhaupt nichts zu tun hat. Aber ich habe, wie ich meine, eine tolle Geschäftsidee, die zu MIR passt und auf die ICH Lust habe, und will einfach daran glauben, dass es funktioniert! Ich habe mir Unterstützung bei einer Unternehmensberatung gesucht, weil ich im Studium der Sozialarbeit einfach nichts über Buchführung und Betriebswirtschaft gelernt habe :o), und eigne mir die Dinge noch an, die ich dafür brauche.
Und in einem halben Jahr gehts los, einfach weil ich denke:
Ich will nicht abhängig sein von den Bedingungen des Arbeitsmarktes und der Arbeitgeber. Ich will meine eigene berufliche Welt schaffen mit dem was ich kann. Und ich will selbst bestimmen, was für das Gelingen meiner Arbeit gut ist. Ich will selbst für mich sorgen.
OK, ich bin dann abhängig von den Bedingungen des Marktes als solchem, Stichwort Nachfrage usw. Aber ich bin allein dafür verantwortlich, wie ich mein Marketing umsetze, wie ich mich präsentiere. Ich war in meinem bisherigen Leben bestimmt nicht jemand, die immer superselbstsicher auf alles zugegangen ist. Ich habe viel mit meinem inneren Teufelchen gekämpft, auch mit äußeren, z.B. bescheuerten Chefs usw. Es ging mir oft nicht gut.
Aber ich denke immer: Wenn "sogar ich" ;-) das schon bis hierhin geschafft habe, dann könnten es doch viele andere auch schaffen... Seit ich die Verantwortung für meinen Lebensverlauf angenommen habe, weil ich nicht mehr möchte, dass andere über mich bestimmen (Arbeitsamt, Gesundheitssystem, Politik, etc.), gehts mir gut.
Und deshalb tat es trotz des Gefühls/ Glaubens/ Wissens, dass ich auf dem richtigen Weg bin, sehr gut, das Essay von Dir zu lesen.
DANKE!
:)
Ich bin gerade 40 geworden und habe 10 Jahre lang mit der Selbstständigkeit geliebäugelt. Seit 2 Jahren habe ich nun meine eigene Firma und kann davon leben.
Wenn man einmal dabei ist, ergeben sich jeden Tag neue Möglichkeiten und Ideen.
Den meisten Menschen aber traue ich solch einen Schritt nicht zu, dazu fehlt meist der Antrieb, der Biss, die Härte und das Querdenken. 12 Stunden Arbeit am Tag als Minimum vertragen auch die Wenigsten.
Außer meiner Partnerin, die mich voll unterstützt, hat in meinem Bekanntenkreis keiner auch nur einen blassen Schimmer davon.
Und wie einige hier in den Kommentaren blicken lassen, so sieht es auch in meinem Umfeld aus: blaß, schwach, ideenlos.
Meine Tipps:
- nicht nur mit Gleichgesinnten umgeben, die alle die gleichen Probleme haben
- einen Mentor (Freund, Kollegen, ...) suchen, der einen selbst mit seinen Ideen und Power weiterbringt. Ich habe das Glück, solch einen Freund zu kennen, der dies unbewußt verkörpert hat.
Nun bin ich von der grauen Maus zum Unternehmer mutiert ... und es macht Spaß!
Liebe Sabine,
Den Tips von Ralf kann ich fast nichts hinzufügen! :)
Mir ist nur noch ein Gedanke dazu gekommen:
Wenn es jetzt, in diesem Moment, einfach eng mit dem Finanziellen ist, könntest Du einen Vertrag mit Dir selbst abschließen:
Ich brauche jetzt einen Job, in dem ich das Geld für mein tägliches Leben verdiene. UND GLEICHZEITIG arbeite ich daran, jeden Tag ein bisschen mehr herauszufinden, was denn eigentlich meine Berufung ist, was mir wirklich Spass macht, was meinem Leben wirklich Sinn gibt, was ich wirklich gut kann, was meine Talente und Fähigkeiten sind, was meine Wünsche und Sehnsüchte sind.
Dazu gibt's zeitzuleben.de, Bücher und Workshops/Seminare und Coaching - und wahrscheinlich noch vieles mehr! :) :) :) :)
Ich wünsche Dir viel Erfolg und Freude (!) beim Finden und Umetzen Deiner persönlichen Berufung! :)
Herzlichst,
ULI
Hallo zusammen,
wow, dieses Thema scheint richtig entflammt zu sein!
Ich habe ähnliches erlebt wie Tania. War jahrelang Angestellter. Habe Jobs gemacht, nur des Geldes wegen. Um meine Rechnungen bezahlen zu können. Anfänglich war immer eine große Begeisterung da, bis mich meine Vorgesetzten ausgebremst haben. Ich glaube, wie bei den meisten Angestellten. Oder?
Wie Tania, habe auch ich jetzt das Privileg, meinen Arbeitsalltag selbst zu bestimmen. Mit wem und wie lange ich arbeite. Und vor allem: Ich mache nur noch das, was mir Spaß macht. Dafür bin ich sehr dankbar. Klar, auch als Selbstständiger hast du Probleme. Du beschaffst dir deine Aufträge selbst. Das machen sonst deine Kollegen. Die Frage ist: Was ist euch wichtiger? Was meint ihr?
Viele Grüße :o)
René
Bin zufällig über diesen Blog gestolpert ...:
Der Satz von meinem jetzigen Chef klingt mir heute noch in den Ohren: "Weisst du Mädchen, du musst auch mal an deine Rente denken." Batsch!
Das hat auch mein inneres "Sicherheitsengelchen" überzeugt und schwups hatte ich den Vertrag für das duale Studium unterschrieben. Zuvor hatte ich in derselben Firma eine Ausbildung gemacht - mein Beruf hat mir immer viel Freude gemacht.
Zu Studieren stand eigentlich nie auf meinem Lebensplan. Und jetzt? Mittlerweile habe ich gar keinen Plan mehr, den ich vorlegen könnte.
Kurz gesagt: Ich bin noch keine 30 und mir ist alles zuviel und ich bin sehr pessimistisch geworden. Ich war mal ein Energiebündel und voller Eifer bei der Sache. Ich habe immer viel gearbeitet, meine "Ausbildung" war nach ein paar Wochen im Grunde genommen vorbei und dann ging es in die Vollen: 12 Stunden am Tag, Wochenenden, auch mal an Feiertagen - für mich normal, aber auch in Ordnung.
Und jetzt? Ich bin müde, unmotiviert, ertrage mein Umfeld kaum noch und habe kein Ziel. Nur die Angst vor der Zukunft ist mein Begleiter geworden. Vieles fühlt sich falsch an, aber was richtig ist, weiß ich auch nicht mehr.
Kennt jemand so eine Situation?
Akademischer Abschluss = höherer Verdienst?
Gilt bei einem Studium das Gleiche wie bei einem Job, der einen unglücklich macht? Oder gilt bei Ausbildungen immer: "Duchziehen, egal wie?"
Viele Fragen ...
Freue mich über Antworten :-)
Viele Grüße
Issetta
Hallo zusammen!
Wie sagt Radio Eriwan so schön: "Im Prinzip..." stimme ich fast allen Aussagen hier zu und es mögen die einzelnen Ansätze auch durchaus individuell passen.
Es gebt da nur ein kleines, wenn auch nicht minder mahnendes (für manche hässliches) Wort: ABER...
Was macht jemand, mit einer 5 köpfigen Familie, als Alleinverdiener und einem ordentlichen Berg Schulden für ein Eigenheim (da Mieten in der Gegen in der er wohnt schlicht und ergreifend teurer ist, als kaufen. [Ja solche Gegenden gibts]).
Dieser Mitmensch kann nicht einfach mal sagen "Ich probier jetzt einen ganz neuen Weg", weil er die Verantwortung nicht nur für sich allein, sondern auch für eine komplette Familie übernommen hat: das beginnt bei so Kleinigkeiten wie Essen auf dem Tisch und hört bei Ausbildungskosten und Zahnspangen für Kinder auf.
Der konkrete Mensch ist seit 17 Jahren glücklich verheiratet und bei seinem derzeitigen Arbeitgeber (trotz guter Bezahlung [Geld ist ja nicht alles wie wir wissen] ziemlich unglücklich).
... nur mal so zum nachdenken für alle Singles / oder provokanter formuliert Egozentriker...
Gruß
Wolfgang
Hallo Wolfgang,
so jemanden würde ich raten, seine Situation lieben zu lernen :-)
Ne klar, wenn wir Verantwortung für andere haben werden unsere Entscheidungen kniffeliger.
Aber: Auch hier triffst du eine Entscheidung... nämlich dass dir die Sicherheit/Bequemlichkeit deiner Familie wichtiger ist, als dein Glück.
Und dagegen ist ja auch nichts einzuwenden und das ehrt dich ja auch.
Ich finde es für mich nur immer wichtig, dass ich mir klarmache, dass ich grundsätzlich immer die Wahl habe.
D.h. du könntest dich für einen anderen Weg entscheiden, entscheidest dich aber dagegen, weil du die Konsequenzen nicht haben willst.
Viele Grüße,
Ralf
Hallo Ralf,
kann es sein, dass du "Die Entscheidung liegt bei dir" von Dr. Sprenger kennst? ;o)
Ich habe mir das Hörbuch sicher 20 mal angehört, bis ich die Wahlfreiheit zu 100 % begriffen habe. Denn insgeheim ist es viel bequemer, anderen die Schuld zu geben und die Wahlfreiheit in Abrede zu stellen...
Ralf, ich bin ganz bei dir. So schwierig eine Situation auch ist (viele Kinder, Haus-Schulden etc.), die Wahlfreiheit ist da. Klar hat jede Entscheidung Konsequenzen. Manchmal sogar ganz erhebliche, wie der Verlust des Jobs oder des Einfamilienhauses. Ist das nicht ein Privileg unserer Demokratie und des Friedens in unserem Lande?
Viele Grüße!
René
Hallo Ralf, hallo René!
Danke für Eure Antworten / Beiträge. (Das Buch von Hrn. Sprenger habe ich übrigens gelesen und kann es nur weiterempfehlen. Hervorragende Lektüre).
Worum es mir eigentlich ging ist die Klarstellung, welche Ralf sehr treffend bezeichnet hat: Wenn dein soziales Netz mit Verantwortung für mehr als nur deine eigene Person erfüllt ist, dann werden die Entscheidungen "kniffliger" (sehr gute Wortwahl).
Entscheidungen werden dann nicht unmöglich oder gar in fatalistischer Weise nur noch fremdbestimmt, aber die Gewichtung ist eine andere als jene, ob ich über MEINEN Verbleib (geografisch, sozial, finanziell) bestimme oder den von anderen Individuen.
Wie es in besagtem Buch recht treffend und - so glaube ich - allgemeingültig formuliert ist: Ich kann jederzeit, jede Entscheidung treffen und leben, vorausgesetzt ich bin bereit den Preis dafür zu zahlen!
Die Situation lieben zu lernen gehört meiner Meinung nach auch zu den Herausforderungen und dem Preis den manche Menschen zahlen müssen/wollen.
in diesem Sinne
lg
Wolfgang
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"Leben ist das was uns passiert während wir eifrig andere Pläne machen."
Hallo Wolfgang,
ich seh' schon: Dr. Sprenger ist überall... ;o)
Vielen Dank für deine Richtigstellung. Jetzt weiß ich, was genau du gemeint hast.
Ja, ich stimme dir 100 % zu. Die Wahl ist umso schwieriger, je mehr hinten dran hängt. Familie, Haus, soziales Umfeld etc.
Ich selbst bin Familienvater, was den Preis für bestimmte Entscheidungen für mich zu teuer macht. Trotzdem ist mir immer klar, dass die Wahlfreiheit da ist. Egal, wie hoch der Preis ist.
Lieben Gruß
René
Hallo Freunde
Ich habe Euren Meinungsaustausch schon eine weile beobachtet und ich glaube jeder hat nicht nur das Recht sein Leben in die eigenen Hände zu nehmen sondern auch die Pflicht.
Ich bin 42 Jahre alt, verheiratet und Vater von 2 Kindern.
Ich bin aus einem Angestelltenverhältnis in die Selbstständigkeit gegangen, aber nicht weil ich der Meinung bin das eine Selbstständigkeit so eine tolle Sache ist, nein wir sind durch die Evolution zum Jäger geworden und durch unser ach so tolles Soziales Netz zum WARTER und FÜTTER MICH.
Warum gab uns der große Schöpfer ein Gehirn? Um unser Leben in die eigenen Hände zu nehmen, oder ein Leben wie eine Amöbe zu führen?
Wir werden amerikanische Verhältnisse schneller haben, als einigen von uns das lieb sind wird und wer dann noch immer nicht verstanden hat sein Leben nicht aus Büchern zu leben wird scheitern.
Schreiben wir nicht jeden Tag das Buch des Lebens neu und fügen wir nicht täglich neue Erfahrungen, gute und weniger gute, dem hinzu? Wie mein Vorredner so treffend feststellte haben wir als Menschen die Wahlfreiheit Egal wie hoch der Preis auch ist. Wir müssen nur lernen den Preis auch zu Zahlen, dass heißt wir müssen auch bereit sein den Preis zu zahlen.
Ein schlauer Mensch hat mal gesagt Du bekommst immer nur das was Du bereit bist zu zahlen. Egal wie toll das Angebot auch war, egal wie toll das Schnäppchen auch war es ist ein Schnäppchen.
Wie auch Eure private Situation sein mag lasst Euch nicht vom Leben einsperren in Ängste und Selbstzweifel. Nehmt eure Zukunft in die eigenen Hände und lasst Euch nicht von Menschen beeinflusse die schon immer der Meinung waren Sie hätten im Leben schon alles ausprobiert und sie können Euch in jeder Hinsicht über alles Auskunft geben.
Ich möchte nicht zum Lehrmeister und Klugscheißer mutieren aber ich sage Euch eins, das Leben ist das Beste, was uns passieren konnte. Ich musste auch lernen, LEBE JEDEN TAG BEWUSST ALS WÄRE ES DER LETZE und Ihr werdet sehen es ist geil seine Zukunft selbst zu bestimmen. Auch in einer Welt wie wir sie heute erleben müssen oder dürfen, sucht es Euch aus.
Ihr seit Menschen entscheidet selber.......................
MfG Andreas
ich zitiere major:
"Den meisten Menschen aber traue ich solch einen Schritt nicht zu, dazu fehlt meist der Antrieb, der Biss, die Härte und das Querdenken. 12 Stunden Arbeit am Tag als Minimum vertragen auch die Wenigsten."
da stimme ich 100% zu, nicht jeder kann sich mal schnell selbstständig machen.
ich möchte niemandem zu nahe treten, aber den artikel empfinde ich als geradezu flach und blauäugig. für leute, die wirklich in der scheisse stecken (zu denen ich glücklicherweise nicht gehöre, bin noch im studium), sind solche tips fast schon anmassend! und auch wenn die theoretische wahlfreiheit, wie von meinen vorgängern mehrfach erwähnt, da ist - jemand der eine familie mit mehreren kindern durchzubringen hat hat diese freiheit praktisch dann in den meisten fällen doch nicht - ausser er mutet den kindern seine selbstverwirklichungseskapaden zu.
nachtrag
ich bin ebenfalls für eigenverantwortung und einen positiven blick in die zukunft. aber realistisch sollte es dann schon bleiben.
ich habe leider das gefühl, das immer mehr zeitzuleben-artikel unter "betriebsblindheit" leiden und mehr einem "coaching-mikrokosmos" entspringen als dem wirklichen leben, wie ich es empfinde.
trotzdem tolle sache, dass es o eine seite gibt, ich lese sie nach wie vor gerne.
liebe grüße
susanne
Da habe ich etwas einzuwenden:
Wahlfreiheit im Sinne von Verantwortung für die Gestaltung seines eigenen Lebens liegt meiner Ansicht nach IMMER bei einem selbst! Klar, je mehr Verbindlichkeiten wie Familie, Immobilie etc. bestehen, desto schwerer ist es, seinen Weg konseuqent zu gehen bzw. überhaupt einzuschlagen, ohne in unserer Gesellschaft als egoistisch dazustehen. Aber man kann zu jeder Zeit sein Leben in die gewünschten Bahnen umlenken, solange man bereit ist, die daraus entstehenden Konsequenzen selbst zu tragen (Entscheidung: Selbstverwirklichung vs. Sicherheitsdenken).
Ich persönlich rede hierbei nicht "von oben herab", sondern habe Existenznot, ECHTE Existenznot, erfahren, bei denen manche Bekannte mir schon sagten, es sei ja bewundernswert, dass ich mich noch nicht vor die nächste Bahn geworfen hätte... (den Draht zu diesen "Bekannten" ließ ich dann lieber ausklingen).
Ja es ist schwer und es tut einem sehr weh, wenn man sieht, dass man jeden noch so kleinen Schritt in die angestrebte Richtung mit einem zigfachen Einsatz bewältigen muss als viele andere Menschen, die z. B. einfach ein bisschen Geld auf der hohen Kante haben, um z. B. ein eigenes Unternehmen in Ruhe aufzubauen.
Umso mehr stärkt es einen dann aber (denn diese Phase habe ich inzwischen erreicht) wenn man dies durchhält und merkt, wie trotz der schwierigen Ausgangslage die Dinge positiv ins Rollen kommen. Man trägt die Existentangst ein weites Stück noch in sich (vielleicht prägt solch eine Erfahrung für immer) aber man darf sich von ihr nicht handlungsunfähig machen lassen.
Und das Beste daran: Welch wunderbares Gefühl, auf seine innere Stimme gehört zu haben, seinen Begabungen und seinem Naturell zu folgen und einen Job auszuüben, in dem man voll nd ganz aufgeht und von dem man dann auch leben kann! Und wie bitter die Alternative dazu: Festgehalten am unteren Rand der Gesellschaft, in einem uninteressanten Job, 9to5-Abarbeiten, geistig verkümmern, und das "sichere" Einkommen reicht in der Regel gerade man zur Deckung der allernötigsten Lebenskosten...
Für mich war es trotz schlimmer Existenznot an der "Zeit zu leben" - es hat sich gelohnt!!!
Susanne E.