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Warum tue ich es nicht einfach?

Von Tania Konnerth7 Kommentare

Hier bei Zeit zu leben befassen wir uns ja u.a. ausführlich mit der Frage, wie man seine eigenen Ziele finden kann – wie man also herausfinden kann, was man wirklich will.

Nun haben manche Menschen damit aber gar kein Problem. Tatsächlich wissen sie sehr genau, was sie erreichen möchten, was sie sich wünschen und was ihre Ziele sind. Die Herausforderung für diese Menschen liegt viel mehr darin, ihre Ziele auch wirklich aktiv anzugehen.

Kommt Ihnen das bekannt vor? Haben Sie vielleicht selbst bereits ziemlich konkrete Bilder davon im Kopf, was Sie alles noch tun möchten? Aber Sie schaffen es nicht, endlich mit der Umsetzung zu beginnen?

Wenn ja, dann sind Sie damit nicht allein. Mehr noch: ich glaube, dass es sich um eine recht große Anzahl von Menschen handelt, die durchaus Zielvorstellungen haben, aber denen es nicht gelingt, diese Ziele umzusetzen. Wenn Sie dazu gehören, dann werden Sie z.B. immer dann, wenn Sie eigentlich loslegen wollen, plötzlich müde oder Sie sind wie gelähmt. Vielleicht zweifeln Sie plötzlich daran, ob das Ziel wirklich das Richtige ist. Oder Sie stellen fest, dass gerade heute nicht der richtige Tag ist, weil ja nachher Besuch kommt und Sie dann eventuell mittendrin aufhören müssten. Und dann steht ja auch noch das neue Projekt auf der Arbeit an, da würde dann eh keine Zeit für anderes bleiben…

Kurz und gut: Sie finden immer wieder neue Gründe, warum gerade jetzt nicht der Zeitpunkt zum Beginnen ist. Und das kann sehr frustrierend sein.

Ich glaube, es lohnt sich, hier einmal genauer nach den möglichen Gründen dafür zu forschen, warum wir unser Ziel nicht angehen, denn das kann uns neue Handlungsmöglichkeiten schenken.

Die Gründe, unsere Ziele immer wieder aufzuschieben, können vielfältig sein:

Gehen Sie einmal in sich und forschen Sie Ihren ganz persönlichen Gründen nach. Fragen Sie sich, was alles hinter der Tatsache stehen könnte, dass Sie sich selbst davon abhalten, Ihre Ziele wirklich anzugehen. Versuchen Sie zu verstehen, warum Sie sich selbst von Veränderungen abhalten.

Auf diese Weise können Sie sich selbst ein gutes Stück besser kennen lernen. Wenn Sie Ihre Motive und Ihr Verhalten besser verstehen, können Sie nachsichtiger und liebevoller mit sich selbst sein und verständnisvoller. Das wiederum reduziert die Frustgefühle, die aufgeschobene Ziele oft mit sich bringen.

Und w enn Sie wissen, warum Sie ein Ziel nicht umsetzen, gewinnen Sie noch eine weitere Möglichkeit: Sie können sich dann auch viel bewusster gegen auch gegen das Ziel entscheiden. Manchmal ist genau das wichtig, um den Kopf wieder frei zu bekommen. Vielleicht ist jetzt einfach wirklich noch nicht der Zeitpunkt, den Roman zu beginnen, vielleicht steht es noch nicht an, sich selbstständig zu machen und vielleicht ist der Plan, nach Afrika auszuwandern, doch eine Nummer zu groß.

Zweifel an unseren Zielen sind nichts Schlechtes – schlecht ist nur, wenn sie unbewusst wirken. Dann hindern sie uns an der Umsetzung unserer Ziele und in der Folge halten wir uns für Versager.

Wenn wir uns aber unsere Bedenken klar machen, können wir mit ihnen arbeiten – sie entkräften oder ihnen folgen. Und damit wechseln wir wieder auf die aktive Seite

  1. Annette schreibt am 23. September 2007 um 10:38

    Ja, das geht mir auch immer wieder so!
    Doch ich habe gerade begonnen, eines meiner langjährigen Ziele in die Tat umzusetzen.
    Ich will schon seit fast 25(!) Jahren eine Handarbeit namens "Quilten" lernen. Und immer gab es etwas anderes, das mir den Weg versperrte.
    Im Sommer merkte ich, daß mir der sehr enge Kontakt, den wir mit einem befreundeten Ehepaar hatten, so langsam aber sicher viiiiiiel zu eng wurde. Und ich habe mich vorsichtig distanziert. Das ging natürlich nicht ohne Beleidigtsein der Anderen ab. Aber ich war tapfer, habe durchgehalten und erklärt, daß ich einfach mehr Raum und Zeit für mich brauche. Ich hoffe, sie haben es verstanden. Wenn nicht, dann kann ich es leider auch nicht ändern. Aber ich bin wirklich meinem eingeschlagenen Weg zu mehr eigener Freiheit treu geblieben und auf einmal habe ich Zeit, mein lang ersehntes Quilten zu lernen. Und nun gibt es "ganz zufälligerweise" hier in der Nähe eine Gruppe von Frauen, die zusammen nähen. Und in dieser Gruppe ist gerade jetzt ein Platz frei geworden. Und gerade jetzt hatte ich den Mut, übers Internet Gleichgesinnte zu suchen. Und gerade jetzt hat mir eine Freundin ein Buch über das Quilten geschenkt..... So viele Zufälle!!!!! Da hat meiner Meinung nach der liebe Gott (oder wer auch immer!) ganz kräftig seine Finger im Spiel gehabt!
    Also nut Mut, manchmal dauert es eben etwas bis der richtige Zeitpunkt für ein Vorhaben gekommen ist!

  2. Gabi schreibt am 23. September 2007 um 11:25

    Genau diese Frage hat mich weiter gebracht - immer wieder, wenn es scheinbar gar nicht weiter ging - obwohl mein Ziel für mich ganz klar war.
    Meist stand - steht - dahinter die Angst vor der doch noch unbekannten Veränderung - denn wenn ich etwas tue, was ich noch nie getan habe, bekomme ich auch etwas, was ich noch nie gehabt habe - Risiko! :-)
    Was mir auch geholfen hat, war wirklich kleine Schritte zu planen und zu gehen, immer das umsetzen, was im Moment möglich ist und nicht gleich an einem Tag das Ziel erreichen zu wollen/müssen.
    Ähnlich wie beim Aufräumen - fang ich erst mal mit einer Schublade an und nimm mir nicht gleich das ganze Haus vor.
    Wenn ich einen Schritt getan hatte, dann ging es mir auch immer wieder so wie Annette das beschreibt - Hilfe kam von außen auf mich zu - auf die unterschiedlichste Weise - und das war für mich das beste Zeichen, dass ich in "meine" Richtung gehe.
    Schöne Zeit für alle!!
    Gabi

  3. Henning Droege schreibt am 25. September 2007 um 02:10

    Wenn ich analysiere, warum es mir schwerfällt manche Aufgaben anzupacken, komme ich auf 2 Ergebnisse:
    - Im einfacheren Fall ist die Aufgabe zu groß, um sie eben schnell abzuschließen. Es ist also eine eingehende Planung erforderlich. Erst wenn ich die Aufgabe bis zu Ende durchdacht und den ersten Schritt definiert habe, kann ich diesen sinnvollerweise anpacken.
    - Im schwierigeren Fall mit hartnäckigerer Abneigung habe ich an diesem oder einem ähnlichen Projekt schon viele vergebliche Versuche gemacht, und es gibt keinen Hinweis, dass es jetzt besser laufen sollte. Einfach aufgeben geht aber auch nicht. Das Zurückschrecken ist also durchaus berechtigt, und mehr Motivation ist nicht die Lösung. Eher schon einen weiteren Rat einholen und dafür jemand kompetenten finden.

  4. Kirsten Klüser schreibt am 6. Oktober 2007 um 11:57

    Ja, ich kenne das auch nur zu gut. Ich weiss mittlerweile auch woran es liegt. Nur wie ich es ändere, weiss ich noch nicht, weil einen entscheidenen Punkt habe ich wohl noch nicht gefunden (glaube ich).
    1. Wenn ich etwas angefangen habe wurde es mir von anderen immer wieder aus der Hand genommen.
    2. Wenn ich etwas angefangen habe oder machen wollte wurde es mir sehr, sehr oft von anderen, madig gemacht.
    3. Aufgrund von diesen und anderen Erfahrungen hatte ich Angst überhaupt etwas zu tun weil ich Angst hatte.
    - Angst zu versagen
    - andere haben Ängste in mir aufgebaut.
    - Angst vor Konsequenzen
    - Angst vor "Liebes- bzw. Sympatieverlust"
    etc.
    4. Ich ziehe solche Menschen auch immer wieder an.
    5. Vielerlei Druck und Zwänge werden auf mich ausgeübt so zu bleiben. Weil, wenn ich ändere müssen das andere zwangsläufig auch.
    Obwohl ich vieles mittlerweile weiss, bin ich immer noch nicht in der Lage diese "Muster" zu verändern bzw. zu durchbrechen. Ich versuche es immer wieder. Scheine jedoch an mir selber zu scheitern, weil das andere immer wieder zulasse.
    Es hat wohl, denke ich, mit loslassen können zu tun. Also was will ich auf Biegen und Brechen festhalten?

  5. Daniel Franke schreibt am 14. Oktober 2007 um 20:15

    Manchmal bedarf es auch externer Anlässe, um bestimmte Dinge in die eigene Hand zu nehmen. Meine eigene Selbständigkeit etwa hab ich zwar schon eine Weile lang geplant, aber erst die Insolvenz meines letzten Arbeitgebers hat den nötigen Schub verpasst, alles von heute auf morgen in die Tat umzusetzen. Ein gewisser Chaosfaktor ist also nicht von der Hand zu weisen, auch nicht bei der besten Planung.

  6. Dara schreibt am 16. Oktober 2007 um 05:19

    Manchmal war mein Ziel eben einfach nicht wirklich mein Ziel.... das wußte ich wohl irgendwie, wollte aber den Traum (noch?) nicht aufgeben.

    Meistens war mir meine Familie im Wege: Es hätte sie verletzt oder ihnen (vermeintlich) geschadet oder sie hätten mich dafür verachtet, kritisiert, es mißbilligt....

    Eifersucht, Neid meiner jüngeren Geschwister - ich wurde erzogen als "Klügere" nachzugeben und sie "gewinnen" zu lassen - mich klein zu machen, zu verlieren, zu versagen, damit meine Mutter ihre Ruhe hatte, denn sie, die Kleineren, waren laut, durchsetzungsstark, brüllend, quengelnd und nervend, wenn sie ihren Willen nicht bekamen. Sie bekamen immer alles. Ich sah zu, durfte nicht neidisch sein, nicht eifersüchtig, mußte so "klug" sein, zu verzichten. Natürlich machte ich es mir zu in meiner kindlichen Logik so sehr zu eigen, dass ich immer alles losließ, nie für mich eintrat, nie kämpfte, nie stritt, nie..... Nur wurde ich fett! Dafür wurde ich gepiesackt von den Kleineren und verachtet. Den Zusammenhang können sie bis heute nicht verstehen.

    Ich habe die Kontakte auf Eis gelegt, weil ich nur dann haben kann, tun kann, erfolgreich sein kann, was und wie ich es will.

    Schade für diese Familie.

  7. Dara schreibt am 16. Oktober 2007 um 05:31

    Ich vergaß zu erwähnen: Sie (meine jüngeren Geschwister) erwarten von mir, dass ich nichts erreiche, nichts will, erfolglos bin.
    Das ging so weit, dass sie nie merkten, dass ich Klassenbeste war, Preise bekam, ausgezeichnet wurde, befördert wurde. Ich sagte es ihnen allerdings auch nie und die Veröffentlichungen in Medeien bemerkten sie nicht.
    Wenn sie es wissen würden, würden sie sich über mich lustig machen und es verächtlich machen.....
    Mir erscheint es zwecklos, mich dort bemerkbar zu machen, wo man mich nur auf eine Art und Weise bemerken will. Sie sind heute über 50 und immer noch "klein". Schade für sie.

    Und für mich? Ich liebe sie, will aber nicht mehr mit ihnen zu tun haben, als unbedingt nötig ist.

    Meine Ziele? Wenn ich welche habe, dann bezweifle ich sie immer noch gewohnheitsmäßig, aber dann kommt das "AHA" und dann entscheide ich mich und setze mich ein oder eben nicht.