Mitten in der Unzufriedenheitsfalle
Von Tania Konnerth • 8 Kommentare
Ich denke, das kennen viele: Eigentlich geht es einem gut, eigentlich hat man alles, was man braucht, eigentlich macht einem die Arbeit Spaß und eigentlich müsste man glücklich sein.
Eigentlich… Und uneigentlich? Uneigentlich ist man eben nicht wirklich glücklich. Man kann nicht genau benennen, was es ist, da es ja eben eigentlich gar keinen Grund gibt. Und vielleicht will man es auch gar nicht so ganz genau wissen.
Wenn Ihnen diese Gedanken nicht unbekannt sind, dann sitzen Sie wahrscheinlich auch mitten in der Unzufriedenheitsfalle. Und das Problem ist, dass man da gar nicht so leicht herauskommt.
Denn, was würde es bedeuten, wenn man herausfindet, dass tatsächlich etwas fehlt und wenn man zugibt, dass man eben doch nicht so glücklich und zufrieden ist? Das würde bedeuten, dass man etwas ändern müsste. Aber wenn doch eigentlich alles gut ist, sollte man da dann dran rühren? Schließlich will man nicht undankbar sein und klar, besser geht immer, aber man kann schließlich auch zu viel wollen und macht man sich dann nicht vielleicht alles kaputt? Außerdem sind die Tage gut gefüllt, man hat Aufgaben, Leute, die einem wichtig sind und es wirklich keine Zeit und auch keine Energie, noch was anderes anzufangen.
So hindern uns unser Sicherheitsbedürfnis und unsere Angst davor, auf etwas Liebgewonnenes verzichten zu müssen daran, überhaupt nur über andere Möglichkeiten nachzudenken. Wann immer wir die Unzufriedenheit spüren, beruhigen wir uns damit, wie gut es uns doch im Vergleich zu vielen anderen geht oder wir schimpfen mit uns für unsere Unersättlichkeit.
Und auf diese Weise können nicht nur Jahre, sondern Jahrzehnte, ja, sogar ein ganzes Leben vergehen …
Zufriedenheit mit dem was man hat, ist etwas sehr Wertvolles. Der Anspruch an sich, zufrieden zu sein, mit dem was man hat, kann uns aber gleichzeitig auch daran hindern, wirklich zufrieden zu sein. Dann nämlich, wenn sich unsere Bedürfnisse verändern. Oder wenn wir satt geworden sind an Dingen, die wir schon lange genießen konnten. Wenn wir uns weiterentwickeln. Wenn wir andere Dinge brauchen als die, für die wir gesorgt haben.
Ich glaube, es ist wichtig, der Stimme der Unzufriedenheit hin und wieder Gehör zu geben. Wirklich hinzuspüren, was da in uns nörgelt, was da bohrt. Manchmal ist es nur eine Laune oder Phase, aber manchmal steckt mehr dahinter. Wenn wir dauerhaft versuchen, diese Stimme zu unterdrücken, schubsen wir uns immer tiefer in die Unzufriedenheitsfalle. Und leider kann das am Ende dazu führen, dass man rückblickend vieles bereut. Das verhindern kann man nur dann, wenn man bereit ist, der inneren Unzufriedenheit einen Namen zu geben und sich selbst so wichtig zu nehmen, dass man bereit ist, das gemachte und so bequeme, sichere Nest immer mal wieder zu verlassen.






Das ist sicher ein grundsätzlich sinnvoller Ansatz.
Aber manchmal denke ich, das ständige Nachgrübeln und Analysieren, was fehlt mir bzw. was könnte ich brauchen usw. usw. macht einen doch auch ganz verrückt.
Klingt vielleicht komisch, aber ich bemühe mich oft, das gerade NICHT zu tun, weil ich es nicht immer für konstruktiv halte. Dabei denke ich z.B. an Menschen wie irgendeinen Bergbauern in Südtirol, der einfach seine Pflicht tut und sein Leben lebt und tut, was getan werden muß (auch wenn es vielleicht nicht immer Spaß macht und er nicht alle Wünsche erfüllt bekommt). Sind diese Menschen nicht oft zufriedener?
Wir "modernen" Menschen haben doch dieses Omnipotenzgefühl: Alles ist möglich. Und wenn wir nur benennen können, was wir wollen, können wir es auch erreichen.
Aber ist wirklich alles möglich? Ich behaupte:"Nein".
Vor Jahren dachte ich auch so. Inzwischen nicht mehr und ich finde das sogar gut so.
In meinem Terminplaner habe ich vorne eine Karte eingeheftet:
"Seit ich nicht mehr mich selbst suche, führe ich das glücklichste Leben, das es geben kann." (Turgenjew)
@Renate
..."Seit ich nicht mehr mich selbst suche, führe ich das glücklichste Leben, das es geben kann." (Turgenjew)
Das ist doch dann auch gut,denn dann hast du "DICH" gefunden.
Und trotzdem habe ich beim Lesen deines Komentares das Gefühl,dass da immer noch eine Unzufriedenheit in dir schlummert.
Wie kommt das???
lg lilifee
Ich persönlich glaube, dass Unzufriedenheit oft dann entsteht, wenn man nicht das hat, was man selbst haben möchte, sondern das, was man glaubt "wollen zu sollen". Ein sicherer Job mit guter Bezahlung? Klar, den "soll man wollen", das ist gesellschaftlich anerkannt, damit kann man zufrieden sein, da nicken die Eltern und die Nachbarn. Trotzdem kann ich darin todunglücklich sein, wenn es nicht das Richtige für mich ist.
Ich bin sehr dafür, auf das Bauchgefühl zu hören und es zu respektieren, wenn der Bauch grummelt. Er hat seine Gründe dafür.
Aber ich bin auch sehr dafür, ganz genau hinzuschauen: Ist das wirklich mein Bauch der grummelt? Oder ist es was anderes? Manchmal verkleidet sich auch ein "wollen sollen" als Bauchgrummeln. Zu lernen, wirklich in sich hineinzuhorchen und herauszufinden, was aus einem selbst kommt und was man nur irgendwoher übernommen hat, halte ich für dabei für wesentlich, damit es nicht zu diesem Effekt kommt, den Renate beschreibt, dass man immer mehr will (bzw. meint wollen zu sollen).
Hallo,
ich finde jeder hat auf seine Art und Weise recht.
Ich habe gelernt nicht mehr alles zu wollen,sondern sich einfach etwas bestimmtes zu wünschen, denn das geht bestimmt in Erfüllung.Man sollte nur daran glauben.Es funktioniert.
Bei mir hängt ein Spruch an der Wand: Es sind nicht die Dinge an sich, die mein Leben bestimmen..sondern meine Sicht der Dinge.
Dankbar bin ich für die vielen kleinen Dinge..und die Menschen in meinem Leben.
Ich vergleiche mich nicht mehr mit Anderen.
Und ich habe meine Komfortzonen verlassen, die mir immer wieder Bauchschmerzen bereitet haben. Dieses erforderte viel Mut und ging auch nicht von hier auf gleich. Die Folge waren Umbrüche in meinem Leben.
Aber es hat sich gelohnt.
Ich bin ein zufriedener Mensch geworden.
Sonnige Pfingsten. :-)
Das Wichtigste habe ich vergessen: Heute nehme ich mich (nach Jahren der "Selbstzerfleischung) selbst nicht mehr sooo wichtig. :-)
Ich lebe mein Leben, ergreife die Möglichkeiten, die es mir gibt... und ich tue einfach, was ansteht.
Hallo Tania,
genau das meine ich auch. Das "sichere Nest" ist eine sehr gute umschreibung!
Ich persönlich glaube, dass man seine innere Stimme unterdrückt (kenne ich nur zu gut) wenn es einem gerade nicht so passt, was die so sagt. Besonders wenn es darum geht, dass wir wollen was wir "sollen" (wie Angela sagte) unsere innere Stimme aber sagt "Hey, eigentlich will ich das aber garnicht so...sondern so....".
Im Grunde kennt diese Situation denke ich fast jeder Mensch, jeder denkt mal darüber nach was man hat und was man noch will. Eine Art Inventur.
Viele Grüße
Unzufriedenheitsfalle ist ein schöner Begriff. Ich stelle fest, dass ich oft das Bedürfnis verspüre, Menschen, die unzufrieden sind, aufzubauen oder Ideen zukommen zu lassen. Ich bin dann oft überrascht, dass ich oft resignierende Rückmeldungen erhalte oder dass man glaubt, machtlos zu sein.
In einem Austausch mit einer Psychologin erzählte sie mir kürzlich, dass wir Menschen uns wohler fühlen, wenn wir eine Art der Unzufriedenheit spüren. Und sollte es uns mal richtig gut gehen, haben wir nach kurzer Zeit ein schlechtes Gewissen. Könnt Ihr das nachvollziehen? Haben wir Angst vor Zufriedenheit? Oder brauchen wir Unzufriedenheit in gewisser Weise?
Unzufriedenheit hat dann einen Vorteil, wenn wir sie benutzen, um nach besseren Wegen und Lösungen zu suchen. Ich merke, dass ich immer wieder nach neuen Möglichkeiten oder Lösungen suche, sobald ich mit irgendetwas wirklich unzufrieden bin und ich weiß, dass ich es verändern kann.
Herzliche Grüße
Beatrice Legien-Flandergan