Ein Papa, der fliegen kann?
Von Tania Konnerth
"Mein Papa kann fliegen" von David Almond. – 120 S. – München: Hanser, 2009. – ISBN-10: 3-4462-3304-0. – ca. 13,- EUR (gebunden, farbig illustriert)
"Mein Papa kann fliegen" erzählt die Geschichte von Lissie und ihrem Vater und seiner Idee an einem Flugwettbewerb teilzunehmen. Er will dafür aber keine Maschine nutzen, sondern er plant, als menschlicher Vogel mitzumachen und zwar mit selbstgebastelten Flügeln.
Was heiter und lustig klingt, hat einen ernsten Unterton. Lissies Papa ist anders als andere Väter. Die einfühlsamen Illustrationen von Polly Dunbar zeigen Lizzies Vater den ganzen Tag im Pyjama, während Lissie die strenge Schuluniform trägt. Und genau das steht symbolisch für die Verteilung der Rollen: Es ist die Tochter, die für den Vater sorgt und nicht umgekehrt. Und das berührt.
Es berührt, weil es auf eine sehr leise Art anspricht, dass es (wahrscheinlich recht viele) Kinder gibt, die zu früh zu erwachsenen werden müssen, z.B. bei Alkoholproblemen, Depressionen etc. ihrer Eltern. Vom Verlag wird das Buch als "hinreißende Geschichte über Liebe, Vertrauen und den Glauben an uns und andere" beschrieben. Das trifft zwar zu, greift aber deutlich zu kurz. Denn das Buch thematisiert etwas, worüber eher selten geschrieben wird.
Kinder, die die Verantwortung für ihre Eltern übernehmen müssen, tragen oft (zu) schwer an dieser Aufgabe – und es liegt eine Chance z.B. für Erzieherinnen oder Beratende darin, dieses Buch mit solchen Kindern zu lesen, um ihnen die Möglichkeit zu geben, über ihre große Aufgabe zu reden. Betroffene Kinder haben meist niemanden, mit dem sie über ihre Situation reden können, weil dieses Kinder fürchten, ihre Eltern zu verraten, wenn sie es tun. Es sind oft sehr ernste Kinder, die ihre Pflichten kennen und wissen, was getan werden muss, damit der Alltag läuft und dass sehr viel an ihnen hängt. So wie Lissie, die ihren Vater weckt, dafür sorgt, dass er etwas isst usw. Lissie trägt diese Aufgabe allein und wenn man bedenkt, dass sie ein kleines Mädchen ist, spürt man die Last, die auf ihren Schultern ruht trotz aller lustigen Sätze und bunter Bilder sehr deutlich. Dieses Buch könnte eine Brücke für wichtige Gespräche sein.
Fazit: Ein augenscheinlich lustiges Buch zu einem ernsten Thema.
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