Gedanken über unser Menschenbild
Von Tania Konnerth • 53 Kommentare
Ich befasse mich gerade mit der Idee des allgemeinen Grundeinkommens, vielleicht haben Sie ja auch schon davon gehört? Zusammengefasst geht es darum, dass jeder Mensch eine gewisse Summe als Grundeinkommen erhalten soll – und zwar unabhängig von einer Erwerbstätigkeit.
Klingt utopisch? Ist es vielleicht aber nicht. Götz W. Werner, Hauptinitiator und Chef der DM-Kette, hat zumindest einige ausgesprochen überzeugende Argumente.
Für diese Kolumne geht es mir auch weniger darum die Frage des Grundeinkommens zu diskutieren, als dass ich vielmehr einen Punkt aus der Diskussion herauslösen möchte, über den ich gerade viel nachdenke.
Und zwar kommt als ein Gegenargument von vielen Menschen der Satz: „Na, dann arbeitet ja keiner mehr.“
Götz W. Werner kontert darauf immer wie folgt: Er fragt, welches negative Menschenbild einer solchen Argumentation zugrunde liegen müssen. Und genau das ist ein spannender Punkt.
Glauben Sie auch, dass, wenn Arbeit freiwillig wäre, sie nicht mehr getan werden würde? Sind Sie auch der Ansicht, dass, wenn wir alle ein gewisses Grundeinkommen hätten, wir uns aufs Sofa setzen und Däumchen drehen würden?
Ganz ehrlich: Ich würde weiterarbeiten und ich kenne viele, denen es genauso geht.
Sicher, es würde Leute geben, die nicht arbeiten würden – aber das haben wir doch auch so! Warum trauen wir uns selbst nicht mehr Freiwilligkeit, mehr Engagement zu? Warum reduzieren wir uns Menschen darauf, nur für Geld zu arbeiten, wo wir doch alle wissen, wie erfüllend es sein kann, etwas Sinnvolles zu tun?
Hier sind wir bei dem, worum es mir für diese Kolumne geht: nämlich unser schlechtes Selbstbild.
Götz W. Werners Frage danach, welches Menschenbild einem solchen Argument zugrunde liegt, scheint mir ein sehr guter Ansatz, so manch einen Glaubenssatz oder eine Ansicht zu hinterfragen.
Vielleicht könnten wir dabei herausfinden, dass wir viel schlechter von uns denken, als wir es eigentlich sind? Und könnte das wiederum nicht der Anfang von wundervollen Veränderungen sein?





Mir gefällt, das positive Menschenbild das Herr Werner hat.
Ich denke vor allem, dass dann auch die Arbeit in dem Umfang der nötig ist, getan würde, die zwar wichtig ist und zeitaufwendig, aber bei uns in der
Gesellschaft keinen hohen Stellenwert hat wie z.Bsp.
Altenpflege.
Es würde auch die Arbeitsbedingung auf Dauer verändern, da niemand mehr gezwungen ist unter schlechten Arbeitsbedingungen(keine Investition, schlechte Behandlung vom Chef) zu arbeiten, nur um zu Überleben. Man müßte dann einfach Jobs wie Müllarbeiter ect. attraktiver machen.
Diese Gedankengänge gibt es soviel ich weiß schon seit Menschengedenken. Ich glaube, es funktioniert nicht. Das Leben (und nicht nur das der Menschen) ist dafür nicht gemacht. Entwicklung und das Bedürfnis Kraft zu investieren setzen immer ein bestimmtes Maß an Streß und Leid voraus. Wer sich dafür interessiert kann mal im Internet unter "utopischer Sozialismus" nachschauen. Es gab da auch schon mal eine Stadt namens "New Harmony" in der solche Lebensentwürfe erfolglos getestet wurden. Auch Karl-Marx hat sich recht intensiv mit dem Thema befaßt. Ich glaube auch nicht, dass es was mit einem schlechten Menschenbild zu tun hat, wenn wir dafür nicht geschaffen sind. Es ist einfach Bestandteil unseres genetischen Bauplanes, Rubrik Überlebensstrategieen.
Ich wünsche allen noch einen schönen Tag,
Max.
Die Gegner des Grundeinkommens im Werner'schen Sinn müssen sich fragen lassen, welche Konsequenzen das schon jetzt und in Zukunft haben wird. Dass eine Vollbeschäftigung in diesem unserem Land möglich ist - daran glauben wohl die allerwenigsten.
Was nun tun mit den dauernd Arbeitslosen!!? Die derzeitige Situation sieht doch so aus, dass sie in ihrer mehr oder minder ausgeprägten Scham regelmäßig zu Kreuze kriechen müssen. Sachbearbeiter bei der Agentur für Arbeit stecken sie dann in sinnentleerte Maßnahmen, damit sie aus "der Statistik" draußen sind oder lassen sie wieder nach Hause krichen. Wer dies nie schmecken musste, der sei beglückwünscht. Er maße sich aber dann auch keine Besserwisserei an!
Als Gegenargument von Max: JEDER MENSCH hat die Ur-Fähigkeit zur Anstrengung und damit zur Begeisterung und Motivation. Wer jetzt mit der Maslow'schen Bedürfnispryamide argumentiert, der Beschränkung auf die Erfüllung von individuell unterschiedlichen Grundbedürfnisen, dem widerspreche ich vehement aus eigener Erfahrung.
Immer wieder habe ich mich selbst und mitunter auch andere als Faule Socke belächelt. Ich WEISS es mittlerweile aber für mich besser und vermute das auch für andere: meine Kraft erscheint mitunter nur durch physische Grenzen beschränkt zu sein, Stichwort 'Flow'. Und das bezieht sich bei mir persönlich sowohl auf berufliche als auch private Dinge.
Darüber hinaus schreibe ich für mich selbst, wenn ich ganz dezidiert NICHT über andere urteilen möchte (es gelingt mir nicht immer...). Andere als faul und träge bezeichnen. Wer zu sehr über andere urteilt, darüber, wie welche Rolle andere in seinem Weltbild spielen, der sollte sich tatsächlich selber fragen, welche Probleme er selber noch zu lösen hat.
Einen sonnigen Dienstag wünscht allen
Thomas
Jeder von uns kann manche Dinge besser als andere und macht sie auch lieber als andere. Nicht jeder von uns kann damit rechnen, für die Leistungen, die er besser kann und lieber tut, auch genug bezahlt zu bekommen.
Ein Grundeinkommen würde es jedem Menschen freistellen, welche Arbeit er wählt - alle die, die jetzt schon arbeiten, würden auch dann arbeiten, viele von jenen, die jetzt keine Arbeit finden, würden dann eine haben und einige würden so und so ohne Arbeit sein. Aber wichtiger ist: Jeder könnte das arbeiten, was ihm Spaß macht und die echten Karrieretypen könnten auch dann noch viel mehr verdienen...
Der Gedanke hat was und gefällt mir...
Ich finde die Idee eines Grundeinkommens, oftmals auch Bürgergeld genannt, sehr gut. Vor allem darf man dabei nicht denken, dass man in dem selben Wohlstand den man derzeit als arbeitender Mensch einfach ohne Arbeit weiterleben könnte. Es geht um eine Grundsicherung, also von der Höhe her im Bereich Hartz4. Wer sich etwas leisten will, wird also auch weiterhin eine finanzielle Motivation zur Arbeit haben.
Das schöne daran aber ist: Jeder bekommt es, auch der der arbeitet. Das finde ich wesentlich gerechter als nur ein paar Arbeitslosen Geld zu geben. Und auch kleine Nebentätigkeiten lohnen sich damit sofort, da diese nicht das Grundeinkommen vermindern (wie es bei Hartz4 der Fall ist). Teilzeitarbeit wird damit einfach. Selbstständigkeit läßt sich damit einfacher aufbauen. Natürlich spart das auch eine Menge an Verwaltungkosten. Und auch Schwarzarbeit dürfte damit zurückgehen.
Aber zum eigentlichen Punkt des Menschenbildes: Ich denke jeder Mensch hat Interessen und Hobbies mit denen er etwas zur Gesellschaft beitragen kann. Leider werde nur sehr viele davon in unserer Gesellschaft nicht bezahlt, sondern sind "ehrenamtlich". Warum, frage ich mich?
An den forenpolitiker:
Das Grundeinkommen ist wirklich ein Grundeinkommen, dass mehr als nur die existentiellen Bedürfnisse befriedigt. Das hat Herr Werner bei seiner Lesung extra betont. Ich muß davon auch mal ins Theater gehen können oder ins Kino ohne gleich den Euro dreimal umdrehen zu müßen.
Im Klartext: Ich kann von dem Grundeinkommen GUT leben und nicht nur vor mich hinvegitieren wie bei Hartz4. Das ist ja gerade der Unterschied zu Hartz4.
@ Anja: sic!
@ Max: ich habe nochmal Deinen Beitrag gelesen:
Auf emotionaler Ebene halte ich Dein Menschen- und Weltbild für negativ bis fatalistisch. Es ist DEIN Bild.
Rational stellst Du Tatsachenbehauptungen (s.d.) in den Raum - sorry, aber das ist schlicht warmer Wind!
Das Grundeinkommen wäre ein guter Ansatz und ein Versuch wert. Mit den angedachten ca.800,- € lässt sich in einer Stadt wie München gerade die Miete und vielleicht noch die Krankenkasse zahlen. (bei der Idee des Bürgergeldes würden ja auch sämtliche Arbeits- und Sozialämter abgeschafft, also würde viel umgeschichtet und eingespart, wenn ich es recht verstanden habe).
Arbeiten müssten wir trotzdem, da es nicht reichen würde, aber man könnte z.B. einen Teil seiner Zeit für ehrenamtliche Tätigkeiten nutzen (Altersheim, Hospiz, Kinder- und Jugendarbeit, Kulturarbeit). Oder sich eben mehr mit spirituellen Themen und ähnlichem beschäftigen.
PS: Das Wichtigste: Wir hätten mehr "Zeit zu leben" (es sei denn, daß der Broterwerb die Berufung ist).
Auch ich halte sehr viel von dem Menschbild des Herrn Werner. Vor fast dreißig Jahren habe ich ein Buch gelesen, daß mich damals sehr beeindruckt hat: Auf der Suche nach dem Glück, der Amerikanerin Jean Liedlof (ich hoffe, ich habe Titel und Autorin richtig zítiert). Sie beschreibt darin das Leben eines Indianerstammes im Amazonas vor der Entdeckung durch die westliche Zivilisation und danach. Vorher hat jedes Mitglied dieses Stammes, das zum Leben beigetragen, was ihm möglich war und wozu er Lust hatte. Trotzdem gab es keine Faulheit in dieser Gemeinschaft, da alle zum Leben beitragen wollten. Wer nicht konnte, weil er alt oder krank oder zu jung war, wurde von den anderen unterstützt. Jeder war wertvoll und anerkannt. Erst als die westliche Zivilisation über diesen Stamm hereinbrach, gab es Faulheit, Neid, Mißgunst. Mir hat das damals sehr zu denken gegeben. Wir kennen nur unser "westlich zivilisiertes" Leben in dem es Konkurenz gibt und das Streben besser, reicher usw. zu sein als unser Nachbar. Es ist schwer daraus eine Perspektive dafür zu entwickeln, daß es auch etwas anderes geben könnte.
Hallo Thomas,
vielen Dank für die Analyse meines Menschen- und Weltbildes. Es hat mir viel Geld gespart.
Ein Szenario des Bürgergeldes unter Vernachlässigung aller volkswirtschaftlichen Grundlagen könnte ich mir etwa so vorstellen:
Einige Menschen arbeiten, weil sie begeisterungsfähig sind und das Bedürfnis haben, etwas zu leisten. Sie wollen etwas Neues schaffen, etwas erfinden oder sie empfinden ihren Beruf als Berufung. Einige Menschen arbeiten nicht. Darunter sind einige, die sich für dieses Lebenskonzept entschieden haben, um etwas tun zu können, was sich mit ihrer regulären Arbeit nicht vereinbaren lässt. Sie sind besonders aktiv, weil sie ihre Berufung leben.
Einige weitere sind darunter, die das Leben einfach nur genießen wollen.
Einige sind darunter, die auf Grund von Krankheiten nicht arbeiten können. Sie müssen sich mit dem Geld einrichten.
Einige sind darunter, die Angst vor dem Arbeiten und den damit verbundenen Anstrengungen haben und sich deshalb mit dem Geld einrichten.
Zumindest die letztere Gruppe ist mit dem Zustand auch nicht zufrieden. Es würde nicht lange dauern, und genau diese Menschen würden anfangen, sich über die arbeitenden zu wundern. Sie würden die Arbeitenden auf irgendeine Weise für gierig oder minderbemittelt halten und ihnen letztlich Boshaftigkeit oder mangelnde Intelligenz vorwerfen. Damit würden sie diese Menschgruppe ausgrenzen, nur um sich selbst wohler zu fühlen. Das Resultat wäre eine Demotivation dieser Menschen. Sie würden sich wehren und die anderen als faul bezeichnen, gleichzeitig aber selbst weniger arbeiten. Spätestens nach 3 Generationen würde niemand mehr arbeiten wollen.
Das klingt natürlich wie in einem schlechten Film und soll auch keinerlei Anspruch auf Richtigkeit erheben. Es ist nur eine kleine Phantasiereise in die Möglichkeiten.
Ich denke, wir Menschen haben schon so etwas wie ein „Bürgergeld“ erhalten. Wir haben unseren Körper, unseren Geist und die Natur um uns, die ja die Grundlage für alles ist, was wir in unserem Leben genießen dürfen.
Wir haben Frieden, müssen nicht hungern, wir haben Wohnraum, wir haben die Möglichkeit zur Bildung und uns weiter zu entwickeln und wir haben jede Menge Humanismus entwickelt.
Bezogen auf die Weltbevölkerung sind wir damit eine recht beneidenswerte Spezies. Ich glaube, der Schutz dieser Werte ist einiges an Kraftinvestition wert.
Des Weiteren ist meine Meinung, dass Arbeit für die Entwicklung eines jeden Menschen sehr, sehr wichtig ist und jeder Mensch die Möglichkeit haben sollte, seinen Unterhalt mit seiner eigenen Arbeit zu bestreiten. Dafür engagiere ich mich beruflich und privat.
Insofern befriedigt mich meine Arbeit sehr, denn sie ist meine BERUFung.
Nun noch was zum Thema Faulheit. Faulheit drückt sich in meinen Augen nicht darin aus, dass jemand nicht arbeitet oder sich nicht engagiert. Es steht jedem frei, seinen Lebensentwurf selbst zu gestalten. Faulheit ist in meinen Augen ein Ausdruck für ein Gemisch aus tiefen und verwirrenden Emotionen wie unendliche Traurigkeit, Sehnsucht nach Liebe, unterdrückte Wut, Angst und Entschlusslosigkeit.
Das sind MEINE Ansichten, Thomas und ich kann auch akzeptieren, dass andere Menschen andere Meinungen und Ansichten haben.
Da ich selbst diese Seite immer nur dann besuche, wenn ich an akuter Aufschieberitis leide, will ich mich jetzt mal lieber wieder meinen Aufgaben zuwenden. Baustellen gibt es jedenfalls auch bei mir mehr als genug.
Herzliche Grüße
Max.
Ich bin Götz Werner sehr dankbar, dass er eine wichtige Diskussion zum öffentlichen Thema gemacht hat.
Ob Grundeinkommen eine Lösung ist oder sogar DIE Lösung ist, mag ich nicht diskutieren, weil für mich die Grundfrage sehr viel tiefer ist: Was ist der Sinn des Lebens???
Das die Frage so aktuell ist, hat m.E. damit zu tun, dass sich immer mehr Menschen fragen, was der Sinn ihres Lebens ist und vor allem welchen Sinn ihre Arbeit macht.
Die Frage nach dem Menschenbild ist die Frage nach der Einstellung zum Menschsein, es ist eine Frage des Bewusstseins. Wenn sich das Bewusstsein der Menschen wandelt, dann wandelt sich die Gesellschaft und damit die Wirtschaft. Nach der gigantischen technologischen Entwicklung der letzten hundert Jahre, die uns über kurz oder lang ermöglicht, dass alle unsere materiellen Grundbedürfnisse voll maschinell befriedigt werden können, entwickelt sich unser Bewusstsein rasant. Die Frage ist nicht, WIE wir allen Menschen das Überleben ermöglichen, sondern entwickeln wir das Bewusstsein, DASS wir jedem Mensch das Überleben ermöglichen, unabhängig seines Standes, seiner Bildung, seiner Rasse, seiner Staatszugehörigkeit... einfach weil er ein Mensch ist, einzigartig wie jeder von uns. Können wir dieses Bewusstsein entwickeln, ja oder nein??? Wenn wir diese Frage entschieden haben, ist das wie einfach!
Optimistische Grüße aus Berlin
Heike
Ich bin zutiefst überzeugt davon, dass nicht weniger, sondern noch viel mehr Menschen arbeiten würden als heute - und viel freudiger und glücklicher als heute! Sie hätten nämlich bei einem Grundeinkommen die Chance und Freiheit, sich ihre Arbeit selbst auszusuchen, die dann auch ihren Neigungen, Talenten und Fähigkeiten wirklich entspricht!
Wenn immer mehr Menschen das tun, was ihnen wirklich entspricht, ist das eine Motivation und Energie, die kein Managementtrainer der Welt, keine Gehaltserhöhung und auch keine anderen Maßnahmen schaffen würden.
Unsere Wirtschaft würde wieder zum Blühen kommen und die wenigen, die nicht arbeiten wollen, nehmen wir einfach liebevoll an unsere Seite, tragen sie mit und lassen ihnen ihre Entscheidung und Freiheit in Würde.
Das ist ein Menschenbild voller Achtung und Wertschätzung des Anderen. Wir sind alle miteinander verbunden, wer das noch nicht begriffen hat, sollte es baldmöglichst lernen, es würde ihm und uns allen gut tun!
Ich bin selbstständig und würde weiterarbeiten.
Ein Grundeinkommen würde jedoch auch mir wieder mehr Spaß am Arbeiten vermitteln, da die Situation bei uns im Einzelhandel äußerst angespannt ist. Den viel zitierten Aufschwung bekommen wir gar nicht mit. Im Gegenteil. Durch die immer größer werdende Konkurrenz (vor allem die Supermärkte, die sich immer breiter machen - auch und vor allem im Sortiment), ist z. Z. eher das Gegenteil der Fall.
Ein Grundeinkommen würde meiner Frau und mir eine gewisse - wenn auch kleine - Sicherheit mit auf den Weg geben und die Freude an der Selbstständigkeit so langsam wiedergeben.
nun eine sehr schöne Utopie. Ich würde auch weiterarbeiten, selbst wenn ich Millionen im Lotto gewönne! Aber ich habe auch studieren können und dementsprechend einen Beruf, der mich ausfüllt. Aber was ist mit den Menschen, die es nicht so gut getroffen haben? Diejenigen, die täglich bei Wind und Wetter unseren Müll wegschaffen, die unsere Büros putzen usw. Das müssten wir dann alles selber machen, weil sich niemand mehr fände, der dafür arbeiten ginge, oder wir zahlen für diese Leistungen horrende Preise. Man frage sich einmal, für welchen Preis man bereit wäre täglich die Toilette des Nachbarn zur reinigen? Was wäre angesichts solcher Löhne das Grundeinkommen noch wert?
Schönen Sonntag noch. Ich genieße heute einen freien Tag und gehe morgen wieder arbeiten, und hoffe, dass mein Nachbar auch bald wieder eine findet, die bezahlt wird.
Ich glaube, dann wird der Druck auf die Leute, die nicht arbeiten gehen, stark verstärkt.
Ich z.B. gehe nicht gern arbeiten und würde es dann nicht tun. Im Moment gehe ich, um nicht wie eine faule Sau nach außen hin zu wirken, weil Arbeitslose verpönt sind, und wegen des Geldes. Hätte ich immer Geld und müsse nicht arbeiten, würde ich meine Bekanntschaften gering halten, denn dann würde es sicher heißen: WIeeee, du kriegst so und soviel Geld und arbeitest nicht??? WIR arbeiten aber FREIWILLIG und DU nicht, du bist ein schlechter Mensch.
Heißt es ja jetzt schon teilweise, wenn man nicht arbeitet, aber bisher haben diejenigen, die sich der täglichen Tretmühle unterwerfen, ja immerhin viel Geld, das sie tröstet, und Arbeitslose haben kaum was. Würde sich das alles gerecht aufteilen, würden sich die, die weiterarbeiten, ärgern über die anderen und mehr Geld haben wollen. Also alles beim Alten.
Menschen sind nicht tolerant genug, als dass das funktionieren könnte. Das Einzige, was in der Gesellschaft gehen würde, ist, dass jeder für sein eigenes Überleben sorgt. Also selbst anbaut usw., ich glaube, da gäbe es keinen Neid, weil jeder direkt für sein Essen arbeiten würde und wer es nicht tut, hat halt nichts, ohne dass er von einem Staat bestraft wird (oder belohnt fürs Nichtstun, indem ihm ein Staat das Essen fertig serviert).
Und noch was: Es kann nicht jeder heute seinem Hobby nachgehen. Die Betreiber der Zeit zu Leben-Seite haben einen schönen Job, würd ich auch machen wollen, aber man braucht auch Glück und muss clever vorgehen, um dann davon leben zu können. Ein Beispiel sind auch die unzähligen Künstler heutzutage, Mediendesigner usw...allen Bewerbern macht es Spaß, davon leben können nur die wenigsten - man MUSS also einen Job ergreifen, der einem nicht zu 100% liegt, um überleben zu können.
"Sie hätten nämlich bei einem Grundeinkommen die Chance und Freiheit, sich ihre Arbeit selbst auszusuchen, die dann auch ihren Neigungen, Talenten und Fähigkeiten wirklich entspricht!"
Ja, bestimmt. Keiner würde mehr den Müll wegbringen, Klos putzen oder LKW fahren, stattdessen würde es wimmeln von selbsternannten Gurus, Künstlern, Managern usw., die sich alle aussuchen, was sie machen. Alle mögliche Arbeit bleibt liegen, denn wenn ich aussuchen kann, mach ich sicher nicht die Drecksarbeit, und wo kommt dann das Geld rein?
Was will man mit all den Künstlern und Motivationstrainern und Selbstständigen, wenn niemand mehr Lust hat, die Drecksarbeiten zu machen, ohne die es nun mal nicht funktioniert? Wer sitzt in Supermärkten an der Kasse, wer räumt Regale ein, wer fegt Straßen, wer arbeitet am Fließband?
Und die letzte Frage: WOher kommt das Grundeinkommen, das alle kriegen, wenn keiner mehr die notwendigen Arbeiten tut, sondern nur noch, was ihm Spaß macht? Alles würde zusammenbrechen.
Wer fühlt sich schon zum Müllmann berufen?? Oder zum Bauarbeiter?
G. Werner`s Theorie ist zwar ein guter Anfang aber nur die halbe Miete. Wer an Grundeinkommen denkt, muß auch zum Höchsteinkommen stehen.
Wer nur die halbe Wahrheit sagt, sagt nicht die Wahrheit!
Einen ausführlichen Beitrag findet Ihr unter www.authentisch.org (Philosophie)
K.S.
Ich hab mich mit dieser Frage auch schonmal beschäftigt, muss aber zugeben, dass ich nicht einmal annähernd alle Aspekte auf einmal in meinen Kopf bekomme.
Sicher, die eine Seite ist toll - jeder bekommt Geld (von 800 Euro könnte ich unter den jetzigen Umständen hervorragend leben, ich als Studentin lebe schon von der Hälfte nicht schlecht; zahle allerdings auch nur 180 Miete), kann sich aussuchen, was er machen möchte - sicherlich mit Einschränkungen, schließlich will sicher niemand von einem Piloten geflogen werden, der letzte Woche noch Gärtner oder Friseur war, oder sich von einem Ex-Müllmann anwaltlich vertreten lassen - und die Schwächeren werden liebevoll in unsere Mitte genommen. Hach ja.
Aber ich glaube, das wird tatsächlich nicht funktionieren. Die Grundsicherungen würden dann abgeschafft, wenn ich das richtig verstanden habe; man könnte sich nicht mehr darauf verlassen, dass sich nächste Woche noch jemand für eine bestimmte Arbeit findet, weil ja jeder auf einmal keinen Bock mehr haben könnte und lieber etwas anderes anfängt; wir hätten garantiert einen enormen Zulauf aus dem Ausland (ich bin nicht ausländerfeindlich! aber irgendwann wären wir eben einfach zuviele); und vor allem vor dem Wegfall von z.B Polizisten, Ärzten+Helfern, Lehrern, Psychologen hätte ich wirklich Angst.
Dafür hätten wir wahrscheinlich im Handumdrehen ein paar Millionen Schauspieler, Sportler, Autoren, Modedesigner mehr ;-)
Ich wäre jederzeit bereit, bei der Umsetzung mitzuhelfen, da es sicherlich mit Abstand das spannendste Experiment wäre, das ich in diesem Leben geboten bekomme, aber ich würde nichts darauf setzen, dass es klappt.
Und ich möchte bitte die Möglichkeit haben, in diesem Falle auszuwandern und woanders in Ruhe weiterzustudieren ;-)
Es wird immer argumentiert, daß bei einem bedingungslosen Grundeinkommen kein Mensch mehr die Mülltonnen leeren oder andere "niedere" Arbeiten machen würde. Ich glaube, daß dann diese Arbeiten korrekt bezahlt werden müssen, sie erhalten dann nämlich einen neuen Wert! Damit würde das bGE die Wertestruktur dieser Gesellschaft umdrehen. Zur Zeit werden die Geistesarbeiter überproportional entlohnt, während die körperlich arbeitenden benachteiligt werden.
Ich glaube, wir würden dann eine fairere Einkommensverteilung erhalten. Zum einen wäre die Erpressung kaum noch möglich, man kann als Arbeitnehmer dann ablehnen, die zynischen Arbeitgeber hätten Probleme, überhaupt noch Arbeitsplätze zu besetzen und die Arbeitnehmer könnten ihre persönliche Entwicklung als Bestandteil ihrer Arbeit festlegen.
Ich habe sein Buch gelesen und fand die Argumentation nachvollziehbar.
Ursprünglich haben wir mal gearbeitet, defakto sind wir hauptsächlich auf die Jagd gegangen und/oder haben Beeren gesammelt (daher die Sache mit den Jägern und Sammlern...), um überleben zu können.
Auch nach der "Erfindung" von Ackerbau und Viehzucht, war Arbeit notwendig, um nicht zu verhungern. Der Zusammenhang von Arbeit und Essen war hier auch noch klar erkennbar.
Die Industrialisierung hat uns von den Äckern und aus den Ställen geholt und stattdessen in Fabriken und Büros gebracht. Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit diente Arbeit nicht nur zur Sicherung der Grundbedürfnisse. Und schon wird Arbeit zu einem Prestigeobjekt. Es gibt Positionen mit höherem und mit niedrigerem Ansehen, es gibt besser und schlechter bezahlte Jobs.
Aber wir sind längst, wenn auch für viele vielleicht noch unbemerkt, schon einen gewaltigen Schritt weiter. Arbeit ist nämlich eine begrenzte Ressource. Arbeit wird knapp, Arbeit wird begehrt. Das hätten Sie vor ein paar Tausend Jahren mal einem Bauern oder einem Tagelöhner erzählen sollen, dass Arbeit knapp ist. Aber genau so ist es. Eine Vollbeschäftigung wird es mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr geben. Wir müssen also für die Zukunft völlig neue Wege beschreiten, nicht zuletzt auch darum, weil wir alle immer älter werden. Schon heute stellt sich die Frage für jemanden, der mit 50 seinen Job verliert (und keinen mehr bekommt), was er denn bitte schön mit dem Rest seines Lebens - und das können ohne Weiteres nochmal 50 Jahre sein, er hat also gerade Halbzeit, jetzt anzufangen gedenkt.
Ein festes Grundeinkommen könnte uns von Arbeit als Prestigeobjekt trennen. Es wäre mehr Platz für Gemeinnützigkeit, für Kunst und Kultur, für die Erziehung unserer Kinder, für den dringend notwendigen Erhalt unseres Planeten.
Worauf warten wir eigentlich noch?
Kirsten Erlenbruch
"Arbeit ist nämlich eine begrenzte Ressource. Arbeit wird knapp, Arbeit wird begehrt. Das hätten Sie vor ein paar Tausend Jahren mal einem Bauern oder einem Tagelöhner erzählen sollen, dass Arbeit knapp ist. Aber genau so ist es. Eine Vollbeschäftigung wird es mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr geben"
Ich kommentiere:"Bezahlte und gut bezahlte Arbeit ist eine begrenzte Ressource", schlechte beahlte und Nicht-Lohnarbeit gibt es mindestens doppelt soviel...
Ich für meinen Teil habe mittel- bis schlecht bezahlte Arbeiten und unbezahlte Arbeit, dafür bin ich ein freier Mensch, kann entscheiden ob ich und wann ich und wieviel ich bezahlt (mittel- bis schlecht) und unbezahlt arbeiten will. Ich habe dabei natürlich beide Augen auf meinen Kosten. Ich muß mir nämlich die unbezahlte Arbeit selbst leisten können. Ich glaube viele der sogenannten Manager verbreiten heiße Luft und tun so als ob sie unentbehrlich seien (ständig in Sitzungen - sie könnten mindestens genauso lange dort sitzen, wo auch der Kaiser zu Fuß hingeht - der betriebliche und volkswirtschaftliche Nutzen ist der gleiche). Statt dessen müßten sie unbezahlte Arbeit leisten und viele andere auch. Es gibt nur wenige Menschen, mit denen ich auf dieser Erde wirklich tauschen möchte.
Ich denke was langfristig keinen Sinn macht, wird sich ändern.
Konsum macht in unseren Breitengraden keinen Sinn mehr - bzw. nur noch beschränkt.
Kreativität kann sich nur entfalten, wenn meine "Grundbedürfnisse" gedeckt sind.
Kreativität braucht es um neue Dienstleistungen, neue Dinge zu entwickeln in einer Gesellschaft.
Wenn uns der "Sprit" ausgeht ist eh Feierabend mit der Globalisierung im physischen Sinne - dann werden neue Fähigkeiten und Lösungen gefragt. Lokale.
Das Handwerk ist so gut wie "verloren" das muss wiederentdeckt werden - Revivals sind schon im Gange. Dazu braucht es Zeit ohne Shareholder Value im Vordergrund. (Z.B. helfen "ausgediente" Braumeister jungen lokalen Bierbrauern alte Brauereien wieder in Gang zu setzen, da Bier etwas sehr ursprünglich lokales ist und Heineken nicht mehr jedem schmeckt. :-)
Ich denke Zeit wird eines Tages einen höheren Stellenwert bekommen als Geld. Dann ist es eh "vorbei" mit der ganzen Shareholder und Banken, Versicherungsgeschichte im herkömmlichen Sinne.
Nutzen stiften verlangt künftig nach kreativen Lösungen. Das braucht Zeit. Und Motivation kann sich durch "Langeweile" ergeben - also sollten wir vielleicht auch dafür sorgen, dass das Fernsehen und die Medien aussterben :-) oder unter das Betäubungsmittelgesetz fallen :-) (aber das regelt sich mit Elektrizitätsmangel auch eines Tages von selbst?)
herzliche Grüsse
Keraldar
Der Satz "Arbeit ist eine begrenzte Ressource" offenabrt das große gesellschaftliche Missverständnis, das unter anderem so viel Arbeit neben und innerhalb so viel Reichtum hervorbringt.
Arbeit ist kein Ressource, sondern ein Beitrag, den wir alle leisten. Wenn wir von Ressource sprechen, dann bewegen wir immer noch in dem Marktmodell, in dem Arbeitsplätze angeboten und Arbeitskraft verkauft wird. gegenwärtig ist es dann konsequenterweise so, dass derjenige, der Arbeitskraft verkauft, dafür auch noch Steuern bezahlen muss. Götz Werner argumentiert auch in diesem Punkt konsequent: Wer gesellschaftliche Arbeit leistet, dem darf dafür nciht auch noch Steuer abgeknöpft werden. Steuern sollen für den Verbrauch bezahlt werden, nämlich für das, was man aus den gesellschaftlichen Ressourcen entnimmt. Und je mehr man kauft, desto mehr Steuern bezahlt man eben.
Der Gedanke eines Grundeinkommens finde ich gut. Ich kann mir vorstellen, dass dann viel mehr Menschen das tun würden was ihnen am meisten Freude macht. Dadurch bekäme die Arbeit viel mehr Qualität und Herzblut. Die Arbeitenden wären glücklicher und es sähe auf unserer Erde viel freundlichen aus. Mehr Menschen am richtigen Platz, was für eine wunderbare Vorstellung.
Ich hatte das Vergnügen, vor einiger Zeit mit einem der Assistenten von Herrn Werner eine etwas längere Diskussion zu führen. Die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens für alle geht doch davon aus, dass wir dadurch wieder kreativ werden. Was hält uns denn davon schon heute ab?
a) "Ja, wenn ich das oder das hätte, dann würde ich ... " Dieses Thema hatten wir ja schon zur Genüge bei ZZL.
b) "Und wenn ich das Grundeinkommen habe, möchte ich natürlich auch nur die Arbeit machen, die mir Spaß macht. Ein Schlaraffenland würde sich auftun!"
Oder doch nicht?
Ich glaube nicht, denn wirtschaftlich betrachtet würden garantiert die Preise für unsere Lebenshaltung usw. steigen - und damit wären wir da, wo wir heute sind.
Ich finde die gesamte Diskussion hervorragend. Am schönsten und kraftvollsten finde ich Herrn Werners Grundgedanken. Es geht noch nicht um Details , sondern darum daß wir uns Gedanken darüber machen, in welcher Welt wir leben wollen. Das ist für mich die Kernaussage. Wir leben ja derzeit in einer Welt, in der der Kapitalismus quasi explodiert und mit der Krankheit Krebs vergleichbar ist. Nun geht es um Visionen den Patienten "Menschheit" zu heilen. Da sind alle Ideen erlaubt.Das derzeitieg Wirtschaftssystem hat hervorragende Dienste geleistet , doch es ist überholt und darf auf keinen Fall so weiterbetrieben werden. Die Schere zwischen Arm und Reich ist so groß, dass Sie nicht mehr zu begreifen ist. Aber zurück zum Grundeinkommen. Ich bin ebenso wie viele andere überzeugt, daß das eine Idee ist, die in die richtige Richtung geht. Und ganz persönlich: ich würde weiterarbeiten, da für mich Arbeit Mitarbeit an einer Welt für Morgen bedeutet, an einer Welt für meine Enkelkinder, an einer Welt in der es vielleicht eines Tages keine absaufenden Flüchtlingsboote mehr gibt...und ich glaube daran, daß der Mensch grundsätzlich gut ist....
Als Personalberater kann ich die Idee des Grundeinkommens nur ablehnen. Leider treffe ich fast täglich auf Mitbürger, die einfach nicht arbeiten wollen. Wie sonst soll ich den seit 25 Jahren Arbeitslosen verstehen, der mit Selbsttötung droht, wenn man ihn zu einer Arbeitsaufnahme "zwingt"? Wie soll ich den seit 20 Jahren Arbeitslosen verstehen, der glücklich ist, als ihm eröffnet wird, das er für den 1. Arbeitsmarkt nicht mehr tauglich ist? Der aber mit Empörung reagiert, als eine Eingliederungsversuch über einen 1-Euro-Job vorgeschlagen wird! Wie soll ich den Arbeitslosen sonst verstehen, der einen Job mit der Begündung ablehnt, dann bekomme er ja kein HartzIV mehr? Wie soll ich den Arbeitslosen verstehen, dem es zuviel Arbeit ist, einen Verlängerungsantrag für HartzIV zu stellen und sich dadurch belästigt fühlt? O-Ton: Die wissen doch alle Daten von mir. Was soll ich von dem Arbeitslosen halten, der es für unzumutbar hält, bis 17:30 zu arbeiten. O-Ton: Dann ist ja der ganze Tag kaputt.
Sie glauben mir nicht? All dies und noch viel mehr habe ich zu hören bekommen.
Leider musste ich aufgrund meiner Tätigkeit als privater Arbeitsvermittler mein Weltbild ziemlich verändern. Selbstverständlich gibt es Arbeitslose, die extrem motiviert sind, die aber aufgrund von Alter oder Krankheit nicht mehr vermittelbar sind. Diese Arbeitslosen sollten nach meiner Auffassung nach einem vielleicht langen Berufsleben selbstverständlich fürstliche Leistungen von der Allgemeinheit bekommen. Sie haben es verdient. Aber was ist mit den Arbeitslosen, die perfekt darin sind, Leistungen "rauszuschlagen" aber absolut arbeitsunwillig sind? Fragen Sie mich lieber nicht nach meiner Meinung, vieviel Prozent an den Arbeitslosen diese Gruppe ausmacht. Fragen Sie mich bitte auch nicht, wieviel "Arbeitslose" sind brüsten, dass sie nebenbei Schwarzarbeit machen und damit viel Geld verdienen. Fragen Sie mich bitte nicht, wieviele legale Arbeit ablehnen, weil sie ja dann keine Schwarzarbeit mehr machen können. Soll der fleißige arbeitende Teil der Bevölkerung diese Leute noch mehr als heute unterstüten? Soll der arbeitende Teil der Bevölkerung sich noch mehr von diesen Schmarotzern auslachen lassen?
Ich lehne die beschrieben Grundsicherung auf jeden Fall ab.
Wolfang Wenzke
Ich stimmer Frau Konnerth voll und ganz zu !!
Ich bin Hartz IV - Empfänger , trotz qualif. Beruf.
Es ist entwürdigend wie ich mich bei der Agentur für Arbeit
behandelt fühle. Hoffentlich geht meine kaufm. Umschulung
bald los, die ich höchstw. aus Gesundkeitsgründen erhalte
(vom Rentenvers.träger in Berlin). Ich will Kaufmann im Gesundheitswesen lernen, trotz meiner 48 Jahre will ich es anpacken. PS: ich bin exam. Altenpfleger
Ich bin ein Befürworter des bedingungslosen Grundeinkommens. Ich glaube nämlich, dass diese "Lebensform" das Beste in den Menschen hervorbringen würde. Wie schon mehrfach geschrieben, das Grundeinkommen reicht für die Grundsätzlichen Lebensbelange. Will man mehr (Luxus) muss man aktiv werden und sich den Rest dazu erarbeiten. Nur, dass mit dem Grundeinkommen im Rücken jeder das arbeiten könnte, was er am Besten kann und davon hätten wir schließlich alle was, oder? Würden Sie nicht lieber z.B. zu einem Arzt gehen, der seinen Job ausübt, weil es ihm wichtig ist Menschen zu helfen, der sich Zeit für das Patientengespräch nimmt, als zu einem, der Arzt wurde weil Papa zufällig ne Praxis hat und einen Nachfolger brauchte und der seine Patienten im Minutentakt abferigt? Würden Sie sich notwendige Serviceleistungen nicht lieber von Menschen holen, die ihre Arbeit mit Leib und Seele und aus Überzeugung machen? Ich schon!
Ich finde, das bedingungslose Grundeinkommen wäre auf jeden Fall einen Versuch wert. Möglicherweise springt ja für uns alle ein besseres, entspannteres und erfüllteres Leben dabei heraus. Na, wenn das nichts ist!?!
Gruß an alle!
Petra
Das waren wirklich ganz wunderschöne Beiträge bisher. Ein echter genuss, sie zu lesen.
Hier noch mein kurzer Kommentar:
Die Welt wird sich ändern müssen, um das zu erreichen, was hier vorgeschlagen wird. Es funktioniert nicht, das HEUTE anzuschauen, und das MORGEN unter neuen Bedingungen damit abzubilden. Konkret: Wer macht den Müll weg? Vielleicht nicht mehr die organisierten Müllmänner - vermutlich organisieren sich die Bewohner selbst, und sorgen für eine geregelte Müllabfuhr. Altenpflege? Krankenpflege? dito.
Putzfrauen um Büros und Produktionsstätten zu reinigen? Das machen wir dann jeweils selbst, in unserem unmittelbaren Umfeld.
Keiner wird dann mehr EINE Tätigkeit machen, schon gar nicht wie heute mit zeiterfassung etc. Wozu? Es wird sich etwas NEUES organisieren. Au dem Bedarf heraus. Wer gerade Zeit hat, wird gebeten, etwas zu machen. Das ist der Knackpunkt: Die Arbeit, die man macht, wird wieer eine unmittelbare Anerkennung finden bei denjenigen, die dadurch (nicht profitieren) eine Hilfe erfahren. Oft sind wir das dann selbst.
Wird es dann noch gut ausgebildete Piloten geben, die uns "freiwillig" irgendwohin fliegen? Hier (wie auch bei vielen anderen Beispielen, die GESTERN normal waren) stellt sich MORGEN die Frage: Wozu? Wohin?
Die Idee des Grundeinkommens ist nicht so neu. Wer die Utopia des Thomas Morus kennt stößt auf diese Idee. Zu behaupten, daß keiner mehr arbeitet, wenn es ein Grundeinkommen gibt, halte ich für menschenverachtend. Keiner will in einer unangenehmen Umgebung leben, es sei denn er ist ausgeprägt asozial, also wird es auch für heute als minderwertig geltende Arbeiten Mitmenschen geben, die in diesen Bereichen ihre Erfüllung finden, auch wenn dies Hochgebildete kaum verstehen werden.
Grundeinkommen setzt aber eine Gesellschaft aus freien Menschen, die ohne Angst vor "Obrigkeit" leben können voraus. Freie Entscheidung für die Mitmenschen und für totale Toleranz wäre die Grundlage, aber das geht vermutlich nur mit Idealmenschen, die noch nicht erfunden sind.
Ein Interessanter Ansatz. Ich glaube, das es schwierig werden würde, alle die Jobs zu besetzten, die eben keiner gerne und eben nur des Geldes wegen macht.
Ausserdem glaube ich, das sich dann viel klarer darstellen würde, wer wirklich im richtigen Job angekommen ist. Den macht er dann auch gerne mit weniger oder auch keiner Bezahlung. Würde eine interessante Klarheit mit sich bringen.
Ob der es der größere Teil der Menscheheit ist, der im richtigen Job angekommen ist, wage ich allerdings zu bezweifeln. Wenn ich manchmal mit fremden Menschen über ihre Jobs spreche, dann höre ich oft, das man nicht mehr darüber nachdenkt, ob es der richtige Job ist. Man ist nur froh einen zu haben und alles andere wird zum großen Teil ausgeblendet.
DDie Idee vom Grundeinkommen ist sicherlich dem 21. igsten Jahrhunder angepasst, nur sind wir Menschen schon im 21. igsten angekommen???
Ich fände es toll! Ich lebe jetzt schon von einem Grundeinkommen (800 Euro) mein Partner auch und wir kommen damit bestens klar. Wenn wir dann nicht mehr mal arbeiten gehen muesste haetten wir Zeit zum Lesen, mit unserem Sohn zu spielen, Ausflüge machen, usw. Auf Arbeiten für andere kann ich dankend verzichten (obwohl ich studiert habe) - darin sehe ich keine Erfüllung.
Hoffentlich denken nicht die meisten anderen genauso, denn ich möchte natürlich schon, dass andere weiter für mich schuften...
Guten Tag, Ihr fleißigen Kommentarschreiber,
ich habe mich bis jetzt durch alle Zuschriften gelesen, finde einige faszinierend, andere als menschenverachtend.
Die Meinung, es wolle keiner mehr arbeiten bei einem Grundeinkommen, halte ich nicht für zutreffend,gut vielleicht bei einigen, wie zum Beispiel bei dem armen geplagten Mitarbeiter bei der Arbeitsvermittlung. Das ist schlimm.
Aber was würde letztendlich denn noch passieren, wenn keiner mehr was tut? Die Menschheit käme zum Stillstand, wenn keiner mehr Verantwortung nicht nur für das eigene Überleben, sondern auch für die Mitmenschen, für die Umwelt. Was würde passieren, wenn es keine neugierigen Forscher mehr gäbe, die auf einmal nicht mehr arbeiten wollen? Es gäbe keinen Fortschritt mehr.
Der Mensch wird Gott sei Dank als neugieriges Lebewesen geboren! Wie weit das kindliche Forschen gefördert und entwickelt wird, nun das hängt wohl von vielen Faktoren ab. Also bleiben wir doch neugierig und tun lieber etwas, ehe wir in Dunkelheit und Stumpfsinn versinken. Dafür sind wir nicht gebaut.
Gruß an alle Arbeitswütigen Neugierigen.
Ich meine gewisse - unangenehme - Tätigkeiten hätten keine Chance mehr von jemanden gemacht zu werden.
Eines ist klar: Die Jobs, die aus Freude an der Berufung gemacht werden, können auch ohne Finanzen ganz gut Ihren Macher finden.
Doch (zu) viele Menschen arbeiten nicht, weil es Ihnen Spaß macht, oder weil es Ihre Berufung oder Wunschjob ist, sondern weil Sie Geld am Monatsende benötigen, um Ihre Rechnungen bezahlen zu können. Und Sie tun Dinge, die Sie im Innersten vielleicht sogar grass ablehnen.
An mancher Stelle wird hier die Sorge geäußert, dass manche Arbeiten dann nicht mehr verrichtet werden. Ich habe da weniger Bedenken. Was passiert mit diesen Arbeiten, die vom Grundsatz her ja Nachfrage sind.
Entweder sie werden attraktiver gestaltet werden. -Es gibt dann eben keine billigen Putzfauen oder Spargelstecher mehr. Was ist daran so schlimm? -
oder diese Arbeiten werden automatisiert. Soll in der Vergangenheit schon des öfteren vorgekommen sein.
oder
sie werden vom Nachfrager selbst durchgeführt.
Muss Frau Dr. mal eigenhändig die Mülltonne ein bisschen bewegen.
Hat sicher noch keinem geschadet.
Also, ganze Aufregung umsonst!
@Gerhard: Geistesarbeiter werden überproportional belohnt? Wen meinst Du? Auch all diejenigen im Gesundheitswesen beschäftigten? Ich als Sozialarbeiterin in einer Rehaklinik bekomme keine 2000 € brutto. Für Vollzeit.
Bitte nochmal vorher überprüfen, was Du schreibst. Oder mit was werden diese Menschen Deiner Meinung nach belohnt?
Ansonsten finde auch ich die Idee des Grundeinkommens interessant und spannend, sie erinnert mich aber an die Gefahren des Sozialismus. Ich sympathisiere mit den Ausführungen von Max, obwohl ich erst gedacht habe "Mann, ist der heavy drauf." ;-) Aber ich glaube, dass das Prinzip im Moment tatsächlich keine Grundlage und keine Zukunft hätte!
Dazu müssten zuviele Voraussetzungen erfüllt sein, die in dieser Zeit und in dieser Welt einfach nicht erfüllt sein können.
Und doch finde ich den Gedanken lohnenswert...
Mir stellen sich interessante Fragen... Würde ich mit einem Grundeinkommen meine Ziele anders verwirklichen? Hätte ich welche? Hätte ich andere? Wie wäre ich?
Ich habe mir einen Beruf ausgesucht, mit dem ich nicht so viel verdiene, aber der mir Spaß, Freude und Erfüllung bringt, und ich kann, wenn auch soeben und ohne eine watteweiche Altersvorsorge, davon leben...
Und ich sorge in meiner Tätigkeit übrigens mit dafür, den psychischen Müll von Menschen "wegzumachen", und das ist manchmal sehr viel härter als Klos putzen! ;-))
Maschinen arbeiten für Arbeitslose
Die Umverteilung hat schon längst, ohne daß wir uns dessen bewußt geworden sind, begonnen -
Geld - ohne Leistung...
uns darüber zu freuen, fällt uns deswegen nicht ein, weil wir unsere Gedanken darauf richten, unser Recht auf Arbeit zu fordern -
Frage: - sind wir zur Arbeit geboren oder zum Leben?
sind wir ohne Arbeit nicht lebensfähig?
wovon leben wir eigentlich und wozu?
wozu wir absolut gezwungen sind, um zu leben, ist der Konsum -
ohne Konsum, und zwar weltweit, läuft nichts -
weltweit wegen der Ex- und Importe -
dem Konsumenten kann es doch völlig egal sein, ob er Arbeit hat oder nicht -
was er braucht zum Leben, ist Geld - Geld, soviel wie möglich, um so viel wie möglich zu konsumieren -
die Maschine sorgt für die Produktion dessen, was konsumiert werden soll -
sie arbeitet für den Menschen und niemals gegen ihn -
sie bringt das, wovon der Mensch unseres Zeitalters hervorragend lebt und verdient auch gleichzeitig das Geld, welches benötigt wird, um die Produkte, die die Maschine produziert und die der Mensch dann konsumiert, zu bezahlen.
"MASCHINENSTEUER"
letztendlich ist das doch der Sinn der Maschine, den Menschen als Arbeitskraft freizustellen, damit der Mensch das kann, wozu er lebt - nämlich leben - und zwar gut leben - für viel Konsum braucht er viel Geld und das ist ja durch den Kreislauf vorhanden!
Nur keine Hemmungen - alles, was produziert wird, ist aus der Natur, ist die Natur - die durch Menschen erdachte, bearbeitete Natur -
Natur also - wie der Mensch selbst - ja selbst der Mensch ist Natur, ist die Natur - gehört zu ihr - ist ein Teil davon - das geht, das funktioniert, man muß nur diesen Gedanken weiterdenken, entwickeln, um gerecht bei der Verteilung zu verfahren...!!!
Denn manche fühlen sich besser, höher, wertvoller, intelligenter usw., die wollen mehr als andere satt werden - die wollen sparen - große Haufen sparen und dieses Gesparte dem Konsum entziehen und damit letztendlich auch die Maschine unausgelastet zu machen, die sie doch erfanden, um den Menschen für die Produktion überflüssig zu machen -
ich frage mich in diesem Moment, ob ich noch vom Menschen denke, oder schon vom goldenen Kalb -?
NICHTS ist uns Menschen gegeben, als das Leben - können oder wollen wir das nicht? - oder nicht verstehen? - nicht begreifen? -
auf jeden Fall können wir es nicht empfinden - wir sind einfach zu sehr mit der Arbeit beschäftigt, um Zeit für Empfindungen zu haben - denn schließlich müssen wir ja von irgendwas leben und das bekommen wir nur, wenn wir ordentlich viel arbeiten -
ich bleibe dabei, wenn wir ordentlich viel leben und leben lassen über den Konsum, dann haben wir auch wieder Zeit zu empfinden - Empfinden des Lebens - unseres Daseins - und zwar miteinander - miteinander auch wegen des Konsums...
und was wollen wir auch ohne Miteinander? - gegeneinander? - oder gar allein?
da der Mensch, der Mitmensch nur dann wertvoll ist, wenn er konsumieren kann, denn daran, was er sich leisten kann, wird er als Mensch beachtet, ist es doch einfach, ihn wertvoll zu machen, damit er genehm ist und paßt - man gebe ihm die Möglichkeit, zu konsumieren - man gebe ihm das, womit es möglich ist zu konsumieren - nämlich Geld - ist es verwerflich, als Mensch, seinen Mitmenschen Mensch sein zu lassen? auch Mensch sein zu lassen?
werden wir uns doch endlich einmal anfangend darüber bewußt, daß wir Menschen sind und uns die Maschine das Leben erleichtert - bis hin zum... - ermöglicht - die Maschine, von uns konstruiert, gebaut, ist der künstliche Mensch, der uns das abnimmt, was wir vorher taten, um leben zu können!
Arbeitslose sind Menschen die konsumieren, was die arbeitenden Menschen produzieren und ohne deren Konsum keinen Absatz ihrer Produktion hätten, also arbeitslos würden -
das wäre das zerschlagen des Rades -
wir müssen alle bereit sein, zu bezahlen, damit die Arbeitslosen bezahlt werden können, damit wir alle leben können, denn zum Leben sind wir- und nicht zur Arbeit geboren -
wir haben recht auf Leben -
nicht mehr unbedingt auf Arbeit -!
.
Auf dem Heimweg dachte ich heute nochmal an dieses Forum und mir ging auf, dass der Gedanke mit dem Grundeinkommen ja auch etwas mit dem Streben nach Gerechtigkeit zu tun hat. Jede(r) bekommt ein Mindesteinkommen, um zu (über-)leben, und den Rest bestimmt er/ sie selbst.
Dieses Prinzip kann und wird unter anderem auch deshalb nicht klappen, weil es keine Gerechtigkeit gibt. Sie ist nicht künstlich herstellbar.
Wer bestimmt denn, was gerecht ist?
Ist Gerechtigkeit objektivierbar?
Ist es gerecht, wenn ein Unmensch, der psychisch so krank ist, dass er andere vergewaltigt, umbringt oder foltert, genau das gleiche Grundeinkommen bekommt, wie jemand, der alle Regeln des Zusammenlebens befolgt und jeden Tag gleich mehrere gute Taten tut?
Ich gebe zu, ein ziemlich extremer Gedanke, aber er war mir zu wichtig, um ihn ungeschrieben zu lassen... freue mich auf und über Gedanken dazu...
Viele Grüße an alle, die nach Gerechtigkeit streben... denn schön wäre so etwas ja schon...! :o)
...würde gern "Unmensch" im letzten Abschnitt als "Mensch" verstanden wissen... denn irgendwie haben ja wir alle unsere Geschichte, die einen so, die anderen so... ist mir erst hinterher wieder "eingefallen". Danke für's Verständnis!
Hallo Barbara,
ja, das ist schon ein spannendes Thema über das sich lange grübeln lässt. Ist genau der Prozess für den ich Götz Werner so dankbar bin.
Letztendlich geht es gar nicht um das Grundeinkommen und die letzte Fragestellung macht es ganz deutlich: Es geht um das Menschsein und das Leben.
Es haben ja doch schon eine Reihe von Menschen erkannt, dass unser Denkmuster über Arbeit überholt ist und wer den Müll wegbringt, ist längst geklärt. Es wird an Systemen gearbeitet, die keinen Müll mehr produzieren. So wie es bereits ein Staubsaugersystem für das ganze Haus und den selbstreinigenden Backofen gibt. DAS ist unsere eigenentliche Arbeit: Wie können wir uns das Leben erleichtern und wir haben noch nicht gemerkt, dass wir jetzt einen technologischen Stand erreicht haben, der weiter ist als unser konditioniertes Denken über Arbeit.
Ich kann verstehen, dass so viele Menschen keine Lust auf Arbeit haben. Sie haben nie die Vorstellung entwickeln können, dass ihre Arbeit einen anderen Sinn hat als sich davon die Brötchen zu kaufen. Es ist überhaupt erschreckend, dass die Lohnarbeit eigentlich erst gute 100 Jahre alt ist und schon so fest in den Köpfen verankert ist als hätten Menschen niemals ohne überlebt.
Doch zum Glück verändert sich das Denken der Menschen und die Frage nach dem Sinn der Arbeit, dem Sinn des Lebens wird lauter und ist nicht zu überhören.
Ich bin übrigens keine Befürworterin des Grundeinkommens, weil wir das m.E. längst haben, auch wenn wir es anders nennen. Ich halte es hier mit Albert Einstein: "Probleme lassen sich nicht auf der Ebene lösen, wo sie entstanden sind." Es müsste hinlänglich bekannt sein, dass Geld keine Probleme löst und Geld allein nicht glücklich macht.
Hängt es nicht doch am "Selbst-bewusst-Sein" und an "Selbst-Verantwortung"???
Würde mir wünschen, dass möglichst viele Menschen ins grübeln kommen! :-)
Herzliche Grüße
Heike
Reicht es denn nicht schon, dass einige Menschen, die nach meinen Beobachtungen nicht zu den Vorteilsnehmern dieser Gesellschaft gehören, durch ein Grundeinkommen in die Lage versetzt würden, morgens nicht das machen zu müssen was sie im Grunde gar nicht wollen?
Und wenn es einer von ihnen will, soll er es doch weiter machen. Daran hindert ihn doch keiner. Es gibt diesen Menschen doch ein kleines Stück Freiheit. Ist darauf denn wirklich jemand neidisch?
Und wenn dann diese Freiheit auch noch dazu benutzt wird, Horizonte zu erweitern, sind wir doch schon ein großes Stück weiter, auch auf dem Weg zu einer wirklichen Demokratie. Also, ich kann all diese Vorbehalte gegen ein Grundeinkommen wirklich nicht verstehen, und wenn ich mir überlege für welchen Schwachsinn gegenwärtig (und ich befürchte auch zukünftig) meine Steuergelder verwandt werden, kann man da nur noch mit dem Kopf schütteln. Man könnte vermutlich noch viel mehr in der Richtung Partizipation Unterprivilegierter innerhalb der Gesellschaft unternehmen, wenn einige mehr bereit wären, auf Steuerhinterziehung mal gelegentlich zu verzichten. Aber das ist ja mittlerweile der Sport der Cleveren.
Es ist anscheinend doch schwierig, das Thema zu beleuchten, ohne auch grundsätzlich Für und Wider eines Grundeinkommens zu diskutieren. Ich finde das gut und "Zeit zu leben" ist ja wörtlich genommen auch der ideale Platz dafür.
Um es vorweg zu nehmen - ich würde auch immer arbeiten, nur nicht mehr 40 h die Woche. Die Frage ist aber auch, wie man die (neue) Arbeit definiert. Wenn ich in der gewonnenen freien Zeit in meinem Garten arbeite, mehr Zeit meinen Kindern verbringe oder mich um meinen pflegebedürftigen Vater kümmere wäre das ja eine Verlagerung von bisher bezahlter Arbeit (Gemüsebauer, Horterzieher, Pflegepersonal)...
Auf der anderen Seite können viele völlig überflüssige Jobs in der Verwaltung (oder Telekom, Bahn...) o.ä. leichter abgebaut werden, die heute noch aus sozialer Verantwortung oder Angst vor politischen Auseinandersetzungen aufrecht erhalten werden. Ich glaube es würde so weitgreifende Veränderungen geben, die auch in ihrer Wechselwirkung schwer zu kalkulieren sind.
Die Befürchtung, dass sich eine breite Masse dann durchmogeln würde, ist auch bei uns (ehem. DDR) sehr verbreitet. Wir erinnern uns noch gut an die Nachteile des Systems, aber da muss ich Tanja recht geben - das gibt es doch auch jetzt, und - aber ich glaube es sind definitiv weniger als diejenigen, die mit über 50 keine Arbeit mehr finden und sich mit Harz IV demütigen lassen müssen - wo sie eigentlich der Gesellschaft noch von großem Nutzen sein könnten.
In einer idealen Welt könnte ich mir ein Grundeinkommen für alle vorstellen, aber in unserer Welt? Wie gehen wir hier miteinander um? Die Frage nach dem Menschenbild ist eine sehr entscheidende Frage, die ich mir immer öfter stelle - ganz besonders, wenn es um politische Weichenstellungen geht. Da kann ich (leider viel zu oft) erkennen, dass es ein verachtendes Menschenbild ist und so sehe ich das, was zwischen den Zeilen steht und die Entscheider nicht sagen.
Wer sich übrigens zum Thema Grundeinkommen umfassender informieren möchte, dem empfehle ich die "Nachdenkseiten"
http://www.nachdenkseiten.de - die auch sonst sehr interessant sind für Leute, die querdenken.
Dieses Thema beschäftigt mich! Es sind so spannende Beiträge entstanden! Und eben gerade fiel mir die Überschrift dieser Seite auf: Gedanken über unser Menschenbild.
Wäre es ein humanes Menschenbild, wenn durch ein Grundeinkommen das Überleben der Menschen gesichert wäre?
Was würde die Einführung eines Grundeinkommens über das Menschenbild aussagen? Sagt es auch etwas aus, wenn es nicht eingeführt wird (vorausgesetzt, das hier besprochene Grundeinkommen ist NICHT das, was es vielleicht in anderer Form, unter anderem Namen etc. bereits gibt)?
Das Grundeinkommen wäre eine Form von Lebensenergie. Könnte diese Lebensenergie nicht auch in anderer Form vergeben werden? Die Geschichte von Rilke (glaube ich), in der ein Mann einer alten Bettlerin, die immer am gleichen Fleck sitzt und bettelt, eine Rose schenkt, woraufhin sie an ihrem Fleck ganz lange nicht mehr auftaucht, weil sie von der Rose zehrt? Bzw. von der Liebe, die ihr durch dieses Geschenk zuteil wurde?
Ich gebe zu, von einer Rose kann unser Organismus nicht existieren. Aber damit alle auf der Welt (oder in einem Staat) existieren können, müssten auch alle das gleiche Menschenbild vertreten. Ein Menschenbild, in dem jede/r eine Lebensberechtigung hat, jede/r geliebt werden kann, jede/r in Ordnung ist, so wie sie/er ist usw. usf.
Und dieses Menschenbild müsste zur Voraussetzung haben, dass wir alle so tolerant wären, dass wir uns nicht bedroht oder verunsichert fühlen durch Andersartigkeiten, und das wird in diesem Leben wohl nicht gehen.
Ich kriege mehr und mehr das Gefühl, dass ein entsprechendes Menschenbild zuerst da sein muss, und DANN die existenziellen Fragen geklärt werden können.
Einige hier haben es ja auch schon geschrieben: Eine Veränderung in die Richtung findet bereits statt. Und wer die Augen (und Herzen) aufmacht, der entdeckt es auch... der Blickwinkel ist entscheidend... und da bin ich wieder am Punkt, an dem es auf jeden einzelnen ankommt, wo jede/r einzelne das eigene Menschenbild für sich überprüfen kann.
Eine wunderschöne Anregung zum Thema bietet "One - Der Film". Informatioen darüber auch auf www.one-derfilm.de oder auf www.one-theproject.com .
Ich hoffe, meine Gedanken sind nachvollziehbar... habe gerade mehrgleisige Gedankenentwürfe im Kopf, die ich nur in Ansätzen wiedergeben kann. Nachfragen willkommen! :o)
Ob der Mensch - so ganz allgemein - gern arbeitet?
Ich denke, das kommt ganz drauf an - wie gern er/sie diese Tätigkeit tut (und warum er/sie das gern oder nicht tut, kann da mal jetzt beiseite bleiben)...
Und ich denke, wenn diejenigen Leute, denen das Grundeinkommen genügt, aufhören zu arbeiten, macht allen andren das Arbeiten sicher auch wieder viel mehr Freude. - Und das tut der Wirtschaft/dem Menschen insgesamt gut.
...und vielleicht auch den Sport- und sonstigen Vereinen. Weil die mit dem Nur-Grundeinkommen, vielleicht mehr Freude an solcher Vereinsarbeit haben? oder Musi, oder Lesen, oder...
Bleiben dann noch diejenigen, welche Angst haben, dass das Grundeinkommen ihnen nicht genügt... hmm....
Also nicht vergessen, was wir hier täglich lesen: Nicht immer nur von den eigenen Grenzen ausgehen.
:o)
Ich grüße herzlich alle Pop-Psychologen!
Hallo Barbara_OWL,
vielleicht kommen wir mal wieder auf die Ausgangsfrage zurück, bevor das von Ihnen angestoßene Gedankenkarusell über zu hohe oder zu niedrige Entlohnung für Geisteswissenschaftler, über eigene Zieländerungen bei dem Erhalt von Grundeinkommen, über Gedanken zu Recht und Gerechtigkeit, Patienten aus der Forensik, bis hin zu Rilke und Rose , noch eine Geschwindigkeit erreicht, die alles durcheinander wirbelt.
Die Ausgangsfrage von Frau Konnerth war, angeregt durch die diskutierten Einkommensmodelle von Herrn Werner, welches Menschenbild wohl hinter der Vermutung stehen würde, dass bei einem bedingungslosen Grundeinkommen keiner mehr arbeiten würde.
Allein schon das Argument, das keiner mehr arbeiten würde, ist wenig reflektiert, wenn nicht naiv.
Einige werden bei ihren alten Gewohnheiten bleiben und andere werden sie ändern (können). Die zum Teil gravierenden monetären Vorteile für bestimmte Personengruppen sind evident und brauchen hier nicht noch mal erläutert werden.
Im Vordergrund stand jedoch die Frage nach dem Menschenbild. Nun, es ist so vielschichtig, wie die Menschen selbst. Und ob wir dabei schlechter von uns denken als wir sind, hängt davon ab, wie gut oder schlecht wir bereits jetzt über uns gedacht haben.
Wie auch immer, vielleicht hilft ein Blick auf die real existierende Arbeitswelt weiter. Ich habe nicht den Eindruck, dass da ein wie auch immer geartetes positives Menschenbild vorherrschend ist. Ein solches Menschenbild ist aber auch nicht das entscheiden Moment in einem kapitalistischen ausgerichteten Wirtschaftssystem, wäre aber von Vorteil, wenn es um die Bedürfnisse der Menschen ginge. Hier geht es aber vorwiegend um Rendite und das nicht mal mehr langfristig. Das mag von bestimmten Leuten anders gesehen werden, aber die meisten Untersuchungen zur Arbeitssoziologie sprechen doch das, was Arbeitszufriedenheit, Arbeitsbedingungen, und Arbeitsgesundheit angeht eine deutliche Sprache. Ein Grundeinkommen würde sich auch hier positiv wirken, da keiner aus reiner Existenzangst, sich in diesem System wieder findet.
@ Wolfgang Wenke: Das klingt nachvollziehbarerweise ziemlich bitter. Dass Sie in einer solchen Arbeit, die einen sicherlich immer wieder an die eigenen Grenzen bringt, sogar so, dass Sie, wie Sie schreiben, Ihr Menschenbild "leider" verändern mussten, kann ich mir gut vorstellen. Ich kenne das in meiner Arbeit auch (Sozialberatung in Rehaklinik). Es gibt viele Menschen, die eine passive Haltung eingenommen haben, alles Tun, Denken und Handeln von außen erwarten und kein Stück an Eigeninitative bringen wollen. Interessanterweise wird oft ein Höchstmaß an Kreativität und Ideenreichtum darauf verwendet, dafür zu sorgen, eben nichts zu verändern. Angeblich unzufrieden und unglücklich, aber selbst etwas tun? Nein, man hat doch jahrelang einbezahlt in die Sozialversicherung, jetzt ist der Staat mal dran.
Das höre ich oft, und da fällt es auch mir schwer, mein bisheriges Menschenbild unveränderlich zu lassen.
Und doch denke ich, ist es wichtig, immer wieder die eigenen Haltungen zu überprüfen, denn es ist doch unser Bewusstsein, unser Denken, was wir verändern können, um bessere Lebensbedingungen zu erzielen. Wie auch immer diese aussehen.
Es gibt keine Entwicklung, wenn ich nicht bei mir selbst anfange, sondern nur auf die anderen zeige.
Das fällt auch mir schwer, gerade wenn ich wieder eine Begegnung mit jemandem habe, wie von Herrn Wenke beschrieben, aber entsteht Entwicklung (auch eines Menschenbildes) nicht gerade da, wo man an Grenzen kommt?
Herzlicher und ähnlich gesinnter Gruß an Heike! :o)
Jeder Arbeitslose bezw. HartzIV Empfänger weiss wie sinnvoll eine Aufgabe ist.
Eine tolle Idee!
Schliesslich ist die Beschäftigung eine Frage von Arbeitsplätzen, aber auch vom Alter.
Man kann sich auch das Personal zum Ausspionieren der Hartz IV Empfänger sparen, auf die die Presse in Deutschland so wild ist, als würden sie für die Staatsverschuldung die Hauptschuld tragen.
"Wundervolle Veränderungen" in unserer Arbeitswelt sprechen mich an. Sicher bin ich nicht die Einzige, die merkt, dass wir mit dem Umgang mit Arbeit, mit den Arbeitsstrukturen an einem Ende angelangt sind. Es wird von Politik und Wirtschaft krampfhaft versucht, herum zu manipulieren; Löcher zu stopfen und viele andere dabei auf zu tun - und letzten Endes ist es klar - es müssen neue Wege gegangen werden. Ich bin der Meinung, wenn jeder Mensch das tun kann, was er gut kann und auch gerne macht, dann wäre für alles und alle gesorgt, und es kommt nicht darauf an, was mehr wert ist. Wenn jeder Mensch sein Grundeinkommen und -auskommen hätte, könnte dies eher gelingen. Menschen würden sich auch gegenseitig anstecken, zu zeigen, was sie können; es würde Freude an der Arbeit entstehen. Wir würden auch wieder mehr Verantwortung übernehmen wollen und können, für das was wir tun. Ich bin davon überzeugt, dass jeder Mensch ein Grundbedürfnis hat, zu arbeiten, seinen Teil für die Gesellschaft beizutragen. Wenn dieses Bedürfnis "gesund genährt" wird, dann könnten Menschen einiges leisten. Die meisten Menschen "arbeiten" heute doch längst mit einer inneren Kündigung, und das dient ja letzten Endes niemandem. Die uns vielfach sinnlos erscheinende Arbeit macht uns unzufrieden und krank. Also ein Umdenken zum Thema "Arbeit" ist dringend erforderlich, not-wendig.
Wir sollten den Mut für Veränderungen in diesem Sinne aufbringen.
Für wen soll denn das Bürgergeld gelten? Für alle Deutschen? Für alle Aufenthaltsberechtigten? Asylbewerber?
Ich sehe darin die große Gefahr, dass ein solches "Paradies" zu einem Magnet für Personen aus aller Herren Länder wird. Wenn man sich einmal ohne rechte oder linke Augenklappen objektiv die Situation anschaut, muss man zugeben, dass in vielen Ballungsgebieten zum großen Teil Ausländer leben, die nur aufgrund der finanziellen Sitution in Deutschland sind, weil es ihnen hier an nichts mangelt. Wer das nicht glaubt, sei mal herzlich in diverse Viertel Berlins, Kölns, Neckarsulms usw. eingeladen.
Da stellt sich die Frage, wie man verhindert, das eine "Bürgergeld"-Immigration entsteht.
fuer mich ist es interessant, die Komentare zu lesen. ich will dazu keine Stellung nehmen, denn sie sind aus der Deutschen Gesellschaft heraus gemacht. Aber ich moechte eine Erfahrung mit teilen: ich habe viele Jahre ohne jegliche Sicherheit gearbeitet. es war nicht immer leicht. Auch hier ist "ehrenamtliches arbeiten" hoechstens fuer die Frauen der "Guten Gesellschaft"angebraucht, die ja abgesichert sind. Seit ein paar Jahren habe ich nun diese finanzielle Sicherheit wieder, die mich aber oft auch in vielem Einschraenkt, da ich angestellt bin. Bin allerdings jetzt besonders in angesicht der finanzkrise, die mein Land viel direkter und schneller trifft, sehr dankbar fuer den Reichtum der Erfahrungen die ich angesammelt habe, denn diese "Ersparnisse" kann mir keiner nehmen, aber aus denen kann ich immer geben! Und es ist erstaunlich um die Sicherheit zu wissen, dass da eine Kraft da ist, die mich immer an die Hand nimmt und mich sicher durch alle Anforderungen des Lebens fuehrt.
Den Sinn des Lebens (jeder muss seinen eigenen Sinn finden!)
gefunden zu haben ist die Grundsicherheit, die kann mit Geld nicht bezahlt werden.... geld ist nur EIN Mittel... meist ein recht unsicheres...