Endlich mal den Mund aufmachen!
Von Tania Konnerth • 16 Kommentare
Gehören Sie eher zu den Menschen, die Ihre Meinung für sich behalten oder sagen Sie laut und deutlich, was Ihnen nicht passt?
Viele Menschen sind ja ziemlich groß darin, sich über alles Mögliche zu beschweren – über das Essen, die Bedienung, über den Service, über laute Musik, schreiende Kinder, bellende Hunde, über den Müll auf der Straße, über die Politik usw. usw.
Und es ist ja auch richtig, nicht alles auf sich sitzen zu lassen. Beschwerden können durchaus zum Erfolg führen – kurz-, wie mittelfristig.
Wie ist das aber eigentlich mit all dem, womit wir zufrieden sind?
- Haben Sie z.B. mal der Kassiererin in Ihrem Supermarkt gesagt, dass Sie toll finden, dass Sie Ihnen immer beim Einräumen hilft?
- Oder haben Sie sich mal bei Ihrem Zeitungszusteller bedankt, dass Sie jeden Morgen auch bei Wind und Wetter Ihre Zeitung im Briefkasten haben?
- Oder haben Sie sich mal bei jemandem bedankt, der den Kot seines Hundes mit einer Tüte wegsammelt, statt ihn liegen zu lassen?
Das ist doch alles selbstverständlich? So etwas muss man doch nicht extra loben?
Tja, warum denn eigentlich nicht?
Warum sollte man sich immer nur beschweren, wenn etwas schief geht oder wenn etwas nicht unseren Erwartungen entspricht? Warum sollte man nicht viel öfter den Fokus auf das legen, was hervorragend läuft und was uns gut gefällt und den Mund aufmachen, um ein freudiges Lob auszusprechen?
Nicht nur, dass positives Feedback allen gut tut und Sie damit anderen eine große Freude machen können. Sie werden vielmehr darüber hinaus erkennen, dass es tatsächlich deutlich mehr Anlass zu Zufriedenheit als zu Unzufriedenheit gibt. Und das könnte wiederum einiges für Sie persönlich ändern.





Ich mache das des öfteren. Habe es aber aufgegeben, da mich viele Menschen nicht ernst nehmen, wenn ich das tue
Ja, traurig, aber wahr. Bei ungebetenem Lob bekommt man oft eine "was-will-die-denn-jetzt-von-mir"-Reaktion. Wir sind leider typische Nörgler, für die Kritik grundsätzlich negativ ust. Das ist aber kein Grund, nicht mit gutem Beispiel voranzugehen - auch wenn man manchmal dafür schräge Blicke erntet ("Schleimer" :-) ).
Bei uns im Unternehmen wurde mal vorgeschlagen, daß jeder von uns jeden Tag einmal jemanden loben sollte - und daß damit auf Dauer jeder öfter mal gelobt wird. Das führte zu einem "übertriebenen Loben", weil man sich dabei irgendwie lächerlich vorkam - und ebbte bald wieder ab. Erschreckend.
Ich bin vom Loben auf Bedanken umgestiegen - eigentlich auch eine Selbstverständlichkeit, aber leider eine, die in unserer schnelllebigen Zeit, insbesondere bei den neuen Medien, oft in Vergessenheit gerät. So habe ich gestern erst eine freudige Mail von unserem Haus-Service erhalten, weil ich auf das "geschlossene Ticket Drucker-Patrone wechseln" einfach ein "DANKESCHÖN" zurückgeschickt habe. (Damit habe ich das "Ticket" wieder eröffnet - die Kollegen waren also zum Lesen "gezwungen" - und haben sich gefreut.)
Angelika
Wichtig bei dieser Geschichte ist es doch das Lob u. Anerkennung nur dann von den Menschen angenommen wird, wenn es aus dem Herzen kommt. Alles andere wirkt aufgesetzt, unnatürlich und wird zu einer Farce und damit unglaubwürdig.
Grundsätztlich ist es aber wichtig erst einmal die Augen zu öffnen um zu sehen welche positiven Dinge um einen herum passieren - ein Blick für das Schöne zu entwickeln und nicht auf jeden Fehler zu achten.
Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass ein Lächeln - ein Danke - sehr viel bewirkt. Ob es die Verkäuferin, der Postbote, der Polizist oder wer auch immer ist - jeder freut sich doch über eine nette Geste, etwas mehr Freundlichkeit - etwas mehr spaß - gerade jetzt im November..
Ich bedanke mich des öfteren, auch für Kleinigkeiten. Wenn ich mich bedanke, dann habe ich wahrscheinlich etwas Positives erlebt und unterstreiche es dadurch. Wenn ich mich bedanken will, dann suche ich ja förmlich nach dem Guten und richte meinen Blick auf das Dankenswerte. ... und finde es dann auch. Es ist wie eine sich selbst erfüllende Vorahnung. Ich will Positives sehen, also sehe ich Positives.
Und der Empfänger des Dankes freut sich natürlich auch. Wenn er auch vielleicht etwas verwundert ist.
Jeder Mensch freut sich, wenn er gelobt oder bedankt wird. Leider reagieren viele Leute etwas verunsichert. Aber ich bin der Meinug, wenn der Dank, das Lob ernst gemeint ist, dann spüren die Menschen das. Beim nächsten Mal werden sie erfreut, statt verunsichert reagieren.
In unserer Gesellschaft ist man mehr darauf vorbereitet kritisiert zu werden.
Ich selber habe früher fast ablehnend auf ein Kompliment reagiert. Inzwischen nehme ich Komplimente mit einem herzlichen Dank an und beide erfreuen sich daran.
Gerade gestern machte ich einer Freundin ein Kompliment zu ihrer Kleidung. Sie war ehrlich erfreut, weil sie selber meinte, nicht passend gekleidet zu sein, obwohl sie ihre Garderobe zu dem Anlass mit Sicherheit sorgfältig ausgewählt hatte.
Deshalb: Ernstgemeinten Dank, Lob und Komplimente kann man meiner Meinung nach gar nicht zu viel verschenken.
In diesem Sinne:
Danke für die Möglichkeit hier in Gedankenaustausch mit so vielen Menschen treten zu können.
Elke
Ich finde ein echtes und fundiertes Lob ist für beide Seiten gut, für Sender und Empfänger. Aber verordnen kann man das nicht.
Vor Jahren hatte ich da mal ein Erlebnis, von dem ich fast noch ein bißchen zehre. Wir hatten einen Radiorekorder 2x in eine Werkstatt gegeben, aber der Fehler wurde nicht gefunden.
Schließlich haben wir am Ende selbst den Fehler gefunden, nämlich der Fernseher, auf dem das Gerät stand, war die Störquelle. Kaum stand das Gerät an einer anderen Stelle war der Fehler verschwunden. Ich habe mir dann die "Mühe" (es war eigentlich keine) gemacht in der Werkstatt anzurufen und den Hinweis zu geben, falls mal so ein ähnlicher Fehler auftaucht. Der Techniker, der den Anruf entgegennahm war so was von erfreut und dankbar über den Tip, am Schluß hatten wir beide ein gutes Gefühl, ich weil ich den Anruf gemacht hatte und er weil er einen nützlichen Hinweis bekommen hatte.
ZIVILCOURAGE: ist auch ein "Endlich mal den Mund aufmachen".
Ich habe auch die Erfahrung, daß ein Dank oder Lob von mir, teilweise irritiert angenommen wird, die Menschen sind es leider, noch nicht, gewohnt.
Man/frau sollte aber auch den Mund bei anderen Gelegenheiten aufmachen: siehe die Geschichte in Sachsen, eine 17-Jährige verteidigt eine 6-Jährige Aussiederin und bekommt dafür ein Hakenkreuz auf die Hüfte geschnitten. Und die Menschen stehen auf den Balkonen und schauen ohne Reaktion zu. Das hatten wir doch schon mal vor 60 Jahren...
Vielleicht sollten wir in diesem Zusammenhang mal "den Mund aufmachen"? Ich probiere es im Alltag, und bekomme jedes Mal Zuspruch, von weniger Mutigen! Also wehret den Anfängen !!
Ein sehr gutes Thema :)Ich freue mich immer bei einem aufrichtigem Danke oder bei einem Lob.Dadurch werde ich auch aufmerksamer bei anderen und erlebe immer öfters positive Reaktionen. Das ist wie eine Kettenreaktion:auf einmal ist die ganze Welt schöner und freundlicher!Es liegt eigentlich an jedem selbst, wie er seine Umwelt sieht.
Zu dem Thema Zivilcourage kann ich nur sagen:keiner darf wegsehen, wenn so schlimme Dinge geschehen!!Und man sollte auch nicht schweigen.
Eine schöne, gewaltfreie und besinnliche Woche an alle :))
Zum Thema "Lob geben" habt ihr ja schon viel geschrieben (vieles sehe ich auch so)Ich will das Thema noch um den Aspekt "Lob annehmen können" ergänzen.
Ich habe für mich lernen müssen auch Lob annehmen zu können. Ich hatte früher - manchmal auch noch heute- die Schwierigkeit Lob anzunehmen. Ich habe dann abwährend reagiert, es als bedeutungslos hingestellt, was ich getan habe. Oder aber sogar widersprochen, indem ich erst mal sämtliche Fehler oder Unzulänglichkeiten von mir aufgezählt habe.
Ein erster Schritt um mich von dieser "negativen Haltung" zu befreien, war den "Kopf" ein zusetzen und entweder "Danke" oder gar nichts zu sagen.
Auch heute noch passiert es mir manchmal, dass es mir peinlich ist, gelobt zu werden (alte Reflexe brauchen manchmal sehr lange, bis sie sich auflösen)
Der Unterschied zu früher ist, ich sehe, dass der andere es ernst meint und wenn ich geschafft habe Danke zu sagen, merke ich mittlerweile ein angenehmes Gefühl - könnte wohl das Anzeichen von Freude sein, über das Lob ;-)
Euch eine gute Woche
Ich lobe und danke regelmäßig, dafür schlucke ich Schimpfe inzwischen öfter runter.
Faustregel: Lob, Dank immer -
Tadel nur nach Prüfung des "qui bono":
- Wendet mein Tadel Schaden ab, kann er jemanden vor größerem Unheil bewahren?
- Kann ich durch konstruktive Kritik etwas verbessern?
- Nutzt es mir, wenn ich jetzt meinen Ärger ablade? (Oder verhärtet es langfristig nur die Fronten?)
Falls ich keins meiner drei Siebe mit "ja" beantworten kann, lass ich den Tadel bleiben - es wäre verschwendete Energie.
Ich habe übrigens auch schon die Erfahrung gemacht, dass ich bei ernstgemeintem Lob erstmal mit einem "warum schleimt die sich so ran"-Blick angesehen wurde. Gerade Leute, die sonst selten ein ehrliches Lob hören, sind da oft erstmal misstrauisch. Schade eigentlich :)
Das Problem liegt darin, dass wir uns nur ungern einer Beurteilung aussetzen, weder der eigenen noch der fremden ... wenn wir uns schulen, in der Kommunikation etwas humaner und nicht verletzend zu sein, dann ist alles gewonnen. A*
....Lob und Danke sagen klappt auch wunderbar innerhalb meiner Familie. Ich brauchte mir nur vorzustellen, was wäre und was ich alles alleine machen müsste, wenn mein Mann, aus welchen Gründen auch immer, nicht da wäre. So fing ich an Danke zu sagen, wenn er das Essen fertig hatte, wenn ich von meinem Schichtdienst heim kam usw. Klar, erst war er irritiert, als ich ihm den Hintergrund verklickerte, konnte er es mit der Zeit immer besser nachvollziehen und nun ist es für uns beide selbstverständlich einander "für Selbstverständlichkeiten"? zu bedanken und zu loben, z.B. ein leckeres Essen:-)
Wenn es angebracht ist, lobe ich sehr gern.
Die Rückmeldung ist ausnahmslos positiv.
Die Menschen sehnen sich nach Anerkennung.
Meiner Erfahrung nach ist der häufigste Grund
für einen beruflichen Wechsel der engagiertesten
Mitarbeiter einer Firma...
...die fehlende Anerkennung überdurchschnittlicher
Leistung.
Kennen Sie Menschen, die grundsätzlich gerne
einen schlechte Leistung bringen?
Also ich nicht.
Die meisten entscheiden sich nur für die
Mittelmäßigkeit, weil sie in ihrer Arbeitsumgebung
sonst eher Nachteile als Vorteile geniessen würden.
Die meisten Chefs haben Führung bisher noch nicht gelernt.
Da ich täglich Menschen fördere, die sich eine
positive Arbeitsumgebung schaffen wollen,
und so zu mehr Zeit und sehr viel besserem Einkommen gelangen,
sind vor allem empfangenes und verteiltes Lob
"mein Job".
Herrlich!
(Tolles Blog übrigens und ein wirklich wichtiges Thema!
Vielen Dank dafür!)
Letztens habe ich mich bei einer U-Bahnfahrerin an der Endstation dafür bedankt, dass Sie uns so gut gefahren hat. (Fahre fast täglich mit der U-Bahn und kenne die Unterschiede, ob jemand die Zugbremse mit dem "Hammer" bedient, schmunzel) Sie hat etwas verdutzt geschaut und geantwortet: Wie wirklich ? Danach freute ich mich, dass ich es nicht bei dem Gedanken beließ, sondern diesen zu neudeutsch auch kommuniziert habe. So haben meist beide Seiten etwas davon.
Ich bin Erzieherin da gehört das Loben zu meinem Alltag.
In den letzten Monaten habe ich mal darauf geachtet in angebrachten Situationen zu loben und mich zu bedanken wenn Kinder was für mich getan haben. Was soll ich sagen: Ich bekam so viel zurück das ich es weiterhin tun werden. Die Kinder reagieren anders auf mich. Vor allen dingen wurde ich auch darauf angesprochen. Warum ich mich bedanken würde, das würde ja sonst keiner machen. Diese Reaktion zeigt mir das wir dringend über unser Verhalten zu den Kindern nachdenken sollen. Vieles ist zu selbstverständlich geworden, das ist Schade.
Auf das wir viel lobenswertes sagen, viele Danke verteilen und viele Lächeln verschenken.
Manu
Ein tolles Thema.
Ich bedanke mich gern. Ich freue mich gern mit anderen Menschen an deren Leistung. Ich gebe gern Anerkennung. Ich bin noch nicht so sicher, ob loben immer gut ist. Für mich gibt es einen Unterschied zwischen Lob und Anerkennung.
Lob richtet sich meist an die Person, Anerkennung bezieht sich auf eine Leistung. Loben enthält eine Bewertung, die der Lober über den anderen erhebt, deshalb erntet man zuweilen auf Lob auch Reaktionen, mit denen man nicht gerechnet hat. Wenn ich jemanden sage, er sei toll, dann erlaube ich mir, ihn als Person zu bewerten und schon habe ich mich über ihn erhoben.
Zum anderen muss Lob ehrlich gemeint sein. Leere Floskeln spürt das Gegenüber und quittiert es entsprechend. Außerdem muss es zum Gegenüber passen. Wofür will der andere Lob oder Anerkennung und auch von wem? - Für einen schwer erziehbaren Jugendlichen im Heim kann es ein Lob sein, wenn man bemerkt, dass er eine Woche lang pünktlich in der Schule erscheint, für den Lehrer eher nicht. Der würde sich davon verarscht fühlen, weil es für ihn selbstverständlich sein sollte. Der fühlte sich vielleicht gelobt, wenn man ihm zuschreibt, es wäre sein Verdienst, dass die Schüler pünktlich sind.
Der Kommentar von Thomas Martin stimmt mich froh. Es gibt also mindestens einen, der schon weiß, was an Führung wichtig ist.
Der übliche Tenor von Führungskräften scheint zu sein "Nicht gemeckert ist schon genug gelobt.". Und dann beschimpfen sie auch nich die Mitarbeiter, die sie selbst demotiviert haben, in dem sie deren Leistung nicht gesehen haben.
Ich habe heute Anerkennung verschenkt und Anerkennung bekommen.