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Jammern, nörgeln, Augen rollen – wie negatives Verhalten im Kollegenkreis runterzieht

Von Gitte Härter6 Kommentare

jammerbacke

„Meine Kollegin jammert den ganzen Tag vor sich hin“, „Bei X darfst Du niemals fragen, wie es ihm geht – der betet ständig alle möglichen Krankheiten runter und hört gar nicht mehr auf“, „Bei uns im Großraum ist die Luft zum Schneiden: Am Telefon sind alle bemüht freundlich, aber sobald der Hörer aufgeknallt ist, motzt jeder vor sich hin“, „Ich mag schon gar nicht mehr zur Arbeit gehen. Klar haben wir viel zu viel zu tun. Aber am schlimmsten ist die mies gelaunte Fresse meines Kollegen.“

Mit derlei Situationen wird wohl jeder im Berufsleben konfrontiert. In vielen Firmen ist es leider fast schon der Normalfall. – Selbst ist man allerdings nicht ganz unschuldig, wenn es dazu kommt. Denn auch wenn man nicht zu der Fraktion der Jammerer und Nörgler gehört, so ist mitmachen oder still daneben stehen (und sich innerlich ärgern) nicht viel besser!

„Störfaktoren“

Natürlich geht es einem mal nicht gut: Sei es, weil man mit dem falschen Fuß aufgestanden ist und daher miese Laune hat oder weil man einfach gerade in einer Frustphase steckt. Doch ehe man sich versieht, wird so was schnell zum Dauerzustand. Und das ist eine Attacke auf die Lebensqualität – die eigene und die aller anderen, mit denen man zu tun hat.

Das Schlimme ist, dass sich derlei Verhalten nie nur in den Büroräumen abspielt, sondern immer weitreichendere Kreise zieht. Wer sich im Beruf ärgert, runterzieht, schlecht fühlt, wird entsprechend bedrückt oder aufgeladen in die Freizeit gehen. Und damit ist nicht nur Gefühlsleben und Einstellung vorprogrammiert, sondern es wirkt sich auch auf die Umwelt aus.

Ein Beispiel: Im Büro war miese Stimmung, Kollege A geht aggressiv raus, Kollegin B ist niedergeschlagen.

A stampft zur U-Bahn, rempelt beim Einsteigen gedankenlos die Leute an und spürt seine Wut immer mehr. Beim Einkaufen trippelt er nervös und laut stöhnend in der Warteschlange und schnauzt die Kassiererin an. Zu Hause ist er mürrisch und einsilbig mit seiner Frau und hat keinen Bock auf seine Kinder, die ihn sofort belagern. Nie hat man seine Ruhe!

B will nur noch nach Hause auf die Couch. Eigentlich wollte sie einen Mädelsabend mit ihrer besten Freundin machen, aber sie kann sich beim besten Willen nicht aufrappeln. Also sagt sie der Freundin kurzfristig ab – die ist sauer, weil sie sich den Abend extra freigehalten und sich darauf gefreut hat. B haut sich vor den Fernseher, isst als Trostpflaster eine Tafel Schokolade und ihr graut schon jetzt vorm nächsten Tag bei der Arbeit.

Schon bei diesem konstruierten Beispiel wird klar, wie stark das Miteinander und die Stimmung im Büro sich auf Persönlichkeit und Lebensqualität auswirken. Achten Sie auch gleich mal drauf, wer in diesem kurzen Ausschnitt noch alles beteiligt war: Die Leute im Supermarkt zucken vielleicht mit den Schultern, aber auch hier ist sicher der eine oder andere dabei – allen voran die Kassiererin, die von dem hektischen und unfreundlichen Kunden beeinflusst wurde.

Darum nenne ich die Person, die nörgelt oder jammert, im Folgenden salopp „Störfaktor“, was die Eigen-Motivation und Auswirkung auf andere angeht.

Situation 1: Sie sind der Störfaktor

Wie wir auf Situationen reagieren, ist zum einen eine Typsache – zum anderen ist es erlerntes und angewöhntes Verhalten.

So gibt es Menschen, die von Haus aus eher positiv sind und auf stressige Situationen sehr „aufgeräumt“ reagieren. So jemand würde beispielsweise seufzend auf seinen überladenen Schreibtisch schauen, tief durchatmen und sagen „Hilft ja nix … los geht’s“ – und dann werkeln.

Andere werden eher kopflos und wissen tatsächlich nicht mehr, wo hinten und vorne ist. Dann ist es häufig ein Hilfeschrei, sich zu beklagen, oder einfach nur ein Zeichen der Hilflosigkeit.

Wie ist es bei Ihnen? Sind Sie eher der Typ, der vor sich hin arbeitet – auch wenn es eine ungute Situation ist und Sie sich gestresst fühlen? Der, wenn es andere betrifft, lieber das offene Gespräch sucht, um eine gestörte Atmosphäre zu klären? Der zu viel Arbeitslast durch Terminverschiebungen oder die Bitte um Unterstützung zu entzerren versucht?

Oder gehören Sie eher zu einer dieser Fraktionen:

So ein Verhalten ist immer schwierig, weil

Beobachten Sie sich einmal eine ganze Woche aufmerksam im Arbeitsalltag und finden Sie heraus, wie Sie selbst sich so verhalten.

Ich kenne sehr viele Menschen, denen Jammern und Nörgeln auf den Senkel geht, die gleichzeitig aber gar nicht bemerken, dass sie oft genauso reagieren.

Wenn Sie sich dabei ertappen, hin und wieder vor sich hin zu schimpfen oder laut herumzunörgeln, dann versuchen Sie einmal den offensiveren Weg:

Sofern Sie zu den Menschen gehören, die dauernd jammern und nörgeln, dann wissen Sie das bereits. Hier gibt es nur die Empfehlung, dass Sie sich einmal näher damit befassen, warum das so ist. Denn solche Jammereien können

Beobachten Sie sich im Alltag, horchen Sie in sich hinein und schreiben Sie sich einmal in Ruhe alles auf, was Ihnen zu diesem Thema und Ihrer Persönlichkeit und Erfahrung einfällt. Dieses Bewusstmachen ist ein erster wichtiger Schritt, in ein konstruktiveres Fahrwasser zu kommen.

Führen Sie sich die negativen Auswirkungen dieser Verhaltensweise vor Augen, ziehen Sie die Jammer-und-Nörgel-Handbremse und trainieren Sie die oben empfohlenen konstruktiveren Handlungsweisen.

Situation 2: Ein Kollege ist der Störfaktor

Wenn im Kollegenkreis jemand immer jammert oder schmollt oder lautstark schimpft, dann ist das oft sehr schwierig. Die Konsequenzen sind meist weitreichend:

Solche Gefühle führen oft dazu, dass man es dem anderen zwar übelnimmt, dass er die Atmosphäre vergiftet und durch seine Haltung und sein Verhalten demotiviert, aber einfach kein klärendes Gespräch suchen kann oder möchte.

Doch genau das ist das Einzige, was hilft. Wenn sich im Kollegenkreis jemand so demotivierend verhält, dann gibt es nur diese Lösung:

Ein offenes, sachliches und freundliches Gespräch unter vier Augen, bei dem Sie Klartext reden und

Achtung: Je länger man so ein Gespräch aufschiebt, desto mehr staut sich eigene Aggression auf – und damit ist eine konstruktive Konfrontation so gut wie unmöglich.

Konstruktiv mit Frust umgehen!

Ich hoffe, wir sind uns einig, dass es nicht darum geht, immer ein fröhliches Gesicht aufzusetzen, auch wenn einem nicht danach ist. Natürlich geht es einem mal schlecht, möchte man alles hinwerfen oder man hat einfach Knatsch oder mit persönlichen Schwierigkeiten zu kämpfen.

Aber es ist wichtig, konstruktiv mit den Hindernissen oder schlechter Stimmung umzugehen. Sonst steigert man sich immer weiter hinein – was die Situation nur noch verschlimmert.

In meiner früheren Firma hatten wir ein Großraumbüro für zwölf Vertriebsmitarbeiter. Einmal war die Stimmung total am Tiefpunkt: Der Umgangston litt und die schlechte Atmosphäre war spürbar. Das spitzte sich so zu, dass ich mit jedem Mitarbeiter ein persönliches Gespräch führte und fragte: „Wie geht’s Dir?“ und „Wo ist das Problem?“.

Jeder Einzelne gab an, dass er persönlich nichts habe, ihm nur die schlechte Stimmung der anderen zu schaffen mache! Anschließend machten wir ein Abteilungsmeeting und ich konnte mitteilen: „Gute Nachricht. Allen geht’s gut. Jeder denkt allerdings, dass der jeweils andere irgendwas hat.“

Diese Situation war für alle gleichzeitig erheiternd und ziemlich absurd: Ein Teufelskreis von schlechter Stimmung, Zurückhaltung, Vor-sich-hin-Nörgeln hatte sich ausgebreitet, obwohl es gar keinen richtigen Auslöser gab. Das Problem war hausgemacht.

In diesem Fall ließ sich die Sache einfach lösen: Jeder war sensibilisierter für das eigene Verhalten und die Leute erinnerten sich gegenseitig, wenn wieder mal einer gewohnheitsmäßig zu schimpfen begann.

Diesen Teufelskreis, sich noch weiter zu demotivieren, kann man auch umdrehen und Hilfsbereitschaft, konstruktive Gespräche und lösungsorientierte Überlegungen zum Selbstläufer werden lassen.

Von Gitte Härter

Gitte Härter war viele Jahre Coach und Trainerin für Businessthemen. Seit einem Jahr hat sie sich mit www.schreibnudel.de ganz auf das Schreiben spezialisiert. Am allerliebsten schreibt sie Bücher – und hat auch schon zwei Dutzend Ratgeber veröffentlicht (Aktuell: "Sorry! Entschuldigungen aussprechen, annehmen, ablehnen")

  1. Susanne schreibt am 24. Februar 2011 um 16:39

    Als ich diesen Artikel zu lesen begann, ist mir sofort das Buch "Fish" eingefallen! Sehr empfehlenswert, vor allem hat man es schnell durch. Es geht genau darum dass eine Abteilung einer Firma so demotiviert ist und wieder auf vordermann gebracht werden muss. Ich setze die Tipps die in dem Buch gegeben werden immer wieder im Arbeitsalltag um und schon geht alles leichter von der Hand!

  2. Soheila Mojtabaei schreibt am 27. Februar 2011 um 08:58

    Guten Morgen Gitte,

    gut gut:-)))

    Wie Recht du hast. Nörgeln kostet Energie, schadet der Gesunheit, altert man schneller.
    Im grundegenommen richtet man den Fokus gegen sich selbst und bestraft sich selbst für seine Unfähigkeit.....

    Schönen Sonntag

    Soheila

  3. Christine schreibt am 27. Februar 2011 um 14:11

    Vielen Dank für diese anschaulichen Beschreibungen. Mir war gar nicht klar was für weitreichende Auswirkungen mein spontanes Höreraufknallen und Fluchen wahrscheinlich hat. Diesen Monat probier ich mal, meine Wut konstruktiver los zu werden. Bin gespannt auf das Experiment.

  4. Gitte Härter schreibt am 1. März 2011 um 08:00

    Guten Morgen zusammen,

    dankeschön für die Kommentare. :-)

    @Susanne
    Ich finde es großartig, dass Sie die Anregungen aus dem Buch im Alltag nutzen. Selbst schreibe ich ja auch Ratgeber. Viel zu viele Menschen lesen, haben idealerweise Aha-Effekte, aber TUN im Alltag dann nichts ... oder nicht genug, um von positiven Veränderungen zu profitieren. Was ja nicht nur für Bücher gilt, sondern auch für alle Impulse ... wie zum Beispiel auch die Tipps auf zeitzuleben.de.

    @Soheila
    Ja, mit der Nörgelei, das ist so eine Sache. Wir sind halt alle "nur Menschen". Es zu merken, wenn wir wieder mal so sind und damit das Ruder rumzureißen - für uns selbst und für die Leute um uns rum -, das ist immer der Clou. :-)

    @Christine
    Wow! Ich bin begeistert, dass Sie direkt ein Experiment machen, Alternativen für Höreraufknallen & Co. für diesen Monat konstruktiver loszuwerden (ich hoffe, es war nicht nur der Rest vom Februar gemeint ... hihi).

    • Günter Habla schreibt am 1. März 2011 um 12:25

      Ich bin neu, bei zeitzuleben. Dabei mich zurecht zu finden.

      Durch äußere Ereignisse ausgelöst, habe ich bei mir seither unbewusste Überzeugungen und Glaubenssätze entdeckt. Diese ziehen sich durch mein Leben, wie ein roter Faden. Entstanden sind sie in meiner Kindheit.

      Ich hatte immer das Gefühl, bei mir stimmt etwas nicht. Aber was?

      Jetzt denke ich: Alle Ratgeber nützen nichts, wenn ein unbewusstes Muster jeden Rat zu Nichte macht. Einfluss nehmen kann ich doch nur auf das, was mir bewusst ist. Was mich beeinflusst, ohne dass es mir bewusst ist, dem bin ich ausgeliefert.

      Natürlich kann ich die Stärke aufbringen, mich an Empfehlungen zu halten.

      So lange eine unbewusste Macht mich treibt, kann ich da wirklich Ich sein? Ich kann versuchen ein besserer Mensch zu sein. Regeln und Normen erfüllen. Meine Rolle spielen.

      Aber bin das wirklich Ich?

  5. Kurz zu Gast schreibt am 20. April 2011 um 10:35

    @Günther: Da haben Sie viel Arbeit vor sich, denn wissen Sie wer Sie sind, wenn Sie alle Überzeugungen und Glaubenssätze aus Ihrer Erziehung beiseite lassen? Es ist eine Gelegenheit, dass Sie sich neu definieren können und dann sind die Ratschläge hier sehr hilfreich. Ich denke es geht vielen, wenn nicht sogar den meisten Menschen so, dass sie alte Glaubenssätze und Muster hinterfragen und aufgeben/ändern müssten. Dies ist aber ein lebenslanger Prozess, aber es lohnt sich, finde ich.