Miteinander statt gegeneinander
Von Tania Konnerth • 12 Kommentare
Im Gegensatz zum Badminton geht es beim Federball nicht darum, möglichst schnell einen Punkt zu machen, sondern es geht darum, den Ball möglichst lange im Spiel zu behalten, also einen möglichst häufigen Ballwechsel zu erreichen. Und das geht nur, wenn man miteinander und nicht gegeneinander spielt.
Und genau das fasziniert mich an diesem Spiel: es geht nicht um Konkurrenz, sondern um ein gemeinsames Ziel.
Toll ist auch, dass man für dieses Spiel nicht zwingend gut sein muss, denn es liegt auch in der Verantwortung des anderen, für einen guten Spielfluss zu sorgen – sprich: wer bei diesem Spiel besser ist, hat die Aufgabe dafür zu sorgen, dass der Ball auch vom Schwächeren zurückspielbar ist und eher schlechte Bälle noch zu retten.
Vielleicht macht Ihnen dieser kleine Denkanstoß ja Lust, selbst einmal wieder Federball zu spielen? Und vielleicht können wir ja alle versuchen, den Gedanken des Miteinanders auch in anderen Bereichen unseres Lebens einfließen zu lassen.
Auch wenn ein Schuss Ehrgeiz und die Lust am Gewinnen prima Erfolgsfaktoren sind, so gibt es eben auch andere Wege, Ziele zu erreichen. Wege, die uns zeigen, wie wir gemeinsam Dinge erreichen können, die allein nicht möglich sind. Und das ist eine kostbare und wunderschöne Erfahrung.





Da ist echt was dran.
Ich habe jahrelang Standard-Latein getanzt und war am Ende doch vom Konkurrenzkampf angewiedert. Im Square Dance habe ich dann später eine tolle Tanzform gefunden, die Bewegung und Musik kombiniert, aber den Konkurrenz-Gedanken bewußt aussen vor läßt.
David
Tania, da muss ich mich bei Dir bedanken, dass Du mich wieder mal daran erinnert hast ;-) Ich finde aber, dass beides seinen Platz hat.
Für mich ist Konkurrenz etwas, dem ich meistens aus dem Weg gehe - denn ich hatte halt immer das Gefühl, wen ich gewinne, verliert ja ein anderer. Dann habe ich aber eine andere Form der Konkurrenz kennengelernt, bei der es eigentlich nur Gewinner gibt.
Nehmen wir an, zwei befreundete Verkäufer der gleichen Firma wetten darum, wer im kommenden Monat die meisten Verkäufe erzielt. Als Preis gibt es ein gemeinsames Abendessen, das der Verlierer bezahlen muss.
Beide Verkäufer werden durch den Wettbewerb zu Höchstleistungen angespornt, beide verkaufen deutlich mehr, als im Vormonat, und zum Schluss verbringen beide einen gemeinsamen Abend, um ihre Erfolge zu feiern.
Von aussen betrachtet gibt es zwar einen Gewinner und einen Verlierer, aber angespornt durch den Wettkampf haben beide ihre Umsätze, und damit durch die Verkaufsprovision auch ihr Einkommen, deutlich steigern können. OK, einer muss am Ende das Essen bezahlen - aber wenn nichts auf dem Spiel steht, lohnt sich ja auch der Einsatz irgendwie nicht.
Das, finde ich, ist eine schöne Art des Wettbewerbs, bei der es nur Gewinner geben kann ;-)
@Tobias
Deine Sichtweise kann ich durchaus nachvollziehen. Sie setzt aber voraus, dass höher, weiter, schneller, erfolgreicher, vermögender ... als Ziel wirklich erstrebenswert ist. Wohin das führen kann, erleben wir gerade. Wachstum um jeden Preis kann es wohl nicht sein. Auch Krebszellen denken so!
Bei diesem Wettbewerb, den Du und Dein Kollege da veranstalten, besteht in meinen Augen die große Gefahr, dass das Interesse des Kunden auf der Strecke bleibt. Denn irgendwann geht es nur noch darum, immer mehr umzusetzen und zu verkaufen, und immer weniger darum, auf welchem Weg man das erreicht. Klar gibt es jede Menge Gewinner bei dem Spiel: Die Firma, Deine Kollege, Du selbst und die Kunden, die mit Eurem Produkt wirklich glücklich sind. Doch was ist mit den Menschen, die ihr zum Kauf "überredet" habt, nur damit die Quote steigt? Was ist mit den Leuten, die sich Euer Angebot eigentlich gar nicht leisten können oder wollen, die Ihr aber mit wohlformulierten Argumenten aus Eurer Verkaufsmappe "überzeugt"? Was ist mit den Mitarbeitern, die dieses Mehr an Geschäft produzieren dürfen, in immer mehr Überstunden mit immer selteneren Gehalts- und Lohnanpassungen? Die Zeiten, dass wachsende Gewinne im Unternehmen auch eine Aufstockung des Personals bedeuteten, liegen wohl in den meisten Fällen hinter uns. Alles Gewinner?? Oder gibt es bei Eurem Wettbewerb vielleicht doch Verlierer?
Eine echte Win-Win-Situation, wie Du sie anstrebst, bedeutet, dass wirklich JEDER gewinnt, der in irgendeiner Weise mit der Sache zu tun hat. Kannst Du das für Dich so bestätigen? Dann ist es gut und Ihr habt wirklich allen Grund zu Feiern. Wenn nicht, kannst Du immer noch die Spielregeln ändern.
Ich komme aus einer Branche, in der die Konkurrenz erdrückend ist, dem Logistikbereich. Seit meiner Lehrzeit (und auch schon davor) hieß es immer nur schneller, preiswerter, effektiver, kostengünstiger ... Heute geht ein Transportunternehmen nach dem anderen in Insolvenz oder macht ganz einfach die Türen zu, weil es sich nicht mehr rechnet. Hinzu kommt noch der katastrophale Einbruch im Exportbereich, der letztlich auch auf das "schneller-reich-Werden" zurückzuführen ist. Auf der Strecke bleiben in erster Linie wieder die kleinen und mittleren Unternehmen, die eine solche Durststrecke nicht überbrücken können.
Ich persönlich habe immer nach der Devise gehandelt: Leben und leben lassen. Das hat mich dann letztlich den Job gekostet, weil die Zahlen den Herren am runden Tisch nicht gut genug waren für ihre Aktionäre. Mit spitzem Bleistift zu kalkulieren ist eine Sache - das müssen wir alle. Aber Milliardengewinne auf dem Rücken anderer, das hat mit Win-Win nun rein gar nichts zu tun.
Ich bin froh, einen Feundeskreis zu haben, in dem es nicht darum geht, den anderen zu übertrumpfen. Es geht nur um die Sache, ob es nun ein Spiel oder ein gemeinsames Projekt ist. Und auch wir gehen hinterher manchmal Essen, mit dem guten Gefühl, wirklich alle bereichert worden zu sein und auch andere reicher gemacht zu haben mit dem, was wir tun.
Liebe Grüße,
Jürgen
Ich habe für mich vor einigen Jahren das Golfspielen entdeckt, bei dem es in erster Linie auch nicht darum geht, einen Anderen zu besiegen, sondern man spielt immer gegen sich selbst. Häufig spiele ich auch allein, was ich besonders gerne in frühen Morgenstunden mache.
Im beruflichen Bereich habe ich mich, seit meiner Ausbildung, in dieser Zeit fand auch meine Einarbeitung in die Großmann-Methode statt, immer bemüht, meinen "Kunden" - dazu gehörte auch mein Arbeitgeber - echten Nutzen zu bieten.
Dadurch entstand auch in der Regel eine Win-Win-Situation, denn wer Nutzen bietet, erntet auch Nutzen.
Dieses Prinzip wende ich auch beim Vertrieb meiner Coachingbriefe für ein "erfolg-reiches Leben" an und fahre sehr gut dabei.
Jürgen Gräbel
Das Bild des Federballspiels ist auch sehr gut für die Erfolge die man mit einem Miteinander erreichen kann. Ich kenne das wohltuende des Miteinanders nur noch aus der Musik. Hier bringt ein Gegeneinander nur Chaos. Aber in der Berufswelt scheint das immer noch nicht begriffen worden zu sein. Wenn ich mich an die Anfänge meines Berufslebens zurück erinnere, denke ich immer mit viel Freude daran wie wir uns gegenseitig halfen um nach getaner Arbeit noch gemeinsam unserem Vergnügen nach zu gehen. Heute würde man anstatt dem anderen zu helfen schon mal in die Kneipe vorrausgehen und dem anderen ganz locker sagen, du kannst ja dann nachkommen.
Das Problem das daraus entsteht ist mangelnde Identifikation mit dem Unternehmen. Daraus folgt eine geringere Leistungsbereitschaft. Weil viele das Arbeiten nur noch auf den Gelderwerb beschränken. Über Geld kann man die Menschen aber nur bedingt motivieren. Deshalb wäre es die oberste Aufgabe die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder zu integrieren, sie an das jeweilige Unternehmen auch emotional zu binden. Und zwar im positiven Sinne, nicht wie heute üblich durch Angst.
Vielleicht ist, was wir heute erleben der Auswuchs von studierten "Fachkräften" denen leider niemand etwas über emotionale Intelligenz beigebracht hat. Im Studium, zum Beispiel der Betriebswirtschaft geht es in erster Linie darum in Zahlen zu denken. Nur diese Zahlen entstehen nur durch menschliche Arbeit. Deshalb ist die Wurzel allen wirtschaftlichen Erfolges der Mensch. Und der arbeitet effektiver, wenn er sich integriert und sicher fühlt.
Deswegen genieße ich meine musikalischen Aktivitäten als Insel des menschlichen Miteinanders, welche ich im beruflichen Alltag leider nicht mehr finde. Obwohl es wünschenswert und von mehr Erfolg gesgent wäre.
Uwe Drescher
Hallo,
also ehrlich gesagt das Beispiel mit dem Federball finde ich nicht besonders gut. Natürlich kann man mal so spielen, aber ehrlich gesagt finde ich Federball, wie auch die meisten anderen Sportarten nur interessant wenn es Gewinner und Verlierer gibt, auch wenn ich selber verliere. Ganz im Gegenteil, ich wäre sogar sauer wenn mein Gegenüber absichtlich so spielt, dass ich gewinne.
In anderen Bereichen sieht es dann wieder anders aus. In meinen beruflichen Tätigkeiten, habe ich bisher immer das Glück gehabt, mit den Kollegen zusammen zu arbeiten und nicht gegeneinander.
Auch im privaten Umfeld funktioniert das miteinander sehr gut. Wir sind in unserer Nachbarschaft etwa 6 Familien und wir helfen und unterstützen uns alle gegenseitig. Sei es bei Gartenarbeit oder bei Problemen mit dem Computer etc.. Und zum gemeinsamen Feiern ist auch häufig Zeit.
Ich denke es kommt auf die Situation an: Etwas Konkurrenz kann auch Spaß machen, besonders im Sport – dafür gibt es genügend andere Bereiche, in denen ein Miteinander wünschenswert ist.
Gruß
Volker
Miteinander oder gegeneinander, seit langem frage ich mich ob denn Konkurrenz, immerwährender Konkurrenzkampf, ein tauglicher Motor ist um eine Geselleschaft weiter zu bringen.
Ein Spiel, selbst ein Wettkampf ist nur dann interessant wenn sich die Beteiligten etwa die Waage halten und beide als Gewinner oder Verlierer dastehen können. Ist ein Spieler dem andern haushoch überlegen kommt ja kein Spiel zustande.
Führt Konkurrenz zu Ansporn dann wird Konkurrenz zu Miteinander. Wird die Konkurrenz zum Siegen, zum Erreichen von Vorteilen gegenüber Mitmenschen betrieben dann wird Konkurrenz zum Gegeneinander.
Persönlich sehe ich im Miteinander viel grössere Möglichkeiten als im Gegeneinander.
Erst gestern hörte ich im Radio einen Bericht über die seit gut einem Jahr arbeitende Mobbing-Hotline der Reha-Klinik Glottertal (der bekannten "Schwarzwaldklinik" aus der gleichnamigen ZDF-Serie, allerdings ohne Prof. Brinkmann und Co. sondern mit wirklich kompetentem Personal). Darin wurde darüber gesprochen, dass Menschen, die sich gemobbt fühlen, oft weder ein noch aus wissen und krank werden, ohne dass körperliche Ursachen für die Herz-, Atem- oder sonstigen Beschwerden feststellbar wären. Mobbing hat eben in erster Linie Auswirkungen auf die Seele. Das Schlimme daran: Viele Mobbing-Opfer leiden im Stillen. Die Hotline will das ändern und bietet rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche Hilfe an.
Hier der Link zu einer Pressemitteilung zur offiziellen Betriebsaufnahme im Juli 2008, aus der die immensen Schäden für den Betroffenen und die Gemeinschaft sehr deutlich hervorgehen: http://www.deutsche-rentenversicherung-bw.de/nn_30030/DRVBW/de/Inhalt/Z-Downloads/Pressemitteilungen/Mobbing-Hotline,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/Mobbing-Hotline
Besonders betroffen machte mich die Aussage, dass am häufigsten im öffentlichen Dienst und bei Firmen wie der Deutschen Telekom und der Deutschen Post/DHL gemobbt wird, da dort ältere Mitarbeiter bekanntlich nur unter größtem Aufwand zum Gehen bewegt werden können (viele haben auch noch ein Beamtenverhältnis). Sie sollen aber nach und nach jüngeren, "dynamischen" und vor allem billigeren Arbeitskräften Platz machen. Als ehemaligem Mitarbeiter von DHL sträubten sich mir da die Nackenhaare und mein Blutdruck stieg in die Höhe. Diese Aussage macht auch deutlich, dass es eben nicht nur die Kollegen sind, die anderen zu schaffen machen, sondern dass diese Vorgänge "von ganz oben" bewusst gefördert werden. Eine erhöhte Arbeitsbelastung des Einzelnen, nicht honorierte Überstunden, und immer höhere Anforderungen führen dann dazu, dass Fehler vertuscht und auf andere geschoben werden, nur, um den eigenen Arbeitsplatz nicht zu gefährden. Krankmeldungen werden auch immer seltener, bis es dann irgendwann nicht mehr geht. Und es gibt noch vieles mehr, was da so abläuft, wovon man sich kaum eine Vorstellung macht, wenn man nicht selbst Mobbing-Opfer ist. Da draußen herrscht oft ein Dschungel, aber mit dem Unterschied, dass es sich um denkende Menschen handelt, und nicht um Raubtiere, die einfach nur ihrer Natur folgen und gar nicht anders können. WIR KÖNNEN ANDERS!
Jeder, der heute in einem harmonischen und zielorientierten Team arbeiten darf, kann sich glücklich schätzen. Dass es für alle Beteiligten besser ist - für die Mitarbeiter selbst, für die Firma, für die Kunden, für die Umwelt, für die leeren Kassen unseres Gesundheitssystems ... versteht sich von selbst. Höchste Zeit, dass es sich auch herumspricht, dass MITEINANDER immer besser ist als gegeneinander! Und wenn wir für einen Moment einmal damit zufrieden sind, auch der zweite, dritte oder zehnte Gewinner zu sein, und nicht immer nur der ERSTE, dann werden wir erkennen, wie viel mehr Spaß auch Spiele machen können, die von so einer Einstellung der GEMEINSAMEN FREUDE getragen werden. Nehmen wir uns doch mal ein Beispiel an Sportkommentatoren, die einfach nur die guten Szenen neutral betrachten und sich an guter Leistung erfreuen, ohne eine Mannschaft oder einen Einzelsportler zu favorisieren (jedenfalls nicht im offiziell gesendeten Beitrag). Ich jedenfalls freue mich für jeden, der gewinnt. Und damit habe auch ich schon gewonnen - Seelenruhe zum Beispiel.
Liebe Grüße,
Jürgen
Miteinander statt Gegeneinander – dies tut meinem innerlichen Gleichgewicht gut.
Ich wies es geht nicht immer, aber wenn der Kampf „Gegeneinender“ ohne Aggressionen aufeinander abgeht, ist er akzeptabel.
Ich habe auch Probleme einige Spiele zu spielen, die sehr auf Gegeneinander ausgerichtet sind. z.B. Uno, Badminden. Aber was ich gerne spiele ist Rommee, Federball. Hier kommt es auf das eigene Geschick an. Kein Angriff auf andere.
Wenn ich so über Fußball nachdenke, da ist ja Angriff angesagt, aber ein gemeinsamer Angriff. Wenn die Spieler hier nicht zusammen halten, geht nichts – das ist wieder gut.
Miteinander statt Gegeneinander – dies tut meinem innerlichen Gleichgewicht gut.
Ich wies es geht nicht immer, aber wenn der Kampf „Gegeneinender“ ohne Aggressionen aufeinander abgeht, ist er akzeptabel.
Ich habe auch Probleme einige Spiele zu spielen, die sehr auf Gegeneinander ausgerichtet sind. z.B. Uno, Badminden. Aber was ich gerne spiele ist Rommee, Federball. Hier kommt es auf das eigene Geschick an. Kein Angriff auf andere.
Wenn ich so über Fußball nachdenke, da ist ja Angriff angesagt, aber ein gemeinsamer Angriff. Wenn die Spieler hier nicht zusammen halten, geht nichts – das ist wieder gut.
Das Federball-Beispiel erinnert mich an das Brettspiel "Obstgarten" (von Haba).
Ich finde es toll, weil ja gerade kleine Kinder oft Probleme damit haben, beim Spielen zu verlieren. Bei diesem Spiel spielen alle Kinder gemeinsam gegen einen Raben, es können also nur entweder alle gewinnen oder alle verlieren. Ist schon für 3jährige geeignet! Es kann sicher nicht schaden, bei Kindern auch das Gemeinschaftsgefühl zu fördern, statt sie nur auf den lebenslangen Konkurrenzkampf vorzubereiten.
Das Federball-Beispiel erinnert mich an das Brettspiel "Obstgarten" (von Haba).
Ich finde es toll, weil ja gerade kleine Kinder oft Probleme damit haben, beim Spielen zu verlieren. Bei diesem Spiel spielen alle Kinder gemeinsam gegen einen Raben, es können also nur entweder alle gewinnen oder alle verlieren. Ist schon für 3jährige geeignet! Es kann sicher nicht schaden, bei Kindern auch das Gemeinschaftsgefühl zu fördern, statt sie nur auf den lebenslangen Konkurrenzkampf vorzubereiten.