Ich habe Recht – na, und?
Von Tania Konnerth • 6 Kommentare
Ich gebe zu, dass ich gerne im Recht bin. Wenn ich z.B. in einen Konflikt gerate, versuche ich herauszufinden, ob ich mit meiner Einschätzung der Situation "richtig" liege oder ob ich mich vielleicht irre. Wenn ich dann höre, dass andere die Sache auch so sehen wie ich, fühlt sich das gut an.
Es fühlt sich gut an, aber es bringt mir oft nichts!
Recht zu haben, besonders in Konflikten, streichelt vielleicht das Ego, tut aber in der Regel nichts zur Konfliktklärung bei. Denn, und das ist der entscheidende Punkt: die Person, mit der ich den Konflikt habe, sieht die Sache anders als ich.
Es nützt mir nichts, ein Dutzend Leute hinter mich zu scharren, die mir auf den Rücken klopfen und so etwas sagen wie "Ja, ich seh’ das genau wie du.", weil das die Person, mit der ich im Konflikt bin, nicht überzeugen wird. Im Gegenteil – je mehr ich Recht zu haben versuche, desto schwieriger wird oft eine Klärung des Konflikts.
Warum?
Weil ich mich mit meiner Rechthaberei immer weiter von der Person entferne, mit der ich die Auseinandersetzung habe. Ich sehe, verstärkt durch den Zuspruch der anderen, immer einseitiger nur meinen Blickwinkel und immer weniger die Position der anderen Person. Damit wird der Graben tiefer und eine Verständigung immer unwahrscheinlicher.
Bei Konflikten ist oft der entscheidende Lösungsansatz der, dass wir uns in die andere Person hineinzuversetzen versuchen. Wir müssen nicht gut finden, was die Person tut oder sagt, aber es hilft bei der Klärung eines Konfliktes ganz enorm zu versuchen, die Motive des anderen zu verstehen.
So gerne ich mich darin bestätigen lasse, die Sache "richtig" zu sehen, so sehr ermahne ich mich in Konflikten, die ich gerne klären möchte, immer wieder, meinen Wunsch nach Bestätigung zur Seite zu legen. Damit ich hinschauen kann, was den anderen bewegt. Und damit ich so vielleicht einen Schritt auf den anderen zu machen kann.






M. Rosenberg würde das so zusammenfassen:
Willst du recht haben oder glücklich sein :)
Wir sind in der Regel zu egozentrisch und versuchen nicht den anderen zu sehen. Das ist ein Wesen unserer Kultur: der ewige Kampf. Gewinner oder Verlierer...
Die Folge: Es gibt nur Verlierer, wenn man nicht aus diesem unsinnigen Kampf aussteigt.
nun,ich glaube das zauberwort heißt in diesem falle
"EMPATHIE"-------zu lernen sich in den anderen hinein zu versetzen.
das ist ganz schön schwierig.
ich merke es immer wieder,wenn ich es versuche.
trotzdem----jeder versuch lohnt sich und schließlich ist noch kein meister vom himmel gefallen.
noch einen schönedn tag wünscht euch
lilifee
....wenn wir verstehen daß Recht zu haben nur eine Sache der Sichtweise ist, erübrigt sich jeder Konflikt. Aber wir sind eben Menschen mit Emotionen, die uns nicht immer das machen lassen was wir wollen.
Einen schönen Tag
wünscht Silvia
VERSTEHEN ist gut für einen selber, aber bitte nicht BEEINFLUSSEN lassen in SEINEN ENTSCHEIDUNGEN, denn . . . der Andere will sich auch auf seine Seite ziehen und wenn er z.B. viel trinkt, so ist er meist davon überzeugt, dass das ganz o.k. und gar nicht schlimm ist, sonst würde er es ja nicht machen (= Mein mehrfaches Erfahgrungswissen über einige Jahre!).
Wenn man allzu sozial ist, kann man/frau bald ihren WEG VERGESSEN und nein, das bringt wirklich nichts weiter.
Der Artikel hierzu hat mir gut getan, denn ich verstehe rückwärts jetzt den Knoten eines großen Konfliktes in den ich persönlich geraten bin. Mittlerweile hat sich die Sache so zugespitzt, dass ich auf kurz oder lang meinen Arbeitsplatz verlieren werde. Es hat mir nichts genützt, dass ich im Recht bin und war, Empathie habe ich von Anfang an nicht erhalten, konnte es selbst entsprechend nicht geben und jetzt ist es so wie es ist. Ich habe gelernt, durch diesen kurzen Artikel noch mehr , dafür danke!
Ja,sehr schöner Artikel, der auch mir noch mal zusätzliche Erkenntnisse darüber gab, wo ich mich einfach nur selbstbestätigt sehen will oder wo es um konkrete Klärung geht.
Gleichzeitig drängte sich mir jadoch eine viel spannendere Frage auf : Wie kann ich einen notorischen Rechthaber - also Selbstbestätiger - dazu bringen, sich von seinem Minderwertigkeitskomplex zu lösen und konstruktiv mit der Sache umzugehen?