Die eigene Nase…
Von Tania Konnerth • 8 Kommentare
Es gibt etwas, da muss ich gar nicht auf andere schauen, sondern da kann ich gleich mich selbst als Beispiel nehmen. Und zwar geht es um meine Nase.
Naja, nicht wirklich um meine Nase, aber eben um die Redewendung: "Fass dir mal an die eigene Nase."
Das sagt man, wenn man jemanden darauf hinweisen will, dass er oder sie erst einmal vor der eigenen Tür kehren soll, bevor er andere auf ihren Schmutz hinweist. Und ja, darin bin ich auch gut: andere auf Dinge hinweisen, die ich mir auch selbst sagen könnte.
"Du musst besser für dich sorgen – so rauchst du dich auf." "Setz dich nicht immer so unter Druck." "Meckerst du deinen Mann eigentlich immer so an?" "Mal ganz ruhig, reg dich doch nicht immer gleich so auf. Hilft doch nichts."
Solche und ähnliche Sätze höre ich mich sagen… – und kann mit etwas Abstand erkennen, dass sie gut auf mich selbst passen.
Nun ist es aber ganz spannend, einmal auf die Leute zu schauen, die einem dann so etwas sagen wie "Fass dir doch an deine eigene Nase."
Natürlich haben die Recht, keine Frage, aber heißt das, dass meine Bemerkung damit vom Tisch ist? Heißt es, dass nur weil ich es mir auch selbst sagen könnte, es für den anderen nicht dennoch wichtig sein könnte? Hilft es dem anderen, wenn ich die Sache tatsächlich für mich angehe und verändere oder wäre es nicht schon auch sinnvoll, wenigstens einmal zu überprüfen, ob da ein Punkt getroffen wurde?
Und noch einen Schritt weitergedacht: Wie ist das, wenn mir jemand etwas sagt und ich dann denke: "Gerade du musst das sagen, fang doch erstmal bei dir an." Schneide ich mich da nicht oft selbst von einem vielleicht ganz hilfreichen Rat ab?
Um an dieser Stelle noch einmal zu mir selbst zurückzukehren: ich weiß, dass gerade dann, wenn ich besonders abwehrend auf eine Anregung oder einen Rat reagiere, die Person meist einen tatsächlich wichtigen (und eben auch wunden) Punkt gefunden hat. Den Ball zurückzuspielen, ist eine automatische Schutzreaktion – aber letztlich kann es für mich sehr hilfreich sein, mir dann noch einmal in aller Ruhe anzuschauen, was mir da genau gesagt wurde.





Mir gefällt der Ausdruck: Wenn man mit dem Finger auf jemanden zeigt, so zeigen drei Finger zurück zu einem selbst.
Reaktionen in die Richtung " Fass Dir doch an die eigene Nase" signalisieren mir zwei Dinge:
1. Ich habe ungefragt mich in das Leben eines andern eingemischt. Vielleicht sollte ich das nächste Mal fragen, ob der/ diejenige überhaupt etwas von mir zu dem Thema hören möchte.
2. Ins Wespennest getroffen.
Im Übrigen finde ich diese ewige Meinungsäußerung anderer über ein fremdes Leben nervtötend. Jeder hat etwas zu sagen und das meiste ist nichtig. Würde man sich mehr mit seinem eigenen Leben beschäftigen, müsste man nicht "draußen" suchen.
Aber Danke, für den Denkanstoss.
In einem Buch habe ich gelesen und mir notiert: "Wer es wagt, mich zu korrigieren, ist mein Freund." Von Freunden wünsche ich mir, korrigiert un dsogar kritisiert zu werden. Was Kritik an anderen angeht, ist Feingefühl angesagt für den richtigen Zeitpunkt, den richtigen Ton und für die Beziehung in der ich zum anderen stehe. Gegenüber guten Freunden fühle ich mich verpflichtet, sie auf bestimmte Dinge anzusprechen. Und was das selber beherzigen angeht: Ich wünsche mir, gemeinsam mit meinen Freunden dazu zu lernen.
Hallo Zusammen,
an die eigene Nase fassen, finde ich gut. Wenn ein Freund etwas kritisiert, auch. Der Spruch fass' Dich an die eigene
Nase wird m.E. zu oft als Totschlagargument verwendet, der Kritisierte will den eignen Kritikpunkt nicht sehen, sondern
nur denselben beim Anderen. Ich finde, dass es schöneres zur Unterhaltung gibt, es gibt soviel Anstacheln zu (Höchst-)leistung und so viele Normen, dass ein Gespäch ohne Kritik wirklich schön ist und auch wichtig.
Einen schönen Abend wünscht
Monika
einen herzlichen gruß,
immer, wenn ich diese redewendung gebrauche zucke ich innerlich zusammen, und weiß genau"da habe ich mich wohl gerade selbst auf etwas hingewiesen"...und fange bei mir an-
so wirkt der "spiegel".
und wenn ich tatzächlich bei mir anfange zu ändern, so ändert sich der andere gleich mit.
es ist so leicht die welt zu verändern: man sollte nur bei sich damit anfangen!
und vielleicht in dem scheinbar "negativen" positives finden!
danke, für all die underbaren denkanstösse
nicci
Hallo an euch beide und die vielen Leser hier!
"Fass dir doch an deine eigene Nase" + "Bevor du über andere Urteilst, kehre erstmal vor deiner eigenen Türe!" - das sind zwei Sprüche, die ich selbst nicht nur des öfteren höre/lese sondern auch selbst munter verteile :-)
Nachdem ich den Beitrag im Newsletter gelesen habe, kam mir die Idee: Je nachdem, wer einem etwas "vor die Nase hält" oder wem man selbst etwas "vor den Kopf gehauen" hat, könnte man evtl. vereinbaren, es zusammen auch in Angriff zu nehmen. Anders gesagt: Gemeinsam die eigenen Fehler suchen, aber mit Unterstützung vom Gegenüber, der einen drauf hingewiesen hat bzw. den man selbst auf Fehler hingewiesen hat. Wäre dann eine Art Teamwork bei der Fehlerbeseitigung ;-)
Werde das beim nächsten Urteil meiner Mutter mal proben...
Danke für den Anstoß dafür :-)
Angenehme Woche wünsch ich euch allen hier.
Nina
wenn ich auf kritik oder anmerkungen von leuten, die mir nahestehen, so oder ähnlich "angefressen" reagiere, dann liegt das fast immer daran, dass sie einen wunden punkt getroffen haben.
wenn jedoch kritik oder ähnliches von personen kommt, die mir nicht nahe stehen (lies: deren meinung mir egal ist), lasse ich dies mittlerweile meist an mir ablaufen. ich denke nicht mal mehr über eine replik nach :o)
für externe beobachter (berater / helfer / ...), auf deren meinung ich etwas gebe, gilt jedoch ebenfalls der erste satz :o)
und: menschen, die mir nahe stehen, spreche ich durchaus auf dinge an - wenn sie sie hören wollen. es war zwar ein ganz schön langer weg bis dahin, aber ich habe mittlerweile auch gelernt, die klappe zu halten, wenn kein kommentar gewünscht wird.
herzliche grüße und eine schöne woche allen!
Ich liebe zu dem Thema den Satz: "was dich trifft, dass betrifft dich auch" Natürlich gilt das auch für mich in Person!
Schön ist auch "Der Mensch schaut in den Spiegel, sieht sein verschmutztes Gesicht und beginnt darauf den Spiegel zu putzen"
Schöne Woche und viel Spaß beim in den Spiegel schauen.