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Wie Ihre Persönlichkeit Ihr Glück beeinflusst – und andersrum

Von Wolff Horbach7 Kommentare

glueck

In jeder Kultur gibt es Eigenschaften, die von fast allen geschätzt werden: Freundlichkeit, Aufrichtigkeit, Mut, Beharrlichkeit, Geduld, Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Weisheit usw.

Menschen, die eine oder mehrere von diesen Werten besitzen, sind hoch angesehen, sie werden von anderen geehrt und als Vorbild angesehen. Diese Eigenschaften werden an Schulen gelehrt, es gibt Institutionen zur Förderung und es werden entsprechende Preise verliehen.

Schaut man sich die ganze Palette unserer Gefühle an, so wird schnell klar, dass negative Gefühle meistens durch schlechte Eigenschaften entstehen und positive Gefühle durch positive Eigenschaften:

Es sind also die Menschen mit positiven Persönlichkeitsmerkmalen, die unser Glück fördern! Und das ist auch der Grund dafür, dass positive Persönlichkeitsmerkmale in jeder Kultur so hoch angesehen sind.

Die positiven Persönlichkeitsmerkmale wirken aber nicht nur auf andere, sondern auf den Träger selbst. Wer freundlich zu anderen ist, wird viel Freundlichkeit ernten. Wer geduldig ist, richtet keinen unnötigen Schaden an, sondern genießt den Moment der richtigen Reife. Wer beharrlich seine Ziele verfolgt, wird reich belohnt.

Unser Glückssystem ist unser Lernsystem

Mit den positiven Charaktereigenschaften und dem Glück haben wir das gleiche Problem wie bei Henne und Ei: Was war zuerst da? Fördert Glück die positiven Eigenschaften oder erzeugen die positiven Eigenschaften das Glück? Beides! Es gibt aus der Hirnforschung deutliche Hinweise darauf, dass unser Glückssystem unser Lernsystem ist. Eine ernstzunehmende These lautet so: Im Laufe der Evolution hat sich im Gehirn eine Funktion ausgebildet, die uns durch die Ausschüttung von Neurotransmittern – landläufig Glückshormone genannt – gute Gefühle vermittelt, wenn wir etwas Sinnvolles und Richtiges tun. Mit anderen Worten: Wir werden mit einem Hochgefühl dafür belohnt, wenn wir etwas tun, was für uns oder für Menschen in der Gemeinschaft förderlich ist.

Das Gehirn schüttet Glückshormone aus, wenn wir uns bewegen – z. B. beim Sport. Eben weil Bewegung für unsere Gesundheit wichtig ist. Das Gehirn schüttet aber auch Glückshormone aus, wenn wir anderen helfen. Damit wird belohnt, dass die Förderung von anderen oder der Gemeinschaft letztendlich wieder uns selbst zugutekommt.

Es lohnt sich also auf jeden Fall, seine positiven Persönlichkeitsmerkmale zu bilden!

Mein persönlicher Tipp:

So können Sie Schritt für Schritt selbst zu einer positiven Kraft werden, die das Glück von anderen Menschen fördert und dadurch auch selbst mehr Glück erfährt.

Von Wolff Horbach

Ich bin ein sehr neugieriger Mensch. Schon als Kind habe ich Radios auseinander genommen, weil ich wissen wollte, wie sie funktionieren. Das hat mich zu meinem Beruf geführt: Diplom-Ingenieur.

Nach ein paar Jahren in der Forschung habe mich zu Beginn des PC-Zeitalters selbstständig gemacht. Ich ahnte damals schon, dass diese Technologie die Welt verändern wird. Heute entwickele ich u.a. Programme für's iPhone und das iPad.

Meine Neugierde hat mich auch zu einem zweiten großen Thema geführt: Glücksforschung! Bei der ersten Begegnung passte Glück nicht zu meinem naturwissenschaftlichen Geist. Heute weiß ich, dass das wunderbar zusammenpasst. Nach dem Lesen von gut 150 Büchern und ein paar Hundert Forschungsberichten habe ich die Erkenntnisse in 77 Wege zum Glück zusammengefasst.

Heute trage ich mit www.faktor-g.de das Thema in die Unternehmen.

  1. Tanja Handl schreibt am 19. April 2011 um 11:25

    Super Artikel! Positive Persönlichkeitsmerkmale tragen zum Glück bei. Zudem glaube ich, dass diese positive (glückliche) Einstellung dann zum Erfolg beiträgt! Ich sage nur self-fulfilling prophecy ;-)

  2. Alsu schreibt am 25. April 2011 um 08:56

    Warum hat Karl eine "schlechte Eigenschaft" wenn er ungehalten darüber ist, dass ihn jemand demütigt? Warum hat Christa eine "schlechte Eigenschaft" wenn sie Angst vor einer Bedrohung hat? Ist das Ausschalten natürlicher Schutzinstinkte die Vorraussetzung für Glück? Muss Christa sich über eine Lektion des Lebens freuen, nachdem sie ausgeraubt und zusammengeschlagen wurde?
    Gefühle, "negative" wie "positive", kommen und gehen. Man kann sie genau so wenig verhindern, wie Regen oder Sonnenschein. Sie gehören zum Mensch-Sein. Was man verhindern kann, ist sie festzuhalten und darin zu versinken, zu brüten, und sich im Kreis zu drehen. Da hilft ein "ich darf dieses Gefühl nicht haben, da bin ich nicht positiv genug" im übrigen gar nichts, das trägt eher zur Negativität bei. Wichtiger ist die Erkenntnis, das Gefühle vergehen. Und an alle Christas dieser Welt: Wechselt das Abteil oder holt Euch Hilfe.

    • Petra schreibt am 25. April 2011 um 14:01

      @Alsu
      Die ersten drei Beispiele sind wirklich etwas missverständlich formuliert. Vermutlich meint der Autor, dass die schlechte Eigenschaft des Chefs, nämlich ungerecht und herablassend zu Karl zu sein, bei Karl schlechte Gefühle auslöst, analog ist natürlich der schmierige Typ derjenige mit der schlechten Eigenschaft und löst dadurch in Christa das unangenehme Gefühl der Angst aus.

    • Wolff Horbach schreibt am 27. April 2011 um 13:00

      Hier gibt es wahrscheinlich ein Missverständnis: Karl hat keine schlechte Eigenschaft, sondern der Chef. Aber diese negative Eigenschaft, nämlich andere herablassend und ungerecht zu behandeln, führt bei anderen zu negativen Gefühlen.

  3. Angela Osius schreibt am 26. April 2011 um 20:05

    Egal wie rum was gemeint ist, mir ist der ganze Ansatz: "Negative" versus "Positive" Eigenschaften zu simpel und letztlich kontraproduktiv. Es geht nicht um eine "Eigenschaft" des Chefs oder des "schmierigen" Typen, sondern um Verhaltensweisen.
    Da halte ichs lieber mit dem Ansatz von Rosenberg und der Gewaltfreien Kommunikation.
    Unlustvolle Gefühle werden ausgelöst wenn unsere Bedürfnisse nicht gesehen oder gehört werden.Wenn mein Chef sich in einer Weise verhält, die mein Bedürfnis nach Wertschätzung nicht respektiert, wenn jemand sich in einer Weise verhält,duch die mein Bedürfnis nach Sicherheit,oder Selbstbestimmung über meinen Körper mißachtet wird, dann werde ich mich vermutlich ärgerlich, oder hilflos oder ängstlich fühlen.Aber es geht hier um Verhalten (!), nicht um Eigenschfaten. Wenn ich meine dass jemand diese oder jene Eigenschaft besitzt, dann schreibe ich ihn (oder sie) damit fest. Wenn mir jemand eine "negative" Eigenschaft unterstellt, dann werde ich innerlich dichtmachen und nicht mehr offen sein für eine konstruktive Auseinandersetzung über dieses Verhalten. Wenn ich sowieso so "bin", dann ist ja eh' Hopfen und Malz verloren.Also kann ich eh' nix ändern, nicht "besser" werden.

    Entsprechend kritisch sehe ich dieses lineare: "Weil" Ich mache (fühle)dies, weil Du das...

    Helga nörgelt, Hägar zieht sich zurück. Helga sagt, ich nörgele ja nur "weil" Hägar sich immer zurückzieht. Hägar sagt:Ich ziehe mich ja nur zurück, weil Helga ständig nörgelt.

    In der Kommunikationtheorie nennt man sowas eine kreisförmige interaktion, mit gegenseitiger Schuldzuweisung.

    Wer ungerecht ist, ist negativ, ist böse, ist schuld an der Mißstimmung.Aus dem Satz geht in keiner Weise hervor, was der Chef tatsächlich gesagt oder getan hat. Es ist nur eine Bewertung seitens des Untergebenen.
    Welches Verhalten wurde als"herablassend" bewertet?
    Was hat Uli getan, dass Walter als Hintergehen eingeschätzt hat. Was waren Ulis Motive?
    Wieviel von diesen Bewertungen hat mit dem tatsächlichen Verhalten zu tun, wieviel davon, mit den Deutungen und Interpretationen der jeweiligen "Opfer?"

    So sehr ich Vereinfachungen oft schätze, weil sie komplexe Dinge manchmal verständlicher machen, an dieser Stelle macht es sich der Autor zu einfach.

    Zum Schluss noch ein nachdenkenswerter Gedanke von Rosenberg.Solcherart "negatives" Verhalten sei "der tragische Ausdruck eines ungehörten Bedürfnisses."

    Wenn es mir gelingt, mit diesem Bedürfnis empathisch in Resonanz zu gehen, dann kann ich u.U. einer Weise reagieren, dass dieses Verhalten nicht mehr not-wendig ist. Das gilt natürlich auch für meine eigenen ungeliebten inneren Anteile und Verhaltensweisen.Und wenn ich das Ganze so betrachte, dann ist Bewegung, Veränderung, Heilung, Frieden, Versöhnung etc. möglich. Dann haben vielleicht die Welt und das friedliche menschliche Miteinander noch eine Chance.

    • Wolff Horbach schreibt am 27. April 2011 um 13:38

      Sie haben natürlich recht, wenn Sie das Schema negative Eigenschaften - positive Eigenschaften als etwas zu simpel dargestellt bezeichnen. Aber Sie werden ja wohl nicht bezweifeln, dass es so etwas gibt wie "negative Charaktereigenschaften" und "positive Charaktereigenschaften". Egal, durch was sie entstanden sind.

      Gewaltfreie Kommunikation kann da kein Gegenmodell sein, sondern vielleicht helfen, in Konfliktsituationen beruhigend und deeskalierend zu wirken. Angewendet auf das obige Beispiel heißt das vielleicht: Wenn mich jemand ungerecht oder herablassend behandelt, dann kann ich mit gewaltfreier Kommunikation dafür sorgen, dass es nicht weiter zum Streit kommt. Aber ist damit mein negatives Gefühl wegen der miesen Behandlung weg?

      Mir geht es im Endeffekt darum, auszudrücken, dass positive Charaktereigenschaften das Glück vermehren. Gewaltfreie Kommunikation ist vielleicht ein Stück davon. Richtig angewendet trägt sie sicherlich dazu bei, andere besser zu verstehen. Die Empathie - eine dieser positiven Eigenschaften - wächst. Genau das ist der springende Punkt.

  4. Angela Osius schreibt am 15. Mai 2011 um 23:11

    Wir kommen da wohl nicht zusammen. Ich bestreite in der Tat, dass es "negative" oder "positive" Charaktereigenschaften gibt.Ich bin der Auffassung, dass es unterschiedliche Charakterstrategien gibt, die mehr oder weniger funktional, bzw. dysfunktional sind.
    Ich glaube das eine solche Polarisierung, wie Sie sie hier vornehmen, nicht zu einem mehr an Glück beiträgt.
    Freundlich zu sein z.B. bezeichnen Sie als eine positive Charaktereigenschaft. Ich sage, es handelt sich um ein Verhalten. Und selbst die Freundlichkeit ist nicht immer angemessen.Leute die ausschliesslich freundlich sind, können sich zum Beispiel meist nicht gut abgrenzen. Und das ist letztlich nicht wohltuend.Auch nicht für die Empfänger der permanenten Freundlichkeit, die sich vielleicht ein echtes Gegenüber wünschen. Das ist natürlich nur ein Beispiel.
    Fußnote zur GFK: Wenn ich wirklich die innere Haltung die dem Konzept der gewaltfreien Kommunikation zugrundeleigt, verinnerlicht habe, komme ich nicht mehr aus die Idee, jemandes verhalten als "miese Behandlung" zu bewerten. Und wenn ich die Not erkenne, die hinter dem Verhalten steckt, dann ist in der Tat eine Menge meines "negativen Gefühls" weg.