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Vom selbstgecoachten Ich zur perfekten Führungskraft

Von Heiko Schwardtmann3 Kommentare

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Es ist schwer, die perfekte Führungskraft zu werden – zumindest, wenn Sie den Anspruch haben, dass jeder Sie als perfekte Führungskraft empfindet!

Schließlich hat jeder Mensch eine andere Persönlichkeit, ein anderes Empfinden für gute Führung und auch völlig unterschiedliche Ansprüche und Bedürfnisse an eine Führungskraft.

Egal was Bücher Ihnen beibringen, was Sie in Seminaren trainieren oder welche weisen Ratschläge Sie von anderen Führungskräften erhalten – am Ende zählt doch nur, wie Ihre Teammitglieder auf Ihre Führung reagieren. Wie sie handeln und wie ihre Einstellung der Unternehmung gegenüber ist. Denn letztlich geht es bei Führung auch um Steuerung. Wenn Ihre Mitarbeiter bzw. Kollegen nicht mitziehen, dann werden Sie Ihre Ziele auch nicht erreichen. Und unter Berücksichtigung aller menschlichen und sozialen Aspekte geht es im wirtschaftlichen Bereich letztlich immer darum, die Unternehmensziele zu erreichen.

Wie also wird man diese perfekte Führungskraft?

Natürlich wollen wir die „perfekte“ Führungskraft sein, erfolgreiche Teams als Verantwortlicher zum Sieg führen usw. Die Frage, die immer wieder auftaucht, ist das „Wie?“.

Punkt 1: Lassen Sie Ihr Ego zu Hause!

Mahatma Gandhi hat einmal gesagt:

Sei die Veränderung, die du in der Welt sehen möchtest.

In diesem Zitat liegt der erste von drei Punkten, die ich Ihnen hier näherbringen möchte: Wer gut führen will, muss sich zuerst einmal selbst führen können.

Oder würden Sie einem notorisch gestressten Menschen zutrauen, Ruhe vermitteln zu können? Oder einem sehr autoritären Machtmenschen das einfache Delegieren verschiedener Aufgaben? Eher nicht, oder? Deshalb ist es wichtig, dass Sie die Eigenschaften, die Sie sich von Ihren Mitarbeitern wünschen, auch bei sich selbst wiederfinden.

Leicht gesagt … was ist dafür notwendig? Zunächst einmal benötigen Sie dafür eine gute Selbstreflexion. Das bedeutet, dass Sie Ihr eigenes Verhalten ständig hinterfragen. Und wenn jemand nicht so reagiert, wie Sie sich das vorgestellt haben, dann suchen Sie die Ursache für dieses Verhalten immer zuerst bei sich selbst. Denn nur bei sich selbst kann man zu 100 % etwas verändern.

Natürlich können Sie aufgrund hierarchischer Strukturen Druck aufbauen und etwas durchsetzen. Nur ist das auf Dauer nicht effektiv, denn hierarchischer Druck ist meist in Verbindung mit Angst wirksam. Dies könnte die Angst sein, den Job zu verlieren oder auch vor anderen Konsequenzen. Über einen längeren Zeitraum jedoch verliert dieser Druck an Wirkung. Entweder, weil sich herausstellt, dass die Drohungen nur heiße Luft sind, oder, weil der Mitarbeiter so zermürbt ist, dass er/sie nicht länger für Sie arbeiten möchte.

Nur über sich selbst haben Sie allein die Kontrolle und somit auch eine „Garantie“ für Ergebnisse. Beginnen Sie also bei sich selbst und stellen Sie zunächst einmal Ihre eigene Einstellung und Ihre Handlungen in Frage. Fragen Sie sich zum Beispiel:

Erkennen Sie z. B., dass Sie auf Probleme anderer recht ungeduldig reagieren, so könnte Ihnen das ein wertvolles Feedback geben in Bezug auf eine mögliche Verhaltensänderung.

Diese Fragen immer wieder für sich selbst zu beantworten, könnte ein erster Schritt sein. Die große Herausforderung liegt nun im ehrlichen Anerkennen etwaiger Schwächen einzelner Bereiche. Fragen Sie sich beispielsweise, wie leicht oder schwer es Ihnen selbst fallen könnte, sich einzugestehen, dass Sie vielleicht äußerst sensibel auf Kritik reagieren (obwohl Sie vielleicht immer davon ausgegangen sind, dass Sie sehr empfänglich für Kritik sind). Womöglich müssen Sie auch erkennen, dass Sie doch nicht so Stress-resistent zu sein scheinen, wie Sie vielleicht dachten

Nutzen Sie hierfür auch die Aussagen und Handlungen anderer Menschen und (mindestens genauso wichtig) die Nicht-Aussagen und Nicht-Handlungen derselben Menschen.

Sicherlich werden Sie sich auch mal auf den Schlips getreten fühlen, aber es geht nicht darum, wer letztlich recht hat! Es geht nur darum, Informationen und Feedback zu erhalten, das Ihnen hilft, eine bessere Führungskraft zu sein.

Das Erkennen und „Sich-Eingestehen“ ist der erste Schritt. Jedoch ist dies nur die halbe Miete. Denn jetzt müssen Sie dieses Verhalten auch verändern. In o. g. Beispiel haben Sie beispielsweise festgestellt, dass Sie nicht ganz so Stress-resistent sind, wie Sie dachten. Jetzt geht es darum, daran zu arbeiten – in diesem Fall könnte dies das Durchführen bestimmter Entspannungsübungen, das Lesen eines Buches oder der Besuch eines Seminars/Workshops zum Thema sein. Sie können sich auch coachen lassen oder, sofern möglich, verändern Sie Ihr Verhalten einfach von sich aus.

Dazu muss man eine Sache beiseite schieben – und genau HIER scheitern die meisten Menschen: Vergessen Sie Ihr Ego! Übertriebenes Selbstbewusstsein oder womöglich Selbstüberschätzung sind hier völlig fehl am Platz! Analysieren Sie Ihre Schwierigkeiten, die Aussagen anderer und öffnen Sie sich den Verbesserungsmöglichkeiten.

Punkt 2: Trainieren Sie immer wieder Ihre Flexibilität

Der zweite Punkt eines effektiven Selbstcoachings im Hinblick auf die Entwicklung Ihrer Führungsqualitäten ist eine Fähigkeit, die meiner Meinung nach heute eine der wichtigsten überhaupt ist: Flexibilität! In vielen Lebensbereichen (und definitiv in verschiedenen beruflichen Situationen) treten immer wieder Veränderungen ein. Und es ist keine Wissenschaft, wenn ich behaupte: Derjenige, der mit Veränderung am besten und schnellsten zurechtkommt und sich entsprechend darauf einstellt, hat den meisten Erfolg.

Als zum Beispiel das Internet „kam“ und entwickelt wurde, gab es unterschiedliche Meinungen dazu – Befürworter und Gegner. Dabei war diese Veränderung unausweichlich für nahezu alle Menschen der westlichen Welt. Die, die sich dieser Veränderung schnell angepasst und sie angenommen haben, hatten deutlich weniger Stress und konnten neue Optionen und Möglichkeiten entdecken, die für die Gegner unerschlossen blieben.

Bezogen auf eine Alltagssituation könnte es vielleicht die Einführung einer neuen Betriebssoftware in Ihrer Firma sein. Auch hier wird es wahrscheinlich Befürworter und Gegner geben. So oder so ändert es jedoch nichts an der Tatsache, dass die neue Software nun Standard ist. Und während die Befürworter sich mit der Veränderung positiv arrangieren, lamentieren die Gegner weiter und weiter. Ergebnis: Frust, Ärger, Resignation etc.

Ja klar, wenn Sie einfach mal etwas Neues ausprobieren, kann es auch sein, dass Sie damit nicht weiterkommen. Aber wenn es schiefgehen sollte, können Sie zumindest einen Haken hinter den Versuch machen und mit Bestimmtheit in eine andere Richtung gehen. Wenn Sie aber grundsätzlich nicht bereit sind, Veränderungen anzugehen, werden Sie immer wieder darüber nachdenken, ob ein anderer Weg nicht unter Umständen, womöglich und vielleicht doch hätte anders, besser oder effektiver sein können. Da ist es doch sinnvoller, eine Sache auszuprobieren, definitiv ein „gut“ oder „schlecht“ zu haben und dann die volle Aufmerksamkeit auf den gewählten Weg zu legen.

Ich bin ein großer Fan von Flexibilität und auch vom Ausprobieren unterschiedlicher Dinge. Dabei habe ich persönlich festgestellt, dass die meisten Sorgen und Befürchtungen, die ich vielleicht vorher hatte, völlig unbegründet waren. Die meisten sind NIE eingetreten. Gerade in Deutschland sind Menschen … nun, sagen wir mal … Freunde „traditionellen Verhaltens“. Erkennen können Sie es an Aussagen wie

usw.

Sie kennen diese Aussagen. Aber egal wie man es betrachtet: Veränderung ist notwendig, um sich weiterzuentwickeln. Sie kennen sicherlich den Ausspruch: Wer macht, was er schon immer gemacht hat, bekommt auch, was er schon immer bekommen hat. Alle Welten verändern sich immer wieder: die Wirtschaft, Mitglieder Ihrer Familie, Technologie, Gesellschaftsnormen, berufliche Anforderungen, das Essverhalten … sogar die Natur. Und schon immer haben die, die sich schnell angepasst und selbst verändert haben, am besten bestanden.

Punkt 3: Seien Sie sich Ihrer Vorbildfunktion IMMER bewusst!

Der dritte Punkt, den ich Ihnen hier als einen meiner Favoriten nennen möchte, ist Ihnen wahrscheinlich noch bekannter als schon die ersten zwei: Eine Führungskraft hat immer Vorbildfunktion. Worüber sich nicht viele im Klaren sind, ist, dass von anderen nicht nur beobachtet wird, ob die Führungskraft eine ausgegebene Strategie, Motivation usw. auch selbst vorlebt. Bei Führungskräften wird ALLES wahrgenommen und beobachtet. Deshalb ist ein vorbildliches Verhalten (was vorbildlich ist, bestimmen allein Sie selbst) wirklich IMMER wichtig.

NUR in der Firma den „Führungs-Hut“ aufzusetzen ist nicht nur unlogisch, sondern auch anstrengend. Stellen Sie sich vor, Sie müssen ständig darauf achten, wo Sie sich wie verhalten. Irgendwann nervt es! Verhalten Sie sich immer wie ein Vorbild. Wie das Vorbild, von dem SIE möchten, dass es sich andere nehmen. Hilfreiche Fragen, um sich einmal selbst zu überprüfen, könnten sein.

Ein weiterer Grund, warum das ständige Vorleben bestimmten Verhaltens wichtig ist: Weit über 90 % unserer Wahrnehmung geschehen unbewusst. Informationen werden unbewusst aufgenommen und genauso unbewusst selbst durchgeführt, ohne dass man es selbst merkt. Sie kennen das „Phänomen“, dass Menschen, die sehr viel Zeit miteinander verbringen, sich häufig im Verhalten ähneln oder gegenseitige Verhaltensmerkmale übernehmen und kopieren.

Weil dieser Punkt sowohl bei negativen wie auch positiven Merkmalen gültig ist, ist es umso wichtiger, dass Sie ihn stets berücksichtigen. Die Betonung liegt hier auf dem Wort „stets“. In klassischen Geschäftssituationen sind die meisten professionell und vorbildlich. Situationen, in denen es genauso gelten sollte, wären beispielsweise:

Gerade in Situationen, in denen wir uns unbeobachtet fühlen oder in denen wir glauben, „die kennen mich hier und wissen, wie das zu deuten ist“, sollten Sie besonders achtsam sein.

Warum ist dies hier so wichtig? Nicht selten verallgemeinern Menschen. Das bedeutet, wenn Sie in einer bestimmten (für Sie vielleicht unwichtigen) Situation ein nicht optimales Verhalten zeigen, könnten von anderen Personen schnell falsche Rückschlüsse gezogen werden.

Nehmen wir einmal an, Sie hatten gerade ein Meeting mit einem neuen potentiellen Geschäftspartner, Chef oder Kunden. Das Gespräch lief gut und Sie glauben: „Es ist geschafft.“ Beim anschließenden gemeinsamen Essen bestellen Sie in Ihrer Feierlaune einige alkoholische Getränke. Das allein kann den guten Eindruck, den Sie im vorherigen Gespräch gemacht haben, trüben. Auch wenn die Situation scheinbar nichts mehr mit dem Geschäftlichen zu tun hat.

Natürlich gibt es noch etliche andere Faktoren, die es zu berücksichtigen gibt, wenn man eine gute Führungskraft sein möchte. Ich habe diese drei gewählt, weil ich hier in der Praxis immer wieder die größten Differenzen sehe. Sei es eine falsche Wahrnehmung des eigenen Verhaltens, Arroganz, die verhindert, dass man sich verändert, fehlende Flexibilität oder eine mangelhafte Vorbildfunktion … es passiert ständig. Und auch Sie haben diese Dinge sicherlich schon mehrfach beobachtet. Falls ja, freuen Sie sich. Indem Sie es anders machen, stechen Sie hervor und erzielen bessere und schnellere Resultate als die breite Masse.

Ich gehe davon aus, dass diese drei Punkte für Sie nicht völlig neu sind. Was ich im Coaching, in Seminaren und Workshops und auch im Training von Führungskräften immer wieder beobachte, ist Folgendes: Spreche ich mit Klienten über diese Punkte, so erhalte ich häufig die Antwort, dass sie bereits bekannt sind.

Meine Frage lautet dann: Was hält Sie davon ab, es umzusetzen?

Wissen allein hilft GAR NICHTS! Nur angewendetes Wissen bringt Ihnen die Chance auf Resultate. Und zwar zuerst für Sie selbst und anschließend auch in der Führung anderer Menschen. Will Rogers sagte einmal: Selbst wenn Sie auf dem richtigen Weg sind, werden Sie überfahren, wenn Sie einfach nur dasitzen.

Also, stehen Sie auf und gehen Sie selbst den Weg. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg dabei :-)

Von Heiko Schwardtmann

Heiko Schwardtmann ist nach seinem Studium der Gesundheitswissenschaften in Australien seit 2005 als Coach & Trainer bundesweit und international tätig. Sein Spezialthema ist jegliche Art menschlicher Veränderung, besonders auf der Ebene des Unterbewusstseins. Dabei kann es um eigene Veränderungswünsche gehen, jedoch auch um Überzeugung, Kommunikation und Einfluss in Bezug auf andere.

Auf seiner Seite www.cocoonblog.com gibt es über 100 Folgen (kostenlos) seines Selbstcoaching-Podcast. Darin geht es u.a. um Themen wie Führung, Kommunikation, Selbstcoaching, Selbsthypnose, Verkauf u.v.m.

  1. Florentine Egle schreibt am 7. Juni 2011 um 21:29

    Hallo Heiko Schwardtmann,

    ein wirklich guter Artkel. Einleuchtend und prägnant geschrieben... und so wahr.... Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht.
    Dankeschön hierfür. Die 3 Hauptpunkte habe ich mir auf die erste Seite meines Superbuches für meine Zeitplanung geschrieben, so dass ich sie nun täglich vor mir habe, um mich daran zu erinnern, denn im Alltagstrott gehen oftmals so wertvolle Informationen einfach verloren.

    Herzlichen Dank für den Denkanstoß!

    Florentine Egle

    • Christian schreibt am 12. Juni 2011 um 15:27

      Hallo, ich höre den Podcast von Heiko Schwardtmann schon seit einiger Zeit und gerade durch die Wiederholung der Podcasts ändert sich viel in meinem Verhalten und meinen Sichtweisen, und zwar positiv. Ich bin sehr beeindruckt von der Arbeit mit dem Unterbewusstsein und kann nur jedem empfehlen es einfach mal zu versuchen. Hut ab, Herr Schwardtmann. Bitte machen Sie weiter so!

      Viele Grüße
      Christian

  2. André schreibt am 17. Juni 2011 um 13:08

    Hallo Heiko,

    ein toller Artikel von Dir! :-)

    Besonders Punkt 1 "Lass Dein Ego zu Hause" ist eine wirkliche Herausforderung für jede Führungskraft - aber auch in unserem normalen Leben.

    Danke für die Tipps, die Du gibst!

    Ich hoffe, es gibt hier bald noch mehr von Dir zu lesen!

    Liebe Grüße,

    André