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Wie Sie Ihre Batterien wieder aufladen können

Von Ralf Senftleben6 Kommentare

Entspannung

Wenn wir viel um die Ohren haben, sei es bei der Arbeit oder im Privatleben, dann kostet uns das Kraft und Energie. Mit 20 oder 30 Jahren merkt man das gar nicht. Da kann man 60 Stunden die Woche arbeiten, dann die Nächte durchmachen und es geht einem immer noch alles leicht von der Hand.

Aber zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr fühlen die meisten von uns irgendwann, dass unsere Kraft und Leistungsfähigkeit ein bisschen geringer wird. Wir merken dann, dass wir mit unserer Kraft ein bisschen haushalten müssen.

Manch einer möchte das allerdings nicht so richtig wahrhaben und lebt weiter, wie er es in jungen Jahren konnte. Dann geht der Stresspegel immer weiter nach oben und unsere Leistungsfähigkeit noch weiter runter. Manchmal braucht es dann erst eine Krankheit, einen Burnout oder sogar einen Herzinfarkt, damit wir die Lektion auf die harte Tour lernen.

Man muss natürlich nicht erst gegen die Wand laufen, um zu verstehen, dass wir ab dem 30. Lebensjahr ein bisschen besser für uns sorgen müssen als in unserer wilden Zeit. Man kann auch ohne einen Weckruf des Lebens von alleine anfangen, die eigenen Batterien regelmäßig wieder aufzuladen. Zum einen, indem man regelmäßig richtigen Urlaub macht, und zwar einen Urlaub, der einen auch entspannt und erholt und nicht noch mehr Stress verursacht. Und zum anderen können Sie auch im Alltag einiges tun, um Ihre Batterien wieder aufzuladen.

Und wie das am besten geht, dazu finden Sie hier eine ganze Reihe kurzer Ideen und Tipps.

Tipp 1: Verstehen, was wir brauchen

Jeder von uns ist ja anders. Deswegen haben wir alle auch ganz unterschiedliche Arten, uns zu erholen und aufzutanken. Während der eine aus einem guten Gespräch mit Freunden oder Kollegen Energie zieht, braucht ein anderer Zeit allein für sich. Der eine muss raus in die Natur und ein anderer tankt in seinem Lieblingssessel bei einem guten Buch auf. Es ist also Ihre Aufgabe, erst einmal herauszufinden, wie genau Sie sich am besten erholen.

Ein weiterer wichtiger Faktor beim Auftanken ist die Freiwilligkeit. Eine gute Auftank-Pause zeichnet sich dadurch aus, dass wir dann Dinge tun, die wir wirklich tun wollen, und nicht Dinge, die wir tun müssen. Die besten Pausen sind druckfrei und zwanglos. Wenn Sie also Ihre Pausen nutzen, um Dinge zu erledigen, die Sie noch zu erledigen haben, dann ist es irgendwie keine richtige Pause zum Luftholen und Energieschöpfen mehr.

Wichtig ist also,

Fragen dazu:

Tipp 2: Pausen einplanen

Es ist gar nicht so einfach, wenn wir im Alltag öfter Erholungspausen machen wollen. Das liegt daran, dass unser Alltag bereits gut gefüllt ist und oft wenig Raum für Zusätzliches bietet.

Unser Tagesablauf wird in erster Linie von zwei Faktoren bestimmt:

Mit Gewohnheiten meine ich die Dinge, die wir sowieso ganz automatisch tun, weil wir daran gewöhnt sind.

Mit Impulsen von außen meine ich, dass wir Dinge tun, wenn von außen Pflichten, Aufträge oder Angebote an uns herangetragen werden.

Und es ist eben nicht so einfach, in diesem ganzen Wirrwarr aus Gewohnheiten und Impulsen von außen auch noch Pausen unterzubekommen. Von alleine oder durch gute Vorsätze und guten Willen wird es selten passieren.

Deswegen müssen wir Erholungspausen irgendwie zu einer Routine oder einer Gewohnheit machen. Oder wir müssen dafür sorgen, dass es auch Pausen-Signale in unserem Leben gibt, die uns automatisch daran erinnern, dass wir uns regelmäßig erholen und entspannen. Hier kann schon ein Eintrag im Terminkalender oder ein Wecker oder die Alarm-Funktion des Handys helfen.

Im Grunde sollte man deswegen anfangen zu rauchen. Denn Raucher machen automatisch kleine Pausen über den Tag verteilt. Rauchen ist zum einen eine Gewohnheit und die Sucht ist ein Impuls, der uns immer wieder daran erinnert, eine Pause zu machen. Aber deswegen anzufangen zu rauchen, ist natürlich keine gute Idee. Besser ist es, Pausen gezielt einzuplanen. Denn ohne gezielte Planung gehen Pausen sonst unter.

Fragen dazu:

Tipp 3: Kraft- oder Ausdauertraining

Viele Menschen denken bei Pausen daran, sich hinzusetzen, die Füße stillzuhalten und gar nichts zu tun. Und nichts zu tun, ist tatsächlich eine gute Möglichkeit, die Batterien wieder aufzuladen.

Eine weitere – vielleicht manchmal noch bessere – Möglichkeit ist Sport, insbesondere Kraft- und Ausdauertraining. Denn unser Arbeitsalltag ist oft stressig. Und durch Bewegung und Sport können wir die ganzen Stresshormone prima wieder abbauen. Wussten Sie zum Beispiel, dass regelmäßiges Ausdauertraining in vielen Fällen bei der Behandlung von Depressionen genauso wirksam ist wie Psychopharmaka – aber ohne die Nebenwirkungen?

Statt sich hinzusetzen und nichts zu tun, können Sie sich also auch bewegen. Dabei wirken oft auch kleinere Übungen über den Tag verteilt einiges. Nehmen Sie sich also vielleicht ein paar Hanteln oder ein Springseil mit ins Büro. Oder ein Thera-Band, mit dem Sie ab und an ein paar Muskelübungen machen können. Aber auch ein forscher Spaziergang um den Block in der Mittagspause kann schon einiges bewirken.

Gerade für Kopf- und Büroarbeiter ist Bewegung ein Muss. Sie wissen schon: ein gesunder Geist in einem gesunden Körper.

Sport hilft uns, unsere Batterien wieder aufzuladen, und Bewegung sollte in Ihrem Pausen- und Erholungs-Portfolio unbedingt enthalten sein.

Dazu zwei kleine Literatur-Tipps:

Und wieder ein paar Fragen dazu:

Tipp 4: Powernapping

Der ultimative Erholungsmechanismus ist der Schlaf. Während wir schlafen, regenerieren wir uns körperlich und seelisch. Wie wichtig Schlaf für unsere körperliche und geistige Gesundheit ist, weiß jeder, der über längere Zeit mit zu wenig Schlaf auskommen musste.

Deswegen ist es zum einen wichtig, dass Sie wirklich genug schlafen, selbst wenn es sooo viel zu tun gibt.

Wenn Sie mal zu wenig Schlaf bekommen haben oder auch in wirklich stressigen Phasen können Sie die Erholungsfunktion des Schlafes auch am Tage nutzen. Und zwar, indem Sie einen Kurzschlaf (auch Powernap genannt) einschieben (siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Tagschlaf).

Wichtig ist dabei, dass Sie nicht länger als 20–30 Minuten abtauchen, sonst sind Sie nach dem Kurzschlaf eher gerädert und maulig und vor allem nicht erholt. Deswegen ist es wichtig, dass Sie sich einen Wecker stellen, der Sie nach spätestens 20–30 Minuten wieder aufweckt. Wie lang Ihr idealer Kurzschlaf ist, das müssen Sie durch Experimentieren selbst herausfinden. Übrigens macht es auch Sinn, vor dem Powernap einen Kaffee zu trinken. Die Wirkung von Koffein setzt nämlich erst nach 30 Minuten ein und so sind Sie dann zur richtigen Zeit wieder fit.

Manch einer schafft es allerdings nicht sofort, innerhalb von 20 Minuten einzuschlafen. Machen Sie sich dann keine Sorgen. Auch 20 Minuten wach- und stillzuliegen hat schon einen großen Erholungseffekt. Und es ist tatsächlich eine Frage der Übung, in kurzer Zeit einzuschlafen.

Ich persönlich mache nahezu jeden Tag mindestens einmal einen Powernap (von maximal 22 Minuten) und ich bin jedes Mal wieder fasziniert vom Vorher-nachher-Unterschied.

Fragen dazu:

Tipp 5: Mini-Pausen

Sie können tagsüber längere Erholungspausen machen, um Ihre Batterien wieder aufzuladen. Sie können aber auch einiges tun, um sich im laufenden Betrieb innerhalb von 1 Minute kurz zu erholen. Wenn Sie über den Tag verteilt viele dieser kleinen Aufmunterer nutzen, dann hat das in der Summe einen erstaunlich guten Effekt.

Ihnen fallen bestimmt noch viele weitere Möglichkeiten ein, um zwischendurch in ganz kurzer Zeit ein wenig aufzutanken. Lesen, Surfen, E-Mails- Abrufen, Fernsehschauen eignen sich übrigens eher nicht, weil das Aufnehmen von Informationen auch Energie kostet und Kraft verbraucht. Wählen Sie also Möglichkeiten, die Sie wirklich entspannen und Ihnen Kraft geben.

Und dann können viele dieser kleinen Mini-Pausen über den Tag verteilt dabei helfen, Ihre Leistungsfähigkeit über den Tag zu erhalten.

Fragen dazu:

Das waren 5 kleine Tipps, wie Sie im Alltag Ihre Batterien wieder aufladen können. Viele Menschen sagen: „Ich habe dafür keine Zeit.“ Aber letztlich sparen Sie durch regelmäßige Erholungspausen sogar Zeit, weil Sie durch die Pausen leistungsfähiger werden und Ihnen Ihre Arbeit dann einfacher und schneller und sogar in besserer Qualität von der Hand geht.

Regelmäßige Pausen sind also nicht nur gut für Sie und Ihre seelische und körperliche Gesundheit. Tatsächlich schaffen Sie so auch mehr. Und wenn das kein Grund ist, etwas zu ändern, dann weiß ich auch nicht.

  1. Hody schreibt am 23. Juni 2011 um 21:53

    Danke, ein super Artikel, besonders der mangelnde Schlaf ist ein chronisches Problem und von Task-Listen schreibe ich auch gerne in meinem Blog...

    • Ivan Blatter schreibt am 26. Juni 2011 um 14:20

      Ein sehr schöner Artikel!

      Vor allem mit dem Power-Napping habe ich auch sehr gute Erfahrungen gemacht und ich nappe so oft Power, wie möglich. :-)
      Als ich noch "richtig" gearbeitet habe (=als Angestellter), hatte ich den Luxus eines Einzelbüros. Dort habe ich ein Kissen deponiert und mich nach dem Mittagessen für 10-15 Minuten einfach auf den Boden gelegt. Ging wunderbar und tat immer gut!

  2. Markus Wernli schreibt am 26. Juni 2011 um 14:32

    Kommentar zu Powernaps u.ä.:
    Wichtig dabei ist das 'Runterkommen' im Sinn von Autog. Training u.ä., das ist wichtiger als Schlaf o.ä.; deshalb:
    Besser im Sitzen als im Liegen (Stehen wäre auch o.k. aber ist halt deutlich schwieriger)!
    Ich mache deshalb ab und zu mal 10 Min Kurzschlaf im Sitzen (Kopf hinten aufgestützt oder in 'Kutscher-Haltung').
    Ich bringe mich zur Ruhe wie im Autog. Training und lasse einfach zu dass ich einschlafe oder auch nicht.
    Ich vertraue darauf, dass ich nach ca. 10 min (9...10...11... min sind o.k.) automatisch wieder erwache.
    Zur sicherheit und damit man wirklich abtauchen kann ohne an die Zeit zu denken kann man einen Wecker stellen auf 15 oder 20 min; oder man kann einen Gegenstand mit der Hand halten - z.B. einen Schlüsselbund - den man nach ca. 10 min 'automatisch' fallen lässt und dabei erwacht - allerdings eher weniger sanft als mit reinem Vertrauen dass ... .
    Der Trick mit dem Sitzen besteht darin dass das Gleichgewichtszentrum des Körpers nicht auf 'Nacht' resp. Tiefschlaf umschaltet und man nach 'zu wenig Nacht' verkatert erwacht! Die Entspannung stellt sich dennoch ein.
    Besser sind solche Kurzschlafs vor statt nach dem Mittag- und Abendessen, mit oder ohne Kaffee - ausprobieren.
    Es gibt Aussagen dass man mit 2 x 10 min Kurzschlaf am Tag bis zu 2 oder 3 Stunden Nachtschlaf 'sparen' kann.
    Ich jedenfalls komme mit 5-6-max.7 Stunden Nachtschlaf bestens aus.
    Wenns nicht auf Anhieb klappt, bitte ausprobieren und üben, allenfalls einen A.T. Kurs besuchen oder ein Buch mit CD dazu kaufen.

  3. Markus Wernli schreibt am 26. Juni 2011 um 14:41

    Nachtrag zu Powernap / Kurzschlaf im Sitzen:
    Absolut ideal bei langen Autofahrten, wenn man merkt, dass mal langsam müde wird:
    Rausfahren / Anhalten / ca. 10 min. Kurzschlaf (evtl Rücklehne etwas nach hinten stellen) / dann aus dem Auto raus und ein paar mal ums Auto rennen, hüpfen, ... durchatmen und weiterfahren.

  4. Daniel schreibt am 26. Juni 2011 um 14:51

    Schöner Artikel! Dass man mit 20 oder 30 Jahren 60 Stunden pro Woche arbeiten und dann noch die Nächte durchmachen kann, halte ich aber dennoch für ein Gerücht ;)

    Ich denke, gerade in der heutigen Zeit ist da Thema auch für Schüler sehr interessant...

  5. Tanja Handl schreibt am 28. Juni 2011 um 16:40

    Wirklich gelungene Tipps. Ich selber bin zwar kein Powernapping-Fan, den anderen Ideen kann ich aber sehr viel abgewinnen. Ein wichtiger Energiespender ist für mich, zur Arbeit zu laufen. Eine schöne Minipause im Sommer ist für mich immer wieder, zwischendurch kurz raus auf den Balkon zu gehen und ein bisschen Sonne zu tanken. Im Winter genieße ich eine Tasse Tee und lese kurz Zeitung. Danach habe ich wieder Lust, zu arbeiten. Ich merke aber, dass ich in besonders stressigen Zeiten oft auf diese schönen Pausen vergesse. Deshalb habe ich begonnen, sie mir mit einer Erinnerung in den Kalender einzutragen. Mich würde interessieren, was die anderen Leser dieses Blogs so machen? Was tut euch wirklich gut? Und wie schafft ihr es, diese Dinge dann auch wirklich zu tun?