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Ganz gewöhnlich

Von Gitte Härter6 Kommentare

power

Kommen Sie sich auch so gewöhnlich vor? Ich denke mir das oft, wenn ich tolle Menschen im Fernsehen sehe oder über sie lese, die mich mit Gedanken, Fähigkeiten, Leistungen oder ehrgeizigen Zielen beeindrucken.

Im Vergleich komme ich mir dann ziemlich gewöhnlich vor. Das meine ich gar nicht negativ oder abwertend. Sondern es ist in diesen Momenten einfach nur eine Feststellung. Und dann denke ich weiter und mir fällt eine ganze Menge damit zusammenhängender Themen ein, etwa:

Spannende Themen, zu denen ich Ihnen einfach einige Leitfragen aufgeschrieben habe, um Sie dazu anzuregen, sich auch mal darüber Gedanken zu machen, wie Sie dazu stehen. Vermutlich sind es ohnehin Fragen, die Sie sich hin und wieder stellen. Aber vielleicht nicht immer umfassend … und möglicherweise auch nur auf negative Weise.

Nehmen Sie sich doch mal ein Stündchen Zeit und setzen Sie sich am Wochenende mal gemütlich bei einer Tasse Kaffee hin und machen Sie sich Gedanken. Oder setzen Sie sich mit einer Freundin oder einem netten Kollegen mal zusammen und tauschen Sie sich aus.

Warum sind manche Menschen solche Meister?

Diese erste Frage ist wichtig, weil sie auch den „Ton“ für diese Übung festlegt. Mit Bewundern oder Beeindrucken meine ich nicht nur die großen Dinge: Vielleicht sind Sie total geplättet, weil jemand aus dem Nichts ein Riesenunternehmen auf die Beine gestellt hat. Oder bewundern einen Star, der singen, schauspielern und tanzen kann und mit allem wahnsinnig erfolgreich ist. Aber es sind nicht nur die großen Dinge.

In meinem Fitnessstudio habe ich beispielsweise so eine Meisterin getroffen: eine Trainerin, bei der alles gepasst hat. Sie sah aus wie eine tolle Trainerin (will heißen, man hat ihr schon bei der Begrüßung angesehen, dass sie hervorragend sein würde, und sie war es auch), sie hat eine tolle Ausstrahlung, hervorragende Beziehung zur Gruppe gehabt, gute Musik, spannende Choreographie, diese für alle sehr gut erklärt und sie hat die Bewegungen so exakt und technisch einwandfrei ausgeführt, dass es eine helle Freude war.

Denken Sie also auch an solche ganz normalen tollen Menschen oder Facetten, die diese haben (es ist ja oft auch so, dass man einzelne Eigenschaften oder Fähigkeiten genial findet).

Wo kommt Ehrgeiz her?

Als nicht besonders ehrgeiziger Mensch frage ich mich oft, wo der Ehrgeiz wohl herkommt. Und wie es sich anfühlen mag, wenn man total ehrgeizig ist. Sich extra anstrengt, auf ein bestimmtes Ziel hinarbeitet, komme, was da wolle. – Ich weiß das nicht. Ich nehme mir natürlich etwas vor, ich kann mich auch anstrengen oder auch mal etwas wollen. Aber Ehrgeiz würde ich das nicht nennen … dafür fehlt mir der innerliche Drang oder das „hinarbeiten wollen müssen“ oder – je nach Situation – eine Wettkampfmentalität.

Faszinierend, dieser Ehrgeiz, und eine tolle Eigenschaft … auch wenn sie nicht immer vorteilhaft ist, wenn man es zu streng nimmt, sich keine Kurskorrekturen erlaubt o. Ä.

Wie stehen Sie zu Ehrgeiz?

Selbsteinschätzung und „Selbstverständlichkeit“

Alles, was man selbst kann und wie man ist, ist meistens keine große Sache für einen selbst. Manchmal bewundern mich Menschen dafür, dass ich Bücher schreibe. Das freut mich, aber bewundernswert finde ich das nicht. Für mich ist das Schreiben ganz normal, es macht mir großen Spaß und es fällt mir leicht.

Umgekehrt finde ich es total klasse, wenn Leute mathematisch begabt sind. Rechnen und Zahlenlogik liegen mir nämlich so gar nicht, und darum falle ich fast um vor Bewunderung, wenn jemand einen simplen Dreisatz checkt. Ich hatte mal einen Freund, der deswegen total verärgert war: Für ihn war es eine Lappalie und natürlich selbstverständlich, nichts Bewundernswertes.

Gerade dieses „selbstverständlich“ hat es in sich! Denn wir nehmen dadurch nicht wahr, was wir auf dem Kasten haben. Aber machen Sie doch mal die Gegenprobe bei solchen vermeintlichen Selbstverständlichkeiten: Ist wirklich jeder so redegewandt wie Sie? Sind wirklich alle Menschen in Ihrem Umfeld gute Zuhörer? Sind Ihre Freunde alle so gute Freunde, die von sich aus Kontakt halten, wie Sie das tun? – Na eben!

Von Gitte Härter

Gitte Härter war viele Jahre Coach und Trainerin für Businessthemen. Seit einem Jahr hat sie sich mit www.schreibnudel.de ganz auf das Schreiben spezialisiert. Am allerliebsten schreibt sie Bücher – und hat auch schon zwei Dutzend Ratgeber veröffentlicht (Aktuell: "Sorry! Entschuldigungen aussprechen, annehmen, ablehnen")

  1. Ulli schreibt am 16. August 2011 um 18:10

    Was bei anderen Bewunderung hervorruft, sind eigene geheime Sehnsüchte, habe ich mal gelesen.

    Bringen einen also vielleicht auf die richtige 'Spur' :-)

    Denn es hat ja alles seinen Sinn, was einem so im Leben passiert und begegnet.

  2. Susanne schreibt am 21. August 2011 um 09:50

    Spontan fällt mir dazu die Frage ein: Schätze ich mich? Wie viel halte ich von mir und meinem Können? Muss ich mich vergleichen? Und wenn ich mich vergleiche, schaue ich dann nur nach Menschen, die (vermeintlich) etwas "besser" können und die "mehr auf dem Kasten haben"? Wie stark ist mein Selbstvertrauen?

    Aber, ich kenne das alles auch und auch ich vergleiche mich manchmal. Ich versuche, mich dann aber wieder daran zu erinnern, was meine Stärken sind, was ICH gut kann - also, ich versuche meinen Fokus wieder auf mich selbst zu lenken.

  3. Adrian schreibt am 21. August 2011 um 14:20

    Das Schöne ist, dass auch die Meister ihre Lücken haben, aber eben woanders als ich.

    So können sich zwei Meister gut ergänzen, wenn ihre gegenseitige Bewunderung in anderen Ecken liegt.

    Wichtig ist aber nicht zu erschrecken, wenn man die Lücken beim Meister findet, das zu tolerieren ist dann die wahre Größe.

    Ich finde zu Stärken gehören auch Schwächen, das eine lebt vom anderen, die Balance ist das Entscheidende und die Offenheit damit umzugehen.

  4. Christiane schreibt am 22. August 2011 um 11:48

    Guter Ehrgeiz hat etwas sportliches- eine positive Herausforderung, die man sich selbst gesteckt hat. Je nach Einschätzung der eigenen Fähigkeiten und abhängig von der Portion Selbstvertrauen liegt diese Herausforderung im leichter zu erreichenden Bereich oder eben in der- gefühlten- Mitte.
    Mir geht es dabei eher um den "Wettbewerb" mit mir selbst. Und- ich bin bereit mich "zu quälen", ob nun tatsächlich im sportlichen Bereich oder im beruflichen Bereich.Ich kann andere Dinge hintenanstellen, weil ich sie mir quasi "als Belohnung" aufhebe bis ich mein Ziel erreicht habe.Natürlich hat das auch die Schattenseite von "ohne Fleiß, kein Preis", nämlich: wann ist das Ziel- oder ich- "gut genug"?.
    Das habe ich gelernt, immer mal wieder innezuhalten und das wertzuschätzen, was ich bereits gemeistert habe. Das ist für mich wichtig, damit mein Ehrgeiz, mein Wollen nicht zum "Sklaventreiber" wird.

  5. Nicola Neumann schreibt am 22. August 2011 um 20:27

    Ich finde das ist genau das Problem: Man schaut immer nur auf Andere. Aber diese Person ist in dem so erfolgreich, weil es gerade genau für sie passt. Vielleicht war es auch Glück oder Zufall, dass sie das für sie genau Richtige gefunden hat. Und wir alle wissen doch wie ehrgeizig wir sein können, wenn wir das Gefühl haben, dass das was wir gerade tun wertgeschätzt wird, wir damit Erfolg haben. Aber indem wir immer nur auf Andere schauen werden wir nie unser Eigenes finden, das was wir wirklich besonders gut können.

  6. andrea schreibt am 31. August 2011 um 16:06

    während des studiums (informatik) saß neben mir meist ein anderer student und spielte während der vorlesung schach, um mir anschließend die inhalte der - meist ziemlich komplexen) vorträge zu erklären.

    ich war neidisch.

    solange bis ich den ersten text von ihm sah. sein deutsch war ... unterm hund. rechtschreibung - reine glücksache. soviel zu meistern.

    jeder mensch ist etwas besonderes - und jeder mensch ist ein ganz gewöhnlicher mensch. mit stärken und schwächen.