Ein kleines Stück vom kindlichen Glück!
Von Julia Wilhelm • 8 Kommentare
Kinder sehen jedes Ereignis, jeden Gegenstand mit einem Grundmaß an Faszination. Sie können noch genießen. Egal ob es der Kinobesuch ist, eine Schneeflocke, die von Himmel fällt, oder ein Blatt, das im Bach schwimmt.
Kaum ist man erwachsen, verlernt man vor lauter Stress und Verantwortung, innezuhalten und Dinge sowie Situationen genauer unter die Lupe zu nehmen und in ihnen das Wunderbare zu sehen. Die kindliche Neugierde geht verloren, die Faszination des Neuen verschwindet nach und nach und der unverfälschte Blick, mit dem Kinder in die Welt schauen, ebenso.
Aber wir alle haben irgendwo in unserem Gedächtnis die positiven Erlebnisse und Dinge aus unserer Kindheit vergraben und manchmal genügt ein Duft, ein Geschmack, eine bestimmte Musik oder ein Ort, um diese Erinnerungen wieder lebendig zu machen.
Doch wie lange ist es her, dass Sie sich solchen Erinnerungen hingegeben haben?
Eine Woche? Einen Monat? Noch länger?
Ich vermute, dass es für die meisten von Ihnen schon etwas länger her ist. Dabei gibt es viele Gründe, mal wieder ein bisschen mehr Kind zu sein:
- Kinder lachen gern und viel; durchschnittlich 400 Mal am Tag. Erwachsene hingegen nur 15 Mal – da gibt es noch einiges aufzuholen!
- Kinder haben eine unstillbare Neugier und einen Erkundungsdrang! Wir Erwachsenen nehmen die Dinge nicht mehr so genau unter die Lupe; sehen sie meist überhaupt nicht mehr.
- Kindern ist selten etwas peinlich! Da wird schon mal gefragt: „Mama, warum hat der Mann so einen dicken Bauch – ist er schwanger?“ Kinder tun einfach die Dinge, die ihnen Spaß machen, ohne groß darüber nachzudenken.
Es wird also wieder Zeit, ein bisschen Kind zu sein!
Wir haben als Erwachsene irgendwann einfach verlernt, innezuhalten; in so gut wie jeder Situation. Ob es das Arbeiten, das Essen oder sogar Freizeitaktivitäten sind – all das wird oftmals nur noch absolviert … und das Besondere daran nicht mehr erkannt. Doch etwas Besonderes steckt in allen Dingen und Situationen in unserem Leben. Das Recht, es zu genießen, hat jeder und es muss Ihnen – egal wie erwachsen Sie sind und sein wollen – überhaupt nicht peinlich sein.
Da können wir so einiges von Kindern lernen, die in einer Sache noch vollkommen versinken können.
Deshalb habe ich 5 Übungen zusammengestellt, die Ihnen die Möglichkeit geben, das Einzigartige dieser Momente wieder zu erleben und so auch im Alltag aufmerksamer für die kleinen und großen Wunder zu werden.
5 Übungen, die das Kind in Ihnen wecken
1. Nehmen Sie sich für den Bummel durch die Stadt maximal 3 Euro mit; kaufen Sie sich davon eine Süßigkeit, die Sie als Kind schon sehr gemocht haben, und essen Sie diese in aller Ruhe.
Achten Sie dabei einmal ganz genau auf den Geruch, den Geschmack und die Konsistenz Ihrer Lieblingssüßigkeit … und geben Sie sich Zeit, ein bisschen in den Erinnerungen zu schwelgen, die Sie damit verbinden. Und nun beobachten Sie Ihre Gefühle dabei: Wahrscheinlich entwickeln Sie ein wohliges Gefühl und bekommen ein Lächeln auf die Lippen, wenn Sie sich an zu Hause oder Freunde erinnern, die Sie in Verbindung mit dieser Süßigkeit bringen.
2. Besuchen Sie ein Kino! Der Film ist egal. Es geht um die ersten Minuten.
Das war doch als Kind alles noch total aufregend! Riechen Sie einmal ganz bewusst den Geruch des Popcorns im Eingangsbereich, und geben Sie sich ruhig Ihrem inneren Kind hin, das danach schreit, auch eine Tüte Popcorn zu bekommen. Empfinden Sie ganz bewusst den Moment, wenn der Vorhang aufgeht und der Film beginnt. Achten Sie ganz bewusst auf die Lautstärke der Musik und das Knistern der Tüten um Sie herum, auf die Größe der Leinwand und die Details im Film. Seien Sie einmal achtsam wie ein Kind, das in 30 cm Entfernung vor dem Fernseher sitzt und aus dem Staunen nicht mehr herauskommt.
Und vielleicht können Sie dann einmal wieder in Ihre Vergangenheit eintauchen, eine Spannung und Aufgeregtheit spüren. Vielleicht fühlen Sie sich auch so, als wären Sie noch nie in einem Kino gewesen, und sehen auch den Film mit anderen Augen.
3. Gehen Sie doch mal wieder schaukeln.
Am besten mit einer Freundin oder einem Freund. Vielleicht gibt es da auch noch jemanden aus Kindertagen? Schaukeln Sie, so hoch Sie können (einen Absprung sollten Sie doch eher den Kindern überlassen;-)), oder schaukeln Sie ganz gemütlich und lassen Sie sich nach hinten fallen (schön festhalten!).
Und dann achten Sie einfach mal auf den Wind, der Ihnen durch die Haare weht, und spüren Sie das Gefühl der Leichtigkeit. Und ja: Sie dürfen auch als Erwachsene(r) lachen und sich ausgelassen freuen!
4. Fahren Sie doch im Winter mal wieder Schlitten oder rodeln Sie auf einer Sommerrodelbahn!
Früher, als wir noch Kind waren, war das das Größte für uns. Heutzutage schaut man in der Regel einfach nur noch dabei zu. Oder fährt höchstens mal mit, wenn die eigenen Kinder rodeln möchten. Aber warum? Also, legen Sie einfach mal wieder selbst los und spüren Sie die Freude und den Kick, wenn Ihr Schlitten immer schneller wird. Dabei verschwinden ruck, zuck alle Gedanken aus Ihrem Kopf und es geht nur noch darum, rechtzeitig zu bremsen!
5. Wann haben Sie das letzte Mal ein Papierschiff gebastelt? Grund genug, es mal wieder zu tun!
(Anleitung: http://www.youtube.com/watch?v=Fs7x4732RQQ)
Damit geht’s dann zum nächsten Bach und dann können Sie es dort schwimmen lassen. Achten Sie hier mal ganz bewusst auf die Geschwindigkeit, die das Schiffchen aufnimmt, und die Hindernisse, die dem Schiff im Weg stehen. Und natürlich auf die bunten Blätter, die im Fluss mitschwimmen, und die Naturgeräusche, wie z. B. das Plätschern des Wassers oder ein Vogelgezwitscher. Sie werden sehen, wie Sie ganz einfach zur Ruhe kommen. Weil Sie sich Zeit nehmen, einfach mal zu beobachten und zu verweilen. Und bestimmt werden Sie sich wie ein Kind freuen, wenn das Schiffchen nicht so schnell untergeht.
Diese 5 Übungen sollen nur Anregungen darstellen; Sie können Sie beliebig um Erinnerungen aus Ihrer Kindheit ergänzen. Hauptsache, Sie spüren einmal wieder ein kleines Stück vom kindlichen Glück. Und bei allen Übungen gilt: Achten Sie auf die Details und empfinden Sie die kindliche Freude!
Sollten Sie sich bei irgendeiner Übung ein bisschen kindisch vorkommen, bleiben 3 Möglichkeiten:
- Sie stehen drüber und machen einfach.
- Sie machen die Übungen mit Ihrem Kind/Ihren Kindern.
- Sie leihen sich ein Kind aus der Verwandtschaft oder dem Freundeskreis um ein „Alibi“ zu haben, sich mal richtig ausgelassen zu verhalten: „Das Kind will ja schließlich seinen Spaß!“
Bei allen Übungen gilt: Achten Sie auf die Details!
Viel Freude!






Meine Erfahrung ist:
Wenn ich Zeit mit Kindern verbringe, habe ich danach etwas erlebt. Ich sehe die Welt ein Stück weit durch die Augen des Kindes, wir lachen gemeinsam, lassen es uns gut gehen.
Wenn das Kind mal Anlass hat zu weinen, kann schon zwei Minuten später die Welt wieder in Ordnung sein, der Kummer ist vergessen. Das können wir Erwachsene uns auch wieder angewöhnen!
Wenn ich Zeit mit Kindern verbringe, durchbreche ich den Alltagstrott, das "ich kenn das schon alles", das mechanische Erledigen von Dingen und werde selbst wieder präsenter.
Danke für diesen wundervollen Artikel!
Angela Braun
Ich möchte Trampolin springen zur Liste hinzufügen. Unglaublich, was ein paar Minuten auf diesem Gerät für eine heilende Wirkung haben können.
Tolle Ideen! :)
Mir fallen spontan noch ein...
...Zuckerwatte essen und sein Gesicht verschmiert lassen
...mit Murmeln spielen (das Boule für Kleine ;)
...in eine riesengroße Pfütze springen (für beinahe-wieder-Kinder vielleicht erst kurz vor dem Heimkommen)
Ein schönes Wochenende und regnerische Grüße!
Michael
Ein wundervoller Artikel.
ich bin einer der Väter, welche noch jung und kindlich geblieben ist. Was ist denn schon dabei mit seinen eigenen Kindern Schlitten zu fahren oder etwas zu basteln? Auch spiele ich mit meinen Kindern noch heute vor unseren Haus auf der StarßeTennis. So, wie wir früher gespiekt haben, als wir noch selber Kinder waren.
das Tolle daran ist, dass einige Nachbarn uns beim Spielen beobachten und sich dabei freuen.
Viele Grüße
Thomas Fischer
Vielen Dank für diesen wundervollen Artikel und die Bestätigung die ich dadurch erfahren habe!
Vielmals wird man belächelt, wenn man das lebt.
Man kann nur glücklich und zufrieden sein, wenn man sich des Schönen und Positiven in seinem Leben ständig
bewußt ist - trotz aller Schwierigkeiten.
Viele Grüße
Dorothea
Wunderbarer Artikel, danke dafür.
Ich bin seit 1999 Heilpraktikerin für Psychotherapie und arbeite viel mit der Energie des inneren Kindes. Das ist ja ein wichtiger Ich-Anteil von uns allen.
Gerne würde ich der Liste noch etwas hinzufügen:
sich das Tag Träumen wieder gestatten, Phantasieren was das Zeug hällt. Ist preiswert, macht Spass und bringt die kreative Kraft zu fließen.
Hübschen Sonntag noch
Sarah Croé
danke für den Artikel, schon beim Lesen habe ich gelächelt, aus Freude und Erinnerung. möchte noch hinzufürgen, die Rutschen im Schwimmbad. bin schon 57, aber das tue ich immer wieder gerne
Das Alles fällt einem erst wieder auf wenn man Kinder hat und dadurch das Kind in sich selbst wiederentdeckt, Danke für den Artikel