Obliquity (John Kay)
„Obliquity – Die Kunst des Umwegs oder: Wie man am besten sein Ziel erreicht” von John Kay – München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 2011 – 220 S. – ISBN-13: 978-3423248303 – 14,90 EUR
Als Erstes dachte ich: „Obliquity“ (= wörtlich übersetzt: Schiefe) – was für ein doofer Titel. Kann man ja ohne fortgeschrittene Englischkenntnisse nicht mal richtig aussprechen. Und dann dachte ich: Vermutlich ein Buch wie viele andere, die mich daran erinnern wollen, wie wichtig Ziele im Leben sind, und Tipps geben, diese mehr oder minder hartnäckig, mehr oder minder entspannt auch zu erreichen. Das finde ich auch doof. Trotzdem …
Der Autor John Kay ist – wie ich auch – Ökonom und Unternehmensberater. Er kritisiert die Standeskollegen, die allein Plan A für Problem A propagieren und den Lösungsweg A mit Teilprojekten m1, b2, a3, … lehren. In diesem Sinne möchte Kay mit diesem Buch Mut machen, anders zu guten Lösungen zu kommen. Über Umwege oder durch die Expertenintelligenz, die wir alle haben, wenn wir einem Thema Zeit und Aufmerksamkeit widmen und nicht nur rationale Checklistenlösungen anwenden. Also nichts kommt von allein, aber auch nicht nur durch ein hartnäckiges Wollen, Wünschen und Drängen.
John Kay trifft bei mir dann genau auf einen Nerv, der mich das Buch nicht mehr weglegen lässt. Denn er will darauf hinaus, dass Entscheidungen, Aufgaben und Probleme nicht losgelöst von ihrem Kontext wirken. Und eine Lösung liegt deshalb eher im Unscharfen oder ergibt sich im „Obliquity“ – also aus dem Beschreiten eines Umweges.
„Obliquity“ meint, die Lösung liegt im Ausprobieren und Wiederholen, im wirksamen Einsatz unserer Erfahrungen. In Kays Verständnis entstehen Geschäftssinn und unternehmerischer Erfolg durch weitgehend fehlerfreies Navigieren durch die Unsicherheiten der Märkte und Interpretationen der Kunden, Mitarbeiter und Partner. Trotz Unkenntnis darüber, was am Ende genau steht und trotz ungenauer Kenntnisse des tatsächlichen späteren Weges. Und erfolgreiche Lösungen sind in einer komplexen Umwelt nur indirekt zu finden, weil die Welt größer ist, als wir sie denken können. Das Zitat von M. Polanyi „Wir wissen mehr, als wir zu sagen vermögen“ trifft es auf den Punkt.
Das Buch ist locker geschrieben, gut strukturiert und voller nachvollziehbarer Beispiele. Es stellt komplizierte Zusammenhänge in einfacher und leicht verständlicher Form dar. Der Autor verliert sich nicht in privaten Anekdoten oder wahrheitspredigend in Schilderungen seiner persönlichen Beobachtungen. Er bemüht sich klug darum, sparsam mit eigener Wertung zu sein. So fühlte ich mich nie bevormundet, sondern bei der Lektüre angeregt zum Weiterdenken. Und das ist das größte Lob, welches ich einem Buch aussprechen möchte.
Machen Sie sich also auf. Handeln Sie und finden Sie Ihr Glück! Gehen Sie den großen (Um-)Weg des Ausprobierens und Wiederholens! John Kay sagt: Fang da an, wo Du einen ersten Gedanken hast, und entwickle die Lösung aus diesen ersten Schritten weiter. Das Buch möchte ich Ihnen dazu uneingeschränkt weiterempfehlen und es wird auch von mir sicher öfter wieder in die Hand genommen werden.
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