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Die Happyness-Falle

Von Ralf Senftleben8 Kommentare

happyness-falle

Sie wissen ja, dass wir uns hier bei „Zeit zu leben“ viel damit beschäftigen, wie man Glück und Zufriedenheit ins eigene Leben einladen kann.

Und heute möchte ich mal über eine der Gefahren auf diesem Weg schreiben:

Die sogenannte Happyness-Falle.

In diese Falle gerät man, wenn man sich selbst zu viel Druck macht, glücklich und zufrieden sein zu müssen. Viele Menschen denken: „Ich muss mich glücklich fühlen. Ich sollte doch gut drauf sein. Ich muss. Ich muss. Ich muss.“ Und wenn man dann trotzdem schlecht drauf ist, dann fühlt man sich schuldig. Da kennt man all diese Methoden und Ideen und man ist trotzdem mies drauf. Wie doof ist das denn?

Wenn Ihnen das auch manchmal so geht, stecken Sie in der Happyness-Falle. Und dieser Happyness-Druck wird von vielen Seiten angefeuert.

Von allen Werbeplakaten lächeln einen glückliche Menschen an. Schaut man mal traurig in die Welt, wird man gleich von allen Kollegen oder Freunden gefragt, ob etwas nicht in Ordnung ist. Oder man wird aufgemuntert.

Man bekommt ein richtig schlechtes Gewissen, wenn man mal schlecht drauf ist.

Wahrscheinlich sind wir hier bei „Zeit zu leben“ auch ein Teil dieses Problems, weil wir Sie ja auch dazu ermuntern, sich um Ihr Glück zu kümmern. Deswegen schreibe ich heute darüber, weil ich das ganze mal etwas gerade rücken möchte …

Also … fürs Protokoll:

Schlecht drauf oder traurig zu sein ist selbstverständlich ganz normal.

Unsere Psyche ist nun mal ständig damit beschäftigt, Dinge zu verarbeiten, und ein Abfallprodukt ist dabei auch, dass man mal unangenehme Gefühle hat.

Oft habe ich auch körperlich nicht gut für mich gesorgt. Ich habe vielleicht

All das kann zu Stimmungstiefs führen.

Was ja auch grundsätzlich kein Problem ist.

Ein Problem wird das erst, wenn ich mich selbst deswegen fertig mache, dass ich nicht glücklich bin, wo es mir doch eigentlich so gut geht und wo ich doch gut drauf und leistungsfähig sein will.

Und hier geraten viele tatsächlich in eine Abwärtsspirale hinein.

1) Ich fühle mich komisch, down oder traurig.

2) Ich mache mich selbst fertig, weil es mir doch eigentlich gut geht und ich trotzdem nicht gut drauf bin. Ich bin deswegen unzufrieden mit mir und mag mich nicht mehr leiden.

3) Weil ich mich nicht leiden kann, fühle ich mich noch schlechter, und das macht mich noch unzufriedener mit mir.

4) Und so geht es dann weiter.

Die Endstation lautet dann oft ein dauerhaftes Stimmungstief oder im Extremfall: Depression.

Die meisten Menschen kommen aber relativ einfach aus dieser Happyness-Falle hinaus. Denn was unangenehme Gefühle angeht, gibt es ein lustiges Paradox:

Je mehr man schlechte Gefühle achtsam und bewusst wahrnimmt und sie da sein lässt, ohne ihnen zu große Aufmerksamkeit zu widmen, desto eher verschwinden die schmerzlichen Gefühle wieder von alleine.

Wenn man sich dagegen gegen schlechte Gefühle wehrt oder diese verdrängt, dann stärkt man diese nur und hält sie länger fest als notwendig.

Der Trick ist, „Ja“ zu den eigenen Gefühlen zu sagen, auch zu den unangenehmen Empfindungen. Dann gehen diese Gefühle in den meisten Fällen auch wieder.

Es funktioniert einfach nicht besonders gut, wenn man sich zum Ziel setzt, sich nahezu immer gut zu fühlen. Das ist so ähnlich, als wenn jemand zu einem sagt: „Sei doch mal spontan!“ oder „Sei doch mal kreativ!“ Bestimmte Dinge kann man nicht direkt erreichen.

Man kann nur geeignete Umstände schaffen und hilfreiche Dinge tun. Genauso ist das mit dem „Glücklichsein“.

Viele Glücksmomente zu erleben ist vielmehr ein Nebenprodukt eines gut gelebten Lebens.

Und zu einem gut gelebten Leben gehören meiner Meinung nach Dinge wie:

Wenn Sie sich also öfter glücklich und zufrieden fühlen wollen, dann trainieren Sie am besten, unangenehme Gefühle achtsam auszuhalten, sie stehen zu lassen und ihnen aber auch nicht zu große Bedeutung beizumessen. Jeder fühlt sich mal schlecht und wenn man die Gefühle einfach aushält und durch sich durchfließen lässt, dann verschwinden sie meistens auch wieder.

Zusätzlich können Sie kleine Schritte gehen und die Dinge in Ihrem Leben stärken, die uns Menschen normalerweise glücklich machen. Also den Fokus auf Dankbarkeit und Freundschaft richten, die eigenen Bedürfnisse ernst nehmen und erfüllen, etwas für andere tun usw.

Wenn Sie so vorgehen, geraten Sie nicht so leicht in die Happyness-Falle und kommen immer mehr zu einem gut gelebten Leben.

Und als Nebenprodukt werden Sie sich wahrscheinlich öfter zufrieden und glücklich fühlen.

  1. Angelika Fleckenstein schreibt am 28. August 2011 um 07:42

    Ich finde, dass dieser Artikel in Verbindung steht mit "Wie frei sind wir wirklich?" - Durch vielerlei Einflüsse wird unser Befinden gesteuert, ohne dass es jedem bewusst wäre. Es wird uns sozusagen diktiert, was wir zu fühlen haben und was nicht. Freiheit bedeutet, zu sein, wie wir uns fühlen und uns nicht abhängig zu machen, von dem, was uns z.B. die Werbung vorgaugelt oder irgendwer einreden will. Meine Gefühle - und zwar alle!!! - gehören zu mir und ein jedes hat ein Recht, zu sein. Wo Licht ist, gibt es eben auch Schatten. Ich glaube, das ist ein Gesetz, das keine Wissenschaft je ändern kann, und das ist gut so.

  2. Silvia Burbach schreibt am 28. August 2011 um 10:01

    Schöner Artikel und gutes Thema! Ich möchte noch hinzufügen, dass wir darauf achten sollten, woher plötzlich negative Gefühle kommen. Meinstens sind es doch alte Erinnerungen, z.B. aus der Kindheit oder vorangegangenen Erfahrungen in der Art, dass wir uns nicht gut genug fühlen oder ständig etwas falsch machen o.ä. Jeder trägt solche Gedanken/ Erinnerungen in sich und hält leider unbewusst an Ihnen fest. Manchmal gibt es so viele Erinnerungen, dass sie gar zur eigenen Geschichte werden und noch mehr, wir uns mit "unserer Geschichte" idenfizieren. D.h. dass wir dann eine Rechtfertigung haben für unser negatives Empfinden, Reden oder Handeln. Damit beschränken wir uns extrem, solange wir uns daran festhalten und immer diesem Muster nachgehen. Warum nicht dieses alte Muster mit oder ohne eigener Geschichte einfach loslassen? Das Leben durch die Brille einen junden Kindes sehen und so auf sich wirken lassen als würde es zum ersten Mal geschehen. Das ist in meinen Augen bewusstes Leben - ohne Interpretation - einfach so wie es ist! Sich selber -als Rollenspieler- nicht so ernst nehmen, sondern sich vielmehr als einen Teil des Ganzen (allen Lebens) fühlen. Das schafft Verbundenheit und Vertrauen und die Ängste und andere negative Gefühle nehmen ab. Und noch was: Der wichtigste Augenblick in Deinem Leben ist JETZT! Denn Du kannst nur jetzt glücklich sein, nicht morgen oder in einem Monat, wenn der geplante Urlaub beginnt. In diesem Sinne wünsche ich Dir einen erfrischenden Tag.

  3. Anke schreibt am 28. August 2011 um 10:05

    Als ich den Artikel las, musste ich spontan an folgendes Märchen denken: Ein König, der drei Töchter hatte, fragte die Mädchen, wie lieb sie ihn haben. Die Älteste antwortete: "Ich hab dich so lieb, wie alle Edelsteine in unserem Land." Die zweite antwortete:"Ich liebe dich wie alles Gold in unserem Land." Und die jüngste antwortete:"Ich liebe dich so sehr, wie alles Salz in unserem Land." Darauf wurde der König böse, weil er meinte, seine Jüngste Tochter liebte ihn nicht. Er jagte sie aus dem Land und das Salz gleich mit. Es gab nur noch Süßspeisen zu essen. Man kann sich vorstellen, wie das Märchen endete. Der König holte seine Tochter (und das Salz) in sein Leben zurück und hatte nun erkannt, wie lieb ihn die jüngste Tochter hatte.
    So sehe ich auch mein Leben. Ich kann die Ruhe nur genießen und wahrnehmen, wenn ich mich auch mal auspowern darf. Ich kann nur das Glück und die Zufriedenheit wahrnehmen, wenn ich auch Unglück und Unzufriedenheit zulasse. Und nur was ich wahrnehme, kann ich auch genießen.

  4. Sanni schreibt am 29. August 2011 um 09:16

    Ich frage mich warum es nicht einfach Glückkeitsfalle heißen kann...
    Aber ansonsten bin ein ganz großer Fän Eurer Artikel ;-)

  5. Sanni schreibt am 29. August 2011 um 09:16

    Äh sorry, ich meinte Glücklichkeitsfalle. :-)

  6. Jens schreibt am 29. August 2011 um 15:56

    Hier kommt - wie so oft - mal wieder das bekannte Prinzip des Yin und Yang zum Tragen: alles besteht aus zwei sich ergänzenden Polen, ohne die es alles, was wir in und um uns wahrnehmen, gar nicht gäbe. Immer glücklich sein geht nicht - wir würden es gar nicht merken, dass wir glücklich sind, wenn es nicht auch Momente oder Zeiten gibt, in denen wir unglücklich oder "nicht so gut drauf" sind. Beides wechselt sich ab, im einen ist der Keim des anderen schon enthalten. Die Kunst ist es eben, wie ja auch in diesem Artikel beschrieben, sich nicht hineinzusteigern, in eine Spirale ziehen zu lassen, sondern einfach wahrzunehmen, dass es so ist - und dann weiterzugehen zum nächsten Moment, der wieder ganz anders sein kann. Alles Leben ist Wandel, wir können es nicht festhalten. Achtsamkeit und Gelassenheit hilft uns, mit allem besser umzugehen, was in uns und um uns geschieht.

  7. Karin Lohner schreibt am 30. August 2011 um 08:41

    Danke für den wertvollen Artikel! Das Zauberwort für Glück und Zufriedenheit steht drin: ja.

    Das Wörtchen "ja" hat eine im wahrsten Sinne wundervolle Wirkung. Es bringt uns in einen Zustand der Bereitschaft anstatt in den Zustand der Abwehr, den wir mit "nein" oder "nicht" herstellen. Ja, es läuft nicht immer alles so wie geplant, daraus schöpfe ich wertvolle Informationen fürs nächste Mal. Ja, ich bin heute nicht gut drauf, danke, das gibt mir das Signal mich zu prüfen und mehr auf mich zu achten. Ja, ich bin grade nicht glücklich, schön, das macht mich aufmerksam darauf mal wieder nachzudenken, tue ich das noch, was ich brauche um das Gefühl des Glücks herzustellen.

    Viel Spass beim Ja-Sagen!!!! ;)))))

    • Silvia schreibt am 31. August 2011 um 11:24

      Hallo Karin,
      klasse Dein Kommentar. Nur durch ein Ja - akzeptieren wir die Situation im kleinen wie im großen und wir sind eins mit dem Leben. Ein Nein hingegen trennt und isoliert.
      Es ist nicht leicht das Leben zunächst einmal so anzunehmen, wie es ist. Mir hilft es, nicht gleich zu werten in gut und schlecht. Neben dem Annehmen ist das Loslassen ebenfalls eine wichtige Notwendigkeit für ein glückliches Leben.
      Danke & viele Grüße