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Introvertiert glücklich?

Von Gilbert Dietrich47 Kommentare

introvertiert

Ich bin introvertiert und das macht es mir nicht immer leicht. Ich bin schnell erschöpft, wenn ich unter Leuten bin, in Gesprächen finde ich manchmal nur schwer die offensichtlichsten Wörter oder Namen, und Gesprächspartner wundern sich schon mal über meinen ausweichenden Blick, wenn ich mit ihnen rede. Ich brauche viel Zeit mit mir allein, um ausgeglichen und glücklich zu sein. Es fällt mir schwer, in Gruppensituationen überhaupt etwas zu sagen, und wenn ich mich unter Druck gesetzt fühle, setzt mein Verstand schon mal total aus. Oft komme ich gar nicht hinterher, denn ich brauche länger, um alles zu durchdenken, während andere große Reden schwingen. Ich gehe Partys aus dem Weg und ich nehme im Büro selten den Fahrstuhl, um dem Smalltalk auszuweichen. Ich bin anders. Und wenn man der Statistik glauben darf, dann ist das jeder Fünfte von Ihnen auch.

Wo bekommen Sie Ihre Energie her?

Der Begriff „introvertiert“ steht dem Begriff „extravertiert“ entgegen. Der Psychiater und Begründer der analytischen Psychologie C. G. Jung hat diese zwei Eigenschaften als wichtigste Faktoren in seine Persönlichkeitspsychologie eingeführt.

Introvertierte Menschen beziehen ihre Energie aus sich selbst heraus und richten ihre Energien auch gern nach innen. Sie bevorzugen eine „minimal-stimulierende“ Umwelt, weil sie eine niedrige Reizschwelle haben. Hirnphysiologisch geht das darauf zurück, dass ihre Synapsen eine größere Sensibilität und Konnektivität aufweisen. Introvertierte Personen haben auch in Entspannungsphasen mehr Hirnaktivität und die Blutzirkulation in ihren Hirnen ist komplizierter. Mit anderen Worten, in den Köpfen der Introvertierten passiert einfach mehr. Sie kriegen mehr mit und selbst bei geringer Stimulanz geht im Oberstübchen überall das Licht an. Der Nachteil: Sie verbrauchen bei entsprechender Stimulanz mehr Energie, sind schneller erschöpft und benötigen länger, alle Daten zu verarbeiten. Sozial äußert sich das dann oft in Zurückgezogenheit und Schweigsamkeit. Anders als extravertierte Menschen benötigen sie jedoch auch nicht so viele Reize, um glücklich und zufrieden zu sein. Sie langweilen sich seltener und fühlen sich kaum einsam. Zu vielen anderen Stärken von Introvertierten, die seit C. G. Jungs Grundlegung immer wieder beschrieben werden, komme ich weiter unten im Text.

Introvertiert und das ist gut so!

In unserer lauten Vollgasgesellschaft kommen die introvertierten Personen schnell mal unter die Räder. Die heutige Welt gehört den extravertierten Machern, den risikofreudigen Entscheidern, den redegewandten Netzwerkern, die auf den After-Work-Partys neue Partner und Klienten angeln. Sie gehört eher nicht den kontaktscheuen Stubenhockern, den Leseratten und Teetrinkern. Das sollte man jedenfalls denken, wenn man die Lautstärke und Präsenz der einen vergleicht mit der Zurückhaltung und Unscheinbarkeit der anderen. Ganz so ist es aber nicht. Eine erfolgreiche Gesellschaft braucht alle Sorten von Menschen: risikofreudige und vorsichtige, tatkräftige und planende, eben extravertierte und introvertierte. Am allerwichtigsten ist jedoch, dass sich introvertierte Menschen selbst als das erkennen, was sie sind. Denn schnell wird man als Einzelgänger oder schüchtern abgestempelt und an den Rand gedrängt. Am Ende denkt man, etwas stimmt mit einem selbst nicht. Großer Quatsch. Vielmehr sind Sie etwas Besonderes, machen Sie das Beste daraus. Hier sind ein paar Tipps, die mir geholfen haben:

Laden Sie Ihre Batterien auf

Bereiten Sie sich vor

Über den eigenen Schatten springen

Stärken bewusst nutzen

Seit C. G. Jung werden introvertierten Menschen verschiedene Eigenschaften und Fähigkeiten zugesprochen. Nutzen Sie diese charakteristischen Stärken und Talente für sich.

Offen zu Besonderheiten stehen

Herausforderungen bewusst annehmen

Laut Statistik fallen die meisten von Ihnen nicht in die Kategorie der deutlich introvertierten Persönlichkeiten. Aber wenn Sie drüber nachdenken, dann fallen Ihnen gleich Verwandte, Freunde und Kollegen ein, die eher ruhig sind und sich gerne zurückziehen. Geben Sie diesen manchmal etwas besonderen Mitmenschen eine Chance! Lassen Sie ihnen die Zeit, auf das, was Sie selbst sagen, durchdacht zu reagieren. Wo gibt es das noch, dass man Ihnen zuhört und das Gesagte so ernst nimmt? Lassen Sie diese Menschen auch ausreden und fallen Sie ihnen nicht ins Wort, auch wenn es mal länger dauert. Und geben Sie diesen Menschen Raum und Zeit, sich zu konzentrieren und zu erholen. Wir alle profitieren von der Diversität unserer Temperamente. Wir sollten das schätzen und uns gegenseitig als Menschen mit zwar verschiedenen, aber liebenswerten Eigenarten erkennen und ergänzen.

von Gilbert Dietrich

Gilbert Dietrich
Gilbert Dietrich ist ausgebildeter Coach und arbeitet als Personal-Manager im Internet-Business. Seine Leidenschaften sind das Schreiben, der Sport und all die schönen Dinge eines intensiven Lebens.

Auf seinem Blog Geist und Gegenwart geht er der Suche nach dem Lebensglück aus der Perspektive von Coaching, philosophischer Praxis und Psychologie nach. Apropos: Wer mehr zur Introversion lesen will, der findet auf Geist und Gegenwart einige weiterführende Artikel dazu.

  1. Christina schreibt am 13. September 2011 um 10:11

    Klasse Artikel! Beim Lesen des ersten Absatzes habe ich mich absolut wieder erkannt und bin froh zu lesen, dass es scheinbar doch mehr Menschen so geht, wie mir. Von den Tipps werde ich sicher einige ausprobieren!
    Vielen herzlichen Dank!
    Christina

  2. Daniele Cipriano schreibt am 13. September 2011 um 10:38

    Wow, ich bin nicht nur überrascht, sondern ganz und gar begeistert von diesem Artikel.

    Woher kennt die "Zeit zu leben" Redaktion mich so gut, wie ich mich noch nicht kannte.

    Wir introvertierte Menschen denken lieber Stunden nach, und extrovertierte haben in der Zeit gehandelt.

    Aber es ist schön, dass auch ich als introvertierter Eigenschaften habe, und zwar positive. Ich dachte bisher, Introvertierheit wäre ein Nachteil. Man hat nur mit sich selbst zu tun und man lebt nicht, weil man recht wenig mit anderen zu tun hat.

    Mir war klar, dass Introvertierte besondere Antennen haben. Aber muss ich diese Antennen "abbauen". Muss ich mich selbst verstümmeln, damit es mir gut geht? Wenn ich diese Antennen "zerstöre" und ich mich "verstümmle", dann bin ich extrovertiert.

    Auch etwas, wovon ich noch nicht so überzeugt bin ist meine Menschenkenntnis. Menschenkenntnis erlangt man nicht nur durch Beobachtung, die bei mir stattfindet. Sondern auch mit Interaktion.

    Wie kann also ein introvertierter Mensch, der praktisch in seiner eigenen Welt lebt für sich alleine, nur durch Beobachtung die Menschen kategorisieren?

  3. Bianka Günther schreibt am 13. September 2011 um 13:20

    Super Artikel!
    Nun treten aber doch 2 Fragen auf:
    Glücklich/zufrieden können sicherlich auch die sein, die aus beiden eine gesunde Mischung aufzeigen. Oder gibt es diee nicht?
    Kann der Mensch im Laufe des Lebens sich auch wandeln - aus „extravertiert“ zu „introvertiert“?
    Bianka

    • Gilbert schreibt am 13. September 2011 um 22:14

      Hallo Bianka,

      danke erst einmal für das Lob.

      Doch, es gibt eher ausgeglichene und es gibt extreme Charaktere. Wenn sie sich selbst nur gut genug kennen, können alle glücklich sein, egal wie introvertiert oder extravertiert sie sind. Es spricht einiges dafür, dass angeborene Hirnstrukturen für diese Balance (oder ihr Fehlen) verantwortlich sind. Dazu mehr über den Link unten, wen das interessiert. Das leitet auch zur nächsten Frage über: Wir können - so wie Andrea Rohr unten sagt - lernen, uns anzupassen und auch das von uns nicht bevorzugte Temperament verkörpern. Wir werden aber immer eher so ticken, wie es uns "in die Wiege gelegt" wurde. Wenn wir uns entgegen unseren individuellen Präferenzen verhalten, kostet es uns mehr Energie.

      Viele Grüße,

      Gilbert

    • Tamara Scholz schreibt am 19. September 2011 um 10:57

      Auch ich habe mich wiedergefunden in diesem Artikel, danke, danke, danke. Vielen Dank für die guten Tipps, die mir bestimmt helfen werden. Und auch mein schlechtes Gewissen wegen des höheren Bedarfs an Ruhezeiten kann ich vielleicht ein bisschen beruhigen. Zur Frage von Bianka: Ich war früher eher extroviert und habe mich in der letzten Zeit in introvertiert verwandelt. Ich habe schlechte Erfahrungen gemacht mit falschen Menschen, so dass ich jetzt sehr vorsichtig geworden bin, wen ich an mich ranlasse. Und wenn mein schlechtes Gewissen nicht wäre, könnte ich sagen, so gut wie jetzt ging es mir noch nie. Ich habe meinen Frieden gefunden in der Ruhe, die ich zulasse.

  4. Andrea Rohr schreibt am 13. September 2011 um 13:54

    Danke für diesen tollen Artikel. Mit ist da einiges klar geworden. Ich selbst bin eigentlich introvertiert, habe aber
    gelernt auch mal extravertierter aufzutreten, weil es einfach in vielen Bereichen Sinn macht uns weiter bringt.

    Allerdings bin ich dann auch schnell erschöpft, was mir bisher eher als negativ auffiel. Das dass eigentlich normal ist, hilft mir jetzt sehr weiter.

    Ich habe mich auf jeden Fall wiedergefunden in diesem Artikel.

    Danke dafür!

  5. Mirko D. Walter schreibt am 14. September 2011 um 07:47

    Sehr guter Artikel, der sich wohltuend den Turbovernetzern, Verkaufsexperten und extrovertierten Schwätzern entgegen stellt.

    Wie das so ist im Leben: Es gibt kein Schwarz und Weiß. Jede Persönlichkeit findet ihre Nische, auch wenn gelegentlich die lautstarken Alleswisser manchen das Gefühl geben, sie wären dermaßen out, dass sie sich gleich aus dem Wirtschaftskreislauf verabschieden könnten.

    Ich glaube, dass wir zu einem größeren Teil selbst in der Hand haben, ob wir intro- oder extrovertiert sind. Der Artikel wirft aber glücklicherweise die Frage auf, ob wir an dieser Stelle unsere Energie überhaupt ver(sch)wenden sollten.

  6. Andrea schreibt am 18. September 2011 um 08:22

    Dass ich eher zur Sorte "introvertiert" gehöre, wusste ich schon. Aber schön, dass der Artikel auch mal die Vorteile auflistet. Bisher habe ich nämlich nur Nachteile gefunden. Besonders in meinem beruflichen Umfeld haben es die Extravertierten einfach leichter.

    Dabei ist es ja gar nicht so, dass ich nicht gern unter Leuten bin oder mich nicht gern unterhalte. Nur gehe ich halt lieber Kaffee trinken als auf eine Party. Ich fühle mich einfach in einer "kleinen Runde" wohler und plane anschließend immer etwas "Erholungszeit" ein. Außerdem ist meine "gesellschaftliche Wohlfühlspanne" begrenzt, so dass ich nach einer gewissen Zeit einfach genug habe und wieder in meine eigenen vier Wände zurück möchte. Meine guten Freunde wissen und akzeptieren das. Trotzem ist es manchmal blöd!

  7. Sascha Mrowka schreibt am 18. September 2011 um 08:24

    Kurz gesagt: Ein wirklich toller Artikel!

  8. Lillie schreibt am 18. September 2011 um 08:47

    Vielen lieben Dank für diesen Artikel. Ich habe in letzter Zeit sehr an mir gezweifelt. Ich habe immer gedacht, warum ich? Warum bin ich nur so? Ich würde gerne aktiver werden, unter Leuten gehen. Ich kenne so viele liebe Menschen. Aber es geht nicht. Es macht mich sehr traurig. Ich brauche sehr sehr viel Zeit für jede Begegnung.

    • Gilbert schreibt am 18. September 2011 um 11:15

      Hallo Lillie,

      es ist eine absolute Tugend, sich die viele viele Zeit für jede einzelne Begegnung zu nehmen. Seien Sie stolz auf sich! Nehmen Sie das als Ausgangspunkt, um die Menschen zu treffen, die sich ähnlich wie Sie viel Zeit nehmen. Es gibt mehr von "uns" als es auf den ersten Blick scheint. Für mich war es am wichtigsten, zu akzeptieren, dass ich bei Freunden eben nicht auf Quantität gehen kann. Seit dem konzentriere ich mich auf Qualität.

      Alles Gute!

  9. Heike schreibt am 18. September 2011 um 09:53

    Einen schönen guten Morgen wünsche ich,

    dies ist mal wieder ein super Artikel. Auch ich bin eher der introvertierte Mensch, der aber aus beruflichen Gründen die andere Seite auch leben muss -> oder sollte, was auch geht :-) ... Das Gute daran ist, dass es beruflich eher oberflächliche Gespräche sind, da ich die Menschen nicht wirklich tiefgehend kennen lerne und nach meiner Arbeit bin ich auch nie erschöpft. Aber wenn ich mit extroverierten Menschen länger zu tun habe, dann ist es wirklich so wie Ihr geschrieben habt. Ich komme nach Hause und habe das Bedürfnis nur noch zu schlafen.
    Ich habe gelernt, dass ich meine Zeit für mich brauche ... ALLEIN!... Und das ist gut so! :-)
    Ich wünsche Euch allen einen schönen Sonntag.

    GlG Heike

  10. Carmen schreibt am 18. September 2011 um 10:16

    Also wenn andere Menschen mich einschätzen, sagen viele, dass ich ein eher introvertierter Mensch bin... ich bin gern allein, ich lese gern, ich schreibe gern, ich verbringe einfach gerne Zeit mit mir selbst und ich liebe es und gewinne daraus die meiste Kraft für mich... aber wer mich kennt weiß ich kann auch anders... ich hab z.B. auch kein Problem damit in Gruppen von Menschen aufzublühen und zum Unterhalter zu werden... ich bin dann gern mit Späßchen dabei und unterhalte mich mit wildfremden Menschen einfach über Gott und die Welt... wobei ich persönlich sagen muss, dass das schon auch mal schön ist, aber dann bin ich doch gern wieder allein, denn Gruppen von Menschen rauben mir viel Kraft, ich finde es anstrengend...

    • Claudia schreibt am 18. September 2011 um 13:30

      Danke, dass du das geschrieben hast! Genauso geht es mir auch. Ein toller Artikel!

  11. Connie schreibt am 18. September 2011 um 10:19

    Ja, ich finde es gut über "Besonderheiten" nachzudenken und sie aufzuzeigen. Vorsicht ist jedoch geboten in jeder Art von Beurteilung oder Wertung. Diversity (Verschiedenheit) ist normal! Das "Problem" von einigen Menschen ist, dass sie das, was ihnen fremd ist be- und verurteilen oder nicht wahrnehmen usw. ... . Nicht wahrgenommen zu werden schmerzt jeden Menschen oder auch abweichend vom Selbstbild wahrgenommen zu werden. Deswegen kommt man/frau gerne in Versuchung sich "darzustellen", um mehr oder "richtig" wahr genommen zu werden. Es gibt auch noch ganz andere Modelle: nämlich extravertiert zu sein und trotzdem hochsensibel und genau mit den Eigenschaften ausgestattet zu sein, die "den" Introvertierten" zugeschrieben werden. Oder: sehr introvertiert zu sein und trotzdem "blind'" für das Atmosphärische und Assoziative. Viel-leicht sollten wir Menschen uns "einfach" mit unserem So-sein auseinandersetzen und schauen, wo liegen unsere Stärken und Schwächen und wenn ich unzufrieden mit mir oder Umständen bin, daran zu arbeiten, etwas zu verändern. Integration und Veränderung versus Polarisierung und Unverständnis hilft allen weiter, egal ob intro- oder extravertiert.
    Liebe Grüße von connie

    • Gilbert schreibt am 18. September 2011 um 11:26

      Hallo Connie,

      grundsätzlich ich gebe Ihnen absolut Recht. Manchmal jedoch brauchen wir - so wie einige Kommentare oben zeigen - erst einmal ein paar vermeintlich klar abgegrenzte Kategorien, um ein Selbstverständnis aufzubauen und den Phänomenen, die wir an uns beobachten, einen Namen zu geben. Diese Kategorien und Namen helfen uns dann, etwas als Qualität zu schätzen, was wir vorher nur als Problem begriffen haben.

      Anschließend jedoch darf man keinesfalls das Differenzieren vergessen und nicht in den Irrglauben verfallen, dass alles schwarz oder weiß sei. Letztendlich ist alles, was hier in Sprache ausgedrückt ist, lediglich eine mögliche Interpretation der Welt, die keine Letztbegründung erfährt, aber ein Schlüssel für Verständnis sein kann.

      Viele Grüße!

  12. Melanie schreibt am 18. September 2011 um 10:21

    Großartig! Auch von mir vielen Dank für den Artikel.
    Ich habe das immer für unnormal und fast schon krankhaft gehalten. Zum Beispiel wenn ich in Zweiergesprächen absolut aufgegangen bin und mich nett unterhalten hab, aber sobald noch zwei oder drei Personen dazugekommen sind mich ausgeklinkt habe, weil es mir einfach zu viel wurde. Ich hatte das Gefühl mein Kopf wird durch Gruppengespräche überlastet und schaltet irgendwann einfach ab und ich kann nicht mehr aktiv am Gespräch teilnehmen.
    Ich gehe dann über zum Beobachten und Zuhören. Das finde ich ebenso interessant, aber die meisten Menschen denken dann ich hab gar keinen Spaß mehr, weil ich nicht mehr aktiv an den Gesprächen teilnehme.

    Schön zu wissen, dass ich nicht alleine bin :)

  13. Katharina schreibt am 18. September 2011 um 10:36

    Dieser Artikel hat mir sehr gut gefallen.
    Vor über 30 Jahren arbeitete ich in einer Erziehungsberatungsstelle im Sekretariat und mein damaliger Chef sagte einmal zu mir, ich solle doch nicht so introvertiert sein und meinte noch augenzwinkernd, das sei kein Schimpfwort. Wie ich darauf reagiert habe, weiß ich leider nicht mehr.
    Heute kann ich auch extrovertiert sein, ist aber sehr anstrengend für mich. Aber es ist jetzt gut zu wissen, dass das bei uns Introvertierten normal ist.

  14. Angelika Fleckenstein schreibt am 18. September 2011 um 10:37

    Klasse Artikel! DANKESCHÖN!!!
    Erkenntnis ist und bleibt der Schlüssel zum (Selbst-)verständnis, Wachstum und innerer Befreiung!
    Ich bin introvertiert, und das ist auch gut so!

    Herzliche Grüße sendet und einen schönen Sonntag wünscht
    Angelika Fleckenstein

  15. Theresia schreibt am 18. September 2011 um 10:42

    Na, das trifft´s doch mal wieder auf den Punkt.
    Vielen Dank für diesen Artikel.
    Ich erkenne mich voll wieder und freue mich, dass es auch noch so viele andere gibt, die so "veranlagt" sind.
    Hab das auch schon seit längerem erkannt und habe gelernt,
    dankbar dafür zu sein.

    Seid willkommen, ihr " sensiblen, Introvertierte Menschen "

  16. Ulrike schreibt am 18. September 2011 um 11:18

    Unter www.zartbesaitet.net
    gibt es ein Buch "Zartbesaitet" über Hochsensibilität. Dieses Buch hat mir vor einem Monat die Augen geöffnet und ich habe mich endlich verstanden gefühlt. Ich würde mich nicht als introvertiert bezeichnen, empfinde allerdings sämtliche Reize intensiver und ziehe mich deshalb oft aus der immer lauter-, bunter-, schneller-Welt in meine stillere Welt zurück. Das hat nichts mit Sozialphobie zu tun. Ich mag gern Unterhaltungen aber lieber gehaltvolle im Zweiergespräch als bei lauten Partys. In dem genannten Buch ist sehr gut beschrieben, warum das so ist. Es gibt sehr viele Infos zu den positiven Eigenschaften dieser Spezis. Sehr zu emfehlen auch für Personalverantwortliche und Führungskräfte. Denn wenn diese Menschen richtig eingesetzt werden, sind sie für Unternehmen eine Bereicherung.

  17. Robert Chromow schreibt am 18. September 2011 um 11:25

    Hallo Herr Dietrich,
    das ist ein wirklich treffender und ermutigender Artikel: vielen Dank dafür! Angelika Fleckenstein hat den Tenor sehr schön auf den Punkt gebracht: "Ich bin introvertiert, und das ist auch gut so!" :-)
    Herzliche Grüße
    Robert Chromow

  18. Matthias schreibt am 18. September 2011 um 11:37

    Leider kratzt der Artikel nur die Oberfläche der "Sensiblen".
    Denn wenn die Nerven der sensiblen Personen so viel empfindlicher sind, hat dies viel mehr Auswirkungen....über fast alle sensorischen Organe hinweg.
    Beispiele:
    1. Temperaturempfindlichkeit
    Betroffene haben oft einen viel engeren "Wohlfühlbereich" und ihnen ist schnell zu kalt oder warm.

    2. Geräuschempfindlichkeit
    Zu laut tickende Wecker, laute Nachbarn bis zu laut sprechende Personen wird vieles unangenehm empfunden, was andere nicht stört.

    3. Empfindlichkeit auf Alkohol, Kaffee oder Medikamente
    Oft reagieren solche Personen viel sensibler auf genannte Substanzen.

    ...usw...

    Für diese erhöhte Empfindlichkeit gibt es auch einen Namen: HSP. Einfach den Begriff mal googeln, da gibt es ein paar sehr gute Websites zu, die ja hier nicht genannt werden sollen :-(.

    Mit steigendem Alter scheint die Empfindlichkeit zuzunehmen.

    Aber HSP ist natürlich nicht mit Schüchternheit zu verwechseln :-).

    Viele Grüße
    Matthias
    (auch HSP)

  19. Gabriela schreibt am 18. September 2011 um 11:49

    Endlich weiß ich, dass ich nicht alleine bin. Endlich gibt es noch andere, die mich verstehen. Ich habe gar nicht alles falsch gemacht. Und ich bin und war ein wunderbarer Mensch. In frühester Jugendzeit habe ich mich umerziehen lassen zum Extrovertierten. Ein Scheiterhaufen ist zurückgeblieben. Jetzt bin ich wieder introvertiert und habe mich selten so gut gefühlt. Danke für diesen einfühlsamen Artikel.

  20. Ulyana schreibt am 18. September 2011 um 11:57

    Hallo zusammen! Mir hat auch der Artikel sehr gefallen. Ich halte mich auch für intravertiert trotz der Tatsache, dass ich in manchen Situationen extrem extravertiert bin.

    Ich bin mit dem Autor völlig einverstanden, dass wir, intravertierte Menschen mehr Selbstbewusstsein entwickeln und unsere Stärken ausnutzen müssen. In dieser Zeit, wo Extravertierte auf die Parties gehen und alle möglichen Freunde besuchen, können wir uns unseren Hobbies widmen, lesen, neue Kenntnisse bekommen usw. und dass, finde ich bringt viel weiter, als den ganzen Tag nur reden.

    Ich bin sogar in der letzten Zeit stolz auf meine Intravertiertheit und habe angefangen intravertierte Menschen mehr respektieren, sie interessanter finden. Bin deswegen auf der Suche auf neue intravertierte Freunde, weil alle meine jetzige Freunde extravertiert sind.

    Und ich möchte nicht mehr extravertiert sein! Ich möchte so wie ich bin sein und dass macht mich glücklich und selbstbewusst. Ich bin sehr froh, dass ich endlich, mit 31 Jahre alt dazu gekommen bin! Wünsche auch Glück und Harmonie anderen intraventierten Menschen!

  21. Klara schreibt am 18. September 2011 um 12:05

    Danke für den Artikel, in dem ich mich sehr gut wieder erkenne. Soziale Dinge kann ich gut und sie machen mir Spaß aber saugen mich aus und ich benötige danach eine lange Pause alleine für mich, um wieder Energie zu bekommen.

    Ich lerne immer besser mit Gruppenaktivitäten umzugehen, trotzdem sind mir Gespräche unter 4 Augen lieber. Was ich beobachtet habe, ist dass extrovertierte Menschen 2 Persönlichkeiten haben, eine Gruppenpersönlichkeit und eine, wenn man mit ihnen alleine spricht. Diese können oft extrem gegensätzlich sein, was mich in der Vergangenheit in Gruppenaktivitäten oft irritierte.

    Extrovertierte Menschen sind sozial bedürftiger und brauchen Dinge von anderen Menschen, um glücklich zu sein. Ich empfand das oft als Saugen an meiner Energie und kann es auch nicht verstehen, warum viele Menschen nicht mit sich und ihren Gedanken wenigstens eine Stunde alleine sein können.

    Wie schon beschrieben, haben introvertierte oder sensible Menschen keinen guten Ruf in der Gesellschaft und in den Medien werden sie eher als kleine, unattraktive grauen Mäuse oder als bücherlesende Fachidioten dargestellt, was mir automatisch das Gefühl gab, ich bin nicht gut genug, ich bin falsch hier.

    Der erste Schritt war für mich, mich so zu akzeptieren, wie ich bin und mir nicht selber ständig zu sagen, dass ich anders sein müsste oder mich anders verhalten müsste. Dazu gehörte auch, dass ich die Erwartungshalten von anderen, ständig zu deren Verfügung stehen zu müssen und sozial immer verfügbar zu sein, durchbrechen und Grenzen setzen musste für mich selber, um authentisch und ehrlich zu bleiben, was nicht immer leicht ist.

  22. Judith schreibt am 18. September 2011 um 12:54

    Ein guter Beitrag, habe mich wiedererkannt und über die Thematisierung gefreut.

    Ich muß allerdings auch sagen, dass ich, wie zwei Vorkommentatoren, sofort an HSP – http://wikipedia.org/wiki/Hochsensibilität – gedacht habe. Ich denke, das Beschriebene hat nicht rein etwas mit Introversion zu tun, es ist wohl eher so, dass hochsensible Menschen introvertiert wirken (oder auch sein) können, es aber nicht sein müssen.

    Es wäre schön, wenn der Text noch um Informationen zu HSP erweitert werden könnte. Viele „Betroffene“ (klingt so negativ) tappen lange im Dunkeln, was diese Veranlagung angeht. Es ist beruhigend und befreiend, zu verstehen, dass man tatsächlich anders wahrnimmt als andere Menschen und damit nicht allein dasteht.

    Die genannten Prozentsätze für Introvertiertheit und Hochsensibilität überschneiden sich übrigens.

  23. Iche schreibt am 18. September 2011 um 13:28

    Hallo,

    vorweg ich finde den Artikel sehr interessant und auch hilfreich, aber trotzdem kommen da einige Fragen auf. Ich meine, ich war auch immer total introvertiert (scheinbar) daweile hatte ich nur Angst- Angst abgelehnt zu werden von den Leuten, wenn ich mich so gebe, wie ich bin und mir fehlten einfach Gesprächstechniken sodass ich nie wusste, was ich sagen soll. Vielleicht mag es eine solche Veranlagung geben, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass es in der heutigen Welt viel hilfreicher und besser ist, wenn man sich ein soziales Netzwerk aufbaut, gut kommunizieren kann, seine Gefühle ausdrücken kann und so weiter. Ich meine, auch wenn ich vielleicht von der Veranlagung introvertiert wäre, dann kann ich doch lernen extrovertierter zu werden weil wir Menschen sind nunmal soziale Wesen und brauchen ja auch den Kontakt zu anderen. Im Endeffekt sollte man schon fähig sein Kontakte aufzunehmen und zu erhalten. Wieviel Kontakte man braucht um glücklich zu sein, das ist wahrscheinlich wirklich nur abhängig von einem selbst.

    • Gilbert Dietrich schreibt am 28. September 2011 um 16:28

      Hallo Iche,

      ja - klar ist es wichtig, seine Fähigkeiten zu erweitern und zu pflegen. Auch und gerade als Introvertierter sollte man Strategien finden, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Und eben deswegen ist es so wichtig, sich selbst zu erkennen, seine Schwierigkeiten zu begreifen und dann seiner "Natur" gemäß auch extravertiert zu handeln, wo es sich lohnt. Nur die dringend nötigen die Erhohlungsphasen nicht vergessen!

      Übrigens: Schüchternheit ist etwas anderes und entsteht aus Sozial-Ängsten, die therapiert werden können. Introversion (wie Linkshändigkeit) kann und muss nicht therapiert werden.

  24. Katja schreibt am 18. September 2011 um 15:59

    Mir hat der Artikel auch sehr gut gefallen, nur überrascht hat er mich nicht.
    Ich weiß nun schon seit ein paar Monaten das ich HSP bin und kann seit dem bester mit mir umgehen und mit mir leben.
    Es ist keine Krankheit, sondern eine Gabe. Nicht jeder kann die schönen Dinge im Leben so intensiv genießen.
    Man muss trotzdem lernen damit um zugehen.

  25. Mimi schreibt am 18. September 2011 um 17:33

    Es ist schön zu lesen, dass es anscheinend so viele introvertierte Menschen gibt und dass dies auch nicht schlimm ist dazu zu gehoeren. Damit es mir gut geht muss ich es annehemen so zu sein. Aber ich beneide die Extrovertierten, die spontan mit Fremden ein nettes Gespräch führen dabei gleichzeitig den Humor ihres Gegenüber treffen und schnell Freundschaften schliessen können ohne anschliessend ausgepowert zu sein. Insbesondere fuer die berufliche Karriere ist dies in der heutigen Zeit von Vorteil. In diesem Punkt steht mir mein "Anderssein" im Weg.

    • Me schreibt am 18. September 2011 um 19:44

      da sehe ich das Problem: Manche sagen sich dann eben: ich bin introvertiert und deshalb versuche ich nicht mehr meine Kontaktfähigkeiten zu verbessern und strenge mich nicht mehr an im Job zb Small Talk zu üben *bin eben so*
      Finde ich einen falschen Ansatzpunkt, denn JEDER kann lernen problemlos auf andere zuzugehen und offen zu werden. Das ist meine Meinung dazu.
      Die Menschen unterscheiden sich nur dadurch WIEVIELE Kontakte sie brauchen um glücklich zu sein!

  26. Nicol schreibt am 18. September 2011 um 18:05

    Danke für diesen Artikel. Ich finde, dass über dieses Thema viel zu wenig geschrieben wird. Vor ein paar Monaten habe ich einen Artikel über diese beiden Temperamente gelesen und mir ist danach einiges klar geworden. Insbesondere, dass mit mir alles in Ordnung ist. Und dieser Artikel bestätigte das erneut. Danke!
    Ich habe als Jugendliche und junge Erwachsene gedacht, ich sei verkehrt, weil ich nicht einen riesigen Freundeskreis hatte, Spaß an Konzerten mit Menschenmassen oder Disobesuchen mit Schlangestehen hatte etc.
    Ich bin gern allein und fühle mich selten einsam oder gelangweilt. Das war mir vor diesem Artikel auch gar nicht bewußt, wie positiv das ist und wie zufrieden es mich macht. Ich habe mich eher mit den Anderen verglichen und wusste, dass ich der gesellschaftlichen Norm "viele Freunde und offen nach Außen gerichtet" nicht entspreche.
    Es ist, wie Sie geschrieben haben, je besser man sich selbst kennt, desto zufriedener ist man selbst.

    Bitte mehr davon....:)

  27. Manuela schreibt am 18. September 2011 um 19:50

    Ja, so war ich auch mal... Wobei bei mir die explosive Persönlichkeit immer dagegen stand, dass ich mich zurückziehen konnte.
    Ich habe bemerkt, dass ich HSP bin, aber nicht introvertiert. Obwohl ich immer schon introvertiert und seltsam auf die Leute gewirkt habe.
    Ich konnte mich schlecht gegen die Umwelt abgrenzen und musste dann auch Abstand halten, weil ich die Emotionen von anderen Menschen nicht von meinen trennen konnte.
    D.h. wer sich als Introvertierter wiederfindet, der sollte mal prüfen, ob er nicht HSP ist.

    Und was mir auch noch sehr geholfen hat. Im NLP gibt es verschiedene Wahrnehmungstypen. Und die, die über das Fühlen gehen, die brauchen längere Zeit, als die, die übers Sehen oder Hören gehen.
    Denn die Verarbeitung von Gefühlen braucht Zeit.
    Auch hier kann man sich Unterstützung holen, wenn man 'anders' ist, als die Umwelt.

    Ich finde es total klasse, dass jeder Mensch so ist, wie er ist und ich möchte auf keine Besonderheit bei einem Menschen verzichten. ;-)

  28. Marija schreibt am 18. September 2011 um 21:16

    Der Artikel ist einfach toll. Ich habe mich in jedem Wort erkannt. Vor allem weil ich in letzter Zeit so viele Vorwürfe bekommen habe, weil ich halt mal in Gesellschaft nichts sage und es mir absolut nichts ausmacht alleine zu sein. Ich genieße es und muss nicht immer ein Event haben um meine Freizeit zu füllen. Ich gehe gerne auch mal auf ein Konzert oder in die Disco, aber ich muss es nicht jedes Wochenende machen, nach der Arbeit genieße ich es in der schönen Wohnung auf der Couch ein Buch zu lesen. Also bin ich keine Couchpotato, sondern einfach dabei Energie zu sammeln um durch den Alltag zu kommen :) Endlich eine Bestätigung, dass es nicht falsch ist, sondern genau das richtige für mich. Toll und danke!

  29. Marina schreibt am 19. September 2011 um 10:03

    Vielen Dank! Was für eine Entdeckung! Meine "Schwächen" können auch stark sein! Und ich habe daran gezweifelt...

  30. Armin schreibt am 19. September 2011 um 14:13

    Hallo Gilbert,

    ganz toller Artikel. :-)

    Ich behaupte, das was mir meinen als Problem zu haben, ein Geschenk des Lebens ist. Wir hängen nur die "falsche Emotion" dran. Es heißt nicht umsonst, alles hat seine Vor- und Nachteile.

    Schöne Grüße

    Armin

    PS: Ich meine auch, wenn einem etwas zu blöd wird (z.B. die Introvertiertheit), dann wird man es auch ändern bzw. es angehen zu ändern. :-)

  31. Petra Schütze schreibt am 19. September 2011 um 17:59

    Hat so richtig gut getan, diesen Artikel zu lesen. Auch wenn man im laufe der Zeit so manche Fähigkeiten und anderes Positives entdeckt, einfach mal die Tatsache, sich zurückzuziehen und alles auf Abstand zu betrachten als Fähigkeit und Begabung zu sehen, ist ein unglaublicher Aufsteller. Und deshalb absolut wahr, sonst wären solche gefühle nicht möglich!

  32. Yvonne Zschornack schreibt am 19. September 2011 um 18:26

    Also ich finde es schön, dass so viele Leute sich hier wiederfinden. Allerdings - wie bereits von einpaar Menschen hier angesprochen - beschreibt der Artikel Hochsensibilität bzw. die sinnvollere Übersetzung Hochsensitivität. Wobei nicht klar ist, was genau im Hirn passiert. Das Problem, das ich in diesem Artikel sehe, besteht darin, dass nicht alle Hochsensiblen introvertiert sind und nicht alle Introvertierten hochsensibel sein müssen. Es gibt auch extravertierte Hochsensible und zwar ca. 30 % der HSP (highly sensitive person), nur finden die noch viel weniger Betrachtung als HSP eh schon beachtet werden. Also alle, die jetzt froh sind, dass sie introvertiert sind, möchte ich auf www.hochsensibel.org verweisen. Viele liebe Grüße Yvonne

    • Gilbert Dietrich schreibt am 28. September 2011 um 17:35

      Ich will kurz auf die von einigen hier angesprochenen Überschneidungen mit HSP eingehen: Hirnphysiologisch sind HSP und Introversion (so wie von Jung gemeint) identisch. Genauere Ausführungen dazu findet ihr auf meinem Blog im Artikel Hochsensibilität und Introversion (Begriffsklärung), in dem ich mich mit den grundlegenden Arbeiten von Elaine N. Aron auseinandersetze, die genau dieses Dilemma beschreibt: HSP ist ein neuer Begriff für Jungs Begriff der Introversion. Die Verwirrung kommt daher, dass die Gesellschaft mehr und mehr dazu übergegangen ist, mit Introversion nur das beobachtbare Sozialverhalten zu meinen. Daher auch die Schwierigkeiten in der Abgrenzung zur Schüchternheit.

      Aron fand heraus, dass die hochsensiblen, die sich selbst als sozial extravertierte Menschen beschrieben und von psychologischen Tests darin bestätigt wurden, in besonders priveligierten und geschützten Umstände sozialisiert wurden. Sie erfahren gesellschaftliche Interaktion als Trost und Schutz gegen anderweitige Reizüberflutung. Jedoch selbst diese hochsensiblen extravertierten mit ihren vielen Freunden und der Leichtigkeit in sozialen Situatinen benötigten wie typischerweise alle introvertierten eine lange Zeit mit sich allein, um sich vom Trubel der Gesellschaft zu erholen.

      Mit anderen Worten: Hochsensible sozial extravertierte Menschen sind im Grunde typische introvertierte Persönlichkeiten, die es durch hilfreiche Umstände gelernt haben, sich sozial sehr aufgeschlossen zu verhalten. Das wiederum heißt, dass die soziale Introversion zwar ein naheliegendes und sehr häufiges, aber kein zwingendes Merkmal für introvertierte/hochsensible Menschen ist.

      Ich hoffe, das trägt etwas zur Klärung bei. Keine solche Erklärung kann jedoch von sich in Anspruch nehmen, jedes individuelle Phänomen zu erklären. Dazu sind wir Menschen und unsere Psychen zu komplex.

  33. Monika schreibt am 20. September 2011 um 01:05

    Der Artikel tut mir richtig gut. Zwar versuche ich momentan, etwas spontaner im Umgang mit Anderen zu sein, weil ich der Meinung bin, dass ein Minimum an Kommunikation erforderlich ist, damit andere mich Kennenlernen können und es geht mir damit auch sehr gut. Es ist schön, ma wieder zu lesen, dass das Empfindsame ja auch eine Gabe ist, manche Extrovertierte finden das eher komisch und meinen, ich bräuchte ein dickeres Fell, aber das finde ich nicht sinnvoll.

    Viele Grüße und freut Euch Eurer Sensibilität. Ich finde es übrigens toll, dass es Einige gibt, die wie ich einfach mit sich alleine zufrieden sind. Das kam mir immer etwas seltsam vor, wenn ich bei anderen den 'Eindruck hatte, dass sie erst durch andere Aufblühen

    Ciao Monika

  34. Tobias schreibt am 23. September 2011 um 11:54

    Ich schließe mich den Vorrednern an. Noch besser als der Artikel haben mir die ganzen Kommentare von "Gleichgesinnten" getan. Ich bin froh, dass es so viele von "uns" gibt - auf der nächsten Party habe ich gleich ein super Einstiegsthema im Gespräch mit anderen "Betrachtern".

    "Tobias" ;)

  35. Marion schreibt am 29. September 2011 um 20:03

    Oh ja; wir HSP sollten zu unseren Eigenheiten stehen - auch im Tierreich gibt es Hochsensitive, die z B eine drohende Gefahr vor allen anderen erkennen. Ich denke, wir sind wertvoll und sollten uns nicht verbiegen!

  36. Petra schreibt am 30. September 2011 um 11:26

    Vielen Dank für den Artikel :-) ich bin so ein HSP Kandidat.Ich bin leider zu spät draufgestoßen,erst ein Erschöpfungssyndrom (vor 6 Jahren)hat mich wachgerüttelt und daran habe ich immer noch zu knappern.Ich bin immer kränker geworden,habe alles lauter gehört als meine Mitmenschen und habe jeden Tag gelitten.Bis ich meine Arbeit geschmissen habe.Nun bin ich gesund aber habe kein Geld :-(
    Mit 50 steht einem nicht mehr so weit die Welt offen,und Hilfe bekommt man auch von niemanden.aber das ist alles egal,ich habe viel über meinen Körper und mich gelernt,diese Zeit sehe ich jetzt als einen wichtigen Lernprozess.Also passt schön auf euch auf,und wenn es anfängt weh zutun,dann bitte die Notbremse ziehen,ehe die karre zu tief drinn steckt.

  37. Florian schreibt am 10. Oktober 2011 um 02:38

    Vielen Dank für den Artikel!
    Ich werde bald 17 und kann mich ab jetzt für meine "Introvertiertheit" rechtfertigen. Ich bin es Leid ständig Ausreden zu suchen, warum ich gerade keine Lust habe etwas zu unternehmen oder etwas zu feiern. Und auch in der Schule fällt es nicht leicht als Introvertierter durchzukommen. Immer wird Mitarbeit verlangt und umso öfter man sich meldet, desto besser ist die Note: Klar, wer dummes Zeug von sich gibt hat ein Recht auf bessere Noten, als der der ruhig da sitzt und mitschreibt. Vielen Dank liebe Gesellschaft!
    Ich habe schon oft versucht mich zu "ändern", aber was will man machen, wenn man nach einiger Zeit einfach erschöpft ist? Parties, um neue Leute kennenzulernen? Nein, Danke!
    Ich genieße die Beobachterrolle, wie ich sie ab jetzt immer nennen werde, aber werde dafür als Langweiler abgestempelt.
    Was hab ich davon? Achso ja, Selbstzweifel, wie sie jedes mal auftreten, nachdem ich vergeblich versuchte unter Leute zu kommen. Ich habe keine richtigen Freunde, gerade weil ich meine Pausen brauche und so nicht allzu oft die Gelegenheit bekomme Leute näher kennenzulernen.
    Dafür habe ich gute Bekanntschaften die es an mir schätzen, wenn ich ihnen zuhöre. Sie können erzählen solange sie wollen. Ich werde nicht denken, dass er/sie arrogant ist.
    Wenn ich aber von mir erzähle, denke ich es wirkt arrogant auf mein Gegenüber.
    Ich muss endlich mal abschalten können, und mir jemanden suchen, der mir zuhört.
    Ich habe auch Probleme. Wie jeder andere Mensch auf dieser Welt auch. Aber im Moment sehe ich mich als den glücklichsten Menschen auf Erden an. Ich bin ein Problem für alle Zeiten los.
    Auch ein "Lächel doch mal" kann man sich bei mir jetzt getrost in den Allerwertesten schieben. Ich lache, wenn mir danach ist und nicht wenn ich dazu fociert werde.
    Ich überlege halt gerne. Und beim Überlegen kostet mich das Lachen zu viel Kraft.
    Ich singe sehr gerne. Das hört sich vielleicht extrovertiert an, aber wie viele Jungen singen schon gefühlsvolle Lieder, die zum Denken anregen? Richtig, nicht viele!
    Und übrigens liebe ich das Schreiben, weswegen meine Texte auch sehr oft nicht zu knapp ausfallen und als "unwürdig" bezeichnet werden.
    Ich könnte noch bis 5 Uhr morgens hier sitzen, es wären nur noch zweieinhalb Stunden, weil ich gerade nicht fassen kann, wie dieser Text mein Leben verändern könnte. Und ich hoffe meine Extrovertierten Verwandten,Bekannten werden sich dem Thema auch ein paar Minuten zuwenden, um zu verstehen wie "wir" ticken. Ja, ticken ist eigentlich ein negatives Wort, weil es den Tick eines Menschen beschreibt, aber wir haben keinen Tick. Es ist unsere Persönlichkeit.
    So Dampf abgelassen, Erleichterung vergrößert sich in jedem Augenblick.

    • Gilbert schreibt am 16. Oktober 2011 um 19:45

      Hey Florian! Danke für deine ehrlichen und reflektierten Worte. Sei du selbst. Das ist dein Recht. Ich freue mich, dass dir der Text gefällt.

  38. Monika schreibt am 11. Oktober 2011 um 09:26

    Sehr wertvoller Artikel! In diesem Zusammenhang finde ich auch euren Beitrag http://www.zeitzuleben.de/2242-psyche-auf-dem-prufstand-personlichkeitstests/7/ sehr passend. Vielleicht könnt ihr diesen wieder aufgreifen. Es hilft sehr für das gegenseitige Verständnis in Teams.