Tipps für Arbeitsuchende

arbeitssuche

Letztes Jahr haben wir uns hier bei „Zeit zu leben“ dazu entschlossen, unser Team größer zu machen. Also habe ich Stellenanzeigen geschrieben und geschaltet, mir ein Auswahlverfahren ausgedacht und viele Gespräche mit möglichen Mitarbeitern geführt.

Bisher dahin hatte ich nur die umgekehrte Erfahrung. Nach meinem Studium war ich selbst der Bewerber und habe mich zweimal um eine Anstellung bemüht. Und heute, 14 Jahre später, fand ich mich plötzlich auf der anderen Seite des Tisches wieder. Nun war es meine Aufgabe, Menschen auszuwählen, die menschlich und fachlich gut zu uns passen.

Ich sage Ihnen, das war aufregend und bedrückend zugleich. Aufregend, weil ich viele nette und interessante Menschen kennengelernt habe. Es war aber auch bedrückend, weil ich ganz nah mitbekommen habe, wie viele Menschen darunter leiden, keine Arbeit zu haben, und wie viele Menschen es gibt, die schon lange auf der Suche sind oder sich von einem 400-EUR-Job zum nächsten hangeln. Und ich sage Ihnen auch: Menschen abzusagen ist keine schöne Aufgabe.

Damals habe ich mich das erste Mal gefragt, was ich persönlich heute als Arbeitssuchender tun würde, wenn ich trotz längerer Suche keine Anstellung bekommen würde. Seitdem gärt das Thema in mir und ich will meine Gedanken heute endlich mal aufschreiben.

Zwei Welten prallen aufeinander

Das Thema Arbeitssuche ist hochemotional. Es geht um wesentlich mehr, als nur einen Job zu finden.

  • Zum Beispiel geht es hier um die eigene Identität, also auch um die Frage: Bin ich ein Gewinner oder ein Verlierer in dieser Gesellschaft?
  • Es geht um den eigenen Selbstwert: Was bin ich wert, wenn niemand mich will?
  • Es geht um Status und Anerkennung.
  • Und es geht um die finanzielle Existenz und die vielen Ängste, die sich darum ranken.

All diese Dinge spielen eine Rolle, während man auf der Suche nach einer Beschäftigung ist.

Und das Gemeine ist: Den Arbeitsmarkt als ganzen kümmern diese Faktoren nicht die Bohne.

Denn der Arbeitsmarkt ist ein abstraktes Gebilde, bestehend aus Angebot und Nachfrage, selbst wenn es dabei um Menschen geht. Mitgefühl, Moral und Ethik sind dem Arbeitsmarkt eher egal.

So prallen menschliche Angst und Verletzlichkeiten auf die kühle Rationalität eines Gebildes, das keine Gefühle kennt, sondern nur die Wirkprinzipien eines abstrakten Systems.

Nun sind Angst und Verletzlichkeit leider noch nie die besten Ratgeber gewesen. Deswegen vermute ich, dass man als Arbeitssuchender besser fährt, wenn man die ganzen Gefühle mal für einen Augenblick außen vor lässt und den Arbeitsmarkt ganz sachlich betrachtet.

Die Sache mal ganz sachlich betrachtet

Also … auf dem Arbeitsmarkt gibt es Angebot und Nachfrage. Die Nachfrager (= die Arbeitgeber) fragen ein Produkt nach (= die Arbeitskraft) und Arbeitnehmer liefern dieses Produkt.

Und natürlich ist kein Mensch ein „Produkt“ oder eine Ware. Ein Mensch ist ein Wesen, mit Gefühlen, Wünschen, Sorgen und vielem mehr. Wir haben alle ein Recht auf Würde und Respekt. Die Arbeitskraft eines Menschen als Ware zu sehen ist reduziert und auch ein klein wenig respektlos. Das ist mir bewusst.

Lassen Sie uns aber trotzdem einmal kurz Ihre Arbeitskraft als abstraktes Produkt begreifen. Ich meine das nicht respektlos – es ist auf diese Weise nur einfacher umzudenken und den Arbeitsmarkt besser zu verstehen. Denn nur wenn Sie den Arbeitsmarkt so sehen, wie er wirklich ist, können Sie tun was notwendig ist, um eine neue Arbeit zu finden.

Denn wenn Sie mit Ihrer Arbeitssuche nicht weiterkommen, dann fehlt Ihnen offensichtlich etwas. Oft ist das ein neuer Blickwinkel und eine neue Denkweise. Und diese neue Denkweise möchte ich Ihnen hier vorstellen.

Es gibt also Menschen, die haben plötzlich aus den verschiedensten Gründen ein Problem damit, ihr Produkt (= ihre Arbeitskraft) in diesem Markt zu vermieten.

( In eigener Sache: Bereits über 140.000 Menschen haben unseren wöchentlichen, kostenlosen Newsletter abonniert. Und Sie? )

Und als Betreiber eines Unternehmens weiß ich: Wenn ich Schwierigkeiten habe, mein Produkt auf dem Markt zu verkaufen, dann hilft es nichts, dem Markt die Schuld zu geben.

Der Markt ist, wie er ist, und er ändert sich nicht für mich. Wenn ich versuche den Markt zu ändern, kämpfe ich einen Kampf, den ich nicht gewinnen kann. Also kann ich nur über mich, mein Marketing oder über mein Produkt selbst nachdenken. Alles andere ist ein Kampf gegen Windmühlen, es sei denn, ich will in die Politik gehen oder eine Revolution anzetteln.

Welche Rolle spielt das Selbstmarketing bei der Arbeitssuche?

Das Marketing eines Arbeitssuchenden besteht aus seinen Bewerbungsunterlagen und seinem persönlichen Auftreten. Daran kann es sicher liegen, wenn man sein Produkt Arbeitskraft nicht an den Mann bekommt.

Ein Marketingproblem könnte es aber auch sein, wenn ich meine Arbeitskraft der falschen Zielgruppe anbiete, wenn ich mich also bei den falschen Unternehmen bewerbe, obwohl andere Unternehmen mich gerne nehmen würden.

Ein weiteres Marketingproblem könnte es sein, dass ich als Arbeitnehmer nicht genug „genetzwerkt“ habe, so dass mir im entscheidenden Augenblick die richtigen Kontakte fehlen.

Das ist die Marketing-Seite und diese lässt sich oft relativ einfach korrigieren. Hier hilft oft ein bisschen Feedback von Freunden oder Experten und natürlich die Bereitschaft, sich ein bisschen anzupassen an die Wünsche und Bedürfnisse des Arbeitsmarktes.

Welche Rolle spielen meine Qualifikationen?

Kommen wir zum nächsten Punkt, dem Produkt an sich, also meiner Arbeitskraft.

Wenn mein Marketing ordentlich ist und sich mein Produkt nicht verkauft, dann stimmt offensichtlich etwas mit meinem Produkt an sich nicht. Und mit meinem Produkt meine ich ganz sachlich wieder NICHT mich als gesamten Menschen, sondern nur meine Arbeitskraft.

Zu meiner Arbeitskraft gehören meine fachlichen Fähigkeiten. Dazu kommen meine persönlichen Fähigkeiten, wie beispielsweise mein Kommunikationsverhalten, meine Verlässlichkeit oder mein Engagement.

Das alles ist mein Produkt. Und es könnte sein, dass dieses Produkt im Augenblick niemand einkaufen möchte, weil

  • ich die falschen fachlichen Fähigkeiten habe,
  • weil ich nicht engagiert oder verlässlich genug wirke oder weil mein Kommunikationsverhalten abschreckt
  • oder vielleicht auch nur, weil es zu viele andere gibt, die die gleichen Fähigkeiten haben wie ich oder die in meinem Fachgebiet einfach besser sind als ich.

Natürlich spielen bei meinem Produkt auch meine Ausbildung und Diplome als Bescheinigungen meiner fachlichen Fähigkeiten eine Rolle.

Und leider geht es in letzter Zeit auch verstärkt um mein Alter. Sagen wir, wie es ist: Mit 25 Jahren findet man bei gleicher Qualifikation heute einfacher eine Arbeit als mit 55 Jahren. Deswegen gilt leider: Je älter man ist, desto größer müssen die fachlichen und persönlichen Fähigkeiten sein. Und desto wichtiger ist Vitamin B. Auch das kann man als unfair beklagen, aber die Realität sieht leider trotzdem so aus. Je älter man wird, desto besser muss man sein, sonst hat man einen Wettbewerbsnachteil im Arbeitsmarkt.

Und was kann man nun tun?

Das war soweit die Analyse der Situation. Kommen wir zu den Lösungsansätzen. Hier muss ich auch wieder ganz nüchtern und sachlich bleiben, damit ich mich nicht in meinem Frust und meiner Verletztheit verheddere.

Also: Was mach ich nochmal als Anbieter eines Produkts, wenn ich merke, dass die Verkaufszahlen schlecht sind?

Zuerst einmal: keine Panik. Es nicht persönlich nehmen. Sondern nachdenken. Dann Lösungsansätze überlegen und abwägen. Und dann loslegen.

Was sind also meine Möglichkeiten?

Ich gebe auf …

Eine Möglichkeit, wie man mit der Situation umgehen kann:Man nimmt das Produkt vom Markt. Das würde hier bedeuten: Langzeitarbeitslosigkeit. Das ist aber eigentlich keine Lösung. Das würde bedeuten, die Hoffnung aufzugeben. Und Sie dürfen niemals, niemals, niemals die Hoffnung aufgeben. Also vergessen Sie diese Lösung ganz schnell wieder. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Ich verbessere mein Marketing

Der nächste Lösungsansatz: Ich verbessere das Marketing für mein Produkt. Ich überlege also, wie ich meine Arbeitskraft besser verkaufen kann.

Also los … Am Anfang jedes guten Marketings steht die Marktforschung.

Dazu gehört,

  • mein Produkt (also meine Arbeitskraft) genau zu untersuchen und
  • meine Zielgruppe genauer zu betrachten (also meine potenziellen Arbeitgeber).

Selbstanalyse: Zuerst überlege ich mir deswegen, was ich besonders gut kann, wo ich besser bin als die anderen und wo ich meiner Zielgruppe (also meinen möglichen Arbeitgebern) den besten Nutzen bieten kann.

Hier ist es wichtig, lange und gründlich zu überlegen und auch Menschen zu fragen, die mich gut kennen. Denn was unsere Stärken angeht, sind die meisten von uns oft betriebsblind, deswegen hilft ein Blick von außen.

Hier stelle ich mir auch außergewöhnliche Fragen wie:

  • Wie könnte ich einem potenziellen Arbeitgeber dabei helfen, Geld, Material oder Zeit einzusparen?
  • Wie könnte ich einem potenziellen Arbeitgeber dabei helfen, zusätzliches Geld zu verdienen?
  • Welche Probleme haben Arbeitgeber in meiner Branche? Wie könnte ich dazu beitragen, sie zu lösen?

Wie viele kleine Handwerksbetriebe haben zum Beispiel ein absolut katastrophales Mahnwesen und verlieren dadurch ständig einen Teil ihrer Erträge oder geraten in finanzielle Engpässe durch zu späte Zahlungen, nur weil sie an dieser Ecke schlecht organisiert sind. Aber welcher kaufmännische Angestellte bewirbt sich bei einem Handwerksbetrieb mit der Aussage „Ich kann Ihr Mahnwesen so organisieren, dass Sie weniger Zahlungsausfälle und Ihre Einnahmen doppelt so schnell auf Ihrem Konto haben“?

Unternehmen kaufen meine Arbeitskraft ein, damit ich ein bestimmtes Problem für sie löse. Und je mehr ich deutlich mache, dass ich viele Probleme lösen kann, desto größer sind meine Chancen.

Aber bei den meisten steht im Lebenslauf: Excel-Kenntnisse. Aber wen interessiert das? Das können 100 Mio. andere Menschen auch.

Deswegen ist die folgende Frage so wichtig: Was kann ich, was die anderen nicht können? Oder was kann ich lernen, um mich von den anderen abzuheben?

Zielgruppenanalyse: Als Nächstes schaue ich mir meine Zielgruppe, also meine potenziellen Arbeitgeber, an.

Hier ist es sinnvoll, sich mit der Welt, den Themen, den Problemen, Wünschen und Bedürfnissen der potenziellen Käufer meiner Arbeitskraft zu beschäftigen. Was beschäftigt also meine Arbeitgeber? Was erwarten sie von einem Arbeitnehmer ganz allgemein? Was erwarten sie von einem Mitarbeiter in meinem Berufsfeld? Welche Probleme haben meine Wunschunternehmen gerade? Was wird gerade in eingängigen Fachmagazinen diskutiert? Was kann man in der Lokalpresse über die Unternehmen lesen, die mich interessieren?

Je mehr ich über meine Wunschunternehmen weiß, desto besser kann ich mich auf sie und ihre Bedürfnisse einstellen.

Zusätzlich kann ich mir auch Gedanken machen, was den Einkäufer meiner Arbeitskraft beschäftigt. Also den Menschen, der letztlich entscheidet, ob ich den Job bekomme oder nicht.

Das kann ein Projekt- oder Abteilungsleiter sein. Oder ein Personalreferent. Oder ein Personalsachbearbeiter. Oder der Chef selbst. Wer entscheidet bei welchem Unternehmen über die Einstellungen? Und was beschäftigt diesen Entscheider wiederum?

Denn machen Sie sich bitte eines klar: Auch die Menschen, die andere Menschen einstellen, sind wiederum nur ganz normale Menschen mit Zielen, Problemen, Wünschen und Bedürfnissen. Und je besser Sie diesen Entscheider kennen, desto eher können Sie eine Brücke bauen.

Zugegeben: Sich solche Fragen zu stellen ist natürlich anstrengend. Man muss recherchieren, in die Bibliothek gehen, Menschen interviewen, die wissen, was meinen potenziellen Arbeitgeber interessiert. Aber als Arbeitssuchender habe ich vor allem eine Sache: Zeit. Und die kann ich nutzen.

Aber wenn ich mich aus der Masse meiner Mitbewerber positiv abheben will, muss ich mich anstrengen. Wenn ich tue, was alle anderen auch tun, die keine Stelle finden (also Massenbewerbungen rausschicken), dann bekomme ich auch genau das Gleiche, was die anderen auch bekommen. Also keine Anstellung.

Also muss ich es anders machen.

All diese Überlegungen zu mir selbst und zu meinem Wunscharbeitgeber fließen dann in meine Aktivitäten ein. Wenn ich ausreichend überlegt und geforscht habe, kann ich meine Zielunternehmen besser anschreiben und kann im Gespräch einfacher überzeugen, weil ich mehr weiß und besser auf meine Gesprächspartner eingehen kann.

Außerdem werden Ihre Gesprächspartner merken, dass Sie bereit waren, richtig Zeit und Arbeit in Ihre Bewerbung zu investieren. Und das kommt gut an, denn es zeigt Arbeitswillen und Engagement.

Das Produkt verbessern

Alles Marketing hilft natürlich nichts, wenn mein Produkt nicht mehr wettbewerbsfähig ist oder es zu viele Mitbewerber in meinem Markt gibt, die das Gleiche anbieten. Dann hilft nur noch eines:

Ich muss mich selbst neu erfinden.

Viele Menschen lassen sich in dieser Situation umschulen und machen eine Weiterbildung. Das ist ja auch sinnvoll. Wenn die eigene Arbeitskraft nicht mehr gesucht wird, muss man zu einem neuen Produkt werden, das bessere Verkaufschancen hat. Also gilt es, neue Dinge zu lernen, mit denen man bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt hat.

Viele Menschen verlassen sich hier allerdings auf das Weiterqualifizierungs-System, bestehend aus der Arbeitsagentur und den vielen, vielen Weiterbildungsträgern, die mehr oder weniger gute und nützliche Weiterbildungsmaßnahmen anbieten.

Und sie merken dann hinterher, dass sie zwar ein Zertifikat und eine neue Zeile in ihrem Lebenslauf haben, aber immer noch nicht öfter zum Bewerbungsgespräch eingeladen werden.

Mein Rat an dieser Stelle:

  • Nutzen Sie Umschulungsmaßnahmen, aber verlassen Sie sich nicht alleine auf die Weiterbildungsträger. Es ist IHRE Verantwortung, dass Sie nach der Weiterbildung am Arbeitsmarkt bessere Chancen haben. Nehmen Sie Ihre Verantwortung wahr und kümmern Sie sich mit all Ihrer Einsatzkraft.
  • Versuchen Sie, das Beste aus Ihrer Weiterbildung zu machen und nicht nur den Schein zu bekommen. Nehmen Sie sich vor, ein Experte in Ihrem Gebiet zu werden. Investieren Sie 100 % in die Sache.
  • Ergänzen Sie Ihre Weiterbildung/Umschulung durch ein Selbststudium. Besorgen Sie sich zusätzliche Literatur. Surfen Sie im Internet. Definieren Sie sich neben Ihrer Weiterbildung ein praxisrelevantes, selbstgewähltes Trainingsprojekt, bei dem Sie die Inhalte Ihrer Weiterbildung ausprobieren. Nur wenn Sie die Inhalte Ihrer Weiterbildung anwenden, können Sie herausfinden, wo Ihr Wissen Lücken hat, und Ihre Ausbilder darauf ansprechen.
  • Beginnen Sie schon bei Beginn Ihrer Weiterbildungsmaßnahme damit, Kontakt zu möglichen Arbeitgebern aufzunehmen. Fragen Sie diese sehr konkret, welche Fähigkeiten am meisten in der Wirtschaft gesucht und gebraucht werden.
  • Spezialisieren Sie sich von Anfang an auf einen Teilbereich Ihrer Weiterbildung, der in der Wirtschaft am meisten gesucht wird. Wenn man sich 6–12 Monate intensiv mit einem Thema beschäftigt, kann man auf einem engumrissenen Gebiet zum Experten werden.

Ja, ich weiß, auch das klingt alles anstrengend. Aber wenn Sie schon eine Weiterbildung machen, dann soll doch auch was dabei herauskommen, oder? Sie machen das ja nicht, um Energie zu sparen, sondern um Ihre Situation zu verbessern. Und je mehr wir investieren, desto mehr bekommen wir meistens heraus.

Zusätzlich zur fachlichen Weiterbildung können Sie natürlich auch an Ihrer Persönlichkeit arbeiten. Denn soziale Kompetenzen, emotionale Intelligenz, Kommunikationsfähigkeiten, Selbstorganisation und die Bereitschaft, sich anzustrengen und Verantwortung zu übernehmen, sind heute oft unausgesprochene Voraussetzungen, um einen guten Job zu bekommen.

Und wenn Sie hier Defizite haben, dann haben Sie auch ein Problem. Dann ist Ihr Produkt Arbeitskraft nicht so gut, wie es sein könnte. Und oft scheitert es nicht an der eigenen Qualifikation, sondern daran, dass man soziale oder emotionale Defizite hat. Aber um all das zu verbessern, finden Sie ja bei uns auf der Seite genug Hinweise.

Noch einmal zusammengefasst:

  • Betrachten Sie die ganze Sache mit der Arbeitssuche so neutral und sachlich wie möglich, auch wenn es schwer fällt. Der Arbeitsmarkt ist in vielerlei Hinsicht hart, aber es nützt nichts, in Kategorien wie fair/unfair zu denken. Damit verschwenden Sie nur Ihre Energie. Konzentrieren Sie sich lieber auf den Bereich, in dem Sie wirklich etwas ändern und bewegen können: Und das sind Sie selbst.
  • Die meisten Menschen machen sich einfach zu wenig Gedanken und tun das, was alle anderen auch machen. Ja, so ticken wir Menschen eben. Wir schauen, wie es die anderen machen, und machen es nach. Aber diejenigen zu kopieren, die auch keinen Erfolg haben, ist eine denkbar schlechte Idee. Deswegen: Machen Sie es anders. Seien Sie einfallsreich und außergewöhnlich. Stellen Sie sich andere Fragen als die anderen. Beschreiten Sie Wege, die die anderen nicht gehen. Heben Sie sich von der Masse ab.
  • Und engagieren Sie sich. Engagement und Einfallsreichtum zahlen sich in vielen Fällen aus. Oft müssen Sie in Vorleistung gehen, bevor Sie etwas zurückbekommen. Das ist das Los derer, die ihren Fuß in die Tür bekommen wollen. Man muss hier aufpassen, dass man nicht ausgenutzt wird. Aber auf lange Sicht zahlt es sich meistens aus, wenn man bereit ist, mehr zu geben, als zu nehmen.

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Kommentare

B. Hoffmann schreibt am 30. August 2011

Toller Artikel, sehr differenziert und toll nachvollziehbar, werde ihn einer Bekannten empfehlen, die auf Arbeitssuche ist.
Schön, auch von anderen (=Ihnen) zu lesen, wie schwierig es ist, Bewerber(inne)n abzusagen, das ist eine “undankbare” Aufgabe in einer Führungsposition, mit der ich mich auch schwer tue.

an-ne schreibt am 30. August 2011

Sehr schöner Artikel. Bin selbst in der Situation, suche nach meinem Studium schon lange nach Arbeit. Der “falsche” Job am Anfang hat mich in eine Lebenskrise gestürzt. Aber das war auch gut so. Seitdem geht es mir viel besser. Auch wenn es schon lange dauert, dass ich keinen Job habe, ich weiß nun wo ich hin will und wenn mich keiner einstellt, dann mache ich mich selbständig. Hartes Brot, aber ich schaffe das!

Dennis schreibt am 1. September 2011

Schön finde ich die Stelle, mit dem Tipp, sich für einen Teilbereich zum Experten weitezubilden! Ich denke, das kann vielen wirklich unglaublich schnell unglaublich gut weiterhelfen. Wer dann noch die richtige mentale Einstellung hat, kann nahezu kaum scheitern ;)

Trotzdem: Allen auf arbeitssuche viel Erfolg!

ClaWa schreibt am 2. September 2011

Zunächst – vielen Dank für den guten und ausdifferenzierten Artikel. Den werde ich mit Sicherheit einigen weiterempfehlen. Ich bin dankenswerter Weise gerade selbst nicht betroffen.

Allerdings muss ich doch etwas einwenden.
1. Dass Arbeitsuchende massig Zeit haben, betrifft nur bestimmte Gruppen aus dieser sehr differenzierten Schicht.
2. Ich arbeite selbst im Weiterbildungsbereich. Wenn ich den vielen alleinerziehenden Müttern (nur als Beispiel, und ohne stigmatisieren zu wollen…) dort was von “viel Zeit” und “Nutze die Zeit, Dich zum Experten zu machen, in die Bibliothek zu gehen…”, etc. erzähle, schmeißen die mich – zu Recht – raus, bzw. fragen nur danach, ob ich Kinder habe… Von Burn-out etc. will ich in diesem Zusammenhang erst gar nicht anfangen. Da werde ich nämlich nicht fertig.

Trotzdem nochmal – im Grundsatz finde ich den Artikel prima.

Kristina schreibt am 2. September 2011

Auch ich möchte mich für den Artikel bedanken.
Sowas ähnliches höre ich von meiner Mutter schon seit Jahren (“das einzige Produkt, das ich momentan verkaufen kann, ist meine Arbeitskraft”) ohne dieses Wissen bisher wirklich genutzt zu haben. Das soll sich jetzt ändern, immerhin bin ich gerade auf Arbeitssuche! Danke nochmal für diesen Gedankenanstoss!

    Kristina schreibt am 2. September 2011

    Ich habe nochmal darüber nachgedacht und möchte folgendes ergänzen:
    Natürlich ist es sinnvoll und notwendig, sich den Anforderungen des derzeitigen Arbeitsmarktes anzupassen, wenn man einen Arbeitsplatz bekommen möchte. Zusätzlich ist es mir persönlich ganz wichtig zu erwähnen, dass der Arbeitsmarkt, wie wir ihn derzeit erleben (Mangel an Menschenwürde und Respekt; viel persönliches Leid, Existenzängste usw.) kein Naturgesetz ist, sondern lediglich das Ergebnis der bisherigen Entwicklung aufgrund der bisherigen (zB gesetzlichen) Rahmenbedingungen. Auch wenn ich von einigen Menschen dafür als “Träumer” verurteilt werde, kann ich mir eine (Arbeits-)Welt vorstellen, in der sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer gerne ihren Teil beitragen und gut damit und davon leben können.

Dr. Roland Grün schreibt am 4. September 2011

Ein wirklich ausgezeichneter Artikel – ich war in meinem Leben mehrmals arbeitslos, die ersten Male waren seelisch sehr schlimm, mit der Zeit stumpfte ich ab, heute bin ich vom Opfer zum Täter geworden, der frühere Mangel an Selbstwertgefühl ist einer sachlich-emotionslosen Sicht gewichen, im Arbeitsprozess gehört es einfach dazu, sich eine Auszeit nehmen zu müssen – ich kenne niemand der freiwillig arbeitslos werden will, da ist bei den meisten Menschen und auch bei mir das Stigma vom Parasiten durch die Werte meiner Eltern in mir, aber ehrlich: der Trend zu immer mehr frei beruflichen Arbeitsverhältnissen macht die Arbeitswelt undurchschaubar und vor allem unberechenbar, es fehlen mir einfach die Werte – Unternehmen haben keine Kultur der Kommunikation mit den Bewerbern, Bewerber nehmen die Dinge nicht mehr ernst

Marion schreibt am 4. September 2011

Hallo,

ein schöner Artikel. Mag was Wahres dran sein!

Was macht man, wenn man für das alles kein Geld hat und man von den Behörden in Stich gelassen wird und selber nicht mehr die Kraft hat, weil eben das Geld fehlt für Weiterbildungen etc. und weil man für den Arbeitsmarkt für die Arbeitgeber zu ALT ist?

Ich weiß nicht, wie oft ich mich beworben hab…ich habe aufgegeben zu zählen, aber an meinen dicken Ordnern kann ich es täglich sehen.

Hab zwei Berufe, Weiterbildungen hinter mir,gute Noten, aber…aber anscheinend ist es wohl mein Alter und mein Aussehen, was dem Arbeitgeber maßlos stört…?

Es ist immer sehr leicht, Ansätze zu bringen, wie man etwas besser machen kann, aber die Praxis sieht nun einmal anders aus.

    Gabriela schreibt am 4. September 2011

    @ Marion

    Da gebe ich Ihnen vollkommen recht. Kommt zum Alter noch Krankheit und Behinderung dazu, dann ist man ganz raus. Da nützt keine Weiterbildung oder irgendeine Spezialisierung. Da geht es dem Staat nur darum keine Rente bezahlen zu müssen, denn die wäre ja um einiges höher als Hartz IV.

Frank Leonhardt schreibt am 5. September 2011

Ein Gedanke zum Thema Absagen:
Klar ist es schwierig, jemandem eine Absage zu erteilen. Und gleichzeitig ist es wichtig für den Bewerber, eine ehrliche Absage zu bekommen und keine, die vage und schwammig ist – denn darin steckt wichtiges Feedback für den Bewerber. Absagen nach dem Motto “Sie sind leider die Nummer 2 geworden, wir mussten uns irgendwie entscheiden, und wir haben uns für jemand anderen entschieden” helfen dem Bewerber nicht wirklich. Wenn man aber für sich selbst Klarheit hat, warum der Bewerber tatsächlich nicht der richtige Kandidat war, sollte man ihm genau das sagen. Einfühlsam, aber klar und deutlich. Denn nur so kann er seine Bewerbungsstrategie verbessern. Das ist nicht leicht, aber für den Bewerber (und für sich selbst!) sehr wertvoll!

    Roland schreibt am 5. September 2011

    @Frank Leonhardt:
    Das wäre sicherlich schön (und würde dem abgelehnten Bewerber auch zeigen, dass man ihn als Mensch durchaus respektiert). Aber wenn der Arbeitgeber eine Begründung anführt, kann diese zu einer Klage wegen eines Verstoßes gegen das AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz) führen.

    Und damit führt dieses sicherlich sehr gut gemeinte Gesetz dazu, dass der Bewerber EBEN KEINE (ehrliche) Begründung mehr erhält und damit auch keine Möglichkeit mehr hat, daran zu arbeiten. Wie so oft ist das Gegenteil von “gut” “gut gemeint”…

Renate Beck schreibt am 6. September 2011

Der Artikel gefällt mir sehr gut und ich werde ihn für die Beratung von jungen Menschen nutzen.
Auch die Kommentare stimmen, es geht oft auch nicht um den “besten” Bewerber sonder um den billigsten. Auch auf dem Arbeitsmarkt ist Geiz geil. Arbeitgeber bedenken dazu viel zuwenig die Folgen. Somit nützt den Bewerber die Wahrheit nicht. Hier muss der Arbeitgeber erkennen Qualität ist langfristig preiswerter, ich denke da gerade an das Hotel- und Gaststättengewerbe.