Ich denke, also spinn ich (Daniel Rettig, Jochen Mai)
Von Ralf Senftleben • Ein Kommentar
„Ich denke, also spinn ich“ von Daniel Rettig und Jochen Mai – München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 2011 – 384 S. – ISBN-13: 978-3-423-24873-0 – 14,90 €
Ich liebe wissenschaftliche Studien, die untersuchen, wie wir Menschen ticken. Und deswegen hat mir das vorliegende Buch auch Freude gemacht. Denn die beiden Journalisten Daniel Rettig und Jochen Mai haben in „Ich denke, also spinn ich“ über 100 psychologische Effekte, Zusammenhänge und Phänomene zusammengetragen.
Zum Beispiel zeigen die beiden, dass intelligente Männer treuer sind als weniger intelligente Männer (was übrigens für Frauen nicht gilt). Oder sie erklären uns, warum wir immer am Wochenende krank werden und nicht während der Woche. Oder sie zeigen uns, warum es eine gute Sache ist, oft zu lächeln, und dass ein Dauerlächeln dagegen depressiv machen kann.
Viele der vorgestellten Phänomene sind einfach nur amüsant zu lesen. Andere dagegen helfen uns, bessere Entscheidungen zu treffen. Zum Beispiel gibt es da den Confirmation-Bias. Dieses Phänomen beschreibt, dass wir Menschen uns sehr, sehr schwertun, von einer bestehenden Meinung abzurücken, weil wir aus Selbstschutz unserer Meinung zuwiderlaufende Fakten einfach unbewusst ausblenden und übersehen. Und so bleiben wir bei unseren oft falschen Überzeugungen und treffen ausgehend davon schlechte Entscheidungen. Und wenn man sich dessen bewusst ist, kann man dagegensteuern.
Die Autoren zeigen uns auch, wie die Werbeindustrie oft Schwächen unseres Gehirns ausnutzt, um Produkte einfacher zu verkaufen. Hier gilt auch: Wenn man diese Schwächen kennt, kann man die Mechanismen der Werbung einfacher erkennen und Gegenmaßnahmen treffen.
Und das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem vielseitigen Inhalt.
Es lohnt sich also, sich damit zu beschäftigen, wie wir Menschen ticken, weil Bewusstheit oft der erste, notwendige Schritt ist, wenn wir etwas ändern wollen. Wobei das Buch nach meinem Geschmack ruhig auch noch ein bisschen praktischer hätte sein dürfen. Manchmal hätte das Buch gerne noch Handlungsanweisungen enthalten können, wie man das Wissen um die ganzen Phänomene im Alltag für sich nutzt. Manchmal hätte ich mir auch ein bisschen mehr Tiefe gewünscht.
Ansonsten ist das Buch locker und lesbar geschrieben und macht Spaß. Es macht einen auch ein bisschen demütig, weil man sich eingestehen muss, wie viele Dinge unser Verhalten und Denken beeinflussen, ohne dass wir es mitbekommen. Oder hätten Sie gedacht, dass die meisten Menschen in einem gelbgestrichenen Raum unbewusst mehr essen als in einem blauen Raum?
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Seid gegrüßt, ich muß schon sagen, vorzüglich mit welchen unbewußten Dingen wir Menschen leben dürfen und dazu dementsprechend ausgerüstet sind. Irdisches Leben bedeutet halt Lernen zu dürfen, um die Sinne zu schärfen. Deshalb ist es ein Gesetz über Höhen und Tiefen zu stolpern, das Ergebnis dazu heißt dann einfach Bewußtheit zu erlangen!
Ich frage mich, ob es auch noch einen anderen Weg gibt? Denn der bewußte Mensch wird zum stillen Beobachter. Gut oder weniger gut!
Ich wünsche Euch noch viele gute Einfälle und ciao!