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Neue Aphorismen von Ernst Ferstl

Von Tania Konnerth6 Kommentare

"Bemerkenswert: neue Aphorismen" von Ernst Ferstl. – Sprakensehl/Hagen: Asaro, 2006. – ISBN: 3-9346-2589-4. – ca. 9,- EUR

Ernst Ferstl gehört zu den produktivsten Autoren seines Metiers, wobei er es schafft, nicht nur Masse, sondern auch Klasse zu schaffen. Jedes seiner vielen Bücher ist voll von überraschenden Weisheiten und Denkanstößen und immer wieder trifft er mit einer Minimalzahl an Wörtern mitten ins Schwarze.

"Bemerkenswert" ist sein neuestes Buch. Hierin finden sich rund 350 gehaltvolle Aphorismen. Wie z.B. dieser hier:

"Selbst aus schlechten Aussichten lassen sich noch gute Einsichten gewinnen."

oder:

"Unzufriedenheit ist nur ein anderes Wort für Undankbarkeit."

Was Ernst Ferstls Aphorismen ausmacht ist, dass sie immer viel Raum für eigene Gedanken bieten. Bei manchen mag man nicken, andere provozieren Widerspruch und wieder andere bleiben wie ein Stachel im Bewusstsein stecken und man wird sie so schnell nicht wieder los.

Fazit: Ein Buch für alle, die Denkanstöße in kleinen Portionen lieben – und für Ernst-Ferstl-Fans sowieso.

Bewertung: PunktPunktPunktPunktPunkt

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  1. Hubert schreibt am 20. November 2006 um 12:58

    Wenn Unzufriedenheit Undankbarkeit bedeuten würde, würde es ja Undankbarkeit heißen und nicht Unzufriednheit.

    Ich denke gerade dieses Beispiel zeigt, wie man bei einem Aphorismus völlig daneben greifen kann.

  2. renate schreibt am 24. November 2006 um 08:28

    ich finde ferstls aphorismus durchaus gelungen.
    mir zeigt er die enge verflochtenheit/verbindung
    zwischen unzufriedenheit und undankbarkeit.
    "bemerkenswert" ist wirklich bemerkenswert...

  3. monika schreibt am 27. November 2006 um 09:01

    Da hat es einen UNZUFRIEDENEN getroffen, der über die Anregung des Aph´s, über den Zusammenhang zu undankbar, nicht nachdenken will.
    FERSTL´s Aphorismen können sehr viel zu unserer Bewußtseinserweiterung beitragen, wenn man sich den Denk-anstößen nicht verschließt!

  4. Hubert schreibt am 27. November 2006 um 12:31

    Mein etwas kurz geratener Eintrag oben mag den Eindruck erwecken, ich wäre nicht in der Lage oder nicht Willens den Sinn dieses Sinnspruchs richtig zu würdigen. Nein, er war mir einfach zu trivial und viel zu kurz gedacht, um darauf ausführlich einzugehen. Ihm fehlt, was eigentlich einen Aphorismus ausmacht: gedanklicher Tiefgang. Ich möchte es mit einem kurzen Text von Ulrich Schaffer verdeutlichen:

    "Unzufriedenheit ist nicht Undankbarkeit.
    Du stellst dir eine andere Wirklichkeit vor
    und bist nicht bereit,
    die Zustände anzunehmen, wie sie sind.
    Du wünscht Veränderung, Erneuerung,
    den Durchbruch zu einer Welt,
    in der es sich zu leben lohnt,
    und nicht nur für dich.

    Du bist unzufrieden mit der Weltlage,
    mit der Aufrüstung,
    mit der Ausbeutung der Armen,
    mit der Zerstörung der Umwelt
    und der ungerechten Verteilung der Lebensmittel,
    mit dem Rassismus.

    Du bist unzufrieden mit deiner Unfähigkeit
    etwas zu tun.
    Du bist unzufrieden
    mit deiner eigenen Entwicklung,
    mit deiner Vordergründigkeit und Faulheit.
    Du bist unzufrieden mit deiner Partnerschaft,
    mit den Rollen, in die ihr geschlüpft seid,
    mit der Unoffenheit
    und den tausend Ablenkungen.

    Du hast das Recht, unzufrieden zu sein,
    wenn du bereit bist, auch etwas zu tun,
    um die Gründe für deine Unzufriedenheit
    zumindest anzugehen oder gar zu beseitigen.
    Dann wird deine Unzufriedenheit der Motor
    für Veränderung sein.
    Dann wirst du nicht nur meckern
    und andere beschuldigen,
    sondern selbst eingreifen.

    Deine Unzufriedenheit kann deine Chance sein.
    Lass sie dir nicht nehmen."

    Meiner Ansicht nach hat Unzufriedenheit eher etwas mit Sensibilität zu tun als mit Undankbarkeit, oder umgekehrt: Zufriedenheit scheint oft etwas mit fehlender Sensibilität zu tun zu haben. Und dann ist der Schritt bis zu Selbstgerechtigkeit auch nicht mehr weit. Übrigens auch ein spannendes Thema. Vielleicht wir es hier mal aufgegriffen?!

  5. ingrid schreibt am 22. Dezember 2006 um 11:15

    Oh, ich lese erst heute hier rein, sehr interessant!
    Hubert, ich bin auch dieser Meinung. Man kann durchaus unzufrieden sein mit einer bestimmten Situation oder Lebenslage und gleichzeitig aus tiefstem Herzen dankbar für das bisher Erreichte, für die wertvollen Dinge in unserem Leben.
    Man könnte den 1. Aphorismus auch auseinandernehmen.....

    Ein Spruch, den ich sehr stimmig finde, und mir gerade begegnet ist:
    "es gibt keinen Zufall; und was nur blindes Ungefähr uns dünkt, gerade das steigt aus den tiefsten Quellen" Friedrich von Schiller - Wallensteins Tod -

  6. Heide schreibt am 1. Januar 2007 um 09:41

    So jetzt komm ich mit meinem '"sowohl - als auch". ;-)

    Hubert hat Recht,
    denn Unzufriedenheit kann eben aus dem Gefühl kommen, dass etwas nicht gut, zumindest nicht optimal läuft und sie kann Ansporn sein, etwas zu ändern oder zumindest zu verbessern.
    Ich würde sagen: Das ist die "gute" Unzufriedenheit.

    Dann gibt es aber auch die Unzufriedenheit der Undankbaren, der ewig Nörgelnden. Menschen, die stets nur das Negative sehen, die in jeder Suppe ein Haar finden (und wenn sies selber reinwerfen müssen).
    Das ist, denke ich, die Unzufriedenheit = Undankbarkeit, die Ferstl meint, die ich die "schlechte" Unzufriedenheit nennen würde.