29 Geschenke (Cami Walker)
„29 Geschenke – Wie ein Monat des Gebens das Leben heilen kann“ von Cami Walker – München: Integral Verlag, 2010 – 272 S. – ISBN-13: 978-3-778-79220-9 – 17,99 €
„29 Geschenke“ ist eine Geschichte über Cami Walker, die scheitert und nahezu an der Krankheit multiple Sklerose zerbricht und die doch Ihren Weg zurück in ein den Umständen entsprechendes, lebenswertes Leben findet.
Die romanhafte und sehr persönliche Geschichte erzählt von (zuweilen intimen) Stationen und Situationen aus dem Leben von Cami Walker und reflektiert intensiv eine Lebensphase, die von der Krankheit dominiert wird. Der Leser erfährt von einem typisch amerikanischen Lebens- und Leidensweg, gespickt von Selbsthilfegruppen, Klinikaufenthalten und im Prinzip nahezu jeder möglichen Form körperlicher und mentaler Gesundung. Das Therapiegruppen-Hopping ist hierzulande noch seltener und damit etwas befremdlich, in der Erzählung von Cami Walker aber stets unaufdringlich, glaubwürdig und selbstverständlich.
Auf dieser Suche nach Heilung findet Cami Walker dann einen unerwarteten Schlüssel zum Weg aus der Verzweiflung, die sie zwischen Schulmedizin und Entgiftungstherapie(n) übermannte: 29 Geschenke zu machen ist der Weg, den ihr ihre beste Freundin Mbali rät.
Den Lebensmut zurückzugewinnen und eine Reise zu beginnen, auf der die Autorin in ihrer Romanwelt viele andere Menschen und auch den Leser mitnimmt, wird das Thema des Buches: Schenken und beschenkt werden, Platz machen in der eigenen Gefühlswelt, dafür Neues annehmen können.
Darum ranken sich die Anforderungen, die Cami an sich selbst richtet: Nicht aufzugeben, etwas zu tun, stolz zu sein, auch auf kleine Leistungen und Taten, Wünsche zuzulassen, anderen und sich zu verzeihen, bewusst zu geben und bewusst anzunehmen. Das ist ihr Schlüssel zum Selbstwert und zu der heilenden Erkenntnis, ein Teil von etwas Größerem zu sein und sein zu dürfen.
Im letzten Teil des Buches verlässt Cami Walker die eigene Geschichte und präsentiert dem Leser die Weisheit der Südafrikanerin Mbali noch einmal geballt. Zudem einige kurze Anekdoten und Berichte anderer Menschen, die erfolgreich ihre eigene Erfahrungen mit Niederlagen, Scheitern und der Rückkehr in ein erfülltes Leben mit sich und anderen gefunden haben. Die Beispiele sind, wie die Geschichte der Autorin dieses Buches, ein bunter, lesenswerter Reigen über das Schenken und die Windungen, die uns das Leben bereiten kann.
Die Botschaft ist deutlich und wird noch eindeutiger gezeichnet: Mbali sagt: „Heilung geschieht nicht im luftleeren Raum, sondern durch unseren Austausch mit anderen.“ Und deshalb gibt es natürlich auch eine Webseite für die Transformationskraft, die Schenken bietet: www.29gifts.org schafft einen Ort für den Leser, Anregungen und Instrumente selber zu erfahren. Spätestens jetzt sind wir im Amerika 2.0 angekommen. Der Eindruck der Webseite ist Geschäftstüchtigkeit, Öffentlichkeit und Mission. Sicher nicht jedermanns Geschmack. Mir gefällt dennoch daran, dass der Kern der Botschaft haften bleibt. Die Botschaft an sich ist ein guter Grund, sich der kurzweiligen und vielseitigen Lektüre von „29 Geschenke“, z. B. an einem regenreichen Wochenende, zu stellen.
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