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Gefühle – der Schlüssel zur Selbstmotivierung

Von Nicole Alps6 Kommentare

selbstmotivation

„Ich hab es mir schon so oft vorgenommen.“

„Schon wieder eine Woche rum und wieder hab ich es nicht geschafft.“

„Ich muss das doch endlich mal hinbekommen.“

Kennen Sie solche Gedanken auch? Sie nehmen sich etwas vor, was auch gar nicht soooo aufwändig und schwierig zu sein scheint. Und dann schaffen Sie es vielleicht doch nicht, Ihr Vorhaben wirklich umzusetzen? Mir passiert das jedenfalls immer mal wieder.

Ich habe vor gar nicht langer Zeit ein sehr interessantes und erkenntnisreiches Buch gelesen und auch hier  besprochen: Die Kunst der Selbstmotivierung. Durch dieses Buch habe ich ein ganzes Stück mehr verstanden, warum ich und so viele andere Menschen Schwierigkeiten haben, ihre Ziele zu erreichen. Aber ich habe nicht nur mehr verstanden, sondern mir mit Hilfe der Tipps in diesem Buch eine Methode überlegt, mit der ich besser darin werden kann, wirklich das zu erreichen, was ich mir vornehmen.

Diese Methode beruht auf zwei der vier Denk- und Handlungsweisen der PSI-Theorie, die in dem Buch „Die Kunst der Selbstmotivierung“ beschrieben sind.

Die PSI-Theorie geht davon aus, dass unter anderem zwei Denk- bzw. Handlungsweisen wichtig sind, damit wir unsere Vorhaben umsetzen und unsere Ziele erreichen:

Lassen Sie uns diese beiden Modi mal genauer betrachten.

Zum Beispiel wenn wir dreimal die Woche Sport machen wollen, müssen wir uns überlegen, wie wir das genau hinbekommen. Wir überlegen uns: Welche Sportart mache ich, wann kann ich Sport machen, wie schaffe ich es, dass ich wirklich Sport mache und nicht doch wieder auf meinem Sofa lande?

Also wirklich loszulegen. Seine Sportsachen zu schnappen und den Sport zu machen: loslaufen, ins Fitness-Studio gehen, die Hanteln nehmen. Wenn wir uns in diesem Moment mit den ganzen Schwierigkeiten beschäftigen: Es regnet, es ziept im Rücken, im Fernsehen kommt grad heute der tolle Film … dann gehen wir nicht mehr los.

Wenn wir unsere Ziele erreichen wollen, kann es hilfreich sein, auf beide dieser Denk- und Handlungsweisen zum jeweils passenden Zeitpunkt zurückgreifen zu können.

Denn nur wenn wir, bevor wir ein Vorhaben angehen, planen, z. B. wann wir zum Sport gehen wollen, und dann auch wirklich losgehen und Sport machen – nur dann erreichen wir auch unser Ziel, dass wir nämlich in der Tat mehr Sport machen. Gelingt einem dieser Wechsel zwischen Planen und intuitivem Handeln nicht, bleibt man in der Planung einfach stecken und kann sein Ziel leider auch nicht erreichen.

Der Einfluss der Gefühle

Wissenschaftler haben herausgefunden, warum es vielen Menschen so schwerfällt, zum passenden Zeitpunkt zwischen z. B. Planen und intuitivem Handeln zu wechseln. Und zwar funktionieren die einzelnen Denk- und Handlungsweisen, das planerische bzw. intuitive Handeln, nämlich nur, wenn mit ihnen bestimmte Gefühle verbunden sind. Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung zeigen:

Um etwas zu planen, muss ich mich also auf die Schwierigkeiten konzentrieren und aushalten, dass ich dabei negative Gefühle habe. Und um intuitiv handeln zu können, also wirklich loszulegen, muss ich in einer positiven Stimmung sein.

Kurz und sehr plakativ gesagt: Trübsalblaser machen vielleicht tolle Pläne, können sie dann aber nicht gut umsetzen. Und die ewigen Positivdenker sind oft ganz begeistert, legen los, scheitern aber an den ersten Schwierigkeiten.

Klar ist kein Mensch immer Trübsalblaser oder Positivdenker. Die meisten von uns sind mal das eine und mal das andere. Und das ist auch in Ordnung. Weil wir nämlich beides brauchen, wenn wir unsere Ziele erreichen möchten.

Wir brauchen also das gesamte Spektrum unserer Gefühle: die guten und die schlechten. Und zwar zu dem jeweils passenden Zeitpunkt. Wenn wir aber wirklich unsere Ziele erreichen möchten, sind im Umgang mit unseren Gefühlen drei Fähigkeiten sehr wichtig:

  1. Es ist notwendig, negative Gefühle wie Angst, Wut, Unsicherheit usw. aushalten zu können. Die Psychologen nennen das Frustrationstoleranz.
  2. Es ist sinnvoll, negative Gefühle herunterregulieren zu können. Damit ist die Fähigkeit gemeint, sich selbst beruhigen zu können.
  3. Es ist wichtig, dass wir uns selbst in eine positive Stimmung bringen können. Und das nennen die Psychologen Selbstmotivation.

Wie sieht das nun konkret aus, wenn wir ein Ziel erreichen? Nehmen wir noch einmal das Sportbeispiel von vorhin.

Lara möchte gerne mehr Sport machen. Und jede Woche drei Mal laufen gehen. Sie stellt es sich toll vor, durch den Wald zu laufen. Und dass ihr ganzer Stress von ihr abfällt. Also zieht Lara sich ihre Sportsachen an und läuft einfach los.

=> Lara bringt sich in eine positive Stimmung. Sie freut sich und motiviert sich so selbst. => Laras Fähigkeit: Selbstmotivation

Schon nach kurzer Zeit merkt sie ganz enttäuscht, wie wenig fit sie eigentlich ist. Sie hechelt und bekommt Seitenstechen. Lara geht erst einmal langsam weiter und überlegt, was sie tun kann.

=> Lara ist enttäuscht und hält diese negative Stimmung aus. => Laras Fähigkeit: Frustrationstoleranz

Sie sagt sich: „Na ja, war ja klar, dass es nicht gleich nur Spaß macht. Ich geh jetzt erst einmal langsam weiter, bis es mir besser geht. Und dann laufe ich ganz langsam wieder los.“

=> Lara beeinflusst ihre Gefühle, indem sie ihre negativen Gefühle bewältigt. => Laras Fähigkeit: Selbstberuhigung

„Wenn ich dann alle zwei Tage ein bisschen laufe und mich langsam steigere, dann werde ich in ein paar Wochen bestimmt viel entspannter durch den Wald laufen. Und dann wird es irgendwann so, wie ich es mir vorstelle.“

=> Lara bringt sich wieder in eine positive Stimmung und motiviert sich, weiterzulaufen. => Laras Fähigkeit: Selbstmotivation

Das Tolle ist, dass jeder Mensch all diese Fähigkeiten schon kennt und hat. Wie gut wir etwas davon beherrschen, kann ganz unterschiedlich sein. Aber jeder Mensch, der

verfügt schon über Frustrationstoleranz, Selbstberuhigungsfähigkeit und Selbstmotivation. Denn (fast) jeder muss dazu seine Unlust überwinden, dieses negative Gefühl reduzieren, sich also selbst beruhigen und sich dann in eine ausreichend positive Stimmung bringen, damit er wirklich aufsteht, sich die Zähne putzt usw.

Natürlich merken wir diese ganzen Abläufe bewusst gar nicht, wenn wir morgens aufstehen. Aber vielleicht achten Sie morgen mal ganz bewusst darauf, was in Ihnen vorgeht, wenn Sie aufgewacht sind? Und dann merken Sie womöglich, dass Sie alle drei Fähigkeiten benutzen, um in den Tag zu starten :-)

Und was bringt uns dieses Wissen?

Um gezielter unsere Gefühle zu beeinflussen, ist es ein guter erster Schritt, zu schauen, wodurch und wie unsere Gefühle bisher beeinflusst werden. Wie aber finden wir das heraus?

Oft lernt man schon sehr viel über sich, wenn man beginnt, sich selbst bewusster zu beobachten. Machen Sie sich ganz gezielt auf die Suche nach der eigenen Frustrationstoleranz, Selbstberuhigungsfähigkeit und Fähigkeit zur Selbstmotivierung. Fangen Sie damit an, Ihre Gefühle bewusster wahrzunehmen. Nur dadurch entdecken Sie, wie bei Ihnen persönlich negative und positive Stimmungen entstehen. Und wenn Sie so herausfinden, wie Sie ticken, können Sie diese Mechanismen auch gezielt einsetzen.

Aber wie geht das nun genau?

Und jetzt noch einmal im Detail, sodass Sie wissen, wie Sie die Übung ganz konkret ausprobieren können:

1. Schritt: Nehmen Sie sich zwei Blätter Papier. Das eine wird Ihr Analyseblatt. Und das andere wird Ihre Strategieliste.

2. Schritt: Entscheiden Sie sich für eine Erfahrung in Ihrer Vergangenheit, bei der Sie ein Ziel verfolgt und es auch erfolgreich umgesetzt haben. Das muss kein riesiges Ziel sein. Es geht hier ja darum, zu erkennen, welche Strategien Sie grundsätzlich anwenden, um Ihre negativen Gefühle auszuhalten, sich selbst zu beruhigen und positive Gefühle herstellen zu können. Und solche grundsätzlichen Verhaltensmuster kann man auch an recht unscheinbaren Handlungsabläufen erkennen. Deswegen ist ein kleines Ziel für diese Übung ebenso gut geeignet wie ein großes Ziel.

Beispielsituationen können sein:

Versuchen Sie sich an diese Situation so genau wie möglich zu erinnern.

3. Schritt: Und nun gehen Sie diese Erinnerung in Ihrer Vorstellung Schritt für Schritt durch. Dazu stellen Sie sich einige Fragen. Schreiben Sie Ihre Antworten auf die Fragen dann auf das Analyseblatt, dann können Sie Ihre Erkenntnisse nachher leichter in Ihre Strategieliste übertragen.

Beantworten Sie nun folgende Fragen:

Schritt 4: Schreiben Sie auf Ihre Strategieliste zunächst die drei Begriffe Frustrationstoleranz, Selbstberuhigung und Selbstmotivation nebeneinander auf, sodass Sie darunter noch ausreichend Platz für Notizen haben. Tragen Sie unter diesen Begriffen nun alles ein, was Ihnen in der Analyse aufgefallen ist.

Unter den Punkt Frustrationstoleranz schreiben Sie alles, was Ihnen geholfen hat, Ihre negativen Gefühle wie Unlust, Trägheit, Angst usw. auszuhalten.

Unter den Punkt Selbstberuhigungsfähigkeit schreiben Sie alles, was Ihnen geholfen hat, Ihre negativen Gefühle zu reduzieren.

Unter den Punkt Selbstmotivierung schreiben Sie alles, was Ihnen geholfen hat, positive Gefühle wie z. B. Zuversicht, Freude, Begeisterung herzustellen. Oder in eine positive Stimmung hineinzukommen.

5. Schritt: Nun haben Sie eine Liste, auf der eine ganze Reihe von Strategien stehen, mit denen Sie leichter negative Gefühle aushalten, sich selbst beruhigen und motivieren können. Diese Liste können Sie dazu benutzen, Ihre Vorhaben besser zu planen. Indem Sie sich z. B. im Vorfeld bereits überlegen, wie Sie zu welchem Zeitpunkt denken, handeln und fühlen wollen, um Ihr Ziel besser zu erreichen.

Oder Sie können die Liste auch gebrauchen, um sich bei einem Vorhaben, das nicht so wie erwartet vorangeht, selbst zu unterstützen. Indem Sie sich dann z. B. die Liste nehmen und überlegen, welche Strategien Sie gut einsetzen können. Damit Sie mit Ihrem Vorhaben doch noch weiter vorankommen.

Ein Beispiel

Lara erinnert sich an ihre Lauferfahrung. Sie erinnert sich an die Situation, als sie angefangen hat zu laufen. Nach und nach geht Lara die Situation in ihrer Vorstellung systematisch durch. Dabei stellt sie sich viele Fragen zu ihrer Erinnerung. Indem sie auf diese Weise in ihrer persönlichen Erfahrung nach ihrer eigenen Frustrationstoleranz, Selbstberuhigungsfähigkeit und Selbstmotivation sucht, erkennt sie ihre ganz persönlichen Strategien, mit ihren Gefühlen umzugehen. Lara schreibt sich auf, was ihr einfällt und auffällt. Ihr Zettel sieht dann so aus:

Strategieliste
Frustrationstoleranz Selbstberuhigungsfähigkeit Selbstmotivation
Mir bei Frust gesagt: „Das gehört dazu.“ Als ich wütend war, weil ich es eine Woche nicht geschafft habe zu laufen, mir immer wieder gesagt: „Es gehört dazu. Nur wenn du nicht weitermachst, bist du gescheitert. Eine Pause ist noch kein Scheitern.“ Mir vorgestellt, wie toll es sich anfühlt, durch den Wald zu laufen, wie toll ich aussehen werde, wie entspannt ich danach sein werde
Mit meiner Freundin vereinbart, dass ich sie anrufe, wenn ich das Gefühl hab, dass ich mein Ziel sowieso nicht erreiche Mir gesagt: „O. k. Du bist jetzt wütend und enttäuscht. Aber das geht vorbei.“ Ein Foto von mir aufgestellt, auf dem ich eine ganz tolle Ausstrahlung habe und fit und sportlich wirke
Geweint, weil ich so enttäuscht von mir war Eine Laufpartnerin gesucht
Mir neue Sportschuhe gekauft

Indem Lara ihre Lauferfahrung systematisch untersucht hat, ist eine sehr nützliche Liste entstanden. Lara hat jetzt schwarz auf weiß, wie sie sich bisher dazu gebracht hat, ihr Ziel zu verfolgen. Indem sie mit dieser Übung weitere Erfahrungen analysiert, erweitert sie diese Liste immer mehr.

Die Auflistung Ihrer Strategien kann Ihnen dabei helfen:

Vielleicht haben Sie ja Lust bekommen, diese kleine Übung zu machen. Und sich Ihre ganz eigene Strategieliste zusammenzustellen.

Mit dieser Strategieliste können Sie zukünftig dann Ihren Weg zum Ziel leichter planen. Weil Sie dann nämlich im Vorhinein schon überlegen können, bei welchen Gelegenheiten Sie die jeweiligen Strategien anwenden können:

Wenn Sie zukünftig mit so einer guten Vorbereitung an Ihre Vorhaben und Ziele herangehen,

  1. Christina schreibt am 8. November 2011 um 16:56

    Toller Artikel! Ich werde das in jedem Fall ausprobieren und am Wochenende die beiden Listen erstellen. Passt auch gut, weil dieses Jahr das Laufen bei mir tatsächlich etwas war, womit ich Erfolg hatte und zu dem ich mich erstmal längerfristig motivieren konnte und so kann ich mich auch sehr gut mit dem Beispiel identifizieren.

  2. Irma schreibt am 13. November 2011 um 12:22

    Guter Artikel! Habe mich vor zwei Tagen beim Fitness-Training angemeldet .... und möchte das 3mal die Woche durchhalten. Da kommt Ihr Vorschlag wie gerufen.
    Habe mehrere Dinge/Vorhaben, wo ich ihn einsetzen könnte. Es besteht bei mir die "Gefahr", dass ich zu viel umsetzen möchte und mich dann dabei verzettele. Möchte nämlich auch noch abnehmen, Schreibtisch aufräumen, Bügelberge abarbeiten und eine Sprache lernen.
    Jetzt fange ich mal mit dem Sport an ... und dann sehe ich weiter. Danke!

  3. Monika schreibt am 13. November 2011 um 14:24

    So habe ich das mit dem Erfolg/Scheitern noch nie gesehen und die Anregung kommt gerade zur richtigen Zeit, da ich wenig "gebacken" bekomme zur Zeit.

    Ein herzliches Dankeschön und viel Erfolg Euch allen
    Monika

    • Brigitte Hettenkofer schreibt am 13. November 2011 um 15:01

      Vielen Dank für den guten Artikel, ich habe ihn mit großem Interesse gelesen und werde mit den zwei Blättern arbeiten. Ich habe jetzt nicht das Thema mit Sport, sondern eher, wie mache ich regelmäßig Marketing für mein Unternehmen.

      Allen viel Erfolg und noch einen schönen sonnigen Sonntag
      Brigitte

  4. Johannes Oeding schreibt am 13. November 2011 um 16:13

    Ja ebenfalls danke für die Anregungen. Meinen 15 und 18 jähr. Töchtern, die sehr emotional unterwegs sind sage ich in solchen Lebenssituationen z.B.: hey Angst/Wut/Neid, schön das du da bist; es ist ok. Jetzt brauche ich dich aber nicht, du kannst jetzt wieder gehen.... Das zaubert immer wieder ein Lächeln auf deren Lippen.... Die Sichtweise von "aushalten" finde ich nicht so passend, denn die wichtigste Lebensaufgabe ist m.E. an 1. Stelle ohne Einschränkungen unser Selbst zu lieben; mit der Nachsicht auf uns zu schauen, die wir anderen gerne zu teil werden lassen. Mit uns selbst sein zu können in jeder Lebenssituation ist der größte Schritt hin zur Meisterschaft des Lebens. Euch eine schöne Woche
    Johannes

  5. Roman schreibt am 20. November 2011 um 13:21

    Vielen Dank für den tollen Tipp mit der Strategieliste! Ich schreibe neben dem Beruf an meiner Doktorarbeit und kämpfe regelmäßig mit Motivationstiefs und Selbstzweifeln.

    Im Moment bin ich mal wieder auf der Suche nach Stretegien gegen meine Aufschieberitis und bin dabei in meinem E-Mail-Fach auf diesen Artikel und die Strategieliste gestoßen.

    Die Liste ist nun ausgefüllt und ich habe Herzrasen. In positivem Sinne. Absolut faszinierend, was das Aufschreiben gemeisterter Herausforderungen der Vergangenheit bewirkt, wenn man auch bewusst auf die Gefühle eingeht, die man dabei hatte. Ich kann es jedem empfehlen, diese Liste auszufüllen! Und zwar jetzt gleich. :)