Wenn eine Entschuldigung dazwischen steht …

entschuldigung

Vor einigen Jahren erzählte mir eine Kundin, dass sie mit ihrer Bürokollegin seit Monaten nicht mehr spricht. Früher hätten sie sich gut verstanden. Dann sei irgendetwas vorgefallen und die Kollegin redet seitdem nur noch das, was beruflich absolut nötig ist. Sie selbst weiß nicht, was der Auslöser war. Irgendetwas nimmt ihr die Kollegin offenbar übel.

Als sie gemerkt hat, dass die Kollegin sich zurückzog, hat sie es ihr gleichgetan. Seitdem reden sie nicht mehr, obwohl sie täglich Schreibtisch an Schreibtisch arbeiten. Die Anspannung ist mit Händen zu greifen. Tag für Tag für Tag.

  • „Haben Sie die Kollegin mal darauf angesprochen?“
  • „Nein.“
  • „Einfach nicht mehr geredet?“
  • „Ja.“

Auch wenn das ein Extremfall ist, so ist das gar nicht mal so selten. Ich habe Verwandte, die seit Jahrzehnten irgendeine Fehde pflegen, weil einer sich ungerecht behandelt fühlt und der andere sich nicht entschuldigt. So manche dicke Freundschaft geht zu Bruch, weil etwas Unausgesprochenes dazwischensteht. Manchmal weiß die andere Person gar nicht, wie ihr geschieht. Manchmal entschuldigt sie sich aus Prinzip nicht. Wieso ich??!

Der Schritt auf den anderen zu

Einer meiner Lieblingssprüche ist „Wo Menschen sind, da menschelt’s“. Ich mag diese Aussage, denn dieses Menscheln ist ein liebevoller Ausdruck dafür, dass wir nicht immer logisch, oft emotional und manchmal sogar irgendwie widersinnig agieren. Mitunter sind wir von etwas einfach getroffen oder ärgern uns – auch wenn die gleiche Sache uns gestern gar nichts ausgemacht hat. Manchmal trifft jemand einen wunden Punkt oder wir stellen uns stur.

Das Miteinander ist eben nicht immer leicht.

Wir können nicht mit einem Zauberstab winken, und andere (re)agieren so, wie wir es uns wünschen. Aber wir können zu 100 % bestimmen, wie WIR uns verhalten.

Bevor jetzt ein Missverständnis entsteht: Damit meine ich nicht, dass wir uns immer unter Kontrolle haben. Und ich meine auch nicht, dass wir uns in jeder Minute richtig, klug und angemessen verhalten müssen! Sie werden trotz bester Vorsätze in Ihrem Leben andere immer wieder einmal verletzen, in ein Fettnäpfchen treten oder in Streit geraten. Wenn es so weit ist, ist es Ihre Entscheidung, was jetzt geschieht:

→ Machen Sie einen Schritt zurück?

Überlassen Sie dem anderen die Reaktion? Warten Sie ab, schämen Sie sich oder grollen Sie?

→ Oder machen Sie einen Schritt auf den anderen zu?

Tragen Sie dazu bei, dass die Sache geklärt wird und treten Sie dafür ein, dass ein gutes Miteinander wieder möglich wird?

Ich meine: Es ist die bessere Wahl, einen Schritt auf den anderen zuzugehen. Besonders, wenn etwas zwischen Ihnen steht. Manchmal läuft das auf eine Entschuldigung hinaus.

Bleiben Sie sich und Ihrem Anspruch an sich selbst treu

Es gibt Situationen, in denen wir wissen, dass wir uns nicht so toll verhalten haben. Vielleicht haben Sie jemanden unabsichtlich verletzt, angelogen oder vor anderen bloßgestellt. Vielleicht aber haben Sie einfach nur unangemessen reagiert.

Das Komplizierte beim Entschuldigen ist, dass es jede Menge Hürden gibt, warum wir uns nicht entschuldigen können, selbst wenn wir es eigentlich tun wollen.

Ich kann mich noch gut an ein Telefongespräch erinnern, bei dem ich komplett ausgerastet bin. Die Umzugsfirma, die ich beauftragt hatte, hat mir zwei faule, völlig unfähige Leute geschickt. Der eine hat sich in den kleinen Transporter gestellt und die Kisten „koordiniert“, der andere hat sich Bilderrahmen und einzelne Blumentöpfe geschnappt, während ich meine Kisten alleine geschleppt habe. Am Schluss wollten sie mir auch noch eine Stunde mehr auf den Auftragszettel schreiben! Da ich an diesem Tag umziehen musste und so schnell niemand anderes organisieren konnte, machte ich das alles mit und rief am folgenden Tag den Chef an, um mich zu beschweren. Zunächst war ich angepisst, aber nach außen ruhig und sachlich. Als der Chef abwiegelte und mich nicht ernst nahm, wurde ich immer saurer. Schließlich schrien wir uns beide am Telefon an und knallten den Hörer auf.

( Tipp: Wie Sie in 7 Tagen eine richtig gute Entscheidung treffen. )

Als ich aufgelegt hatte, war ich ganz erschrocken über mich. Zum einen, weil ich normalerweise nicht so reagiere, zum anderen, weil ich wusste, dass ich inhaltlich zwar im Recht war, dass es aber niemals in Ordnung ist, sich so zu verhalten.

Also atmete ich tief durch, griff wieder zum Hörer und sagte zur Überraschung meines Gesprächspartners: „Ich rufe an, um mich zu entschuldigen. Mein Verhalten eben am Telefon war nicht in Ordnung. Ich entschuldige mich dafür, dass ich so rumgeschrien habe.“

Der Spediteur war völlig von den Socken, entschuldigte sich ebenfalls und nun konnten wir ein sachliches Gespräch darüber führen, was schiefgelaufen ist.

Sie können sich vorstellen, dass ich in dieser Situation ganz gewaltig über meinen Schatten gesprungen bin. Ich fühlte mich zu 100 % im Recht, war stinksauer, weil ich überhaupt nicht ernst genommen wurde mit meiner Beschwerde – und wusste gleichzeitig, dass das eine mit dem anderen nichts zu tun hat!

Aber: Mein Anspruch an mich selbst ist, dass ich respektvoll mit anderen umgehen möchte. Das tue ich natürlich nicht immer. Erinnern Sie sich ans Menscheln! Aber ich kann diesen Anspruch als Maßstab für mein eigenes Tun nutzen.

Egal was die andere Person getan hat, was inhaltlich vorgefallen ist: Wenn Sie einen klaren Anspruch an sich selbst haben, dann handeln Sie auch in Ihrem eigenen Sinn.

So konnte ich für mein unangemessenes Verhalten einstehen und den Weg für ein konstruktives Gespräch ebnen.

Übrigens: Andere schätzen es sehr, wenn man selbstverantwortlich handelt und über seinen Schatten springen kann.

Sie möchten sich entschuldigen

Wenn Sie wissen, worum es geht, und wenn Sie sich dafür entschuldigen möchten, dann ist das bereits die halbe Miete. Denn damit eine Entschuldigung beim anderen ankommt, ist besonders wichtig, dass sie ehrlich gemeint ist. Ein dahingesagtes „Sorry!“ geht eher nach hinten los.

Damit der andere merkt, dass Sie die Entschuldigung auch meinen, braucht es nur ein paar einfache Kriterien:

  • es meinen: sich aus den richtigen Motiven heraus entschuldigen
  • wenn Sie sich persönlich entschuldigen: Blickkontakt halten oder, wenn Sie sich schämen, sagen, dass Sie dem anderen gerade nicht in die Augen sehen können
  • konkret zu sagen, wofür Sie sich entschuldigen
  • die Entschuldigung stehenlassen und nicht sofort weiterreden, sich rechtfertigen, aufrechnen oder gar das Thema wechseln

Nun gibt es aber auch die Fälle, bei denen man merkt, dass etwas nicht stimmt – aber nicht weiß, warum. Jemand verhält sich merkwürdig, lässt deutliche Hinweise fallen, sagt, dass nichts ist, ist aber offensichtlich beleidigt. Manche Leute verfallen auch in Schweigen.

In solchen Situationen ist es besonders wichtig, nicht passiv zu bleiben. Gehen Sie auch hier den Schritt auf den anderen zu, um die Sache zu klären. Oft reicht es, dem anderen eine kleine Redebrücke zu bauen. Tipps dazu finden Sie hier: Was tun, wenn andere Leute dichtmachen?

Sie erwarten eine Entschuldigung

Gleiches gilt natürlich auch umgekehrt. Fühlen Sie sich ungerecht behandelt, nicht ernst genommen oder hat Sie jemand verletzt? Dann ist es ebenfalls eine gute Idee, offensiv zu werden.

Jetzt denken Sie vielleicht: „Was?! Es ist doch bitte schön die Aufgabe des anderen, auf mich zuzugehen, wenn er sich falsch verhalten hat.“

Ja. Dabei dürfen wir aber nicht vergessen:

→ Oft merken andere nicht, dass wir uns verletzt fühlen oder sie uns gegen den Karren gefahren sind.

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen im Kollegenkreis zusammen und jemand macht eine lustig gemeinte Bemerkung, dass Sie etwas zugelegt haben. Alle lachen – Sie lachen mit, weil Sie sich keine Blöße geben möchten. In Wirklichkeit sind Sie verletzt.

Dazu kommt, dass wir Menschen ganz unterschiedlich sind. Wenn Sie zu mir sagen: „Das und das war blöd“, dann fällt mir die Wortwahl gar nicht besonders auf, weil ich selbst so rede. Jemand anderes findet so ein Verhalten grob und verbittet sich diesen Ton.

Oder: Sie erzählen einer guten Freundin, dass Sie Eheprobleme haben. Diese wechselt das Thema. Sie sind getroffen, weil sie Ihre Probleme ignoriert. Tatsächlich ist es aus ihrer Sicht taktvoll, nicht nachzufragen, weil sie selbst es nicht wollen würde, dass man bei so persönlichen Themen weiterbohrt.

→ So schwer wir uns selbst oft mit Entschuldigungen tun, so schwer tun sich andere auch.

Die Hürden, die wir selbst gut kennen, haben andere natürlich auch. Manchen ist ein Fehlverhalten so unangenehm, dass sie am liebsten im Boden versinken würden. Andere bringen es nur schwer über die Lippen, sich zu entschuldigen, weil sie es mit Schwäche gleichsetzen.

Sehr oft glaubt man auch, dass sich die Dinge von selbst erledigen, wenn man Gras drüberwachsen lässt. Oder das Aufrechnen ist der Übeltäter: Die andere Person weiß zwar, dass es was zu entschuldigen gäbe, aber Sie haben ja kürzlich auch … und darum sind Sie sozusagen quitt.

→ Wir sollten immer für uns selbst eintreten.

Ganz unabhängig davon, ob es letztlich zu einer Entschuldigung kommt oder nicht, ist es wichtig, dass Sie Ihr Bedürfnis nach einer Entschuldigung aussprechen. Denn auf diese Weise treten Sie für sich ein, signalisieren dem anderen, dass ein Verhalten nicht in Ordnung war, und ziehen für das nächste Mal eine Grenze.

Wenn Sie also finden, dass eine Entschuldigung angebracht ist, oder wenn Sie enttäuscht darüber sind, dass keine kommt, dann sprechen Sie den anderen auf sein Verhalten an! Nicht vorwurfsvoll oder provozierend, sondern aus Ihrer Sicht:

Oft reicht es schon, einfach zu sagen, was Sache ist, und Sie bekommen eine Entschuldigung:

  • „Ich habe heute früh zwar mitgelacht, als du über mein Übergewicht gewitzelt hast, aber ehrlich gesagt hat mich das sehr getroffen.“ (Dann freundlich Blickkontakt halten und schweigen, bis eine Antwort kommt)

Oder Sie sagen es klipp und klar, dass ein Verhalten so nicht geht:

  • „Sachlich haben Sie Recht: Mir hätte dieser Fehler nicht unterlaufen dürfen. Doch es ist nicht in Ordnung, dass Sie mich als dumm bezeichnen.“ (Wieder unverwandt schauen, als ob der andere jetzt was sagen muss, und so lange still sein, bis der andere das Schweigen füllt)

Auf diese Weise treten Sie für sich ein, anstatt heimlich, still und leise zu grollen. Und Sie bauen dem anderen eine Brücke, sich zu entschuldigen, um das, was zwischen Ihnen steht, zu bereinigen.

Über Gitte Härter

Gitte Härter war viele Jahre Coach und Trainerin für Businessthemen bis sie sich mit www.schreibnudel.de ganz auf das Schreiben spezialisiert hat. Am allerliebsten schreibt sie Bücher – und hat bereits über zwei Dutzend Ratgeber veröffentlicht. (Aktuell: "30 Minuten Arschlöcher zähmen")

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Kommentare

Anne schreibt am 11. Dezember 2011

Guter Artikel. Ich habe mit beiden Situationen schon Bekanntschaft gemacht: Die Entschuldigung anbieten und klipp und klar sagen, dass so ein Verhalten nicht geht. Im ersten Fall wurde die Entschuldigung nicht angenommen. Das war hart für mich, aber ich konnte damit zurecht kommen. Im zweiten Fall kam keine Reaktion. Von meiner bis dato eigentlich besten Freundin. Die Freundschaft ist leider gestorben. Aber mir tat es gut, meinen Standpunkt zu vertreten. Manchmal muss man eben darauf achten, dass man mit sich selbst im Reinen ist und seinen Standpunkt auch vertritt, auch wenn andere Menschen anderer Meinung sind.

Beste Grüße und einen schönen 3. Advent!

Carmen schreibt am 11. Dezember 2011

ich finde den Beitrag sehr schön, es stimmt wo Menschen zusammenkommen gibt es des öfteren Reibungspunkte… Früher habe ich Bemerkungen oder Verletzungen einfach heruntergeschluckt und so getan als wenn nichts wäre auch wenn ich innerlich zutiefst getroffen war… heute stehe ich da schon selbstbewusster da und weiß welches Verhalten ich auf keinen Fall will und spreche mein Gegenüber dann auch darauf an… ich finde Kommunikation ist das A und O in menschlichen Beziehungen… erst gestern sprach ich mit meiner mittlerweile besten Freundin über ein Erlebnis was uns fast die Freundschaft gekostet hätte und das nur weil wir uns dem anderen nicht anvertraut hatten, seit dem haben wir uns versprochen immer alles was einem auf der Seele brennt und stört anzusprechen… ich finde auch den Gedanken schön, auch mal über seinen Schatten zu springen und den ersten Schritt zu machen auch wenn man sich eigentlich im Recht sieht… ich denke es zeugt von Stärke über seinen Schatten zu springen und dem anderen damit die Möglichkeit zu geben etwas wieder gerade zu biegen… daher miteinander reden, reden, reden um Missverständnisse schon im Vorfeld zu vermeiden!

Lydie schreibt am 11. Dezember 2011

Leider habe ich mit dieser Situation auch schon Bekanntschaft gemacht, mehrfach. Und leider bis heute bei den besagten Personen auf Granit getroffen. Ich habe mittlerweile alles versucht, vergeblich und das seit Jahren. Ich tu mich schwer damit aber mittlerweile sage ich mir dann musst du diese Menschen “vergessen” denn jemand der nicht bereit ist über “unausgesprochenes” zu reden ist es nicht wert mir mein Leben lang das Herz schwer zu machen. Bleibt leider immer ein bitterer Nachgeschmack weil man nie erfahren wird woran man “gescheitert” ist.

Andreas Reichert schreibt am 11. Dezember 2011

Grundsätzlich entschuldigen? Auf keinen Fall!

Ich bin ein Mensch der gerecht, fair und achtsam ist und gut mit Menschen umgeht die sich fair verhalten! Ich hasse Ungerechtigkeit, Lügner und Betrüger! Aus diesem Grunde sind für mich die oberflächlich freundlichen Menschen, die im vollen Bewußtsein z. B. mit Nahrungsmittel spekulieren, ihren Arbeitnehmern Dumpinglöhne zahlen und oder Menschen unterdrücken und ausbeuten keinesfalls achtenswert. Ich werde stets und bei jeder Gelegenheit diesen Personen gegenüber meine Mißbilligung ihres Verhaltes zeigen und mich keinesfalls für mein Handeln und etwaige Unfreundlichkeit entschuldigen.

Ich wünsche mir mehr Menschen die sich nicht zurückhalten, weil sie befürchten mit ihrem Verhalten anzustoßen. Besser anstoßen wenn es um Gerechtigkeit geht als diese unerträglichen egoistischen – aber freundlichen – Heuchler mit ihren Täuschungen weiter Raum zu geben.

Ich habe ein gutes Gewissen und muß mich nicht für mein Verhalten schämen oder entschuldigen. Würden sich alle Menschen wirklich anständig und ordentlich verhalten und nicht ständig wirtschaftliche Interessen an erster Stelle stehen, könnte es friedlich und gerecht zugehen.

In diesem Sinne wünsche ich allen Guten eine schöne Weihnachtszeit

    C. Becker schreibt am 12. Dezember 2011

    Sehr geehrter Herr Reichert,

    Sie haben Recht! Unrecht bleibt unrecht und ist nie achtenswert! Und die Beispiele, die Sie nennen, betreffen ganze Gesellschaftsgruppen und schädigen viele Millionen Menschen. Deshalb müssen sie auch sehr deutlich öffentlich gemacht werden – unbedingt.

    Was Frau Härter hier beschreibt, betrifft das menschliche Miteinander in meiner direkten Umgeben: in meiner Familie, mit meinen Kollegen, mit Freunden, mit meinen Nachbarn rechts und links der Wohnungstür … die alltäglichen kleinen und großen Nickeligkeiten, die uns aber das Leben schwer machen können. Der beste Weg, da raus zu kommen, ist: deutliche, offene und möglichst freundliche Kommunikation und im Bedarfsfall sogar das Anbieten einer ehrlichen Entschuldigung. Sie gehen nicht (auch wenn es sich zunächst so anfühlen mag) als Sieger aus dieser Situation, wenn Sie Ihr Recht lautstark oder schweigend proklamieren. Sie gewinnen tatsächlich, und zwar an Lebensfreude, Erfahrung, Reife, Weisheit und damit an Beziehungsfähigkeit, wenn Sie den anderen Menschen wieder für sich und die Beziehung gewinnen konnten.

    Meine lebenslange Erfahrung ist: Funktionierende (glückliche) Beziehungen in unserer direkten Umgebung sind das beste, was uns passieren kann – und das sage ich als Mensch mit eigentlich eher distanzierten Persönlichkeitsanteilen. :)

    Eine schöne, friedvolle und gesegnete Weihnachtszeit
    wünscht Ihnen
    Christine Becker

Monika schreibt am 11. Dezember 2011

Hallo Gitte,
ein guter Artikel. Habe heuer leider einen ähnlichen Fall wie Lydia erlebt. Bin auf die Person mehrfach zugegangen (sie hatte sich sogar mir gegenüber sehr übel benommen), versucht die wirklichen Gründe für ihr Verhalten rauszufinden (kein Kommentar ihrerseits) und sogar des weiteren von mir aus mehrfach wieder Kontakt angeboten. Leider bis heute kein Kommentar. Obwohl es immer noch schmerzt und so eine langjährige Freundschaft zu Ende geht/ging, muss ich nun lernen diesen Menschen zu vergessen. Schade drum, aber kann man halt nichts machen. Ich werde trotz dieser nicht so tollen Erfahrung auch weiterhin versuchen offen auf andere zuzugehen. Auf der anderen Seite hat man oft so viele positive Rückmeldung…. wiegt das dann eigentlich auf. Man darf einfach seine positive Grundeinstellung nicht verlieren und langfristig betrachtet überwiegen eigentlich immer die positiven Erfahrungen.

Wünsche allen eine schöne Adventszeit.

Anna schreibt am 11. Dezember 2011

Ich kenne die Situation ebenfalls. Mittlerweile gehe etwas anders damit um und zwar indem ich es einfach so lasse wie es ist. Vielleicht hat ja die Zeit der Stille/des Schweigens auch ihren Sinn?! Ich übergebe es quasi dem Lauf des Lebens und habe nicht mehr so stark den Drang, alles klären und regeln zu wollen. Manchmal geht es eben über das Wort hinaus und Reden hilft dann nicht immer wirklich. Über die Zeit ändert sich etwas – so oder so. Entweder es kommt zur Trennung oder manchmal komme ich in der Beziehung auf eine andere Ebene, auch ohne zu reden.

Gitte Härter schreibt am 13. Dezember 2011

Hallo zusammen,

herzlichen Dank für das schöne Feedback und die vielseitigen Meinungen und Erfahrungen.

Ja, ich finde auch, dass es wichtig ist, die Dinge auch auf sich beruhen lassen zu können. Manchmal gibt es einfach einen richtigen Bruch oder man lebt sich in einer Freundschaft auseinander.

Mein Ziel – mit dem Artikel und auch für mich persönlich – ist es immer, unabhängig für mich einzustehen: eben nicht einfach reaktiv danebenzustehen, wie die Bürokollegin mit einer Mauer des Schweigens so umzugehen, dass sie leidet, aber einfach auch nicht mehr redet, sondern offensiv zu werden.

Nicht jede/r kann offen ansprechen, was sie/ihn stört, gerade, wenn es um eine Verletzung oder Enttäuschung geht. Aber wenn man nachfragt oder sagt “Mir geht es so und so damit, einfach nicht mehr reden, das bringt niemandem etwas” … oder eben sich entschuldigen kann, wenn man tatsächlich etwas nicht so toll gemacht hat …, dann bleibt man selbst aktiv und tritt für sich ein. Auch wenn es nicht bedeutet, dass man damit die Kontrolle über die andere Person bekommt und sich alles nach eigenen Wünschen dreht. Wäre ja schlimm: dann könnten andere auch “kontrollieren” was und wie wir uns zu verhalten haben.

@Andreas Reichert: Ich bin ganz Ihrer Meinung, dass man nicht alles einfach hinnehmen sollte. Doch gerade in den Situationen, die Sie schildern, ist dieser “Anspruch an mich selbst” schon ein wichtiger Aspekt. In dem Moment, wo man sich über etwas beklagt oder eine Meinung äußert und das auf eine ungute Weise tut (unfreundlich, angreifend, mit Schimpfwörtern und und und), unterminiert man seine Inhalte. Denn dann kann man sagen “Die hysterische Kuh von Kundin” oder “Der hat auch keine Manieren gelernt” oder “So ein Depp!” (wie wir in Bayern sagen würden) … und das Verhalten führt dann dazu, dass ein berechtigter und wichtiger Inhalt nicht so wahrgenommen wird, wie wenn es souverän geschieht.

Auch das ist etwas, wo ich mich selbst immer wieder daran erinnern muss, denn ich bin auch eine, bei der der Blutdruck schnell steigt. :-)

Viele Grüße
Gitte Härter

    A.Reichert schreibt am 17. Dezember 2011

    Sehr geehrte Frau Härter,

    Sie antworten zu meinem Kommentar:
    “In dem Moment, wo man sich über etwas beklagt oder eine Meinung äußert und das auf eine ungute Weise tut (unfreundlich, angreifend, mit Schimpfwörtern und und und), unterminiert man seine Inhalte”

    Das ist nicht meine Art und ich hatte schon verstanden und lebe danach, gut mit meiner Umwelt umzugehen. Auch gibt es (soweit mir bewußt ist) Nichts für das ich mich bei Jemandem aus meinem Umfeld entschuldigen müßte. Und wenn ich einen Fehler mache, dann entschuldige ich mich gern und halte dies für den richtigen Weg.

    Allerdings stelle ich mir die Frage, wie ich…
    Kapitalanlegern die mit Nahrungsmittel spekulieren,
    Egoisten die zu anderer Lasten nur ans eigene Wohl denken,
    freundlich auftretenden Politiker, die unverblümt die Bevölkerung belügen und für dumm verkaufen um ihre Interessen durchzusetzten (und diese Gruppen können durchaus meine Nachbarn sein oder zur Familie gehören),

    … zeigen soll, daß ihre Ansichten aus meiner Sicht nichts mit korrektem Verhalten zu tun hat, ohne ihn gleichzeitig anzugreifen?

    Was ich zum Ausdruck bringen wollte war, das es (überall, selbst in diesem Forum) Menschen gibt, die wollen und werden sich einfach unrechtmäßig, unsozial, unehrlich usw. verhalten. Ich kämpfe für das Gute und Solidarität und wenn ein Egoist sich ertappt und angegriffen fühlt weil ich meine Meinung sage, muß ich mich nicht entschuldigen.

    Ich freue mich an einem Punkt angekommen zu sein, an dem ich mir sage: diese Menschen brauche und will ich nicht! Mögen sie auch noch so freundlich oder unterhaltend sein, und auch liebenswerte Seiten haben, oder mir sogar nützlich sein. Ich verzichte gerne, denn das Unglück der Ausbeutung dieser Welt hat die Ursache im unverantwortlichen Handeln gerade dieser Menschen.

    Zeitzuleben ist einfach immer wieder wunderbar und Ihr Artikel trägt dazu bei. Aber bei allem positivem Denken und Handeln sollte Niemand vergessen lautstark für eine gute Welt einzutreten auch wenn er E inigen auf die füsse tritt!

    Ich wünsche eine schöne besinnliche Weihnachtszeit!

    Mit Besten Wünschen
    A. Reichert

Peter Guggenberger schreibt am 19. Dezember 2011

Eine Entschuldigung ist eine wunderbare Möglichkeit die Beziehungsebene zu einer anderen Person zu verbessern, auch und vor allem wenn unausgesprochene Misstöne dies verhindern.
Ebenso wichtig ist für mich die eigene Feststellung, ob die Beziehung es mir wert ist, diese wieder zu verbessern. Wenn im oben erwähnten Beispiel der Spediteur mir gegenüber eine von mir zu bezahlende Dienstleistung nicht ausreichend erbrachte und ich nur aus Zeitgründen diese Dienstleistung entgegen nehme, ist es mir nicht wert die Beziehung zu diesem Spediteur zu verbessern. Wenn ich das Bedürfnis hätte, den Preis für die unzureichende Dienstleistung zu halbieren, würde ich mich jedenfalls entschuldigen, gemäß dem Harvard-Verhandlungs-Prinzip, weich zur Person, hart zur Sache. Wenn ich, wie im oben genannten Beispiel, nur beim Spediteur eine Beschwerde absetzen will, und dieser mich angreift und ich anschließend meinen Ärger auch lautstark verkünde, belasse ich es beim Kontaktabbruch. Im Gegenteil, das reinigende Gewitter tut mir gut, sofern mir ein weiterer Kontakt nicht wichtig erscheint. Die Entscheidung nicht jede Beziehung um jeden Preis aufrecht zu erhalten, entspricht meiner Meinung nach einer ebenso selbstverantwortlichen Handlung als auch eine Entschuldigung, um eine mir wertvolle Beziehung wieder zu verbessern. Jedem(r) recht getan, ist eine Kunst die niemand kann, verkündet schon ein Sprichwort.
Ärger nicht zu unterdrücken sondern auch lautstark herauszulassen, fördert die Seelengesundheit. Geschieht dies gegenüber mir wertvollen Personen, empfehle ich gerne die Gewaltfreie Kommunikation in Kombination mit einer Entschuldigung als unübertroffene Wunderwaffe. Der universale Einsatz der gewaltfreien Kommunikation auch in Beziehungen, die es mir nicht wert sind, ist aus meiner Sicht die Basis für Kritiker und der Grund für den gestoppten Siegeszug. Das oben genannte Beispiel reihe ich eher unter Harmoniesucht, als unter Selbstverantwortung ein, natürlich immer unter der Prämisse ich bin 100% im Recht, möchte keine Preisreduktion und nur eine Beschwerde los werden. Eine Entschuldigung ist unumstritten ein Juwel beispielsweise im Beschwerdemanagement, in oben erwähnten Fall ist dem Spediteur anzuraten, mit einer Entschuldigung wieder den Kontakt herzustellen, um ein funktionierendes Kunden- und Beziehungsmanagement zu betreiben.