Pech, ich bin eben so …
Von Ralf Senftleben • 34 Kommentare
Ich glaube, jeder von uns hat irgendein Päckchen zu tragen. Irgendetwas, unter dem man manchmal leidet; etwas, was einem das Leben öfter schwer macht; etwas, was man sich anders wünschen würde. Manche fühlen sich zum Beispiel immer von allen ausgenutzt und können nicht Nein sagen. Andere haben immer das Gefühl, irgendwie ein Außenseiter zu sein. Ja, ich schätze mal, jeder von uns hat irgend so ein Thema, mit dem er unzufrieden ist.
Und wenn man dann irgendwann herausfindet, dass man nicht der Einzige ist, der dieses spezielle Problem hat, dann kann das sehr wohltuend und erleichternd sein. Denn wenn andere die gleiche Geschichte am Laufen haben, dann fühlt man sich nicht mehr ganz so verkehrt oder falsch. Und geteiltes Leid ist halbes Leid.
Ein Beispiel: Nehmen wir mal an, ich habe große Probleme, mich länger zu konzentrieren. Und ich fühle mich oft unruhig und zappelig. Und ich fange oft 100 Sachen an und bringe nichts davon zu Ende. Wenn es einem so geht, ist das im Alltag natürlich nicht so einfach, sich zu organisieren, und man bekommt vieles nicht so richtig auf die Reihe. Und darunter leidet natürlich mein Selbstvertrauen, besonders wenn ich mich mit anderen Menschen vergleiche, die gut organisiert sind.
Und irgendwann sagt mir dann jemand: „Hey, vielleicht hast du ja ADS (Aufmerksamkeits-Defizit–Syndrom)! Das haben ganz viele andere auch, auch als Erwachsene.“ Das ist dann wahrscheinlich ein großes Aha-Erlebnis. Und sobald ich einen Namen für mein Problem oder mein Päckchen habe, kann ich viel einfacher damit umgehen.
Ich kann mir vielleicht Literatur besorgen, Beratungsangebote in Anspruch nehmen oder ich kann mir Selbsthilfegruppen für das Thema suchen oder sogar gründen. Und vor allem kann ich Kontakt mit anderen Menschen aufnehmen, denen es genauso geht wie mir. Und dadurch kann ich vielleicht irgendwann „Ja“ zu meinem Päckchen sagen, dadurch besser damit umgehen und vielleicht sogar irgendwann aus dem Problem herauswachsen.
Deswegen ist es so hilfreich, einen Namen für das eigene Päckchen oder Problem zu finden, weil es oft der Anfang der Heilung oder eines gesünderen Umgehens mit den eigenen Einschränkungen ist.
Es gibt hier aber auch eine große Gefahr. Diese Gefahr besteht darin, sich selbst zu sehr mit seinem Problem zu identifizieren und sich als Mensch komplett über das Problem zu definieren.
- Ich bin eben ein ADSler, ich kann mich nicht konzentrieren.
- Ich bin eben ein Sozial-Phobiker, ich kann nicht gut mit Menschen umgehen.
- Ich bin eben ein Choleriker, ich habe meine Wut halt nicht unter Kontrolle.
- Ich habe eben Dyskalkulie, deswegen kann ich dieses Studium nicht beginnen.
Wenn ich anfange, so zu denken, dann wird das Etikett der Krankheit oder der Problembezeichnung zu einem festen Teil des eigenen Selbstbildes. Und das ist sehr hinderlich für mein weiteres persönliches Wachstum.
Denn Selbstzuschreibungen, die ins eigene Selbstbild gewandert sind, sind nur noch sehr schwer zu ändern. Weil wir nicht mehr daran glauben, dass wir sie ändern können. Wir denken, dass wir so SIND. Und was wir SIND, kann man eben nicht ändern.
Wenn ich fest daran glaube, dass ich eben tief in meiner Seele ein „unpünktlicher Mensch“ bin, dann werde ich nicht versuchen, daran etwas zu ändern, selbst wenn ich deswegen ständig Schwierigkeiten bekomme. Ich kann es ja nicht ändern, denn ich BIN schließlich so.
Womit ich nicht sagen will, dass man alles ändern kann. Das kann man nicht.
Aber erstaunlich oft ist bei der Lösung eines Problems der Engpass in unserem Kopf und nicht in der Realität. Und wenn wir nicht daran glauben, dass wir etwas zum Besseren ändern können, dann werden wir es gar nicht erst versuchen. Deswegen ist es so wichtig, vorsichtig mit diesen einschränkenden Selbstzuschreibungen zu sein. Und es ist wichtig, sich nie, nie, nie über die eigenen Probleme zu identifizieren und diese nie zu sehr zum Zentrum des eigenen Lebens zu machen, auch wenn es schwerfällt.
Denken Sie lieber anders über Ihre Herausforderungen nach:
- Ja, Sie haben dieses Problem vielleicht im Augenblick, aber Sie sind nicht dieses Problem, Sie sind noch viel mehr.
- Sie haben vielleicht im Augenblick diese Einschränkung oder dieses Problem (aber sie haben es nicht zwingend für immer)
- Sie haben vielleicht Trainings- oder Wachstumsbedarf in einem Bereich.
- Sie haben vielleicht NOCH nicht gelernt, wie man mit bestimmten Situationen vernünftig umgeht, aber Sie können es lernen.
Statt zum Beispiel zu sagen „Ich bin Sozial-Phobiker“ sagen Sie lieber: „Ich habe im Augenblick noch ein paar ungünstige Muster in meinem Denken und Verhalten, aber das kann ich mit Training in den Griff bekommen.“
Oder statt zu sagen „Ich bin ADSler und da kann man nichts machen“ sagen Sie lieber: „Ja, ich habe einige Symptome, die man als ADS deuten kann. Aber ich kann lernen, das Beste daraus zu machen, die Sache als Stärke zu begreifen und an den Einschränkungen zu arbeiten.“
Ja, jeder von uns hat seine Probleme und Schwierigkeiten. Man könnte auch sagen, jeder hat seinen ganz persönlichen Wachstumspfad. Wenn Sie Ihre Herausforderungen als Weg vor Ihnen begreifen, dann ist es wesentlich einfacher, mit den Herausforderungen umzugehen. Und die Gefahr ist dann auch geringer, sich mit den eigenen Problemen zu sehr zu identifizieren und diese damit zu zementieren und dadurch stecken zu bleiben.





Klasse Artikel, das beschreibt recht gut meinen eigenen Werdegang, als ich entdeckte das ich etwas hatte was mich selber erklärte: ADS, konnte ich endlich damit anfangen gezielt an mir zu arbeiten und musste nicht mehr im großen Meer zu tauchen um vereinzelnt mal eine Perle zu finden. Heute sage ich zu mir das ich ein ein "Jäger" bin
(lt. Hunter - Farmer Theorie von Tom Hartmann)
Wodurch mein Augenmerk viel intensiver auf meine Stärken gelenkt werden und ich diese noch weiter entwickelnt kann, das stärkte mein Selbstbewusstsein und mein Selbstvertrauen, meine Schwächen fallen viel weniger ins Gewicht und ich habe Spaß am Leben wie nie zuvor und jeden Tag wird es besser und besser.
Ein wunderbarer Artikel, der die *Gefahr* des abstempeln lassen und sich eine Schublade zu begeben (und vielleicht auch aufzugeben) so treffend beschreibt.
Ich hatte die Diagnose *Rheuma - also rheumatoide Arthritis* erhalten, alle Gelenke betroffen, ich sollte mich auf ein Leben im Rollstuhl noch vor meinem 45. Geburtstag einrichten.
Zuerst habe ich dies getan, ja ich war so voller Schreck und Schmerzen, dass ich nur noch an Krücken vor mich hinvegetiert habe, aber dann nach ein paar Monaten dachte ich mir, dass kann es nicht gewesen sein, weder für mich - noch für meine Familie.
Ich habe mich informiert und ausprobiert, , angefangen mich wieder zu bewegen, Therapien gestartet und für mich entschieden, bestimmte wieder abzubrechen - und jetzt 4 Jahre nach der Diagnose arbeite ich wieder in meinem regulären Beruf, laufe bis zu 3 Stunden im hügeligem Gelände und lasse mir niemals mehr die Hoffnung nehmen oder mich in Schublade stecken.
In diesem Sinne, Danke für diesen Artikel.
Stimmt es ging mir auch so bis ich anfing mich mit dem zu beschäftigen was mir gut tut.
Heute Schreibe ich fast jeden Tag 5 Punkte auf die gut geklappt haben.
Außerdem habe ich eine liste mit 5 wichtigen Dingen die ich in meinem Leben erleben möchte.
Dann habe ich eine Liste mit 100 Punkten welche ich nach und nach schaffen möchte.
Damit beschäftige ich mich möglichst oft und schriftlich dadurch programiere ich mein Unterbewußtsein das die Dinge die ich mag immer mehr in den vordergrund kommen.
Negative verhaltensmuster lege ich so nach und nach ab da meine aufmerksamkeit auf dinge gelenkt sind die klappen.
Dadurch wird das Selbstbewußtsein ungemein gestärkt deshalb nache ich es auch weiter.
Probiert es einfach mal aus Ich würde mich freuen über ergebnisse zu hören ;-)
Hallo Thomas,
du hast wundervolles System entwickelt.
Kannst du wahrscheinlich verraten, welcher Coach (oder wahrscheinlich Psycholog) dir dabei geholfen hat!
Ich bedanke mich im Voraus.
Swetlana
Hallo Thomas, das ist wirklich eine gute Methode, die ich gerne so umsetzen möchte ! Danke Dir dafür !
Gruss, Sven
Hallo Zeit zum Leben,
ich möchte mich heute noch einmal für eure Inspiration bedanken. Ich hatte vor 3 Jahren einen Burnout mit einer schönen Depression. Nach 2 Wiederholungen geht es mit aktuell gut und ich arbeite täglich daran das es so bleibt. Ich möchte nicht sagen das es ein Kampf ist aber es kostet Energie. Diese Energie bekomme ich durch Entspannung und durch positive Informationen. Ich habe meine letzte Depression u.a. durch eure Seite überwunden und lese seit dieser Zeit jeden Newsletter und ziehe meine Energie daraus. Er gibt mir Kraft und bestätigt mich in meiner Person. Ich habe aktuell mit einigen meiner "alten" Freunden "Probleme" weil Sie mit meiner neuen Einstellung nicht klar kommen bzw. ich nicht mit Ihrer. Ich habe mich mit dem Thema ADS auseinander gesetzt und für mich festgestellt, das ich auch ein betroffener bin. Mit dieser Erkenntnis kann ich jetzt besser umgehen und weiß dass ich alles gaaaaaanz langsam und entspannt und überdacht angehen möchte. Was mir nicht immer leicht fällt.... Ich blicke aber positiv in die Zukunft und wünsche mir weiterhin bei mir zu bleiben. Einen schönen Sonntag wünscht Kai Rohrbach
Hallo zusammen,
so bin ich eben - das sagte mal eine "Freundin" zu mir und das hatte ich seinerzeit zu akzpetieren (heute ist sie nicht mehr meine Freundin).
Ich kenne das selbst auch nur zu gut, wenn ich von mir denke, das gehört zu dir, das kannst du nicht ändern. Das sind Überzeugungen, die sich schon sehr stark gefestigt haben, wer weiß, wie lange ich das schon glaube.
Wir sind genau das, was wir GLAUBEN. Das sind unsere Überzeugungen, das ist unsere Welt. Wenn ich das über mich glaube und damit praktisch abschließe, nach dem Motto, so bin ich halt, dann liegt darin ja ein sekundärer Vorteil. Ich brauche mich nicht ändern, die Anderen müssen mich so nehmen, wie ich bin.
Auf der anderen Seite nehme ich mir dadurch viele Entwicklungsmöglichkeiten, mein "Wachstum" stagniert. Ich stecke fest.
So eine Schublade für ein Thema/Problem was ich habe, ist einerseits für mich vielleicht leichter wegzustecken, sich aber darauf auszuruhen, ist keine Option. Ich kann ja meine Erkenntnisse nehmen und damit dann nach Wegen suchen, mein Problem zu lösen. Das kann manchmal bedeuten, dass mich ein Thema/Problem mein Leben lang begleitet. Aber, ich habe die Chance daran etwas zu verändern.
Ich nehme eine solche Herausforderung schon seit Jahren an. Mein Leben hat noch mehr zu bieten und jeder Schritt, den ich gehen und mich damit verändern konnte, macht mich stark :-))
Hallo,
es wäre schön wenn ich auch so positiv schreiben könnte wie meine Vorschreiber oben. Ich kreise seit Jahren um befristete Arbeitsstellen und jetzt hatte ich endlich eine feste Stelle und habe diese Woche erfahren, daß ich die Probezeit nicht bestanden habe. Seit ein paar Monaten hatte ich, nach 10 Jahren Single, endlich mal einen Freund und mit dem habe ich mich jetzt auch noch in die Haare gekriegt und er eröffnete mir, daß er seit einiger Zeit sich nicht mehr wohl fühlt mit mir. Zum erstenmal im Leben nehme ich ein leichtes Psychopharmaka. Es ist mir so peinlich, daß ich scheinbar nichts mehr auf die Reihe kriege. In meiner Familie war ich die, die keiner haben wollte. Es paßt alles!
Alles was gutes passierte in den letzten 6 Monaten ist in dieser Woche wie ein Kartenhaus zusammengebrochen und wahrscheinlich bin ich auch noch selbst schuld. Oder? Ich weiß nicht mehr wie ich mich verhalten soll? Ich scheine nicht in diese Welt zu passen!? Ausser ich verbiege mich solange bis ich nicht mehr weiß wer ich bin.
Es gibt zwei Personen in meinem Leben mit denen ich immer wieder in Konflikt gerate weil sie meinen, ich würde nicht den richtigen Ton treffen und es klänge so als würde ich Anweisungen erteilen. Aber das selbe denke ich über diese beiden Personen auch. Wir haben uns deswegen nun voneinander distanziert. Ich denke immer wieder darüber nach wie man das lösen könnte aber wir streiten blos und jeder fühlt sich ungerecht behandelt und verletzt. Ich weiß nicht wo ich ansetzen soll? Mein derzeitiger Freund meinte gestern, ob ich nicht merke, daß ich schon lange nicht mehr auf der Sonnenseite stehe.
Nachdenkliche Grüße!
Hallo,
ich denke, dass es für Sie richtig, war die Kontakte zu beenden, bei denen es immer wieder zu Konflikten kam.
Eines ist mir dabei aber aufgefallen. Die Kritik Ihrer Bekannten kontern Sie sogleich mit der Bemerkung: Ich habe bei denen auch die Meinung, dass sie mir Anweisungen geben.
Es sollte aber Thema sein, wie Ihr Verhalten anderen Menschen gegenüber ist - nicht wie die sich verhalten.
Mit Retourkutschen kommt man im Leben nicht weiter, sondern nur wenn man sich selber auf den Weg der Veränderung macht.
Was Ihre Probleme im Beruf angeht kann ich nichts zu sagen.
Aber es erinnert mich an eine Bekannte, die in etwa 20 Jahren angeblich ca. 10 mal aus einem Job gemobbt wurde.
Nun ist die Sache aber so, dass ich mir vorstellen kann, wieso man sie gekündigt hat.
Einen nachdenklichen Gruß von einer Frau mit Lebenserfahrung
Hallo Mag
Oft stecken wir uns selbst in Schubladen, manchmal stecken uns auch andere in Schubladen, der Efekt ist der gleiche. Je häufiger dies geschieht, desto mehr werden wir in der Schublade gefangengehalten, und das Denken "wer ich bin" zu einer Gewohnheit. Wir fokussieren mehr und mehr darauf, was wir sind, anstatt auf unsere und die Bedürfnisse der anderen zu achten. Für mich war die "Gewaltfreie Kommunikation" sehr hilfreich um mich von diesem Denken zu befreien.
Hierzu hat Zeitzuleben Buchbesprechungen von zwei Büchern, die mir sehr hilfreich waren.
http://www.zeitzuleben.de/1714-marshall-b-rosenberg-gewaltfreie-kommunikation/
http://www.zeitzuleben.de/1448-thomas-d-ansembourg-endlich-ich-sein/
Vielleicht eine brauchbare Weihnachtslektüre?
Thomas
Hallo Mag,
auch ich kenne das Gefühl, nicht mehr zu wissen, wie man sich noch verhalten soll .... nicht in diese Welt zu passen, außer ich verbiege mich bis zum Nicht-mehr-wiedererkennen.
Auch ich scheine, wenn ich meine Verzweiflung kund tue, den anderen in Anklagen zu ersäufen und Anweisungen zu erteilen, wie er sich mir gegenüber verhalten sollte, damit das Zusammenleben wieder klappen kann.
Ich muss sehr aufpassen, dass ich mir nicht selbst ein Stigma auferlege, dass ich nicht beziehungsfähig wäre.
Und doch muss ich mich immer wieder hinterfragen, muss erkennen, dass ich mit Forderungen nur das Gegenteil erreiche und den anderen weiter von mir weg treibe.
Ich muss bei mir anfangen, wenn ich etwas verändern will. Da führt kein Weg daran vorbei. Harte Arbeit ... doch ich bleibe dran und mache mir auch meine Fähigkeiten und positiven Seiten bewusst. Danke für den Artikel und die vielen guten Kommentare.
Herzliche Grüße!
Hallo Mag?!
zunächst bin ich von Deiner Ehrlichkeit beeindruckt.
Wenn man Deine Zeilen liest, scheint es wirklich, dass Dir nur Dinge begegnen, mit denen Du kämpfst, die Dir nicht gut tun und die Dich schon über lange Zeit belasten, die Dich vielleicht auch resignieren lassen, an Dir zweifeln lassen.
Insofern kannst Du für Dich als positive Seite vermerken, dass Du immer noch Energie aufbringst, weiter zu kämpfen. Das ist wirklich etwas positives.
Wieso meinst Du, wollte Dich in Deiner Familie keiner haben? Es klingt so, als wäre es nur Dein Gefühl – was aber nicht so sein muss.
Wie Ralph richtig schreibt: „jeder von uns hat irgendein Päckchen zu tragen. Irgendetwas, unter dem man manchmal leidet; etwas, was einem das Leben öfter schwer macht; etwas, was man sich anders wünschen würde.
Das ist tatsächlich so. Davon ist niemand ausgenommen. Vielleicht zeigt nicht jeder seine Sorgen so nach außen – das mag sein. Jeder versucht einen Weg zu finden, damit umzugehen. Das Gelingen ist unterschiedlich.
Deine Situation kann man „aus der Ferne“ natürlich nicht beurteilen.
Einer Antwort auf Deine Frage: „Du weißt nicht wo Du ansetzen sollst“ kann man sich vielleicht nur im Gespräch nähern. Hast Du denn jemanden, mit dem Du sprechen kannst?
Das Gefühl, sich nicht allein zu fühlen, halte ich für sehr wichtig.
Auch Ausgeglichenheit halte ich für sehr wichtig.
Wenn Du magst, kannst Du mir schreiben. Meine mail-adresse kannst Du bei zzl erfragen – mein Einverständnis hast Du.
Viele Grüße Vivien
ja,genau.der artikel ist klar und gut. wenn man das akzeptieren erst mal geschafft hat, egal bei welchem thema, ist es einfacher, wieder dorthin zu gelangen. der drang der selbstverbesserung ist spannend und knifflig, da in dem fall, wie mir in letzter zeit scheint, abwechselnd aktivität, aber auch geduld gefragt ist.abwarten..., was für eine herausforderung in unserer zivilisation. die schicksalsfee gibt es irgendwie wirklich. sie lässt die saat die du gesät hast aufgehen,es sei denn, du gräbst jeden tag den boden auf, um nachzusehen, wie weit es schon ist, haha.
Danke für den Artikel, und auch für die vielen Anderen!
Einige Jahre habe ich gesagt "Ich bin Borderlinerin", so habe ich Letzten Endes dann auch gelebt, und erst vor ein paar Monaten habe ich unter Tränen gesagt, dass ich Trichotillomanie (zwanghaftes Haareausreißen) immer haben werde.
Ich habe sehr an mir gearbeitet, unter Anderem mit Therapie, aber was mir am meisten geholfen hat, war, meine Kindheitsgeschichte anzunehmen, meiner Mutter zu vergeben, Vieles loszulassen.
Und was mir noch sehr geholfen hat- so oft wie es nur geht barfuss laufen. Außerdem übe ich mich in Dankbarkeit und das tut mir sehr gut!
Ein Spruch, der mir seit Jahren zur Seite steht, ist: "Nichts ist so negativ, dass es nicht auch etwas Positives hat."
Als Kind und Jugendliche bin ich jahrelang sexuell missbraucht worden; als ich Ende 2000 erste Erinnerungen daran bekommen habe, war nichts mehr, wie es vorher war und ab dann war mein Leben für ca. 8 Jahre ein schweres dunkles Chaos, in dem es mehr als einen Moment gab, in dem ich alles beenden wollte.
Dann kam ein Tag, an dem ich nicht mehr konnte/ nicht mehr wollte, aber das war auch ein Tag, an dem ich erkannt habe, was ich alles habe, dass ich alles habe, was ich zum Leben brauche.
Ich denke, dass dieser Moment ein erster Schritt aus meinem selbst auferlegten Gefängnis war.
Mittlerweile bin ich frei, ich sage mehrmals am Tag Danke, wenn ich morgens mit einem oder mehreren Hunden (wir haben 4) in der Feldmark unterwegs bin und die Sonne aufgeht, dann ist das einfach nur ein wunderschöner Moment, den ich in mir aufnehme und was Trichotillomanie angeht: Das ist immer noch ein Teil von mir und es ist okay, dass es immer ein Teil von mir sein wird. Aber es ist kein Zwang mehr und von mir aus dürfen meine Haare so lang wachsen, wie sie wollen :-)
Liebe Grüße
Hallo Joelle,
den Stempel *Borderline* kenne ich auch, für mich war die Diagnose eine Befreiung, aber das SVV wird wohl auch ein Leben lang zu mir gehören.
Das Annehmen der eigenen Kindheit - der in dieser Zeit stattgefundenen Gewalt - ist immer noch eine Aufgabe für mich, noch nicht abgeschlossen.
Ich habe auch oben den 2. Kommentar geschrieben und die Rheuma-Erkrankung am Anfang als weiter Bestrafung erlebt :-(
Der Zeitpunkt an dem ich die Verantwortung für mich wieder übernommen habe, war der Zeitpunkt den Du so treffend als Befreiung aus deinem selbst auferlegten Gefängnis beschreibst.
Ich bin selbst Mutter und kann behaupten (meine Tochter ist 12) einiges viel besser und anders gemacht zu haben, als meine Mutter.
Meine Tochter hat keinerlei Gewalt und Übergriffe erleben müssen, hat frei und unbeschwert durch die für mich schlimmsten Jahre gehen können, dafür bin ich sehr dankbar.
In diesem Sinne, Danke für deinen Post -
Anne
Danke erstmal für die vielen hilfreichen Artikel. Ich habe ein Problem ganz anderer Natur. Ich nin alkoholkrank und zur Zeit in einer Reha-Klinik in Rheinland-Pfalz. Hier muss man unbedingt sein Problem beim Namen nennen um den richtigen Umgang damit zu erlernen und JA zur Krankheit und NEIN zum weiteren Konsum zu sagen. Ich WILL...nicht..Ich MUSS...es muss aus der inneren Mitte kommen um damit umgehen zu können und zu erlernen. In der Gemeinschaft unter "Leidensgenossen" aller Altewrsschichten hoffe ich es zu schaffen und mich von dieser "Geisel der Menschheit" und dieser "Gesellschaftsdroge" endgültig lösen zu können. Ich bleibe bis Ende Januar in dieser in Deutschland einmaligen 8-wöchigen Kurzzeittherapie und hoffe dann für mich auf dem richtigen Weg in eine alkoholfreie Zukunft zu sein.
In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern und Freunden von -Zeit-zu-leben- eine friedliche und besinnliche Vorweihnachtszeit und ein ebensolches Weihnachtsfest. Ebenso für 2012 alles erdenklich Gute.
Liebe Grüße vom Sepp
Hallo Sepp,
ich finde es gut, wie ehrlich Du mit Dir umgehst und hier darüber schreibst.
Falls es Dir hilft, ich wünsche Dir alles alles Gute, dass Du Dein Ziel erreichst – und Du Dich nicht von „Tälern“, die Dir ganz sicher auch wieder begegnen werden, von Deinem Ziel abbringen lässt.
Du weißt, durchgestandenen Schwierigkeiten stärken.
Vielleicht könnte Dir das das auch mit helfen: Schreibe während Deiner Therapie Dein Leben auf (für Dich).
Vielen Dank für Deine Wünsche zum Weihnachtsfest – Dir ebenso!!!
Vivien
Ein wirklich schöner und guter Artikel - zumal ich gerade mit der Situation konfrontiert war, dass mein Freund fast fluchtartig die Wohnung verlassen hatte, weil meine erwachsene Tochter heute Nacht hier übernachtet hatte. Da er sagt, er könne sich nicht ändern und nicht auf sie zugehen (weil sie öfter was verbockt hat.. sie ist erst 18) stehe ich zwischen den Fronten und es nimmt mich sehr mit.
Da passte dieser Artikel in dieser Situation geradezu: da ein Mensch, der immerzu sagt, er wäre halt nun mal so und könne sich in seinem Alter nicht mehr ändern.
Ich kann da immer nur den Kopf schütteln und tief seufzen..
Auch ich habe ADS und das Chaos hat mich mein ganzes Leben lang begleitet.. ich akzeptiere es, lasse mich aber nicht mehr bis zur absoluten Trostlosigkeit davon beeinflussen. Ich habe gelernt, bewusster damit umzugehen, indem ich kleine Schritte unternehme, die dem großen Chaos entgegen wirken.
Die einzelnen Artikel, die ich oben gelesen habe, haben mich berührt und mir gezeigt, wie viele Menschen an ihrem "Schicksal" arbeiten...
Hallo Zusammen,
ich stehe zu dem, dass ich bin, wie ich bin und empfinde das als ganz großen Fortschritt auf meinem Weg. Ich sehe es nicht als Pech, dass ich bin, was ich bin, als großes Glück auch nicht. Es gibt Bereiche, in denen ich etwas verändere und Bereiche, die ich gerade unverändert lasse, weil sie mir schwer änderbar erscheinen und ich momentan dringend auf viele kleine Erfolgserlebnisse angewiesen bin. Das ist so und mir geht es gut damit, weil ich weiß, wie entmutigend die großen Ziele sind, wenn ich scheitere. Das kostet zuviel Energie und Energie benötige ich, um langfristig auf dem Weg weiterzugehen, den ich eingeschlagen habe. Vielleicht kann ich bald auch wieder größere Schritte gehen, dann ist das auch gut und wenn nicht, dann wird halt jedes noch so große Ziel in winzige Schritte zerlegt.
Ich finde es auch sehr wichtig, zu wissen, wenn man eine Erkrankung hat, welche es ist. Wenn ich nicht weiß, dass ich eine Depression habe, bleibt es eher zufällig, dass ich auf Hilfreiches stoße. Wenn ich es weiß, kann ich danach googeln und mir Hilfe oder Gleichgesinnte suchen. Das heißt aber noch lange nicht, dass ich die Diagnose als Ausrede verwende, um Dinge nicht zu tun, die ich tun will. Ich weiß dann aber, dass es damit schwieriger wird, es evt. in kleine Schritte unterteilt werden muß oder dass ich dafür länger brauche, als jemand, der diese Erkrankung nicht hat. Und: ich kann auch eine Entscheidung treffen: ist es mir wichtig genug, dass ich viel Aufwand betreibe, um als Kranker etwas wieder zu können, was im Bereich des "Durchschnittlichen" liegt. Einen Bücherwurm und Stubenhocker wird es vielleicht wenig schmerzen, eine Bewegungseinschränkung zu haben, als jemanden, der sich außer "sich bewegen" kaum etwas vorstellen kann.
Mir macht es Mut, mit wieviel Ausdauer Ihr an Veränderungen herangeht. Ich konnte erst mit der Veränderung anfangen, als ich mit mir einverstanden war, vorher habe ich mich an mein Sosein geklammert und wollte (oder konnte) keinen noch so kleinen Schritt tun. So zu sein kann also auch Sicherheit sein, dringend benötigte. Es ist immer alles relativ und jeder kann nur an dem Punkt beginnen, wo er gerade steht.
Ich bin froh, dass hier soviele Menschen zusammenkommen, die etwas verändern wollen, ihre Komfortzone verlassen, um etwas zu verbessern. Denn es ist viel bequemer, alles zu lassen, wie es ist. Vielleicht ist aber auch unser Leidendruck größer, als bei nichts verändernwollenden Menschen.
Ich las einen Spruch, der sinngemäß aussagt:
Es gibt viele Gründe, alles beim Alten zu belassen, aber nur einen Einzigen, etwas zu verändern: Du hältest es einfach nicht mehr aus.
nachdenkliche und
liebe Grüße und Euch Allen eine gute Zeit
Monika
Sie haben geschrieben :
"Ja, Sie haben dieses Problem vielleicht im Augenblick, aber Sie sind nicht dieses Problem, Sie sind noch viel mehr."
Da nichts von Dauer ist, SIND wir im Moment etwas, aber da es uns nicht gehört, werden wir es nicht HABEN.
Wir SIND immer dort, wo der Geist ist.
Was bin ich auch noch?
Manchmal kann es wirklich so scheinen, als sei ich mit meiner schwierigen Thematik ganz alleine im Schatten und alle anderen würden auf der Sonnenseite stehen. Eine Freundin sagte mal zu mir, dass ihr dazu folgender Merksatz Erleichterung verschafft habe: "Beneide niemanden um sein Glück, ohne dass du weißt, wie er es wirklich erlebt" - oder so ähnlich. Welche Haltung ich zum Neid habe ist ein anderes Thema. Hingegen glaube ich alle guten Gründe dafür zu haben, dass es mir erstens so geht, wie es mir eben gerade geht und zweitens, dass ich dabei den Glauben haben könnte, mir alleine geht es nicht gut – alle anderen stehen auf der Sonnenseite. Klar - wenn ich in einer mich belastenden Situation stecke, scheint es mir nicht mehr als natürlich zu sein,
- dass mein Fokus sehr stark darauf gerichtet sein kann
- dass ich dabei eine Art Tunnelblick entwickeln kann
- dass dabei diese Situation immer intensiver werden kann
- dass ich darin meine eigene "Schattenseite" entwickeln kann
Ich glaube, dass wir Menschen ganz, ganz viele Ressourcen, Fähigkeiten und Selbstheilungskräfte besitzen und wir es nicht immer schaffen, sie zu unseren Gunsten einzusetzen. Hiermit bin ich auch schon beim Kernthema angelangt. Wir bestehen nie nur aus Leiden, sondern gleichzeitig immer auch aus den unendlich vielen Ressourcen, die in uns stecken. Das heisst, wir sind viel, viel mehr als jenes was uns gerade beschäftigt und belastet. Nur weil wir unsere uns stärkenden Fähigkeiten momentan nicht bemerken oder scheinbar keinen Zugriff darauf haben, heisst dies nicht, dass sie nicht vorhanden sind - ganz im Gegenteil. Sie sind in uns, ob sie zum Tragen kommen oder nicht.
Die Haltung aus der Einsicht "Ich bin auch dies oder jenes was mich stärkt" kann zu einer heilenden Wende verhelfen. Eine Wende die darauf beruht den Fokus auf jenes zu richten, was mir gut tut, was funktioniert. Durch diese andere Fokussierung geschieht genau dasselbe, wie wenn ich mich vor allem auf jenes konzentriere, was mich plagt: das "Gute", das Funktionierende kann immer stärker und stärker werden. Wichtig ist mir dabei noch zu betonen, dass eine solche Einsicht viel mehr ist als einen Merksatz, einen Glaubenssatz, ein Mantra oder eine Lehre. Es ist:
- ein respektvolles Verständnis fürs Dasein (ich mache jederzeit gerade das, was mir zurzeit möglich ist; wenn ich es anders könnte, würde ich es bestimmt anders machen).
- ein Würdigen der mich belastenden Themen (sie haben ihre guten Gründe, dass sie da sind).
- ein immer wieder geduldiges sich darin Üben die Themen anzugehen (viele Themen haben auch viel Zeit benötigt, um zu dem zu werden, was sie heute sind).
Du wirst, liebe Leserin, lieber Leser, unschwer feststellen, dass wir uns damit in einem Themenbereich bewegen, welcher ganz viel Respekt, Wohlwollen, Wertschätzung, Verständnis und Geduld verlangt – und dies vor allem und zuerst uns selber gegenüber! Mich stetig auf irgendeine Art und Weise damit zu beschäftigen, bedeutet für mich genau jetzt die "Zeit zu Leben" leben.
Herzlichen Dank, dass du bis hierher gelesen hast und ein großes Danke für dieses Forum und eure spannenden Beiträge.
Ich wünsche dir für die kommende Tage eine frohe und dich wärmende Zeit.
Adrian
Hallo zusammen,
ich habe gerade den Artikel gelesen und mir gefällt der Inhalt ganz gut. Ich mache gerade selbst so ein Thema durch. Ich denke schon mein ganzes Leben, ich kann nicht zeichnen und würde so gerne in meinen Trainings die Flipcharts mit ein paar Zeichnungen aufpeppen. So habe ich jetzt einen Online-Zeichnen-Kurs belegt und werde Schritt für Schritt geführt und siehe da, ich mache Fortschritte. Ich werde bestimmt nie eine bekannte Malerin, aber ich werde besser. Es wäre echt schade, wenn wir zu uns selbst sagen, ich bin halt so und ich kann das halt nicht.
Ich möchte allen Mut machen, an sich zu arbeiten, es lohnt sich.
Schönen dritten Adventssonntag und liebe Grüße
Brigitte
Hallo zusammen,
es hat sicher alles seinen Grund. Und dem, was ich sage, geht ein Gedanke voraus. Nur so dahergeredet, gibt es nicht. Hinter mangelnder Veränderungsbereitschaft kann sicher auch Angst stecken. Den anderen auf Distanz bringen. Wir rutschen ja allzu gerne in bekanntes Fahrwasser, wenn es uns auch nicht gut tut. Und wir wissen, dass es anders besser wäre, aber wir kennen uns aus und fühlen und sicher, mit dem, was wir erlebt haben... ein Blick über den Zaun tut aber auch gut :-) Nur Mut!
Eben habe ich in der Tageszeitung einen Bericht gelesen, wo der Autor den Tipp gibt, auf das Ziel/Sieg zu schauen. Schaue ich beim Hürdenlauf auf die Hürde, treffe ich die auch.... schaue ich ein Stück über die Hürde, überwinde ich diese und komme ins Ziel. Die Kraft dazu haben wir. Der Blickwinkel ist entscheidend.
Ich denke schon, dass erst mal das JA wichtig ist. Die Annahme. Was ich annehme, kann ich dann auch gehen lassen. Los lassen. In jeder Sekunde kann sich alles ändern.
Die 'schlechten' Dinge immer vor dem Hintergrund der GUTEN Dinge sehen, finde ich wichtig. Und verzeihen und vergeben. Meinen Mitmenschen UND mir selbst.
Wir sind Menschen und brauchen zur Selbsterkenntnis und zum Wachstum Menschen. Gedanken und aufschreiben ist gut, aussprechen ist noch besser!!! Ein freundlicher Gruß im Alltag wirkt mitunter schon Wunder und tut gut. Und sei es nur ein Lächeln und sei das Lächeln noch so zaghaft. Nur Mut. Und sei es vor dem Spiegel. Anfangen. Das ganze Leben ist Veränderung. Alles wandelt sich. Jeder Tag schaut anders aus. Jeder Sonnenaufgang ist für sich es wert, dass wir ihn beklatschen. Staunen. Wahrnehmen. Die Vögel sind z. B. schon in Frühlingsstimmung. Letzten Sonntag in der Dämmerung auf dem Weg in ein Adventskonzert habe ich eine Amsel zwitschern gehört. Ja, wirklich, das war ein Brutgesang. Etwas verfrüht, aber wunderschön. Am Mittwochmorgen um 6 Uhr in der Frühe sitzt vor mir im Baum im Schein der Straßenlaterne ein Rotkehlchen und schmettert seine Weisen. Ich bin stehen geblieben und habe mir das putzige Kerlchen ein wenig näher angeschaut. Ich kann diese Situationen achtlos an mir vorüberziehen lassen. Ich kann diese Momente aber auch wahrnehmen. Das tut mir gut. Ich kann gut zu mir sein.
Weniger die Situation an sich, als wie die Emotionen - über die wir nun mal keine Kontrolle haben - die Gefühle, die da hochkommen, sind wichtig. Wollen angeschaut werden. Bejaht werden. Und da ist auch viel Schönes dabei :-))
Statt über die Dunkelheit zu murren, lieber ein Licht anzünden, heißt ein Spruch.
Gleich geht es mit einer Kerze und Tasse zum lebendigen Adventskalender.
Mit den besten Wünschen für einen Lichtblick :-)
Wir Menschen lieben eben Schubladen und fühlen uns nicht besonders wohl, wenn wir das richtige Fach für jemanden oder etwas nicht finden. Das kann echt zum Problem werden, vor allem, wenn wir uns dann zu sehr identifizieren. Guter Artikel ... weiter so. DANKE!
Hallo,
viele intensive Meinungen und Erfahrungen, aus jedem Kommentar spricht mich etwas an und ich kann vieles teilen.
Irgendwie tut es gut, so viele Menschen zu "lesen", die ähnlich denken und sicherlich auch ähnliches erlebt haben. Oftmals ist es schwierig, in der Alltags-Welt auch auf solche Menschen zu treffen. Um sich besser austauschen zu können, wünsche ich es mir und ich arbeite daran.
Ganz wichtig ist wohl in vielen Bereichen:
ersteinmal wahrnehmen, anschauen, betrachten, achtsam sein, entscheiden und dann verändern,sofern man es möchte.
Noch eine schöne Adventszeit,
Susanne
Lieber Ralf Senftleben,
grundsätzlich stimme ich dem Grundtenor bei, dass es wichtig ist, ein Problem benennen zu können, um es zu bearbeiten, auch dass man sich damit nicht identifizieren soll. Ich halte es allerdings für höchst problematisch, eine Küchentisch-Diagnose nach dem Motteo "das ist bestimmt ADS" zu übernehmen. Dies sollte man unbedingt einem ärztlichen Fachmann überlassen. Wenn es sich hier um eine ernsthafte Erkrankung handelt, ist diese auch professionell zu behandeln. Dies zu verschleppen oder falsch zu behandeln, wäre außerordentlich unverantwortlich.
Viele Grüße
Martin
Hallo Martin,
ob es darum geht?
UND dann erlebe ich so viele Diagnosen (leider oft vom Herrn Dr.) die so nicht sind.
Gerde ADS und ADHS sind oft Menschen, die Hochsensibel sind und das ist einfach keine Krankheit sondern ein Geschenk, wenn man den weiss damit umzugehen.
Sie werden häufig nicht verstanden von dieser Gesellschaft.
Es ging im Artikel ja gerade um den "Stempel" der vermieden werden sollte.
Nette Grüße Sarah
Danke für diesen Artikel.
Ich sehe es genauso: Leben ist Bewegung und zwar auch die geistige. Richtungen wechseln, neues ausprobieren und immer guten Mutes bleiben.
Zum Thema "ich habe....." durfte ich eine tolle Erfahrung machen. Ich habe in der Vorstellungsrunde einer Gruppe mal gesagt:"Ich habe eine Knoten in der Brust und will ihn los werden." Die Therapeuting sagte darauf hin:"Willst du nicht!!"
Ich war sehr sauer und aufgewühlt. Sie gab mir eine tolle Erklärung: Alle Dinge die ich HABE, will ich nicht her geben. Sie gehören mir ja...... Seid dem passe ich auf was ich sage. Ich habe meinen Satz umformuliert und es hat sich gezeigt, dass es gut war. "Ich habe ADS!!" (oder was auch immer)hat den selben Effekt. Sei vorsichtig, was du denkst, es könnte in Erfüllung gehen...
Liebe Grüße
Ich freue mich über diese Anschauungen! Es könnten meine bisher noch nicht so konkret ausgedrückten Gedanken sein.Was machen wir denn nun mit all den therapierten Menschen um uns herum?Ab fünf Jahr alt sind sie in diesem System gefangen.Was haben wir, die Betreuer dieser Kinder von diesem neuen Wissen? Sie kommen zu uns, und ihr Verhalten hat sich durch die Diagnose nicht verändert. Ausser, dass sie sich eines "Sonderstatusses"noch bewusster sind als vorher.Haben sie nicht gerade dies mit ihrem Verhalten schon vorher gezeigt?Vielleicht sollten wir wegkommen vom Klassifizieren, welches nichts anderes bedeutet als zu bewerten.Dies ist richtig, jenes ist falsch.Integrieren würde eventuell mehr helfen. Es gibt jetzt dieses und jenes.Alles gehört dazu.Aus dieser Perspektive heraus versuchen wir, den Bedürfnissen gerecht zu werden und uns selber dabei nicht aus den Augen zu verlieren.Jeder hat Anspruch auf sein Leben, Kompromisse sind gefragt.
Hallo,
meines Erachtens sollten wir dankbar sein für jedes Pro-blem. Es heißt ja nicht umsonst Pro-blem und nicht Contra-blem. Also ist es für uns und nicht gegen uns. Das wichtigste ist in jedem Fall erst mal die Akzeptanz dessen was ist. Und dann können wir fragen: Was will mir dieses Pro-blem sagen oder zeigen, so kommen wir der Lösung näher. Jedes Pro-blem enthält auch eine Lösung, die Lösung ist die andere Seite von dem Pro-blem, das können wir aber erst be-greifen wenn wir das Pro-blem nicht mehr als „Feind“ betrachten sondern als Überbringer einer Lösung!
Liebe Grüße
Liane
Hallo Miteinander,
vor zwei Jahren hatte ich am Arbeitsplatz einen völligen Zusammenbruch. Nichts ging mehr, ich weinte nur noch, Körper und Seele konnten nicht mehr. Nach längerem Klinikaufenthalt, gescheiterter Wiedereingliederung und großen inneren Kämpfen habe ich meine Tätigkeit (Führungsposition im Personalbereich) aufgegeben. Das Problem dabei war, dass ich zwar wusste, was ich nicht mehr will und kann, nicht aber, wohin der Weg gehen könnte. Alles in mir war leer, ich traute mir selbst die einfachsten Dinge nicht mehr zu. Mittlerweile arbeite ich in Teilzeit im Archiv (mein Wunschberuf der Jugendzeit) und daneben in einem Museum. Die Tätigkeiten sind befristet, mit wenig Aussicht auf Verlängerung oder gar Übernahme. Trotzdem geht es mir so viel besser als vorher in meinem gut bezahlten aber krank machenden Job. Ich habe gelernt, dass es immer einen Weg gibt und dass sich Türen öffnen, wenn andere sich schließen. Dies war ein langer Prozess und hätte mir jemand vor zwei Jahren erzählt, wie mein Leben heute aussieht, ich hätte nur den Kopf geschüttelt. Ganz wichtig war, mich aus der Opferrolle zu verabschieden und wieder "ja" zum Leben zu sagen (nicht: "ja, aber"!) und die Dankbarkeit. Ein Leitmotiv dabei war und ist ist der folgende indianische Weisheit (nach Häuptling Tecumseh):
"Wenn du am Morgen aufstehst, dann sage Danke für das Morgenlicht, für dein Leben und die Kraft, die du besitzt. sag Danke für deine Nahrung und die Freude, am Leben zu sein. Wenn du keinen Grund siehst, Danke zu sagen, liegt es an dir."
Klappt nicht immer - aber immer öfter :-)
Herzliche Grüße
Herr Senftleben, ich danke Ihnen herzlich für Ihren Artikel, den ich gestern Abend gelesen habe und der mir eine schlaflose Nacht beschert hat - im positiven Sinn! Ich habe im Internet stundenlang ausführlich zum Thema ADS recherchiert und bin ganz offensichtlich auf das "Problem" gestoßen, das mich seit meiner Kindheit begleitet. Der Schreck war zunächst groß, und es lief nicht ganz ohne Tränen ab - warum habe ich das nicht viel eher entdeckt? Es folgte eine unermessliche Erleichterung, und plötzlich ist vieles so viel klarer und auch einfacher.
Ihr Lieben, den Ansatz, die Dinge so positiv und als Herausforderung zu wachsen zu sehen, finde ich gut. Aber ich möchte doch anmerken, dass ich glaube, dass wir unsere inneren Strukturen auch anerkennen müssen. Um am Beispiel der Unpünktlichkeit zu bleiben, glaube ich, dass Unpünktlichkeit bei genauerer Betrachtung auch etwas sein kann, das auf der anderen Seite eine Fähigkeit nicht nur nach der Uhr zu leben zeigt. Vielleicht bin ich ein Mensch, der unpünktlich ist, weil das, was ich gerade tue, jetzt wichtig ist. Und vielleicht bin ich ein Mensch, der auf diese Art und Weise auch für andere Menschen da sein kann, auch wenn seine Zeit das eigentlich gar nicht zulässt. So ist die Unpünktlichkeit nur eine Seite der Medaille und diese Gabe die anderen Seite. Ich denke der Umgang mit unseren "Schwächen" erfordert einen sehr sensiblen Umgang. Und die Anerkennung dessen was ich bin, gehört für mich auch dazu. Manche Dinge kann man sicher ändern, manche aber auch nicht, denn sie sind keine Moment-Aufnahmen.
Vor einem Jahr gab mir mit viel Tamtam mein Hausarzt die Diagnose akuter Herzinfarkt. Sofortige Einweisung in eine Klinik. Dort wurden zig Untersuchungen gemacht und aufgrund der schlechten Werte sollte ich SOFORT dableiben.
Während des wartens auf ein Zimmer mit einem freien Bett habe ich beschlossen, KEINEN Herzinfarkt zu haben.
Der Arzt, dem ich das mitteilte war absolut entsetzt.
Das, das geht nicht stotterte er. Sie könnten sterben.
Ja, habe ich gesagt, kann sein, aber jetzt gehe ich nach Hause.
So hab ich es auch gemacht.
WIR BESTIMMEN UNSERE WIRKLICHKEIT. ICH sage was ist und was nicht ist.
Übrigens, mein Hausarzt grüßt mich nicht mehr.
Also, lasst uns raus aus den Schubladen springen.....hinein ins pralle Leben.
Herzliche Grüße
Sarah