Still (Susan Cain)
Von Nicole Alps • 4 Kommentare
„Still. Die Bedeutung von Introvertierten in einer lauten Welt“ von Susan Cain – München: Riemann Verlag, 2011 – 448 S. – ISBN: 978-3-570-50084-2 – 19,95 €
Ein schlichter weißer Schutzumschlag, ein Rabe und eine weiße Eule sitzen auf einer Stange und schauen sich an. Die Zurückhaltung einerseits und der Gegensatz der Vögel auf dem Buchcover andererseits passen gut zum Buchinhalt:
In „Still“ geht es um introvertierte Menschen und darum, wie sich der Unterschied zwischen Introvertierten und Extrovertierten in Lebensbereichen wie zum Beispiel Gesellschaft, Politik, Partnerschaften, Wissenschaft, Familie, soziales Leben auswirkt.
Als introvertiert bezeichnet die Persönlichkeitspsychologie zurückhaltende, beobachtende und reflektierende Menschen. Im Gegensatz dazu sind Menschen mit einer extrovertierten Persönlichkeitseigenschaft gesprächig und bringen sich meist schnell und gerne in Gruppen ein.
Wie der Untertitel des Buches „Die Bedeutung von Introvertierten in einer lauten Welt“ bereits anklingen lässt, geht die Autorin in „Still“ der Frage nach, was gerade diese introvertierten Menschen der Welt geben können. Darüber hinaus beschreibt sie, wie das Leben Introvertierter gestaltet sein muss, damit sie sich mit ihrem gesamten Potential einbringen können. Das Buch ist sehr umfangreich und behandelt unwahrscheinlich viele Aspekte, sodass ich hier beispielhaft nur einige wenige nennen möchte:
In den ersten zwei Teilen des Buches verbindet Susan Cain wissenschaftliche Erkenntnisse mit konkreten Lebenserfahrungen und Beobachtungen gesellschaftlicher Zusammenhänge. Sie zeigt,
- wie unsere Welt zu einer Welt geworden ist, die Extrovertierte über Gebühr belohnt und sich damit häufig wertvolle Beiträge Introvertierter entgehen lässt,
- am Beispiel eines Besuchs an der Harvard Business School, wie eine komplett extrovertiert orientierte Gesellschaft aussehen kann und wie introvertierte Menschen sich an so einem Ort fühlen und damit umgehen,
- welche biologischen Unterschiede es zwischen introvertierten und extrovertierten Menschen gibt und was diese Unterschiede mit politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen wie zum Beispiel dem Kennedy-Mythos oder wirtschaftlichen Krisen zu tun haben.
Im letzten Drittel des Buches geht es um praktische Empfehlungen:
- Wann macht es für einen Introvertierten Sinn, sich an die extrovertierte Welt anzupassen, und wie kann diese Anpassung auf gute Weise gelingen?
- Wie können Introvertierte und Extrovertierte miteinander umgehen, sodass sie sich besser verstehen, zum Beispiel in der Partnerschaft oder mit Freunden und Kollegen?
- Wie können Eltern introvertierter Kinder sich in der Erziehung verhalten, sodass ihre Kinder möglichst glücklich und zufrieden aufwachsen?
Das Buch enthält wissenschaftliche Theorie und Forschungsergebnisse, praktische Beispiele und einen Ratgeberteil mit wertvollen Anregungen für die Lebenspraxis. Darüber hinaus ist es absolut fesselnd geschrieben. Besonders gut gefallen hat mir, dass Susan Cain sowohl die Schwierigkeiten Introvertierter in einer extrovertierten Welt beschreibt als auch aufzeigt, wie vielfältig sich Introvertierte in diese Welt einbringen können. Damit kann „Still“ meinem Eindruck nach gerade den Menschen Mut machen, die darunter leiden, introvertiert zu sein.
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Ich habe das Buch gelesen und ebenfalls rezensiert: http://goo.gl/xFySn
Mein Fazit: Natürlich ist weder Extraversion noch Introversion besser oder schlechter. Dieser Artikel soll Introvertierten Mut machen, zu ihrer Art, in der Welt zu sein, mehr zu stehen. Sich nicht anstecken zu lassen vom Kult der Extraversion, nach dem Eindruck schinden und Selbstreklame wichtiger wären.
Introversion ist eine Persönlichkeitseigenschaft, die ergänzt jedoch nicht grundsätzlich verändert werden kann. Aber auch nicht verändert werden muss.
Ich finde das Buch v.a. auch für Extravertierte gut, die öfters mit Introvertierten zu tun haben. Getreu der Devise aus der Gewaltfreien Kommunikation: "Versuchen Sie erst zu verstehen und erst dann verstanden zu werden."
Hallo, das geht genau in die richtige Richtung, mich selber lieben und akzeptieren lernen, wie ich jetzt bin, und andere menschen lieben und akzeptieren lernen, wie die jetzt sind...das gefällt mir sehr gut...
Endlich habe ich erfahren, dass ich vollkommen in Ordnung bin. Ich muss mich nicht ändern. Bin ein wertvoller und schätzenswerter Mensch. Fühle mich ganz wunderbar. Jeder sollte dieses Buch lesen.
Hallo, das passierte mit mir vor etwas 30 Jahren auf meinem ersten Seminar dieser Art mit einem einzigen Satz:
"Jeder Mensch hat das Recht, so zu sein, wie er ist"!!!
Dieser Satz hat mein Leben verändert.
LG Doris