Eine Frage, eine Antwort … Treffen mit einem Genie
Von Ralf Senftleben • 8 Kommentare
In unserer neuen Rubrik „Eine Frage – eine Antwort” haben wir dieses Mal unseren guten Freund Tom Freudenthal gefragt
Wenn Du einmal auf Dein Leben zurückblickst: Welches Ereignis bzw. welche Situation hatte nachhaltig den positivsten Einfluss auf Dein Leben?
und die folgende Antwort bekommen:
“Das Interview verlief erstaunlich. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt schon einige Hundert Radiobeiträge für die ARD hinter mir, aber so etwas hatte ich noch nicht erlebt:
Dieser hochgewachsene Mann mit Glatze da vor mir sprach jetzt schon zwei Stunden lang. Druckreif. Fehlerfrei, ohne Ähs und Wiederholungen spannte er einen Bogen von den Taoistischen Unsterblichen bis zur Quantenphysik Erwin Schrödingers.
Später im Studio musste ich nur noch ein bisschen was rausschneiden und fertig war die 2-Stunden-Sendung.
Das ist jetzt über 10 Jahre her und mein erster Kontakt mit einem lebenden Genie.
Und dieses Interview war, glaube ich, auch der Moment, der meinem Leben eine völlig neue Richtung geben sollte …
20 Jahre früher hatten meine damalige Frau und ich oft darüber gerätselt, wie man wohl folgende drei Kriterien im Leben vereinen könnte:
- beruflich etwas zu tun, was richtig Spaß macht und einen erfüllt
- dafür nicht jeden Tag eine Stunde im Stau in die Stadt fahren zu müssen
- und dazu dann noch mit einer guten Sache Geld zu verdienen
Damals wohnten wir in einem Vorort von Hamburg und hatten davon definitiv noch nichts erreicht.
Aber diese Vision war von da an so eine Art Lebensziel für mich – mein privater Leuchtturm, den ich manchmal nicht mehr sehen konnte oder auch mal eine Weile vergessen sollte, der aber im Hintergrund immer seine Signale aussendete
Am Tag des oben erwähnten Interviews war meine Realität allerdings noch ziemlich weit entfernt von dieser Vision …
Zwar hatte ich eine halbwegs erfolgreiche Karriere als Radiojournalist hinter mir, aber auch schon einen großen Lebenstraum begraben müssen – nämlich Berufsmusiker zu werden. Weder als Musiker noch als Journalist war ich letztlich trotz harter Arbeit wirklich erfolgreich.
20 Jahre auf der Suche und immer noch keine wirkliche Antwort.
Was ich im Rückblick allerdings hätte sehen können, war eine Art roter Faden, der sich trotz aller Berufs-, Orts- oder Partnerwechsel kontinuierlich durch mein Leben zog – nämlich die Lust am Weitergeben von Wissen, Erkenntnissen und Fähigkeiten. Egal welchen Beruf ich gerade hatte – Musiklehrer, Therapeut, Journalist, Hundetrainer –, irgendwie hatte ich immer Gelegenheiten gesucht, um zu unterrichten, zu coachen, Vorträge zu halten oder Gruppen zu leiten.
Das machte mir Spaß und das konnte ich auch besser als alles andere. Nur war das noch kein Beruf und Geld verdienen konnte ich damit auch noch nicht.
Zurück zum Interview mit dem Genie. Ich weiß nicht, ob das bei allen Genies so ist, aber dieser junge Mann hatte im Schnitt alle drei Jahre ein neues Thema, das ihn faszinierte. Damals war es gerade die Frage, warum alle anderen um ihn herum so langsam lernten und sich nichts merken konnten. Noch nicht einmal Telefonnummern.
Und da dieser junge Mann ein charismatischer Redner war (ist), entwickelte er aus dieser Frage ein Seminarkonzept, das Menschen beibringen sollte, zu lernen wie ein Genie.
Ich glaube, ich war bei fast allen Workshops dabei. Das Faszinierende an seinem Ansatz war nämlich, dass er Techniken zusammenführte, die bis dahin alle nur einzeln gelehrt wurden. Also Methoden wie SpeedReading, MindMapping, Entspannung oder Gedächtnistraining – die wurden plötzlich zu einem integrierten, großen Ganzen (was ja auch sinnvoll ist, denn sie repräsentieren alle unterschiedliche Teile des Lernprozesses) …
Sehr spannend.
Als sich das Genie dann aber wieder einem neuen Thema widmen wollte, kam die Frage, wer denn Lust hätte, diese Seminare weiterzuleiten. Fünf schrien hier, einer hat’s dann wirklich umgesetzt. Ich
Bis allerdings aus dieser Anfangsidee Workshops wurden, die auch für die Teilnehmer wirklich Veränderung bewirkten – das war dann doch noch ein langer Weg. Denn charismatische Vorträge sind zwar faszinierend, aber wirklich neue Wege schlagen Menschen nur ein, wenn sie Neues ausreichend oft üben können und dann auch direkt damit Erfolge erleben und fühlen.
Aber seine Idee war der Beginn einer ganz neuen Karriere für mich. Plötzlich kam alles zusammen, was sich inzwischen bei mir an Fähigkeiten und Talenten angesammelt hatte: vom Umgang mit großen Mengen an Lesestoff (Journalist) über das „Fühlen“ und Leiten von Gruppen (Therapeut) bis zum intelligenten Strukturieren von Lernprozessen (Musiklehrer) – all das war nötig, um gute Workshops zu halten.
Und bevor ich es richtig merkte, hatte ich mein „Ding“ gefunden und eigentlich schon zwei Ziele erreicht – wirklich Spaß im Beruf zu haben und mit einer guten Sache (Menschen zu helfen, schneller und besser zu lernen) Geld zu verdienen.
Das dritte sollte auch noch kommen – allerdings anders als erwartet.
Das mit dem Geldverdienen klappte damals noch nicht so richtig. Zwar können Workshops durchaus lukrativ sein, aber es gibt Jahreszeiten, in denen Seminare kaum gebucht werden, und in diesen Monaten war ich meist pleite
Dann kam das Internet. Plötzlich wurden Online-Workshops möglich. Und jemand namens Ralf Senftleben erfand die Workshopwelt
. Auf einmal konnte ich übers Internet arbeiten, von wo ich wollte, und meine Workshops „virtuell“ weitergeben.
Das Internet war für mich deswegen ein Segen, weil oben erwähntes Genie mich nach dem Lernthema zu einer zweiten Reise anstiftete und ich mich auf die Suche nach dem „Sinn des Lebens“ machte. Die führte mich zu einem Zen-Meister namens Adyashanti an die Westküste der USA, und dort konnte ich nur deswegen leben, weil ich Centered Learning online unterrichten konnte – eben übers Internet.
Und plötzlich war auch das dritte Ziel Realität geworden, nämlich zu arbeiten wie und wo ich will. Ortsunabhängig und selbstbestimmt.
Heute lebe ich in den USA, bin mit einer Amerikanerin verheiratet, habe meine Green Card, ein altes romantisches Farmhaus und arbeite von zuhause aus.
Sehr ruhig und entspannend, aber als Ausgleich dafür sind wir zweimal im Jahr für 8 Wochen in Deutschland und geben Seminare – das ist dann richtig Action.
Irgendwie sind alle diese Ziele von damals wahr geworden …
Und wenn ich eines gelernt habe in den letzten 30 Jahren, dann ist es dies:
Es lohnt sich, zu suchen. Und zwar so lange, bis man es gefunden hat. Auch wenn das bedeutet, dass man Risiken eingehen muss, Dinge aufgeben, neu anfangen, sich immer wieder in Frage stellen und Neues lernen. Es lohnt sich – es dauert nur meist länger, als man denkt …
Der Weg dahin hat manchmal ordentlich Existenzängste ausgelöst. Das war anstrengend und ich musste oft vieles von dem aufgeben, was ich mir bis dahin aufgebaut hatte. Manchmal war ich nicht sicher, ob ich’s mit meiner Risikobereitschaft nicht ein bisschen übertrieben habe. Und im Paradies lebe ich immer noch nicht.
Aber ich bin deutlich näher dran als noch vor 10 Jahren
Und ohne dieses Interview würde ich jetzt mit Sicherheit nicht vor unserem Holzofen im Wohnzimmer mit dem Laptop auf dem Schoß sitzen und diesen Artikel schreiben … in Virginia …”

Tom Freudenthal
Tom Freudenthal begann als Musiker. Daraus wurde ein Pädagoge, ein Therapeut, ein Redakteur und danach ein Radiojournalist für die ARD. Am Ende kam alles zusammen und er fand seine Berufung (nach 20 Jahren
) – nämlich als Lernexperte anderen Menschen zu helfen, schneller, einfacher und dauerhafter zu lernen.
Eine lange Forschungsreise auf der Suche nach der Antwort auf die Frage “Wer bin ich?” führte ihn letztlich in die USA, wo er heute lebt und arbeitet.
Dank Internet baut er seine Online-Firma Centered Learning von dort aus auf und kommt zwei Mal im Jahr zurück nach Deutschland um Workshops zu leiten. Alles was sich daraus entwickelt hat, findet man unter www.Centered-Learning.de.





Auch ich finde mich in vielen Teilen des Artikels wieder. Mir gefällt besonders, dass hier aufgegliedert ist, was ein guter Workshopleiter wirklich braucht. Nämlich nicht nur eine Idee oder ein bischen Talent oder Geschäftssinn u.s.w. Es ist wohl eine Kombination aus Vielem und eine ordentliche Portion pädagogisches Geschick erforderlich, um konstant gute Leistungen und Ergebnisse zu erzielen. Und langfristig werden nur die Menschen im Seminargeschäft "überleben" die die Menschen lieben und verstehen. Ups... aber so meine ich es wirklich.
Toller Beitrag!!!
Vielen Dank.
Erika Lindner
Warum haben Sie nicht den Namen diese Genies verraten?
Es wäre gut, dass Sie ihn uns verraten. (Oder aber das Verheimlichen begründen.)
Danke.
Ich würde auch gerne wissen, wer dieses Genie war.
tja, ich wüsste auch gerne um wen es sich handelt....der Artikel ist sehr,sehr interessant, mein Mann und ich sind noch am lesen und diskutieren. danke.
Ich kann mich dem nur aschließen: Toller Artikel, wie übrigens sehr viele von Herrn Senftleben! Auch ich kann aufgrund einschneidender Ereignisse in meinem Leben der letzten 4 Jahre einigen erwähnten Aspekten nur zustimmen. Mein Fazit lautet ebenso: Es ist nie zu spät, ob für´s Lernen, körperlicher Erüchtigung oder dem Beenden von Süchten. "Prüfet alles und behaltet das Beste" steht im Buch der Bücher. Ein jeder hat die Entscheidungsfreiheit seine Zeit "auszugeben" - sei des für gewinnbringende Heldenshows im Dschungel oder von vermeintlichen Superstars - oder für Dinge die einem im Leben wirklich etwas bringen :-)
Ich wüßte auch gerne wer das Genie ist.
Da kann ich weiterhelfen:-)
Es handelt sich um Christian Opitz - eine kurze Biographie findet man unter folgendem Link:
http://www.lebensqualitaet.at/docs/Christian%20Opitz_vita.pdf
Toms Arbeit lässt noch recht deutlich die Spuren von Christians Konzept erkennen (was ich aber ok finde - er verheimlicht es ja auch nicht...)
Als Mutter eines leseunlustigen Sohnes - vor 8 Jahren Hauptschulabschluss 5,0, entwickelt er sich inzwischen prächtig- bin ich begeistert auf Tom gestoßen zu sein und auf sein Engagement- Begeisterung ist einfach ansteckend!!!!Ist echt ein Genie- für das andere Genie interessiere ich mich auch!
Best regards
Birgit
Ja, Begegnungen...
Da fällt mir ein interessanter Vortrag ein:
Informatiker Prof. Dr. Werner Gitt: Begegnungen, die das Leben verändern, kostenlos unter www.dwg-load.net