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Andere Menschen akzeptieren lernen

Von Ralf Senftleben22 Kommentare

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Es gibt Menschen, die wir am liebsten nur von hinten sehen. Oder noch besser: gar nicht. Diese Menschen regen uns irgendwie auf und berühren uns unangenehm. Manchmal durch das, was sie tun. Manchmal einfach nur durch ihre Art, also dadurch, das sie sind, wie sie eben sind.

Gibt es so jemanden für Sie? Kennen Sie jemanden, der Sie durch seine Art aus dem Gleichgewicht bringt?

Ich rede hier übrigens nicht von den Menschen, die uns durch ihr Verhalten wirklich schaden. Das ist noch mal eine andere Nummer. Ich rede hier allein von Menschen, die uns durch ihre Art auf die Nerven gehen.

Normalerweise ist das ja keine Sache. Wir gehen diesen Menschen einfach aus dem Weg. Problem gelöst.

Aber was, wenn wir mit diesen Menschen umgehen müssen, die uns so aufregen? Zum Beispiel, weil es Verwandte sind, denen wir zwangsläufig begegnen. Oder Kollegen. Oder Bekannte, die wir durch unseren Freundeskreis regelmäßig sehen.

Was machen wir dann?

Wir können diese Menschen natürlich spüren lassen, dass wir sie nicht mögen. Wir schneiden sie dann oder lassen sie auflaufen. Oder im Extremfall sind wir sogar offen feindselig oder respektlos.

Aber die meisten von uns sind ja zivilisiert und versuchen trotzdem höflich zu sein, auch wenn wir jemanden nicht mögen. Wir reden dann vielleicht mal hinter dem Rücken über denjenigen. Aber wir versuchen, im direkten Kontakt trotzdem einigermaßen freundlich zu ihm oder zu ihr zu sein.

Natürlich kommt es meistens trotzdem irgendwie rüber, dass wir den anderen nicht mögen, auch ohne dass wir es beabsichtigen. Denn über unsere Körpersprache und die ganzen Mikrosignale, die ca. 80 Prozent unserer Kommunikation ausmachen, haben die meisten von uns ja keine Kontrolle.

Das alles ist natürlich vollkommen normal. Wir müssen ja auch nicht jeden mögen. Aber unser Thema hier bei „Zeit zu leben“ ist ja Persönlichkeitsentwicklung.

Deswegen möchte ich Ihnen einige Ideen vorstellen, wie Sie es für Ihr persönliches Wachstum nutzen können, wenn Sie jemanden nicht leiden mögen.

Denn man kann ja nahezu alles nutzen, um die eigene Persönlichkeit zu stärken. Warum also nicht die Dinge, die einen nerven?

Also los …

Idee 1: Es ist Ihr Problem

Machen Sie sich bitte klar: Es ist allein Ihr Problem, wenn Sie den anderen nicht leiden mögen. Der andere ist, wie er ist. Wenn Sie damit nicht klarkommen, hat das mehr mit Ihnen als mit dem anderen zu tun.

Es ist ja nicht die Aufgabe anderer Menschen, so zu sein, wie Sie es gerne hätten. Genauso wenig, wie es Ihre Aufgabe ist, so zu sein, wie es andere von Ihnen erwarten.

Andere Menschen respektlos oder unfreundlich zu behandeln, nur weil sie nicht so sind, wie Sie es für richtig halten, ist nicht o. k.

Denn Sie wollen ja auch nicht blöd behandelt werden, nur weil jemand anderes der Meinung ist, dass Sie anders reden oder sich anders verhalten sollten, oder?

Idee 2: Sie sind auch nicht perfekt

Machen Sie sich vielleicht auch klar: Es gibt da draußen auch Menschen, die Sie doof finden, nur weil Sie eben so sind, wie Sie sind.

Egal für wie freundlich, cool, toll oder erwachsen Sie sich halten: Irgendwo da draußen gibt es Menschen, die Sie völlig grundlos nicht mögen. Vielleicht wegen Ihrer Kleidung, Ihrer Herkunft, Ihrer Wortwahl oder wegen irgendwelcher kleiner Details, derer Sie sich gar nicht bewusst sind.

Da kann man sich noch so anstrengen, es allen recht zu machen und von allen gemocht zu werden. Man wird es nicht schaffen. Denn jeder hat kleine Macken und Eigenarten. Der eine ist zum Beispiel unordentlich und der andere pedantisch. Beides ist nicht richtig oder falsch. Und beides kann manch einen auf die Palme bringen.

Fänden Sie es richtig, wenn Sie von diesen Menschen wegen Ihrer ganz eigenen Art unfreundlich behandelt werden würden? Oder wenn man Sie deswegen schneiden oder Sie sonst wie benachteiligen würde?

Sie haben es wahrscheinlich schon erkannt: Ich will auf die goldene Regel hinaus:

Behandele andere so, wie du auch behandelt werden möchtest.

Wenn das alle machen würden, wäre die Welt einen kleinen Tick besser.

Ausgehend davon noch ein anderer Gedanke bzw. eine Frage: Schauen wir vielleicht so auf die Fehler der anderen, damit wir uns nicht mit unseren eigenen Schwächen auseinandersetzen müssen?

Sie wissen ja: Ich sehe den Splitter im Auge des anderen, aber nicht den Balken vor meinen Augen …

Harte Frage! Aber die Art von Fragen, die einen persönlich weiterbringen kann.

Idee 3: Verständnis haben

Noch ein Gedanke, der mir persönlich immer sehr hilft:

Wir Menschen wollen doch eigentlich alle nur das Gleiche. Wir wollen gesehen und wertgeschätzt werden. Wir wollen lieben und geliebt werden. Wir wollen uns sicher fühlen. Und wir wollen uns manchmal wichtig fühlen.

Unsere Wege zu diesen Wünschen sind vielleicht unterschiedlich. Aber wir haben alle die gleichen Ziele. Wir haben also mehr gemeinsam, als uns letztlich trennt. Wir sitzen alle im gleichen Boot.

Dazu kommt: Jeder Mensch hat seine Geschichte und hat seine guten Gründe, warum er so ist, wie er ist. Jeder von uns hat seine guten, aber auch hässlichen Erfahrungen gemacht. Und deswegen sind wir so, wie wir sind. Wir sind alle auch ein Produkt unserer Kindheit und unserer Umgebung. Wir haben uns also zu einem guten Maß nicht ausgesucht, wie wir sind. Wir sind alle auch zu dem gemacht worden. Und jemandem das dann vorzuwerfen ist irgendwie ein bisschen unfair.

Was ich sagen will: Haben Sie ein bisschen Verständnis für die anderen da draußen. Wir haben es alle manchmal schwer. Und wie schon gesagt: Niemand von uns ist perfekt.

Idee 4: Güte und Toleranz trainieren

O. k., die ersten drei Ideen waren ein bisschen moralisch. Ich gebs zu. Kommen wir jetzt mal zu einer Idee, die Ihnen ganz persönlich nutzen kann. Also jetzt kommt Egoismus pur.

Es gibt ja einen interessanten Zusammenhang zwischen unserer inneren und unserer äußeren Welt. Und dieser Zusammenhang lautet: Je gesünder, gütiger und toleranter ich mit anderen umgehen kann, desto gesünder, gütiger und toleranter kann ich auch mit mir selbst umgehen.

Also: wie im Innen, so auch im Außen.

Wie ich andere behandele, so behandele ich normalerweise auch mich selbst. Wer hart zu anderen ist, ist auch hart und oft gemein zu sich.

Die Idee ist: Wenn ich es schaffe, zu denen gütiger und toleranter zu sein, die ich nicht mag, dann schaffe ich es vielleicht auch, ein bisschen wohlwollender auf die Teile von mir zu schauen, die ich an mir nicht mag. Ich schaffe es also dann, mit mir selbst gütiger und toleranter umzugehen.

Deswegen können wir die Menschen da draußen, die wir zuerst mal nicht leiden können, als Helfer nutzen. Indem wir selbst zu anderen netter sind, werden wir mit der Zeit netter, nachsichtiger und gütiger mit uns selbst.

Schönes Ziel … aber wie schafft man es, netter zu Menschen zu sein, die einen nerven?

Zuerst ist eines nützlich: Geben Sie es vor sich selbst zu, dass der andere Sie nervt. Es nutzt nichts, es zu unterdrücken oder zu verdrängen. Erlauben Sie sich den Gedanken und die Gefühle lieber zuerst, bevor Sie sie loslassen.

Sagen Sie sich innerlich:

„Der Typ ist ätzend“ oder „Mann, die nervt“ und „Ich erlaube mir, das zu denken und zu fühlen“,

aber sagen Sie sich innerlich auch:

„Und das hat jetzt wahrscheinlich mehr mit mir zu tun als mit dem anderen. Und ich kann das nutzen, um meine Güte und Toleranz zu trainieren. Deswegen nehme ich diese Gefühle jetzt mal nicht so ernst und lasse sie vielleicht sogar ein bisschen los.“

Und dann machen Sie sich auf die Suche nach den positiven Eigenschaften Ihres Gegenübers. Schauen Sie nicht auf die Schwächen, sondern auf die guten Seiten des anderen. Fragen Sie sich dazu:

Indem Sie Ihren Verstand durch solche Fragen bewusst auf die positiven Seiten eines Menschen richten, ziehen normalerweise Ihre Gefühle auch ein bisschen nach. Versuchen Sie es einmal. Das ganze Prozedere erfordert ein bisschen Übung. Aber es lohnt sich.

  1. joachim schreibt am 24. Januar 2012 um 09:26

    Das Thema finde ich klasse, weil es mir häufig begegnet. Das Ärgerliche am Ärgern ist, dass es niemandem nützt. Also was kann ich aus der Situation mitnehmen, was kann ich von meinem Gegenüber lernen? Diesen Ansatz finde ich gewinnbringend. Oder: Wir Menschen sind so verschieden, damit wir voneinander lernen können.

  2. Jacky schreibt am 24. Januar 2012 um 16:45

    Ja, Joachim, genauso sehe ich das auch. Wir ärgern uns, grämen uns und lassen dabei zu, dass es uns dadurch schlecht geht.

    Gelassenheit ist immernoch ein großer Schlüssel zum persönlichen Glück.

  3. David schreibt am 25. Januar 2012 um 07:53

    Seit ich diese Projektion oder das Spiegelgesetz bewußt kenne, ist mir einiges über mich klarer geworden als vorher. Es ist, wie Du es schreibst!
    Ich habe mal eine tolle Metapher dazu gehört:
    "Stell Dir vor, Du bist Torwart. Und da gibt es diesen einen Schützen in Deinem Verein, der immer nach rechts oben schießt. Und rechts oben ist echt, Deine Problemstelle. Jetzt hast Du die Wahl, Dich über de Anderen zu ärgern, ihm wer weiß welche gemeinen Gedanken anzudichten.
    Oder Du nimmst ihn als den besten Trainingspartner für den Augenblick wahr, an dem Du Deine Fähigkeiten verbessern kannst."
    Diese Art der Reflektion ist einfach, aber nicht leicht umzusetzen. Aber da steckt soviel in uns, was wir mit solchen Schaufeln freilegen können.
    Danke Ralf, dass Du mich daran erinnert hast

    • Nela schreibt am 29. Januar 2012 um 08:48

      Hallo David,
      du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. Die Projektion ist das Eine, das Andere ist, dass wir erst wenn wir uns selbst anerkennen, vertrauen und lieben, wir es auch mit anderen Menschen können. Das Beispiel mit dem Torwart ist echt genial.
      Danke und noch einen schönen Sonntag.
      Herzliche Grüße
      Nele

  4. Evelyn-Alice Baudisch schreibt am 29. Januar 2012 um 08:35

    Danke dir lieber Ralf
    Wie immer ein tolles Thema und so hautnah an uns selber.
    Wenn ich in diese Falle stolpere, frage ich mich immer
    Und Was macht das gerade mit mir?
    Was ärgert mich oder was mag ich nicht an der Person.

    Es ist eine schöne Übung sich selbst zu reflektieren.
    Ind wenn man erkannt hat, was es ist, fällt es leichter tolerant zu sein.
    wie heisst es so schön?
    Der werfe den ersten Stein....

    weiter so und sonnige Inselgrüsse
    herzlichst
    Evelyn-Alice

  5. Irene Steinfartz schreibt am 29. Januar 2012 um 10:04

    Hallo,

    da ich ein echter Gartenfan bin, denke ich in solchen Fällen, dass die verschiedenen Menschen wie verschiedene Blumen sind. Das Gänseblümchen ist schön und die Rose ist schön, und es macht gar keinen Sinn, die beiden vergleichen zu wollen - jede ist halt wie sie ist - und in den Augen Gottes oder des Universums sind beide vollkommen, weil sie eben so und nicht anders erschaffen worden sind, und das auch vollkommen Sinn macht. Diesen Sinn erkennen wir als Menschen nur halt oft nicht.

    Liebe Grüße an alle, die hier so eifrig an sich arbeiten - das macht die Welt noch ein Stück schöner. Irene

  6. Monika schreibt am 29. Januar 2012 um 11:25

    Hallo zusammen,
    das mit dem Gänseblümchen und der Rose ist ein wundervolles Bild und das mit dem Torwart auch. Ich versuche seit Langem, das Positive in den Menschen zu sehen. Dadurch komme ich immer wieder in Konflikt mit denen, die (ver-)urteilen, mit denen, die sich nicht gesehen fühlen, weil ich Ihre Ablehnung nicht teile.
    Und das sind nicht die Menschen, die sich diesen Newsletter schicken lassen und Lust zum experimentieren haben. Denn die sind der Meinung, dass sie recht haben, besonders dann, wenn es andere gibt, die Ihre Verurteilung teilen.Seltsame Sache, aber mir geht es insgesamt besser, wenn ich das positive sehe in den Menschen, schon aus Selbstschutzgründen, mich regen Menschen selten auf, wofür soll das auch gut sein? Die anderen sind ja nicht dazu da, um mir zu gefallen und ich habe wie jeder andere auch die Möglichkeit zu gehen.

    Aber wie schützt man sich vor Menschen, die meinen, das Recht zu haben, über einen zu bestimmen, wenn eine Trennung nicht möglich ist, z.B. alte und/oder kranke Familienangehörige?
    Haben die das Recht, einen zu schickanieren? Oder läßt man sich schickanieren, weil man von sich eine schlechte Meinung hat und/oder Mitgefühl mit dem Kranken?

    Ratlose Grüße und eine schöne Woche
    Monika

    • alexandra schreibt am 29. Januar 2012 um 12:37

      Liebe Monika,

      probiere vielleicht Folgendes: Wenn eine über dich bestimmende Aussage kommt, stelle diese als e i n e Möglichkeit von vielen dar und frage zurück:" Du meinst also ich könnte die Angelegenheit auch auf d i e s e Weise erledigen? Danke, das ist auch eine mögliche Sicht der Dinge. Ich werde sie mir durch den Kopf gehen lassen."

      oder: "Du meinst aufgrund deiner Erfahrung ich könnte es auch auf diese Art versuchen zu erledigen. Danke für den Vorschlag - ich werde darüber nachdenken."

      Somit fühlt sich dein Gegenüber gehört und verstanden und du hast mehr Freiheit.
      Viel Spaß beim Ausprobieren...:-)

  7. Nadine schreibt am 29. Januar 2012 um 11:34

    Ich habe gemerkt, dass ich gelassener mit beschriebenen Situationen umgehen kann, wenn ich das mit mir selbst ausmache. Es verpufft quasi und bauscht sich erst gar nicht zu einem Problem auf. Automatisch hefte ich mich an die positiven Eigenschaften. Schlimm wird es, wenn ein Austausch über die negativen Seiten von Personen stattfindet (Kollegen), auch wenn es im Recht geschieht. Dann beschäftigt man sich noch mehr und intensiver damit und am Ende fühle ich mich schlecht und denke, dass ich mit dem nicht klar komme oder werde....Eigentlich tue ich unbewusst das, was uns von dir hier mitgeteilt wurde, aber ich finde es super, dass es so bewusst wird!!!

  8. Ruth Schmidt schreibt am 29. Januar 2012 um 11:34

    Ja zuerst mal DANKE , den es betrifft wie schon so oft mein inneres thema
    voll getroffen
    es geht einem ja umgekehrt genauso , man wird angegriffen , du bist ...du tust... und dieses immer .... ectr,
    sicher nobody ist perfekt , aber je unperfdekter man sich sich fühlt je perfekter muß das gegenüber sein , und man
    selbst für das gegenüber , dann wird nichts mehr akzeptiert
    da hilft auch immer ein bißchen humor
    und gerade weil wir nicht perfekt sind und es keiner ist , ist doch das leben lebenswert , denn wenn es anders wäre was wollten wir dann noch lernen
    allen noch eionen schönen sonntag
    Ruth

  9. claudia schreibt am 29. Januar 2012 um 11:53

    Hallo Ralf und ZZL-Fans

    ich kann das auch nur bestätigen.
    Mein fester Satz im Kopf ist, die anderen können sich nur "ändern", wenn ich mich "ändere". Als ich das vor ??? gelesen habe, fing ich an, die Menschen in meinem Umfeld zu akzeptieren, wie sie sind und es änderte sich alles sehr schnell. Auch Umstände in unserem Leben, so zu akzeptieren, wie sie sind, läßt alles einfacher werden.

    Ich habe zB immer durch die mir bekannten Tel.Nr. meiner Kollegen so was gedacht, wie "ach der" oder "nee den will ich jetzt garnicht sprechen". Als ich anfing, das Display bzw die Tel.Nr. für mich auszublenden, meldete ich mich mit der immer gleichen Stimme ohne Vorurteile - also so neutral, als wenn ein Kunde anruft - und das war dann für mich und die anderen sicher auch besser. Ich war überzeugt, das Man(n) am anderen Ende immer diese gedachten Sätze heraus"gehört" hat.

    allen einen schönen sonnigen Sonntag
    Claudia

  10. alexandra schreibt am 29. Januar 2012 um 12:39

    Ein Gedanke, der meiner Meinung nach etwas zu kurz kommt ist der, was die andere Person in m i r auslöst. Was finde ich schrecklich? Um welches Thema geht es? Ist es etwa bei m i r unterentwickelt oder in zu großem Ausmaß vorhanden?

  11. Maximilian schreibt am 29. Januar 2012 um 13:28

    Ich bin zur Zeit einer Situation ausgesetzt, mit der ich überhaupt nicht umgehen kann. Mir gegenüber sitzt ein Arbeitskollege, der nicht trinken kann, ohne zu schlürfen und zudem enorme!!! Essgeräusche von sich gibt. Mit jedem Bissen trinkt er noch einen Schluck Kaffee, so dass diese Essgeräusche mich an die Grenze des Zumutbaren bringen.Es ist auch nicht so, dass er nur zu bestimmten Zeiten isst und trinkt, sondern den ganzen Tag über. Meine Nerven liegen blank. Häufig stütze ich mich mit den Ellbogen auf den Schreibtisch, tue so als wenn ich lese, nur, um mir die Ohren zuhalten zu können. Ansonsten ist der Kollege voll in Ordnung. Es fällt mir schwer, Deinen Ratschlag in diesem Punkt anzunehmen. Hast Du evtl. auch einen anderen Rat für mich? (Ich reagiere sicherlich generell, was Essgeräusche anbelangt, empfindlich, aber in diesem Fall habe ich eher noch untertrieben). Maximilian.

    • Marietta schreibt am 29. Januar 2012 um 19:55

      Hallo, Maximilian,

      ich kann Dir nachfühlen, dass das eine fast unerträgliche Situation ist. Hier geht es aber doch nicht um das So-Sein eines Menschen, wie er eben ist, sondern um ein (veränderbares) Verhalten.

      Ich glaube, in diesem Fall hilft nur ein freundliches, aber klares Ansprechen, was dem anderen die Möglichkeit gibt, etwas daran zu ändern. Ohne Vorwurf, als Ich-Botschaft, z.B. "Wenn ich Essgeräusche höre, wird mir ganz übel, weil ich so erzogen wurde, dass das eklig ist. Hätten Sie eine Idee, wie wir das lösen können, dass ich es nicht mehr mitbekomme, ohne meine Arbeit durch Rausgehen unterbrechen zu müssen - dass Sie entweder draußen essen oder sich einen anderen Ess-Stil angewöhnen, oder etwas ganz anderes, worauf ich noch nicht gekommen bin?"
      Dann hat man einen Teil der Verantwortung am Konflikt übernommen und gibt dem anderen die Möglichkeit, eine Lösung zu suchen. Vielleicht ist ihm ja sein Verhalten gar nicht bewusst.
      Wenn man dann mitbekommt, dass er sich bemüht, es besser zu machen, ist zwar vielleicht die Geräuschkulisse noch nicht weg, aber ein Teil der eigenen Hilflosigkeit und des Ärgers.

      Herzliche Grüße
      Marietta

  12. depedet schreibt am 29. Januar 2012 um 15:19

    Die zwischenmenschlichen Beziehungen sind mathematisch fundiert:
    Wenn wir zum ersten Mal auf einen anderen Menschen zusammentreffen, vergeben wir automatisch ein "+" oder ein "-". Und danach suchen wir die Bestätigung für unsere Benotung. (So erklärt sich auch, warum man den Kindern nicht in die Partnerwahl hereinreden soll. Sie haben sich entschieden und suchen in allem die Bestätigung dafür). Mit der Zeit stellen sich aber automatisch auch gegensätzliche Zeichen ein. Es kommt darauf an, dass die "-"-Zeichen nicht überhand nehmen, dann dann kippt die Beurteilung und wir suchen beim dem vorher mit "+" bewerteten Mitmenschen nun die Bestätigung für das "mathematisch entstandene Minus". Jetzt hilft nur, bewusst nach "+"Zeichen zu suchen.

  13. lara schreibt am 29. Januar 2012 um 15:58

    danke für die guten ansätze kann einiges mitnehmen aber es ist nicht immer leicht manche menschen sind für mich richtige energieräuber und ich weiss nicht immer wie ich mich schützen kann.da ist es echt schwer das posetive zu sehen.
    lara

  14. Doris Maas schreibt am 29. Januar 2012 um 17:25

    Hallo lieber Ralf, dieses Thema war das bisher Wichtigste in meinem Leben. Bewusst gemacht durch einen einzigen Satz, der da hieß: Jeder Mensch hat das Recht, so zu sein, wie er jetzt ist...!!!

    - ich habe schnell begriffen, dass dies sowohl für mich gilt, als auch für alle anderen...

    - es begann eine wunderbare Zeit von mehr und mehr innerer Ruhe und Frieden...

    - immer weniger wurden Kritik, Ver- und Beurteilungen, Schuldzuweisungen, Ärger, Wut etc...

    - und die guten Beziehungen wurden mehr...

    - es hat sich so vieles zum Wünschenswerten gewandelt, wenn ich es könnte, dann wurde ein kleines Buch daraus entstehen...grins...

    - vielen Dank für die inspirierenden Themen!!!

  15. Andrea S. schreibt am 30. Januar 2012 um 00:13

    ...was hat er oder sie für Stärken? Schöne Idee. Das klappt ganz gut bei Kollegen oder Verwandten, bei denen man auch positives wahrnimmt bzw. wahrnehmen möchte. Was aber, wenn es 'nur' eine rücksichtslose Nachbarin ist, von der ich nur die negativen Seiten wahrnehme... zwangsläufig wahrnehmen muss? Die ich nicht kenne, und auch kein Interesse habe das zu ändern? Der ich im Hausflur bewusst aus dem Weg gehe, weil es sonst eskalieren würde? Wie soll ich denn bei so einer Un-Person Stärken erkennen?

    • Renate Beck schreibt am 30. Januar 2012 um 11:26

      Was ist denn eine Un-Person? Sind das die, die nicht Ihren Werten und Normen entsprechen? Geht es an der Grenze der gesellschaftlichen Normen sollte man Hilfe holen.

    • Monika schreibt am 31. Januar 2012 um 13:57

      Hallo Andrea,
      ich weiß, dass es ziemlich heftige Menschen gibt, auch ich hatte jahrelang einen Koflikt mit einem Nachbarn, der wann immer er nächtens heimkam, die Stereoanlage aufdrehte, so dass ic mit Herzrasen aus dem Schlaf aufschreckte. Den wollte ich auch nicht kennenlernen. Als er sich Jahre danach das Leben nahm, tat es mir leid, dass ich mich zu dem Zeitpunkt nicht dazu aufraffen konnte, ihn kennenlernen zu wollen.
      Ich denke heute, dass das "sich für jemanden nicht interessieren" Koflikte verschärft und es deshalb nicht nur zum Wohle des anderen gut sein kann, ob es nicht vielleicht doch möglich ist, eine kleine gemeinsame Basis zu finden. Denn letztlich wollen alle Menschen dasselbe: gesehen und anerkannt werden.

      liebe Grüße
      Monika

    • Andrea S. schreibt am 2. Februar 2012 um 00:27

      Hallo Renate,
      ich halte nicht viel von Normierungen, wenn es um Menschen geht. Was die Mehrheit macht ist NORMal, also gut? Naja, das ist mir zu sehr 'mitlaufen mit der Schafherde'. Jeder sollte die Freiheit haben, zu tun was er will - solange es keinem anderen schadet bzw. dessen Freiheit beschneidet. Wem soziale Kompetenz weitgehend fehlt, z.B. Rücksichtnahme anderen gegenüber, den nenne ich eine Un-Person, jemanden den ich zwar als ungeliebte Tatsache akzeptieren, aber nicht respektieren muss. Und ich habe auch kein Helfersyndrom, wenn jemand sich bewusst (also Bitten ignorierend) gegen ganz einfaches Sozialverhalten in einer Gruppe (z.B. Nachbarn) entschieden hat, muss er auch mit den Konsequenzen leben. Er wird nicht ausgegrenzt, das tut er selbst durch sein Verhalten.

      Hallo Monika,
      natürlich will jeder anerkannt werden. Anerkennung muss man sich jedoch verdienen. Wer sie sich nicht verdient, der bekommt sie auch nicht. Jemand der sich rücksichtslos gegenüber anderen seinen Weg durchs Leben bahnt, wird schon gesehen - nur leider nicht so, wie er es gerne hätte. Selbst Schuld, da kann ich kein Mitleid empfinden. Das Wohl solcher Menschen ist mir ehrlich gesagt ziemlich egal. Wer die Suppe versalzt, der soll sie auch auslöffeln. Ich erwarte für mich selbst auch kein Mitgefühl oder Anerkennung wenn ich mich wider besseren Wissens daneben benehme.

      Liebe Grüße
      Andrea

  16. Sabine Neumann schreibt am 5. Februar 2012 um 22:40

    Schade,

    also scheint keiner für Andreas Problem eine Lösungidee zu haben? Hätte mich wirklich sehr interessiert, kämpfe mit dem gleichen Problem und bekomme meine Wut trotz verschiedener Methoden (EFT, Sedona etc) nicht brauchbar in den Griff.
    Hat vielleicht doch noch jemand eine Idee? Mit der Person vernünftig und verständnisvoll reden hilft leider gar nicht.

    Liebe Grüße

    Sabine

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